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Schwarzer Merkur

 
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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 27.05.2015 15:31    Titel: Schwarzer Merkur eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Wind, der über die Felder des Westens weht,
erzählt vom Ende des Sommers vor seiner Zeit.
Blitzschlag über dem Horizont spaltet das Dunkel des Sturms,
Donner schlägt Krähen in ziellose Flucht.
Mit Gewitterschritten naht der Herbst,
und Dir,
Schwarzer Merkur,
Weber des ersten Zaubers und Wächter des letzten Tors,
weihe erneut ich meine unsterbliche Seele.
Deinen Schutz und Segen erbitt ich
vor der Stille des Winters und der Leere seines weiten Azurs.

Führe mich,
Schwarzer Merkur,
Öffner der Wege und Hüter des verborgenen Lichts,
über das Eis, das die Meere versiegelt,
durch den gläsernen Berg und die Wüste aus blauem Sand.

Dreimal schon schlug ich die tonlose Glocke und opferte Dir,
Schwarzer Merkur,
Bote der Finsternis und Träger des blutigen Schleiers,
den Hahn, der den Morgen begrüßt,
das Vlies der goldenen Ziege,
den weißen Stier Deines Vaters.
Dreimal schon erhörtest Du mich,
schältest die Seele mir aus dem faulenden Fleisch,
doch tilgtest mir nicht die Erinnerung
an den geborstenen Tempel und die Maske in Scherben,
das Schwert, das die Liebenden blutig vereint,
die Schreie, die hallten über den rostroten Fluss.
Ich erinnere mich
an den stürzenden Turm und Könige unter den Sklaven,
Sterne auf dem Spiegel des windstillen Meers.
Wie die Träume der Traumlosen sehe ich vor meinen Augen
verlorene Koffer neben Gleisen vergessener Züge,
zerknitterte Laken, darauf Knoten in lindgrüner Schnur.
Ich sehe den Dämon mit Engelsflügeln,
den Heiland des Untergangs,
Flammen in seinen Worten und Knochen in jeder Hand,
Gift auf der Zunge und Verderben auf allem, was er berührt.

Der Wind weht Rauch über die Felder des Westens,
schmeckt nach Asche und Tod.
Ein viertes Mal also stehe ich vor Dir,
Schwarzer Merkur,
Pfeil, der den Schützen trifft, und Werwolf unter den Schäfern,
hebe den Kelch, der kein Wasser hält, und den zerbrochenen Stab.
bitte Dich, nimm ein anderes als mein Leben,
nimm das Kind mit den blicklosen Augen,
das Blut dieses ruhenden Engels,
den Atem der Unschuld von seinen Lippen.

Ich flehe Dich an,
Schwarzer Merkur,
Eremit auf dem Berg und schlafender Avatar,
fange den durch die Finsternis fallenden Stein,
heile den zerbrochenen Spiegel,
binde den Schatten, den niemand wirft,
halte den Geist, der durch Menschen geht,
führe mich durch das Dunkel des Winters,
schenke meiner Seele das wiederkehrende Licht.

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Gießkanne
Geschlecht:weiblichVolle Kanne ungeduldig

Alter: 16
Beiträge: 705
Wohnort: Nicht mehr in deiner Welt


BeitragVerfasst am: 27.05.2015 21:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Schreiberling,
ein ganz schöner Batzen, den du mir dort auf den Tisch legst. Ein ganz schön hübscher Batzen.
Auf jedem deiner Worte liegt ziemlich viel Gewicht. Das bedeutet, dass du ein ganz schönes Risiko eingehst, dieses Gedicht zu tragen. Vielleicht erreichen die Worte so ein Gewicht, dass dir das Gedicht aus der Hand fällt.
Aber nein. Es fällt nicht.
Die Worte sind schön gewählt und ich habe das Gefühl, jedes einzelne, noch so klitzekleine Wort gehört dort hin, wo es jetzt steht.
Höchste Bewunderung und ACHT Punkte
Gießkanne


_________________
Don’t say the old lady screamed. Bring her on and let her scream.
Mark Twain

The only place in the world where success comes before work is in a dictionary.
Mark Twain

Die Schlacke einer verbrannten Liebe im Hochofen des Herzens ist ein Nebenprodukt, das man so schnell leider nicht loswird.
Mogmeier
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1819



BeitragVerfasst am: 28.05.2015 17:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lyriker/in,

das Gedicht klingt wie eine Anrufung, eine klassische Ode und hat auch etwas modern Phantastisches. Der schwarze Merkur als der Götterbote des Todes wird angerufen, um einen Seele zu retten, um ein Unheil abzuwenden.
Das Gedicht entfleucht etwas ins mythisch-mysteriöse, dem man schwer folgen kann. Ein Opfer wird ausgemacht und an Stelle des lyrischen Ichs dargeboten. Nimm es, nicht mich.
Die Sprache ist sehr bild - und wortgewaltig, sie erschlägt einen fast. Man kommt der eigentlichen Botschaft aber nicht so recht auf den Grund. Es bleibt in der mythischen Schwebe.
Vielleicht irritieren mich auch einige Brüche in dem Bild. Ich ordne den Text in einer fernen entweder weit zurück liegenden oder einer zukünftigen Zeit ein. Das macht es ein wenig schwer, wenn auf einmal Koffer neben den Gleisen liegen und man sich vorher in einer älteren Umgebung wähnt.
Ich denke aber, das Thema des Textes ist die Angst vor dem Tod und der Versuch sich zu entziehen.

lg Mardii


_________________
`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1760
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 29.05.2015 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Dieses hier  - muss ich leider sagen - ist mir zu sehr durchdrungen von einer Art esoterischen Anbetungshaltung einer mystifizierten Anbetungsfigur hier in Gestalt des sogenannten schwarzen Merkur.

Ehrlich, mir sagt das nichts.

Mir ist das auch zu schwülstig insgesamt. Tonfall und Inhalt überbordend.

Ich würde ja sagen, hier greift dieses Ding mit der Geschmackssache.

Leider erschließt sich mir dieses Gedicht aber auch nicht in seiner Form.

Stünde es im Fließtext, änderte dies nichts an seiner Lesart und vielleicht würde die erste Strophe dann sogar zu einem brauchbaren Einstieg in eine Fantasy Geschichte. Dann entwickelte das hier gewählte Präsens durchaus eine interessante Spannung - wie gesagt, als Einstieg in einen Fantasy Roman.

Als Gedicht funktioniert es für mich leider nicht.

