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Mitternacht


 

 
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 16.04.2015 23:49    Titel: Mitternacht eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Mitternacht

Um Mitternacht
höre ich das Stöhnen
der dicken Nachbarn
durchs gekippte Fenster,
sie sind am Werk
und oben leuchtet ein Stern,
möchte  heruntersteigen
zu den kleinen Töchtern,
Prinzessinnenschuh und Ungestüm,
zur schwarzweißen Katze
Mexiko am Feld und Ricco,
dem Jungen mit den Kröten,
der im Erdgeschoß wohnt.
Ich alter Zauberer stehe
am Feuer und die Kröte
in seiner Hand krallt sich fest.

Um Mitternacht ziehe ich
aus meinem großen Hut
Salbei, Minze und Beifuß,
verbrenne sie und
warte auf die reinen Augen.
Warzen auf der bebenden
Haut von Kinderfingern
gestreichelt. Schnurren.
Sie hören mich und werden leise.
Milchwolken schlucken den Stern.
Knistern der trockenen Samen,
winzige Flammen in der Glut.
Trunken gehe ich aufwärts -
träumend drei Schritte lang
(von Schattenblumes Schachtel..)


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lilli.vostry
Wortschmiedin


Beiträge: 1183
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 18.04.2015 23:41    Titel: aw:Mitternacht Antworten mit Zitat

Hallo Max1,

ich habe Dein Gedicht "Mitternacht" gelesen, es ist schon nach Mitternacht und es gefällt mir, weil es so rätselhaft, schön, skurril, aber auch traurig ist.
Ich hab noch nicht alles verstanden, schildere Dir nur mal meine Eindrücke.

Ich sehe LI der um Mitternacht allein in seiner Wohnung ist, einsam und nicht schlafen kann, Geräusche hört und an die anderen Leute im Haus denkt...

Wobei mir der Einstieg zu direkt ist im Vergleich zu den anderen, mehr nächtlich schwebenden Bildern...
Ist der Mann Alkoholiker, weil er "trunken" aufwärts drei Schritte träumend geht? Oder ist er trunken vor Sehnsucht oder seinen Erinnerungen und dem Gehört-Erlebten der anderen?

Er sieht sich als "Zauberer mit Kröte in seiner Hand", der ein Feuer entfacht, um "reine Augen" zu bekommen. Das verstehe ich nicht recht.

Ist er ein alter wunderlicher Kauz, etwas verrückt, oder steht das Feuer für die fehlende Wärme, die Kröte als einziger Gefährte.
Der ihn mit den Jungen aus dem Haus, der auch Kröten besitzt, verbindet?

Ist er sehgeschädigt oder ist es ein Ritual - reine Augen, wieder klar sehen, die dunklen Geister der Nacht vertreiben...

Die Schlusszeile und warum sie in Klammern steht, verstehe ich auch nicht.  

Dennoch gerne gelesen. Ich bin gespannt, wie Du selbst den Text siehst und andere Leser.

Gute Nacht Grüße,
Lilli


_________________
Wer schreibt, bleibt und lebt intensiver
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 23.04.2015 16:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Lilli,
Herzlichen Dank für deine Zeilen, deine Fragen zum Text!

Damit kann ich weiterarbeiten. Ich sehe, dass die Standortbestimmung des LI nicht klar ist.
Zwei Bilder flossen ineinander: die Stimmung am Feuer vor dem Haus, die Räucherungen der getrockneten Pflanzen, der reinigende Rauch, die Gerüche von Salbei, Beifuß, Brennessel, Minze, die Kinder, die zusahen mit ihren reinen Augen, der Junge mit den Kröten auf der Hand, die er streichelt.
Dann das Stöhnen aus dem Haus zu Mitternacht, das verloschene Feuer und der Stern am Himmel.
Ja, es ist rätselhaft, schön und auch traurig.
Und man kann auch trunken von Küssen das Haupt ins heilignüchterne Wasser tunken oder an eine Schachtel denken voll mit geheimnisvollen Worten, mit Gedichten, mit Glühwürmchen oder welchen Schätzen auch immer.

