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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Anatomie einer Ehe


 

 
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nani
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

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Wohnort: Niedersachsen


BeitragVerfasst am: 16.05.2015 13:29    Titel: Anatomie einer Ehe eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also steigt sie in ein Taxi. "Zum Bahnhof bitte!" Die Fahrerin legt den Gang ein und fährt los. Sie schaut ihren Fahrgast an, die blonde Frau hält lediglich ihr iPhone in der Hand, den Schlüsselring trägt sie über ihrem rotlackierten Zeigefinger. Geld für die Fahrt wird sie wohl hoffentlich dabei haben; viel passt nicht in die Taschen einer so engen Jeans.

"Können Sie einen Hunderter wechseln."
"Tut mir leid, meine Schicht fängt gerade erst an."
"Dann lasse ich es wechseln. Ich muss zur Post. Etwas abholen. Dann wieder nach Hause. Warten Sie?"

Die Taxifahrerin nickt. Schaut die Frau neben sich an und schüttelt innerlich den Kopf. "Mit dem Taxi zur Hauptpost? Das muss ja was wichtiges sein!"
"Sehr wichtig sogar!"
Ihr Blick fällt auf die grauen Wildlederpumps. Mindestens 10 cm Absatz. Im Fußraum auf der Fahrerseite kommen beige Bequemschuhe mit durchbrochenem Oberleder und einer dicken Gummisohle zum Vorschein.
"Beim Fahren bekomme ich immer viel zu warme Füße, da ist was offenes schon besser!"

Nachmittags ist es leer an den Paketschaltern. Der Postbeamte reicht den übergroßen Karton über den Schalter. Sie nimmt ihn entgegen, läuft zum Taxi zurück und verstaut ihn in den bereits geöffneten Kofferraum. "Das hätte ich bestimmt nicht auf meinem Fahrrad mitbekommen!"

Wieder an dem Startpunkt angekommen, ist die Fahrerin doch neugierig, als sie der Blonden die Quittung übergibt. "Was ist denn nun so Wichtiges drin?"
"Schuhe!"

Schnurrend wird sie mit ihrer Beute empfangen. 4 Schuhkartons kommen zum Vorschein. Die Anprobe kann beginnen. Das ursprüngliche Favoritenpaar für 269,-€ ist unbequem, zwei andere kamen sowieso nicht wirklich in Frage und überraschenderweise ist das Paar für 99,95€ wie gemacht für den bevorstehenden Anlass!

"Ehre, wem Ehre gebührt! Also steige ich in ein Taxi und hole meine neuen Schuhe ab!"

---

Noch genau ein Monat. Dann ist es soweit. Der Tag auf den sie so lange gewartet hat.

---

Plötzlich waren die Schmerzen da. Bauchschmerzen. Unerklärlich stark. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nicht schlafen. Nicht essen. Es fühlte sich zuerst an, als würde sie eine Sommergrippe bekommen. Die üblichen Mittel aber halfen nicht. Für die Hochzeit ihrer Cousine riss sie sich noch zusammen, erklärte den anderen ihre Müdigkeit, das blasse Gesicht trotz MakeUp und den nervösen Magen mit zu viel Stress bei der Arbeit. Das geplante Wochenende bei ihrer Freundin in München sagte sie ab. 4 Stunden Fahrt, selbst mit dem Zug, das war zu viel. Als es selbst nach einem Wochenende Zuhause im Bett nicht besser sondern noch schlimmer wurde, wählte sie seine Nummer. "Komm bitte nach Hause und bring mich ins Krankenhaus!"

Er schien besorgt, als er zu ihr ans Bett trat. "Ich habe Dir Tee mitgebracht, probiere den erstmal aus, mein Schatz! Ich bin jetzt bei Dir und kümmere mich um Dich!" Sie schaffte es nicht, ihm zu widersprechen.
Es war eine furchtbare Kräutermischung. "Typisch! Jetzt spielt er wieder Kräuterhexe!"

Zwei Stunden später war es immer noch unverändert und sie wählte wieder seine Nummer. "Ich weiß, Du bist gerade mitten im Training aber ICH WILL JETZT INS KRANKENHAUS! Bitte komm und fahr mich!"

Irgendwann kurz vor Mitternacht war sie endlich auf ihrem Einzelzimmer.  Die Schmerzen immer noch da. Man vermutete eine Gebärmutterentzündung. Schmerzmittel sollten erst gegeben werden, wenn man weitere Ergebnisse habe. Wie auch schon bei ihrem Hausarzt wurden viel zu hohe Leberwerte festgestellt. Sie hatte bestimmt schon seit 3 Wochen keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Noch nicht einmal bei der Hochzeit. Sonst waren es einige Gläser Wein am Wochenende. Harte Sachen mochte sie nicht.

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Paradigma
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 16.05.2015 16:57    Titel: Antworten mit Zitat

Willkommen, Nani!

Hier meine Gedanken zuleimen Text.
Du nennst ihn "Anatomie einer Ehe" - der Titel verwirrt mich eher, und ich kann die beiden Textabschnitte nicht als zusammengehörig erkennen. Vielleicht klärst du mich ja noch auf, wie das zusammenhängt?

---
Mir fällt auf, das du die Perspektive häufig wechselst: Einmal berichtest du aus dem Blickwinkel der Taxifahrerin, einmal aus der des Fahrgastes. Es wird nicht ersichtlich, wer die zentrale Figur ist - die Fahrerin oder der Gast? Ich markiere mal in blau, was du aus der Perspektive der Taxifahrerin erzählt hast, grün die Stellen, die aus der Perspektive des Fahrgastes erzählt werden. Natürlich kann man innerhalb eines Textes die Perspektive wechseln - aber so häufig und innerhalb eines Absatzes empfinde ich es als verwirrend.


Zitat:
Also steigt sie in ein Taxi. "Zum Bahnhof bitte!" Die Fahrerin legt den Gang ein und fährt los. Sie schaut ihren Fahrgast an, die blonde Frau hält lediglich ihr iPhone in der Hand, den Schlüsselring trägt sie über ihrem rotlackierten Zeigefinger. (Du meinst "Zeigefinger mit rotlackiertem Nagel - mit Sicherheit war nicht der Finger lackiert) Geld für die Fahrt wird sie wohl hoffentlich dabei haben; viel passt nicht in die Taschen einer so engen Jeans.

