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Die Schneeflocke

 

 
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cracked.hands
Abc-Schütze


Beiträge: 9



BeitragVerfasst am: 17.11.2007 21:32    Titel: Die Schneeflocke eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Schneeflocke

Es war einmal eine Schneeflocke.
Sie lebte in einer Wolke zusammen mit vielen anderen Schneeflocken, die alle froh waren, dass sie Schneeflocken waren,
und nicht langweilige Regentropfen.

Sie alle warteten auf den großen Moment, seit vielen Tagen.

Und als der Wind sie über den Bergsee trug, da sagte die Wolke:
"Jetzt ist eure Zeit gekommen, springt!"

Und so taten es die Schneeflocken und hüpften eine nach der anderen aus der Wolke.

Nur eine Schneeflocke blieb zurück,
und als alle anderen Schneeflocken gesprungen waren,
sagte sie zur Wolke:

"Wolke, ich will nicht springen. Ich werde sterben."

Da sagte die Wolke zur Flocke:

"Flocke, Du musst. Man wartet unten auf dich"

Da sagte die Flocke zur Wolke:

"Das ist nicht wahr. Man erwartet den Schnee. Aber ich! Ich bin doch nur ein winziger Teil. Macht es denn ein Unterschied, ob ich nun springe, oder hier bei dir bleibe? Man wird mich weder erkennen, noch meiner erinnern"

Und als die Flocke das sagte, da wurde sie sehr traurig. Denn sie wusste, wie bedeutungslos ihre Existenz in der Welt war.

Da sagte die Wolke:

"Schau, kleine Flocke. Wie du es drehst und wendest bleibt es doch das gleiche. Wir alle haben eine Aufgabe. Meine war es, dich sicher zu hüten, bis zum großen Tage. Die des Windes war es, dich an deinen Bestimmungsort zu bringen. Deine ist es, nun zu springen.“

„Aber ich will nicht springen, ich will bleiben.“

„ Nicht jeder kleine Regentropfen wird zur Schneeflocke… willst Du warten, bis du wieder ein Regentropfen bist?“

Da seufzte die Flocke, denn sie erkannte die Unentrinnbarkeit der Situation. Wie sieh es drehte und wendete, sie würde doch, irgendwann, wieder zu Wasser.

Und so sprang sie, ohne ein weiteres Wort, und die Wolke rief ihr hinterher:

„Ich werde dich nie vergessen, kleine Flocke.“

Doch sie wusste: Vor ihr waren Millionen Schneeflocken gefallen, und nach ihr würden abermals Millionen von Flocken fallen, bis die Zeit irgendwann stehen bleiben würde, und man würde sich genauso wenig an sie erinnern, wie an die Millionen von Flocken, die bereits gefallen waren, und die Millionen von Flocken, die noch fallen würden.

Traurigkeit ergriff sie. Traurigkeit, die so stark war, dass kein Wort, kein Ton, kein Bild, kein Gesang dieser Welt jemals in der Lage sein würden, die Traurigkeit, die sie ergriff, auch nur ansatzweise in ihrem Wesensgehalt wiederzugeben. Nicht einmal der traurigste Dreiklang des Pianisten, oder die schmerzerfüllteste Komposition des Violinenorchesters.

Sie wusste, sie hatte ihre Zeit mit dem Glauben daran, etwas Besonderes zu sein verschwendet.

Und als sie das dachte, da wurde der Wunsch nicht zu sterben, … niemals zu sterben, … so groß und stark in ihr, dass es schmerzte.

Und als der Wind sie ergriff und in rasendem Tempo Richtung Boden zog,
ohne eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, da erkannte sie unter sich die spiegelnde Fläche des Bergsees immer schneller immer näher rücken.

Und dann sah sie zum letzten Mal ihre Wolke, wie sie über einen Berg huschte, und dann verschwunden war.

Und da wusste die Flocke: Jetzt war sie allein.

Und als der See nur noch wenige Meter entfernt war, da schloss sie die Augen.

Dann wurde ihr warm.

Und danach spürte sie nichts mehr.

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Brynhilda
Felix Aestheticus

Alter: 38
Beiträge: 9709
Wohnort: Oderint, dum probent.


Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) - Zum 200. Geburtstag
BeitragVerfasst am: 18.11.2007 12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cracked.Hands!

Ich finde diese Geschichte sehr hübsch, sehr berührend und auch sehr nachdenklich.

Leider ist es eine Geschichte, und aus diesem Grund werde ich sie aus dem Lyrik-Bereich in den Belletristik-Bereich (dort stehen hier die Geschichten) verschieben.

Aber sie ist wirklich gut geschrieben.

Viele Grüße,
Brynhilda:

Post Scriptum:
Herzlich Willkommen im DSFO!
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cracked.hands
Abc-Schütze


Beiträge: 9



BeitragVerfasst am: 18.11.2007 15:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

thx..
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 38
Beiträge: 19964

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BeitragVerfasst am: 28.11.2007 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Nabend!

Mir gefällt die Geschichte genausogut die Ilka. Besonders der Dialog am Anfang ist einfach drollig.

Ich wüsste nicht, was ich daran aussetzen soll. Märchenhaft.  Daumen hoch

Grüße,

Martin


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Das Leben geht weiter – das tut es immer.
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Tanja Küsters
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 46
Beiträge: 224
Wohnort: Leverkusen


BeitragVerfasst am: 28.11.2007 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich kann mich Brynhilda und Martin nur anschließen!

Wundervoll! MIch hat es sehr stark berührt und auch nachdenklich gemacht. So etwas Schönes habe ich lange nicht mehr gelesen, danke!

Ich stelle hier selber keine Texte ein, weil ich an einem Romanscript schreibe und ein Vorlektorat habe, welches aus ausgesuchten, interessierten Beta-Lesern, Autoren und Lesern besteht.

Ich hätte für dich zwei Anmerkungen, die einer Textkorrektur gleich kämen, möchte sie aber nicht posten, ohne dich vorher zu fragen, ob es für dich in Ordnung ist, wenn ich etwas anmerke.

Liebe Grüße, Tanja
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JimSlade
Schreiber-Lehrling

Alter: 36
Beiträge: 82



BeitragVerfasst am: 29.11.2007 00:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

ich finde das ganze auch recht hübsch geschrieben, aber ich kann mich der Meinung der anderen nicht so ganz anschließen.

Versteh mich nicht falsch und nimm es nicht persönlich, aber ich finde das ganze etwas schwülstig und irgendwie gestelzt. Mir drängt sich da zu sehr das Gefühl auf, dass es sich hierbei um eine Allegorie handelt - und das finde ich nicht sonderlich gut. Ich hab nichts gegen Allegorien, aber ich mag sie nicht, wenn sie mir ins Gesicht springen.

Ich hatte beim Lesen stets das Gefühl: "Da will mir jemand etwas über die Sinnlosigkeit des Lebens erzählen." (oder etwas in der Art) Meiner Meinung nach kommen solche Botschaften aber nur dann gut rüber, wenn sie zwischen den Zeilen verborgen bleiben.

Meine Abneigung mag aber auch darin begründet liegen, dass mich leblose Objekte, die vermenschlicht werden, nicht sonderlich ansprechen - das ist aber nur meine persönliche Meinung!!
Es ist relativ einfach, ein Bild wie das der Schneeflocke, die gen Erde reist zu finden und mit Sinn zu füllen. Schwierig ist es - äußerst schwierig - ein tolles Bild zu finden, das einen nachdenklich stimmt. Die Schneeflocke, eine unter Millionen, irgendwann tot... das stimmt mich leider nicht nachdenklich, sondern nimmt mir das vorweg, was ich an Eigenleistung als Leser gerne erbringen würde.

Trotzdem sehr schöne (und niedliche - im positiven Sinne) Schreibweise!


_________________
"If it bleeds, we can kill it." (Arnold Schwarzenegger in 'Predator')
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Lore
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 84
Beiträge: 946
Wohnort: Düsseldorf


Code Philomele
Frauenschicksale in einer Großstadt
BeitragVerfasst am: 29.11.2007 08:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ach ja...seufz.

Warum soll alles mit tieferem Sinn erfüllt werden, koste es was es wolle.

