13 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Müde


 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Einstand
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 19.04.2015 20:32    Titel: Müde eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

MÜDE

Ich schrecke hoch. Wieder der gleiche Alptraum. Wie lange liege ich hier schon? Zwei Tage. Vielleicht sind es zwei Wochen. Das Zeitgefühl ist mir abhanden gekommen. Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch den Spalt im Rollo. Mehrfache Reflexionen in zugeschwollenen Augen. Strahlen mit denen man spielen kann. Das einzige mir mögliche Spiel. Nur nicht genau hinsehen, dann sticht es heftig im Kopf und mir wird schwindelig. So sehr, dass mir wieder übel wird. Und dabei liebe ich sie so. Die Sonne, die Wärme und den Frühling. Die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten müßigen Tage auf der Terrasse.

Ich nehme wieder Medikamente. Sie werden mit jedem Tag stärker und ich immer müder. Hilflos bemerke ich, wie das Leben jetzt woanders stattfindet. Ohne mich.

Fröhliches Lachen und Stimmen höre ich von unten. Das Gekicher meiner Tochter, denke ich. Schön, sie hat Spaß. Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche. Sprechen sie über mich? Was?

Ich versuche mich zu drehen, vielleicht ein Wort deutlicher zu hören. Es gelingt mir nicht. Selbst die Arme liegen bleischwer auf der Bettdecke. Langsam formen sich Fragen in meinem Kopf. Das Denken fällt schwer. Wo bin ich, den Ort kenne ich nicht. Auf einmal bin ich unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl gelähmt zu sein. Jeder Versuch einer Bewegung ist zwecklos.

Plötzlich Gewissheit: Ich bin nicht mehr. Es gibt mich gar nicht. Es hat dieses Leben niemals gegeben. Ein Schock. Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit. In das ich bleischwer versinke. Wie kann das sein. Es fühlte sich doch gut an bis jetzt. So vertraut, dieses Leben, auf das ich gehofft hatte. Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ein ganzes Leben, was verlorenging.

Ein heißer Strom aus Liebe gerinnt im letzten Schlag meines Herzens. Ein lautes Schluchzen und ein tiefer Atemzug reißen mich hoch. Ich sitze im Dunkeln. Und bin wieder ich.

Weitere Werke von Wegbegleiter:


_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 19.04.2015 20:57    Titel: Re: Müde Antworten mit Zitat

Hallo Wegbegleiter,

zu deinem Text kann ich noch nicht viel sagen. Den muss ich noch wirken lassen.

Aber hier passt es nicht.

Wegbegleiter hat Folgendes geschrieben:
Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch den Spalt im Rollo.


Entweder ist das Rollo beschädigt und es hat einen Riss, oder du meinst Spalten neben oder unterhalb des Rollos. Oder natürlich eine Jalousie, auch das wäre denkbar.

Genug der Beckmesserei.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 19.04.2015 22:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke. Es ist ein Spalt frei unterhalb des Rollos. Prima.

_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 49
Beiträge: 1554



BeitragVerfasst am: 21.04.2015 01:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wegbegleiter,

Zuerst ein verspätetes: Willkommen im Forum!

Dein Einstand gefällt mir sehr. Mir ist noch nicht ganz klar, in welcher Situation sich die Figur befindet. Vieles deutet auf einen Traum hin, der die Enttäuschung über ein nicht gelebtes Lebens repräsentiert. Vielleicht auch die Auswirkung einer tiefen Depression oder sogar Persönlichkeitsspaltung. Ich interpretiere es mir einfach, wie es passt. Durch die gut gelungene sprachliche Gestaltung verliere ich für keinen Moment den Kontakt zum Text. Ich möchte wissen, was geschehen ist und fühle mich doch nicht enttäuscht, wenn ich erkenne, dass es im Dunklen bleibt.