"Können Sie einen Hunderter wechseln."
"Tut mir leid, meine Schicht fängt gerade erst an."
"Dann lasse ich es wechseln. Ich muss zur Post. Etwas abholen. Dann wieder nach Hause. Warten Sie?"

Die Taxifahrerin nickt. Schaut die Frau neben sich an und schüttelt innerlich den Kopf. "Mit dem Taxi zur Hauptpost? Das muss ja was wichtiges sein!"
"Sehr wichtig sogar!"
Ihr Blick fällt auf die grauen Wildlederpumps. Mindestens 10 cm Absatz. Im Fußraum auf der Fahrerseite kommen beige Bequemschuhe mit durchbrochenem Oberleder und einer dicken Gummisohle zum Vorschein.
"Beim Fahren bekomme ich immer viel zu warme Füße, da ist was offenes schon besser!"


Nachmittags ist es leer an den Paketschaltern. Der Postbeamte reicht den übergroßen Karton über den Schalter. Sie nimmt ihn entgegen, läuft zum Taxi zurück und verstaut ihn in den bereits geöffneten Kofferraum. "Das hätte ich bestimmt nicht auf meinem Fahrrad mitbekommen!"
Wieder an dem Startpunkt angekommen, ist die Fahrerin doch neugierig, als sie der Blonden die Quittung übergibt. "Was ist denn nun so Wichtiges drin?"
"Schuhe!"


Schnurrend wird sie mit ihrer Beute empfangen. 4 Schuhkartons kommen zum Vorschein. Die Anprobe kann beginnen. Das ursprüngliche Favoritenpaar für 269,-€ ist unbequem, zwei andere kamen sowieso nicht wirklich in Frage und überraschenderweise ist das Paar für 99,95€ wie gemacht für den bevorstehenden Anlass!

"Ehre, wem Ehre gebührt! Also steige ich in ein Taxi und hole meine neuen Schuhe ab!"


Mein Eindruck? Ne ziemliche Tussi, die es sich leisten kann, viel Zeit und Geld für ein paar luxuriöse Schuhe aufzuwenden. Die pragmatische Taxifahrerin wirkt sympathischer, ich identifiziere mich eher mit ihr - trotzdem scheint der der sehr oberflächlich geschilderte Fahrgast die Hauptperson zu sein.





Zitat:
Noch genau ein Monat. Dann ist es soweit. Der Tag auf den sie so lange gewartet hat.


Diesen Einschub hier interpretiere ich als: Noch ein Monat, bis die Hochzeit stattfindet (braucht der Fahrgast dafür die Schuhe?) Und warum muss ich als Leserin hier Rätsel raten?

---

Zitat:
Plötzlich waren die Schmerzen da. Bauchschmerzen. Unerklärlich stark. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nicht schlafen. Nicht essen. Es fühlte sich zuerst an, als würde sie eine Sommergrippe bekommen. Die üblichen Mittel aber halfen nicht. Für die Hochzeit ihrer Cousine riss sie sich noch zusammen, erklärte den anderen ihre Müdigkeit, das blasse Gesicht trotz MakeUp und den nervösen Magen mit zu viel Stress bei der Arbeit. Das geplante Wochenende bei ihrer Freundin in München sagte sie ab. 4 Stunden Fahrt, selbst mit dem Zug, das war zu viel. Als es selbst nach einem Wochenende Zuhause im Bett nicht besser sondern noch schlimmer wurde, wählte sie seine Nummer. "Komm bitte nach Hause und bring mich ins Krankenhaus!"


Ok, Frau (die Tussi von oben? Und warum muss ich hier schon wieder im Dunkeln tappen? Das nervt mich), wird krank - kommt vor. Warum muss sie "seine Nummer" wählen, damit er kommt und ihr einen Tee kocht? Sie sind also nicht verheiratet / wohnen nicht zusammen. Warum ruft sie nicht den Notarzt?

Zitat:
Er schien besorgt, als er zu ihr ans Bett trat. "Ich habe Dir Tee mitgebracht, probiere den erstmal aus, mein Schatz! Ich bin jetzt bei Dir und kümmere mich um Dich!" Sie schaffte es nicht, ihm zu widersprechen.
Es war eine furchtbare Kräutermischung. "Typisch! Jetzt spielt er wieder Kräuterhexe!"


Ok, er kommt angedackelt und kümmert sich um sie. Unterschätzt ihre Krankheit aber offenkundig. Mein Verdacht: Der kennt ihre dramatischen Auftritte schon, und weiß, das er sie nicht so ernst nehmen muss. Und weshalb besteht sie nicht darauf, das es diesmal ernst ist und sie Hilfe braucht?

"Sie schaffte es nicht, ihm zu widersprechen ... ." WARUM? DAS will ich als Leserin verstehen. Bisher macht der Mann auf mich einen völlig normalen Eindruck, die Frau (wenn es denn die Tussi mit den Schuhen ist kommt mir eher wie ein verwöhntes Prinzessinnen vor, die ihren (davon inzwischen gründlich genervten) Partner rumkommandiert. Soll das so rüberkommen?

Zitat:
Zwei Stunden später war es immer noch unverändert und sie wählte wieder seine Nummer. "Ich weiß, Du bist gerade mitten im Training aber ICH WILL JETZT INS KRANKENHAUS! Bitte komm und fahr mich!"


Warum um Gottes willen ruft das Mädel nicht den Notarzt, wenn es ihr so schlecht geht? So was unselbständiges!

Zitat:
Irgendwann kurz vor Mitternacht war sie endlich auf ihrem Einzelzimmer.  Die Schmerzen immer noch da. Man vermutete eine Gebärmutterentzündung. Schmerzmittel sollten erst gegeben werden, wenn man weitere Ergebnisse habe. Wie auch schon bei ihrem Hausarzt wurden viel zu hohe Leberwerte festgestellt. Sie hatte bestimmt schon seit 3 Wochen keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Noch nicht einmal bei der Hochzeit. Sonst waren es einige Gläser Wein am Wochenende. Harte Sachen mochte sie nicht.


