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Geschichte zweier Welten


 

 
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Vachyn
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 29
Beiträge: 9



BeitragVerfasst am: 30.10.2015 05:33    Titel: Geschichte zweier Welten eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo,

hier das erste Kapitel meiner Geschichte. Es ist recht lang, aber ich wollte euch nicht das halbe Kapitel weg nehmen. Razz In der Mitte hätte es eine gute Stelle zum aufteilen gegeben. Ist ziemlich deutlich wann das ist. Es widerstrebt mir aber trotzdem es auseinanderzureißen.

Viel Spaß beim lesen und kritisieren. Smile




Kapitel I   Mohan

Ein vages Summen erfüllt den Raum. Selbst in seiner leisen Form lässt das Geräusch Mohans Nackenhaare aufsteigen, und das ist erst der Anfang. Gemächlich schwingt es sich zu einem nervtötenden, lauten, gleichmäßig vibrierenden Ton auf. Es ist beinahe unerträglich. Gestern Abend hatte er es extra noch so eingestellt, dass er den Wecker nicht durch seinen T-Link wieder abstellen kann. Er hielt es für eine gute Idee, damit er auch wirklich wach würde und einmal etwas zügiger aus dem Bett käme.
„Du bist ein Trottel, Mohan.“
Das heißt wohl aufstehen und die wohlige Wärme des Bettes zumindest kurz hinter sich lassen. Zum Aufwachen wäre der Wecker heute nicht nötig gewesen. Schon seit mindestens einer Stunde liegt Mohan im Dunkeln in seinem Bett und starrt an die Decke. Wieder einmal haben ihn seine seltsamen Träume aus einem ruhelosen Schlaf gerissen. Träume, die ihn auch nach dem Aufwachen nicht wieder zur Ruhe kommen lassen, obwohl er sich nie wirklich an sie erinnern kann. Doch sie hinterlassen ein Gefühl von Leere, wie nach einem Schock durch etwas Schreckliches, durch Tod, Gewalt, Krieg. Als kämen sie von einer anderen Welt.
Wie in Zeitlupe arbeitet sich Mohan aus dem Bett, während er über seinen T-Link das interne System seiner Wohnung anfleht, doch bitte das grauenhafte Wummern, das von den Wänden abgegeben wird, zumindest auf ein ertragbares Niveau abzusenken. Es möchte seiner Bitte nicht stattgeben. Erst als er steht und sich ein paar Schritte in Richtung Küche bewegt, verklingt der Wecker langsam. Als er vor dem Kaffeeautomaten steht ist es still.
„Danke!“
„Nichts zu danken“, antwortet ihm das System. „Möchtest du einen Kaffee?“
„Mhm...“
Die Maschine fängt an zu zischen und stört die noch so junge Stille. Mohan schaut griesgrämig zurück in Richtung Bett. Erst letzte Woche ist er hier eingezogen. Eine eher schäbige, kleine Einzimmerwohnung, aber auf die schnelle konnte er nichts besseres finden, nachdem ihn Lyl raus geschmissen hatte. Nicht, dass es überraschend kam, und er war auch heilfroh als sie es endlich tat.
Der Kaffee ist fertig. Mohan nimmt die Tasse und wirft einen kritischen Blick auf die tief schwarze Flüssigkeit. Es scheint immer so als wolle der weiße Dampf, der von ihr aufsteigt, gar nicht so wirklich weg und bleibt deswegen noch kurz an der Oberfläche kleben. Was für ein dummer Gedanke. Er schüttet den Kaffee mit dem ersten Lächeln des Tages in die Spüle.
Mohan lernte Lyl in einem Café im Raumhafen von Berlin kennen als er gerade zum ersten Mal auf die Erde kam. Als frisch gebackener Absolvent des Studiums der Kybernetik wollte er am liebsten einen Job in einem der gigantischen Technologie und Raumfahrtunternehmen auf dem Mutterplanet. Mohan selbst kam aus Tri, der dritten von einundzwanzig Kolonien auf dem Mars. Als kluger, charmanter und nicht zuletzt fleißiger junger Mann rechnete er sich gute Chancen aus, es schnell nach oben auf der Karriereleiter zu schaffen, sobald er einen Job hätte. Voller Vorfreude auf die neue Welt saß Mohan an einem Tisch des Cafes und beobachtete die Stadt durch eine riesige Glasfront. Sie war gewaltig mit ihren etwa fünfzig Millionen Einwohnern. Dann betrat Lyl das Cafe und sie sah fantastisch aus. Wie die Frauen in den T-Sphären-Shows, nur realer, besser und einfach perfekt. Mohan kann es sich bis heute nicht erklären wie, aber an diesem, seinem ersten Tag auf der Erde, stand er einfach auf, ging zu ihr und sprach sie an.
Es stellte sich bald heraus, dass auf der Erde eine Mehrzahl der Frauen 'perfekt' waren, doch da hatte er sich schon über beide Ohren in Lyl verliebt. Zudem hatte sie noch einige weitere sehr positive Eigenschaften. Sie war wohlhabend, wenn nicht sogar reich und nahm ihn sofort bei sich auf. Sex war dauernd und überall ihre liebste Beschäftigung. Nicht selten waren auch einige ihrer Freunde beteiligt. Er tat und sah Dinge, von denen er vorher nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Das beste war allerdings, dass sie ihm einen Job in einer Forschungsabteilung bei Doctrats besorgen konnte, dem größten und erfolgreichsten Technologieunternehmen der Erde. Mohan hatte es geschafft! Den Job den er brauchte um so richtig durchzustarten und eine wunderschöne, reiche Freundin.
„Lieber Tee“, sagt Mohan mürrisch in den Raum. Eine verbale Kommunikation wäre gar nicht nötig gewesen. Auf der Erde ist alles und jeder über die T-Sphären vernetzt. Ein Gedanke hätte genügt und das interne System der Wohnung hätte die Zubereitung des Tees begonnen. Würde Mohan es zulassen könnte das System über den T-Link seine sekundären Gedankenströme analysiert und daraus entscheiden welcher Tee genau gewünscht wird. Allerdings hat sich der vom Mars Stammende noch immer nicht so ganz an diese abgespeckte Version der Kommunikation mit den künstlichen Intelligenzen in den T-Sphären gewöhnt. Deshalb fragt ihn das System: „Was für einen Tee möchtest du denn genau?“
„Mir egal“, entgegnet Mohan und setzt sich mit einem lauten Gähnen an seinen neuen Küchentisch. Er ruft die neuesten Nachrichten des Tages auf, die sofort wie eigene Erinnerungen in seinem Kopf auftauchen.
„Wie du wün...“, möchte das System erwidern, doch wird es von Mohan unterbrochen: „Was zur Hölle ist da denn passiert?“
Sofort öffnet er eine Verbindung zu Sain, seinem besten und im Grunde einzigen Freund seit dem ihn die Träume plagen. Und das obwohl sich die beiden erst seit kurzem kennen. Ohne eine Sekunde Verzögerung, als hätte er auf seinen Anruf gewartet, nimmt dieser an und meint: „Seit 'ner Stunde wach und jetzt erst meldet er sich!“
„Woher... Arschloch!“ Sain musste sich in seinen T-Link gehackt haben. Wie sonst sollte der Programmierer wissen, dass Mohan schon seit einer Stunde wach war. Zu solch einer Leistung sind nur absolute Genies fähig! Wird der T-Link nicht aktiv genutzt so übernimmt das Unterbewusstsein die Kontrolle über ihn. Jeder Mensch kann für sich selbst entscheiden welche Systeme wie viel Zugriff auf ihre bewussten und unbewussten Gedankenroutinen haben. Von Beginn an wurden die T-Links mit maximalen Sicherheitssystemen ausgestattet und ganze Forschungseinrichtungen arbeiten permanent an deren Verbesserung. Und selbst wenn man doch die Sicherheitslücken des T-Links findet, so muss man noch immer das Unterbewusstsein des einzelnen Menschen so beeinflussen können, dass es einem auch wirklich seine Geheimnisse verrät.
„Hast du die Nachrichten gesehen?“, fragt Sain einfach und reagiert nicht weiter auf die Beleidigung.
„Verdammt noch mal ja, es gab einen Anschlag! Bei uns!“
„Nicht direkt bei uns. Wir können heute trotzdem zur Arbeit.“ Bei ihm hört es sich fast so an als wäre mit letzterem das schlimmste verhindert worden.
„Na da könne wir aber froh sein. Ein weiterer Tag in unserer Grotte der immer währenden Freuden.“ meint Mohan zynisch. „Ich habe gesehen es soll Tote gegeben haben. Du weißt doch sicher etwas. Wen hat es erwischt?“
Ein kurzes schweigen liegt in der Leitung. „Hm, ja ich schaue schnell,“ kommt es von Sains Seite und die Verbindung wird unterbrochen. Einen Moment sitzt Mohan nur verdutzt da, bis er merkt, dass der Tee fertig ist. Er steht mit einem Kopfschütteln auf und holt sich das dampfende Getränk. Sain hat wohl tatsächlich noch nicht geschaut, um wen es sich bei den Toten handelt. Im Grunde ist das aber auch nicht zu verwunderlich. Andere Menschen interessieren ihn einfach nicht. Er ist ein begnadeter Programmierer und wohl einer der besten Hacker, die es gibt. Seine Liebe gilt den Maschinen, der Welt der T-Sphären und dem Virtuellen. Und der einzige Mensch, der in dieser Welt noch Platz zu haben scheint, ist Mohan.
Sie verstanden sich auf der Stelle, als Mohan damals in den Keller zu dem verschrobenen Informatiker versetzt wurde. Das war nun ein knappes halbes Jahr her und etwa zur selben Zeit als ihn Lyl verlassen hatte. Doch nicht nur sie hielt es nicht mehr mit Mohan aus. Seine Freunde schieden dahin und Kollegen mieden ihn mehr und mehr. So oft hörte Mohan in dieser Zeit, dass er sich verändert habe und das nicht zum Besseren. Einige seiner besten Freunde und nicht zuletzt Lyl machten sich wirklich Sorgen. Es gab gemeinsame Gespräche und Versuche ihn zu verstehen. Doch Mohan kümmerte das nicht, denn er hatte sich wirklich verändert. Zusammen mit dem Auftreten dieser seltsamen immer wiederkehrenden Träume wandelte sich seine Sicht auf die Welt. Was einmal bunt und chaotisch gewesen war, wurde zu einer grauen, geordneten Schablone. Plötzlich begriff er Zusammenhänge, die ihm zuvor verschlossen blieben. Er begann eigene Projekte und lieferte bessere und schnellere Ergebnisse als ganze Teams. Mohan wurde unfreundlich, zynisch und überheblich, und das auch zu seinen Vorgesetzten. Nur seine jüngsten Erfolge verhinderten, dass man ihn feuerte und er wurde stattdessen zu Sain versetzt.
Als Mohan das erste Mal die Tür in ihr zukünftig gemeinsames Büro öffnete, blieb ihm beim Anblick des Informatikers fast das Herz stehen. Eine knochige, bleiche Gestalt saß mit unnatürlich weit geöffneten Augen im Schneidersitz inmitten eines leeren Zimmers. Die Pupillen zuckten mit einer Geschwindigkeit hin und her als hätte er einen epileptischen Anfall. Eine Sekretärin, die ihn zu seinem neuen Arbeitsplatz gebracht hatte, erwiderte auf seinen erschrockenen Blick nur, dass das Sains gewöhnliche Arbeitsweise sei, und verschwand dann so schnell sie konnte. Als Mohan sich wieder dem Raum zuwandte stand der Informatiker plötzlich nur einen knappen Meter vor ihm. In einem langen Moment der Stille starrten sich die zwei Sonderlinge nur tief in die Augen. Keiner blinzelte oder bewegte sonst einen Muskel am Körper. Das war der Moment, in dem die beiden erkannten, dass sie jeweils ihren besten Freund gefunden hatten.
In Mohans inneren Sicht leuchtet das Symbol für eine eingehende Verbindung von Sain auf. „Und wie sieht es nun aus?“, fragt er den Informatiker nachdem er angenommen hat.
„Es gab drei Körperverluste der Firma, zwei Nachtwächter und eine Wissenschaftlerin. Wir kennen keinen.“, kommt es ohne den hauch einer emotionalen Regung von Sain. „Ihre Erinnerungsdateien sind alle vorhanden. Aufgrund von Untersuchungen wurde ihre Wiederbelebung allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben. Das wird den Familien nicht gefallen.“
„Das ist ja eigenartig“, sagt Mohan, „die Getöteten könnten doch bei der Aufklärung helfen. Wer soll den Anschlag, denn begangen haben?“
„Kein Anschlag,“ antwortet Sain, „das sagt nur die Pressemitteilung. Es wurde eingebrochen, vielleicht Industriespionage. Das gesuchte Objekt war durch ein Hochsicherheitsfeld geschützt. Es scheint als wäre das Feld kollabiert und hat dabei nicht gerade wenig Schaden angerichtet.“
„Das Feld ist kollabiert? Da müssen die Einbrecher ja mit richtig schwerem Gerät angerückt sein“
„Das denke ich nicht“, widerspricht ihm Sain, „Sie haben versucht das Feld auf Softwareseite abzuschalten. Meine Sicherheitsprogramme haben sie entdeckt.“
„Wie ist dann das Feld kollabiert?“, fragt Mohan verdutzt.
„Die einzige Möglichkeit ist, das es absichtlich zum Kollaps gebracht wurde. Aber ich weiß es nicht. Lass uns gleich dort treffen!“
„Ok, scheint ja eine spannende Angelegenheit zu sein, wenn du etwas mal nicht in Erfahrung bringen konntest. Ich mache mich sofort auf den Weg.“ sagt Mohan. Ein kurzes Schweigen liegt in der Leitung, dann legt Sain ohne ein weiteres Wort auf.
Natürlich macht sich Mohan nicht sofort auf den Weg. Stattdessen schlendert er mit der mittlerweile lauwarmen Tasse Tee zurück ins Schlafzimmer und lässt sich in den gemütlich Sessel fallen, der dort schräg neben dem Bett steht. Die Aufregung um die Neuigkeiten ließen ihn kurz vergessen, dass er gerade erst nach einem nicht erholsamen Schlaf aufgestanden war. Doch jetzt drückt die Müdigkeit wieder mit all ihrer verführerischen Kraft auf die Augenlider. Mit halb geschlossenen Augen schaut Mohan nun durchs Zimmer und versucht nicht einfach wieder einzuschlafen. Ein Schluck Tee könnte Helfen, doch ist er zu faul die nötige Kraft aufzubringen. Das Zimmer und seine Möbel sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Rechts das schmale Bett, gegenüber die hässliche Kommode mit halb geöffneten Schubladen, aus denen einige Klamotten hängen, daneben noch ein kleiner Tisch, allerdings ohne Stuhl und links nur die Türen zur Küche und zum kleinen Flur.
