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[Die schlechteste Geschichte] Der Jüngste

 

 
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Lilly_Winter
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 38
Beiträge: 273
Wohnort: Dortmund


BeitragVerfasst am: 10.09.2015 17:35    Titel: [Die schlechteste Geschichte] Der Jüngste eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Teil1: Der ungeliebte Sohn

Hans schmiss die Heuschaufel in den Misthaufen. Was für eine Drecksarbeit, dachte er mürrisch und beobachtete seine zwei älteren Brüder, die faul in der Sonne lagen. Das war ja typisch für sie, während er sich den Buckel krumm arbeitete, lagen sie faul rum oder betranken sich in der nahegelgenen Dorfkneipe, und wurden dafür auch noch von ihrem Vater gelobt. ER ging ins Haus, durch die kleine aber doch gemütliche Küche, sein Vater hatte seit dem Tod seiner Frau nichts verändert und man spürte immer noch die weibliche Note, in jedem kleinen Detail erkannte er die Sanftmut seiner Mutter, durch die gute Stube bis hin zu der kleinen Holztreppe, die hinauf führte bis unters Dach, wo er sich sein eigenes kleines Reich geschaffen hatte, wo er ungestört von seinen zwei älteren Brüdern über sein trübseliges Dasein sinnieren konnte.
Er schmiss sich auf sein Bett und betrachtete das Rock-Princess-Poster über seinem Bett. Ne Prinzessin haben, das wäre es doch. Seine zwei älteren Brüder würden die Augen aus dem Kopf fallen, wenn er mit ner Freundin um die Ecke kommen würde, und die wäre dann auch noch ne Prinzessin! Für einen Moment gab er sich seiner Fantasie voll hin, wurde darüber nachdenklicher. Er sah in den Spiegel und runzelte die Stirn. Eine gerade Nase, markantes Kinn, strahlend blaue Augen und ein voller blonder Haarschopf, nicht die schlechtesten Eigenschaften, grinste er in sich hinein. Warum eigentlich nicht, fragte er sich selbst in Gedanken, dabei wurde sein Grinsen immer breiter.   Seine Chancen standen gut, immerhin war er der jüngste von dreien, mittellos und doch gutaussehend, schließlich hatte die lange harte Arbeit auf dem Hof seine Muskeln wachsen lassen, diese Kombi hat ja bekanntlich schon öfters funktioniert. Gepackt von der plötzlichen Euphorie schnappte er sich sein Päckchen, er hatte es schon vor einiger Zeit gepackt, als er mit dem Gedanken gespielt hatte fortzugehen und bei einem dubiosen Handwerker in die Leere zu gehen, aber er hatte keine Lust Müller, Schneider oder Tischler zu werden, nicht das er nicht tüchtig wäre, ganz im Gegenteil, aber er fühlte sich zu Höherem berufen. Er schnürrte sein Säcklein an einen Holzstab, legte diesen über die Schulter und setzte sich sein Käpplein auf den Kopf, dann zwinkerte er der Rock-Princess noch einmal zu und stapfte, ein Liedchen trillernd die Holzstufen hinab, durch die gute Stube, in die Küche hinein. Sein Vater und seine zwei älteren Brüder waren ebenfalls da und blickten ihm mürrisch entgegen.
„Du hast vergessen das Abendessen zu machen‟, sagte sein Vater, dessen Gesicht seinen Unmut darüber seinem jüngsten regelrecht entgegenfächerte.
„Ich verlasse euch!‟, Hans straffte die Schultern und um seine Entschlossenheit zu bekräftigen, ließ er seine Brustmuskulatur spielen.
