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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Die Panterra Party


 

 
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cindysherman
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 41
Beiträge: 114
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 18.08.2015 19:35    Titel: Die Panterra Party eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Entschuldigt bitte, ich hatte diesen Text hier ohne einleitende Worte und ohne klassische Formatierung, quasi als Bandwurm gepostet. Nun sehe ich, dass er keine Beachtung findet und kann das in dieser Form verstehen. Ich versuch  mal ne Einleitung und Fragestellung.

Ich habe bereits Drehbücher geschrieben, die (außer zum Teil von mir) jedoch noch unverfilmt sind. Ich beherrsche aber die übliche Formatierung, habe die entsprechende software, und weiß auch, wie karg das manchmal zu lesen ist. Deswegen habe ich in diesem Stadium der Entwicklung viel mehr gestalterische Angaben gemacht, als notwendig. Das ist mir bewusst und sollte erstmal nicht im Detail repariert werden. Der Film funktioniert stark über die Bilder und ich wollte etwas nachhelfen, sie herauf zu beschwören...

Es geht mir eher darum, ob ich diese Idee, die ich in einer Eingebung runtergeschrieben habe, überhaupt vertiefe. Denn es erscheint mir jetzt selbst wie eine klassische Aschenputtel Geschichte - und das ist mir eher suspektes Terrain. Dazu fehlt mir auch noch eine überraschende Wendung. Gerade wenn es sich einen so ausgelatschten Pfad wie die Cinderella Geschichte handelt.

Ich würde mich also freuen, wenn diese Film Idee mehr inhaltlich als formal diskutiert würde. Und wenn das nur in meinem Kopf funktioniert und nicht bei euch, dann sagt es bitte.


Ein Kurzfilm.

Kottbusser Damm, Berlin Kreuzberg. (Außen/Nacht)

Die Strasse ist ein großstädtischer Mix aus den hier lebenden Kulturen: türkische Lebensmittelläden, Wettbüros, Handyläden und Bekleidungsgeschäfte für Ball- und Hochzeitskleider im Cinderella Stil, neben Kinder Kostümen für das Beschneidungsfest. Dazu Drogerie Ketten, EDEKAs, Waschmaschinenhöker, Friseure und Pizzerias, alles verbunden durch eine Schicht aus Graffittis und Veranstalltungspostern.
Auf dem Bürgersteig sehen wir Einheimische aus beiden Kulturkreisen: sowohl traditionell Kopftuchtragende Türkinnen und ihre schnurrbärtigen Männer, als auch die  Trendfolgerinnen der großen Metropolen (die den Dutt oben auf dem Kopf tragenden Frauen mit Brillen aus den 80ern; die vollbärtigen Männern mit Turnbeuteln und Rennrad). Touristen aus anderen Europäischen Metropolen versuchen sich unter die Elite der hiesigen Subkultur zu mischen, was auch gelingt, denn die Hippster sehen überall gleich aus.

Ein Mann und eine Frau (beide mitte 40) fallen in diesem bunten Wirrwar auf, weil sie konsequent schnörkellos gekleidet sind. Beide tragen zurückhaltende, ordentliche Kleidung in gedeckten Farben (dunkelblau, grau oder schwarz). Sie sind groß gewachsen und gehen aufrecht, ein wenig steif. Obwohl sie ohne Eile gehen, scheint zwischen ihnen eine gewisse Spannung zu herrschen.
(Dialog Baustelle:)
Berthold: Ich versteh nicht, warum ich da mitkommen musste.  
Belinde: Wieso, wolltest du lieber den Babysitter sparen oder was?
Berthold: Na, ich hab den Schreibtisch voller Arbeit und stehe stattdessen auf diesem Empfang rum, wo alle Fachchinesisch sprechen und der Sekt warm wird.
Belinde: Ich dachte, wir amüsieren uns mal wieder. War ja nur ein Versuch.
Berthold: Uns amüsieren? Ich seh dich den ganzen Abend nur von hinten, wie du mit deinen Doktoranten palaverst. Das war ne Arbeitsveranstalltung.
Belinde: ja, stimmt ja auch. Aber für meine Arbeit ist das nun mal wichtig. Wenn ich da nicht auftauche, kann ich mich gleich anstellen bei der Schlange arbeitsloser Akademiker.
Berthold: Versteh ich ja. Aber warum ich mit musste, versteh ich nicht.
Belinde: (seufzt).
Belinde: (leise) bald arbeiten wir beide nur noch und leben neben einander her.
Berthold: (laut, fast gleichzeitig) Ach schau mal, der Panterra-Laden macht zu!

Sie bleiben vor einem Schausfenster stehen, an dem knallfarbene Schilder einen Räumungsverkauf anpreisen: „Alles muss raus!“, „Rabatte- Wir schließen!“, etc.
Dahinter Kleider, die, entweder über und über mit Glitzer, Schlangenhaut oder Pailietten bestickt, in den gewagtesten Farben, großzügig mit Schleifen, Rüschen und Schlitzen verziert sind; dazu üppiger Schmuck aus Strass und bunten Glassteinen für gewagte Decolettes, die jede westeuropäische Cinerella-phantasie in den Schatten stellt. Der Laden heißt: Panterra.
Berthold und Belinde bleiben davor stehen.

Berthold: Belinde, du sollst doch die lokalen Geschäfte nicht so aushungern! Jetzt macht wieder eines zu.
Belinde: ha-ha.
Berthold: Mal im Ernst; ist mir ein Rätsel wer sowas tragen soll.
Belinde: Oben am Platz wurden gerade noch zwei viel größere Läden mit solchen Kleidern eröffnet. Es scheint also Leute zu geben.
Berthold: Ach echt? Kannst du dir vorstellen, wie die verschleierten Türkinnen sich in diese Kleider schmeißen? Ich mir nicht.
Belinde: (zitiert) „wo der Trieb gezügelt wird, da treibt er seine schönsten Blüten“ –(irgendwie sowas, sehr gebildetes, am Besten voller Fremdworte. Zitat finden.)

Vor dem Haus (Außen/Nacht)
Die beiden gehen durch ein Hoftor in ihr Haus, einen klassischer Berliner Altbau mit Hinterhof. Von dort gelangt man durch eine Tür ins Treppenhaus. Sie gehen rein.

Vor dem Haus (Außen/Tag)
Am nächsten Morgen: die gleiche Tür geht wieder auf und ein Mann (35) tritt heraus. Er sieht auf eine schüchterne Art und Weise gut aus, wirkt wie ein ewiger Student. Er ist dabei, mit Klebstreifen einen Zettel an der Tür zu befestigen, da hört er ein lautstarkes Wutgebrüll aus dem Treppenhaus und macht eine teilnamsvolle Grimasse.