Um meiner Aufgabe als Kritiker gerecht zu werden, hier ein paar Anmerkungen;

Zitat:
MÜDE

Ich schrecke hoch. Wieder der gleiche Alptraum. Wie lange liege ich hier schon? Zwei Tage. ? Vielleicht sind es zwei Wochen. Das Zeitgefühl ist mir abhanden gekommen. Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch den Spalt im Rollo. Mehrfache Reflexionen in zugeschwollenen Augen. Strahlen mit denen man spielen kann. Das einzige mir mögliche Spiel. Nur nicht genau hinsehen, dann sticht es heftig im Kopf und mir wird schwindelig. So sehr, dass mir wieder übel wird. Und dabei liebe ich sie so. ; Die Sonne, die Wärme und den Frühling. Die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten müßigen Tage auf der Terrasse.

Ich nehme wieder Medikamente. Sie werden mit jedem Tag stärker das ist etwas unsauber; Die Medikamente werden sicher nicht stärker, eher höher dosiert. und ich immer müder. Hilflos bemerke ich, wie das Leben jetzt woanders stattfindet. Ohne mich.

Fröhliches Lachen und Stimmen höre ich von unten. Da ich nicht weiß, wo die Person sich befindet, irritiert mich das "unten" Das Gekicher meiner Tochter, denke ich. Schön, sie hat Spaß. Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche. Sprechen sie über mich? Was? Worauf bezieht sich das "was"?

Ich versuche mich zu drehen, vielleicht ein Wort deutlicher zu hören. Es gelingt mir nicht. Selbst die Arme liegen bleischwer das ist leider ziemlich abgedroschen.auf der Bettdecke. Langsam formen sich Fragen in meinem Kopf. Das Denken fällt schwer. Wo bin ich, den Ort kenne ich nicht. Auf einmal bin ich "mir" oder "fühle ich mich" unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl gelähmt zu sein.? Jeder Versuch einer Bewegung ist zwecklos.

Plötzlich Gewissheit: Ich bin nicht mehr. Es gibt mich gar nicht. Es hat dieses Leben niemals gegeben. Ein Schock. Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit. In das ich bleischwer versinke. Wie kann das sein. Es fühlte sich doch gut an bis jetzt. So vertraut, dieses Leben, auf das ich gehofft hatte. Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ein ganzes Leben, was das verlorenging.

Ein heißer Strom aus Liebe gerinnt im letzten Schlag meines Herzens. Ein lautes Schluchzen und ein tiefer Atemzug reißen mich hoch. Ich sitze im Dunkeln. Und bin wieder ich. Beim letzten Satz fehlt das Subjekt. Besser mit dem vorletzten verbinden - wenn die Pause gewünscht ist, mit Bindestrich.

Alles nix, was man als falsch bezeichnen könnte; nur von meinem Gefühl her unsauber.
Davon abgesehen: ein sehr guter Einstand.

Grüße
Martin


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 21.04.2015 14:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

MÜDE

Ich schrecke hoch. Wieder der gleiche Alptraum. Wie lange liege ich hier schon? Zwei Tage. Vielleicht sind es zwei Wochen. Das Zeitgefühl ist mir abhanden gekommen. Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch das nicht ganz geschlossene Rollo. Mehrfache Reflexionen in zugeschwollenen Augen. Strahlen mit denen man spielen kann. Das einzige mir mögliche Spiel. Nur nicht genau hinsehen, dann sticht es heftig im Kopf und mir wird schwindelig. So sehr, dass mir wieder übel wird. Und dabei liebe ich sie so. Die Sonne, die Wärme und den Frühling. Die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten müßigen Tage auf der Terrasse.

Ich nehme wieder Medikamente. Die Dosierung wird mit jedem Tag stärker und ich immer müder. Hilflos bemerke ich, wie das Leben jetzt woanders stattfindet. Ohne mich.

Fröhliches Lachen und Stimmen höre ich. Das Gekicher meiner Tochter, denke ich. Schön, sie hat Spaß. Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche. Sprechen sie über mich? Was sagen sie?

Ich versuche mich zu drehen, vielleicht ein Wort deutlicher zu hören. Es gelingt mir nicht. Selbst die Arme liegen wie unbeweglich auf der Bettdecke. Langsam formen sich Fragen in meinem Kopf. Das Denken fällt schwer. Wo bin ich, den Ort kenne ich nicht. Auf einmal bin ich unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl gelähmt zu sein. Jeder Versuch einer Bewegung ist zwecklos.