„Wo will der Dumpfling denn hin?‟, lachte der mittlere von seinen zwei älteren Brüdern.
„Wenn es dunkel wird, kommt der doch eh wieder angekrochen!‟, erwiderte der ältere seiner zwei älteren Brüder amüsiert und stopfte sich ein trockenes Stück Brot zwischen die Kiemen und kaute laut darauf rum.
„Ich gehe fort, mein Glück suchen! Ihr könnt versuchen mich aufzuhalten, aber es wird nicht nützen, mein Wille steht fest. Ich bin ein Wolf unter Wölfen, der seinen einsamen, steinigen Weg auf sich nehmen muss, um seine Bestimmung zu erfüllen!‟, sagte er stolz mit geschwollener Brust.
Seine zwei älteren Brüder fingen an lauthals zu lachen, aber in den Augen seines Vaters sah er die unterdrückten Tränen aufkommenden Stolzes. Er fiel vor ihm auf die Knie, nahm die alten faltigen Hände in seine und sprach: „Vater, ich muss gehen. Ich kann diesem Drang nicht länger widerstehen, es ist wie ein Ziehen in meinem Unterleib!‟
Sein Vater nickte wissend. „Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde. Schon damals, als du im Arm deiner Mutter lagst, hilflos und winselnd, habe ich es gewusst. Wir hatten nicht noch einmal mit einem Sohn gerechnet, zumal ich zwei Jahre von zu Hause fort war, als Krieg ausbrach. Und doch hatte der Herrgott andere Pläne und deine Mutter wurde schwanger. Du hast ganz anders ausgesehen, als deine Brüder, und ähnelst auch heute mehr deiner Mutter als mir, mit den blonden Haaren, den feinen Gesichtszügen, mehr wie einer der edlen Herren, die ab und an hier vorbeireiten.‟
Hans nickte zustimmend, er lief jedesmal nach draussen, sobald er die Pferde der edlen Herren hörte, einer von ihnen, ein großer blonder zwinkerte ihm jedesmal zu und warf ihm auch manchmal einen Beutel Godlstücke zu, von denen er sich Süßigkeiten kaufte.
„Ich weiß, du musst gehen. Das ist der dir bestimmte Weg. Deswegen habe ich dich die ganze harte Arbeit erldigen lassen, um dich auf diesn Tag vorzubereiten‟, fuhr sein Vater fort, dem mittlerweile die Tränen über die faltenzerfurchten Wangen flossen. Hans wusste, er konnte diesen Moment nicht länger ertragen, das Geständnis seines Vaters hatte ihn zutiefst berührt, er ließ die Hände los und stand wortlos auf, doch gerade, als er durch die Tür die vertraute Heimstatt verlassen wollte, hielt ihn die kräftige Stimme seines alten Vaters noch einmal zurück. „Warte mein Sohn! Nimm dies!ES gehörte deiner Mutter und soll dich auf deiner Reise beschützen, bewahre ihn gut und merk dir meine Worte: Am hellsten Tag, in schwärzester Nacht, entgeht nichts Böses meiner Macht. Wer finsteren Mächten sich verspricht, der hüte sich vor des Ringes Licht!‟ Voller Ehrfurcht nahm Hans den goldenen Ring, dabei entgingen ihm nicht die neidischen Blicke seiner zwei älteren Brüder, aber das kümmerte ihn nicht, er hatte eine Bestimmung und er war bereit. Er gab seinen Vater einen Kuss auf die Stirn, vergab ihm damit die Jahre harter Arbeit, er wusste jetzt, dass dies nur zu seinem besten geschah, dann ging er hinaus, ohne sich noch einmal umzublicken.
Vor der Tür sah er sich erstmal etwas ratlos um, unsicher in welche Richtung er gehen sollte, und beschloss erstmal das Plumpsklo aufzusuchen, damit das ziehen in seinem Unterleib aufhörte, und begab sich dann richtung Osten, der aufgehenden Sonne entgegen.

