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V wie Verzweiflung

 
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Drakenheim
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BeitragVerfasst am: 13.09.2015 18:00    Titel: V wie Verzweiflung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

V wie Verzweiflung

Im Gang fällt eine Tür zu. Wenn sie jemanden abholen, werfen sie die Tür schnell zu und schleppen den Delinquenten fort. Meine schlägt auch so laut, wenn sie mich abholen. Die Delinquenten, das sind Vanessa, ich und die Leute hinter den anderen Türen.

Vier Türen hat dieser Gang, ich konnte es sehen, als sie mich durch trugen. Hinter einer dieser Türen sitze ich jetzt. Ich kann nicht hindurchsehen, aber horchen. Ich kann hören, wie die Schlüssel leise klimpern, wie manchmal Schreie gedämpft werden und wie dann die Tür besonders laut ins Schloss geworfen wird. Ein lauter Knall bedeutet hier immer etwas Schlechtes.
Das Essen bringen sie leise. Wenn der Schlüssel zweimal klimpert, und die Türen nur leise fallen, dann ist es ein guter Tag. Denn mit dem dritten Klimpern erhalte ich meine Schale, Vanessa mit dem vierten.
Der Fraß hier ist abscheulich, ich wollte es verweigern und mich zu Tode hungern. Aber seit Vanessa mir geschrieben hat, dass unsere Körper die Nahrung brauchen, um die Wunden zu heilen, und die Befragungen damit erträglicher werden, esse ich es auf. Vanessa, mit einem V, wie vernünftig. Und sie hat Recht.

Von denen befragt werden ist wirklich anstrengend. Wenn sie mich in meine Zelle zurück bringen, kann ich mich stundenlang nicht mehr rühren. Dabei weiß ich nicht mal, was die von mir wollen. Ich habe schon alles gesagt, was ich weiß, alles, was ich nicht weiß und alles, was ich glaubte, dass sie es hören wollen. Vanessa weiß es auch nicht, aber sie hat ihnen auch schon so viele Märchen erzählt, wie ich. Genau wie ich hofft sie jeden Tag, dass jemand anders interessanter für sie ist. Und genau wie ich schämt sie sich für diesen Wunsch. Aber es ist so, solange sie mit den anderen beschäftigt sind, können wir zwei ein paar Tage verschnaufen. Verschnaufen mit einem V, wie Vanessa.

Mein Fenster ist mit Brettern zugenagelt, so dass ich nicht mal sehen kann, ob draußen Tag oder Nacht ist. Vanessa ist da glücklicher dran. Bei ihr ist ein Brett lose. So kann sie mir schreiben, wie das Wetter ist, und wie die Luft da draußen riecht.
Im Hof fährt ein Wagen vor, ein lauter Dieselmotor und ich sitze schlagartig senkrecht. Mein Herz klopft. Vanessa hat mir erzählt, was das bedeutet. Es ist der Wagen, mit dem sie Leichensäcke abholen, das hat sie gesehen und ich wünschte, das hätte sie mir lieber nicht geschrieben. Ohne Vanessa hätte ich nicht mal gewusst, dass es ein Diesel ist. Aber ein Leichenwagen macht mir Angst.
Ich will hier drin nicht sterben.

Vanessa hat geschrieben, dass wir das auch nicht werden. Es sind die Schuldigen, die sie töten und in den Wagen schieben. Wir dagegen sind nicht schuldig, das werden sie erkennen und uns mit einer Limousine in eine feines Restaurant bringen, wo wir uns dann so richtig satt essen können. Seitdem malen wir uns dieses Essen aus. Ganz langsam natürlich, denn die Antwort kann nicht immer sofort kommen. Wir müssen Papier sparen, darum schreiben wir uns nur einmal am Tag.
Ich notiere die Frage „Und was bestellst du als Vorspeise? Tomatensuppe oder gegrillte Peperoni?“ und schiebe den Zettel durch den Spalt. Mein Magen grummelt, mein Nerven flattern, und doch muss ich lächeln. Während ich auf ihre Antwort warte, male ich mir mein Fünf-Gänge-Menü weiter aus. Draußen klimpert gedämpft der Schlüsselbund. Ich sehe gerade ein knuspriges Hähnchen auf eine, Pommes-Bett vor mir liegen, als der Schlüssel sich auch in meine Tür schiebt. Das zweite Klimpern muss ich überhört haben, aber Essenszeit trifft sich gut. Ich habe Hunger. Erwartungsvoll blicke ich zur Tür, und tatsächlich, es ist die nette Frau. Aber sie trägt keine Schüssel bei sich. Stattdessen schleicht sie zu mir ans Bett und schaut mich seltsame an. Dann schüttelt sie bedauernd den Kopf, drückt mir etwas in die Hand und tätschelt dabei meinen Handrücken. Noch bevor ich verstehen kann, huscht sie zurück, schaut nervös durch den Türspalt und schlüpft schnell hindurch und schließt die Tür mit einem leisen Klick.