Plötzlich Gewissheit: Ich bin nicht mehr. Es gibt mich gar nicht. Es hat dieses Leben niemals gegeben. Ein Schock. Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit. In das ich haltlos versinke. Wie kann das sein. Es fühlte sich doch gut an bis jetzt. So vertraut, dieses Leben, auf das ich gehofft hatte. Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ein ganzes Leben, was verlorenging.

Ein heißer Strom aus Liebe gerinnt im letzten Schlag meines Herzens. Ein lautes Schluchzen und ein tiefer Atemzug reißen mich hoch. Ich sitze im Dunkeln - und bin wieder ich.


_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 21.04.2015 15:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die guten Kritiken. Beide waren außerordentlich hilfreich,  und so habe ich gleich eine neue Version erstellt. Hoffentlich habe ich als Neuling bald die Möglichkeit, auch Texte anderer Forumsmitglieder zu lesen. Herzliche und sonnige Grüße.

_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3805

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 21.04.2015 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir sehr gut, dein Text, am Ende.
Am Anfang nicht, nach dem ersten Satz oder dem zweiten hätte ich fast gleich wieder aufgehört zu lesen, weil das nach so einem drögen Einstieg, ein bisschen wie eine etwas ziellose Schreibübung klang - zum Glück habe ich weitergelesen, denn am Ende gefällt mir das sehr gut. Wegen dieser Aufspaltung in zwei gleichwahre Wahrheiten: Der schmerzhafte Verlust von etwas, das es vielleicht nie gegeben hat. Es könnte eine Sehnsucht nach etwas Unbekanntem sein oder ein so unerträglicher Schmerz, dass nur Leugnen hilft. Und das gute am Ende: Unklar, was trauriger wäre.

Kannst du nicht irgendwie das Ende am Anfang spiegeln, so dass die Unwirklichkeit noch betont wird. Vielleicht. Oder jedenfalls irgendwie den ersten Satz ändern.

Gerne gelesen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 21.04.2015 22:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jenni! Was für eine grandiose Idee! Ich überlege. Danke. Sie wollen diese Sehnsucht stärker dargestellt wissen. Schon am Anfang. Wo es doch mit einem Alptraum losgeht. Also die Unwirklichkeit vorziehen. Schwierig. Ich überlege.

_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 21.04.2015 22:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

MÜDE 

Ich schrecke hoch. War das wieder der gleiche wiederkehrende Alptraum? Mich fröstelt. Wie schön, dass er vorbei ist. Ein tranceähnlicher Dämmerzustand, der mich jetzt erfasst. Wie lange liege ich hier schon? Zwei Tage. Vielleicht sind es zwei Wochen. Das Zeitgefühl ist mir abhanden gekommen. Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch das nicht ganz geschlossene Rollo. Mehrfache Reflexionen in zugeschwollenen Augen. Strahlen mit denen man spielen kann. Das einzige mir mögliche Spiel. Nur nicht genau hinsehen, dann sticht es heftig im Kopf und mir wird schwindelig. So sehr, dass mir wieder übel wird. Und dabei liebe ich sie so. Die Sonne, die Wärme und den Frühling. Die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten müßigen Tage auf der Terrasse. 

Ich nehme wieder Medikamente. Die Dosierung wird mit jedem Tag stärker und ich immer müder. Hilflos bemerke ich, wie das Leben jetzt woanders stattfindet. Ohne mich. 

Fröhliches Lachen und Stimmen höre ich. Das Gekicher meiner Tochter, denke ich. Schön, sie hat Spaß. Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche. Sprechen sie über mich? Was sagen sie? 

Ich versuche mich zu drehen, vielleicht ein Wort deutlicher zu hören. Es gelingt mir nicht. Selbst die Arme liegen wie unbeweglich auf der Bettdecke. Langsam formen sich Fragen in meinem Kopf. Das Denken fällt schwer. Wo bin ich, den Ort kenne ich nicht. Auf einmal bin ich unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl gelähmt zu sein. Jeder Versuch einer Bewegung ist zwecklos. 