Und vielleicht habe ich gerade ein Brett vorm Kopf, aber ich sehe hier keinerlei Verbindung zum Thema. Bis auf den Ablauf der Jahreszeiten und der langen Leere des Winters, der Unsterblichkeit der Seele und der Vergänglichkeit des "faulenden Fleisches" erkenne ich hier keine inhaltliche Bearbeitung. Vielleicht bin ich hier auch einfach zu ungnädig, weil es überhaupt nicht meinen Geschmack trifft?
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 29.05.2015 20:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Die Anleihe an das Versepos und den Fantasy-Anklang mag ich.
Bilder sind für mich nachvollziehbar, wenn auch nicht soo tief berührend.
Aber als Anrufung und Deklamation ... Auf einem sturmumtosten Hügel stehend wird mit lauter Stimme der schwarze Merkur angerufen. Doch, das wirkt gewaltig.

Und ein wenig bin ich auch neidisch, weil mir auch vorschwebte, etwas fantasyepisches zu schreiben, aber keine Idee hatte.

Zeiträume, da tue ich mir allerdings schwer, irgendwie. Mmh. Also Bauch sagt Favorit, auch wenn das Thema nicht so durchscheint.

12 Punkte

Grüße
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 02.06.2015 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Bewertungen werde ich nicht abgeben, ich wäre heillos überfordert.
Hier bei diesem Gedicht möchte ich aber meine Gedanken dazu, soweit es mir gelingt, sie zu fassen, mitteilen.  

Dein Gedicht hat mich stark beeindruckt. Angerissene Momente von naturgegebener Bedrohung, Verlust, Abschied wecken eine Menge Bilder in mir, denen ich nachhänge, ohne zu einem Ende zu kommen.
Geht es um den Geist, um das körperliche Leben, um Beides?
In meinem ersten Bild ging es um das materielle Leben, um das Wissen um und die Sicht auf den nahenden Tod. Dann aber verschoben sich die Bilder hin zu der Sehnsucht nach geistigem Erfassen, die Dankbarkeit oder auch nur die Feststellung, dies schon deutlich erfahren zu haben, aber auch hier das Wissen darum, dass dies endlich ist.  Und natürlich die Angst davor, den Zugang zur geistigen Beweglichkeit zu verlieren.
Hier kommt dann auch das Altern ins Spiel, der Verlust von Kraft, von Kampfgeist; dem Verlust der Sehnsucht, alles durchdringen zu wollen.
Und so weiter.
Mit deinem Text bin ich noch lange nicht zu Ende.
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finis
Autor


Beiträge: 596
Wohnort: zurück
Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 03.06.2015 09:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo.

Ich kann leider nicht verhindern, dass mein persönlicher Geschmack mitliest und es Deinem Gedicht schwer macht. Ich bin kein ausgemachter Freund von so einer pathetischen Heroik wie in Deinem Gedicht. Mir ist dabei aber klar, dass Du durchaus Dein Publikum hast, dass ich nur nicht dazugehöre.
Ich geb mir Mühe.

Mir bleibt hier vieles zu sehr an der Oberfläche und mäandert vor sich hin. Du reihst an sich vielversprechende Bilder aneinander, ohne dass sie sich entfalten können. Das ist so schade.
Dir gelingt es, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser sofort greifen kann; der Einstieg ist da sehr gelungen, wenn auch ein bisschen Klischee.
Mir fehlt nur eine Richtung. Es kann sein, dass es mir nicht vollends gelungen ist, mich auf Deine Bildsprache einzulassen. Was ist denn die Motivation sich dem Schwarzen Merkur zu opfern? In welcher Position befindet sich das lyrische Ich? Was steht auf dem Spiel?

Etwas ratlos bin ich geblieben. Trotzdem gern gelesen. LG.
finis


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"Mir fehlt ein Wort." (Kurt Tucholsky)
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.06.2015 01:19    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

Dein Anbetungsgedicht des LI an den Schwarzen Merkur (damit ist wohl nicht der römische Gott Mercurius, der Gott der Händler und Diebe, gemeint, oder?) geht die  Themenvorgabe archaischer an, kommt mit Anleihen der Antike, als den Göttern geopfert worden ist, und mit (ich meine dies erkannt zu haben) u.a. Bezügen auf das Dritte Reich, den Antichristen und der Apokalypse daher:
Zitat:
verlorene Koffer neben Gleisen vergessener Züge,
zerknitterte Laken, darauf Knoten in lindgrüner Schnur.
Ich sehe den Dämon mit Engelsflügeln,
den Heiland des Untergangs,
Flammen in seinen Worten und Knochen in jeder Hand,
Gift auf der Zunge und Verderben auf allem, was er berührt.

Eine gelungene Verquickung unterschiedlicher Zeiten und Denkmuster zu einem.

Dein die Jahrtausende überdauerndes LI opfert, um weiterhin "unsterblich" zu bleiben, und bedient sich dabei einer bildhaften Sprache. Ein gelungener Beitrag und eine sehr fantasievolle Umsetzung der Themenvorgaben.

Insgesamt ist die Themenvorgabe gut gelöst worden und dein Gedicht hat es in meine Top 10 geschafft: six points.

Merci beaucoup.

LG,
Constantine
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
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BeitragVerfasst am: 04.06.2015 12:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo du, irgendwo in Raum und Zeit,

die Anbetung eines schwarzen Merkurs, die Übereignung der Seele dem Gott, dem Planeten, einem Selbsternannten oder kommst du ganz einfach aus Österreich und betest den Konsum an. Frische und Qualität.

Ich habe kein Ahnung und finde in diesem zentralen Punkt keinen Zugang in dein Gedicht.

Neben nicht eingängigen Bildern, keine Krähe flieht den Donner, bevölkern Geschöpfe der Dunkelheit dein Gedicht, tauchen auf, tun nichts, gehorchen ihrem Klischee und sind wieder vergessen, so schnell sie in dieser Geisterbahn vor unseren Wagen sprangen, und du hättest doch so viel Verse gehabt.


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crim
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Die lange Johanne in Gold Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 05.06.2015 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

Vierter! Selten, dass ich mal ein Gedicht lese, das gleichzeitig mit Pathos und großen Worten nur so um sich wirft, das aber gleichzeitig in mir etwas anrührt, weil es einfach passend scheint und den erhabenen Ton hier unterstützt.
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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 05.06.2015 22:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Flüchtigkeitsfehler, Umformatierungen für das blöde Schema, Verunstaltungen in letzter Sekunde. Manchmal muss manches nicht bis zur letzten Sekunde überarbeitet werden. Das ist vielleicht die wahre Kunst: im richtigen Moment aufzuhören.

Deswegen bin ich ja auch kein Friseur. Aber eben auch kein Künstler.
Beim nächsten Mal vielleicht.
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Zinna
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BeitragVerfasst am: 06.06.2015 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

.