Ich öffne meine Hand. Darin liegt der Brief an Vanessa, den ich ihr zugeschoben habe. Mein Herz pocht so hoch oben im Hals, ich kriege kaum noch Luft. Das kann nicht, das darf nicht sein. Doch nicht Vanessa!

Draußen schlägt die Tür des Diesels mit einem lauten Knall zu. Ich sacke zusammen und kann nicht mal mehr weinen.

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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
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BeitragVerfasst am: 14.09.2015 15:29    Titel: Antworten mit Zitat

Türen in totalitärem System. Gut umgesetzt.
Das Sich ans Leben Klammern kommt gut an, die winzigen Taktiken, um die Situation ertragen zu helfen.
Sehr intensiver Text.


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2979

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 14.09.2015 16:08    Titel: Antworten mit Zitat

off-topic zu Anfang: V wie Fao, natürlich smile


So, jetzt aber zum Thema.

Das Problem dieser Geschichte: Ich weiß schon vorher, was passieren wird. Viel zu früh denke ich mir das, auf jeden Fall weiß ich es vor dem Prota und das ist in diesem Fall schlecht, denn es führt nicht dazu, dass ihm wie dem Kasperl zurufen will, dass da ein Krokodil in der Ecke ist, sondern es führt dazu, dass ich den Eindruck habe, der Prota ist gedanklich ein bisschen langsam. Das mag der Kasperl auch sein, der aber hat wiederum andere Vorzüge.

Dazu passt auch, dass er (Prota) so gar keinen Plan zu haben scheint, wo er da gelandet ist und was auf ihn zukommt. Irgendwie scheint er(?) sich sowieso wenig eigene Gedanken zu machen, wozu auch, es gibt schließlich Vanessa, die ihm sagt, wo es langgeht.

Noch dazu ist die Umgebung ein wenig belanglos bis wirr beschrieben oder anders gesagt: das könnte man besser machen. Mit mehr Hinweisen auf das Geschehen. So bleibt das Außen im Dunkeln. Muss ja auch gar nicht erhellt werden, aber ich vermute, es würde zur Verbesserung der Geschichte beitragen. So bleibt die Vermutung, du (der Autor) kennst die Hintergründe selbst nicht. Nun ja, zwei Stunden Zeit, was will man da erwarten.

Dann bleibt die Frage offen, wie sie die Briefe austauschen. Ein Spalt, steht da. Was für ein Spalt? Und wie kann es sein, dass da überhaupt ein Spalt ist? So ein Aufwand, solch gut organisierte Folterknechte und dann ein Spalt? Erscheint mir unglaubwürdig. Und woher haben die beiden überhaupt das Papier? Den Stift?
Offene Fragen. Offene Fragen sind ja eigentlich gut, in der Form aber leider nicht.

Tja, so komme ich ans Ende und bleibe leider unberührt.
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 15.09.2015 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

interessante Idee. Titel und Text haben mich neugierig gemacht. Gerne gelesen. Schafft es allerdings nicht in meine persönlichen Top Ten.

LG,
Seraiya


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Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand eigener Erfahrungen nicht erklären kann.
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 15.09.2015 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ja. Gelungen. Für die Kürze der Zeit gut gemacht. Und du hast - der Titel verrät es schon - Vendetta gelesen oder gesehen. Das sind Elemente eins zu eins drin, vom V mal abgesehen. Die Briefe, das Gefängnis, die Befragungen. Alles da drin.

Eigenen Ideen sind wenige da, aber  - ich sags nochmal - für die Kürze der Zeit gut verarbeitet.