Ok, sie ist ernsthaft krank. Da ich mich bisher mit der Hauptfigur nicht identifizieren konnte, lässt mich das kalt.

Du lässt sie gleich auf dem Einzelzimmer landen (aha, Privatpatientin). Da lässt du dir eine gute Gelegenheit entgehen, deine Hauptfigur im Konflikt zu zeigen. Wie überzeugt Sie ihren Mann sie ins Krankenhaus zu bringen? Muss er sie stützen, als sie in die Notaufnahme kommen? Wird sie gleich behandelt, oder muss sie warten. Lässt ihr Mann sie da einfach sitzen oder besteht er darauf, das sie sofort untersucht wird? Wie gehen die Hauptfigur und ihr Mann mit der dümmlichen Nachtschwester, dem arroganten Assistenzarzt um? Wirft er ihr vor, das er sein Training unterbrechen musste, oder zuckt sie rum, das sie fast sterben muss, bevor er ihr mal hilft? Schweigen sie sich an?

Was fühlst sie dabei? Ärger, Resignation, Wut? Was empfindet sie? Welche Sinneswahrnehmungen hat, was lösen diese in ihr aus? Wie sieht sie ihren Mann, was denkt sie über ihn?

Ich würde die Szene gerne noch mal lesen - diesmal mit Details und Gefühlen.

Neugierige Grüße, Para


_________________
Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 16.05.2015 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nani,

vielen Dank, für die Einladung in deinen Einstand. Nach dem Lesen deines Textes, habe ich noch um so lieber vorbeigeschaut.

Schon der scheinbar banale Einstieg mit dem Schuhkauf per Taxi ist rätselhaft. Fragt man sich hier noch, was soll das, offenbart sich im nächsten Abschnitt in meinem Lesen schon eine Tragödie. Lakonisch, fast beiläufig, führst du den Leser von Verdacht zu Verdacht.

Ja, mich hast du neugierig gemacht.

Gerne gelesen.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

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Seraiya
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Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 16.05.2015 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nani,

der Text verwirrt mich ehrlich gesagt leider ein wenig und wirft für mich zu viele Fragen auf.


Als erstes die Szene im Taxi.
Zitat:
Die Taxifahrerin nickt. Schaut die Frau neben sich an und schüttelt innerlich den Kopf. "Mit dem Taxi zur Hauptpost? Das muss ja was wichtiges sein!"   

Hier irrtitieren mich die Worte der Taxifahrerin. Klingt für mich wie irgendetwas Unüberlegtes, nur um ein Gespräch anzufangen.

Zitat:
Ihr Blick fällt auf die grauen Wildlederpumps. Mindestens 10 cm Absatz. Im Fußraum auf der Fahrerseite kommen beige Bequemschuhe mit durchbrochenem Oberleder und einer dicken Gummisohle zum Vorschein.
"Beim Fahren bekomme ich immer viel zu warme Füße, da ist was offenes schon besser!"   

Das kommt für mich völlig aus der Luft. Wieso geht es plötzlich um Schuhe? Warum rechtfertigt sie sich auf einmal für die Schuhe, die sie trägt?

Zitat:
Nachmittags ist es leer an den Paketschaltern.  

Finde ich unwahrscheinlich, weil alle Welt am Nachmittag nach Feierabend auf die Post hechtet, um schnell noch Pakete abzuholen oder wegzuschicken.

Zitat:
Sie nimmt ihn entgegen, läuft zum Taxi zurück und verstaut ihn in den bereits geöffneten Kofferraum. "Das hätte ich bestimmt nicht auf meinem Fahrrad mitbekommen!"   

Ich denke, dass sie das mit Sicherheit weiß und nicht nur vermutet. Sie weiß schließlich, was drin ist.
Hier allerdings sehe ich sie zum ersten Mal nicht als oberflächliche Lady, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie jemand mit 10cm Absätzen Fahrrad fährt. Dafür wären Ballerinas, Turnschuhe oder Sandalen praktischer. Wink

Zitat:
Schnurrend wird sie mit ihrer Beute empfangen.  

Hat sie eine Katze?

Zitat:
   Das ursprüngliche Favoritenpaar für 269,-€ ist unbequem, zwei andere kamen sowieso nicht wirklich in Frage und überraschenderweise ist das Paar für 99,95€ wie gemacht für den bevorstehenden Anlass!

Sind die Preise der Schuhe wichtig? Das würde auch ohne Angabe funktionieren. Muss der Leser wissen, dass sie sich Schuhe in dieser Preisklasse leisten kann?

Zitat:
"Ehre, wem Ehre gebührt! Also steige ich in ein Taxi und hole meine neuen Schuhe ab!

Da bin ich kurz ausgestiegen.
Hier stehe ich auf dem Schlauch und verstehe diesen Satz nicht.
Sie hat doch jetzt ihre Schuhe.

Dann der Szenenwechsel. Die Hochzeit ist vorüber und die Frau wird krank, wenn ich richtig gelesen habe.

Was den Rest der Szene angeht, schließe ich mich ein bissl Paradigma an.

Zitat:
"Komm bitte nach Hause und bring mich ins Krankenhaus!"  

Wieso? Wieso muss ER es sein? Wieso ruft sie keinen Notarzt, eine Freundin, die Nachbarin oder ihre Mutter?

Zitat:
Er schien besorgt, als er zu ihr ans Bett trat. "Ich habe Dir Tee mitgebracht, probiere den erstmal aus, mein Schatz! Ich bin jetzt bei Dir und kümmere mich um Dich!" Sie schaffte es nicht, ihm zu widersprechen.
Es war eine furchtbare Kräutermischung. "Typisch! Jetzt spielt er wieder Kräuterhexe!"   

Sie sagt ihm, dass er sie ins Krankenhaus bringen soll und er bringt ihr Tee mit. Verstehe ich nicht. Embarassed
Welcher Mann bringt seiner Frau Tee mit, wenn sie sagt, sie müsse ins Krankenhaus? Ist diese Ignoranz Absicht?

Zitat:
Zwei Stunden später war es immer noch unverändert und sie wählte wieder seine Nummer. "Ich weiß, Du bist gerade mitten im Training aber ICH WILL JETZT INS KRANKENHAUS! Bitte komm und fahr mich!"   

