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Prolog "Seife"


 

 
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AC
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 43
Beiträge: 6
Wohnort: Westpfalz


BeitragVerfasst am: 07.11.2015 17:42    Titel: Prolog "Seife" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,
ich habe ein Buch geschrieben und dieses hier ist der Prolog. Für gewöhnlich halte ich Prologe für überflüssig und habe mich bis zum Schluss gewehrt einen zu schreiben, aber die Probeleser meinten, ich bräuchte noch ein kleines Vorneweg, das ein wenig "Spannung" aufbaut.

Würdet ihr also gerne weiterlesen? Oder ist es langweilig? Auch kurze Antworten sind erwünscht. Los geht's:

PROLOG
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Es ist müßig darüber nachzudenken, was man getan hätte, wenn dies oder jenes anders verlaufen wäre, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich denke darüber nach. Ich suche meinen Fehler. Ich suche die ersten Anzeichen, ab wann das alles völlig aus dem Ruder zu laufen drohte. Natürlich hätten wir mit Ed nicht zur Lichtung fliegen dürfen, aber ob uns das zum Schluss gerettet hätte? Das Grab hätte es sicher nicht gegeben. Nur wären wir dann viel unvorsichtiger mit den übrigen Problemen umgegangen und vielleicht wären wir am Ende noch viel schlimmer dran gewesen, als wir es mit Ed und den Vorfällen auf der Lichtung gewesen waren.
Eines habe ich gelernt: Manchmal passieren dramatische Dinge, die man nicht kontrollieren kann, und es spielt keine Rolle, wie vorsichtig man ist.
Wenn ich heute in der Nacht aufschrecke – und das kommt noch immer vor – ist es meist ein Traum, in dem nicht die Vorfälle auf der Lichtung ablaufen, sondern es ist Agent Berring, der darin vorkommt. Er beschuldigt mich einmal mehr des Mordes und tut dies vehement und nachdrücklich, ohne auch nur eine Rechtfertigung hören zu wollen, so wie er es damals auch getan hat. Beim Flapp Flapp eines Hubschraubers zucke ich egal ob Nacht oder Tag zusammen. Vielleicht wohne ich deshalb so weit ab vom Schuss, nur um diesen Geräuschen zu entgehen, die sich meinem Gedächtnis eingebrannt haben. Sagt man nicht immer, die Zeit heile alle Wunden? Nein, das stimmt nicht. Die Wunde ist weiter da, nur die Zeiten, in denen man sie vorübergehend vergisst, die werden länger. Wenn man dann aber wieder daran erinnert wird, vielleicht durch ein Flapp Flapp, das sich langsam dem Haus nähert, ist diese Wunde genauso groß und tief, wie sie damals gerissen wurde, manchmal auch noch größer, weil der Schmerz überraschend und unvorbereitet über einen kommt.
Ich verbanne die Gedanken in die hinterste Ecke meines Bewusstseins, drücke einen Deckel darauf, der nie wirklich darauf bleibt.
Aber nichtsdestotrotz will ich die Geschichte jetzt erzählen. Ich will sie aufschreiben, um meine Gedanken zu ordnen, in der steten Hoffnung, dass ich ein Schloss für deren Deckel finde.

12Wie es weitergeht »


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Graven
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 263



BeitragVerfasst am: 07.11.2015 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo AC

Willkommen unter den Schreibverrückten.

Folgendes ist nur meine persönliche Meinung:

Ich meine, das Teil ist eher ein Vorwort als Prolog. Für mich wird zu viel wiederholt, zu viel reflektiert. Infodump. Ein paar Sätze würden reichen, die Du dem ersten Kapitel voranstellen könntest, zB.
 Beim Flapp Flapp eines Hubschraubers zucke ich immer zusammen. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Ich suche meinen Fehler. Ich suche die ersten Anzeichen, ab wann das alles völlig aus dem Ruder zu laufen drohte. Natürlich hätten wir mit Ed nicht zur Lichtung fliegen dürfen, aber ob uns das zum Schluss gerettet hätte? Hier widersprichst Du dir selbst, weißt wohl, warum es schief lief. Das Grab hätte es sicher nicht gegeben. Das wirkt auf mich wie ein erzwungener Versuch, Spannung zu erzeugen.
Lass Prolog weg und versuche herauszufinden, warum in deinem Anfang die Spannung fehlt.

Grüße
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3158

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 07.11.2015 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Seife? Ich hoffe, das ist ein Arbeitstitel?

Zitat:
Würdet ihr also gerne weiterlesen?