Plötzlich Gewissheit: Ich bin nicht mehr. Es gibt mich gar nicht. Es hat dieses Leben niemals gegeben. Ein Schock. Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit. In das ich haltlos versinke. Wie kann das sein. Es fühlte sich doch gut an bis jetzt. So vertraut, dieses Leben, auf das ich gehofft hatte. Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ein ganzes Leben, was verlorenging. 

Ein heißer Strom aus Liebe gerinnt im letzten Schlag meines Herzens. Ein lautes Schluchzen und ein tiefer Atemzug reißen mich hoch. Ich sitze im Dunkeln - und bin wieder ich. 


_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 21.04.2015 23:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hab den Anfang geändert?  In die richtige Richtung? jetzt hab ich wieder 2x drin . So ein M...

Schönen Abend.


_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mogmeier
Geschlecht:männlichGrobspalter

Moderator
Alter: 45
Beiträge: 1983
Wohnort: Reutlingen


BeitragVerfasst am: 12.05.2015 02:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wegbegleiter,

den passenden Einstieg in eine Geschichte zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach, vor allem wenn man darauf bedacht ist, den Leser gleich in die Stimmung/Sphäre einer Geschichte eintauchen zu lassen.
Bei dem Anfang deiner Kurzgeschichte, zumindest in den ersten drei, vier Sätzen bleibt diese gewisse Stimmung etwas auf der Strecke. Die ganze Beschreibung darin klingt dazu noch durch solche Zusätze wie ›mich fröstelt‹ recht gestelzt, fast schon ungeschickt.
Du musst dir jetzt natürlich keinen abrechen, um hier den richtigen Einstieg zu finden. Ich für meinen Teil würde dabei sogar das Tell dem Show vorziehen, d.h. gar nicht erst probieren, hier irgendein krampfhaft hergeholtes Bild zu vermitteln. – Ich meine, jeder kennt das Gefühl, aus 'nem Alptraum aufzuwachen (die Lähmung und die Orientierungslosigkeit, wenn die letzten Szenen des Traums wieder und wieder durch den Kopf föhnen). Das muss man also nicht neu erfinden. Da würde es sich mE mehr anbieten, hierbei gleich ein ordentliches Tempo vorzulegen; den Einstieg etwas kryptischer zu gestalten – zumindest in den ersten paar Sätzen – um dadurch Orientierungslosigkeit und Ausgeliefertsein zu vermitteln. Das würde dann auch zum Rest der Geschichte passen und diesen sogar unterstreichen.

LG Mog


_________________
»Nichtstun ist besser, als mit viel Mühe nichts schaffen.«
Laotse
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 12.05.2015 23:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Verfasst am: 21/04/2015 22:41    Titel:MÜDE  ...nun der Anfang etwas "kryptischer"?

Jetzt bin ich verloren. Ich habe lang standgehalten, nun sehe ich nichts mehr. Die Augen geöffnet, kann ich im Liegen dennoch meinen Körper nicht mehr erkennen. So sehr ich mich auch bemühe. Ein schwarzes Nichts.

Irgendetwas spüre ich.  Es ist der dumpfen Rhythmus im Kopf, welcher seit Tagen den Takt meines Lebens bestimmt . Mein Mund ist trocken und eigentlich möchte ich schreien, doch es dringt kein Laut aus meiner Kehle. Ich habe Papierschnipsel im Mund. Eine Zeitung von vor zwei Jahren. Mit den letzten Erinnerungen an mich, mein Leben. Ich denke nach. Waren es schöne? Damit sie niemand findet, habe ich sie versucht aufzuessen und nun gelingt es mir nicht. Ich würge und huste. Panische Angst vor dieser Vergangenheit lässt mich hochschrecken.

War das der gleiche wiederkehrende Alptraum? Oh Gott, er ist vorbei, denke ich. Ein tranceähnlicher Dämmerzustand, der mich jetzt erfasst. Wie lange liege ich hier schon? Zwei Tage. Vielleicht sind es zwei Wochen. Das Zeitgefühl ist mir abhanden gekommen. Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch das nicht ganz geschlossene Rollo. Mehrfache Reflexionen in zugeschwollenen Augen. Strahlen mit denen man spielen kann. Das einzige mir mögliche Spiel. Nur nicht genau hinsehen, dann sticht es heftig im Kopf und mir wird schwindelig. So sehr, dass mir wieder übel wird. Und dabei liebe ich sie so. Die Sonne, die Wärme und den Frühling. Die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten müßigen Tage auf der Terrasse.  