Hallo Inko,

die Zeit war knapp zum schreiben und kommentieren, passt ja zum Thema. Irgendwie.
Ich bitte um Verzeihung, dass  meine Kommentare diesmal besonders kurz ausfallen.

Mit dieser Anrufung des Schwarzen Merkur kann ich einfach nichts anfangen.
Viele große Worte, doch sie erreichen mich nicht, erschaffen keine Bilder.
Für diesen Text bin ich nicht der richtige Leser, sorry.

LG
Zinna


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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
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Zinna
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BeitragVerfasst am: 06.06.2015 17:46    Titel: Antworten mit Zitat

Doppelpost

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keinort.nirgends
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Die lange Johanne in Silber


BeitragVerfasst am: 07.06.2015 01:00    Titel: Antworten mit Zitat

Das erinnert mich leider zu sehr an eine Missionsbeschreibung oder Trailerankündigung eines Fantasy-Spiels, als dass ich darauf dezidiert eingehen könnte. Oder zumindest ist die textliche Realität zu sehr verortet in einem Bereich, der mir sehr von persönlicher Bild-Bedeutung-Zuschreibung geprägt zu sein scheint. Und genau dadurch werden die Bilder für mich willkürlich und verlieren vollkommen an metaphorischem Wert.
Statt "Bote der Finsternis und Träger des blutigen Schleiers" könnte dann auch "Gesandter des Todes und Geweihter nebligen Lichts" dastehen - es würde für mich keinen Unterschied machen.
Und sowas widerspricht sehr stark meiner persönlichen Poetologie. Ich finde, in einem Gedicht darf kein Wort ersetzbar sein, sonst ist irgendwas bei der Textgenese schiefgelaufen.

Schöne Grüße,
Kein Ort
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lilli.vostry
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BeitragVerfasst am: 07.06.2015 02:59    Titel: aw:SchwarzerMerkur Antworten mit Zitat

Hallo,

die Grundidee des Gedichts, die Zeit im Wandel der Jahreszeit betrachtet, gefällt mir gut.
Doch die Bilder und Sprache kommen mir zu wortschwülstig und mit zu viel Bedeutung aufgeladen daher. So erinnert es mich mehr an Fantasy als an Lyrik.
 Weniger wäre mehr, einfacher und klarer formuliert.

Der Schwarze Merkur als Wächter des letzten Tors, eine Erfindung von Dir? Eine Art Todesbote vom dunklen Planet?

Der Text steht nicht auf der Liste meiner zehn besten Gedichte.

Viele Grüße,
Lilli


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anderswolf
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Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 07.06.2015 23:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Angesichts der Vielfalt, Vielzahl und Länge der Kommentare bei den  Siegergedichten bin ich eigentlich ganz froh, nicht gewonnen zu haben. Ich möchte tatsächlich nicht mit jenen tauschen, die ihr Gedicht jetzt gegen die Interpretation jener verteidigen müssen, die zu viel, zu wenig oder einfach das falsche hineingelesen haben.

Umso mehr bedanke ich mich bei jenen, die dem "Schwarzen Merkur" ihre Worte gewidmet haben, unfassbar geehrt fühle ich mich vor allem durch jene, die mich mit Punkten bedacht haben.

Der "Schwarze Merkur" polarisiert, mal ist es zu schwülstig, mal fesselt genau dieses Pathos, mal scheinen die Worte beliebig, mal dürfen sie nicht anders stehen, mal ist es zu flach, mal geht es tiefer als das fassbare Verstehen. Mir fällt es schwer, dazu viel zu sagen, was nicht nach Verteidigung eines vorletzten Platzes klänge.
Sonst habe ich ja immer eine ellenlange Erklärung abgegeben, was ich mit meinem Text bezweckt habe, das schenke ich mir jetzt mal. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es wirklich jemanden interessiert, entklaube ich das Ding gerne, allerdings erkenne ich darin derzeit keine Priorität.

So gesehen bräuchte ich hier meinen Gott, die Verkehrung des Götterboten, den Schatten des Tricksters, um mir mehr Zeit zu geben.
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finis
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Beiträge: 596
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Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 08.06.2015 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber anderswolf:

Das würde mich sehr interessieren! Ich habe in meinem Kommentar ja erwähnt, dass es mir schwer gefallen ist, mich auf Deine Sprache/Bildebene einzulassen. Also - mir wäre das schon wichtig. Vor allem weil der Text technisch nicht schlecht gemacht ist, wie mir scheint, und hier dann sehr viele vordergründig geschmacklich motivierten Urteile gefallen sind.

LG - finis


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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 10.06.2015 15:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Präambel 1: Ein Text, der erklärt werden muss, ist kein guter Text.
Präambel 2: Ich war beleidigt, und ich war so dumm, beleidigt zu sein. Wer an einem Wettbewerb teilnimmt, und so naiv ist zu glauben, automatisch unter den ersten fünf zu landen, sollte daran zweifeln, ob er aus dem richtigen Holz geschnitzt ist.
Präambel 3: Immer wieder betone ich, dass ich hier bin, um zu lernen. Wenn ich mich der Diskussion verweigere, werde ich aber nicht lernen. Dann sollte ich aufhören zu schreiben.
Präambel 4: Ein Text, dessen Autor nicht bereit ist, ihn zu verteidigen, hätte gar nicht erst geschrieben werden sollen.

Merkur retrograd
Seit dem 19. Mai und noch bis zum 11. Juno ist Merkur retrograd, aus Blickrichtung eines Erdenmenschen zur Sonne läuft der Planet auf rückwärtsgerichteter Bahn. Dieser optischen Täuschung messen Astrologen besondere Bedeutung bei: Pläne werden durchkreuzt, Terminkalender gehen verloren, Telefone hören auf zu funktionieren. Merkur verliert die Lust zur Kooperation und stürzt stattdessen alles ins Chaos. Jedes Leben kommt auf den Prüfstand.

Ich bin nicht im übermäßigen Sinn esoterisch veranlagt (behaupte ich), doch als ich am Tag der Themenvergabe auf einer des Astrologischen völlig unverdächtigen Seite vom rückläufigen Merkur las, fand ich die Koinzidenz mit einem Wettbewerb passend. Zudem spürte ich darin ein Thema, einen Titel, und so kam ich zum Arbeitstitel des Gedichts: Merkur retrograd.