Das hört sich für mich eher wie ein trotziges Kind an und nicht wie eine Frau, die Schmerzen hat und sich aufgrund ihres Zustands ängstigt oder sauer auf ihren Gatten ist.

Zitat:
Die Schmerzen immer noch da. Man vermutete eine Gebärmutterentzündung. Schmerzmittel sollten erst gegeben werden, wenn man weitere Ergebnisse habe.  

Fieses Krankenhaus. Entweder sind die Schmerzen nicht wirklich gravierend oder sie ist da falsch.
Welcher Arzt lässt einen Patienten sich vor Schmerzen windend im Bett liegen und warten? Meiner Erfahrung nach sind die Erstversorgung und die Beruhigung des Patienten zunächst wichtig. Tests lassen sich besser machen, wenn der Patient nicht vor Schmerzen heult.

Du kannst gut erzählen, finde ich.
Wie gesagt, für mich wirft der Ausschnitt zu viele Fragen auf.
Mir fehlen viele Details und jegliches Gefühl. Es gibt keine Emotionen.
Die Frau wird vorgestellt, aber das, was man von ihr erfährt, macht sie für mich gänzlich unsympathisch bis anstrengend.
Der Mann scheint eine unwichtige Nebenperson, bleibt im Krankenhaus dem Anschein nach nicht einmal bei ihr.
Mir fehlen Zusammenhänge, was das Leben, die Charaktere und das soziale Netzwerk der Beiden angeht. Ich möchte mehr darüber erfahren. smile


Liebe Grüße,
Seraiya


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Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand eigener Erfahrungen nicht erklären kann.
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nani
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BeitragVerfasst am: 16.05.2015 20:33    Titel: Vielen Dank für Eure ersten Kommentare! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich freue mich! Ich freue mich total über das Feedback. Das finde ich großartig! Vor allem, dass offensichtlich ein Bild erzeugt wurde. Ob Euch die Frau sympathisch ist oder nicht, sei erst einmal dahin gestellt. Vielleicht ist es ja Absicht, zu verwirren?!
Ich nehme folgendes mit: Es wurde Neugier erweckt! Evtl. erschliesst sich ja einges beim weiteren Lesen...
Natürlich bin ich Euch voraus, da ich schon ein Bild, ggf. sogar schon die Geschichte im Kopf habe. Deshalb -umso interessanter- von vollkommen Fremden ein Feedback zu bekommen.
Die Anregungen nehme ich gerne auf und werde einige gewiss umsetzen. Aktuell zeitlich etwas knapp... Ich muss meine Schuhe abholen! Wink
[Zum Tanzen! Ist ja schließlich SamstagAbend!!!]
LG nani
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nani
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BeitragVerfasst am: 16.05.2015 20:40    Titel: Anatomie einer Ehe - Teil 2 pdf-Datei Antworten mit Zitat

*

Die Kupferspirale war entfernt und gegen die Entzündung gab es Tabletten. Das sollte reichen, sagten die Ärzte. Die Schmerzen würden dann von alleine verschwinden.

Es war eine bedrückende Stimmung auf der gynäkologischen Station im obersten Stockwerk des Uniklinikums. Viktoria fühlte sich am falschen Platz. Frauen mit Krebserkrankungen wurden hier behandelt. "Was für ein Glück ich doch eigentlich habe!"

In zwei bis drei Tagen würde sie wieder nach Hause können.

Es klopfte. Die Tür ging auf und er trat ein. Ein hübscher Kerl. 1,97 groß. Sportlich. Schlank. Dunkelbraune Haare. Von den Locken war nichts mehr zu sehen. Er trug sie kurz. Und die Augen? Braun natürlich. Ein Frauentyp.

Oliver trat an das Bett seiner Frau. "Mir geht es wahnsinnig schlecht. Ich mache mir solche Sorgen um Dich! Was sagen die Ärzte? Hast Du schon Deine Blutwerte? Und was ist mit den Leberwerten?"

Viktoria sah ihn an. "Ich weiß es noch nicht. Sie wollen noch andere Untersuchungen machen. Die Leberwerte sind untypisch. Vielleicht habe ich zu viele Schmerzmittel genommen. Deshalb bekomme ich auch immer noch nichts."

"Hast Du was gegessen?"

Sie schüttelte den Kopf.

"Hab ich mir gedacht! Deshalb habe ich Dir auch was mitgebracht! Extra aus Deiner Lieblings-Früchtebar: frisch gepresster Saft. Der wird Dir gut tun!"

"Nerv mich nicht schon wieder mit Deinen Zaubertränken! Ich vertrage nach der ganzen Kotzerei keine Fruchtsäure!"

"Mein Schatz, aber Du musst doch wieder zu Kräften kommen!"

"Das würde ich auch, wenn Du mich endlich in Ruhe lässt! Deine ständigen sms heute waren auch nicht gerade förderlich. Ich habe Dir gesagt, ich melde mich, sobald ich etwas weiß!"

"Wir machen einen Deal: wenn Du eine halbe Flasche Saft getrunken hast, lasse ich Dich in Ruhe und werde nach Hause fahren."

Er lächelte fürsorglich und öffnete den Schraubverschluss. Viktoria nahm die Saftflasche und trank. Wie sehr hat sie sonst jeden einzelnen Schluck genossen. Versuchte heraus zu schmecken, welche Früchte er diesmal für sie zusammengestellt hatte. Jetzt wollte sie ihn einfach nicht mehr sehen und würgte die Vitaminbombe herunter.

Kaum hatte Oliver das Zimmer verlassen, taumelte sie aus ihrem Bett und erbrach sich im Mülleimer.

*

In der Nacht nahmen die Schmerzen weiter zu. Sie klingelte nach der Schwester. Schmerzmittel müsse der zuständige Arzt verordnen. Sie dürfe nicht einfach so etwas geben.

Viktorias Augen füllten sich mit Tränen und liefen stumm über ihre Wangen. Der Sommer hatte gerade erst angefangen und sie lag hier im Krankenhaus. Wie es den Katzen wohl geht?

Irgendwann war es 6.00 Uhr. Wecken. Blutdruckmessen. Betten machen. Frühstück. Mittlerweile zogen die Bauchschmerzen bis in den Rücken. "Zu viel Liegen ist einfach nicht gut!"