Ich nehme wieder Medikamente. Die Dosierung wird mit jedem Tag stärker und ich immer müder. Hilflos bemerke ich, wie das Leben jetzt woanders stattfindet. Ohne mich.  

Fröhliches Lachen und Stimmen höre ich. Das Gekicher meiner Tochter, denke ich. Schön, sie hat Spaß. Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche. Sprechen sie über mich? Was sagen sie?  

Ich versuche mich zu drehen, vielleicht ein Wort deutlicher zu hören. Es gelingt mir nicht. Selbst die Arme liegen wie unbeweglich auf der Bettdecke. Langsam formen sich Fragen in meinem Kopf. Das Denken fällt schwer. Wo bin ich, den Ort kenne ich nicht. Auf einmal bin ich unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl gelähmt zu sein. Jeder Versuch einer Bewegung ist zwecklos.  

Plötzlich Gewissheit: Ich bin nicht mehr. Es gibt mich gar nicht. Es hat dieses Leben niemals gegeben. Ein Schock. Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit. In das ich haltlos versinke. Wie kann das sein. Es fühlte sich doch gut an bis jetzt. So vertraut, dieses Leben, auf das ich gehofft hatte. Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ein ganzes Leben, was verlorenging.  

Ein heißer Strom aus Liebe gerinnt im letzten Schlag meines Herzens. Ein lautes Schluchzen und ein tiefer Atemzug reißen mich hoch. Ich sitze im Dunkeln - und bin wieder ich. 


_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Gefühlsgier
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 26
Beiträge: 438
Wohnort: Worms


BeitragVerfasst am: 13.05.2015 02:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wegbegleiter,
vielen Dank für deine schöne und berührende Geschichte, in die du beeindruckend eingestiegen bist.

Ich habe mal markiert, was mit aufgefallen ist. Ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich einige deiner Sätze, die mir etwas unstimmig klangen, etwas umgeformt habe und manches auch ohne eine Anmerkung. Da entsprang vieles meinem Gefühl. Vielleicht hilft dir einiges weiter.

Zitat:
Jetzt bin ich verloren. Ich habe lang standgehalten, nun sehe ich nichts mehr. Die Augen geöffnet, kann ich im Liegen dennochmeinen Körper nicht mehr erkennen. So sehr ich mich auch bemühe. Ein schwarzes Nichts.

Es würde "zusammenhängender" klingen, wenn es die Satzstellung hier nicht so kurz wäre. Vielleicht gefällt er dir tatsächlich so besser:

Die Augen geöffnet, kann ich im Liegen dennoch meinen Körper nicht mehr erkennen, so sehr ich mich auch bemühe. Ein schwarzes Nichts.

Zitat:
Mein Mund ist trocken und eigentlich möchte ich schreien, doch es dringt kein Laut aus meiner Kehle.

"eigentlich" finde ich hier redundant, da dieses Füllsel es die Beschreibung der Situation unnötig vage macht.

Zitat:
Ich habe Papierschnipsel im Mund. Eine Zeitung von vor zwei Jahren.

Mit dieser Satzstellung werde ich irgendwie nicht so recht warm. Zwei Sätze, die hier "hingestellt" stehen, wie auch weiter oben bereits. Außerdem ist die Tatsache, dass die Zeitung genau zwei Jahr alt war, für mich eine weitere Redundanz.
Ein Vorschlag von mir:

Ich habe die Papierschnipsel einer alten Zeitung im Mund, mit den letzten Erinnerungen an mich und mein Leben

Zitat:
Waren es schöne?

In dem Fall wird "schöne" Nominalisiert und somit groß geschrieben, es bezieht sich ja ganz klar auf die Erinnerungen.