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Lilly_Winter
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BeitragVerfasst am: 10.09.2015 17:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Teil 2: Eine beschwerliche Reise

Hans lief mehrere Wochen durch das Land. Er folgte der Straße an Feldern entlang, durch kleine urige Dörfer, die ein flaues Gefühl von Heimweh in seiner jungenhaften Brust hervorriefen, durch kleine Wäldchen, an einem Fluß entlang, wo er das lustige Spiel der Forellen beobachtete, er versuchte eine zu fangen, aber der Fisch war zu flink und entglitt immer wieder seinen geschickten Händen, bald darauf kam er in ein ödes Land, seine Vorräte, die er damals in der Küche seines Vaters zusammen gerafft hatte, unter den tadelnden Blicken seiner zwei älteren Brüder, bei der Erinnerung daran schluckte er die aufkommenden Tränen hinunter, denn trotz seiner schlechten Erfahrungen in seiner Jugend, verband er dennoch ein zu Hause mit dem kleinen Hof, und trotz seiner Stärke, hatte er einen sehr sanften Kern, gingen langsam zur Neige.
Müde und erschöpft setzte er sich unter einen kahlen Baum, der aussah, als hätte ihn die Hand Gottes persönlich zerknautscht. Sein Blick ging hoch zu den Sternen, beobachtete, wie einer nach dem anderen erschien, er versuchte sie zu zählen, musste aber aufgeben, als er alle Finger nach oben hielt, schließlich hatte er sein Leben lang hart arbeiten müssen, und hatte nicht das Privileg genossen eine Schule zu besuchen. Er gab sich seinen Gedanken an die ihm unbekannte Prinzessin hin, welche Gefahren, welche Prüfungen lagen wohl vor ihm, als er plötzlich ein grauenvolles Heulen und Stöhnen vernahm. Sein Blick ging gehetzt von rechts nach links, doch er verspürte keine Angst, er griff den Ring seiner Mutter und streckte trotzig das Kinn vor. Hans sah, wie ein schauriges Skellet auf ihn zu kam. Es entblößte seine grausamen Fänge und stöhnte ihn an. „Sterblicher! Das ist die Welt der Toten! Die lebenden haben hier nichts zu suchen, es sei denn, sie werden zu einem von uns!‟Die Stimme des Skelettes war rauh und kratzig, bei jedem Wort spuckte es kleine rauchige Dampfwölkchen aus. Aber Hans ließ sich nicht beirren, er hob den Ring und streeckte ihn dem Skelett entgegen, das riss entsetzt die Augen auf und Hans konnte sehen wie sich sein Brustkorb aus Angst hob und senkte. Es fing an zu kreischen und fiel auf den Boden, die knochigen Hände schützend vor das Gesicht haltend. Hans fasste neuen Mut und ging auf das Skelett zu, das nur noch ein wimmernder Haufen bleicher Knochen war. „Sprich, du unglückliche Seele und ich lasse dich am leben!‟, Hans Stimme war fest, er würde keine Gnade wallten lassen, das schien auch das Skelett zu verstehen, denn es nickte eifrig und voller Demut. „Sage mir, wo ich eine Prinzessin finde, die in Not ist!‟
Das Skelett runzelte die Stirn und überlegte einen Moment, dann verzog es seinen Mund zu einem Lächeln. „Du hast Glück, kühner Held, im Umkreis von 50km gibt es drei Prinzessinnen. Viele Prinzen haben schon versucht die schwierigen Aufgaben zu lösen, die diese Prinzessinnen umgeben, doch noch keiner hat es geschafft.‟, krächzte das Skelett. Juchey, dachte Hans, gleich drei zur Auswahl, er war wahrhaftig mit Glück gesegnet. „Nenne mir die Aufgaben, elender Wicht!‟, drohend hielt er den Ring hoch. Das Skelett zuckte unter der Drohung zusammen, gab jedoch der Aufforderung nach: „Die erste Prinzessin, so schön wie die Morgenröte, im Norden wird von einem furchtbaren, feuerspuckendem Drachen bewacht, schon manch ein Prinz endete als Brathähnchen.‟ Hans überlegte, auf Drachen hatte er eigentlich keine Lust, zu Mal er gehört hatte, dass sie furchtbar stanken. „Was ist mit der zweiten?‟, fragte er.
„Die zweite im Süden, so schön wie ein Sonnenuntergang, lebt in einem hohen Turm, bewacht von einer Hexe, die jedem, der es versucht die Prinzessin zu befreien, den Verstand vernebelt.‟ Hans kratzte sich nachdenklich am Kopf, auf Hexen hatte er auch keine große Lust, und auf einen Turm klettern?
„Also gut, Satansbrut, was ist mit Nummer 3?‟, fragte Hans.
„Nummer 3 lebt auf einer Insel. Das Wasser ist giftig und voller Ungeheuer. Der Zauberer, der sie einst verfluchte, sprach, dass keine Prinz jemals diesen See durchqueren soll!‟, das Skellett  stieß ein diabolisches Lachen aus, das selbst dem tapferen Hans das Blut in den Adern gefrieren ließ. Doch als es Hans triumphirendes Lächeln sah, verstummte es.„Du wirst es niemals schaffen! Hörst du?! Kein Prinz wird jemals die Insel erreichen!‟ Doch Hans lachte nur weiter, er stieß dem Skelet den Ring gegen die Stirn, es schrie auf und verfluchte ihn mit seiner krächzigen Stimme, dann ging es in Flammen auf und zerbröselte in tausend kleine Scherben. Hans sah auf den knochigen Haufen, spuckte aus und sagte: „Ich bin kein Prinz!‟, sagte Hans, seine Stimme war kaum mehr als ein triumphierendes Raunen, er hatte seine Prinzessin gefunden. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er das Skelett zu früh getötet hatte, bevor er ihm sagen konnte, in welche Himmelsrichtung er gehen sollte, so lief er erst tagelang in die falsche Richtung, kämpfte gegen Trolle und Riesen, bis er schließlich völlig erschöpft und am ende seiner Kräfte in einem Wirtshaus neue Kraft schöpfen konnte. Dort erfuhr er von der Schönheit der Prinzessin, und wo er die Insel finden würde. Die Erzählungen reichten, und er hatte das Gefühl von unendlicher Liebe für die Prinzessin erfüllt zu sein. Die Balladen, die gesungen wurden, ließen sein Herz höher schlagen und er wollte nur noch eins, seine Prinzessin endlich in seinen starken Armen halten.