Weiß nicht Cool
Unter realen Bedingungen würde ich es nicht am Prolog festmachen, ob ich weiterlese oder nicht.
Hier ist es zumindest so, dass du mich damit nicht vergraulst.
Aber auch nicht 100%ig überzeugst.
Das liegt zum einen am Detail. Dazu wäre jetzt Textarbeit von Nöten, dein Hallo auf dem roten Teppich hört sich allerdings so an, als wäre es nicht unbedingt das, was du dir wünschst.
Ich mache es mal beispielhaft an diesem Ausschnitt fest:
Zitat:
Es ist müßig darüber nachzudenken, was man getan hätte, wenn dies oder jenes anders verlaufen wäre,

Ich hätte nach "müßig" ein Komma gesetzt. Ob tatsächlich eins hingehört, darüber sollen dann lieber andere entscheiden.
Hauptsächlich stört mich allerdings der letzte Satzteil, der würde mir in der Form besser gefallen: "wäre dieses oder jenes anders verlaufen"
Kleinkram, ja. Aber auch Dauer eben derartiger Kleinkram, der mir den Lesegenuss verleidet.

Ansonsten habe ich beim "fliegen dürfen" gestutzt, da allerdings mehr wegen inhaltlicher Zuordnung, also der Frage, um was für eine Art von Roman es sich überhaupt handelt. Um Himmels willen, ist das etwa Fantasy, habe ich mich gefragt. Wohl eher nicht, wenn ich den weiteren Verlauf betrachte, aber das ist natürlich auch etwas, was deine Frage (siehe erstes Zitat) betrifft: je nachdem, um was es geht, scheidet das ja vielleicht schon von vornherein für mich aus und hat nichts damit zu tun, ob und wie gut es geschrieben ist.

Von all dem abgesehen, haut mich der Ausschnitt jetzt noch nicht um, manches wiederholt sich, aber vom Weiterlesen würde es mich wohl nicht abhalten. Käme jetzt darauf an, wie es weitergeht.
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Nina
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4262



BeitragVerfasst am: 07.11.2015 23:36    Titel: Re: Prolog "Seife" Antworten mit Zitat

Hallo AC,

AC hat Folgendes geschrieben:
Würdet ihr also gerne weiterlesen? Oder ist es langweilig? Auch kurze Antworten sind erwünscht.


Ja, ich würde weiter lesen. Langweilig ist es nicht. Mir gefällt es, wie Du Erfahrungen, die vermutlich jeder kennt, hier einbringst (Bsp: "Es ist müßig darüber nachzudenken, was man getan hätte ...") und erste Infos über die zu erzählende Geschichte miteinander verbindest. Ein paar Stellen dürften m.E. gekürzt werden. (Anmerkungen im Text):

AC hat Folgendes geschrieben:
PROLOG
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Es ist müßig darüber nachzudenken, was man getan hätte, wenn dies(es) oder jenes anders verlaufen wäre, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich denke darüber nach. Ich suche meinen Fehler. Ich suche die ersten Anzeichen, ab wann das alles völlig aus dem Ruder zu laufen drohte.
[Hier evtl. einen Absatz machen]
Natürlich hätten wir mit Ed nicht zur Lichtung fliegen dürfen, aber ob uns das zum Schluss [evtl. letztlich] gerettet hätte? Das Grab hätte es sicher nicht gegeben. Nur wären wir dann viel unvorsichtiger mit den übrigen Problemen umgegangen und vielleicht wären wir am Ende noch viel (Wiederholung viel - viel - dies hier kann m.E. gestrichen werden) schlimmer dran gewesen, als wir es mit Ed und den Vorfällen auf der Lichtung gewesen waren.
Eines habe ich gelernt: Manchmal passieren dramatische Dinge, die man nicht kontrollieren kann, und es spielt keine Rolle, wie vorsichtig man ist.
Wenn ich heute in der Nacht  [evtl. einfach: nachts] aufschrecke – und das kommt noch immer vor – ist es meist ein Traum, in dem nicht die Vorfälle auf der Lichtung ablaufen, sondern es ist Agent Berring, der darin vorkommt. (Geschmackssache: Dieser Satz nach dem Bindestrich ist m.E. umständlich formuliert, vielleicht so: "ist es meist ein Traum, in denen es um Agent Berring, und nicht um die Vorfälle auf der Lichtung, geht) Er beschuldigt mich einmal mehr des Mordes und tut dies vehement und nachdrücklich, ohne auch nur eine Rechtfertigung hören zu wollen, so wie er es damals auch getan hat. (Absatz)
Beim Flapp Flapp eines Hubschraubers zucke ich egal ob Nacht oder Tag (immer noch) zusammen. Vielleicht wohne ich deshalb so weit ab vom Schuss (weit ab vom Schuss ist m.E. zu umgangssprachlich. Besser konkreter: deshalb wohne ich in der Nähe des Waldes o.ä.), nur um diesen Geräuschen zu entgehen, die sich meinem Gedächtnis eingebrannt haben. Sagt man nicht immer, die Zeit heile alle Wunden? Nein, das stimmt nicht. Die Wunde ist weiter da, nur die Zeiten, in denen man sie vorübergehend vergisst, die werden länger. (Das ist inhaltlich falsch, aber ich weiß, was Du meinst. Es muss heißen: Die Abstände zwischen Vergessen und Erinnern werden länger). Wenn man dann aber wieder daran erinnert wird, vielleicht durch ein Flapp Flapp, das sich langsam dem Haus nähert, ist diese Wunde genauso groß und tief, wie sie damals gerissen wurde, manchmal auch (sogar) noch größer, weil der Schmerz überraschend und unvorbereitet über einen kommt.
Ich verbanne die Gedanken in die hinterste Ecke meines Bewusstseins, drücke einen Deckel darauf, der nie wirklich darauf bleibt. (Vielleicht besser: Ich versuche, die Gedanken ... [so in etwa])
Aber nichtsdestotrotz (Nichtsdestotrotz könnte ersetzt werden durch: Dennoch) will ich die Geschichte jetzt erzählen. Ich will sie aufschreiben, um meine Gedanken zu ordnen, in der steten Hoffnung, dass ich ein Schloss für deren Deckel finde.
(Wäre die Geschichte nicht aufgeschrieben, könnte man sie nicht lesen, insofern ist das mit dem Aufschreiben m.E. redundant und kann gestrichen werden.