„Ich sollte umziehen und mir Möbel kaufen“, murmelt Mohan in sich hinein, während seine Augenlider das letzte Stück Weg hinter sich bringen. Fünf Sekunden später erklingt das dumpfe Geräusch einer auf Teppich aufschlagenden Tasse.
*
Entsetzen. Die weißen Pilze verschlingen das Land. Hitze. Das Fleisch verbrennt. Rückzug. Verloren, so viele verloren. Ein Meer aus rot und grün. Alles dreht sich. Gesichter, bald vergessen im Nichts. Die Luft vibriert, der Boden vibriert. Es dröhnt...
*
Mohan zwingt sich seine Augen langsam wieder zu öffnen.
„Ich hasse dich, weißt du das?“, fährt er das System an. Kurz nachdem Mohan eingenickt war, hat es wieder mit dem Weckzyklus begonnen, der nun bei dem markdurchdringenden Summen angelangt ist. Es würdigt seine Hassbekundung mit keiner Antwort und erst als sich Mohan aus dem Sessel gequält hat, verklingt der Wecker langsam. Er sollte sich tatsächlich langsam anziehen und losgehen. Sain ist zwar sicher auch nicht sofort aufgebrochen, hat allerdings den kürzeren Weg zur Arbeit und wartet mit seinen Nachforschungen sicher nicht bis Mohan auftaucht. Der erste beherzte Schritt in Richtung Kommode wird allerdings jäh durch einen stechenden Schmerz im rechten kleinen Zeh unterbrochen.
„Verkackte Tasse!“, brüllt Mohan, duckt sich nimmt die Tasse und schmeißt sie durch die offene Tür in die Küche. Ungläubig bleibt er einen Moment wie angewurzelt stehen als die Tasse erst gegen einen Stuhl und dann auf die Arbeitsfläche knallt ohne kaputt zu geht. Dann fällt dem Gepeinigten sein Schmerz wieder ein und er lässt sich keuchend zurück auf den Sessel fallen. Während er sich den angeschlagenen Fuß hält, zieht Mohan nun in regelmäßigem Abstand die Luft zischend durch die Zähne ein und pustet sie dann kräftig wieder heraus. Irgendwie scheint das den Schmerz erträglicher zu machen.
Einige Minuten später traut sich Mohan wieder aufzustehen und zu testen ob der Fuß noch funktioniert. Ein Lächeln über seine eigene Ungeschicklichkeit kann er auch schon wieder aufbringen. Ohne weitere Zwischenfälle schafft es Mohan dann zur Kommode und zieht sich eines seiner lockeren kurzen Hemden und eine kurze Hose an. Es ist Anfang Juli und seine innere Sicht verrät ihm, dass es heute fast vierzig Grad heiß werden soll. Mohan scheint einer der Wenigen zu sein, denen die Hitze der letzten Zeit kaum etwas ausmacht. Ein leicht diabolisches Grinsen huscht über sein Gesicht als er an die ganzen gequälten Gesichter seiner Kollegen denkt. Ihr Gejammer muss er seit er zu Sain versetzt wurde zum Glück nicht mehr ertragen.
Kurze Zeit später erreicht Mohan die Haltestelle der Express-Magnetschwebebahn, die Passagiere aus den Außenbezirken der Metropole ins Zentrum und zurück bringt. Die holografische Anzeige zentral über den Gleisen zeigt eine Wartezeit von fünf Minuten an, so dass gerade eben erst eine Bahn abgefahren sein muss. Gelangweilt schaut sich Mohan die umgebene Kulisse und die sich darin befindenden Menschen an. Die Haltestelle ist von einer dunkel getönten Glaskuppel umgeben. Je nach Wetterlage und der durchschnittlichen Stimmung der Passagiere ändert sie ihre Farbe und Durchlässigkeit. Momentan scheinen die meisten die Nase voll von dem heißen Wetter und der Sonne zu haben.
Ein Großteil der Menschen auf den beiden Bahnsteigen scheinen in eine weite Ferne zu blicken, so als würden sie ihre Umgebung kaum wahrnehmen. Wahrscheinlich wandeln sie tatsächlich durch die Weiten der T-Sphären und sind im Grunde nur physisch auf dem Bahnsteig anwesend. Ihre innere Sicht, erschaffen durch den T-Link, kann die wirkliche Umgebung vollständig ausblenden und sie durch beliebige Bilder ersetzten. Einige wandern sicher gerade durch eisige Fantasielandschaften um sich die Hitze erträglicher zu machen. Der T-Link könnte auch dazu genutzt werden dem Gehirn vorzumachen es sei tatsächlich kühl und angenehm. Allerdings würde es dann nicht die nötigen unterbewussten Maßnahmen ergreifen um den Körper entsprechend zu kühlen. Natürlich hatte es Versuche gegeben die nötigen Maßnahmen durch den T-Link durchführen zu lassen, doch sind die genauen Aufgaben noch zu komplex und zu wenig verstanden, als dass die Programmierer der T-Links sie lösen konnten.
Mohan ist ein Mensch der unterwegs lieber im hier und jetzt bleibt. Abends und zu Hause reist er auch gerne durch die schier unendlichen Weiten der T-Sphären. Schaut sich eine der tausenden Shows oder Filme an, spielt Abenteuer in fantastischen fremden Welten, erlebt oder beobachtet wilden Sex, wie er ihn seit seiner Trennung von Lyl nicht mehr hat. Aber unter Menschen möchte er lieber die wahre Welt erleben, auch wenn sie in vielen Belangen nicht so spannend und interessant ist wie die virtuelle. Ein Hauptgrund hierfür ist wohl, dass es unter der ständiger Reizüberflutung durch die T-Sphären schwer fällt seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Zudem beobachtet er gerne die Menschen, die ihn umgeben -- vor allem diejenigen, die selbst auch nicht auf Reise in den T-Sphären sind. Er denkt sich gerne seine eigenen Geschichten zu ihnen aus. Wohin gehen oder kommen sie und was machen sie wohl im Allgemeinen oder gerade hier? Er versucht dabei oft so schlaue Schlüsse zu ziehen wie Sherlock Holmes, ein großer Detektiv in den Geschichten von vor dreihundert Jahren. Mohan stieß zufällig einmal in einer Show auf eine moderne Version des Meisters der Deduktion, der ihn neugierig auf das Original machte. Noch nie davor hatte er so viel mit klassischem Lesen verbracht, wie in den darauf folgenden Tagen. Durch diesen genialen Detektiv erkannte Mohan erst, wie anders und teilweise besser das Lesen und die eigene Vorstellung der Geschehnisse sein kann. Besser als sich nur durch die Bilder und den Ton, die den Vorstellungen anderer entspringen, berieseln zu lassen. Heute sind Mohans Versuche die Menschen auf den Bahngleisen zu analysieren nicht wirklich erfolgreich. Heutzutage ist es aber auch schwieriger einen Menschen tatsächlich nach dem Äußeren eindeutig zu beurteilen. Kaum jemand trägt den typischen Hut seiner Arbeiterzunft oder eine Brille wie man sie nur in Moskau bekommt. Die Menschen bilden eine viel homogenere Masse in der heutigen Zeit und sind einfach nicht mehr so leicht zuzuordnen. Allerdings, auch wenn er heute keinen Erfolg hat, scheint er sich seit einiger Zeit beachtlich in seinem kleinen Spiel verbessert zu haben.
Der Zug fährt ein und Mohan steigt zusammen mit der beachtlichen Masse an Menschen, die sich in den fünf Minuten auf dem Bahnsteig gebildet hat, ein. Sitzplätze gibt es zu solchen Stoßzeiten keine aber Mohan kann sich einen Platz zwischen zwei dicken Männern am Fenster sichern und sich so wenigstens anlehnen. Er stellt sich seitlich in Fahrtrichtung damit er einerseits nicht die verschwitzten Arme der beiden Männer berühren muss und andererseits auch ein wenig aus dem Fenster schauen kann. Der Zug beschleunigt und der nasse massige Körper vor ihm kommt bedrohlich näher. Mit angewidertem Blick macht er einen Schritt zurück und erkennt seinen Fehler sofort. Mit einem Schauer spürt er wie der warme Schweiß des Mannes hinter ihm sein Hemd am Rücken durchdringt.
„Wäh!“, ruft er lauter als gedacht aus und geht dann doch lieber einen Schritt weiter ins innere des Zuges. Als er noch einmal in die Richtung seines alten Platzes schaut, begegnet ihm ein funkelnder Blick aus einem hochrotem Kopf, der von Mohan wiederum nur mit einem gehässigen Grinsen erwidert wird. Zumindest ist Mohan nicht der Einzige, der sich gestört fühlt. Irritiert weicht der Mann seinem Blick aus und widmet sich wieder seinen wahrscheinlich völlig belanglosen Gedanken.
Der Zug erreicht nach einer gefühlten Ewigkeit Mohans Zielbahnhof. Die Türen öffnen sich und ein kollektives Drücken und Schubsen in deren Richtung beginnt. Der schlaksige junge Mann lässt sich von der Masse treiben und versucht dabei möglichst wenige der verschwitzen Körper zu berühren, die ihn umgeben. Gerade als er die Tür in die Freiheit passiert, blinkt in seiner inneren Sicht das Zeichen eines Anrufs auf. Ein genauerer Blick verrät ihm, dass es Lyl ist. Er verdreht die Augen und nimmt an.
„Ja?“ fragt er mit einem dezent genervten Unterton.
„Zum Glück, es geht dir gut!“ Die Erleichterung in ihrer Stimme ist alles andere als dezent.
„Was soll Glück denn damit zu tun haben?“, fragt Mohan provokativ.
„Na, es hat doch einen Anschlag gegeben. Bei deiner Arbeit. Ich hatte Angst du...“, rechtfertigt sich Lyl. Ihre Stimme klingt verängstigt und ein wenig traurig.
„Die Explosion war in einer ganz anderen Abteilung und mitten in der Nacht. Falls du dich erinnerst: Ich arbeite für gewöhnlich tagsüber. Es wäre wohl eher Pech, wenn ich gerade heute Nacht und dann auch noch genau in dieser Abteilung gearbeitet hätte.“
„Kein Pech ist Glück. Also hattest du doch Glück!“, erwidert sie trotzig.
„So ein Blödsinn“, ruft er gefolgt von einem herablassenden Schnauben durch die Leitung.
„Du“, ein kurzes wütendes Schweigen schwebt entlang ihrer Verbindung durch die T-Sphären, „verdammter Arsch!“
„Dafür habe ich leider zwei Backen zu viel“, erwidert Mohan. Verwundert stellt er fest, dass Lyl kurz kichert. Nach einer kurzen Pause flüstert sie am anderen Ende der Leitung: „Weißt du eigentlich, dass ich dich immer noch liebe?“
„Ja“, sagt Mohan emotionslos, „aber ich liebe dich nicht mehr.“
„Was ist passiert?“ fragt sie traurig. Zu oft hat er diese Frage gehört und zu oft schon mit Lyl darüber geredet weil sie es unbedingt wollte. Für ihn gibt es da nichts zu bereden oder zu analysieren. Er hat keine Lust seine Zeit mit für ihn sinnlosen Fragen zu vergeuden. Und im Grunde müsste sie das auch schon längst verstanden haben. Sie hatte es immerhin über sich gebracht ihn vor die Tür zu setzten. Wahrscheinlich erhoffte sie sich dadurch aber ihn irgendwie wieder zurückzugewinnen. Vielleicht glaubte sie, dass ihn der Entzug des luxuriösen Leben zur Vernunft, oder was sie dafür hielt, brächte.
„Vergiss es!“, sagt er also nur und beendet die Verbindung. Mittlerweile ist Mohan an seinem Ziel angekommen. Er steht vor einem riesigen Gebäudekomplex, der größten Forschungseinrichtungen Doctrats'. Ein gigantisches Hologramm mit dem Firmenlogo schwebt über allem. Ein schiefes Quadrat, das den Firmennamen aus prunkvollen Lettern umrandet. Es ist wohl angelehnt an Werke von Escher, einem Künstler aus dem zwanzigsten Jahrhundert, der sich vor allem mit der Darstellung unmöglicher Figuren beschäftigte. Mohan glaubt gehört zu haben, dass einer seiner Nachkommen die Firma gründete.
Wie zu erwarten war, hat sich vor dem Haupteingang eine Traube von Journalisten gebildet, die auf keinen Fall die Neuigkeiten zum vermeintlichen Anschlag auf die Firma verpassen wollen. Mohan wendet sich allerdings von ihnen ab und geht in Richtung einer unscheinbaren Tür, die eigentlich nur zu Fluchtzwecken dienen soll. Mohan und Sain nutzen sie jedoch als ihren persönlichen Nebeneingang, da sie den kürzesten Weg in ihr Büro im Keller darstellt. Die beiden hatten den Alarmmechanismus der Tür natürlich mit Leichtigkeit ausgeschaltet. An der Tür angekommen verbindet sich sein T-Link mit dem Mechanismus der Tür und unterdrückt dessen Routinen, die den Alarm auslösen würden. Schnell öffnet er sie, huscht hindurch und schließt sie hinter sich. Der Korridor dahinter wirkt nach der gleißenden Sonne vor der Tür dunkel und fast bedrohlich. Mohan kann kaum etwas erkennen. Nur eine rötliche Lampe an der Decke spendet ein wenig Licht, in dem er nur schemenhaft eine Person zu erkennen glaubt. Das muss Sain sein.
„Sind sie Mohan Lee?“, fragt eine unfreundliche Stimme. Es ist nicht Sain.
„Ehm, ja. Wie...“
„Sie sind festgenommen!“, bellt ihn der Mann an.
„Was? Mal halblang. Wer bist du?“
„Widersetzen sie sich nicht!“ Die Gestalt kommt auf ihn zu. Langsam gewöhnen sich Mohans Augen an die Lichtverhältnisse und er kann sie besser erkennen. Ein muskelbepackter Riese, mit dem wohl wirklich nicht zu spaßen ist.
„Ok, ok. Ganz ruhig. Ich widersetze mich nicht. Darf ich aber fragen, warum sie mich festnehmen?“ fragt Mohan den Mann mit versucht beschwichtigender Stimme.
„Das dürfen sie nicht“, antwortet dieser. Es klingt wie das Knurren eines großen bösen Hundes. Mohan schaut sich verzweifelt um und erblickt nun weiter hinten im Korridor Sain. Dieser steht neben einer scheinbar perfekten Kopie des Mannes, der sich gerade angriffslustig vor Mohan aufbaut. Ein genauerer Blick offenbart, dass sein Freund halb benommen mit einer Platzwunde am Kopf und Handschellen dasteht. Ihre Blicke treffen sich und auch Sain scheint den Neuankömmling nun wahrzunehmen. Der gepeinigte Informatiker atmet tief ein und formt mit den Lippen drei Worte: Hau, ab, schnell. Mohan reagiert prompt, dreht sich um und rennt die paar Schritte zurück zur Tür. Er will sie gerade in die rettende Freiheit öffnen, doch ist er zu langsam. Er spürt noch wie die mächtige Faust des Mannes auf seinen Hinterkopf donnert. Durch die Wucht des Schlags wird sein Schädel nach vorn geschleudert und knallt gegen die Tür. Doch das bekommt der ohnmächtige Mohan schon nicht mehr mit.