In kleinen Schlücken trank Viktoria ihren Tee. Mehr wollte und konnte sie ihrem Magen nicht zumuten.

7.30 Uhr, Ultraschall. Sie schleppte sich in Begleitung des Pflegers ins Erdgeschoss. Ein Rollstuhl kam für sie nicht in Frage. So viel Reststolz wollte sie sich bewahren.

Als die junge AIPlerin mit dem Schallkopf über Viktorias Bauch fuhr, hielt sie plötzlich inne. Sie sah Ihre Kollegin an. "Da, da ist etwas Knöchernes im Bauch!"

Sofort übernahm die erfahrene Ärztin. "Das ist die Wirbelsäule!!!"

"Frau Hofmann ist aber auch sehr dünn!"

Viktoria verdrehte innerlich die Augen.

"Nichts Auffälliges zu sehen und Sie haben eine sehr schöne rechte Niere!"

"Sie sind schon 38? Also vom Ultraschall sehen Sie locker 10 Jahre jünger aus!"

Mit diesen Komplimenten schleppte Viktoria Hofmann sich wieder auf ihr Zimmer. Auf dem Nachttisch blinkte ihr iPhone. 5 Anrufe in Abwesenheit. 7 Nachrichten. Oliver.

Inzwischen waren 5 Tage vergangen. 3x täglich gab es ein Antibiotikum. Schmerzmittel immer noch nicht. Sobald sie etwas zu sich nahm, erbrach sie sich. Neu waren Verstopfungen. Ihr Darm hatte nunmehr seit 7 Tagen seine Tätigkeit eingestellt. Zwischenzeitlich war Oliver noch einmal bei ihr gewesen. Mit frisch gepressten Saft. Sie hatte ein Laugenbretzel bestellt.

Um 11.00 Uhr sollte die Chefarztvisite sein. "Wenn einer etwas weiß, dann er!" Viktoria hatte bereits von mehreren Freundinnen gehört, dass Dr. Busche der Spezialist schlechthin sei.

Die Krankenzimmertür öffnete sich. Dr. Busche und sein Gefolge betraten den Raum. Das Zimmer war voll. Viktoria richtete sich in ihrem Bett auf, sah zu Dr. Busche, setzte zum "Guten Morgen" an... "Wenn sie morgen immer noch meint, dass sie Schmerzen hat, dann ist sie hier nicht richtig. Dann schickt sie auf die Innere!"

Der Weißkittel klappte die Akte zu und rauschte aus dem Zimmer.

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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 16.05.2015 21:26    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Vor allem, dass offensichtlich ein Bild erzeugt wurde.


Es wurden ZU VIELE Bilder erzeugt, einige davon völlig unwichtig und daher den Leser in die Irre führend.

Zitat:
Ob Euch die Frau sympathisch ist oder nicht, sei erst einmal dahin gestellt.

Protagonisten müssen nicht unbedingt sympathisch sein. Aber man muss sich mit ihnen identifizieren können. Mir gelingt das bei deiner Prosa gar nicht.

Zitat:
Vielleicht ist es ja Absicht, zu verwirren?!


Ich glaube dir gerne, das du absichtlich verwirrst. Wenn du den Leser an deinen Text binden willst, ist es aber - vor allem am Anfang einer Geschichte - nicht zielführend. Der Leser wünscht sich Orientierung und er will wissen, mit welcher Art Geschichte er es zu tun bekommt.

Zitat:
Ich nehme folgendes mit: Es wurde Neugier erweckt!


Im Laden hätte ich das Buch zugeklappt und wieder ins Regal gestellt.


-----
Zitat:
Die Kupferspirale war entfernt und gegen die Entzündung gab es Tabletten. Das sollte reichen, sagten die Ärzte. Die Schmerzen würden dann von alleine verschwinden
.

Schon mal im Krankenhaus gewesen? Das Erste, was du als Patient mit Schmerzen bekommst, ist ein Tropf mit Schmerzmitteln.

Zitat:
Es war eine bedrückende Stimmung auf der gynäkologischen Station im obersten Stockwerk des Uniklinikums. Viktoria fühlte sich am falschen Platz. Frauen mit Krebserkrankungen wurden hier behandelt. "Was für ein Glück ich doch eigentlich habe!"


Falsche Abteilung: Krebspatienten liegen auf der Onkologie.

Zitat:
Oliver trat an das Bett seiner Frau. "Mir geht es wahnsinnig schlecht. Ich mache mir solche Sorgen um Dich! Was sagen die Ärzte? Hast Du schon Deine Blutwerte? Und was ist mit den Leberwerten?"

Viktoria sah ihn an. "Ich weiß es noch nicht. Sie wollen noch andere Untersuchungen machen. Die Leberwerte sind untypisch. Vielleicht habe ich zu viele Schmerzmittel genommen. Deshalb bekomme ich auch immer noch nichts."


Sie sieht nichts, sie riecht nichts, sie hört nichts, sie fühlt nichts, sie denkt nicht. Die Szene wirkt leblos.



Zitat:
"Nerv mich nicht schon wieder mit Deinen Zaubertränken! Ich vertrage nach der ganzen Kotzerei keine Fruchtsäure!"


Zitat:
"Das würde ich auch, wenn Du mich endlich in Ruhe lässt! Deine ständigen sms heute waren auch nicht gerade förderlich. Ich habe Dir gesagt, ich melde mich, sobald ich etwas weiß!"


Sie ist extrem aggressiv. Offenbar misstraut sie ihrem Mann zutiefst.

Was den ganzen Rest des Absatzes betrifft: Sie sieht nichts, sie riecht nichts, sie hört nichts, sie fühlt nichts, sie denkt nicht. Du berichtest lediglich, die Protagonistin und ihre Gefühls- und Gedankenwelt bleibt uns fremd.


_________________
Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner
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sohndeslupus
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BeitragVerfasst am: 16.05.2015 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nani,
freut mich sich so schnell nach deiner Vorstellung im Einstand zu sehen Smile

Gerne schreibe ich dir meinen Eindruck zum Text.

Der erste Teil hat mich, wie auch schon die Anderen schrieben, relativ verwirrt. Er war aber ganz gut geschrieben und hat mich neugierig drauf gemacht, herauszufinden, was vor sich ging.