Ich halte diesen Einstieg als Prolog für gelungen. Weil hobbes es explizit anspricht: Ich habe keine Schwierigkeiten mit dem "fliegen". Für mich ist es ganz klar ein Hubschrauber oder Flugzeug (ich kann mich natürlich irren). Jedenfalls würde ich weiter lesen wollen, ja.

LG
Nina


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Rodion
Schreiber-Lehrling

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Beiträge: 80
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 08.11.2015 04:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo AC

ich halte deinen Prolog für ganz gut gelungen, denn die Stimmung des Erzählers wird sehr gut nachvollziehbar. Eine irgendwie schwere, düstere Atmosphäre.
Doch das mit der Lichtung habe ich beim ersten Lesen nicht gleich verstanden und auch jetzt ist es unklar, worum es da geht. Ein bißchen zu unklar meine ich.
Und ja, ich würde weiterlesen. Und an den ersten Seiten der eigentlichen Geschichte würde ich dann festmachen, ob ich das ganze Buch lese oder nicht.

LG
Rodion
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Heidi
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Beiträge: 1234
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BeitragVerfasst am: 08.11.2015 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo AC,

ich konnte deinen Prolog erst beim zweiten Versuch zu Ende lesen, da mich schon das erste Wort extrem gestört hat. Dennoch bin ich froh, einen weiteren Versuch gestartet zu haben, weil mir der Rest sehr gut gefallen hat. Du wirfst viele Fragen auf ohne Fragen zu stellen. Das macht neugierig darauf, was denn nun passiert ist.
Allerdings finde ich, dass der Prolog erst beim dritten Satz anfängt lebendig zu werden. Ich selbst vermeide das Wort „man“ soweit es geht. Es ist so sehr allgemein. Ich kann dadurch schwer Nähe zum Protagonisten aufbauen.
Das ist natürlich meine subjektive Einschätzung. Andere Kritiker sahen das ja völlig anders.

lg Heidi
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AC
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Beiträge: 6
Wohnort: Westpfalz


BeitragVerfasst am: 08.11.2015 11:21    Titel: großer Schock pdf-Datei Antworten mit Zitat

@hobbes
Ich war geschockt, als ich das mit der Fantasy gelesen habe. Das Buch ist alles andere als Fantasy und dass ich da am Anfang den Eindruck erweckt haben soll ... das wollte ich nicht.
Na ja, ich habe es noch ein paar Mal gelesen und die Verbindung mit dem Fliegen und Lichtung mit Fantasy erscheint mir doch zu weit hergeholt. Vielleicht hattest du gerade Fantasy-Gedanken Wink im Kopf. Ich glaube, ich muss diesbezüglich nichts ändern. Dennoch Danke für den Kommentar. Das war sehr interessant.

@Graven
Auch dir Danke für deinen Kommentar. Ganz nachvollziehen kann ich die Sache allerdings nicht. Mir erschließt sich nicht, warum das jetzt ein Vorwort sein sollte und kein Prolog. Wo liegt da der genaue Unterschied? Aber vielleicht kannst du das noch erklären und mich überzeugen.  
Ob du nach dem Prolog bereits beurteilen kannst, ob da logische Fehler drin sind, ist wahrscheinlich schwierig. Ich mein das jetzt nicht böse oder patzig. Deine Meinung ist nicht weniger interessant als die der anderen.

@heidi
Das "Man". Ja, da ist was dran. Ich habe den Text mal umgeschrieben und den Erzähler die Sache selbst sein lassen, aber das allgemeine gefällt mir besser. Es steigt allgemein ein und wird dann spezifischer. Das passiert ja auch recht schnell. Es hat für mich etwas mit Abholen des Lesers zu tun. Vielleicht liege ich falsch.

@Nina
Danke für die Verbesserungsvorschläge. Zum Teil änderst du sehr den Inhalt. Ob das wirklich besser ist, muss ich noch rausfinden.

@Rodion
Vielen Dank für deinen Kommentar.