Zitat:
Damit sie niemand findet, habe ich sie versucht aufzuessen und nun gelingt es mir nicht
.
"aufzuessen" klingt unpassend. Selbst "essen" gefällt mir noch nicht so ganz. Wie wäre es mit "hinunterschlucken" oder "vernichten?". Aufgrund der Tatsache, dass deine Prota die Papierschnipsel im Mund hat, wäre bei Zweitem klar, dass sie Schnipsel "gegessen" werden.

Zitat:
Oh Gott, er ist vorbei, denke ich.

Auf die wörtliche Rede könntest du mMn verzichten, da sie irgendwie in diesem Text irgendwie deplatziert wirkt.

Zitat:
ZweiTage. Vielleicht sind es zwei Wochen

die Frage könntest du einfach auf den Leser wirken lassen, ohne sie zu beantworten.

Zitat:
Aus dem Augenwinkel sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch das nicht ganz geschlossene Rollo.

Nur aus einem Augenwinkel?
wie wäre es mit "halb offene?" oder "fast vollständig geschlossene"?

wieder ein Vorschlag:

Aus den Augenwinkeln sehe ich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne durch die fast vollständig geschlossenen Rollos mehrfach durch (meine) geschwollene(n) Augen reflektieren.

Zitat:
Strahlen, mit denen man spielen kann.


Zitat:
Das einzige mir mögliche Spiel.

Das einzige Spiel, das mir möglich ist

Zitat:
Nur nicht genau hinsehen, dann sticht es heftig im Kopf und mir wird schwindelig.So sehr, dass mir wieder übel wird

Hier hast du zwei Mal die Wiederholung des Wortes "wird" drin. Deswegen habe ich versucht, den Satz etwas zu variieren.

Wenn ich genau hinsehe, sticht es heftig in meinem Kopf und mir wird so schwindlig, dass ich Übelkeit empfinde.

Zitat:
Und dabei liebe ich sie so. Die Sonne, die Wärme und den Frühling.

"Und" ist am Satzanfang meist unnötig.

Zitat:
Die Sonne, die Wärme und den Frühling. Die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten müßigen Tage auf der Terrasse.

Für die Aufzählungen brauchst du mMn keinen weiteren Satz:

Die Sonne und ihre Wärme, den Frühling, die Spaziergänge mit meinen Lieben oder die ersten Tage auf der Terasse.

Bei der Terrasse brauchst du nicht unbedingt ein Verb und wenn, dann scheint mir "müßig" nicht treffend. Wieso empfindet deine Prota die ersten Tage auf der Terrasse als müßig?

Zitat:
Fröhliches Lachen und Stimmen,höre ich. Das Gekicher meiner Tochter, denke ich.

Deine Satzstellung gefällt mir. In der Form funktioniert das so für mich - mit dem hinzugefügten Komma.

Zitat:
Schön, sie hat Spaß.

Das wirkt mir an dieser Stelle zu "tief drin", da ich es in diesem Teil eher um die flüchtigen Eindrücke deiner Prota geht, oder?  Das würde ich an deiner Stelle weglassen.

Zitat:
Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme, so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche.

Erstens finde ich es beim Lesen etwas schade, dass der Satzteil mit dem "Geklapper" in der Küche direkt noch als Schluss des Satzes hinter die vertraute und geliebte Stimme gedrückt wird und zweitens finde ich das sehr umgangssprachliche "Geklapper" nicht passend für deinen Text. Hier haut es mich aus dem Nachspüren der von dir geschilderten Eindrücke raus. Das ist aber möglicherweise Geschmackssache.

Wie wäre es mit:

Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme, so vertraut und geliebt. In der Küche raschelte es.

Zitat:
Sprechen sie über mich? Was sagen sie?

Ob sie über mich sprechen? Was sagen sie?

Zitat:
Ich versuche mich zu drehen, vielleicht ein Wort deutlicher zu hören
.
Ich versuche mich zu drehen, um sie sie deutlicher zu hören

Zitat:
Wo bin ich, den Ort kenne ich nicht.

den Ort an dem ich bin, kenne ich nicht.
Wo bin ich? Den Ort kenne ich nicht.

Zitat:
Auf einmal bin ich unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl,gelähmt zu sein?