Der zweite Teil wirkt auf mich leider ziemlich unfertig. Zum einem finde ich es recht anstrengend den Text mit diesen ganzen Absätzen zu lesen. Die Dialoge finde ich wenig lebendig und mache wörtliche Reden ziemlich unnötig.  Zum Beispiel hier:
Zitat:
"Zu viel Liegen ist einfach nicht gut!"

Zitat:
"Wenn einer etwas weiß, dann er!"


Auch diesen Abschnitt fand ich ziemlich merkwürdig:
Zitat:
Viktorias Augen füllten sich mit Tränen und liefen stumm über ihre Wangen. Der Sommer hatte gerade erst angefangen und sie lag hier im Krankenhaus. Wie es den Katzen wohl geht?


Das Weinen finde ich völlig übertrieben und den Satz mit der Katze unpassend.

Auch beim Inhalt fehlt mir die Lebendigkeit. Über den Krankenhausalltag mit Untersuchungen und Besuchen zu lesen, finde ich persönlich langweilig.

Mit hat es also leider noch nicht so gut gefallen. Vieles was im ersten Abschnitt gut war, ist im zweiten meiner Meinung nach verloren gegangen. Ich würde dir raten den Abschnitt nochmal zu überarbeiten. Das du es anders kannst, zeigt ja der erste Teil Wink

Ich hoffe ich kann dir mit meinem Feedback weiterhelfen und du kannst meine Kritik nachvollziehen.

lg
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nani
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

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Beiträge: 5
Wohnort: Niedersachsen


BeitragVerfasst am: 16.05.2015 21:43    Titel: Anatomie einer Ehe - Teil 3 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Viktoria wollte nicht mehr. Sie wollte nicht noch länger im Krankenhaus bleiben. Vielleicht waren die letzten Wochen einfach zu viel. Vielleicht war es ein Zeichen ihres Körpers. Mit ihrer Firma hatte sie im April ein erstes Jubiläum gefeiert. 5 Jahre. Sie war so stolz. Fast alle waren da. Ihre Familie. Extra aus dem Ruhrgebiet angereist. Kunden. Auftraggeber. Lokale "Prominenz". Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung hatte sogar eine kleine Ansprache gehalten. Als Highlight gab es einen Show Act. Ein "Körperillusionist". Sie hatte ihn letztes Jahr auf einer Veranstaltung kennen gelernt. Tags zuvor spielte er bei der Bundeskanzlerin in Berlin. Am 15.04. bei der Immobilienmaklerin in Immingerode.

Und eine Trennung? Die geht auch nicht spurlos an einem vorüber.
Der Plan war so perfekt. Sie waren das Immobilientraumpaar! Beim Studium kennengelernt. Lieben gelernt. Traummann und Traumfrau. Ein Haus im Grünen. Er bei einem großen Unternehmen in Hamburg. Der beste Mitarbeiter bundesweit. Sie mit Erfahrung und Kontakten zu Immobilienfonds. Düsseldorf. Frankfurt. Berlin. Im beschaulichen Südniedersachsen die eigene Firma. Davon hat sie immer geträumt. Was braucht man schon groß? Telefon. Laptop. Und Köpfchen! Die Kinder spielen im Garten und Mama & Papa rocken die Welt des Betongolds!

*

Irgendwann änderte sich etwas. Viktoria & Oliver waren einige Jahre verheiratet, sie hatten ihren Alltag gefunden, einen Rhythmus. Der Resthof auf dem sie wohnten war im 21. Jahrhundert angekommen. Von außen nach wie vor unscheinbar. Innen im schlichten Schick. Hell. Offen. Stilvoll. Viktoria hatte alles nach ihren Vorstellungen eingerichtet. Oliver überließ alles ihrem guten Geschmack. "Du machst das schon, mein Schatz!" Dass es sich um Desinteresse handeln konnte, kam Viktoria erst viel später in den Sinn. Sie war glücklich.

An den Tagen, die er in Hamburg war, machte sie ihr Ding, kümmerte sich um ihre kleine Firma, das gemeinsame Zuhause. Sie freute sich, wenn sie sich auf den Weg machte, um ihn vom Bahnhof abzuholen. Ihr Herz klopfte, wenn er aus dem ICE stieg. 1. Klasse, natürlich. Enger Anzug. Offenes Hemd. Die Krawatte bereits achtlos in die kleine abgewetzte Reisetasche gestopft.

Auf den ersten Blick ein Mann, von dem jede Frau sofort angezogen war.

*

Viktoria hatte ihr Leben komplett auf Oliver abgestimmt. Wenn er nach Hause kam, war bereits alles erledigt und vorbereitet. Sogar das Bier lag schon im Kühlschrank. Sie konnten sich komplett ihrer Zweisamkeit widmen.

"Am liebsten würde ich nächstes Jahr schon in Rente gehen. Die Häuser werfen genügend Überschuss ab. Wir könnten in den Harz ziehen. Und ich wäre jeden Tag bei Dir, mein Schatzzzzzz!"

Viktoria schaute ihren Mann mit großen Augen an. Lachte laut auf. "Spinnst Du? Das ist ja wohl ein Scherz!"

"Machen diese braunen Augen Scherze? Schau Dir die Welt da draußen doch an! Ließ die Zeitung! Ich meine die Richtigen! Und ließ zwischen den Zeilen! Das wird doch alles noch viel schlimmer! Was meinst Du, warum ich das alles mache? Wir müssen unabhängig sein. Von dem System. Vor allem von den Banken. Du hast doch gesehen, was in Griechenland passiert ist! Ein Knopfdruck und das war es mit dem Guthaben auf Deinem Konto!
Oder dieser ganze GenScheiß! Ich möchte, dass wir unser eigenes Gemüse anbauen. Woher kommen denn wohl die ganzen Krankheiten? Ich habe uns schon ein Grundstück heraus gesucht. Es hat sogar einen eigenen Brunnen!"

"Du meinst das wirklich ernst?"

"Natürlich, mein Schatz. Ich will doch nur, dass wir für immer zusammen sind. Wir brauchen die anderen nicht."

Viktoria wurde bei diesem Gedanken übel. Rente?!?! Das Leben ging doch jetzt erst richtig los.