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Nathan Pascal
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 26
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BeitragVerfasst am: 30.10.2015 07:20    Titel: Antworten mit Zitat

Wer um 5:33 Uhr seinen Text postet, der verdient auch eine Antwort.

Wenn ich mich recht entsinne, hattest du in deinem Einführungspost auf dem Roten Teppich gesagt, du hättest keine große Schreiberfahrung?
Ich habe definitiv schon schlechteres von Leuten gelesen, auf die das zutrifft, ebenso von Leute die mehr Erfahrung besitzen.

Ein paar Dinge sind mir bei den ersten Sätzen aufgefallen.
Etwa "vages" Summen. Summer ist, meinem Verständnis nach, ohnehin ein vages Geräusch, das Adjektiv damit nicht nötig. Der Nebensatz, dies sei erst der Anfang, bezieht sich, wieder nach meinem Verständnis (öfter werde ich das jetzt nicht betonen), in dieser Form eher auf die körperliche Reaktion und weniger auf das Geräusch, daher würde ich den Satz einfach weglasen. Das es nicht dabei bleibt wird durch den nächsten Satz deutlich genug.

Etwas merkwürdig war auch der übermaßige Schmerz, weil er gegen seine Tasse trat. Das ist weder eine Mausefalle, noch eine Landmine, einfach nur eine Tasse. Steht dahinter ein tieferer Sinn? Ansonsten könnte man diesen Abschnitt wohl einfach weglassen, wenn das nicht wie bei einem gewissen Beamten seine Wehleidigkeit unterstreichen soll, aber Mohan erscheint mir nicht wie ein wehleidiger Charakter.
(Das mit dem Beamten musst du jetzt nicht verstehen, Vachyn.)

Weiterhin hat es mich etwas befremdet, dass das System der Hauses ihn geduzt hat und Dinge wie "Nichts zu danken" sagt. Das hat für meinen Geschmack etwas sehr vermenschlichtes, wie der Bordcomputer der 'Herz aus Gold' aus dem Anhalter durch die Galaxis. Eddie hieß er, oder?
Oder ist das Absicht? Mohan wirkt nicht wie jemand, der seinen Kaffeeautomaten auf die Einstellung "kumpelhaft" stellen würde. Auch wenn die Vorstellung etwas Erheiterndes hat.

Überhaupt besitzt der Text einen trockenen Humor, der mir sehr zusagt. Etwa der Satz mit den besten Freunden.

Die Unterhaltung mit der Exfreundin dagegen sagt mir weniger zu, die wirkt irgendwie platt:

1. Sie schmeißt ihn raus, telefoniert aber aus riesiger Sorge sofort hinterher, nachdem sie von einem Anschlag hört und schreit welches Glück er hatte? In einer Welt in der Tode, offensichtlich, mehr eine Papierangelegenheit sind, wenn ich die Sache mit den Körperverlusten und Erinnerungswiederherstellungen richtig verstanden habe, wirkt das nur anhänglich und überdramatisch, zudem widersprüchlich dazu, dass die ihn rausgeschmissen hat.

2. Das er sie korrigiert bei der Sache mit der Nacht und der Abteilung ist logisch, lässt die Freundin aber als unglaublich dumm erscheinen.
Ebenso der Glückskeksspruch über das Glück.

3. Dann das Kichern, nachdem sie Beleidigungen ausgetauscht haben?
Das scheint mir Grundschulniveau zu sein.

4.
"Ich liebe dich nicht mehr."
"Was ist passiert?"
Diese Frage würde man doch nicht stellen, wenn man das Thema schon x-mal durchgekaut hat.

Insgesamt wirkt es, als würdest du sie als komplette Nervensäge aus einigen (unpassenden) Frauenklischees zusammengeschustert haben.  
Etwas mehr Tiefe würde hier gut stehen, denn anhand von Mohan und Sain sehe ich ja, dass du, Vachyn, dazu fähig bist, deine Charaktere zu charakterisieren.
Und das ziemlich gut.
Mohan wird gut durch sein Verhalten und seine Reaktionen dargestellt, von Sain durch einige Sätze ein gutes Bild vermittelt.
Was in Anbetracht dieser Fähigkeit bei der Gestaltung dieses Gespräches vorgefallen ist, ist mir schleierhaft. Erinnert mich ein wenig an die blonde Frau aus ' Indiana Jones und dem Tempel des Todes'.

Aber gut, ich sagte ja schon, deine sonstige Charakterzeichnung ist gelungen.
Ebenso überzeugt mich deine futuristische Welt mit ihrem Hauptaspekt, den Gedankenlinks, auch wenn ich mich in Science Fiction nicht unbedingt gut auskenne, und diese Aussage daher weniger Gewicht haben dürfte.
Jedenfalls wirkt es auf mich, als hättest du dir dabei einige Gedanken gemacht, was du aus deiner Geschichte machen willst, anstatt einfach zusammenhanglos etwas zusammenzuschreiben (womit ich wieder daran zweifeln möchte, dass du tatsächlich keine Schreiberfahrung hast.)

Die Geschichte hinter dem Anschlag und den merkwürdigen Träumen, sowie der damit zusammenhängenden Persönlichkeitsveränderung macht neugierig, wobei ich an folgenden Werbeslogan für die T-Links denken musste (wofür steht das 'T' eigentlich?):
"Sie tragen einen Gedankenlink in ihrem Kopf, durch den Hacker ihr Unterbewusstsein beeinflussen können und haben seltsame Träume? Ignorieren sie jeden Zusammengang, unsere Produkte sind sicher!"Wenn ich Smileys benutzen würde, stünde hier nun wohl einer.