Psychopompoi
"Die Lebenszeit wird nicht mehr durch Abschnitte, Abschlüsse, Schwellen und Übergänge gegliedert."
Mercurius, der römische Gott des Handels, übernahm in der Interpretatio Romana die Rolle des griechischen Hermes, der Götterbote und Hirtengott, Herr der Diebe und Magier war. Vor allem aber war der frühe Hermes ein Psychopompos, ein Schwellenhüter wie der hundsköpfige Anubis , der angerufen wurde, die Seelen der Gestorbenen ins Totenreich zu führen. Ebenfalls hundsköpfig wurde der frühchristliche Christophorus dargestellt, der Jesus über den Fluss trug und dessen Bild heute noch von Gläubigen als Schutz gegen den plötzlichen Tod (unter anderem im Auto) mitgeführt wird. Diese Rolle füllt bei den arabischen Christen der Levante St. Georg, der im Westen wiederum eher als Drachentöter gesehen wird. Im kirchlichen Christentum wird der Drache als Inkarnation des Teufels vom Erzengel Michael bezwungen, der auch Seelenwäger war.  In der islamischen Tradition schließlich gibt es den Todesengel Azrael, der im Auftrag Allahs die Seelen der Menschen von ihrem Körper trennt. All jene, die einer sind, hüten die Schwelle zwischen Leben und Tod, zwischen Diesseits und Jenseits.

Als Zwilling steht mir Merkur natürlich nah, als Wortarbeiter ebenso. Die Wandelgestalt des Götterboten hat mich darüber hinaus immer fasziniert, auch inspiriert, denn die Betrachtung des Drachentöters, dessen Heroldszeichen der von zwei Schlangen umwundene Caduceus ist, erinnert mich gleichzeitig an die Endlichkeit des eigenen Lebens und die Unendlichkeit der untrennbaren Dualismen von Tag und Nacht, Licht und Schatten, Gut und Böse. Der Schwellenhüter erinnert mich daran, dass es hinter dem uns Sichtbaren immer etwas gibt, das wir noch nicht erkennen können.

Der zerbrochene Spiegel
"Aufgrund ihrer [heutigen] Zerstreuung entfaltet die Zeit keine ordnende Kraft mehr."
Die Zeit ist nicht mehr ganz, nicht mehr heil, sie ist zerschlagen in zu viele Fragmente, die alle gleichviel Aufmerksamkeit binden. Seien es auf Weltebene der Vormarsch des Islamischen Staats, die flüchtenden Rohingya, der Soja-Anbau im brasilianischen Regenwald oder das Schmelzen des Polareises, seien es auf individueller Ebene die Kündigung, die Hochzeit, der Alltag, der Facebook-Account. Der Mensch ist zerrissen in seiner Aufmerksamkeit, so sehr, dass es manchem schwerfällt, sein Leben in Ordnung zu halten. Es ist dann schwer zu planen, sich in die Zukunft zu orientieren, sich des Lebens nicht nur in verpassten Gelegenheiten zu erinnern oder angstfrei auf den nächsten Tag zu blicken. Und doch zeigen all diese unterschiedlich geformten Facetten ein einziges Bild, das Leben selbst, sein Chaos, sein Lärmen, sein Toben.

Um uns zu schützen, verallgemeinern wir, denken in Fundamentalwahrheiten. Mehr können wir nicht ertragen, nicht mehr erfassen, von allen Seiten brüllt uns die Gegenwart in die Ohren, werden unsere Augen geblendet mit Bildern, die nachbrennen auf der Netzhaut, aber nichts anderes bleibt als Schemen, Echo, Erinnerung. Alle Wahrheit aber ist nur Blend- und Spiegelwerk, nicht mehr als der Schatten von Rauch. Alles ist Illusion, die Zeit, die wir uns geben, die Hoffnungen, die Wünsche, die Angst, die Sorgen, das Lachen, das Weinen, alle Phasen unseres Daseins sind eine einzige Phase: es ist das Leben, das ist die Eins. Und ihr gegenüber steht das einzige Absolut: der Tod, das Nichtsein, das Fehlen von Allem. Nullpunkt, Unzeit.
"Schließlich ver-endet man zur Unzeit. Gerade darum ist das Sterben heute schwieriger denn je."

      ]
Die Leere inmitten der "zeit[       ]räume" ist ein Riss im Kontinuum, und es ist nicht nur ein kleines Loch, es ist eine scheunentorgroße Öffnung im Gefüge von Zeit und Raum. Wenn man den Hüter dieses Tors sich gewogen macht, kann man es durchschreiten ohne das Jenseits betreten zu müssen, man wird wiedergeboren werden, ohne bereuen zu müssen, ohne loslassen zu müssen: das Leben loslassen, die Lügen loslassen, das Schwere, das Schwierige, all das Komplexe, all das, was den Menschen von Glück und Licht fernhält. Die Fehlstelle der "zeit[       ]räume" trägt in sich die Hoffnung auf ein einfaches Leben, auf ein Ende des Leids, auf ein Ende der Angst. Es ist das blanke Papier, das noch keine Handschrift trägt, die weiße Weste, die noch nicht mit Blut bespritzt ist. Wer das Tor passieren darf, kann frei, kann rein, kann neu sein.

Wem der Torwächter seinen Wunsch erfüllt, hat aber einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. So sehr man hofft, die wiedergeborene Seele begänne ein neues Leben, man irrt sich. Wer durch Zeit und Raum reist, überbrückt nur eine Distanz, eine Leere. Die Erinnerungen bleiben, die Freude, das Leid, die Hoffnung, die Scham. Es gibt kein Entkommen vor dem Schicksal. Der Psychopompos kann die Reise verlängern, aber nicht das Ziel der Reise ändern. Am Ende bleibt die große Leere, das Nichtsein, das Absolut: wir werden sterben; sterben müssen.

Häutungen
"So entstehen keine prägenden oder entscheidenden Einschnitte im Leben."
So schwer es uns manchmal fällt, das wilde Leben in allem zu erkennen, so leicht fällt es uns, Bilder des Todes als solche zu erkennen. Das reicht von der symbolischen Umdeutung von Naturereignissen wie dem Westen, dem Winter, der Dunkelheit, der Stille, dem fallenden Stern über deutliche Darstellungen wie den zerstörten Tempel, dem Riss in der Maske, der Ruine des Turms, dem verlorenen Koffer bis hin zu losen Assoziationen wie dem gebrochenen Stab, dem Kelch, der kein Wasser hält, dem vollendeten Kreis, der verknoteten Schnur und eben dem zerbrochenen Spiegel. Sie alle sind Zeichen des Todes, der Endlichkeit, der Vergänglichkeit, der absoluten Leerstelle, die dem Leben gegenüber steht. Und wir erkennen sie mit einem archaischen Teil unseres Bewusstseins, der über all die Jahrhunderttausende nicht verstummte, nicht verlernte, sich vor der Finsternis zu fürchten und vor dem, was darin lauert.