Dennoch ist das einer der Texte, die mich in diesem Wettbewerb wirklich ärgern. Die Frage, ob das Fanfiction (und ob die hier etwas zu suchen hat) oder Plagiat ist, möchte ich nicht in einem Wettbewerb beantworten müssen.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2291



BeitragVerfasst am: 17.09.2015 05:38    Titel: Antworten mit Zitat

Auch von meinen grundsätzlichen Bedenken* abgesehen, vermag mich der Text nicht zu überzeugen. Ich finde nicht, dass es dem Autor gelungen ist, die Figur des Protagonisten plausibel darzustellen. Er wird als dermaßen abhängig von Vanesse dargestellt, (selbst auf die einfache Erkenntnis, dass es ratsam sein könnte, zu Essen um bessere Überlebenschancen zu haben, kommt er nicht von allein) dass er einfach nicht glaubwürdig ist. Auch die Idee, das explizit als knapp beschriebene Papier zu verwenden, um Speisepläne zu beschreiben, mutet seltsam an.

Dabei ist der Text nicht mal schlecht geschrieben. Dadurch, dass ich den fehlenden Themenbezug mancher Konkurrenztexte nicht durchgängig mit null Punkten bewertet habe, sondern nur massive Abzüge vorgenommen habe, reicht es nicht für Punkte.

*Grundsätzliche Bedenken:
Ist es legitim, einfach mal so in die Rolle eines Folteropfers, Gefangenen, Psychiatrieinsassen, Flüchtlings etc. reinzuschlüpfen, ohne diese Erzählhaltung in irgend einer Weise zu reflektieren? Ich habe damit meine Schwierigkeiten. Von der Legitimation abgesehen kann man an den Texten dieses Wettbewerbs gut sehen, dass dies auch nur in wenigen Fällen überzeugend gelingt.


_________________
"Von Literatur verstehen Autoren so viel wie Vögel von Ornithologie." (Marceel Reich-Ranicki)

„Ist es nicht idiotisch, sieben oder gar acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann?“ (Mark Twain)
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Drakenheim
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 38
Beiträge: 268
NaNoWriMo: 50166
Wohnort: Daheim


BeitragVerfasst am: 19.09.2015 19:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wow. Beim Absenden hat Gerold! mir noch gratuliert, dass ich keine Rechtschreibfehler drin hatte.

Und jetzt beim Lesen denke ich mir "Kein Wunder! wenn jedes zweite Wort 'Tür' heißt, kann ich nicht viel falsch schreiben."
 rotwerd


Naja, mein erstes FFF, und ich lerne: Ich bin in der Lage, einen Text innerhalb von 2 Stunden aus dem Ärmel zu schütteln. Ich habe es schon drauf, Bandwurmsätze und Füllwörter zu eliminieren.
In Zukunft werde ich auch ein Auge auf Wortwiederholungen haben.
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Nina
Bestseller-Autor


Beiträge: 4122



BeitragVerfasst am: 19.09.2015 22:19    Titel: Antworten mit Zitat

Vanessa und der Prota im Knast irgendwo. Keine Ahnung, was sie verbrochen haben. Sie werden interviewt und bekommen schlechtes Essen. Andere werden ermordet und weggebracht. Die beiden leben in einem Kokon aus vermeintlicher Sicherheit, der sich durchs Zettelchen schreiben einmal am Tag durch die Wand vollzieht. Beide hoffen, dass ihre Unschuld erkannt wird und sie in einem tollen Restaurant essen können. Ein paar Fehler sind im Text. Vermutlich hast Du versucht zu streichen, neu zu schreiben und dabei sind Fehler geblieben. Der Stil ist gut lesbar und die Geschichte ist rund, das Thema ist auch getroffen. Schön, dass Du mitgemacht hast.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 20.09.2015 15:51    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

Eine sehr löchrige und zerfahrene Geschichte, die mich V wie Verwirrt zurücklässt.
Dein Prota ist ein Gefangener, sitzt in seiner Zelle und wird wie seine Freundin Vanessa und zwei weiteren Gefangenen Befragungen unterworfen. Worum es in den Befragungen geht und was deinem Prota, Vanessa und den beiden anderen Gefangenen vorgeworfen wird, dass sie festgenommen worden sind, bleibt unklar.

Dein Prota kommuniziert mit Vanessa über Briefchen, die sie sich durch einen Spalt zuschieben. Was ist das für ein Spalt? Und bei den dünnen Zellenwänden könnten die beiden auch leise oder flüsternd miteinander unterhalten, anstelle sich Briefe zuzuschieben.