Zum Schluss noch der Hauptaspekt meiner Kritik an deinem Text:
Du erklärst wahnsinnig viel am Anfang der Geschichte. Damit meine ich nicht die technischen Details des Gedankenlinks, das zu erklären passt noch.
Du erzählst uns, den Lesern, wie Mohan auf die Erde und an seinen Job kam, du erzählst uns, dass er sich verändert hat, du erzählst, das er gerne Menschen beobachtet, aber wir erleben es nicht mit dem Charakter (wie wir seinen schweren Schock mit dem gestoßenen Zeh miterleben durften... Verzeihung.) Es heißt ja "show, don´t tell" und dieses Erzählen hat eher etwas vom "tell"-Aspekt und ist insbesondere am Anfang einer Geschichte eher störend und könnte manche Leser langweilen.
Im Allgemeinen als besser angesehen, mancher mag aber natürlich auch diese direkte Art der Informationsspeisung zu schätzen wissen, wäre es etwa die Geschichte mit seiner Ankunft und dem Kennenlernen von Lyl in einer Rückblende zu erzählen und dem Leser so auch Vergleiche zwischen Mohans früherem und seinem jetzigen Verhalten zu zeigen, sowie durch Mohan tatsächlich einige Informationen über die Passanten am Bahnhof zu erhalten und so auch einen besseren Blick auf deine zukünftige Gesellschaft zu erlangen, statt zu hören, eigentlich könne er es ja dank Holmes (wobei ich anmerken möchte, diese Rückblicke auf für deinen Charakter längst vergangene Zeiten ganz interessant zu finden), aber heute dann leider doch nicht.
Der Leser will, im Allgemeinen, an solchen Dingen teilhaben und nicht mit Fakten gefüttert werden.
"Dies ist, das ist, und darum... außerdem gibt es Brillen nur in Moskau."
Warum eigentlich nur dort? Naja, nicht so wichtig.

Aber letztlich mag dieses Erklären auch zu deinem Stil gehören, wobei ich dies tatsächlich eher mangelnder Schreiberfahrung zuordnen könnte. Wenn du es also bewusst so halten willst (und natürlich kann ich an diesem Kapitel nicht ermessen wohin die Geschichte noch führt und ob die verfütterten Fakten noch wichtig sind, oder ob sie ohnehin unbedeutsam sind und daher tatsächlich abgefrühstückt statt erlebt gehören) könnte ich es als Leser deiner Geschichte wohl akzeptieren. Aber man sollte es bewusst einsetzen, nicht versehentlich. Ich habe ja einige Vorschläge gemacht, wie man es anders (ich sage nicht besser, nur anders) machen könnte.

Gut, genug. Ich habe mich jetzt eher auf die negativen Aspekte konzentriert, aber schlecht ist der Text sicher nicht, ansonsten hätte ich mir nicht soviel Zeit für meine Antwort genommen.
An den starken Aspekten gibt es ja nichts zu arbeiten, darum sind sie in meiner Kritik einfach kürzer geraten.

Sicher sind da noch ein paar mehr Kleinigkeiten, wie im ersten Satz, aber die mögen andere besser ausführen als ich.

Hoffentlich hilfreich
Nathan Pascal
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Vachyn
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

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Beiträge: 9



BeitragVerfasst am: 30.10.2015 16:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Nathan,

vielen dank für deine konstruktive und ausführliche Kritik.

Das ist tatsächlich meine erste Geschichte, die ich außerhalb schulischer Aktivitäten schreibe. Die Geschichte wuselt schon ewig in meinem Kopf. Ihren Ursprung fand sie in einem Projekt, dass ich mit einem Freund angehen wollte. Wir wollten uns an die Entwicklung eines Computerspiels wagen, für das ich eine Geschichte entwerfen sollte. Das Projekt verlief schneller als gewollt im Sand, aber die Grundidee für die Geschichte blieb.

Auf ein paar Punkte von dir möchte ich kurz eingehen.

Die Situation mit der Tasse soll nicht die Wehleidigkeit Mohans ausdrücken. Vielmehr soll sie seine etwas unbeholfene Art aufzeigen und den Leser ein wenig zum lächeln bringen. Es soll auch an die Situation erinnern, die jeder kennt wenn er mit dem Fuß (meistens mit dem kleinen Zeh) heftig gegen etwas stößt. Im Kopf hatte ich dabei auch eine Szene aus dem Cartoon "Family Guy" als Peter auf dem Weg Heim gegen etwas stößt und übertrieben lang seinen Fuß hält und dabei die Luft zischend ein und aus atmet wie ich es auch beschrieben habe. Entweder sollte ich wohl stärker betonen, dass er wirklich heftig mit dem Fuß gegen die Tasse stößt oder die Szene wirklich weg lassen.  

Die Systeme, die mit den Menschen interagieren, wie das des Hauses, sollen Persönlichkeit haben. Das wird auch noch eine zentrale Rolle spielen. Ich fände es zudem umgekehrt eher befremdlich wenn die Interaktion zu sachlich wäre.
Das kann man übrigens auch schon bei interaktiven Systemen heutzutage feststellen. Menschen fühlen sich wohler, wenn die Maschine ihnen wärme entgegenbringt.

An der Unterhaltung mit der Freundin werde ich nach deiner Kritik definitiv arbeiten. Ich will es aber beibehalten, dass sie ihn immer noch liebt und etwas klettet. Das wird auch noch eine wichtige Rolle spielen.
Ich werde zudem auf jeden Fall versuchen sie weniger klischeehaft zu charakterisieren.

Das "T" steht für "Thought". Ich wollte erst G (Gedanke) benutzen. Allerdings hat mich das erst zu sehr an den "G-Punkt" erinnert und dann dachte ich, dass es (wenn man es Deutsch ausspricht) zu sehr nach einem Link zum "Gehen" oder sogar Gelenk erinnert. Das Wort ausschreiben wollte ich auch nicht, da man in der Computerwelt dauernd Abkürzungen benutzt.

Über deinen Hauptkritikpunkt muss ich mehr nachdenken. Ich kann schon mal sagen, dass ich keine Rückblenden im klassischen Sinne benutzen werde. Die Geschichte soll am Mohan im Jetzt kleben. Die Abschnitte, in denen man etwas aus seiner Vergangenheit etc erfährt sollen im Grunde seine eigenen Gedanken widerspiegeln. Diese Abschnitte sind oft wenn Mohan auf etwas wartet (Sains Rückruf, Bahn) und so seinen Gedanken nachhängen kann. Es sind natürlich nicht exakt seine Gedanken, aber sollen daran angelehnt sein. Den Abschnitt am Bahnhof werde ich denke ich auf jeden Fall überarbeiten und Mohan tatsächlich analysieren lassen. Auf der anderen Seite will ich die Lesezeit nicht die fünf Minuten Wartezeit am Bahnhof überschreiten lassen. Ich muss sehen wie ich das hinbekomme. (Zu der Brille aus Moskau: in einer Geschichte kann Holmes anhand eines Kneifers (=best. Art Brille) erkennen, dass eine Frau aus Russland mit dem Fall in Verbindung steht. "Der goldene Kneifer" heißt die Kurzgeschichte wenn ich mich richtig erinnere. Da kam die Idee her. Brillen gibt es natürlich überall. wink )

Noch einmal vielen Dank für deine Kritik.

Viele Grüße,
Vachyn
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 02.11.2015 06:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich muss gestehen, dass ich nicht das ganze Kapitel gelesen habe. Eigentlich habe ich schon sehr am ersten Abschnitt geknabbert. Warum?

Nun, wenn deine Geschichte nicht auf einen "Aufstand der Wecker" hinaus läufst, hast du diese alltägliche Situation "Mann sorgt dafür, dass er seinen Wecker nicht im Halbschlaf abstellen kann" in zu viele übermoderne Technik verpackt und auch viel zu weit ausgebreitet.

Die einzige echte Information, die du uns gibst, ist dass Mohan eine direkte Verbindung zu seinem Computer (Vorschlag: lass das "T-" ganz weg und nenne es nur "Link") hat. Ansonsten ist dieser erste Abschnitt mit Adjektiven und Adverbien vollgeladen wie ein Liebesroman. (vage leise gemächlich nervtötenden, lauten, gleichmäßig vibrierenden unerträglich).

Die "Träume" beschreibst du sehr wortreich, aber absolut ohne Inhalt.

Einen Computer anzuflehen, kommt bei mir als Software-Entwickler schon ganz schlecht an. So was macht man mit einem höheren Wesen oder mit jemand, der absolute Macht über mich hat.

Und ich weiß nicht, wie glaubhaft es ist, sich einen Kaffee zu bestellen und den dann wegzuschütten.

Zu Rückblenden/Hintergrundinformationen: Du tust gut daran, dem Leser nur das zu geben, was er braucht. "Lyl" hat ihn rausgeschmissen; gut. Also ist sie seine Ex. Punkt. Ich muss absolut nicht wissen, wo die beiden sich kennen gelernt haben etc. Nicht an dieser Stelle.

Du schriebst:

"Die Abschnitte, in denen man etwas aus seiner Vergangenheit etc erfährt sollen im Grunde seine eigenen Gedanken widerspiegeln."

Ja und? Sind die für mich als Leser relevant? Muss ich das jetzt und hier wissen, um die aktuelle Szene zu verstehen? Nein. *Ich* warte darauf, dass endlich etwas passiert, nicht nur, dass ein müder Mann seinen Kaffee trinkt oder auch nicht.

Vorschlag: Nimm erst einmal alles raus, bis zum ersten Mal wirklich etwas geschieht. Nach kurzem Überfliegen würde ich mit "Sind Sie Mohan Lee?" anfangen. Spiel diese Action-Szene durch bis zum Ende, ohne viel mehr als rudimentäre Informationen zu den handelnden Personen zu geben.

Sobald deine Hauptfigur wieder aufwacht, kann er ja anfangen, sich zu erinnern... an die RELEVANTEN Dinge.

Grüße
Rainer
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Vachyn
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BeitragVerfasst am: 03.11.2015 15:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

danke für deine Kritik. Ich werde mir Gedanken um deine Punkte machen.

Nach dem ersten Lesen kann ich dir allerdings nicht wirklich zustimmen. Ich finde es wichtig, dass vor allem die Hauptperson Charakter bekommt, bevor die große Action und Handlung startet. Ich will ja keinen Krimi oder Thriller schreiben. Dort beginnt es mit einem Knall (meist Mord) und der wird dann aufgearbeitet. In einer SciFi/Phantasy Geschichte ist das mMn ganz anders. Dort entwickeln sich Charaktere bevor die Geschichte entfaltet wird. Wenn man dort gleich mit dem Knall startet, frage ich mich "Na und? Wer ist die Person und wieso sollte mich interessieren was mit ihr passiert?"

Die Geschichte startet nicht mit einem Feuerwerk, aber gibt Einblicke in Mohans, aber auch Sains und Lyls Charakter und eine Einführung in die Welt. Das ist mir wichtiger als das Feuerwerk.

Die Gedanken und die Erzählung vergangener Ereignisse sind also in so fern relevant, dass sie dem Protagonisten einen Charakter und Leben geben. Deinen finalen Vorschlag alles radikal wegzulassen bis kurz vor dem Ende des Kapitels, werde ich demzufolge definitiv nicht befolgen. Ich werde aber zB versuchen meine Sprache etwas weniger blumig zu gestalten. Im ersten Abschnitt sind wirklich etwas viele Adjektive untergebracht.

Grüße,
Vachyn
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 04.11.2015 07:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Vachyn,

soll ich jetzt sagen, dass deine Antwort typisch für einen Schreibanfänger ist?