Unter dem zweiten Arbeitstitel "Häutungen" sammelte ich Bilder und Wendungen, die in mir diese Ehrfurcht vor dem Unbekannten auslösten, Assoziationen, die ich teils als Erinnerung von Gelesenem, teils als eigene Kopfgeburt einordnen könnte. Teilweise fand ich Symbole, die nur vor einem bestimmten Kontext für den Tod stehen oder vor verschiedenen Kontexten für einen verschiedenen Tod: als beispiel diene der der Koffer neben den Gleisen, der gleichzeitig einen Hinweis auf den Holocaust geben könnte, genauso aber auch auf einen Terroranschlag. Alles, was ich fand, hatte den Samen des Todes in sich, während ich das Wort "Tod" selbst nur ein einziges Mal, nämlich in der vierten Strophe verwendet habe (wie ich auch das Sterben selbst nur in seinem Gegenteil, der Unsterblichkeit der Seele verwendete).

Querschlag
Rationalität hat da natürlich keinen Raum mehr. Wer sich dem Absoluten nähert, kann das nicht glaubhaft mit Nüchternheit tun. Ja, wir werden sterben, ja, Würmer, Larven, Spinnen, Käfer, Ein- und Vielzeller werden unseren zerfallenden Körper in sich aufnehmen, werden, was verdaulich ist, verdauen und den Rest ausscheiden, bis zu einem Zeitpunkt, der lange nach dem Verlöschen unseres Geistes liegt, nur noch die Knochen übrig sind, von Erde umhüllt, von Wurzeln umschlungen. Neues Leben wird auf dem alten wachsen, und dann, wenn wir schon lange nichts mehr sind, besteht die Welt immer noch fort.

Jene, die schreiben, erahnen einen Weg zur Unsterblichkeit. Wer heute das Gilgamesch-Epos liest oder Ovids Metamorphosen, die Snorra-Edda, Gothes Faust oder Salingers Fänger im Roggen, der ahnt, dass man seinen Geist über die Zeitläufte hinwegretten kann. Wir schreiben, um zu überleben, wir schreiben, weil wir glauben, etwas mitteilen, etwas hinüberretten zu können in die Zeit danach. Natürlich ist das pathetisch, denn wie könnte man anders dem drohenden Unheil entgegentreten? In postmodernen Ohren, die nur noch authentische Kargheit hören wollen, klingt das natürlich nach Schwulst und Fantasy, nach Epos und Ritual. Es ist unbotmäßig, in einer Zeit, die nach Einfachheit schreit, pathetische Überladung zu bieten.

Andererseits
Als Leser ertappe ich mich dabei, mich nicht mehr einlassen zu können auf gedrechselte Formen, auf komplexe Stilmittel, ich eile durch literarische Texte wie durch Zeitungsmeldungen auf der Suche nach dem einen Satz, der alles zusammenfassend erklärt, damit ich schnell wieder Neues suchen und finden kann. Ich habe als Leser verlernt, mich einzulassen, ich habe verlernt, in mir angeschlagenen Saiten zu lauschen. Mittlerweile erfahre ich das Lesen kaum noch als das Wunder, in die Köpfe anderer Menschen eintauchen zu können und ihre Gedanken zu schmecken, sondern ich empfinde es zusehends als lästige Entschleunigung. Natürlich ist das keine gute Voraussetzung, wenn man schreiben will.

Natürlich wirkt sich das auch auf mein Schreiben aus, wie sollte es anders sein. Ich schreibe nur noch für diese Wettbewerbe, weil ich mir egoistisches Schreiben, Arbeiten an meinem Projekt nicht mehr einplane. Das merkt man. Oder merke ich zumindest. Ich falle zusehends in einen sich ständig wiederholenden Tonfall, ich habe kaum noch Facetten und mein Vokabular ist flach wie der Horizont. Ich begegne in der Fragestellung dieses Wettbewerbs mir selbst, meinen Zweifeln, meiner Angst vor dem Niedergang. Ich selbst finde mich im Riss des Kontinuums, bin an einem Nullpunkt meines Schreibens. Und so lange schon ringe ich damit, einfach aufzuhören, loszulassen. Doch immer kommt mir die Entscheidung zur Unzeit.

Schwarzer Merkur
Angesichts eines Endes (des Sommers, des Lebens) weiht eine Seele sich dem Seelenhüter in seiner dunkelsten Form, dem Schwarzen Merkur. Er ist die Umkehrung des Götterboten, des Drachentöters: der Schwarze Merkur ist der Drache, der den Ritter tötet, der Teufel, der über den Engel triumphiert. In seiner Macht liegt es, eine Seele dem Untergang zu übergeben oder sie in der Welt der Lebenden zu behalten, und dreimal schon hat der dunkle Gott das Gebet erhört.

Beim ersten Mal opferte der Bittsteller einen Hahn, beim zweiten Mal das goldene Fell einer Ziege, das dritte Mal einen weißen Stier. Damit tötete er Tiere, die den Göttern Mars, Diana und Zeus heilig waren. Doch das Geschenk des Schwarzen Merkurs war vergiftet: statt eines glücklicheren Lebens erwartete den Paktierer eine Wiederholung des Unheils. Er entflieht dem Untergang Roms, er fällt aus der Zeit der Wikingerraubzüge ins Dritte Reich. Nun, übermannt von seiner Angst vor einem erneuten Untergang angesichts des Dämons mit Engelsflügeln, will er durch das Opfer eines Kindes wieder entkommen statt seinen Tod anzunehmen.

Der Dämon mit den Engelsflügeln ist aber niemand anders als der Schwarze Merkur selbst, der nur drei Wünsche gewährt, um sich dann zu holen, was sein ist: die durch die Zeit flüchtende, die vierfach zerlebte, die aller Vergangenheit beraubte und jeder Heimat entwurzelte Seele.

Obwohl der Bittsteller die Namen seines Gottes kennt, erkennt er nicht ihre Bedeutung: ist der Schwarze Merkur anfangs noch Zauberer und Psychopompos, dann Schwellenwächter und Herr über das verborgene Licht der Wiedergeburt, betont die dritte Strophe den Aspekt des bluttrinkenden Totengottes, während das vierte Opfer einem heimtückischen, mephistophelischen Trickster dargebracht wird, der aber, wie sich am Ende zeigt, taub ist für das Flehen des Verdammten, dessen größtes Leid der Selbstüberdruss ist.