Der Tod Vanessas kommt sehr plötzlich und unmotiviert. Möglicherweise hat sie die Befragung nicht überlebt. Dein Prota hört sehr genau, wenn von außen eine der benachbarten drei Zellen geöffnet wird und der Gefangene zum Verhör mitgenommen bzw. wieder zurückgebracht wird. Dass er nichts mitbekommen hat, kann ich nicht nachvollziehen. Er hätte hören müssen, dass Vanessa von einem Verhör zurückgebracht worden ist oder nicht in ihre Zelle zurückgebracht wurde, weil sie verstarb und ihre Leiche bereits mit dem Leichenwagen abtransportiert worden ist. Den Brief hätte er sich sparen können.


Insgesamt eine wenig überzeugende Geschichte, die es leider nicht in meine Top Ten geschafft hat: zéro points.

Merci beaucoup.

Constantine
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Ynishii
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 42
Beiträge: 360
Wohnort: Erde


BeitragVerfasst am: 21.09.2015 10:42    Titel: Antworten mit Zitat

Düster und beängstigend, jedoch auch top, was das Bild angeht. Die Protagonistin bleibt gesichtslos, der Leser kann sich so allerdings besser in die Geschichte hineinversetzen. Zum Schluss verspürt man dadurch selbst die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit der Situation, sowie die Drohung eines Feindes, dessen Absichten man nicht kennt. Das Unvermeidliche wird einem bewusst und am Ende bleibt die Leere, denn es ist nicht schwer zu erraten, dass die Geschichte bald auch für andere "unschön" endet.

_________________
Verehrt mich nicht an dunklen Orten. Tretet hinaus in die Welt und macht sie bunt. - Arthamos, Gott der Künste (auch »Der Bunte« genannt)

Ich kann beweisen, dass dem Schöpfungsprozess eine gewisse kreative Eigeninitiative innewohnt. - Dr. Aurora Fleming
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 09:00    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Gefängniszelle, in der der Erzähler unschuldig geraten ist, Folter, tote Häftlinge, darunter seine einzige Vertraute, die ihm Hoffnung gegeben hat, diesen Ort lebend zu verlassen. Weiter erfahre ich nichts, könnte in der realen Welt in irgendeinem Kriegsgebiet spielen oder an einem fiktiven Ort oder im Jenseits. Mir kommt der Text eher irreal vor, vielleicht aber auch nur durch das Fehlen irgendwelcher Informationen zum Drumherum - und die fehlen wirklich, insbesondere wenn der Erzähler behauptet, er wisse überhaupt nicht, warum er eingesperrt sei, andererseits aber "Märchen" erzählt haben will, also doch wissen muss, was "die" hören wollen. Wohlwollend könnte ich die Irrealität aber auch der Fokussierung des Erzählers auf im Grunde äußerst Banales, wenn man die Umstände (drohende Folter, die er offenbar auch schon erlebt hat) miteinrechnet, zuschreiben - und das fände ich schon wieder doch ganz interessant.

Titel: passt gut und zieht sich als Motiv durch den Text.
Thema: Was deinem Erzähler den Tag ruiniert, ist natürlich nicht das Türenschlagen an sich, sondern die unmittelbare Bedeutung des Türenschlagens, dass nämlich jemand (u.U. er selbst) "abgeholt" und zu Tode gefoltert wird, etwas, das wohl jedem den Tag ruinieren würde - vielleicht hast du es da etwas drastisch umsetzen wollen, und ich sage: bisserl drumrumgeschummelt kommt es bei mir an.

Punkte: mal sehen.
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1754
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 10:20    Titel: Antworten mit Zitat

Diese Geschichte hat es mir zu schwer gemacht, irgend etwas daran zu mögen. Der Kardinalfehler - in meinen Augen - ist diese Stelle:

Zitat:
Vanessa hat geschrieben, dass wir das auch nicht werden. Es sind die Schuldigen, die sie töten und in den Wagen schieben. Wir dagegen sind nicht schuldig, das werden sie erkennen


in der dieses ganze als recht perfide geschilderte System des Wegsperrens und Umbringens plötzlich um der eigenen Sache wegen als doch irgendwie legitim und Regeln gehorchend beschrieben wird.

AN dieser Stelle war ich gänzlich draußen. Erst wird mir als Leser ein schändliches System serviert mitsamt leidenden Insassen (wie und woran sie im leiden, bleibt dabei allerdings recht klischeehaft und substanzlos zusammengeschustert) und dann plötzlich erkennen die beiden Protagonisten einen recht schäbigen Vorteil, indem sie sich auf die Seite der "doch irgendwie Gerechten" stellen.