Aus der Tür kommt Belinde in einer seltsamen Aufmachung: sie trägt einen Fahrradhelm und darüber einen Regenschutz auf dem Kopf. Dazu, wie immer, ihre Hornbrille und ihre geschlechts- und farbneutrale Kleidung. Sie stapft in den Hof und rollt mit den Augen. Sie grüßt den Nachbarn kurz, dann steckt sie ihren Kopf in die Türöffnung und ruft: „Puschel! Wir sind spät drann, nun komm!“. Weiteres Geheul aus dem Treppenhaus. Es hilft nichts, Belinde muss wieder rein. Die Kamera bleibt beim Nachbarn, der sein Schild nun vollends aufklebt. Darauf steht: „Liebe Nachbarn. Heute Abend mache ich spontan ein Abschiedsfest. Sie sind herzlich eingeladen!“
Belinde kommt wieder aus dem Haus, diesmal ein wiederstrebendes, wütendes, etwa 4 jähriges Mädchen an ihrer Hand. Das Kind trägt die buntesten Farben und jede kindliche Verzierung, die man sich mit 4 nur wünschen kann (Flügel, Glitzerhaarreifen, Ringelsocken, Gummistiefel, etc.)
Belinde:“Puschel, du weißt, Mami muss los, nun mach doch nicht jedes Mal so einen Terror. Komm jetzt, bitte!“
Puschel:“buhuhuhu!“
Nachbar:“was hat sie denn?“
Belinde:“Ach, sie will unbedingt ihr anderes Kleid anziehen, irgendwas ist immer.“
Nachbar:“ Puschel, du hast doch ein super Kleid an! So eins hätte ich auch gerne. Mit Fröschen! leihst du es mir?“
Puschel schaut ihn mißmutig an; „was soll das denn“, steht in ihrem Blick.
Belinde:“Haha! Ja, siehst du Puschelchen, du bist zu beneiden. Also, ab auf´s Fahrrad jetzt.“ Sie schwingt ihr Kind hinten auf ihren Fahrradsitz und schiebt das Rad los.
Nachbar:“ach, äh, Belinde!“
Sie schaut über die Schulter. Belinde: „ja, was denn?“
Nachbar:“ich zieh ja bald um, und da wollte ich...“
Belinde:“ ach was, du ziehst um? Wohin denn?“
Nachbar:“ nach Dresden. Neue Stelle an der Klinik (macht irgendwas Medizinisches). Na, und ich hatte heute die Idee, ich mal mal nen Abschiedsfest hier. Komm doch auch!“
Belinde:“ Na, gratuliere zum neuen Job! Klingt ja super. Feste Anstellung?“
Nachbar:“Ja, äh, klar. Also, hast du vielleicht Lust zu kommen?“
Belinde:“ oh, danke, also, ich muß mal sehen. Vielleicht kann ich kurz vorbei schauen, wenn Berthold auf Puschel aufpasst. Jetzt müssen wir aber echt los! Schönen Tag noch.“
Nachbar:“ ja, dir auch, tschüß!“

Belinde und Puschel fahren mit dem Fahrrad los. Der Nachbar geht auch. Wir sehen, wie er an dem Laden Panterra vorbei kommt und innehält. (Kamera bleibt total). Er zögert.

Bertholds und Belindes Wohnzimmer (Innen/Abends)

Berthold und Belinde sitzen in ihrem Wohn- u. Arbeitszimmer. Überall Bücherregale und moderne Kunst an den Wänden. Dazwischen ein Haufen mit Puschels Spielsachen, die aber nur eine Ecke des Raums beherrschen dürfen. Berthold tippt am PC, Belinde liest Zeitung. Man hört Musik aus der Ferne. Belinde seufzt, reibt sich die Augen hinter ihrer schweren Brille. Berthold murrt an seinem Schreibtisch.
Berthold: so kann man sich nicht konzentrieren.
Belinde: ach, das ist die Party von diesem jungen Mediziner. Er zieht um. Wir sind eingeladen.
Berthold: ich muss das hier fertig kriegen.
Belinde: Soll ich rüber gehen und sie bitten, die Musik leiser zu machen? Es ist schon nach elf.
Berthold: (grummelt) nee, ich mach einfach das Fenster zu.
Er steht auf, macht laut klappernd das Fenster zu, setzt sich wieder hin und schaut schlecht gelaunt auf seinen Screen. Belinde sieht ihn einen Moment lang an.
Belinde: Weißt du was? Ich glaub ich geh mal etwas rüber. Er zieht ja weg, da verabschiedet man sich doch.
Berthold: Ja, schönen Gruß von mir!
Belinde steht auf, geht in den Flur.
Dort sieht sie sich kurz im Spiegel an, ordnet ihre Haare etwas, noch braver.
Belinde (murmelt): was schenkt man denn zum Wegzug? Brot und Salz nicht. hmm...
Sie sieht auf das Bücherregal neben dem Spiegel. Oben ist eine Reihe identisch aussehender Bücher. Sie nimmt eines.
Belinde: Ach ja. (ruft) Ich schenk ihm dein Buch, ja?
Titel des Buches: „Stadt im Wandel“ (o.ä. -auf alle Fälle wissenschaftliches Sachbuch). Berthold grunzt einsilbig im Wohnzimmer, Belinde geht raus.

Treppenhaus (Innen/Nacht)

Belinde steht mit dem Buch vor der Tür des Nachbarn und klopft/klingelt. Drinnen hört man laute Musik und sehr ausgelassene Stimmung. Die Tür geht auf und ein Schwall Musik und Licht hüllt sie ein. Als sie ihren Gegenüber sieht, macht sie ein erschrockenes Gesicht. Es ist ein Mann, der in einem unglaublichen, sexy Panterra Glitzerkleid steckt. Er ist offensichtlich keine Drag Queen, sondern haarig, bärtig und zerstrubelt.
Partygast: (ausgelassen) hey, willkommen schönes Kind!
Belinde: ähhh –ich wollte nur eben dem Günther das Buch hier bringen.
Der Mann hakt sie freundschaftlich unter und zieht sie rein.
Partygast: ja, dann suchen wir ihn mal, komm rein!
Belinde geht widerstrebend mit, Bums, die Tür fällt zu.

Wohnung Günther (Innen/Nacht)

Die Wohnung ist sehr klein und sehr voll. Alle Gäste (verschiedene Altersgruppen, Hautfarben, Berufsbilder, Körperformen) tragen Panterra Kleider. Die Stimmung ist ausgelassen und freundlich, die Gäste tanzen, essen, trinken, reden und lachen. In einer Ecke steht ein Tischfußball, wo einige Männer und Frauen in den absurdesten Abendroben Tischfußball spielen. Günther schält sich aus der warmen Menge heraus, auch er trägt einen Glitzerfummel. Er freut sich sichtlich, Belinde zu sehen.
Günther: Belinde! Das ist ja schön!
Belinde: ich, äh, wollte mich verabschieden. Hier!
Sie streckt das Buch vor um Abstand zu erzeugen. Beide brüllen gegen die Musik an.
Belinde: das ist von Berthold. Seine Doktorarbeit.
Günther nimmt das Buch, bedankt sich freundlich und führt dann Belinde von ihrem Türöffner weg.
Günther: komm, du musst dich auch unbedingt verkleiden. Heute ist Panterra-Party!
Er führt sie zum Bad, dem einzigen Raum mit Tür, und zeigt hinein. Drinnen steht ein großer Karton und es liegen Abendkleider, Accessoires und Schuhe herum.
Günther: such dir was Schönes aus.
Belinde schaut ungläubig und macht Abwehrversuche. Eine Frau in einem tollen Kleid, klein und dunkelhäutig, kommt zu ihr.
Partygast 2: Das wird dir super stehen, du bist schön groß! Meines muss ich immer hochheben.
Sie zeigt ihre lange Schleppe. Noch eine Frau im Fummel gesellt sich dazu.
Partygast 3: die Besten sind leider schon weg. Aber das hier würde dir bestimmt passen.
Sie nimmt ein Kleid in Belindes Größe. Belinde schnappt nach Luft angesichts des gewagten Stücks. Doch die Frauen ziehen Belinde mit ins Bad und machen Günther lachend die Tür vor der Nase zu. Er steht und schaut die Tür an. Glücklich.

Belinde kommt wieder aus dem Bad und sieht wirklich toll aus, aber auch ziemlich angespannt. Die nahestehenden Gäste beklatschen und bejubeln die Verwandlung: einer reicht ihr seinen Lippenstift, eine andere ein Glas Sekt. Sie ist jetzt eine von Ihnen, wird deutlich, sie muss sich nicht anstrengen um Gespräch oder Anschluss zu finden, man nimmt sie freundlich auf und teilt mit ihr, was da ist. Schnell ist sie Teil der feiernden Gruppe, aber nicht etwa der Mittelpunkt. (Dort würde sie sich eh nicht wohlfühlen).
Belinde kommt mit der Verwandlung nicht so schnell mit. Sie macht sich fortwärend in Gesten und Bemerkungen lustig über sich und das Kleid und trägt es wie ein Zitat. Ironisch. Überlegen. Distanziert.
Sie versucht, ihr normales Party Programm anzuwenden: sie stellt sich in die Küche an das Buffett und versucht gebildeten Small-talk zu halten. Aber es klappt nicht recht. Keiner hört richtig zu, statt dessen werden Flirts und Anzüglichkeiten ausgetauscht. (Noch Bilder finden oder Schauspieler improvisieren).