Vorschlag: Wenn du der Meinung bist, dass man bestimmte Reaktionen deiner Figur während der "großen Aktion" als Leser nur verstehen kann, falls bestimmte Hintergundinformationen vorher bekannt sind, dann (und nur dann) führe das in einer "kleinen Aktion" vorher ein. Aber nicht, während er festgetackert vor einer Kaffeemaschine steht und sein ganzes Leben wie ein endloser langweiliger Film an ihm vorbeiläuft.

Grüße
Rainer
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Vachyn
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BeitragVerfasst am: 04.11.2015 12:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

wieso fragst du mich das? Wenn das typisch für einen Schreibanfänger ist, dann kannst du es gerne als Aussage formulieren. Durch die Frage wirkt es aber spöttischer und mehr von oben herab. Das war wohl deine Intention. Weshalb? Weil ich deiner Kritik nicht voll zustimme?

Deine neuer Vorschlag (unter Vorbehalt) ist, dass ich mehr dem "show, don't tell"-Prinzip folgen soll, wie es auch schon Pascal meinte. Das kann ich gerne versuchen zu realisieren. Ich schmeiße aber nicht den gesamten Text und die Charakterisierung Mohans weg, wie du es zuerst vorgeschlagen hast.


Grüße,
Enrico
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Zeitenträumer
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BeitragVerfasst am: 09.11.2015 23:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Vachyn,

ich mische mich mal ein, um etwas zu dem "show, don't tell"-Disput zu sagen. Ich kenne ihn sehr gut: ich will einerseits etwas über meine Figuren, die Welt in der sie leben etc. erzählen, andererseits aber in der Geschichte bleiben und vor allem dafür sorgen, dass auch der Leser es tut. Zunächst einmal muss ich aus meiner Erfahrung sagen, dass die meisten Leser, die ich kenne, gern Handlung sehen wollen. das kannst du natürlich ignorieren, aber es sollte dir bewusst sein.

Meiner Meinung nach kann man diesen Konflikt aber oft sehr einfach vermeiden und dem "show, don't tell"-Prinzip folgen, ohne Informationen zu verlieren. Dazu folgende Anregungen.

Erstmal: ich als Leser werde an der Stelle, als die Lebensgeschichte Mohans erzählt wird, aus dem Text gerissen, und zwar nicht aufgrund der Informationen, sondern weil du aus der Geschichte heraus gehst, und zwar sehr abrupt.

Der Kaffee ist fertig. Mohan nimmt die Tasse und wirft einen kritischen Blick auf die tief schwarze Flüssigkeit. Es scheint immer so als wolle der weiße Dampf, der von ihr aufsteigt, gar nicht so wirklich weg und bleibt deswegen noch kurz an der Oberfläche kleben. Was für ein dummer Gedanke. Er schüttet den Kaffee mit dem ersten Lächeln des Tages in die Spüle.
Bis hier bist du in Mohans Kopf, doch dann wechselst du in die Stimme eines ausgelagerten Erzählers:
Mohan lernte Lyl in einem Café im Raumhafen von Berlin kennen als er gerade zum ersten Mal auf die Erde kam. Als frisch gebackener Absolvent des Studiums der Kybernetik wollte er am liebsten einen Job in einem der gigantischen Technologie und Raumfahrtunternehmen auf dem Mutterplanet.

Meine (spontane) Idee wäre, die Infos in Erinnerungen zu verpacken, und zwar direkt an der Stelle, an der Lyl zum ersten Mal erwähnt wird. Ich versuchs einfach mal - wird jetzt so ad hoc sicher auch nicht perfekt.

Die Maschine fängt an zu zischen und stört die noch so junge Stille. Mohan schaut griesgrämig zurück in Richtung Bett. Erst letzte Woche ist er hier eingezogen. Eine eher schäbige, kleine Einzimmerwohnung, aber auf die schnelle konnte er nichts besseres finden, nachdem ihn Lyl raus geschmissen hatte. Nicht, dass es überraschend kam, und er war auch heilfroh als sie es endlich tat.
Der Kaffee ist fertig. Mohan nimmt die Tasse und wirft einen kritischen Blick auf die tief schwarze Flüssigkeit. Es scheint immer so als wolle der weiße Dampf, der von ihr aufsteigt, gar nicht so wirklich weg und bleibt deswegen noch kurz an der Oberfläche kleben. Was für ein dummer Gedanke. Er schüttet den Kaffee mit dem ersten Lächeln des Tages in die Spüle. Das würde ich nach unten verschieben.
Wie so oft, wenn er seit der Trennung an Lyl denkt, steigen die Bilder in ihm hoch: Wie er in dem Café im Raumhafen von Berlin saß, überwältigt von der gewaltigen Stadt mit ihren fünfzig Millionen Einwohnern; wie sie den Raum betrat, fantastisch aussehend wie die Frauen in den T-Sphären-Shows, nur realer, besser, einfach perfekt; wie er einfach aufstand, auf sie zu ging und sie ansprach. Er kann sich bis heute nicht erklären, wie er den Mut dazu aufbrachte. Vielleicht, weil es sein erster Tag auf der Erde war, nur wenige Stunden nach der Landung der Raumfähre aus Tri, der dritten Marskolonie, und er nach seinem hervorragenden Abschluss in Kybernetik vor Selbstbewusstsein und Tatendrang sprühte. Als er kurz darauf herausfand, dass auf der Erde beinahe alle Frauen perfekt aussahen, hatte er sich bereits bis über beide Ohren in Lyl verliebt.

Ich weiß nicht, ob da jetzt alle Infos drin waren, aber ich hoffe, du verstehst was ich meine. Viele werden auch so noch von Infodump sprechen, aber ich finds von der Menge her völlig im Rahmen, und so lese ich es schon deutlich lieber. Und du kannst direkt wieder in die Geschichte einsteigen, z.B.:

Und die wunderschöne und zu allem Überfluss auch noch reiche Lyl wurde nicht nur seine Freundin, sondern besorgte ihm zudem den Job in der Forschungsabteilung bei Doctrats ...
Die Maschine zischte und riss ihn aus seinen Gedanken. Der Kaffee ist fertig. Mohan nimmt die Tasse und wirft einen kritischen Blick auf die tief schwarze Flüssigkeit. Es scheint immer so als wolle der weiße Dampf, der von ihr aufsteigt, gar nicht so wirklich weg und bleibt deswegen noch kurz an der Oberfläche kleben. Was für ein dummer Gedanke. Er schüttet den Kaffee mit dem ersten Lächeln des Tages in die Spüle.
"Lieber Tee", sagt er mürrisch in den Raum.


Eine weitere Möglichkeit, die ich selbst gern nutze, sind direkte Gedanken. Am Beispiel einer Stelle, die mich sehr gestört hat:

Sofort öffnet er eine Verbindung zu Sain, seinem besten und im Grunde einzigen Freund seit dem ihn die Träume plagen. Und das obwohl sich die beiden erst seit kurzem kennen. Ohne eine Sekunde Verzögerung, als hätte er auf seinen Anruf gewartet, nimmt dieser an und meint:  „Seit 'ner Stunde wach und jetzt erst meldet er sich!“
„Woher... Arschloch!“ Sain musste sich in seinen T-Link gehackt haben. Wie sonst sollte der Programmierer wissen, dass Mohan schon seit einer Stunde wach war. Zu solch einer Leistung sind nur absolute Genies fähig! Wird der T-Link nicht aktiv genutzt so übernimmt das Unterbewusstsein die Kontrolle über ihn. Jeder Mensch kann für sich selbst entscheiden welche Systeme wie viel Zugriff auf ihre bewussten und unbewussten Gedankenroutinen haben. Von Beginn an wurden die T-Links mit maximalen Sicherheitssystemen ausgestattet und ganze Forschungseinrichtungen arbeiten permanent an deren Verbesserung. Und selbst wenn man doch die Sicherheitslücken des T-Links findet, so muss man noch immer das Unterbewusstsein des einzelnen Menschen so beeinflussen können, dass es einem auch wirklich seine Geheimnisse verrät. Das ist ja vermutlich eines der zentralen Elemente deiner Welt, und ich finds grundsätzlich interessant - deshalb finde ich, dass du es mit dieser, sorry, spröden und langweiligen Beschreibung echt verschenkst. Ich versuche nochmal:

Sofort öffnet er eine Verbindung zu Sain, seinem besten und im Grunde einzigen Freund seit dem ihn die Träume plagen. Und das obwohl sich die beiden erst seit kurzem kennen. Das würde ich streichen, brauchen wir erstmal nicht. Ohne eine Sekunde Verzögerung, als hätte er auf seinen Anruf gewartet, nimmt dieser an. und meint: Ist nur mein persönlicher Geschmack, aber ich finde die Ankündigung der direkten Rede durch Doppelpunkt immer sehr wenig elegant; ist aber was anderes und hat nichts mit meiner grundsätzlichen These zu tun. „Seit 'ner Stunde wach und jetzt erst meldet er sich!“
„Woher... “ Mohan überlegt fieberhaft. Wenn ich den T-Link nicht aktiv nutzte, übernimmt das Unterbewusstsein die Kontrolle darüber. Jeder Mensch kann für sich selbst entscheiden welche Systeme Zugriff auf ihre Gedanken haben! Er hat meinen Link gehackt! "Arschloch!"
„Hast du die Nachrichten gesehen?“, fragt Sain einfach und reagiert nicht weiter auf die Beleidigung.


Klar, da habe ich jetzt ne Menge Infos weggelassen, aber bei aller Liebe zum Detail: der Leser muss das nicht alles im ersten Kapitel erfahren. Lieber so nach und nach, sonst kann man es sich eh nicht merken. Für die Beschreibung des T-Links fällt mir als weitere Möglichkeit noch ein automatischer Einführungsvortrag einer Computerstimme ein, zu der dann auch der wissenschaftliche Tonfall und das Vokabular passte, das du in dem Abschnitt benutzt.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich mag Infos, wenn sie interessant aufbereitet sind und mir nicht einfach von links oben nach rechts unten vor die Stirn geklatscht werden. Meiner Meinung nach schließen sich eine flüssige, spannende Handlung und Informationen nicht aus.

Ist nur ne Anregung, also wenn du nichts damit anfangen kannst, vergiss es einfach.

Beste Grüße,

David
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Vachyn
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BeitragVerfasst am: 13.11.2015 00:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

danke nochmal für die Kritik und Kommentare, im speziellen nun auch Zeitenträumer. Ich habe die Abschnitte mit Lyl nun komplett gestrichen. Mit der Zeit haben sie mir nicht mehr so gefallen.
Die Stelle, in der erzählt wird, dass sich Sain in seinen T-Link gehackt hat, habe ich in die Richtung verändert, die Zeitenträumer vorgeschlagen hat.

Am restlichen Text habe ich auch hier und da etwas gekürzt und ein bisschen umgeschrieben. Große Veränderungen gibt es aber nicht und von einigen wird die Kritik des zu erzählerischen sicher bleiben. Ich poste das kleine Update hier trotzdem mal, werde aber sicher auch noch weiter daran arbeiten. Nur nicht in nächster Zeit. Ich möchte lieber ein wenig weiter an der Geschichte schreiben.


Mohan

Ein Summen erfüllt den Raum. Selbst in seiner leisen Form lässt das Geräusch Mohans Nackenhaare aufsteigen, und das ist erst der Anfang. Gemächlich schwingt es sich zu einem nervtötenden, gleichmäßig vibrierenden Ton auf. Es ist beinahe unerträglich. Gestern Abend stellte er es extra noch so ein, dass er den Wecker nicht durch seinen T-Link wieder abstellen kann. Er hielt es für eine gute Idee, damit er auch wirklich wach würde und einmal etwas zügiger aus dem Bett käme.