Ich erkannte deine Fragen manchmal nicht als solche, da wie hier ein Fragezeichen fehlt.

Mit einem Mal bin ich mir unheimlich fremd. Warum habe ich das Gefühl, gelähmt zu sein?

Zitat:
Plötzlich Gewissheit: Ich bin nicht mehr.

Mit einem Mal erreichte mich/hatte ich (die) Gewissheit: Ich bin nicht mehr.

Zitat:
Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit.In das ich haltlos versinke.

Ich bin überwältigt von einem Gefühl bodenloser Einsamkeit und versinke in ihm/ihr. [da kannst du dich entweder auf das Gefühl oder auf die Einsamkeit beziehen, passt beim Lesen beides]

Zitat:
Wie kann das sein.(?)

Das kann man aber auch weglassen.

oder:

ich frage mich, wie das sein konnte.

Zitat:
Ein ganzes Leben, was verlorenging.

Ein ganzes Leben ging verloren

Zitat:
Ein lautes Schluchzen und ein tiefer Atemzug reißen mich hoch. Ich sitze im Dunkeln - und bin wieder ich.
Was hältst du von "nach oben" statt hoch?

Okay, das sollte es erst einmal gewesen sein. Es sieht zwar nach "viel" aus, aber das sind nur Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind.

glg


_________________
"Exhaustion pays no mind to age or beauty. Like rain and earthquakes and hail and floods."
Haruki Murakami - "Dance Dance Dance"

~

Some people live in Hell
Many bastards succeed
But I, I've learned nothing
I can't even elegantly bleed
out the poison blood of failure
"Swans - Failure"

~

semidysfunktional
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Wegbegleiter
Schreiberassi


Beiträge: 46
Wohnort: Chemnitz


BeitragVerfasst am: 13.05.2015 07:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Gefühlsgier,

vielen, vielen Dank. Ich freue mich sehr über deine Kritik. Da kommt viel Arbeit auf mich zu. Ich glaube auch, dass deine Anmerkungen mir helfen werden, das Ganze zu verbessern und werde das auch tun. Im Moment versuche ich mich an einer anderen Kurzgeschichte zum katholischen Literaturwettbewerb.

LG und ein schönes Wochenende wünscht Wegbegleiter


_________________
Wir befinden uns alle auf einem Weg. Nur. Manche bleiben stehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1908
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 13.05.2015 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wehbegleiter,
mir gefällt dein Einstand wirklich. Ich bin noch gefangen in der Frage, ob dein Prota gelähmt, depressiv oder (einfach nur) von einem Albtraum geplagt ist (wobei das ständig Wiederkehrende dagegen spräche)

Im Gegensatz zu den Vorpostern mag ich deine kurzen Sätze. Sie vermitteln für mich die Stimmung viel deutlicher, als eine erklärende Version.

Manchmal hilft es, einfach umzustellen, um den Leser "drin" zu behalten.

Zitat:
Daneben ein Gemurmel, eine tiefere Stimme, so vertraut und geliebt und Geklapper in der Küche.


Vorschlag/Beispiel:

Neben Geklapper aus der Küche ein Gemurmel, eine tiefere Stimme, so vertraut und geliebt.
Dann bleibt das Bild der vertrauten Stimme haften.

Ein paar weitere kleine Anmerkungen hätte ich noch, sag doch mal Bescheid, wenn du an diesem Text weitermachen willst.

LGT


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Prosa -> Einstand Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Seite 1 von 1



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du keine Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge zu müde für mythen Perry Werkstatt 2 15.09.2018 12:26 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge SinnenSchlaf - Müde purpur Werkstatt 8 09.07.2016 06:54 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Schreiben macht müde ... Ron Swanson Eure Gewohnheiten, Schreibhemmung, Verwirrung 23 08.07.2016 15:40 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge müde Zinna Werkstatt 22 27.12.2015 23:08 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge des schöpfens müde Perry Feedback 0 08.10.2013 20:06 Letzten Beitrag anzeigen

EmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlung

von Probber

von Rufina

von Nina

von V.K.B.

von Thomas74

von Merope

von Cheetah Baby

von BlueNote

von Nina

von Cheetah Baby

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!