Das ist nichts für meinen Geschmack, da sträubt sich in mir einfach zu viel dagegen. Kein Punkt von mir.
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shatgloom
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 334
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Wohnort: ja, gelegentlich


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Text geht echt unter die Haut.
Titel passt, die Sprache ist eindringlich und die Geschichte erzeugt Kopfkino. Für mich einer der besten Texte.


_________________
Gruß von Karolin
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 23.09.2015 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Reales Horrorszenario oder doch „nur“ Irrenhaus? Eigentlich unerheblich. Die Geschichte ist gut geschrieben, aber das Setting halte ich, wie viele andere, nur schwer mit dem „Mein Tag ist im Eimer, wenn ...“-Ton der Vorgabe vereinbar. Da dürfte hier noch einiges mehr im Argen liegen als einfach nur ein versauter Tag. Schließlich kämpft das EI hier mit Todesangst, hat nur eine Freundin namens Vanessa, die entweder tatsächlich verspeist wird, oder die es nie gegeben hat, je nach Interpretationsansatz. Immerhini wird ständig mit den Türen geschlagen, das ist schon mal ein Plus, weil das längst nicht jeder Beitrag berücksichtigt hat. Wo wir gerade bei den Vorgaben sind: Titel besonders? Ich finde nicht. V wie Vendetta klingt da natürlich durch, nur das dem V, bis auf den Namen, weniger Bedeutung erliehen wird.

Insgesamt finde ich deine Geschichte gut geschrieben und ganz ordentlich, wenn sie auch nicht ganz das Thema trifft. Für eine psychisch Kranke oder meinetwegen auch eine Hospizinsassin, die derart halluziniert, drückt sie sich zu gewählt, zu klar, zu logisch aus. Mal sehen, ob da am Ende noch ein Pünktchen übrig bleibt.
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 23:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Starkes Thema: Diktatur, Folter, Hilflosigkeit. Sprachlich manchmal etwas holperig. (z.B. " als sie mich durch trugen.)"
Zitat: ja
Titel/Text: ja

Grüße
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 24.09.2015 07:45    Titel: Antworten mit Zitat

Den letzten Satz würde ich streichen.
Zwei Gefangene, offenbar in irgendeiner Diktatur, die ihre Gegner heimlich entsorgt. Hoffnung wechselt mit Angst. Die Szene steht einem deutlich vor Augen.
Ein paar Fragen/Logikbrüche lassen mich stocken. Woher haben die beiden Papier und Stift, um einander zu schreiben? Und woher nehmen sie ihre Überzeugung, wieder rauszukommen? Wenn schon so viele im Dieselfahrzeug abtransportiert wurden, sind die eigenen Chancen vermutlich gering. An dieser Stelle versäumt der Text, die beiden Charaktere genauer zu fassen und mich mitzunehmen. Ansonsten wäre das dramatische Ende, das ich gut in Szene gesetzt finde, noch viel schwerer zu ertragen. Ich denke, hier lohnt sich eine Überarbeitung, die die beiden Figuren mehr in den Vordergrund rückt.
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Merope
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 746
Wohnort: Am Ende des Tals
Der Goldene Käse


BeitragVerfasst am: 24.09.2015 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

- Thema erfüllt: Ja.
- Originalität: Ganz ok.
- Form: Ok.
- Fehler: Ein paar Flüchtigkeitsfehler
- Passt der Titel: Ja
- Bleibt etwas davon im Gedächtnis: Nicht so ganz
- Wie hat's mir gefallen: Ich glaube den Text niicht, genauer gesagt, dem Prota glaube ich nicht. Es ist mir zu künstlich.
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Violet_Pixie
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Beiträge: 446
NaNoWriMo: 20863



BeitragVerfasst am: 25.09.2015 08:14    Titel: Antworten mit Zitat

Gänsehaut!

Spürbare Hoffnung, die in einer traurigen Gewissheit endet.

Fein gemacht.

Thema getroffen.
Titel passt.