„Du bist ein Trottel, Mohan.“

Das heißt wohl aufstehen und die wohlige Wärme des Bettes zumindest kurz hinter sich lassen. Zum Aufwachen wäre der Wecker heute nicht nötig gewesen. Schon seit mindestens einer Stunde liegt Mohan im Dunkeln in seinem Bett und starrt an die Decke. Wieder einmal haben ihn seine seltsamen Träume aus einem ruhelosen Schlaf gerissen. Träume, die ihn auch nach dem Aufwachen nicht wieder zur Ruhe kommen lassen, obwohl er sich nie wirklich an sie erinnern kann. Doch sie hinterlassen ein Gefühl von Leere, wie nach einem Schock durch etwas Schreckliches, durch Tod, Gewalt, Krieg. Als kämen sie von einer anderen Welt.
Wie in Zeitlupe arbeitet sich Mohan aus dem Bett, während er über seinen T-Link das interne System seiner Wohnung anfleht, doch bitte das grauenhafte Wummern, das von den Wänden abgegeben wird, zumindest auf ein ertragbares Niveau abzusenken. Es möchte seiner Bitte nicht stattgeben. Erst als er steht und sich ein paar Schritte in Richtung Küche bewegt, verklingt der Wecker. Als er vor dem Kaffeeautomaten steht ist es still.

„Danke!“

„Nichts zu danken“, antwortet ihm das System. „Möchtest du einen Kaffee?“

„Mhm...“

Die Maschine fängt an zu zischen und stört die noch so junge Stille. Mohan schaut griesgrämig zurück in Richtung Bett. Vor einem halben Jahr ist er hier eingezogen. Eine eher schäbige, kleine Einzimmerwohnung, aber auf die schnelle konnte er nichts besseres finden, nachdem ihn Lyl raus geschmissen hatte. Nicht, dass es überraschend kam, und er war auch heilfroh als sie es endlich tat.
Der Kaffee ist fertig. Mohan nimmt die Tasse und wirft einen kritischen Blick auf die tief schwarze Flüssigkeit. Es scheint immer so als wolle der weiße Dampf, der von ihr aufsteigt, gar nicht so wirklich weg und bleibt deswegen noch kurz an der Oberfläche kleben. Was für ein dummer Gedanke. Er schüttet den Kaffee mit dem ersten Lächeln des Tages in die Spüle.

„Lieber Tee“, sagt Mohan in den Raum. Eine verbale Kommunikation wäre gar nicht nötig gewesen. Auf der Erde ist alles und jeder über die T-Sphären vernetzt. Ein Gedanke hätte genügt und das interne System der Wohnung hätte die Zubereitung des Tees begonnen. Würde Mohan es zulassen könnte das System über den T-Link seine sekundären Gedankenströme analysiert und daraus entscheiden welcher Tee genau gewünscht wird. Allerdings hat sich der vom Mars Stammende noch immer nicht so ganz an diese abgespeckte Version der Kommunikation mit den künstlichen Intelligenzen in den T-Sphären gewöhnt. Deshalb fragt ihn das System: „Was für einen Tee möchtest du denn genau?“

„Mir egal“, entgegnet Mohan und setzt sich mit einem lauten Gähnen an seinen neuen Küchentisch. Er ruft die neuesten Nachrichten des Tages auf, die sofort wie eigene Erinnerungen in seinem Kopf auftauchen.

„Wie du wün...“, möchte das System erwidern, doch wird es von Mohan unterbrochen: „Was zur Hölle ist da denn passiert?“

Sofort öffnet er eine Verbindung zu Sain, seinem besten und im Grunde einzigen Freund seit dem ihn die Träume plagen.  Ohne eine Sekunde Verzögerung, als hätte er auf seinen Anruf gewartet, nimmt dieser an.

„Seit 'ner Stunde wach und jetzt erst meldet er sich!“

„Woher...“ Sain musste sich in seinen T-Link gehackt haben. Wie sonst sollte der Programmierer wissen, dass Mohan schon seit einer Stunde wach war? Zu solch einer Leistung sind nur absolute Genies fähig! Sain musste nicht nur die Sicherheitssysteme des T-Link selbst, sondern auch die natürlichen Abwehrmechanismen des Unterbewusstseins überwunden haben. „Arschloch!“  

„Hast du die Nachrichten gesehen?“, fragt Sain einfach und reagiert nicht weiter auf die Beleidigung.

„Verdammt noch mal ja, es gab einen Anschlag! Bei uns!“

„Nicht direkt bei uns. Wir können heute trotzdem zur Arbeit.“ Bei ihm hört es sich fast so an als wäre mit letzterem das schlimmste verhindert worden.

„Na da könne wir aber froh sein. Ein weiterer Tag in unserer Grotte der immer währenden Freuden.“ meint Mohan zynisch. „Ich habe gesehen es soll Tote gegeben haben. Du weißt doch sicher etwas. Wen hat es erwischt?“

Ein kurzes schweigen liegt in der Leitung. „Hm, ja ich schaue schnell,“ kommt es von Sains Seite und die Verbindung wird unterbrochen. Einen Moment sitzt Mohan nur verdutzt da, bis er merkt, dass der Tee fertig ist. Er steht mit einem Kopfschütteln auf und holt sich das dampfende Getränk. Sain hat wohl tatsächlich noch nicht geschaut, um wen es sich bei den Toten handelt. Im Grunde ist das aber auch nicht zu verwunderlich. Andere Menschen interessieren ihn einfach nicht. Er ist ein begnadeter Programmierer und wohl einer der besten Hacker, die es gibt. Seine Liebe gilt den Maschinen, der Welt der T-Sphären und dem Virtuellen. Der einzige Mensch, der in dieser Welt noch Platz zu haben scheint, ist Mohan.

Sie verstanden sich auf der Stelle, als Mohan damals in den Keller zu dem verschrobenen Informatiker versetzt wurde. Das war nun ein knappes halbes Jahr her und etwa zur selben Zeit als ihn Lyl verlassen hatte. Doch nicht nur sie hielt es nicht mehr mit Mohan aus. Seine Freunde schieden dahin und Kollegen mieden ihn mehr und mehr. Doch Mohan kümmerte das nicht, denn er hatte sich wirklich verändert. Zusammen mit dem Auftreten dieser seltsamen immer wiederkehrenden Träume wandelte sich seine Sicht auf die Welt. Was einmal bunt und chaotisch gewesen war, wurde zu einer grauen, geordneten Schablone. Plötzlich begriff er Zusammenhänge, die ihm zuvor verschlossen blieben. Er begann eigene Projekte und lieferte bessere und schnellere Ergebnisse als ganze Teams. Mohan wurde unfreundlich, zynisch und überheblich, und das auch zu seinen Vorgesetzten. Nur seine jüngsten Erfolge verhinderten, dass man ihn feuerte und er wurde stattdessen zu Sain versetzt.

Als Mohan das erste Mal die Tür in ihr zukünftig gemeinsames Büro öffnete, blieb ihm beim Anblick des Informatikers fast das Herz stehen. Eine knochige, bleiche Gestalt saß mit unnatürlich weit geöffneten Augen im Schneidersitz inmitten eines leeren Zimmers. Die Pupillen zuckten mit einer Geschwindigkeit hin und her als hätte er einen epileptischen Anfall. Eine Sekretärin, die ihn zu seinem neuen Arbeitsplatz gebracht hatte, erwiderte auf seinen erschrockenen Blick nur, dass das Sains gewöhnliche Arbeitsweise sei, und verschwand dann so schnell sie konnte. Als Mohan sich wieder dem Raum zuwandte stand der Informatiker plötzlich nur einen knappen Meter vor ihm. In einem langen Moment der Stille starrten sich die zwei Sonderlinge nur tief in die Augen. Keiner blinzelte oder bewegte sonst einen Muskel am Körper. Das war der Moment, in dem die beiden erkannten, dass sie jeweils ihren besten Freund gefunden hatten.

In Mohans innerer Sicht leuchtet das Symbol für eine eingehende Verbindung von Sain auf. „Und wie sieht es nun aus?“, fragt er den Informatiker nachdem er angenommen hat.

„Es gab drei Körperverluste der Firma, zwei Nachtwächter und eine Wissenschaftlerin. Wir kennen keinen.“, kommt es ohne den hauch einer emotionalen Regung von Sain. „Ihre Erinnerungsdateien sind alle vorhanden. Aufgrund von Untersuchungen wurde ihre Wiederbelebung allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben. Das wird den Familien nicht gefallen.“

„Das ist ja eigenartig“, sagt Mohan, „die Getöteten könnten doch bei der Aufklärung helfen. Wer soll den Anschlag, denn begangen haben?“

„Kein Anschlag,“ antwortet Sain, „das sagt nur die Pressemitteilung. Es wurde eingebrochen, vielleicht Industriespionage. Das gesuchte Objekt war durch ein Hochsicherheitsfeld geschützt. Es scheint als wäre das Feld kollabiert und hat dabei nicht gerade wenig Schaden angerichtet.“

„Das Feld ist kollabiert? Da müssen die Einbrecher ja mit richtig schwerem Gerät angerückt sein“

„Das denke ich nicht“, widerspricht ihm Sain, „Sie haben versucht das Feld auf Softwareseite abzuschalten. Meine Sicherheitsprogramme haben sie entdeckt.“

„Wie ist dann das Feld kollabiert?“, fragt Mohan verdutzt.

„Die einzige Möglichkeit ist, das es absichtlich zum Kollaps gebracht wurde. Aber ich weiß es nicht. Lass uns gleich dort treffen!“

„Ok, scheint ja eine spannende Angelegenheit zu sein, wenn du etwas mal nicht in Erfahrung bringen konntest. Ich mache mich sofort auf den Weg.“ sagt Mohan. Ein kurzes Schweigen liegt in der Leitung, dann legt Sain ohne ein weiteres Wort auf.

Natürlich macht sich Mohan nicht sofort auf den Weg. Stattdessen schlendert er mit der mittlerweile lauwarmen Tasse Tee zurück ins Schlafzimmer und lässt sich in den gemütlich Sessel fallen, der dort schräg neben dem Bett steht. Die Aufregung um die Neuigkeiten ließen ihn kurz vergessen, dass er gerade erst nach einem nicht erholsamen Schlaf aufgestanden war. Doch jetzt drückt die Müdigkeit wieder mit all ihrer verführerischen Kraft auf die Augenlider. Mit halb geschlossenen Augen schaut Mohan nun durchs Zimmer und versucht nicht einfach wieder einzuschlafen. Ein Schluck Tee könnte Helfen, doch ist er zu faul die nötige Kraft aufzubringen. Das Zimmer und seine Möbel sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Rechts das schmale Bett, gegenüber die hässliche Kommode mit halb geöffneten Schubladen, aus denen einige Klamotten hängen, daneben noch ein kleiner Tisch, allerdings ohne Stuhl und links nur die Türen zur Küche und zum kleinen Flur.

„Ich sollte umziehen und mir Möbel kaufen“, murmelt Mohan in sich hinein, während seine Augenlider das letzte Stück Weg hinter sich bringen. Fünf Sekunden später erklingt das dumpfe Geräusch einer auf Teppich aufschlagenden Tasse.

*

Entsetzen. Die weißen Pilze verschlingen das Land. Hitze. Das Fleisch verbrennt. Rückzug. Verloren, so viele verloren. Ein Meer aus rot und grün. Alles dreht sich. Gesichter, bald vergessen im Nichts. Die Luft vibriert, der Boden vibriert. Es dröhnt...
*


Mohan zwingt sich seine Augen langsam wieder zu öffnen.

„Ich hasse dich, weißt du das?“, fährt er das System an. Kurz nachdem Mohan eingenickt war, hat es wieder mit dem Weckzyklus begonnen, der nun bei dem markdurchdringenden Summen angelangt ist. Es würdigt seine Hassbekundung mit keiner Antwort und erst als sich Mohan aus dem Sessel gequält hat, verklingt der Wecker langsam. Er sollte sich tatsächlich langsam anziehen und losgehen. Sain ist zwar sicher auch nicht sofort aufgebrochen, hat allerdings den kürzeren Weg zur Arbeit und wartet mit seinen Nachforschungen sicher nicht bis Mohan auftaucht. Der erste, sehr beherzte Schritt in Richtung Kommode wird allerdings jäh durch einen stechenden Schmerz im rechten kleinen Zeh unterbrochen.