Gruß
AC
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AC
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 43
Beiträge: 6
Wohnort: Westpfalz


BeitragVerfasst am: 08.11.2015 11:22    Titel: Anfang pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vermutlich beginnt jeder Neuanfang mit Kofferschleppen, Chaos und dem latenten Gefühl irgendwo nicht hinzugehören. Doch der Zauber eines Neubeginns ist, dass man alte Fehler ausmerzen kann, man kann es besser machen, vor allem, weil niemand einen kennt, und genau das hatte ich mir vorgenommen. Ich wollte mehr Freunde finden, aufgeschlossener, charmanter und weniger schroff sein als in München, wollte Sport treiben, auch wenn es hier wohl auf Gewichtestemmen und Joggen hinauslief. Wie auch immer, Melanie waren meine Arme immer zu dürr gewesen. (Ich wog fünfundachtzig Kilo bei 1,86 Meter Körpergröße. Ich denke, dürr traf es nicht, aber es gab zu wenig stramme Adern zu sehen.) Wenn ich ihr ein paar Fotos schickte, auf denen ich gestählt zu sehen sein würde, wäre sie noch saurer, als sie es ohnehin schon war. Sie hatte meinen Abflug nicht gut aufgenommen. Naja, anfangs schon. Ich hatte sie ins Steckeck ausgeführt, in unsere Kneipe, hatte sie zum Essen eingeladen und ihr von Alaska erzählt. Ich hatte sogar Fotos dabeigehabt. Sie hatte von einer Fernbeziehung gesprochen, hatte Pläne geschmiedet, mich zu besuchen und hatte von Telefonkonferenzen gesprochen, von denen mit Bild und Happyend. Dann hatte ich erwähnt, dass wir in zwei Tagen fliegen würden und sie schüttete mir ein halbes Weizenbier über das T-Shirt. Melanie konnte sehr aufbrausend sein. Ich glaube, in ihrer Familie wurde die cholerische Ader von Frau zu Frau weitervererbt, denn ihre Mutter konnte – ich hatte es selbst erlebt – ähnlich sprunghaft und mitunter jähzornig sein, während ihr Vater, das genaue Gegenteil war. Er war bodenständig, ruhig und aufgeräumt gewesen. Ich war nach diesem Vorfall 2wütend auf sie gewesen, hatte aber versucht sie anzurufen, nur nahm sie nicht ab oder hängte gleich wieder ein, wenn sie meine Stimme hörte. Für gewöhnlich verging schlechte Laune bei ihr so schnell, wie sie aufgezogen war, aber dieses Mal nicht. Sie war meine erste Freundin gewesen, mit der ich weiter als Händchenhalten und verschämte Küsse gegangen war, oder in Marcs Worten: wir hatten Stufe vier erreicht. Heißt es nicht immer, die erste Freundin vergisst man nie? Ich vermisste sie, als ich ankam, aber es ist bald vergangen. Jahre später hörte ich, sie habe einen Banker geheiratet und eine größere Menge Kinder mit ihm gehabt. Eine Fernbeziehung zwischen ihr und mir hätte ganz sicher nicht funktioniert.
In der Hütte setzte ich Kaffee auf. Es war eine einfache Maschine mit Filter und Pulver, kein Automat, wie wir ihn in München gehabt hatten. Während die Maschine vor sich hin blubberte, räumte ich unsere Sachen in die Schränke. Von der langen Reise steckte ich in einem wattig nebligen Gefühl, aber müde fühlte ich mich nicht. Im Schlafzimmer meines Vaters hingen drei Fotografien an der Wand, alle von Forschergruppen, zwei vor hohen Eiswänden aufgenommen – würde hier so viel Schnee fallen? –, die dritte auf einem Schiff. Seitlich am Schrank war ein Herz ins Holz geritzt und die Buchstaben S und K wie in einer Jugendherberge und darunter ein Kokopelli dessen Phallus größer war als der ganze Kerl.
Unter den Küchensachen fiel mir die Eisenpfanne in die Hände, die mein Vater für Steaks und Hummerkrabben verwendete, und ein Dutzend Plastikdosen mit verschiedenen Gewürzen, von deren genauer Verwendung ich keine Ahnung hatte. Mir dämmerte dunkel, dass ich zukünftig würde selbst kochen müssen, denn hier auf der Insel gab es keine Lieferdienste.
Nachdem ich alle Sachen verstaut hatte, sah die kleine Hütte genauso nüchtern und trostlos aus wie zuvor. Ich setzte mich in die Küche, nahm von dem Kaffee und blätterte zur ersten Seite Nicholas Nickelby, den ich in meinem Zimmer mit dem Vermerk schnell Lesen gefunden hatte. Ich verstand es als meine Pflicht, das zu tun - ich wollte ordentlicher sein -, oder ich denke, eigentlich wollte ich nur beschäftigt sein. Ich wollte mich ablenken von allem hier. Das Buch war ein Büchereiexemplar mit Inventarnummer und unleserlichem Stempel auf dem inneren Einband. Selma hatte es hingelegt. Ich kam bis zu Zeile vier, bis ich das erste Wort stolperte, das ich nicht verstand. Matrimonial. Ein halbes Jahr hatte ich zweimal die Woche Privatunterricht bekommen, hatte nur englische Filme geschaut und englische Bücher gelesen, alles zur Vorbereitung, doch das hieß leider nicht, dass mir jedes Wort geläufig war. Meine Lehrerin war Sophie gewesen. Wir hatten uns bei ihr getroffen, in einer kleinen Studentenwohnung nahe des Campus in München, hatten Kaffee getrunken, mehr oder weniger hatte sie mich auf den Geschmack gebracht, manchmal auch Sherry oder ein Glas Portwein, wenn ich ihr versprach, meinem Vater nichts davon zu erzählen. Sie war Studentin meines Vaters gewesen, kam aus Amerika, ging aber bereits auf die fünfzig zu. Ihr Mann war vor Jahren an Krebs verstorben und sie hatte nie zurück nach Amerika gewollt, obwohl sie so viel an Deutschland auszusetzen hatte (und die spärliche amerikanische Rente für hier kaum reichte). Manche Stunde hatte sie nur von drüben erzählt, von den Südstaaten und ihrer Jugend, von den anderen Zeiten, die rauer gewesen waren, aber einfacher, wie sie meinte. Ihren Mann hatte sie nur selten erwähnt. Sie war nie darüber weggekommen, dass er gestorben war, was ich gut nachempfinden konnte.