Geholfen hat mir dein Kommentar insoweit, dass ich über einen anderen Anfang nachdenke und über eine Verdichtung des Textes.
Wie man hier den eingestellten Text verändern kann, habe ich noch nicht herausgefunden. Zumindest müsste der veränderte Text zur besseren Rezeption vor dem Ursprungstext stehen. Ist dies hier möglich? Ich muss mich erst schlau machen.

Auf einen baldigen Besuch freut sich
Max
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6051
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 23.04.2015 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich hat dein Gedicht etwas Unheimliches.

Du kannst eine neue Version nur nach der ersten einstellen. Bevor du sie postest, hast du unten, unter deiner neuen Antwort, die Option, sie als "neue Version" zu kennzeichnen.
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 26.04.2015 20:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deinen Hinweis das Einstellen von Änderungen am Text betreffend!

Firstoffertio, kannst du dein Schaudern etwas genauer beschreiben?
Bis bald, Max
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6051
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 26.04.2015 21:33    Titel: Antworten mit Zitat

Es fällt mir schwer, sonst hätte ich es schon gleich getan.

Es ist ein bisschen wie ein schauriges Märchen. LI scheint die Unschuld der Kinder und ihrer Spiele auszunutzen und zu zerstören.
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 27.04.2015 14:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ah, ich verstehe, firstoffertio! Der Zauberer ist böse wie die Hexe bei Hänsel und Gretel und lockt die Kinder heran, um sie danach zu braten. Dabei läuft ihm schon das Wasser im Mund zusammen.
Oder der Zauberer ist ein alter, verrückter Nazi, der tausende Kinder in den Ofen schickte, und er kann von seiner Unmenschlichkeit nicht lassen, unerkannt und einsam hockt er am Feuer und wartet auf seine Beute. Der Rattenfänger von Hameln, sein heimliches Vorbild, trällert sein Lied dazu.
Du hast durch dein Schaudern den Märchenschatz gehoben, der kaum etwas dazu beitrug, dass die Menschen daraus lernten. Oder irre ich mich?

So war der Text zwar nicht gedacht, lässt sich aber weiterspinnen:

Ein kleines Feuer ist schnell entfacht,
der Alte hat’s schon oft gemacht.
Er lockt die kleinen Kinder an,
er zieht sie mit Zauberei in Bann,
mit Kröten und mit Kräutern,
möchte er sie röstend läutern.
Ein, zwei Reime spricht er leise,
das Wasser rinnt dem alten Greise
im Mund zusammen gar geschwind,
wann hatte ich bloß das letzte Kind?
Die Nachbarn frönen ihrem Triebe,
und vergessen während wilder Liebe
ihre gefährdeten Unschuldslämmer,
die braten beim Computerkrämer....
die leiden an schlechten Träumen
in ihren missbrauchten Räumen.....

Nein, so wollte ich den Text nicht verstanden wissen – hier wandelt der Zauberer nicht mit bösen Absichten, und wenn doch, muss noch etwas verwandelt werden an den Worten.
Es schaudert mich,
Max
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 05.05.2015 22:21    Titel: Mitternacht pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mitternacht


Vor Mitternacht im Garten
stehen Kinder ums Feuer,
zieht der alte Zauberer
aus seinem großen Hut
Salbei, Minze und Beifuß.
Ein Junge streichelt die Kröte
in seiner Hand, bebend
die Warzenhaut, schnurrend.

Um Mitternacht im Garten
hörbar das Stöhnen der Nachbarn
aus dem offenen Fenster,
sie sind am Werk
und oben leuchtet ein Stern,
möchte heruntersteigen.
Die trockenen Samen knistern,
zischen erwidernd in der Glut..