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Lilly_Winter
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BeitragVerfasst am: 10.09.2015 17:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Teil 3: Die Insel

Nach vielen Tagen und vielen kalten Nächten erreichte Hans endlich den See. Mitten drin sah er die Insel und konnte es kaum erwarten endlich zu seiner Prinzessin zu kommen. Er ging am Ufer entlang aber fand nirgends ein Boot, doch er war ein geschickter Hanfwerker, flux fällte er drei Bäume mit einer Axt die zwischen den Sträuchern am Flußufer fand und verarbeitete sie zu Brettern. Bei einem Fischer in seinem Dorf hatte er gelernt, wie man ein Boot baut. Nach einer Stunde war es fertig und er schob es ins Wasser, nahm die fein geschnitzten Ruder in die Hand, bewunderte noch einmal die filigranen Runen, die er hinein geschnitzte hatte und Glück bringen sollte, so wie er es von seiner Mutter gelernt hatte, und ruderte zur Insel. Im Wasser konnte er Bewegungen ausmachen, und manchmal sah er er tentakelähnliche Tentakel aus dem Wasser ragen, doch was auch immer da unten war, es ließ ihn in Ruhe. Hans lächelte in sich hinein, das Gerippe hatte recht gehabt, kein Prinz konnte dieses Wasser überqueren, doch er war kein Prinz, er war ein mittelloser Bauernsohn, der jüngste von dreien.
Bald erreichte er die Insel. Mit klopfendem Herzen und zitternden Knien ging er auf die Inselmitte zu. Dort fand er eine Burg, halb zerfallen, strahlte sie dennoch einen Glanz aus, der an ihre einstige Größe erinnerte. Überall rankte Efeu nach oben und Hans riss sich die Hände auf, als er es nach und nach aus dem Weg schaffte. Im Inneren der Burg folgte Hans einen Gang vorbei an wunderschönen Teppichen, handgeknüpft mit den unglaublichsten Motiven. Er kam zu einer Treppe, die ihn direkt in den höchsten der Türme führte und dort lag sie. Hans dachte sein Herz würde zerspringen. In einem großem Himmelbett, mit zarten Blumenmusstern und kunstvoll geschnitzten Streben, lag ein zauberhaftes, zartes Wesen, von einer Anmut die ihresgleichen sucht. Die Haut wie feinstes Porzellan, das Haar ein goldener Schimmer feinster Seide und Lippen so rosig und weich. Sie hatte die Augen geschlossen, gefangen in dem tiefen Schlaf des Fluches, gefangen in ihrer unendlichen Schönheit. Hans seufzte ergriffen und beugte sich zu ihr nieder, er verweilte einen Moment und sog genüsslich ihren süßen Atem ein, der trotz mangelnder Zahnpflege auf Grund des immerwährenden Schlafes, zauberhaft süß und wie eine Blumenwiese roch. ER beugte sich runter und küsste ihre zarten Lippen, dabei dachte er sein Herz würde zerspringen, als er die Liebe spürrte, die in seinem Inneren entbrannte. Als er seinen Kopf wieder hoch, sah er in ihre blauen Augen, vor denen die Sterne vor Neid erblassten. Er lächelte sie liebevoll an.
Die Prinzessin zwinkerte einen Moment, als müsste sie erst einmal den nebeligen Weg ins Wachsein finden. Dann sprang sie auf, schnappte sich eine rosa Schärpe, legte sie sich um und stellte sich wie zum Salut auf, ihre glockenklare Stimme, zart wie ein Frühlingsmorgen, erfüllte den Raum.