Meinen Vater sah ich erst zum Frühstück. Wir aßen Rührei, obwohl uns nach Abendessen war. Er hatte keine Ruhe, das sah ich ihm an; die nervösen Hände, das Klappern des Fußes auf dem Linoleum, das Zucken der Augenbraue. Ich hatte mir im Bett vorgenommen, ihm zu sagen, wie Scheiße ich es hier fand, aber ich hatte ihn selten so elektrisiert und voller Tatendrang erlebt und es schien mir unfair, ihm die Stimmung zu verderben. War ich nicht ein guter Sohn? Ich würde der Sache eine Chance geben, auch wenn mir diese verdammte kleine Hütte mitten im Nirgendwo alles andere als gefiel.
„Hör zu!“, begann mein Vater eindringlich. „Du kannst mich immer über Funk erreichen.“ Er ahnte sicher, was mir durch den Kopf ging, denn im Verstellen war ich nicht gut. „Ich habe dir den Rufnamen der Sea Exploration und die Nummer des Satellitentelefons für Notfälle aufgeschrieben, liegt auf dem Beistelltisch am Kamin. Die Handys funktionieren hier nicht. Ich habe ein Satellitentelefon bestellt. Mir ist es lieber, wenn du ein funktionierendes Telefon hast. Das Passwort für das Internet habe ich aufgeschrieben.“ Ich nickte. „Ich habe deine Tante angerufen“, fuhr er fort. „Vielleicht schreibst auch du ihr eine kurze Nachricht. Sie wollte dich sprechen.“ Er beugte sich vor. „Sag ihr nicht, dass du hier fliegen wirst, verstanden?“
„Warum nicht?“
„Dann macht sie kein Auge mehr zu …“ Mein Vater zögerte einen Augenblick. „Vielleicht erwähnst du es doch.“ Ein Lächeln umspielte seine Lippen.
„Ich schreibe ihr später. Soll ich noch fürchterliche Stürme über dem Meer erwähnen oder Hurrikans.“
„Hier gibt es keine Hurrikans. Ich habe mit Selma gesprochen. In der Hütte nebenan wird ein Junge in deinem Alter einziehen. Ich kenne seine Mutter, eine Kapazität. Du wirst bestimmt gut mit ihm verstehen.“ Klar, wenn die Mutter eine Kapazität war, musste der Junior nett sein, hat man es je anders erlebt? Ich wollte etwas erwidern, aber er ließ mich nicht zu Wort kommen. „Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig helfen. Alma wird vermutlich nicht weniger häufig als ich auf der Sea Exploration sein. In eurem Alter hätte ich das sehr gut gefunden, Herr über das Haus zu sein.“
„Welches Haus?“, raunte ich. „Wann wirst du wieder hier sein?“, fragte ich schnell, aber ich wusste, dass er es nicht wusste. Er hatte sich schon in München nicht festlegen können, wann er abends nach Hause kommen würde, und das Forschungsschiff verblieb über dem Bohrloch. Wenn es keinen Pendelverkehr mit einem Hubschrauber gab - davon hatte er nie gesprochen und es war sicher auch zu teuer -, würde er längere Zeit nicht hier sein.
„Ich werde dich besuchen, so oft ich kann, Aurel.“ Meinen zweiten Vornamen verwendete er nur, wenn er eindringlich klingen wollte - oder auch wenn er sauer auf mich war -, so wie man aus einem Benny einen Benjamin macht, um den Worten mehr Gewicht zu geben. „Ich komm schon klar“, entgegnete ich resigniert.
Er räumte das Geschirr auf die Anrichte. „Kannst du das spülen? Ich muss zum Schiff.“ Ich nickte. „Halt die Hütte schön sauber!“, fügte er mahnend an. „Denk dran, keine Putzfrau, die hinter dir herräumt.“
„Für richtige Unordnung haben wir zur wenig Sachen“, antwortete ich. Ich wollte vorwurfsvoll klingen, aber mein Vater hielt es für einen Scherz.
Er machte sich auf den Weg. Von Verabschiedungen hielt mein Vater, der Professor, nicht viel. Man war ja durch Email und Telefon immer miteinander verbunden … Früher war das anders gewesen, aber er war kein emotionaler Mensch mehr, nicht seit dem Tod meiner Mutter, als wolle er sich nicht mehr binden, auch nicht an mich. Es gab keine Umarmung, keine Wünsche des Glücks, nichts, nur die Ermahnung für Ordnung zu sorgen.
Eigentlich hatte ich gehofft, mir die Sea Exploration ansehen zu können, aber die Ankunft gestern hatte ich verschlafen und jetzt würde ich gleich Simon Langley treffen. Ich spülte das Geschirr – mit der Hand, denn es gab keinen Geschirrspüler -, trocknete es ab und legte es zurück in den Schrank. Nebenbei entdeckte ich unter den Vorräten zwei Dosen Champignons, ein Glas scharfe Peperoni und im Eckschrank standen eingelegte Soleier, Sardellenpaste und eine Familienpackung gerösteter Zwiebeln, was ich alles auf den Tisch räumte, denn ich hatte keine Verwendung dafür. Ich wollte sie heute Mittag zu Selma zurückbringen, sonst würde ich die Sachen früher oder später wegwerfen müssen. Der Aktionismus tat mir gut; er lenkte ab. Ordnung beruhigte mich.