Nach Mitternacht
schläft das Haus sonderbar leise.
Milchwolken schlucken den Stern.
Ein Rehbock schreit heiser.
Die reinen Augen warten.
Trunken geht er aufwärts,
träumend drei Schritte lang
von Frühling und Niederkunft.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6051
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 05.05.2015 22:57    Titel: Antworten mit Zitat

Das wirkt jetzt total anders auf mich.
Ich fühle mich an Nächte draußen, als Kind oder später, erinnert, in denen ich die Welt intensiv als neu und eigenartig märchenhaft interessant wahrgenommen habe
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SPG
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 17
Wohnort: Österreich


BeitragVerfasst am: 06.05.2015 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

ja die beiden Texte wirken sehr unterschiedlich
der erste ist viel geheimnisvoller, lässt Spielraum für Spekulationen und das finde ich gut so
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 23.06.2015 22:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Euch beiden, Firstoffertio und SPG sprich Espege, für Eure Zusprüche.

Ich kann ganz gut beide Versionen in ihrer Unterschiedlichkeit so stehen lassen.
Es sind Momentaufnahmen, zwei Dias, die übereinander gelegt wurden und so ein neues Bild erzeugen. Der Ruf nach Feinschliff kann somit verhallen.

Max
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 65
Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 24.06.2015 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Max1,
mir gefiel die erste Version bei weitem besser.
Ich muss zwar gestehen, dass ich beim Lesen ganz ganz manchmal unsicher wurde, wie denn der alte Zauberer einzuschätzen ist, aber das aufkeimende Misstrauen wurde auch schnell wieder aufgelöst durch die gewählten Bilder.
Ich fand dann diese Zwischenzone zwischen einer positiven Gestalt, die eine gewisse Macht besitzt durch ihre Zauberkräfte, und dadurch auch mit ja, Distanz oder Hochachtung gesehen wird, und ihrer grundlegenden Güte gerade ganz spannend.
Sind doch die wirklich spannenden und interessanten  Gestalten aus Märchen, Fantasyromanen etc. nie einfach nur völlig gut, sondern eben auch fremd, ungewiss in ihrem Tun.
Und diese Verwandlung aus einem recht profanen lyrischen Ich, das sich durch das Lebesgeschnauf der dicken Nachbran gestört (vielleicht zu stark ausgedrückt) fühlt, hin zu dem Zauberer, der Kinderaugen und seine eigenen vielleicht auch rein macht und die Seelen beruhigt, die kriegst du durch den Beginn sehr gut hin.

So lese ich das zumindest, aber es ist ja eigentlich auch egal, ob du das so eins zu eins gemeint hast.
Ich mocht es furchtbar gerne.

Wirklich schöne Bilder hier zum Beispiel:

Zitat:
und oben leuchtet ein Stern,
möchte heruntersteigen
zu den kleinen Töchtern,
Prinzessinnenschuh und Ungestüm,
zur schwarzweißen Katze
Mexiko am Feld und Ricco,
dem Jungen mit den Kröten,
der im Erdgeschoß wohnt.


Zitat:
Milchwolken schlucken den Stern.


Zitat:
Trunken gehe ich aufwärts -
träumend drei Schritte lang
(von Schattenblumes Schachtel..)


Das sind meine Lieblingsstellen.
Was du aus meiner Sicht gut hinkriegst, das sind die märchenhaften, poetischen Bilder mit denen du eine Traumstimmung erzeugst.

Viele Grüße R. Zufall
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Max1
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 34



BeitragVerfasst am: 24.06.2015 22:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe R. Zufall,

deine Bevorzugung der ersten Version kann ich verstehen, da sie näher dran ist am Moment  und damit ursprünglicher und authentischer wirkt als die überarbeitete.
Es freut mich sehr, dass dich dabei einige Passagen zum Träumen anregen, ja, in solch träumerisch anmutender Stimmung sieht auch der alte Zauberer die Lust  als Bestätigung des Daseins, könnte doch ein Stern dadurch herabfallen und zu einem Erdennachbarn werden. Bestätigung im natürlichen Drang des Lebens, sich neu zu erschaffen zur Freude aller. Wer nimmt es wahr?
Ich danke dir für deine wohltuenden Worte und grüße herzlich zurück,
Max
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