In Zeitsprüngen entwickeln sich die Party und Belinde zu einer Einheit. Belinde wird immer gelöster, wagemutiger und ausgelassener. Sie tanzt, kickert, trinkt und singt mit den Anderen. Sie nimmt eine Federboa zum tanzen und wird immer weicher in ihren Bewegungen.

Ein paar Partygäste gehen zum Rauchen auf´s Dach. Günther nimmt Belinde mit.
Günther: Kennst du eigentlich schon das Dach?
Belinde: Nein, sag bloß. Da wohn ich hier schon X Jahre und wusste nicht, dass man da rauf kann.
Günther. Na, eigentlich kann man auch nicht rauf. Aber uneigentlich...
Er zeigt ihr den Weg und sie geht mit auf´s Dach.

Dach (Außen/Nacht)

Oben sind mehrere Partygäste, die in ihren Straß- und Pailettenkleidern mit den Sternen um die Wette funkeln. Die Musik ist auch hier gut zu hören, aber es ist etwas ruhiger.
Belinde und Günther stehen beieinander.
Belinde: du rauchst gar nicht?
Günther: Nein. Aber ich mag das Dach.
Belinde: ja, es ist toll.
Sie schaut vorsichtig in Richtung Hof hinab.
Belinde: Da! man sieht unser Küchenfenster.
Günther: beug dich da mal nicht zu weit rüber...
Er zieht sie sanft zurück. Sie schauen sich einen Moment an. Zwischen ihnen knistert es.
Belinde (lößt sich): ob Puschel wohl schläft bei der Musik?
Günther beugt sich nun weit über die Brüstung.
Günther: ich glaube, sie tanzt mit ihrem Papi durch die Wohnung.
Belinde: was?!
Sie will selber schauen, beugt sich vor. Er nimmt sie beim Arm.
Günther: kein Grund, dich runter zu stürzen, Belinde. Sie gehören beide noch dir.
Belinde verdaut das. Er geht wieder runter, blickt freundlich zu ihr, sie geht mit.

In Günthers Wohnung (Innen/Nacht)

Die Party geht weiter und wird in diesem Stadium wirklich wild. Jemand ist nackt und wird mit Accessoires behängt wie ein Weihnachtsbaum. Handtaschen fliegen um die Wette. Belinde tanzt irgendwann auf dem Tisch. Sie feuert die Tänzer an und schwingt die Lampe herum. Auf dem Bett gibt´s ne Kissenschlacht, bei der die Federn fliegen (Boafedern, Kissenfedern). Ein Kissen trifft Belinde und ihre Brille fällt ab.
Sie sucht tastend nach ihr, findet stattdessen eine funkelnde Tiara zwischen den Kissen und setzt sich diese auf. Die anderen johlen vor Freude, lachen und feiern Belinde. Sie wird immer mehr zur Königin der kleinen Schar.
Günther trinkt sich an ihrem Bild satt. Er hebt ihre Brille auf und legt sie sacht zur Seite.

Zeitsprung: die Musik ist weniger wild, dafür Schummerlicht und Paartanz. Immer noch wirbeln die Paare mit Humor und Wagemut übers Parkett, aber die Stimmung ist anders. Der Raum beherbergt nicht mehr eine Gruppe, sondern die Gäste zerbröckeln in Grüppchen: Paare, die sich zu zweit vergnügen; einige, die früher gehen; einige, die zuviel getrunken haben; und einige, die für sich alleine schlafen, tanzen, oder trinken.
Belinde und Günther tanzen eng und komisch und romantisch und sind beide  verknallt. Belinde genießt es sichtlich, aber als er ihr einen Kuss auf den Nacken haucht, will sie sich losreißen und murmelt was von „ich muss mal“. Sie torkelt Richtung Bad, will fliehen. Doch die Tür ist verschlossen, das Bad besetzt. Günther folgt ihr und sie taumeln zusammen in die Garderobe, die voller Kleider der Gäste hängt. In diesem Kleiderhaufen verlieren sie Gleichgewicht und Überblick und fangen an zu knutschen.

Auf dem Bad wird gespühlt und die Tür geht auf. Das Licht fällt auf die Beiden im Kleidergewirr. Der Mann, der Belinde zuerst die Tür öffnete, steht im Türrahmen.
Partygast (Berlinerisch): nee, wa, ich mach mir da extra stress und zwäng mich in die Schuhe rein, hack mir fast n Zeh ab, und dann kricht so´ne andere Jule den Prinzen.
Er zeigt seine seine Stöckelschuhe, deren Stiletto er offenbar abgesägt hat. Sie lachen.

Im Bad (Innen/Nacht)
Belinde und Günther sind alleine im Bad. Er schließt die Tür ab und sie knutschen weiter. Es wird immer leidenschaftlicher und sie pellen sich gegenseitig aus ihren Kleidern, doch es dauert zu lange und sie fangen auf halber Strecke an, miteinander zu schlafen. Belinde versucht, leise zu sein, aber...

Wohnung von Günther (Innen/Nacht)

...man hört sie trotzdem. Der Mann mit den Stöckelschuhen bemerkt es als erster und fängt an, die anderen Gestallten aufzusammeln und zur Heimkehr zu bewegen. Langsam trollt sich der Rest. Kleider bleiben liegen, die Wohnung ist völlig durcheinander.

Schlafzimmer Belinde und Berthold (Innen/Nacht)

Berthold liegt alleine im Doppelbett und wird wach. Er meint, etwas zu hören und wendet sich zum offenen Fenster. Da, das Stöhnen, die Stimme: die kennt er doch?
Er schaut auf den leeren Platz neben sich im Bett. Ist das etwa Belinde? Er überlegt einen Moment. Dann schüttelt er den Kopf. Nein. Unmöglich. Doch nicht Belinde.

Wohnung von Günther (Innen/Morgen)

Es wird hell. Belinde und Günther liegen halbnackt und schlafend auf dem völlig zerwühlten Bett inmitten von Federn, Kleidern und Kissen. Um sie herum Gläser, Flaschen, noch mehr bunte Kleider. Es ist ein herrliches, schimmerndes Chaos.
Belinde wird wach. Sie blinzelt, muss sich orientieren, weiß nicht gleich, wo sie ist.
Da fällt es ihr ein und sie erschrickt. Sie tastet herum und sucht etwas; davon wird auch Günther wach. Er schaut ihr zu.
Günther: suchst du was?
Belinde: meine Brille.
Er bringt sie ihr, von wo er sie beiseite gelegt hatte. Erleichtert setzt sie sie auf.
Belinde: ich muss los.
Günther: ja.
Sie hastet ins Bad. Er sucht ihre Alltagskleidung und reicht sie ihr rein.

Küche von Berthold und Belinde (Innen/Tag)

Berthold und Puschel sitzen am Frühstückstisch. Sie frühstücken wie immer, nur Berthold schielt etwas besorgt auf sein Handy.
Puschel: wo ist denn die Mami?
Berthold: Die läßt mal die Sau raus. Muss ja auch mal raus, das arme Tier.
Puschel: Ich bin auch ein Schweinchen! (grunzt zur Bekräftigung)
(bettelnd) Kann ich auch ein Schweinchen haben, Papa?
Berthold: ach, dass muss du die Mami fragen. Iss jetzt auf, Puschel.
Puschel futtert weiter.