„Verkackte Tasse!“, brüllt Mohan, duckt sich nimmt die Tasse und schmeißt sie durch die offene Tür in die Küche. Ungläubig bleibt er einen Moment wie angewurzelt stehen als die Tasse erst gegen einen Stuhl und dann auf die Arbeitsfläche knallt ohne kaputt zu geht. Dann fällt dem Gepeinigten sein Schmerz wieder ein und er lässt sich keuchend zurück auf den Sessel fallen. Während er sich den angeschlagenen Fuß hält, zieht Mohan nun in regelmäßigem Abstand die Luft zischend durch die Zähne ein und pustet sie dann kräftig wieder heraus. Irgendwie scheint das den Schmerz erträglicher zu machen.

Einige Minuten später traut sich Mohan wieder aufzustehen und zu testen ob der Fuß noch funktioniert. Ein Lächeln über seine eigene Ungeschicklichkeit kann er auch schon wieder aufbringen. Ohne weitere Zwischenfälle schafft es Mohan dann zur Kommode und zieht sich eines seiner lockeren kurzen Hemden und eine kurze Hose an. Es ist Anfang Juli und seine innere Sicht verrät ihm, dass es heute fast vierzig Grad heiß werden soll. Mohan scheint einer der Wenigen zu sein, denen die Hitze der letzten Zeit kaum etwas ausmacht. Ein leicht diabolisches Grinsen huscht über sein Gesicht als er an die ganzen gequälten Gesichter seiner Kollegen denkt. Ihr Gejammer muss er seit er zu Sain versetzt wurde zum Glück nicht mehr ertragen.

Kurze Zeit später erreicht Mohan die Haltestelle der Express-Magnetschwebebahn, die Passagiere aus den Außenbezirken der Metropole ins Zentrum und zurück bringt. Die holografische Anzeige zentral über den Gleisen zeigt eine Wartezeit von fünf Minuten an, so dass gerade eben erst eine Bahn abgefahren sein muss. Gelangweilt schaut sich Mohan die umgebene Kulisse und die sich darin befindenden Menschen an. Die Haltestelle ist von einer dunkel getönten Glaskuppel umgeben. Je nach Wetterlage und der durchschnittlichen Stimmung der Passagiere ändert sie ihre Farbe und Durchlässigkeit. Momentan scheinen die meisten die Nase voll von dem heißen Wetter und der Sonne zu haben.

Ein Großteil der Menschen auf den beiden Bahnsteigen scheint in eine weite Ferne zu blicken, so als würden sie ihre Umgebung kaum wahrnehmen. Wahrscheinlich wandeln sie tatsächlich durch die Weiten der T-Sphären und sind im Grunde nur physisch auf dem Bahnsteig anwesend. Ihre innere Sicht, erschaffen durch den T-Link, kann die wirkliche Umgebung vollständig ausblenden und sie durch beliebige Bilder ersetzten. Einige wandern sicher gerade durch eisige Fantasielandschaften um sich die Hitze erträglicher zu machen.

Mohan ist ein Mensch der unterwegs lieber im hier und jetzt bleibt und die wahre Welt erlebt, auch wenn sie in vielen Belangen nicht so spannend und interessant ist wie die virtuelle. Zudem beobachtet er gerne die Menschen, die ihn umgeben -- vor allem diejenigen, die selbst auch nicht auf Reise in den T-Sphären sind. Wohin gehen oder kommen sie und was machen sie wohl im Allgemeinen oder gerade hier? Er versucht dabei oft so schlaue Schlüsse zu ziehen wie Sherlock Holmes, ein großer Detektiv in den Geschichten von vor zweihundert Jahren. Mohan stieß zufällig einmal in einer Show auf eine moderne Version des Meisters der Deduktion, der ihn neugierig auf das Original machte. Noch nie davor hatte er so viel mit klassischem Lesen verbracht, wie in den darauf folgenden Tagen. Durch diesen genialen Detektiv erkannte Mohan erst, wie anders und teilweise besser das Lesen und die eigene Vorstellung der Geschehnisse sein kann. Besser als sich nur durch die Bilder und den Ton, die den Vorstellungen anderer entspringen, berieseln zu lassen.

Im Moment sind Mohans Versuche die Menschen auf den Bahngleisen zu analysieren nicht wirklich erfolgreich. Heutzutage ist es aber auch schwieriger einen Menschen tatsächlich nach dem Äußeren eindeutig zu beurteilen. Kaum jemand trägt den typischen Hut seiner Arbeiterzunft oder eine Brille wie man sie Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nur in Moskau bekam. Die Menschen bilden eine viel homogenere Masse und sind einfach nicht mehr so leicht zuzuordnen.

Der Zug fährt ein und Mohan steigt zusammen mit der beachtlichen Masse an Menschen, die sich in den fünf Minuten auf dem Bahnsteig gebildet hat, ein. Sitzmöglichkeiten gibt es zu solchen Stoßzeiten keine, aber Mohan kann sich einen Platz zwischen zwei dicken Männern am Fenster sichern und hat so zumindest eine Möglichkeit zum anlehnen. Er stellt sich seitlich in Fahrtrichtung damit er einerseits nicht die verschwitzten Arme der beiden Männer berühren muss und andererseits auch ein wenig aus dem Fenster schauen kann. Der Zug beschleunigt und der nasse massige Körper vor ihm kommt bedrohlich näher. Mit angewidertem Blick macht er einen Schritt zurück und erkennt seinen Fehler sofort. Er spürt wie der warme Schweiß des Mannes hinter ihm sein Hemd am Rücken durchdringt.

„Wäh!“, ruft Mohan lauter als gedacht aus und geht dann doch lieber einen Schritt weiter ins innere des Zuges. Als er noch einmal in die Richtung seines alten Platzes schaut, begegnet ihm ein funkelnder Blick aus einem hochrotem Kopf, der von Mohan wiederum nur mit einem gehässigen Grinsen erwidert wird. Zumindest ist Mohan nicht der Einzige, der sich gestört fühlt. Irritiert weicht der Mann seinem Blick aus und widmet sich wieder seinen wahrscheinlich völlig belanglosen Gedanken.

Der Zug erreicht nach einer gefühlten Ewigkeit Mohans Zielbahnhof. Die Türen öffnen sich und ein kollektives Drücken und Schubsen in deren Richtung beginnt. Der schlaksige junge Mann lässt sich von der Masse treiben und versucht dabei möglichst wenige der verschwitzen Körper zu berühren, die ihn umgeben. Gerade als er die Tür in die Freiheit passiert, blinkt in seiner inneren Sicht das Zeichen eines Anrufs auf. Ein genauerer Blick verrät ihm, dass es Lyl ist. Er verdreht die Augen und nimmt an.

„Ja?“ fragt er mit einem dezent genervten Unterton.

„Zum Glück, es geht dir gut!“ Die Erleichterung in ihrer Stimme ist alles andere als dezent.

„Was soll Glück denn damit zu tun haben?“, fragt Mohan provokativ.

„Na, es hat doch einen Anschlag gegeben. Bei deiner Arbeit..“, rechtfertigt sich Lyl.

„Die Explosion war in einer ganz anderen Abteilung und mitten in der Nacht. Falls du dich erinnerst: Ich arbeite für gewöhnlich tagsüber. Es wäre wohl eher Pech, wenn ich gerade heute Nacht und dann auch noch genau in dieser Abteilung gearbeitet hätte.“

„Kein Pech ist Glück. Also hattest du doch Glück!“, erwidert sie trotzig.

„So ein Blödsinn“, ruft er gefolgt von einem herablassenden Schnauben durch die Leitung.

„Wenn du meinst. Ich habe mir nur etwas Sorgen gemacht, weil ich gehört habe, dass die Opfer nicht wiederbelebt werden.“

„Das kann dir egal sein. Wir leben nicht mehr zusammen.“

„Du weißt genau, dass du mir alles andere als egal bist.“ Sie schweigt einen Moment. „Kannst du mir zumindest sagen was genau passiert ist? Ich bekomme keine wirklich brauchbaren Informationen. Ich habe dir den Job dort besorgt, jetzt kannst du mir bei meinem helfen!“

„OK, ist gut. Ich bin gerade auf dem Weg zur Arbeit und will selbst mehr herausfinden. Ich melde mich später und du erfährst alles, was ich weiß.“

„Gut.“

Ohne ein weiteres Wort will Mohan die Verbindung unterbrechen, doch merkt er, dass Lyl ihm zuvorgekommen ist. Mittlerweile ist Mohan an seinem Ziel angekommen. Er steht vor einem riesigen Gebäudekomplex, einer Forschungseinrichtungen Doctrats', dem größten Technologieunternehmen der Erde und Mohans Arbeitgeber. Ein gigantisches Hologramm mit dem Firmenlogo schwebt über allem. Ein schiefes Quadrat, das den Firmennamen aus prunkvollen Lettern umrandet. Es ist wohl angelehnt an Werke von Escher, einem Künstler aus dem zwanzigsten Jahrhundert, der sich vor allem mit der Darstellung unmöglicher Figuren beschäftigte. Mohan glaubt gehört zu haben, dass einer seiner Nachkommen die Firma gründete.

Wie zu erwarten ist, hat sich vor dem Haupteingang eine Traube von Journalisten gebildet, die auf keinen Fall die Neuigkeiten zum vermeintlichen Anschlag auf die Firma verpassen wollen, aber nicht auf Kontakte wir Lyl zurückgreifen können. Mohan wendet sich allerdings von ihnen ab und geht in Richtung einer unscheinbaren Tür, die eigentlich nur zu Fluchtzwecken dienen soll. Mohan und Sain nutzen sie jedoch als ihren persönlichen Nebeneingang. Die beiden hatten den Alarmmechanismus der Tür natürlich mit Leichtigkeit ausgeschaltet. An der Tür angekommen, verbindet sich sein T-Link mit dessen Mechanismus und unterdrückt die Routinen, die den Alarm auslösen würden. Schnell öffnet er sie, huscht hindurch und schließt sie hinter sich. Der Korridor dahinter wirkt nach der gleißenden Sonne vor der Tür dunkel und fast bedrohlich. Mohan kann kaum etwas erkennen. Nur eine rötliche Lampe an der Decke spendet ein wenig Licht, in dem er schemenhaft eine Person zu erkennen glaubt. Das muss Sain sein.

„Sind sie Mohan Lee?“, fragt eine unfreundliche Stimme. Es ist nicht Sain.

„Ehm, ja. Wie...“

„Sie sind festgenommen!“, bellt ihn der Mann an.

„Was? Mal halblang. Wer bist du?“

„Widersetzen sie sich nicht!“ Die Gestalt kommt auf ihn zu. Langsam gewöhnen sich Mohans Augen an die Lichtverhältnisse und er kann sie besser erkennen. Ein muskelbepackter Riese, mit dem wohl wirklich nicht zu spaßen ist.

„Ok, ok. Ganz ruhig. Ich widersetze mich nicht. Darf ich aber fragen, warum sie mich festnehmen?“ fragt Mohan den Mann mit versucht beschwichtigender Stimme.