_____________________

Postea
Ich muss aufhören, zu lange schon schreibe ich an meinen Gedanken, ohne wirklich greifbare Antworten auf die Einzelkommentare zu haben. Vielleicht ist das eine oder andere schon klar geworden. So geht es erkennbar nicht um Supermarktfrische.
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Gefühlsgier
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BeitragVerfasst am: 10.06.2015 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

anderswolf hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Angesichts der Vielfalt, Vielzahl und Länge der Kommentare bei den  Siegergedichten bin ich eigentlich ganz froh, nicht gewonnen zu haben. Ich möchte tatsächlich nicht mit jenen tauschen, die ihr Gedicht jetzt gegen die Interpretation jener verteidigen müssen, die zu viel, zu wenig oder einfach das falsche hineingelesen haben.

Also "müssen" tut niemand etwas und keiner der Verfasser sowie Kommentatoren ist dafür verantwortlich, dass bei dir der Eindruck entstanden ist. Für mich wäre es vollkommen i.O, wenn jemand sagt, dass er auf Interpretationen nicht eingeht oder auch nur kurz etwas richtigstellt, bevor für den Verfasser nicht tragbare Missverständnisse entstehen. Fehlinterpretationen lassen sich nunmal nicht immer vermeiden und ich finde das eher spannend, andere Sichtweisen zu hören, die meiner vielleicht doch irgendwo ähneln könnten(oder auch nicht, aber manchmal ist es dennoch interessant), als problematisch . Leider kann ich hier auch wieder nur aus meiner Sicht reden, aber für mich persönlich ist es schon angenehmer, jemand beschäftigt sich ausführlicher mit einem Text von mir, als beispielsweise nur die Punktzahl oder "ich bin begeistert"/"nicht so mein Fall" darunterzuschreiben. Aber auch da denke ich mir, dass auch das irgendwo seine Berechtigung hat. Wieso sollte man sich zwingend etwas aus den Rippen leiern, wenn man sein Gefühl nicht direkt begründen kann oder auch die Zeit fehlt? Das Kommentieren fiel mir auch nicht leicht und ich finde es im Nachhinein interessant, dass nun aufgelöst wurde und ich sehen kann, was bei wem wie angekommen ist. Aber solche Aussagen könnten wohl noch dazu führen, dass bald niemand mehr irgendetwas kommentiert oder bewertet, weil einem schlichtweg die Lust dazu vergeht. Einige waren diesmal gehemmt und wollten nicht, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt.

anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Präambel 1: Ein Text, der erklärt werden muss, ist kein guter Text.


Zum Erklärungszwang habe ich schon genug gesagt. "Gut" oder "schlecht" ist auch nur subjektiv. Jeder hat seine Vorstellung davon, und wenn das deine ist: völlig in Ordnung.


anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Präambel 2: Ich war beleidigt, und ich war so dumm, beleidigt zu sein. Wer an einem Wettbewerb teilnimmt, und so naiv ist zu glauben, automatisch unter den ersten fünf zu landen, sollte daran zweifeln, ob er aus dem richtigen Holz geschnitzt ist.


Beleidigt? Ach wo, das hat man ja üüüberhaupt nicht gemerkt. Hat aber mit Dummheit herzlich wenig zu tun. Bis zu einem gewissen Grad ist das schon verständlich, dass es emotional wird. Die Texte bedeuten einem schließlich etwas. Zumindest hoffe ich das immer. Ich muss mich fragen,ob das mit den ersten fünf Plätzen wirklich dein Ernst ist. Nur, weil andere mehr Punkte bekommen haben, heißt das nicht, dass der Beitrag schlecht ist. Es muss ja nicht immer jeder Zugang zu allem haben und ich habe irgendwie geglaubt, das sei eigentlich auch jedem klar... Rolling Eyes

anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Präambel 3: Immer wieder betone ich, dass ich hier bin, um zu lernen. Wenn ich mich der Diskussion verweigere, werde ich aber nicht lernen. Dann sollte ich aufhören zu schreiben.

Ja.

anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Präambel 4: Ein Text, dessen Autor nicht bereit ist, ihn zu verteidigen, hätte gar nicht erst geschrieben werden sollen.

 
Das finde ich auch. Einige meiner "älteren" Texte (z.B. die in meinem Einstand) würde ich heute zwar so nicht mehr schreiben, aber sie hatten vor einiger Zeit für mich ihre Berechtigung und hinter dem Kern des Inhaltes stehe ich auch heute noch, auch wenn ich mit dem Stil nicht mehr zufrieden bin. So hat jeder das Seine. Und ich finde es auch gut, dass du diese Einstellung hast.


Seh es bitte nicht als Angriff.



glg


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"Exhaustion pays no mind to age or beauty. Like rain and earthquakes and hail and floods."
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But I, I've learned nothing
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semidysfunktional
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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 11.06.2015 10:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich fange mal am Ende an.
Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Seh es bitte nicht als Angriff.

Keine Sorge. Es braucht mehr dazu als offene Worte.


Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Angesichts der Vielfalt, Vielzahl und Länge der Kommentare bei den  Siegergedichten bin ich eigentlich ganz froh, nicht gewonnen zu haben. Ich möchte tatsächlich nicht mit jenen tauschen, die ihr Gedicht jetzt gegen die Interpretation jener verteidigen müssen, die zu viel, zu wenig oder einfach das falsche hineingelesen haben.

Also "müssen" tut niemand etwas und keiner der Verfasser sowie Kommentatoren ist dafür verantwortlich, dass bei dir der Eindruck entstanden ist.

Was ich muss, ist etwas klarstellen: bei mir ist zu keiner Zeit der Eindruck entstanden, hier müsse irgendwer irgendwas. Und: wenn bei mir irgendein Eindruck entsteht, dann mache ich dafür niemand anderen verantwortlich als mich. Die Botschaft entsteht immer beim Empfänger.
Davon abgesehen gibt es keinen anderen Grund als Höflichkeit, auf die Kommentare anderer einzugehen. Ja, man könnte aus der Diskussion etwas lernen, aber das sehe ich weniger als Grund denn als eine nützliche Begleiterscheinung.


Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Für mich wäre es vollkommen i.O, wenn jemand sagt, dass er auf Interpretationen nicht eingeht oder auch nur kurz etwas richtigstellt, bevor für den Verfasser nicht tragbare Missverständnisse entstehen. Fehlinterpretationen lassen sich nunmal nicht immer vermeiden und ich finde das eher spannend, andere Sichtweisen zu hören, die meiner vielleicht doch irgendwo ähneln könnten(oder auch nicht, aber manchmal ist es dennoch interessant), als problematisch .