Tür zum Hof (Aussen/Tag)

Wie am Morgen zuvor treibt Belind ihre Tochter an. Man sieht beide noch nicht.
Belinde (OFF): Puuuschel! Nun komm, es ist schon spät!
Belinde kommt auf den Hof, sie sieht aus wie immer. Fast! In ihrem Haar steckt schief die Tiara. Puschel wird zum Fahrrad geschleift. Als Belinde ihr Kind hochhebt, sieht Puschel die Tiara. Sie greift danach, aber verpasst sie knapp.
Puschel: das ist meine! ich will sie haben!
Belinde weiß nicht, wovon die Rede ist. Puschel schaut gierig auf ihren Kopf und Belinde greift dorthin, tastet: ihr fällt ein, was da ist.
Puschel: Maaaamii! Ich will die haben!
Plötzlich ist Belinde streng und voller Würde.
Belinde: Nein. Das ist meine.
Sie rückt die Tiara zurecht. Puschel staunt ihre Mutter an.
Belinde schwingt sich auf´s Fahrrad. Sie fährt aus dem Hof.

Strasse (Außen/Tag)

Belinde fährt leicht und gelöst mit ihrem Kind durch die morgendliche Strasse. Sie schaut zum Fenster von Günther und winkt.
Puschel sitzt auf dem Kindersitz hinter ihr. In ihr arbeitet es. Sie denkt nach.
Puschel: Mami, bist du eine Königin?
Belinde: Ja, mein Schatz.
(pause)
Puschel: Stimmt. Ich bin ja auch eine Prinzessin!
Sie klatscht in die Hände und ist zufrieden. Ihre Welt ist in Ordnung.
Belindes Gesicht spiegelt das gleiche Gefühl.

Ende.

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Stimmgabel
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Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 21.08.2015 13:42    Titel: Re: Die Panterra Party Antworten mit Zitat

-

Hallo cindysherman,

kurze Info meinerseits. doch doch, ich hatte sehr interessiert dein quasi  Prosa'eskes Drehbuch [ erste Fasssung ] gelesen, mir schon Gedanken bereit gelegt. /  jetzt deine Ungeduld und komplette Form_änderung [ erscheint mir nun textal auch ausgedehnter ] mit einer üblichen Dialogie Markierung ?????

... und, es gibt ja auch ernste Schreiber, die nicht Zeit nach Lust und Laune frei zur Verfügung haben ... also kann schon mal ein Kommerntar später erfolgen / oder nicht ???

Nun habe ich ein weiteres Problem, da du scheinbar selbst Niveau-Zweifel an deinem Projekt hast [ gleichzeitig setzt du das Symbol "gelbes Ausrufezeichen / für eine besondere, persönliche Bedeutung" ]  ohh  :


cindysherman hat Folgendes geschrieben:

... diese Idee, die ich in einer Eingebung runtergeschrieben habe, überhaupt vertiefe. Denn es erscheint mir jetzt selbst wie eine klassische Aschenputtel Geschichte - und das ist mir eher suspektes Terrain.

Dazu fehlt mir auch noch eine überraschende Wendung.

Gerade wenn es sich einen so ausgelatschten Pfad wie die Cinderella Geschichte handelt.
.


... zudem ich nun keinerlei Vergleichsmöglichkeit mehr zu der ersten Fassung habe ... die ja durch ihre fließende Dialogie ausgezeichnet war / ich das schon sehr interessant empfand.

Soll heißen: dein jetziges Schnipp_schnapp Changing erzeugt schon höchste Verwunderung / zumindest bei mir. / soll also heißen, dass ich nun nochmal deinen gesamten Text, nun unter einem ganz anderen Wirk_duktus durcharbeiten müsste.

ehrlich: ich glaube nicht!. Da mir nun das Lesen in dieser üblichen Dialog_formatierung echt langweilig erscheint ... ungeachtet des Inhalts ...

cindysherman hat Folgendes geschrieben:
Dazu fehlt mir auch noch eine überraschende Wendung
.



genau hierzu hätte ich etwas sagen wollen bzgl der ersten Fassung. dort fehlte mir, mMn jener kipp_Reibungspunkt für Belindes Entscheidung [ Thema Günther / ihre automatisierte Lebensgestaltung ] und jenes inszenierte Symbol der Tiara, das/die ja unbewusst dieser Belinde einen quasi selbstbestärkenden Halt [ quasi als Figuration ] gab.

 
Gruß Strimmgabel ...


edit: ein weiteres Problem habe ich mit solch einer sinnleeren, oberflächlichen Aussage wie:

cindysherman hat Folgendes geschrieben:
Ich würde mich also freuen, wenn diese Film Idee mehr inhaltlich als formal diskutiert würde.


was meinst du damit?  im Text existieren nun mal Wortungen, gewortete Bilder, die mMn schief sind und logo dann den Inhalt eigenart beeinflussen, bedingen ... oder siehst du das [ ganz allgemein ] anders?

... alles jetzt schon höchst abstrus geworden Rolling Eyes

-


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Gabel im Mund / nicht so hastig...
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cindysherman
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BeitragVerfasst am: 21.08.2015 16:38    Titel: antwort pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Stimmgabel,

Ich hatte gar nicht viel geändert...? Nur die Einleitung geschrieben, der Text ist identisch mit der ersten Fassung.

Ich wollte nicht ungeduldig wirken, doch ich fand selbst, eine Einleitung fehlt, deswegen habe ich sie nachgereicht. Und da ich die anderen Texte im Drehbuchforum gelesen hatte, und die sich sehr stark auf die richtige Formatierung eines Drehbuchs fokussieren, dachte ich, ich kürze die Diskussion über Header/Titel/Action/Dialoge ab.

Das Häkchen zu "ist mir wichtig" habe ich gesetzt, weil es sich anders als meine vorherigen Beiträge um etwas handelt, an dem ich aktuell arbeite. Zuvor hatte ich -auch um das Forum kennen zu lernen- Texte gepostet, die schon älter sind. Das schien mir ratsam, weil man kann sich durch unüberlegte Äußerungen (oder Kritik) schon ein Ei legen.

Es tut mir leid, wenn das Alles ganz anders gewirkt hat. Es weist mir aber noch mal darauf hin, dass eine Einleitung bezgl. was man mit dem Text vorhat und warum man ihn postet, ratsam ist.

Jetzt muss ich noch mal nach lesen, was du zum Inhalt und Figuren geschrieben hast. Danke für deine Bereitschaft, mitzudenken!

Liebe Grüße,

cindysherman
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cindysherman
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BeitragVerfasst am: 22.09.2015 22:50    Titel: Die Pantera Party pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist meine zweite Fassung dieses Kurzfilm Drehbuchs. Bitte entschuldigt, falls es nicht unter der ersten Fassung Auftaucht: das ist zwar mein Plan, aber ich kenn die Buttons noch nicht so gut. Und seht die seltsame Formatierung nach, wenn´s geht; die kommt vom kopieren aus .pdf und ich habe zwar viele Absätze repariert, aber längst nicht alle... Ich hoffe, es stört nicht zu sehr beim Lesen.