„Das dürfen sie nicht“, antwortet dieser. Es klingt wie das Knurren eines großen bösen Hundes. Mohan schaut sich verzweifelt um und erblickt nun weiter hinten im Korridor Sain. Dieser steht neben einer scheinbar perfekten Kopie des Mannes, der sich gerade angriffslustig vor Mohan aufbaut. Ein genauerer Blick offenbart, dass sein Freund halb benommen mit einer Platzwunde am Kopf und Handschellen dasteht. Ihre Blicke treffen sich und auch Sain scheint den Neuankömmling nun wahrzunehmen. Der gepeinigte Informatiker atmet tief ein und formt mit den Lippen drei Worte: Hau, ab, schnell. Mohan reagiert prompt, dreht sich um und rennt die paar Schritte zurück zur Tür. Er will sie gerade in die rettende Freiheit öffnen, doch ist er zu langsam. Er spürt noch wie die mächtige Faust des Mannes auf seinen Hinterkopf donnert. Durch die Wucht des Schlags wird sein Schädel nach vorn geschleudert und knallt gegen die Tür. Doch das bekommt der ohnmächtige Mohan schon nicht mehr mit.
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Vachyn
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BeitragVerfasst am: 13.11.2015 01:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das zweite Kapitel möchte ich euch auch nicht vorenthalten:


Axna SiebenVier

Jede Faser seines Körpers scheint in seinem Kopf einen Platz reserviert zu haben, um ihn anzuschreien, wie schlecht es ihr geht. Axna liegt mit ausgestreckten Gliedmaßen im Schlamm hinter einem schützenden Felsen. Mit kreisenden kleinen Bewegungen seines Torsos versucht er sich tiefer in die braune, zähflüssige und vor allem kühle Pampe einzugraben. Eine Ewigkeit irrte er durch das Land des Todes, wie er es nennt -- die Ebene zwischen den Fronten. Die Luft ist heiß und strahlenverseucht. Die regelmäßigen Detonationen schwerer Geschütze lassen dem Staub nie die Zeit, die er bräuchte um sich wieder zu legen. Den feindlichen Truppen konnte er nur mit Hilfe des erweiterten Spektrums seiner Sehorgane ausweichen.

Axna streckt sich und ein Zischen der Erschöpfung entweicht seinen drei Atmungsöffnungen. Noch eine weitere Stimme versucht sich lautstark in seinem Kopf Gehör zu verschaffen. Seine genetische Programmierung, die ihn immer weiter antreibt. Zum Schutz des Clusters, zurück zu den Kameraden, vernichte den Feind. Doch diese Stimme scheint seit einiger Zeit ihre Macht auf Axna zu verlieren. Noch im letzten Zyklus richtete sich sein gesamtes Handeln und Denken nach den Forderungen seiner genetischen Programmierung. Vor allem in der Kriegerkaste wird das Gehorchen der inneren Stimme als heilige Pflicht angesehen. Er ist ein Soldat der Deut, dem größten Volk des südlichen Kontinents.

Gedankenverloren liegt Axna im Schlamm. Wie war er nur in diese Situation gekommen? Er und sein Spähtrupp waren auf einem Routinegang an der nördlichen Grenze des Clusters zum Ödland. Trotz des Krieges erwartete keiner von ihnen zu diesem Zeitpunkt Aktivitäten feindlicher Völker. Es hatte seit längerem keine direkten Angriffe mehr gegeben. Die Dominanz der Deut auf dem südlichen Kontinent schien zu abschreckend. Zuletzt hatten sie das kleine Volk der Nuar aus ihren großen Clustern vertrieben, ohne dass sich ihnen großer Widerstand entgegenstellte.
Begonnen hatten die kriegerischen Auseinandersetzungen schon vor Jahrzehnten. Die Ersten, wie sich die Bewohner dieses Planeten nannten, waren noch nie eine sehr friedliebende Spezies. Ihre Geschichte ist geprägt von kleineren und größeren Konflikten aus territorialen oder wirtschaftlichen Interessen. Doch nie hatte es einen Krieg wie diesen gegeben.

In diesem kleinen Moment des Friedens fragt sich Axna nun wie es zu so einem Krieg kommen konnte. Wie hatte sich sein eigenes Volk so von der Idee der absoluten Überlegenheit der eigenen reinen Rasse anstecken lassen? Die Geistigen der Deut bezeichnen sich selbst seit neuestem als die einzig wahren Ersten und so sehen sie es als ihr gutes Recht sich zu nehmen, was ihnen zusteht: Die absolute Kontrolle über den Planeten und die Vernichtung aller anderen Völker.

Die Nuar, die zuletzt Opfer der grausamen Ideologie der Deut wurden, wollten sich jedoch nicht so einfach vertreiben und unterwerfen lassen. Ihr Gegenangriff auf die Deut erfolgte an dem Tag als Axna mit seinem Trupp an der Grenze auf Streife war. Es musste sich um die gesamte übriggebliebene Streitmacht der Nuar handeln, mit dem einem Ziel die Deut auf dem Gebiet, das sie rechtmäßig als ihres sahen, zu vernichten.

Hier habe ich eigentlich noch eine ziemlich ausführliche Beschreibung, der Kriegerischen Auseinandersetzung. Die lasse ich mal weg. Es hat mir Spaß gemacht es zu schreiben, aber gelesen wird es denke ich nicht so gerne.   Smile


Sofort nahm Axnas kleine Gruppe ihre Aufgabe als Späher ein, beobachtete die Bewegungen des riesigen Heeres und erstattete Bericht. Das ging ohne größere Schwierigkeiten bis sich die Fronten trafen. Es entfachte ein Kampf den Axna nur noch vage in Erinnerung hat. Er weiß noch, dass es trotz seiner Ausbildung und seiner genetischen Bestimmung zum Krieger grauenhaft und falsch wirkte. Es ging alles zu schnell und zu langsam, die Luft wirkte zu dick und heiß, aber dann wieder eiskalt und er fürchtete zu ersticken. Axna weiß nicht und will es auch nicht wissen wie viele Nuar -- Erste wie er selbst -- durch seine Hand starben. Er kann noch nicht einmal mit Gewissheit sagen, dass er nicht auch seine eigenen Kameraden im Chaos tötete. Die erste Schlacht verging, die Fronten teilten sich wieder, doch Axna wusste nicht in welche Richtung er gehen sollte. Und so blieb er einfach stehen, im Land des Todes.

Stumm schaut Axna in den Himmel. Er versucht sich zu erinnern wie er nun genau hier her gekommen war. Warum war er nicht zurück zu seinen Leuten gegangen? Hatte er es versucht und war auf dem Weg auf Nuarkrieger getroffen? Je länger er darüber nachdenkt, desto weiter scheinen seine Erinnerungen in die Vergangenheit zu flüchten. Und im Grunde ist es nicht so wichtig. Er ist nun hier und kann endlich eine Weile entspannen. Am liebsten würde er einfach einschlafen und sich in seine Träume flüchten. Diese scheinen ihm seit einiger Zeit so wunderbar. Sie zeigen ihm eine Welt voller Frieden und Wohlstand. Jedes mal möchte er tiefer in sie eintauchen und seine Zeit an einem Ort verbringen, an dem er als Krieger nicht anders behandelt wird als Brütende oder gar Geistige. Das Wunderbarste für Axna ist, dass seine innere Stimme im Traum all ihre Kraft verloren hat. Sie wirkt nur noch wie das ferne Flüstern eines ermattenden Kriegers.

Mit geschlossenen Augen wartet Axna auf den erlösenden Schlaf. Seine Glieder entspannen sich und seine Gedanken beginnen auf verworrenen Pfaden zu wandern. Doch plötzlich stört ihn etwas ungemein. Seine innere Stimme schreit auf. Die Sinne werden schlagartig geschärft und sein Körper mit leistungssteigernden Enzymen überflutet. Der Feind ist hier! Er hört wie ein Schwall Plasmaraketen aus dem Körper eines der Nuarkrieger entlassen wird, während er noch wehrlos im Schlamm liegt. Axnas Panzerung verhärtet sich und ein leichter Schutzschild kann sich noch um seinen Körper aufbauen, bevor die Raketen einschlagen. Erstaunt stellt Axna fest, dass die Raketen nicht ihn, sondern den Felsen hinter dem er liegt, zerschmettern. Die Wucht der Explosion drückt ihn aus dem Schlamm und er schlittert einige Meter über den Boden. Bevor er wieder zum stehen kommt, stößt er sich vom Boden ab und dreht sich in der Luft, sodass er in perfekter Kampfposition landet. Sofort analysiert er die Umgebung und erblickt vier gegnerische Krieger. Diese scheinen es mit dem Angriff allerdings nicht auf Axna abgesehen zu haben. Sie haben den mit Schlamm bedeckten Deut noch nicht einmal bemerkt. Alle vier schießen stattdessen mit Plasmawaffen in den Himmel und versuchen dort eine wie wild umherfliegende Gestalt zu erwischen.

Es ist ein riesen Vorteil, dass sie Axna noch nicht entdeckt haben. Er reagiert sofort und schaltet all seine Systeme auf Angriff. Während er auf die Gegner zu beschleunigt, aktiviert sich je eine Plasmaklinge, hauchdünn und wie aus blauem Feuer, an den Enden seiner vier Arme. Zudem entlässt er eine Ladung NVP – Nanobots, die seine Physis verbessern und potenzielle Verletzungen in Sekunden heilen. Die Nuar bemerken ihn erst als er nur noch wenige Schritte von ihnen entfernt ist. Die ersten zwei haben keine Zeit mehr zu reagieren. Die Plasmaklingen durchdringen ihre Körper und sie fallen zweigeteilt zu Boden. Aus den durchschnittenen Körpern dringen dünne Fäden auf der Suche nach ihren Gegenstücken – die NVP, die noch mit aller Macht versuchen die Körper wieder zusammenzusetzen. Doch werden sie hier keinen Erfolg mehr haben. Axna wendet sich dem ihm nächsten noch lebenden Nuar zu. Er beschleunigt mit voller Kraft und nach vorn gerichteten Klingen.  Erst als es schon zu spät ist, bemerkt er seinen Fehler. Der Nuar geht nicht in Verteidigungsposition sondern wirft Axna nur einen triumphierenden Blick zu. Dann öffnet er schmerzverzerrt seinen Mund aus dem nun gleißendes Licht flutet. Der gegnerische Krieger hat seine Selbstzerstörung aktiviert und Axna kann nicht mehr reagieren. Die Explosion erwischt ihn mit voller Wucht, sein Schutzschild versagt und seine Panzerung zerfetzt. Er wird durch die Luft geschleudert und landet hart auf den Überresten des noch zuvor schützenden Felsens.

Die NVP beginnen ihre Arbeit sofort, unterdrücken seine Schmerzen und beginnen mit der Regeneration. Axna hat Glück, dass ihn seine Panzerung davor bewahrte selbst in einzelne Stücke zerfetzt zu werden. Schwer atmend blickt er auf und wie zu erwarten, kommt der vierte Nuar auf ihn zu. Die Schmerzen, die dessen selbstgefälliger Blick Axna zufügen, können die NVP leider nicht blockieren. Panisch versucht der schwer verletzte Deut seine Gliedmaßen zu überreden ihn von hier weg zu bringen – krabbelnd, kriechend oder sonst irgendwie – aber die Nanobots haben ihm die Kontrolle über seinen Körper unterhalb des Halses entrissen. Er kann dem Nuar nur mit angsterfüllten Augen entgegenblicken und auf seinen Tod warten. Dieser baut sich nun über ihm auf, aktiviert eine seiner Plasmaklingen und hebt diese zum tödlichen Schlag ausholend.  

„Hab ich dich du dreckiger, hinterhältiger, verkackter Deu...“, will der Nuar seinen Satz zu Ende bringen. Doch durchdringt ihn plötzlich die blau flimmernde Spitze einer Plasmaklinge. Das Leben weicht aus den Augen des feindlichen Kriegers und er sinkt ohne erkennbare Reparaturen durch NVP zu Boden. Axnas Sinne schwinden. Seine Verletzungen sind schwer und die Nanobots drängen ihn in den heilenden Schlaf. Er erkennt noch vage eine Gestalt auf dem Rücken des Gefallenen. Der zuvor durch die Nuar Verfolgte steigt von dem Körper und kommt auf Axna zu. Er beugt sich hinunter und flüstert:

„Da hab ich dich aber gerade noch gerettet, unvorsichtiger Krieger.“ Dann bricht er in schallendes Gelächter aus, während Axna die Ohnmacht übermannt.

1Wie es weitergeht »

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