Simon kam früh, drängte zur Eile, ganz in militärischen Stil seiner Camouflage bedruckten Kleidung. Ich dachte, wir würden fliegen, weil er mich ins Cockpit der Do steigen ließ - ich hoffte auch, wir würden die Sea Exploration überfliegen, die noch am Horizont zu sehen war -, aber stattdessen stellte er mir Fragen, anfangs einfache, alles Theorie über Instrumente, Navigation, Wetter - Dinge, die ich wusste! -, dann über flugrelevante Dinge über Amerika, von denen ich wenig Ahnung hatte. Es war zwei Jahre her, dass mein Vater mir den Pilotenschein geschenkt hatte. Ich hatte mir keinen Pilotenschein gewünscht, war auch nie dem Bann der Lüfte verfallen, von dem so viele der anderen in der Pilotenausbildung gepackt gewesen waren. Sie sprachen von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken, bla bla, nichts als hohle Worte für mich. Da oben musste man so viele Dinge beachten, dass man das als vieles bezeichnen konnte, aber nicht als Freiheit. Nein, für mich war Fliegen nichts anderes als ein Fortbewegungsmittel, das einen mit interessanter Aussicht zügig von einem Ort zum nächsten brachte. Durch die Theorie hatte ich mich quälen müssen und ich hatte sie nur meinem Vater zu Liebe abgeschlossen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich diesen Pilotenschein dort auf der Insel in Alaska nur wenige Wochen später mit ganz anderen Augen sehen würde, denn er gab mir, oder vielmehr uns - Sören und mir -, die Freiheit zu gehen und zu kommen, wann immer wir wollten. Auf einer Insel, wo man fast alleine war, ohne Freizeitmöglichkeiten war das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Simon fragte mich darüber aus, welche Flugzeuge ich schon geflogen sei. Viele waren es nicht und vor allem waren sie klein gewesen, eben die typischen Anfängermaschinen, Cessna Skycatcher, Piper 28, Cessna 172 und für einen Nachmittag einen Segelflieger, bei dem ich die ganze Zeit das Gefühl gehabt hatte, gleich abzustürzen, weil kein Motor zu hören war. Die zweimotorige DO 128 war für mich ein halbes Verkehrsflugzeug. Was Instrumente und Ausstattung anging, war sie das auch. Sie verfügte über alle Schikanen, wie Instrumente zum Landen bei schlechter Sicht, Wetterradar, Enteisungsanlage, Landekufen für Schnee. Schon die doppelte Anzahl von Motorhebeln in der Mitte hauchte mir eine gehörige Portion Respekt ein. Simon stellte rasch fest, dass ich von all diesen Dingen wenig oder keine Ahnung hatte. Er machte keinen Hehl davon, dass ihm das nicht schmeckte. Vielleicht war auch nur meine Haut war dünner als gewöhnlich, der Jetlag, ich weiß es nicht. Er hatte uns gestern aus Anchorage abgeholt, aber ich hatte es nicht gemocht, wie er mit meinem gesprochen hatte. Es gibt Leute, die man vom ersten Moment an nicht ausstehen kann, und Simon Langley gehörte zu ihnen. Ich wollte natürlich keinen Stress mit ihm und versuchte mir meine Apathie nicht anmerken zu lassen und gleichfalls freundlich und nett zu sein.
Ich fragte Simon, wie lange er schon für die Ölgesellschaft arbeitete, hauptsächlich um ihn von den fachlichen Themen abzulenken, nicht weil mir etwas an einer Unterhaltung gelegen hätte. „Drei Jahre“, antwortete er, „aber hier auf der Insel bin ich noch nicht so lange.“ Er erzählte mir, wie er die Universitäten und die Interessen der Ölgesellschaft unter einen Hut brachte, wie er das schier Unmögliche vollbrachte, wenn er ausgefallene Ersatzteile oder Geräte auftrieb, die nirgendwo lieferbar waren. Ich merkte, dass er übertrieb, wie er auch schon auf dem Flug zur Insel übertrieben hatte, aber erst von meinem Vater hörte ich später, dass er eigentlich gar nicht für die Ölgesellschaft arbeitete, sondern eine Ph.D.-Stelle an der New York University innehatte. Dort steckte er in Schwierigkeiten, weil ein findiger Professor Plagiate in seinen Arbeiten entdeckt hatte. Ich erinnere mich nicht, ihn jemals in meiner Zeit auf der Insel an etwas Wissenschaftlichen arbeiten gesehen zu haben.
Vor allem war es seine Art, mich Dinge falsch machen zu lassen, die unangenehm war. Es gefiel ihm einfach, mich anschließend mit überheblicher Manier zu korrigieren. (Er würde mir auch mit der Zeit nicht sympathischer, ganz im Gegenteil.)
Gravierender als die Tatsache, dass ich ihn nicht mochte, wog allerdings, dass ich den Eindruck hatte, er wäre nicht sehr kompetent. Nicht eben selten musste er selbst nachschlagen, was er mir erklären wollte und was er meiner Meinung nach, im Gedächtnis hätte haben müssen. Beim Fliegen – das hatte mir mein Fluglehrer in München eingeimpft - konnte man allerhand falsch machen und viele Fehler konnten unangenehme Folgen haben. „Dann hast du ganz plötzlich keine Probleme mehr“, hatte er immer gesagt. Ich war natürlich noch jung damals. Ich war jung und impulsiv und auch draufgängerisch. Ich war nur ein Jahr zuvor eine senkrechte Wand gut hundert Meter ohne Seil hinaufgeklettert, nur weil ich eine Wette hatte gewinnen wollen. Andere Male waren wir nachts ins Schwimmbad eingebrochen oder hatten mit ferngesteuerten Autos im Supermarkt den Alarm ausgelöst – letzteres gleich mehrmals in einer Nacht – oder wir hatten nach einem nächtlichen Gelage die Schilder einer Baustelle samt Ampel umgestellt. Diese lockere Einstellung hatte einen ersten Dämpfer bekommen, als meine Mutter gestorben war. Wie auch immer beim Fliegen war ich vorsichtig gewesen. Ich hatte Respekt vor den Gefahren, die es barg.
Irgendwann entließ mich Simon, vermutlich weil er merkte, dass ich nicht mehr aufnahmefähig war – das Flugzeug hatten wir keinen Meter bewegt. Ich lief zur Hütte und am Gartentor pinnte ein gelber Zettel. ‚Unbedingt schließen, Bären!’, stand darauf. Ich bezweifle, dass das niedrige Gatter einen Bären aufgehalten hätte, nicht ohne einen natürlichen Respekt vor Privateigentum.