KOTTBUSSER DAMM (AUßEN/NACHT)
Die Straße ist ein großstädtischer Mix aus verschiedenen Kulturen: türkische Lebensmittelläden, Wettbüros, Spielotheken und Handyläden neben teuren Bioläden, den Szenekneipen der Avantgarde und Gallerien mit Werken internationaler Künstler. Dazwischen eingestreut Eckkneipen mit dem Flair des Vergangenen, Fielman und Rossmann, Imbisse, Späties (spätoffene Kioske) und so weiter. Hell erleuchtet sind vor Allem die prächtigen Schausfenster der orientalischen Bekleidungsgeschäfte, die Hochzeits- und Festkleider anbieten.
Auf dem Bürgersteig sehen wir Menschen aus beiden Kulturkreisen: sowohl die traditionell Kopftuchtragenden Türkinen und ihre schnurrbärtigen Männer, als auch die Trendsetter der großen Metropolen (die den Dutt oben auf dem Kopf tragende Frauen mit Kleidung aus den 80ern; die vollbärtigen Männer mit Turnbeuteln und Rennrad). Die Sprachfetzen, die wir hören sind Türkisch, Arabisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Deutsch.
Ein Mann und eine Frau (beide mitte 40) fallen in diesem bunten Wirrwar auf, weil sie konsequent schnörkellos gekleidet sind. Beide tragen zurückhaltende, ordentliche Kleidung in gedeckten Farben. Sie sind beide groß und ein wenig steif. Zwischen ihnen herrscht Spannung.
BERTHOLD Ich verstehe nicht, warum ich da mitkommen musste.
BELINDE Wieso, wolltest du dir den
Babysitter sparen, oder was?
BERTHOLD Ich hab den Schreibtisch voller Arbeit und stehe stattdesen auf diesem Empfang rum, wo alle fachchinesisch sprechen und der Sekt warm wird.
BELINDE Ich dachte, wir amüsieren uns mal wieder.
War ja nur ein Versuch.
BERTHOLD Uns amüsieren? Ich seh dich den ganzen Abend nur von hinten. Das war ne Arbeitsveranstaltung.
BELINDE Ja, stimmt ja auch. Aber für meine Arbeit ist das nun mal
wichtig. Wenn ich da nicht auftauche, kann ich mich gleich anstellen bei der Schlange arbeitsloser Akademiker.
BERTHOLD Versteh ich ja. Aber warum ich da
mitkommen musste versteh ich nicht.
Pause. Beide fangen gleichzeitig an zu sprechen.
BELINDE (leise)
Bald arbeiten wir nur noch und leben nebeneinander her.
BERTHOLD
(laut) Ach schau mal, der Panterra-Laden macht zu!
Sie bleiben vor einem Schaufenster stehen, an dem Schilder hängen: “Räumungsverkauf”, “Alles muss raus!”, “Rabatte!”. Dahinter liegt eine Märchenwelt aus Glitzer, Tüll und Pailletten: Kleider in den gewagtesten Farben, großzügig mit Schleifen, Rüschen und Schlitzen verziert, dazu üppiger Schmuck aus Strass und buntem Glas. Der Laden heißt: Panterra. Das Emblem ist eine schwarze Panterin.
BERTHOLD
 Belinde, du sollst doch nicht die
lokalen Geschäfte so aushungern! Jetzt macht wieder eines zu.
BELINDE Ha-ha.
BERTHOLD Mal im Ernst: ist mir ein Rätsel
wer das tragen soll.
BELINDE Am Platz wurden neulich noch zwei
viel größere Läden für diese Kleider eröffnet. Es scheint also Leute zu geben.
BERTHOLD Ach echt? Kannst du dir
vorstellen, wie sich die züchtig verschleierten Türkinnen in diesen Kleidern blicken lassen?
BELINDE (zitiert)
“wo der Trieb gezügelt wird, da treibt er seine schönsten Blüten”

VOR DEM HAUS (AUßEN/NACHT)
Die Beiden gehen durch ein Hoftor in einem klassischen Berliner Hinterhof. Ein paar Spielsachen und Blumenkübel stehen herum. Sie gehen durch die Tür ins Hinterhaus.

VOR DEM HAUS (AUßEN/TAG)
Die gleiche Tür geht wieder auf und Günther (ca 35) kommt heraus. Er beginnt mit Klebstreifen einen Zettel an der Tür zu befestigen, da hört er Wutgebrüll aus dem Treppenhaus.
Aus der Tür kommt Belinde. Sie trägt einen Fahrradhelm und darüber einen Regenschutz auf dem Kopf. Dazu ihre Hornbrille und geschlechts- farbneutrale Kleidung.
BELINDE Guten Morgen.
Seine Antwort geht im weiteren Gebrüll unter, das aus der Tür erschallt. Bellinde steckt den Kopf rein und schreit:
BELINDE Puschel! Wir sind spät drann, nun komm endlich!
Belinde wartet einen Augenblick. Mehr Gebrüll. Sie wechselt einen Blick mit Günther, dann geht sie entnervt wieder rein. Günther klebt sein Schild fertig auf. Darauf steht: “liebe Nachbarn! Heute Abend mache ich spontan ein Abschiedsfest. Sie sind herzlich eingeladen!”
Belinde kommt wieder aus dem Haus, diesmal ein wiederstrebendes etwa 4 jähriges Mädchen an der Hand, das die buntesten Farben und Verzierungen trägt, die man sich mit 4 nur wünschen kann (Flügel, Glitzerhaarreifen, etc).
BELINDE Puschel, du weißt, Mami muss los,
nun mach doch nicht jedes Mal so einen Terror. Komm jetzt bitte!
PUSCHEL Bu-hu-huuh!
GÜNTHER Was hat sie denn?
BELINDE Ach, sie will unbedingt ein
anderes Kleid anziehen, irgendwas ist immer.
GÜNTHER Puschel, du hast doch ein super
Kleid an! Mit Fröschen! So eins hätte ich auch gerne. Leihst du es mir mal?
Puschel schaut ihn mißmutig an.
BELINDE Haha! Ja, siehst du Puschel, du
bist zu beneiden. Also, ab auf ́s Fahrrad jetzt!
Sie schwingt ihr Kind auf den Fahrradsitz und schiebt los.
GÜNTHER Ach äh, Belinde!
BELINDE (über die Schulter) was denn?
GÜNTHER Ich zieh ja bald um und da wollte
ich...
BELINDE (unterbricht) ach was, du ziehst
um? Wohin denn?
GÜNTHER Nach Dresden. Neue Stelle an der
Klinik. Ich hatte heute die Idee, ich mach mal n Abschiedsfest. Komm doch auch!
BELINDE Gratuliere zum neuen Job! Klingt
ja super. Feste Anstellung?
GÜNTHER Ja. Also, hast du vielleicht Lust
zu kommen?
BELINDE Oh, danke, also ich muss mal
sehen. Vielleicht ganz kurz, wenn Berthold auf Puschel aufpasst. Jetzt müssen wir aber echt los. Schönen Tag noch!
GÜNTHER Ja, dir auch, tschüß!
Belinde und Puschel fahren mit dem Fahrrad los. Günther geht aus dem Tor auf die Straße.

KOTTBUSSER DAMM (AUßEN/TAG)
Günter kommt an dem Panterra Laden vorbei und bleibt stehen. Er zögert.

BELINDES UND BERTHOLDS WOHNZIMMER (INNEN/NACHT)
Berthold und Belinde sitzen in ihrem Wohn- und Arbeitszimmer. Überall Bücherregale und moderne Kunst an den Wänden. Dazwischen eine Ecke mit Spielsachen. Berthold tippt am PC, Belinde liest Zeitung. Von draußen Musik.
BERTHOLD So kann man sich nicht
konzentrieren.
BELINDE Ach, das ist die Party von
Günther. Er zieht um. Wir sind eingeladen.
BERTHOLD Der zieht um?
BELINDE Hmhm. Neuer Job. In Dresden.
BERTHOLD Der arbeitet in der Psychiatrie,
glaub ich.
BELINDE Dann wird ́s sicher lustig.
BERTHOLD Ich muss das hier fertig kriegen.
BELINDE Soll ich mal rübergehen und bitten, die Musik leiser zu
machen? Es ist schon nach elf.
BERTHOLD Ich mach einfach das Fenster zu.
Er steht auf, macht laut das Fenster zu, setzt sich wieder hin und schaut schlecht gelaunt auf seinen Screen. Belinde betrachtet ihn ein einen Moment lang.
BELINDE Weißt du was? Ich glaub, ich geh
mal etwas rüber. Er zieht ja weg, da verabschiedet man sich doch.
BERTHOLD Ja, schönen Gruß von mir!
Belinde ordnet ihre Haare vorm Spiegel (noch braver), überlegt etwas, zieht ein Buch aus dem Regal und geht raus.

