12 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


Fünf Minuten Ewigkeit im Jahr 1929

 
Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Postkartenprosa 03/2015
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
sleepless_lives
Geschlecht:männlichSchall und Wahn

Moderator
Alter: 54
Beiträge: 6596
Wohnort: Guildford, UK
DSFo-Sponsor Ei 4
Pokapro und Lezepo 2014 Pokapro VI


BeitragVerfasst am: 08.03.2015 19:00    Titel: Fünf Minuten Ewigkeit im Jahr 1929 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fünf Minuten Ewigkeit im Jahr 1929

Das Rumpeln der Elektrischen draußen verliert sich so unmerklich und unaufdringlich, wie es gekommen ist. Das Leben sei derart, sagt Judith, auf der Treppe sitzend, neben Hans, die Stille im Mietshaus von einer dunklen Farbe wie die Pfosten des abgegriffenen Holzgeländers, Judith ihren Kopf dagegen gelehnt, nach unten sehend, und Hans kann nicht verorten, was sie meint: das Warten auf den entfernten Verwandten mit dem Schlüssel oder die Tür mit der unbekannten Wohnung dahinter oder das milchige Licht, das sich durch die rußigen Dachfenster müht und auf dem Weg nach unten gefressen wird von unsichtbaren Schichten aus Bohnerwachs, gekochtem Kohl und stumpfer Abgestandenheit.
Wie die Treppe sei das Leben, sagt Judith und Hans beugt sich über ihre nackten Knie und blickt in die Windungen der Treppe, wie die sich zur einer Ahnung von Steinfußboden nach unten schrauben, gleichmäßig sich wiederholend, wie die Segmente eines Tausendfüßlers, wie im Inneren des Tieres. Man geht Schritt für Schritt weiter, sagt Judith, nicht wahr, rackert sich ab, Stufe um Stufe, bewegt sich vorwärts, wird alt dabei. Und am Ende sieht man, dass man nie wirklich vom Fleck gekommen ist. Immer nur im Kreis herum.   
Die Sonne flammt auf, irgendwo oben, nicht sichtbar, und die Dachfenster verdoppeln sich als Lichtmuster an der Wand. Verlöschen wieder. Hans setzt sich gerade hin, sagt, wir sind nicht alt. Eher an die gegenüberliegende Wand gerichtet, die Worte, an das Halbdunkel, die Wasserflecken. Ganz und gar nicht, denkt er. Keine heimliche Zugfahrt im Morgengrauen von Wismar nach Berlin. Unsere Familien könnten uns nichts verbieten.
Noch nicht, bestätigt Judith, aber wir werden es werden, zusammen, und sie legt ihren Kopf an seinen, dreht das Gesicht zu ihm, ihr Atem, ihre Lippen an seinem Hals, warm, aufreizend, und da ist eine Unstimmigkeit zwischen Judiths inniger Anwesenheit und etwas, das in der Dämmerung des Treppengefälles zu lauern scheint, wie ein bösartiger Dämon, wie eine auswärts gerichtete Fliehkraft, machtvoll genug, Gebäude auseinanderzureißen, genug, Welten auseinanderzureißen, Leben.
Und Hans sagt: Ich hoffe, dass es so sein wird. Das Leben. Wie die Treppe.
Judith schaut ihn mit großen Augen an.

Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 55
Beiträge: 600

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 08.03.2015 20:53    Titel: Antworten mit Zitat

Dicht, atmosphärisch, düster und sehr anrührend. Man wünscht den beiden, dass sie zusammen alt geworden sind, obwohl man Übles ahnt. Ich sehe sie vor mir sitzen und möchte mitsprechen vom mühsamen Ersteigen einer Wendeltreppe, die sich doch immerhin nach oben schraubt ... sicher einer meiner Favoriten.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Belfort
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 651
Wohnort: tief im Herzen


BeitragVerfasst am: 08.03.2015 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

.. schön!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

Alter: 65
Beiträge: 5412
Wohnort: ebenda
DSFo-Sponsor Ei 10


BeitragVerfasst am: 09.03.2015 16:56    Titel: Antworten mit Zitat

gut.