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Graven
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Beiträge: 263



BeitragVerfasst am: 08.11.2015 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

@Graven
Auch dir Danke für deinen Kommentar. Ganz nachvollziehen kann ich die Sache allerdings nicht. Mir erschließt sich nicht, warum das jetzt ein Vorwort sein sollte und kein Prolog. Wo liegt da der genaue Unterschied? Aber vielleicht kannst du das noch erklären und mich überzeugen.   Hallo AC,
mir Prolog habe ich eine spannende Szene erwartet, die dem Roman vorangestellt wird und wurde von den Reflexionen irritiert.
Gehört die Handlung, die Du dort reingebracht hast, nicht eher in den Klappentext?

Ob du nach dem Prolog bereits beurteilen kannst, ob da logische Fehler drin sind, ist wahrscheinlich schwierig. Ich mein das jetzt nicht böse oder patzig. Deine Meinung ist nicht weniger interessant als die der anderen.


[color=blue] Ich habe nirgendwo über logische Fehler geschrieben, wir haben uns missverstanden. Smile Ich meinte ob es vielleicht die Handlung im ersten Kapitel zu gemächlich voranschreitet und deswegen keine Spannung aufkommt. (Ich habe es nicht gelesen, also kann ich jetzt nicht sagen, ob es wirklich so ist.) War von mir nicht böse gemeint. Einfach nur die Gedanken, die ich beim lesen hatte.
 Viel Erfolg.[/color]
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spinat.ist.was.anderes
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Beiträge: 509
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BeitragVerfasst am: 08.11.2015 14:14    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde die rein bewertenden / reflektierenden Teile streichen und nur die Fakten lassen, also beginnen mit:

Natürlich hätten wir mit Ed nicht zur Lichtung fliegen dürfen, ...