TREPPENHAUS (INNEN/NACHT)
Belinde steht mit dem Buch vor einer Tür und klingelt. Drinnen hört man laute Musik und sehr ausgelassene Stimmung. Die Tür geht auf ein Schwall Musik und Licht fällt auf Belinde. Sie macht große Augen: vor ihr steht ein Mann, der in einem unglaublich sexy Glitzerkleid steckt. Er ist haarig, bärtig und zerstrubbelt.
PARTYGAST Hey, willkommen schönes Kind!
BELINDE Ähh -ich wollte nur eben dem
Günther dieses Buch hier bringen.
PARTYGAST Ja, dann suchen wir ihn mal, komm
rein!
Der Mann hakt sie freundschaftlich unter und zieht sie rein. Belinde folgt widerstrebend, Bums, die Tür fällt zu.

WOHNUNG GÜNTHER (INNEN/NACHT)
Belinde wird von dem Mann rein geführt. Die Wohnung ist sehr klein und sehr voll. Alle Gäste tragen Panterra Kleider (verschiedene Altersgruppen, Hautfarben, Körperformen). Die Stimmung ist ausgelassen und freundlich, es wird gelacht, getrunken und getanzt. In einer Ecke steht ein Tischfußball, wo einige Männer und Frauen in den absurdesten Abendroben kickern. Günther schält sich aus der Menge, auch er trägt einen Glitzerfummel mit Strassschmuck.
GÜNTHER Belinde! Das ist ja schön!
BELINDE Ich, äh, wollte mich verabschieden. Hier!
Sie streckt das Buch vor und erzeugt damit Abstand.
GÜNTHER Komm, du musst dich unbedingt
verkleiden. Heute ist Panterra- Party!
Er führt sie zum Bad, zeigt hinein. Drinnen steht ein großer Karton mit Abendkleidern, Schuhe und Accessoires.
GÜNTHER Such dir was Schönes aus.
Belinde schaut ungläubig und macht Abwehrversuche. Eine Frau, klein und dunkelhäutig, in einem tollen Kleid, kommt.
NINA Das wird dir super stehen, du
bist schön groß! Meines muss ich immer hochheben..
Sie zeigt ihre lange Schleppe. Noch eine Frau im Fummel gesellt sich dazu.
SIMONE Die Besten Kleider sind leider
schon weg. Aber das hier würde dir bestimmt passen.
Sie nimmt ein Kleid in Belindes Größe. Belinde schnappt nach Luft angesichts des gewagten Stücks. Doch die Frauen ziehen sie mit ins Bad und machen Günther lachend die Tür vor der Nase zu. Er steht und schaut die Tür an.
Zeitsprung: Belinde kommt wieder aus dem Bad und sieht wirklich toll aus, aber auch ziemlich angespannt. Die nahestehenden Gäste beklatschen und bejubeln die Verwandlung. Man reicht ihr ein Glas und einen Lippenstift. Schnell ist sie Teil der feiernden Gruppe.

KÜCHE WOHNUNG GÜNTHER   (INNEN/NACHT)
Belinde trägt das Kleid zunächst wie ein Zitat: ironisch- distanziert. Sie steht am Buffet und redet mit ernster Miene mit dem Mann, der ihr die Tür öffnete. Dieser gießt ihr fleißig aus der Flasche nach.
BELINDE Es wurde ja schon viel mit cross -
Gender gespielt: in der modernen Kunst zum Beispiel- ach, da gibt es dieses fabelhafte Essay von Arnodt De Montalier, kennst du ihn?
PARTYGAST Ne. Aber kennst du “manche
mögens heiß”?
Sie schüttelt den Kopf.
PARTYGAST (zitat, streng)
Sprich mir nach: ich bin ein Mädchen!
BELINDE “ich bin ein Mädchen?”
PARTYGAST
”ich bin ein Mädchen. Ich bin ein Mädchen. Ich bin ein Mädchen”
BELINDE
Wo sind denn eigentlich die
Anderen aus dem Haus?
Sie flieht aus der Küche und landet auf der Tanzfläche. Weil sich alle Tanzenden über sie freuen, macht sie mit. Ihre Bewegungen sind jedoch ziemlich gehemmt. Jemand reicht ihr eine Federboa und sie macht sich tanzend gleich darüber lustig, tut übertrieben tussihaft und aufgedreht. Dabei reißt sie eine Reihe Gläser um. Es ist ihr furchtbar peinlich und sie will schnell was zum aufwischen holen, dabei läuft sie Günther in die Arme.
GÜNTHER Wir wollten gerade zum Rauchen
auf ́s Dach, kommst du mit?
BELINDE Äh, ich hab da gerade was
umgeschmissen, wo ist denn dein Wischmop?
GÜNTHER Nicht so schlimm, ich zieh ja eh
aus. Morgen mach ich ́s weg. Kommst du mit, Sterne kucken?
BELINDE Auf ́s Dach? Da wohne ich hier
schon so lange und wusste gar nicht, dass man da rauf kann
GÜNTHER Ja, eigentlich kann man auch
nicht auf ́s Dach. Aber uneigentlich.
Er zeigt ihr den Weg und sie geht mit.

DACH   (AUßEN/NACHT)
Oben sind mehrere Partygäste, die in ihren Strass- und Pailettenkleidern mit den Sternen um die Wette funkeln. Die Musik ist gut zu hören, aber etwas leiser.
BELINDE Du rauchst gar nicht?
GÜNTHER Nein. Aber ich mag das Dach.
BELINDE Ja, es ist toll.
Sie schaut vorsichtig hinab Richtung Hof.
BELINDE Da! Man sieht unser Küchenfenster
GÜNTHER Beug dich da mal nicht zu weit
rüber... Er zieht sie sanft zurück. Sie schauen sich an, nah.
BELINDE (lößt sich)
Ob Puschel wohl schläft bei der Musik?
Günther beugt sich nun weit über die Brüstung.
GÜNTHER Ich glaub, sie tanzt mit ihrem
Papi durch die Wohnung.
BELINDE
Was?! Sie will selber schauen, beugt sich vor. Er hält sie fest.
GÜNTHER Kein Grund, dich runter zu
stürzen, Belinde. Sie gehören beide noch dir.
Belinde verarbeitet das. Er geht wieder runter, blickt freundlich zu ihr und sie geht mit.

WOHNUNG GÜNTHER   (INNEN/NACHT)
Die Party geht weiter. Belinde tanzt wieder und diesmal wird sie immer authentischer, kein Zitat oder Kommentar mehr.

Belinde steht breitbeinig am Kicker und schießt ein Tor. Der Jubel entfährt ihr unwillkürlich mädchenhaft. Sie merkt das und überprüft rasch, ob ihr das bei den Mitspielern Minuspunkte einbringt. Tut es nicht.

Die Party wird in diesem Stadium wirklich wild: Jemand ist nackt und wird wie ein Weihnachtsbaum geschmückt. Handtaschen fliegen um die Wette. Belinde tanzt auf einem Tisch. Auf dem Bett gibt ́s eine Kissenschlacht, bei der die Federn fliegen (Boafedern, Kissenfedern). Ein Kissen trifft Belinde und ihre Brille fällt ab. Sie sucht tastend nach ihr zwischen den Federn, findet stattdessen eine funkelnde Tiara und setzt sich diese auf. Die anderen klatschen und johlen vor Freude.
Belinde steigt wieder auf den Tisch und wird bejubelt. Sie wirkt wie die Königin der kleinen Schar.
Günther geniest es, ihr zuzusehen. Er hebt ihre Brille auf und legt sie sacht zur Seite.