Sie hatte neue Freunde gefunden, hatte einen großen Bekanntenkreis und fühlte sich mittlerweile wirklich wohl in Duderstadt. Wie einsam hatte sie sich die erste Zeit in dem neuen Haus gefühlt. Von 180 auf 0!!! Der Ehemann - nach wie vor von Montag bis Freitag in Hamburg. Ihren Job in Düsseldorf - gekündigt. Freunde & Familie - zurückgelassen. Natürlich hätte sie jederzeit zu Ihnen fahren können. Aber dafür hätte sie nicht umziehen müssen.

Sie hatte keinen Job und bis auf die Schwiegermutter kannte sie niemanden. Natürlich hatte sie einen Plan. Sie würde sich selbständig machen. Wenn,... Ja wenn sie nicht endlich schwanger würde. So wie ihre Freundinnen.

"Warum willst Du überhaupt arbeiten? Mein Einkommen und der Überschuss aus den Häusern reichen doch vollkommen für uns aus! Wenn Du jeden Tag ins Fitnessstudio gehst und Dein Hintern mal auf knackige 34/36 kommt, reicht mir das auch vollkommen!" Er zwinkerte ihr zu.

Immer diese Anspielung. Viktoria hasste es. Bei 1,80 und einer Kleidergröße von 38 konnte er sich wirklich nicht beschweren. Gut, ein bisschen optimieren kann nie schaden. Sie dachte an die vielen Frauen, die er bereits vor ihr hatte. Von denen er immer noch schwärmte und die Vorzüge bis ins kleinste Detail beschrieb.

"Doch Du bist meine Traumfrau! Schließlich habe ich Dich geheiratet und Dir die Treue versprochen. Das andere ist vorbei. Das weißt Du! Du hast einen besseren Menschen aus mir gemacht, mein Schatz!"

"Er hat Recht!", dachte Viktoria dann immer. "Schließlich habe ICH das Casting 1 aus 43 gewonnen! Aber finanziell unabhängig bleibe ich trotzdem!" Das hatte sie sich vor langer Zeit geschworen.

"Was ist denn nun?“ Oliver riss sie aus ihren Erinnerungen. „Schau Dir das Exposé doch wenigstens mal an!"

Viktoria hatte das Gefühl, als würde ein großer Krake sie mit allen Armen umschlingen. So eng, dass sie keine Luft mehr bekäme... Wortlos räumte sie den Esstisch ab. "Die Wäsche ist fertig. Ich geh mal in den Keller."

*

Sie hatte inzwischen einen zweiten Firmenwagen angeschafft. So konnte Oliver nun selbst zum Bahnhof fahren. Seitdem sie weitere Aufträge angenommen hatte, wollte sie ihre Zeit nicht mehr  nach seinem Zugfahrplan abstimmen. Es riss sie immer wieder aus ihrer Arbeit heraus.

Und Viktoria fühlte sich etwas unabhängiger. Wenn Oliver alle 14 Tage seine Tochter in Braunschweig besuchte, kam sie aus ihrem Dorf sonst nicht heraus. Der Bus fuhr nur alle 2 Stunden.

Und so saß sie oft noch am Schreibtisch, wenn er nach Hause kam. "Schatz, wie lange machst Du denn noch? Ich habe Hunger!" Ein anderes Mal waren keine Socken mehr im Schrank. [Wann erfindet eigentlich endlich jemand Waschmaschinen mit integriertem Trockner, die die Kleidung zusammenfalten und ordentlich in den Schrank legen?!?!]

"Ich lege mich dann schon mal auf die Couch. Mein Tag war heute ganz schön anstrengend. Kraulst Du mich gleich? Du weißt doch, wie gerne ich das mag!"

Viktoria ging hoch zu ihm. Kraulte seinen Kopf. Nach 5 Minuten schlief er ein. Sie hatte endlich Feierabend. Trank ein Glas Wein. Sie stellte sich schlafend, wenn er aufwachte und mit ihr ins Schlafzimmer gehen wollte. Lieber lauschte sie dem ruhigen Schnurren ihrer Katze, statt den knallenden Leibeswinden, die ihrem Gatten morgens voller Wonne entwichen.

Sein Verhalten wurde immer unerträglicher. Rüpelhafter. Rücksichtsloser. Sie brauchte Ihre Intimsphäre. Wollte im Bad nichts teilen, dass sie lieber alleine tat. "Aber Schatz, wir gehören doch zusammen. Wir machen immer alles zusammen!"

Oliver Hofmann brauchte Aufmerksamkeit. Kurioserweise meldete sich immer dann seine lädierte Bandscheibe, wenn Besuch ins Haus stand und Viktoria mit Vorbereitungen beschäftigt war. Jeder Schnupfen veranlasste ihn, nach Papier und Stift zu verlangen, damit er sein Testament schreiben konnte. Anfänglich belächelte Viktoria noch seine "Shows". Er war ein guter Schauspieler.

Als im Winter rings um das Haus gelbe Flecken im Schnee zum Vorschein kamen, platze Viktoria endgültig der Kragen.
"So können wir doch Wasser sparen, mein Schatz!"

Es wunderte sie dann auch nicht mehr, als ihr Mann im Frühjahr eine Kur mit Baumrindentee startete und Gänseblümchen im Garten für seinen Salat sammelte. Dass er schon seit geraumer Zeit "heilende Tinkturen" zusammen braute und an eigener Munition für seine Waffen experimentierte, gehörte schon zur Normalität.

Jetzt aber war der Zeitpunkt gekommen, an dem sie Oliver, ihren einstigen Traummann, nicht mehr ernst nehmen konnte.
Aber unterschätzen sollte sie ihn auch nicht. Oliver war Sportschütze.

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nani
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

Alter: 42
Beiträge: 5
Wohnort: Niedersachsen


BeitragVerfasst am: 16.05.2015 21:50    Titel: Eure Feedbacks... pdf-Datei Antworten mit Zitat

...sind wirklich toll. Herzlichen Dank!

Ich habe jetzt den Rest dessen eingestellt, was ich in den letzten 2 Tagen geschrieben habe. Es ist also noch super frisch, vollkommen unüberarbeitet und das erste Mal, dass ich etwas in die Öffentlichkeit gebe.