Ich bin mir nicht sicher, wo ich vermittelt habe, die Meinungen und Sichtweisen anderer seien problematisch. Mein erster Kommentar
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Ich möchte tatsächlich nicht mit jenen tauschen, die ihr Gedicht jetzt gegen die Interpretation jener verteidigen müssen, die zu viel, zu wenig oder einfach das falsche hineingelesen haben.

bezog sich nicht so sehr auf den "Schwarzen Merkur" wie auf die Gedichte, die tatsächlich gewonnen haben. Ich hatte bei einigen Kommentaren das Gefühl, sie basierten auf einer sich von meiner komplett unterscheidenden Interpretation. Das stellt mein Verständnis der Werke komplett in Frage, und ich frage mich also, ob ich zu viel, zu wenig oder einfach in die falsche Richtung gedacht habe. Natürlich gilt das auch für alle anderen Kommentare. Wenn ich mit meiner Einschätzung richtig liegen sollte, dann standen eben andere auf dem Schlauch. Ich sehe natürlich auch die Möglichkeit, dass beide Recht oder Unrecht haben, ja mehr noch: dass es weder richtig noch falsch geben kann, weil letztlich alle Menschen anders denken.


Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Leider kann ich hier auch wieder nur aus meiner Sicht reden, aber für mich persönlich ist es schon angenehmer, jemand beschäftigt sich ausführlicher mit einem Text von mir, als beispielsweise nur die Punktzahl oder "ich bin begeistert"/"nicht so mein Fall" darunterzuschreiben. Aber auch da denke ich mir, dass auch das irgendwo seine Berechtigung hat. Wieso sollte man sich zwingend etwas aus den Rippen leiern, wenn man sein Gefühl nicht direkt begründen kann oder auch die Zeit fehlt? Das Kommentieren fiel mir auch nicht leicht und ich finde es im Nachhinein interessant, dass nun aufgelöst wurde und ich sehen kann, was bei wem wie angekommen ist.

Ich gebe Dir sehr recht, jeder sähe eine ausführliche Beschäftigung anderer mit dem eigenen Text lieber als
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Aufgrund Zeitmangels (immer dasselbe) nur ein Bepunktungskommentar.
Natürlich ist im Rahmen des Wettbewerbs die Zeit ein sehr wichtiger Faktor, und nicht wenige Gedichte fordern viel Aufmerksamkeit vom Leser/Kommentator, manchmal mehr Zeit, als innerhalb des so gesehen relativ kurzen Bewertungszeitraums zur Verfügung steht, weshalb dann eben eher nur die ersten bis fünften Eindrücke niedergeschrieben werden können, aber eben keine komplette Analyse, warum welche Stelle besonders auffällt.
Und auch hier kann ich nur betonen: ich mache niemandem einen Vorwurf. Im Gegenteil habe ich deutlich meine Freude über diejenigen zum Ausdruck gebracht, die meinen Text kommentiert (und zum Teil auch bepunktet) haben. Das war nicht als ironisches Abbügeln gemeint, sondern ernstlich als Dank, denn ich kann ja etwas daraus lernen. Beispielsweise vielleicht irgendwann, wie ich meine Gedanken so formuliere, dass nicht nur die Hälfte jener, die den "Schwarzen Merkur" kommentieren, überhaupt einen Zugang dazu finden. So gesehen bin ich froh über alle, die sich trotzdem
Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
etwas aus den Rippen leiern, wenn man sein Gefühl nicht direkt begründen kann oder auch die Zeit fehlt



Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Aber solche Aussagen könnten wohl noch dazu führen, dass bald niemand mehr irgendetwas kommentiert oder bewertet, weil einem schlichtweg die Lust dazu vergeht. Einige waren diesmal gehemmt und wollten nicht, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt.

Wie ich anderswo schrieb, habe ich ja bisher nur anlässlich dreier Wettbewerbe wirklich hier Texte eingestellt, also basieren meine Erfahrungen auch nur darauf. Aufgefallen ist mir da natürlich, dass sich viele (vor allem in der letzten Lesezeichenpoesie) nicht zutrauen, Kommentare abzugeben, aber das war schon vor meinem kleinen Ausbruch so, insofern waren sie nicht nur diesmal gehemmt.
Wie ich aber ebenso anderswo schrieb, sind wir ja hier, um zu lernen, und sei es nur, mit Kritik oder wie in meinem aktuellen Fall mit Rückschlägen umzugehen.
Das vorausgeschickt muss ich natürlich zugeben, dass es mich durchaus trifft, wenn mein Gedicht auf dem vorletzten Platz landet, weil es zu hermetisch ist. Das hat aber weniger was damit zu tun, dass ich den Kommentatoren Übellaunigkeit oder Bosheit unterstellte, sondern dass ich den "Schwarzen Merkur" nicht zu verschlossen finde, um ihn zu verstehen. Andererseits habe ich ihn ja auch verbrochen und dafür fast zwei Wochen in meinem Kopf herumgetragen, da fällt es mir natürlich leicht, das als offensichtlich zu sehen, was für andere eben unverständlich bleibt. Es trifft mich also die Diskrepanz zwischen dem, was ich ausdrücken will, und dem, was ich tatsächlich transportieren kann.
Ich bin aber - und ich dachte, den Eindruck hätte ich bei bisherigen solchen Gelegenheiten auch vermittelt - immer für Diskussionen offen, gerade wenn es um die Intention eines Textes, vielleicht auch einfach eines Wortes geht.

Meinst Du mit
Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
solche Aussagen
das:
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Angesichts der Vielfalt, Vielzahl und Länge der Kommentare bei den  Siegergedichten bin ich eigentlich ganz froh, nicht gewonnen zu haben. Ich möchte tatsächlich nicht mit jenen tauschen, die ihr Gedicht jetzt gegen die Interpretation jener verteidigen müssen, die zu viel, zu wenig oder einfach das falsche hineingelesen haben.

oder meinst Du das:
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Der "Schwarze Merkur" polarisiert, mal ist es zu schwülstig, mal fesselt genau dieses Pathos, mal scheinen die Worte beliebig, mal dürfen sie nicht anders stehen, mal ist es zu flach, mal geht es tiefer als das fassbare Verstehen. Mir fällt es schwer, dazu viel zu sagen, was nicht nach Verteidigung eines vorletzten Platzes klänge.
Sonst habe ich ja immer eine ellenlange Erklärung abgegeben, was ich mit meinem Text bezweckt habe, das schenke ich mir jetzt mal. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es wirklich jemanden interessiert, entklaube ich das Ding gerne, allerdings erkenne ich darin derzeit keine Priorität.