Unterhaltsam geschrieben, das reicht doch.
Nicht ganz ein Märchen, denn sonsrt wäre die Flocke auf einem Gletscher gelandet und damit zu ewigem Leben befördert.

Aber man kann ja nicht alles haben. Very Happy

Lore


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Blas Dich nicht auf, sonst bringet Dich
zum Platzen schon ein kleiner Stich
(Nietzsche)
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Eireena
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 373



BeitragVerfasst am: 29.11.2007 10:11    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt die Geschichte auch gut. Ich fühle mich auch nicht mit der Moralkeule erschlagen oder belehrt über die Sinnlosigkeit des Lebens.

Habe die kindlich gehaltene Märchensprache sehr genossen und finde die Idee mit dem Dialog Flocke-Wolke einfach nur gut!

LG
Eireena


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Wer A sagt, beherrscht noch lange nicht das ganze Alphabet. © Andreas Marti
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Lilith_Succubus
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 28
Beiträge: 11
Wohnort: Schmiedefeld


BeitragVerfasst am: 01.12.2007 13:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde diese Geschichte sehr gut geschrieben. Ich konnte es mir richtig schön bildlich vorstellen und war auch, wie einige hier, sehr nachdenklich danach.
Aber ich habe nicht über die "Sinnlosigkeit des Lebens" nachgedacht, sondern eher darüber, dass wir alle etwas erreichen müssen im Leben. Auch wenn sich danach nicht viele an uns erinnern werden.
Wir sollten einfach unseren Weg folgen und nicht viel an das Ende denken, denn sonst könnten wir ja von der wundervollen Schneeflocke wieder zum Regentropfen werden.
Naja, wie auch immer. Jeder denkt anders über Geschichten aber diese ist trotzdem toll!


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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 01.12.2007 14:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hi cracked.hands!
Daraus hätte eine sehr niedliche und auch lehrreiche Kindergeschichte werden können. Denn du schreibst teilweise wirklich anrührend und auch so, dass ich es mir gut in einem Kinderbuch vorstellen könnte. Das ist jetzt auch gar nicht wertend gemeint, ich finde sogar, dass es viel schwieriger ist, gute Geschichten für Kinder zu schreiben als Kurzgeschichten. Im Moment ist dieses Werk allerdings ein Flickwerk aus Kinder- und Erwachsenengeschichte. Kindlich ist die Darstellung von Wolke und Flocke und deren Dialog, erwachsen sind die Pointe und Wörter wie Existenz, Violinenorchester (was soll das überhaupt sien?) und Ähnliches. Ich rate dir wirklich, hieraus eine Kindergeschichte zu machen und das Ende positiver zu gestalten. Denn ich halte es mit der allgemeinen Meinung, dass Sachen für Kinder auch pädagogisch wertvoll sein sollten. Im Gegensatz zu Lore reicht es mir nicht, dass der Text einfach nur unterhält. Für Erwachsene wiederum fände ich das zu flach, da die Thematik an sich schon einige Male in verschiedenen Stilen aufbereitet worden ist.

- Ganymed
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Elvis Brucelee
Autor

Alter: 48
Beiträge: 768



BeitragVerfasst am: 15.12.2007 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich ist es sogar eine Kindergeschichte, wenn auch auf einem höherem Niveau. Vielleicht bin ich hier ein wenig herzlos, aber ich finde, dass es manchmal gar nicht so verkehrt wäre Kindern auf sehr behutsame Weise einige unangenehme Dinge zu vermitteln  Shocked
Dafür wäre diese Geschichte vermutlich wie geschaffen.

Vielleicht ändere ich meine Meinung, sobald ich selber Kinder habe.

Angesichts dieser Thematik erinnere ich mich gerade an "Die Brüder Löwenherz" von Astrid Lindgren. Auch hier wurde das Thema Tod in dieser Geschichte von besorgten Eltern aufgebauscht und die Kinder hatten es recht gut aufgenommen, oftmals viel besser als die Erwachsenen.
Man darf diese kleinen Leute nicht unterschätzen. Die haben es manchmal faustdick hinter den Ohren.
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