Wie schon gesagt, nehme ich die Anregungen gerne auf und feile noch ein bisschen weiter.

Für den Anfang wollte ich zunächst die ganzen Ideen unterbringen, die mir durch den Kopf gehen.

Zum Thema "Gefühle/ Beschriebungen" von Viktoria:
Meine Überlegung ist, ihre Erlebnisse dann im Tagebuch-Charakter darzustellen. Das ist für meinen GEschmack direkter als eine Beschreibung von außen. Schließlich hat diese "Tussi" auch Gefühle! Wink

Bezüglich der KrankenhausSzene:
Die Szene ist in Anlehnung aus der Praxis geschrieben; eine Freundin von mir ist Ärztin. Bei sehr unklarer Diagnose, wie es hier möglicherweise der Fall ist, werden KEINE Schmerzmittel gegeben, wenn im Zweifel die Nebenwirkungen zu hoch sind oder zustätzliche Sympthome entstehen können! (Dr. House lässt grüßen!!!) Wink
Auf der Gynäkologischen Abteilung werden AUCH Krebspatientinnen behandelt, insbesondere mit Brustkrebs.
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 16.05.2015 22:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nani,

mich scheinst du auch missverstanden zu haben.
Mit "Ich möchte mehr darüber erfahren" meine ich nicht eine Neugierde auf den Rest, sondern mein Interesse an einer überarbeiteten Version, in der man mehr über die Charaktere und ihre Gefühlswelt erfährt.
Im Laden hätte ich das Buch genauso wieder weggelegt wie Paradigma, noch bevor die Taxiszene zu Ende ist.
Ich kann mich in keine der Personen hinein versetzen. Das fehlt mir.
Ich muss die Protas nicht mögen, aber für mich sollte eine Verbindung da sein. Irgendetwas abseits der trockenen Handlung, das mich dazu bringt weiter zu lesen, zu fühlen und die Geschichte zu verstehen.

Meine Gedanken zu deiner Fortsetzung:

Zitat:
Oliver trat an das Bett seiner Frau. "Mir geht es wahnsinnig schlecht. Ich mache mir solche Sorgen um Dich! Was sagen die Ärzte? Hast Du schon Deine Blutwerte? Und was ist mit den Leberwerten?"   

Kein normaler Mensch redet so. Ganz unabhängig davon was für verschiedene Vorstellungen man von einer Ehe und dem Miteinander hat, würde wohl jeder vernünftige Mensch mit dem Arzt selbst sprechen, um etwas über den Gesundheitszustand seines Partners zu erfahren.
Wenn es natürlich deine Absicht ist den Mann so darzustellen, ist es eben so.
Oder möchte er vlt. sogar auf sich selbst lenken und ihr bewusst machen, wie schlecht es IHM dabei geht? Braucht er diese Form der Aufmerksamkeit?

Zitat:
Mein Schatz, aber Du musst doch wieder zu Kräften kommen!"   

Den Satz finde ich furchtbar gekünstelt.

Zitat:
"Das würde ich auch, wenn Du mich endlich in Ruhe lässt! Deine ständigen sms heute waren auch nicht gerade förderlich. Ich habe Dir gesagt, ich melde mich, sobald ich etwas weiß!"
 

Also, wenn es ihr schlecht geht, darf sie ihn vom Sport abhalten, ihn nerven und anmotzen, damit er sie ins Krankenhaus fährt. Und wenn er sich mal wirklich um sie sorgt und sich regelmäßig erkundigt oder überfürsorglich ist, anstatt ihr nur Tee zu bringen, ist sie sauer?

Der Inhalt ist allein deine Entscheidung, aber in diesem Zusammenhang, mit dem, was du vorher geschrieben hast, finde ich das völlig unpassend und nicht nachvollziehbar.
Mir fehlen noch immer einige Infos, Gedanken und Emotionen.

Zitat:
  Viktorias Augen füllten sich mit Tränen und liefen stumm über ihre Wangen. Der Sommer hatte gerade erst angefangen und sie lag hier im Krankenhaus. Wie es den Katzen wohl geht?
 

Was diesen Satz angeht, schließe ich mich sohndeslupus an.
Passt für mich nicht.

Zitat:
Mit diesen Komplimenten schleppte Viktoria Hofmann sich wieder auf ihr Zimmer.   

Ich persönlich würde den Nachnamen nicht noch einmal erwähnen. Es schafft für mich eine weitere Distanz, nachdem man sie schon bis dahin "kennengelernt" hat.

Zitat:
. Ihr Darm hatte nunmehr seit 7 Tagen seine Tätigkeit eingestellt  

Meinem Wissen nach gibt es nach sechs Tagen einen ordentlichen Einlauf bei solch einem Problem.

Zitat:
war Oliver noch einmal bei ihr gewesen. Mit frisch gepressten Saft. Sie hatte ein Laugenbretzel bestellt.  

Ist er nur ihr Laufbursche? Wenn ja, warum?

Was den dritten Teil angeht, fasse ich mal zusammen.
Die Dialoge finde ich extrem oberflächlich und künstlich. Und damit meine ich nicht das emotionale Entfremden. Die Art und Weise, wie Oliver spricht, ist für mich absolut unrealistisch.
Die Unzufriedenheit von Viktoria ist mir zu statisch. Noch immer kein Gefühl.

Zitat:
Zum Thema "Gefühle/ Beschriebungen" von Viktoria:
Meine Überlegung ist, ihre Erlebnisse dann im Tagebuch-Charakter darzustellen. Das ist für meinen Geschmack direkter als eine Beschreibung von außen. Schließlich hat diese "Tussi" auch Gefühle! Wink  

Das ist eine interessante Idee.
Ist vielleicht einfach Geschmackssache.
Mir fehlen deutliche Signale ihrer und seiner Gefühle. Etwas Greifbares, das mir zeigt, was sie empfindet. Ein Zittern der Hände, wenn sie wütend ist. Ein Zusammenpressen der Lippen, Zähne aufeinander beißen, rot werden, fauchen. Irgendeine Emotion und ein dazugehöriges Bild.


Liebe Grüße,
Seraiya


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Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand eigener Erfahrungen nicht erklären kann.
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