Wenn es das letztere sein soll, dann gibt es dafür natürlich den Grund, dass ich eigentlich andere Prioritäten zu haben glaubte. Stellt sich raus, es ist mir doch wichtig genug, insofern muss ich das Prioritätenproblem fallen lassen. Bleibt die gekränkte Eitelkeit. Die kann ich nicht leugnen.
Andererseits habe ich bei den drei anderen Wettbewerben nicht das Gefühl gehabt, dass sich mehr als ein oder zwei Personen wirklich dafür interessierten, was ich mit meinem Text ausdrücken wollte. Ja, auch das gekränkte Eitelkeit. Aber eben auch das Gefühl, wenn ich das nur für mich mache, dann muss ich ja nicht das Forum damit zumüllen. Ja, auch das ist doofes Gejammer. Ich höre auf damit.


Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Präambel 1: Ein Text, der erklärt werden muss, ist kein guter Text.

Zum Erklärungszwang habe ich schon genug gesagt. "Gut" oder "schlecht" ist auch nur subjektiv. Jeder hat seine Vorstellung davon, und wenn das deine ist: völlig in Ordnung.

"Gut" ist vielleicht auch das falsche Wort. Wahrscheinlich meinte ich eher: Ein Text, der erklärt werden muss, funktioniert nicht.


Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Beleidigt? Ach wo, das hat man ja üüüberhaupt nicht gemerkt.

Ich bin halt sehr subtil.


Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Ich muss mich fragen,ob das mit den ersten fünf Plätzen wirklich dein Ernst ist. Nur, weil andere mehr Punkte bekommen haben, heißt das nicht, dass der Beitrag schlecht ist. Es muss ja nicht immer jeder Zugang zu allem haben und ich habe irgendwie geglaubt, das sei eigentlich auch jedem klar... Rolling Eyes

Das mit dem fünften Platz war natürlich überspitzt formuliert. Andererseits habe ich meinen Text nicht mit dem Ziel beim Wettbewerb eingereicht, auf dem vorletzten Platz zu landen, sondern hatte natürlich auf eine bessere Resonanz gehofft. Mir ist natürlich klar, dass es bei 18 Beiträgen keine 18 Erstplatzierte geben kann, dann könnte man sich den Wettbewerb ja gleich sparen.


Und zum Abschluss nochmal:
Gefühlsgier hat Folgendes geschrieben:
Seh es bitte nicht als Angriff.

Am Samstag habe ich in einem Café einen Keks zum Cappuccino beigelegt bekommen, auf dessen Verpackung stand:
Keks hat Folgendes geschrieben:
Wer Dir schöne Worte gibt, füttert Dich mit einem leeren Löffel.
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 11.06.2015 11:38    Titel: Antworten mit Zitat

anderswolf hat Folgendes geschrieben:
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Aufgrund Zeitmangels (immer dasselbe) nur ein Bepunktungskommentar.

Keks hat Folgendes geschrieben:
Wer Dir schöne Worte gibt, füttert Dich mit einem leeren Löffel.


Darauf vielleicht nur ein Hinweis. Selbst wenn auf dem Löffel nur sehr wenige Worte sind, soll er nicht leer sein. Da stimme ich dir schon zu.

Aber manchmal sind wenige Worte das Ergebnis vielmaligen Lesens. Einer Beschäftigung mit einem Text über mehrere Tage. Gerade auch dann, wenn er sich nicht erschließt.

Ob nun eine Anmerkung von zwei, drei Zeilen dem Autor weiterhilft. Wahrscheinlich wirklich nicht.

Aber ich denke. dass beispielsweise auch meine in allen Wettbewerben kurzen Kommentare ihre Berechtigung haben. Offenbare ich nämlich als Kommentator mein Unvermögen den Text zu verstehen, meine Falschverständnis oder auch den Zugang zum Text, wie ihn sich der Autor beim Verfassen erhofft hat.

Auch wenn du selbst hier einen spannenden Ansatz über Wirkungen oder Nichtwirkungen von Kommentaren angerissen hast, möchte ich an deinem Text natürlich keine OT Diskussion weiterführen, sondern wirklich nur ein kurzes Statement dalassen.

Ich empfand auch deine erste Einlassung überhaupt nicht als Affront, sondern habe sie mit großem Interesse über Wirkungen gelesen. Vor allem war es für mich interessant, da ich mit meinen Texten durchgängig das Schlusslicht bei Bewerben bilde und meine Empfindungen auf die Kommentare ganz anders sind, als du hier, ich sage mal pathetisch, aus deinem Herzen keine Mördergrube gemacht hast.

Klang mir sehr ehrlich im Ohr.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
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si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 11.06.2015 13:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Einar Inperson hat Folgendes geschrieben:
Aber manchmal sind wenige Worte das Ergebnis vielmaligen Lesens. Einer Beschäftigung mit einem Text über mehrere Tage. Gerade auch dann, wenn er sich nicht erschließt.

Nichts anderes hatte ich gemeint mit
anderswolf hat Folgendes geschrieben:
weshalb dann eben eher nur die ersten bis fünften Eindrücke niedergeschrieben werden können, aber eben keine komplette Analyse, warum welche Stelle besonders auffällt.

Ich unterstelle niemandem, dass er nach einmaligem Lesen beschließt: "Ich mag so etwas nicht lesen. Man soll so etwas nicht schreiben." Im Gegenteil glaube ich schon daran, dass der grundsätzliche Anspruch ist: "Ich will Feedback geben, so gut ich kann." Und dass dann die Zeit zu knapp wird, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Einar Inperson hat Folgendes geschrieben:
Auch wenn du selbst hier einen spannenden Ansatz über Wirkungen oder Nichtwirkungen von Kommentaren angerissen hast, möchte ich an deinem Text natürlich keine OT Diskussion weiterführen, sondern wirklich nur ein kurzes Statement dalassen.

Davon abgesehen, dass ich es so OT gar nicht finde, hätte ich gegen eine Diskussion über die (Nicht-)Wirkungen von Kommentaren nichts einzuwenden, vielleicht auch an einem Ort, wo es nicht OT ist. Allerdings befürchte ich, dass da eh bald die Luft raus ist.

Einar Inperson hat Folgendes geschrieben:
Ich empfand auch deine erste Einlassung überhaupt nicht als Affront, sondern habe sie mit großem Interesse über Wirkungen gelesen. Vor allem war es für mich interessant, da ich mit meinen Texten durchgängig das Schlusslicht bei Bewerben bilde und meine Empfindungen auf die Kommentare ganz anders sind, als du hier, ich sage mal pathetisch, aus deinem Herzen keine Mördergrube gemacht hast.

Klang mir sehr ehrlich im Ohr.

Das ist für mich wiederum sehr interessant, nimm mir also meine Neugier nicht übel: wie reagierst Du auf Deine Platzierungen? Sind sie Dir egal? Nimmst Du an, dass andere Texte besser sind? Oder hast Du eine tolle Yoga-Übung, die Dich akzeptieren lässt, dass Du einfach nicht den Geschmack der Mehrheit gefunden hast?
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