Zeitsprung: die Musik ist weniger wild, dafür Schummerlicht und Paartanz. Immer noch wirbeln Paare mit Humor und Wagemut übers Parkett, aber die Stimmung ist anders. Der Raum beherbergt nicht mehr eine Gruppe, sondern diese ist in Grüppchen zerbröckelt; Paare -und die, die zuviel getrunken haben und alleine schlafen, tanzen, oder trinken.
Belinde und Günther tanzen eng und komisch und romantisch. Belinde genießt es sichtlich, aber als seine Lippen ihren zu nahe kommen, reißt sie sich los und murmelt was von "ich muss mal". Sie torkelt Richtung Bad. Doch die Badezimmer Tür ist von Innen verschlossen. Günther folgt ihr.
Einige Gäste gehen gerade raus und im engen Flur werden Belinde und Günther zwischen die Mäntel/Alltagskleidung der vollbehängten Garderobe gedrängt. In diesem Kleiderhaufen verlieren sie Gleichgewicht und Überblick und fangen an, zu knutschen.
Die Gäste haben die Wohnungstür nicht richtig zugemacht und nun geht sie wieder auf. Da steht Berthold. Belinde rutscht schnell tiefer in die Garderobe.
Berthold kommt herein. Er sieht sie nicht. Dafür Günther.
BERTHOLD Hallo, äh... tolles Kleid.
GÜNTHER Berthold. Du kommst auch?
BERTHOLD Ja, ich such Belinde. Ist sie da?
Belinde schaut entsetzt und drückt sich tiefer zwischen die Mäntel.
In dem Moment hört man die Klospülung und die Tür vom Bad wird entriegelt. Da steht der Partygast. Er sieht Berthold - in Alltagskleidung.
PARTYGAST Pantera Party! Alle müssen ein
Kleid tragen. Hier herein bitte. Er deutet auf das Bad voller Kleider Chaos.
BERTHOLD (lacht) auf keinen Fall.
PARTYGAST Dann kann ich dich leider nicht
rein lassen. Leider, denn dir würde das echt stehen. Doch nicht vielleicht das hier...?
Er hält ein Kleid hoch. Berthold wehrt ab. Er will sich druch drängeln, aber der Partygast und Günther verwehren ihm mit ihren Körpern den Weg. Belinde hält die Luft an.

KÜCHE GÜNTHERS WOHNUNG (INNEN/NACHT)
Berthold kommt mit einem völlig schief sitzenden Kleid herein, das er sich über seine normale Kleidung gezogen hat. Er sieht nicht verkleidet aus, nur ungeduldig. Er findet Belinde nicht.
BERTHOLD Verdammt.
Er sieht die Überreste der Party, versteht aber nicht den Zauber. Hinter ihm verdrückt sich Belinde in Richtung Dach.

DACH  (AUßEN/NACHT)
Belinde steht allein dort. Sie ist unglücklich. Günther kommt nach oben, er nähert sich ihr.
GÜNTHER Tut mir leid. Ich wollte Dich
nicht...
BELINDE Was- verführen?
GÜNTHER Naja. Eigentlich nicht, aber...
BELINDE Uneigentlich schon.
Sie dreht sich weg.
BELINDE Weißt du, wie schwierig das ist?
GÜNTHER Was? Verführung? Ach, so schwi-
BELINDE Nein! Ich meine, das Richtige zu
tun. Jeden Tag gehe ich tausend kleine Opfer und Kompromisse ein. Jeden Tag! Es ist echt hart -aber es ist...
GÜNTHER Es wert. Schon verstanden.
Pause.
BELINDE Man wird mürbe davon. Irgendwie
ist es richtig, auch mal das Falsche zu tun.
GÜNTHER Das Falsche bedeutet..?
BELINDE Sex. Ja genau. Das machen wir
jetzt. Komm mit- und ruf diesen haarigen Freund von dir dazu!
Sie zieht ihn an der Hand Richtung Ausgang.

SCHLAFZIMMER BELINDE UND BERTHOLD   (INNEN/NACHT)
Berthold liegt alleine im Doppelbett und ist wach. Er wendet sich zum offenen Fenster und lauscht: das klingt wie rythmisches Stöhnen beim Sex. Die Stimme kennt er doch?
Er schaut auf den leeren Platz neben sich im Bett. Stöhnt da etwa Belinde? Er überlegt einen Moment. Dann schüttelt er den Kopf. Nein. Unmöglich. Doch nicht Belinde.
Aber wenn sie es doch ist? Er schmeißt sich nervös herum.

WOHNUNG VON GÜNTHER   (INNEN/NACHT)
Belinde, Günther und der Partygast machen die Sex-Geräusche zusammen mit Kissen und anderem Hilfswerk und richten ihr Stöhnen zum offenen Fenster. Sie werden immer lauter. Nina und Simone schauen zu und feuern sie (lautlos) an.

SCHLAFZIMMER BELINDE UND BERTHOLD (INNEN/NACHT)
Berthold hört die Geräusche und ist außer sich. Was macht sie da?! Er reißt das Fenster auf, verzweifelt, ohnmächtig.
Plötzlich steht Belinde im Zimmer. Sie hat eine Flasche Champagner dabei und sieht verrucht und umwerfend aus.
(Das Stöhnen geht noch weiter, aber seit einiger Zeit fehlt Belindes Stimme. Die beiden übrigen, Günther und Partygast, steigern sich bis zum gefakten Orgasmus, dann ist Ruhe).
BERTHOLD Belinde! Meine Güte, ich dachte..
Ja?
BELINDE
BERTHOLD Ach nichts. Du siehst umwerfend
aus!
Belinde kommt langsam auf ihn zu, gefährlich, wie eine Panterin. Sie sehen sich an, elektrisiert. Fade out.

SCHLAFZIMMER BELINDE UND BERTHOLD (INNEN/NACHT)
Es wird hell. Belinde und Berthold liegen halbnackt und schlafend auf dem völlig zerwühlten Bett inmitten von Federn, Kleidern und Kissen. Es ist ein herrliches Chaos. Berthold wird wach. Er schaut die schlafende Belinde an und lächelt. Sie wird wach, fühlt sich verkatert, stöhnt. Sie tastet, blinzelt. Etwas fehlt.
BELINDE Ich muß meine Brille holen.

WOHNUNG GÜNTHER    (INNEN/TAG)
Belinde tastet sich zu Günthers Tür. Diese ist offen und sie kommt herein. Günter liegt mit Partgast, Nina und Simone im Bett. Als die Scherben von gestern unter Belindes Schuhen knirschen, blinzelt er.
BELINDE (flüstert)
Entschuldige bitte..! Aber ich brauch meine Brille.
Günther rappelt sich etwas auf, streckt sich zur Brille. Belinde schaut auf die Schlafenden im Bett.
BELINDE Letzte Nacht- das war toll. Danke.
GÜNTHER Unter uns Psychiatrie Pflegern wird gesagt: bei Manchen sind die Schrauben zu locker, bei Manchen zu fest.
BELINDE Und jetzt?
Er gibt ihr ihre Brille und sie setzt sie auf. Oben auf ihrem Kopf hängt immer noch die Taira schief im Haar. Das weiß Belinde aber nicht.
GÜNTHER Jetzt sitzt sie genau richtig.

TÜR ZUM HOF       (AUSSEN/TAG)
(ähnlich wie am Morgen zuvor).
BELINDE (OFF) Puuuschel! Nun komm, es ist schon
spät!
Belinde kommt auf den Hof, sie sieht aus wie immer. Fast! In ihrem Haar steckt schief die Tiara. Sie schleift Puschel zum Fahrrad. Als Belinde ihr Kind hochhebt, sieht Puschel die Tiara. Sie greift danach, aber verpasst sie.
PUSCHEL ... das ist meine! Ich will sie haben!
Belinde weiß nicht, wovon die Rede ist. Puschel schaut gierig auf ihren Kopf und Belinde tastet; sie begreift, was da ist.
PUSCHEL Maaaamii! Ich will die haben!
Plötzlich ist Belinde streng und voller Würde.
BELINDE Nein. Das ist meine.
Sie rückt die Tiara zurecht. Puschel staunt ihre Mutter an. Belinde schwingt sich auf ́s Fahrrad. Sie fährt aus dem Hof.