„Wir, die Mitglieder der Freien-Prinzessinnen-Fraktion protestieren! Wir werden nicht länger Opfer von Rettungsaktionen sein, mit denen sich die Prinzen dieses Landes profilieren, und wir ihnen in ewiger Dankbarkeit in die Zwänge der Ehe folgen sollen. Nach der Scheidung von Schneewittchen, Rapunzel und Co., sollte mittlerweile deutlich sein, dass dieses Modell veraltet und schon längst überholt ist. Wir sind für ein Mitspracherecht aller Prinzessinnen, die gegen ihren Willen verflucht, gekidnappt oder anderes sind, teilweise im Auftrag ihrer eigenen Eltern, und nicht wissen, welcher Prinz sie ohne deren strikte Erlaubnis küsst und befreit!‟
Hans legte den Kopf schief und betrachtete seine Prinzessin höchst entzückt und voller Liebe. „Du bist wirklich süß!‟, sagte er.
Die Prinzessin starrte ihn erstaunt an. „Hast du mir gerade nicht zugehört? Ich werde keinen Prinzen heiraten, der meint mich befreien zu müssen!‟, während sie sprach schob sie trotzig ihr Kinn nach vorne und Hans dachte daran, dass sie entzückender gar nicht sein konnte.
„Ich habe dich ganz gut gehört‟, lächelte er sie an, „aber ich bin kein Prinz, deshalb besteht kein Grund, mich nicht zu heiraten.‟
„Kein Prinz?‟, sie legte die Stirn kraus und schien zu überlegen, dabei biss sie nachdenklich auf ihrer Unterlippe rum, dann lächelte sie. „Kein Prinz! Das wird meinen Eltern garnicht gefallen!‟Dann nahm sie Anlauf und fiel in Hans starken Arme, der sie sogleich ergriff und sie leidenschaftlich küsste. Widerwillich trennte er sich wieder von ihr, aber er konnte es kaum erwarten sie seinem Vater und seinen zwei älteren Brüdern vorzustellen und endlich mit ihr Hochzeit zu feiern, ganz zu schweigen die bevorstehende Hochzeitsnacht, dabei glitt sein Blick vielsagend über ihren zarten Körper. Er nahm ihre Hand und streifte ihr den Ring seiner Mutter über den Finger, dann führte er sie hinaus zu seinem Boot. Sie bewunderte die handwerkliche Arbeit und stieg ein. Hans ruderte hinaus und hatte nur noch Augen für seine zarte Prinzessin die ihn überglücklich anlächelte.
Ein plötzlicher Ruck ging durch das Boot und es kam zum stehen. Hans blickte um sich und sah sich Aug im Aug mit zwei riesigen Kraken. „Entschuldigung‟, sprach die eine in einem Bariton, „Aber nach mehrfachen Überlegungen, sind wir doch zu dem Entschluß gekommen, dass du ein Prinz bist.‟
„Was? Das kann nicht sein, ich bin ein armer Bauernsohn, und kein Prinz!‟, entrüstete sich Hans. Seine Prinzessin riss die Augen auf, die plötzlich wütend funkelten. „Du elender Lügner! Ich hätte es wissen müssen.‟Sie zu einem der Kraken und zeigte mit dem Finger auf ihn „Du! Bring mich sofort zurück zu der Insel!‟Der Krake riss erstaunt seine glubschigen Augen auf, war aber so eingeschüchtert von dem selbstbewusstem Auftreten der Prinzessin, dass er sie sogleich hochhob und zur Insel brachte. Hans konnte nur tatenlos zusehen, denn all seine Erklärungsversuche wurden von der Prinzessin ignoriert. „Ich bin wirklich kein Prinz!‟, stammelte er verwirrt, aber der Krake schüttelte den Kopf: „Es ist eindeutig, zwar unehelich, aber adelig.‟ Dann riss der Krake sein riesiges Maul auf und verschlang Hans mit einem Haps. Mittlerweile war auch sein Krakenfreund wieder da, der ihn tadelnd ansah. „ Sein Vater war aber ein Graf, und kein König.‟ Der andere Krake, immer noch kauend zuckte mit seinen Schultern. „Ich mag nun mal keine Happyends.‟ Dann tauchte er unter, und wenn er nicht gestorben ist, dann kaut er noch heute.

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