LG
Violet
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Piratin
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Alter: 53
Beiträge: 2378
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Ei 2


BeitragVerfasst am: 25.09.2015 11:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

eine beklemmende Umsetzung des Themas, das ich so bei den Vorgaben nicht erwartet hätte.
Hat mir gefallen,
Viele Grüße
Piratin


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Das größte Hobby des Autors ist, neben dem Schreiben, das Lesen.
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halcyonzocalo
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BeitragVerfasst am: 26.09.2015 17:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hm.. leider meiner Meinung nach einer der schwächeren Beiträge in diesem Wettbewerb. Das Grundszenario finde ich gar nicht schlecht, auch wenn ich noch nicht ganz sicher bin, worum es hier genau geht. Was ist das für ein ort, an dem sich die Beiden aufhalten? So ganz ersichtlich wird das nicht. Aber gegen offene Fragen ist prinzipiell natürlich überhaupt nichts einzuwenden. Allerdings schafft es der Text für meinen Geschmack sprachlich nicht, die beklemmende Atmosphäre rüberzubringen und es sind doch arg viele orthografische Fehler drin. Stilistisch wirkt das Ganze für mein Empfinden relativ unausgegoren. Ich tippe mal, dass dieser Text von einem oder einer jungen Person geschrieben wurde. Für mich also wie gesagt leider ein eher schwacher Text, tut mir Leid.

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Die minimaldeterministische Metaphernstruktur mit ihrer mytophoben Phrasierung spiegelt den ideeimmanent abwesenden Bedeutungsraum.
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nebenfluss
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Beiträge: 3538
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BeitragVerfasst am: 26.09.2015 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Tja, irgendein Text muss nun mal auf Platz 11 landen, was in diesem Bewertungsschema immer etwas bitter ist. Im aktuellen FFF hat es diesen Text erwischt. Sprachlich und inhaltlich kann er durchaus mit den Texten auf den davorliegenden Plätzen konkurrieren. Was letzten Endes des Anusschlag gegeben hat, war die (aus meiner Sicht) Nichtberücksichtigung der zweiten Hälfte des Zitates. In dieser Geschichte schlagen "sie" nicht immer die Türen und ruinieren damit dem Prota jeden einzelnen Tag; es wird sogar explizit das Gegenteil erwähnt:
Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:
Wenn der Schlüssel zweimal klimpert, und die Türen nur leise fallen, dann ist es ein guter Tag.


Diese Prosa erscheint mir sicher, vielleicht sogar schon ein wenig zu routiniert geschrieben. AmS lag Gefangenschaft nahe bei diesem Thema/Zita, und da vermisse ich ein wenig die originelle Idee, das Alleinstellungsmerkmal. (würde ich meinem eigenen Text allerdings genauso ankreiden ...)


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Nathan Pascal
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 25
Beiträge: 36



BeitragVerfasst am: 27.09.2015 05:17    Titel: Antworten mit Zitat

Okay, Endspurt, noch zwei Kommentare, kurz fassen... kurz:

1. Inhalt und Sprache

Der Text schafft eine durchaus bedrückende Atmosphäre, besonders durch den Aspekt dieser naiven Hoffnung jemals in ein Restaurant geführt zu werden.
An einigen Stellen scheint mir die Sprache allerdings ein wenig zu... fröhlich, für die Situation:
"Essenszeit trifft sich gut. Ich habe Hunger", wäre dafür ein Beispiel.
Einige sprachliche Änderungen hier und da könnten die Wirkung des Textes noch um einiges verstärken, schätze ich.

2. Thema und Titel

Zitat sehr gut getroffen, da das Türenschlagen noch durch seine besondere Bedeutung in der Situation des Erzählers hervorgehoben wird und nicht für sich allein steht.

Der Titel wirkt auf mich ein wenig... reißerisch, nach Effekthascherei, was der Text eigentlich nicht nötig hätte, zudem muss ich ständig an diesen Film denken, den ich nie gesehen habe: "V wie Vendetta".
Wikipedia... Wikipedia... Okay, nach dem Inhalt zu schließen spielt der Titel womöglich direkt auf den Film an, wirkt dadurch leider immer noch etwas reißerisch und etwas weniger originell, spiegelt sich aber zumindest gut im vorliegenden Text wieder, daher durchaus noch akzeptabel.


Wertung:
Wieder ein Text, den ich dem weiten mittleren Punktebereich zuordnen würde, der sich daher arg mit der Konkurrenz wird auseinandersetzen müssen, ungeachtet vom Ergebnis aber meine Würdigung für die Leistung des Verfassers / der Verfasserin erhält.

N wie
Nathan Pascal
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