Das ist spannender und zieht einen mehr rein, finde ich.
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nothingisreal
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Wohnort: unter einer Brücke


BeitragVerfasst am: 08.11.2015 14:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo AC,

erst einmal finde ich es sehr schön geschrieben, flüssig. Aber ich würde nicht weiterlesen. Warum? Weil das wichtigste schon drin war.
a) ich weiß, der Prota überlebt am Ende
b) er tötet jemanden
c) wahrscheinlich überlebt auch Ed

Warum sollte ich es also lesen? Klar, weil man vielleicht wissen möchte, wie es dazu kam. Aber zu was? Das wird nicht verraten und dadurch auch keine Spannung aufgebaut. Also entweder verräts du gar nichts oder du verräts das Ende ähnlich wie bei Die Bücherdiebin und der Leser liest genau deswegen weiter.

LG NIR


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"Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten." - William Somerset Maugham
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AC
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BeitragVerfasst am: 08.11.2015 16:19    Titel: Was ist da los ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das wichtigste soll schon erwähnt sein ... Ich weiß nicht. Gut, ich gebe zu, der Prota überlebt und das Buch ist keine griechische Tragödie, wo alles dahingerafft wird, was vorkommt.

Es ist ein reflektorischer Roman, wo es nunmal schon vom Prinzip her schwierig ist, den Prota über die Wupper gehen zu lassen. Es geht primär um den Hauptcharakter und einen Freund, den er eben auf jener Insel kennen lernt und der bis jetzt nur eine kurze Erwähnung findet. (Man weiß auch nicht, ob er bis zum Schluss überlebt.) Sie geraten in Schwierigkeiten und es gibt auch Tote, aber nicht in größeren Mengen.

Allerdings bringt der Prota niemanden um und ich bin doch ziemlich sicher, dass ich das nirgends geschrieben habe.

@nothingisreal
Wie liest du denn Bücher? Ein paar kleine Andeutungen auf den ersten Seiten und schon ist alles klar?
Ich mein, es muss doch jedem klar sein, dass man da am Anfang, wenn man schon reflektorisch herangeht, mit Sicherheit nicht alle Karten auf den Tisch legt. Mein Gott, das wäre doch vollkommen langweilig. Es gibt Andeutungen, die einen mitunter auf die falsche Fährte locken sollen, die einen später dann aber, wenn es anders kommt, hoffentlich überraschen.

Ich lese Bücher oft auch nur ein Stück weit und lege sie dann weg, weil sie mir A) vom Stil her nicht gefallen oder B) der Inhalt bis dahin nicht überzeugt, aber ich habe wirklich noch nie eines weggelegt, weil ich glaubte, dass Ende zusammengereimt zu haben.

Also nicht falsch verstehen, das Buch nicht weiter lesen zu wollen, finde ich absolut okay, ich hadere nur ein wenig mit deiner Begründung.

@spinat.ist.was.anderes
Das stimmt. Aber ich mag reflektorische Romane und das ist ein relfektorischer Roman. Ich mein, der Proglog ist sehr viel später geschrieben als der Rest des Buches. Mir bzw. uns kam es irgendwie nötig vor, eine mehr oder weniger erklärende Passage voranzustellen, eine, die auch ein wenig Ausblick hat, wo es hingeht (ohne allzu viel zu verraten).

Meint man wirklich nach dem Prolog, das Ende zu kennen?
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spinat.ist.was.anderes
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BeitragVerfasst am: 09.11.2015 09:19    Titel: Re: Was ist da los ... Antworten mit Zitat

AC hat Folgendes geschrieben:


@spinat.ist.was.anderes
Das stimmt. Aber ich mag reflektorische Romane und das ist ein relfektorischer Roman. Ich mein, der Proglog ist sehr viel später geschrieben als der Rest des Buches. Mir bzw. uns kam es irgendwie nötig vor, eine mehr oder weniger erklärende Passage voranzustellen, eine, die auch ein wenig Ausblick hat, wo es hingeht (ohne allzu viel zu verraten).

Das verstehe ich. Dennoch wäre mein Vorschlag diese Information nicht auszuformulieren:

Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Es ist müßig darüber nachzudenken, was man getan hätte, wenn dies oder jenes anders verlaufen wäre, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich denke darüber nach. Ich suche meinen Fehler. Ich suche die ersten Anzeichen, ab wann das alles völlig aus dem Ruder zu laufen drohte.

Der Leser wird das mitbekommen, denn das ist ja anscheinend der Rahmen des Roman (der Erzähler denkt darüber nach).
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AC
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Alter: 43
Beiträge: 6
Wohnort: Westpfalz


BeitragVerfasst am: 09.11.2015 17:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich glaube, du hast Recht. Ich fang mit dem zweiten Absatz an.
Gruß
AC
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