KOTTBUSSER DAMM (AUßEN/TAG)
Belinde fährt leicht und gelöst mit ihrem Kind durch die Straße.
Puschel sitzt auf dem Kindersitz und denkt nach.
PUSCHEL Mami, bist du eine Königin?
BELINDE Ja, mein Schatz.
PUSCHEL (pause)
Dann bin ja eine Prinzessin!
Sie klatscht in die Hände und ist zufrieden. Belindes Gesicht spiegelt das gleiche Gefühl.
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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 23.09.2015 01:49    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich funktioniert der Film ganz gut.
Allerdings bin ich auch Deine perfekte Zielgruppe; Erstens liebe ich Kurzfilme, und zweitens kenne ich das Milljöh der Story ziemlich gut. Deshalb habe ich sofort die Bilder vor Augen.
Fehler in der Dramaturgie sind mir nicht aufgefalln. Der Kreisschluss, Mutter mit Tochter, ist ein bisschen Standard. Nicht unbedingt schlecht aber zu erwartbar für mich.
Den Dialog über Gender Crossing fand ich lustig.

Schwächen zeigen sich in der Glaubwürdigkeit der Figuren.
Das ist so ein bürgerliches Paar mit Stock im Arsch. Dann gibt es ein Erweckungserlebnis durch eine Party. Hinterher bringen die Pfeffer in ihr Sex- und Erziehungsleben.
Das nehme ich der Autorin nicht ab.
Ich sag mal, wie es bei mir funktionieren könnte: Er wollte früher lieber mit dem Rucksack um die Welt reisen und Leute kennenlernen. Dann ist sie schwanger geworden und er fing einen seriösen Job an, um die Familie zu versorgen. Sie war ein wildes Früchtchen, vielleicht Goth oder Metal - Szene, sexuell freizügig und hat dann wegen des Kindes die Mutterrolle eingenommen. Beide sind unzufrieden mit diesem Leben, das ihnen nicht entspricht. Durch die Party löst sich der Zwangsknoten und beide verstehen, dass sie dabei waren, eine Lüge zu leben.

Wenn so ein, oder ganz anderer, Background der beiden zumindest angedeutet würde, wäre es für mich stimmiger.

Das ist natürlich nur meine Empfindung. Vielleicht gibts noch andere Meldungen.

Schöne Grüße
Martin


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cindysherman
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BeitragVerfasst am: 28.09.2015 10:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Martin,
Danke für dein Kommentar und die Zeit, das ganze Ding zu lesen! Ich war zwar erst etwas ratlos mit deinen Hinweisen, aber sie haben mir jetzt doch dabei geholfen, den nächsten Schritt zu finden. Ich habe den Figuren einen klareren Hintergrund gegeben (Berufe, Millieu) und die Ambivalenz der Frau zwischen den beiden Männern (Gatte, Nachbar) genauer gefunden. Falls Du nochmals so viel Text lesen magst, poste ich es gerne. Aber ich bin auch nicht böse, falls nicht. Danke Dir!
cindysherman
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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 29.09.2015 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ja da ist meine Phantasie mit mir durch gegangen.
Die eigentliche Aussage:
Wenn so ein, oder ganz anderer, Background der beiden zumindest angedeutet würde, wäre es für mich stimmiger.

Das innere Bedürfnis nach dem Bruch des Lebenskonzept kommt für mich nicht rüber, deshalb wirkt es etwas aufgesetzt für mich.

Ich lese natürlich weiter mit.

Gruß
Martin


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cindysherman
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BeitragVerfasst am: 30.09.2015 12:50    Titel: Änderungen pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier habe ich die überarbeitete erste und letzten Szene eingefügt. Der Rest ist geblieben.

KOTTBUSSER DAMM (AUSSEN/TAG)
Ein Mann und eine Frau (beide mitte 40) fallen in diesem bunten Wirrwar nur auf, weil sie konsequent schnörkellos gekleidet sind. Beide tragen zurückhaltende, ordentliche Kleidung in gedeckten Farben. Zwischen ihnen herrscht Spannung.
BERTHOLD Ich verstehe nicht, warum ich da
mitkommen musste.
BELINDE Wieso, wolltest du dir den
Babysitter sparen, oder was?
BERTHOLD Ich hab den Schreibtisch voller
Arbeit und schaue mir stattdessen dieses moderne Tanzzeug an, wovon ich nicht das Geringste verstehe, aber ich hab ja gedacht, los, mach dich mal locker: und dann machen die den ganzen Abend auf den da...
Er macht die abstrakten Tanzbewegungen nach.
BELINDE Ich dachte, wir amüsieren uns mal
wieder. War ja nur ein Versuch.
BERTHOLD Uns amüsieren? Du redest da mit
all diesen Tänzern und Kuratoren. Das war ne Arbeitsveranstaltung!
BELINDE Ja, stimmt ja auch. Aber für meine Arbeit ist das nun mal
wichtig. Wenn ich da nicht auftauche, kann ich mich gleich anstellen an der Schlange arbeitsloser Tanzwissenschaftler.
BERTHOLD Versteh ich ja. Aber warum ich da
mitkommen musste versteh ich nicht.
Pause. Beide fangen gleichzeitig an zu sprechen.
BELINDE (leise)
Bald arbeiten wir nur noch und leben nebeneinander her.
BERTHOLD
(laut) Ach schau mal, der Pantera-Laden macht zu!

und hier der Schluss:

SCHLAFZIMMER BELINDE UND BERTHOLD (INNEN/NACHT)
Es wird hell. Belinde und Berthold liegen halbnackt und schlafend auf dem völlig zerwühlten Bett inmitten von Federn, Kleidern und Kissen. Es ist ein herrliches Chaos. Der Wecker klingelt: 7:00. Berthold wird wach, macht den Wecker aus. Er schaut die schlafende Belinde an und lächelt. Sie wird wach, tastet umher. Etwas fehlt.
BELINDE Ich muß meine Brille holen.

WOHNUNG GÜNTHER (INNEN/TAG)
Belinde tastet sich zu Günthers Tür. Diese ist offen und sie kommt herein. Günter liegt mit Partygast, Nina und Simone schlafend im Bett. Als die Scherben von gestern unter Belindes Schuhen knirschen, blinzelt er.
BELINDE (flüstert)
Entschuldige bitte..! Aber ich brauch meine Brille.
Günther rappelt sich etwas auf, streckt sich zur Brille. Belinde schaut auf die Schlafenden. Er kommt zu ihr.
BELINDE Letzte Nacht- das war...
Er gibt ihr ihre Brille und sie fängt an zu weinen. Er tröstet sie.
GÜNTHER Unter uns Psychiatern wird
gesagt: bei Manchen sind die Schrauben zu locker, bei Manchen zu fest.
BELINDE (weint)
Und jetzt?
Sie setzt die Brille auf. Oben auf ihrem Kopf hängt immer noch die Taira schief im Haar. Das weiß Belinde aber nicht.
GÜNTHER Jetzt sitzt sie genau richtig.
BELINDE Dabei konnte ich erst ohne sie klar sehen, wer da vor mir steht!
Beide umarmen sich intensiv zum Abschied.

TÜR ZUM HOF  (AUSSEN/TAG)
(ähnlich wie am Morgen zuvor).
BELINDE (OFF) Puuuschel! Nun komm, es ist schon
spät!
Belinde kommt auf den Hof. In ihrem Haar steckt schief die Tiara. Sie schleift Puschel zum Fahrrad. Als Belinde ihr Kind hochhebt, sieht Puschel die Tiara. Sie greift danach.
PUSCHEL ... das ist meine! Ich will!
Belinde weiß nicht, wovon die Rede ist. Puschel schaut gierig auf ihren Kopf und Belinde tastet; sie begreift, was da ist.
PUSCHEL Maaaamii! Ich will die haben!
Plötzlich ist Belinde streng und voller Würde.
BELINDE Nein. Das ist meine.
Sie rückt die Tiara zurecht. Puschel staunt ihre Mutter an. Belinde schwingt sich auf ́s Fahrrad. Sie fährt aus dem Hof.

KOTTBUSSER DAMM (AUßEN/TAG)
Belinde fährt mit ihrer Tochter den bunten vollen Boulevard entlang. Ihre Tiara glitzert. (Kamera entfernt sich).
ENDE
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