_________________
es sind die Krähen
die zetern
in wogenden Zedern

Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

Alter: 65
Beiträge: 5412
Wohnort: ebenda
DSFo-Sponsor Ei 10


BeitragVerfasst am: 09.03.2015 16:56    Titel: Antworten mit Zitat

Doppelpost

_________________
es sind die Krähen
die zetern
in wogenden Zedern

Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 09.03.2015 20:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo SpiralSchreibfeder,

Gehört zu den sprachlich besten Texten. Ich fühle mich in die Zeit versetzt, die dein Titel mir verspricht. Sehr gut gelungen.

Ein Lesegenuss:

Zitat:
oder das milchige Licht, das sich durch die rußigen Dachfenster müht und auf dem Weg nach unten gefressen wird von unsichtbaren Schichten aus Bohnerwachs, gekochtem Kohl und stumpfer Abgestandenheit.


Oder das hier, trotz des, wie ich meine, kleinen Fehlers.
Zitat:
Wie die Treppe sei das Leben, sagt Judith und Hans beugt sich über ihre nackten Knie und blickt in die Windungen der Treppe, wie die sich zur einer Ahnung von Steinfußboden nach unten schrauben, gleichmäßig sich wiederholend, wie die Segmente eines Tausendfüßlers, wie im Inneren des Tieres. Man geht Schritt für Schritt weiter, sagt Judith, nicht wahr, rackert sich ab, Stufe um Stufe, bewegt sich vorwärts, wird alt dabei. Und am Ende sieht man, dass man nie wirklich vom Fleck gekommen ist.


Nur das klingt eher nach japanischem Manga Twisted Evil
Zitat:
Judith schaut ihn mit großen Augen an.



6 Punkte


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 09.03.2015 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Judith ist jung und voller Lust auf das Leben und sorgt sich in jugendlicher Weisheit darum, ob das Leben ihre Sehnsüchte überhaupt erfüllen kann. Die Treppenspirale symbolisiert in ihrer Gleichförmigkeit für sie Begrenzung. Für Hans symbolisiert sie wünschenswerte Sicherheit und Vorhersehbarkeit, die er bedroht sieht - und das zurecht, denn sie sind "Hans" und "Judith", und es ist 1929, das kann ja nicht gut ausgehen. Fünf Minuten Ewigkeit in trügerischer Vorhersehbarkeit - oder in trügerischer Unvorhersehbarkeit, je nach Betrachtungsweise. Das ist schön.

Das Bild ist auch wunderschön, wie die beiden da sitzen, stimmungsvoll, ein bisschen staubig und so 1929 - authentisch will ich sagen. Alles passt da, selbst der Vergleich mit dem Inneren eines Tausendfüßlers - weiß man, wie es in einem Tausendfüßler aussieht? - erstaunlicherweise ja, verschafft es Bilder. Was soll ich sagen, du kannst es halt.
Und jetzt gebe ich dir einfach so 12 Punkte, wa, für die Lichtjahre, die sprachlich zwischen diesem und anderen Texten liegen?* Auch, wenn ich damit zu meinem Verderben beitrage, so meine Vermutung stimmt? Aber dafür darf ich deine schönen Sätze noch ein paarmal lesen, damit sich das lohnt.

* Ja. nun. So ist es.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

Alter: 65
Beiträge: 5412
Wohnort: ebenda
DSFo-Sponsor Ei 10


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 08:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Inko,
dann werde ich mal in medias res gehen.

Zitat:
Das Rumpeln der Elektrischen draußen verliert sich so unmerklich und unaufdringlich, wie es gekommen ist.


der Ausdruck "die Elektrische" gefällt mir nicht. Ebenso nicht:
Zitat:
Das Leben sei derart, sagt Judith,


und:

Zitat:
die Stille im Mietshaus von einer dunklen Farbe wie die Pfosten des abgegriffenen Holzgeländers, Judith ihren Kopf dagegen gelehnt, nach unten sehend, und Hans kann nicht verorten, was sie meint: das Warten auf den entfernten Verwandten mit dem Schlüssel oder die Tür mit der unbekannten Wohnung dahinter oder das milchige Licht, das sich durch die rußigen Dachfenster müht und auf dem Weg nach unten gefressen wird von unsichtbaren Schichten aus Bohnerwachs, gekochtem Kohl und stumpfer Abgestandenheit.


Das ist für meine Begriffe ein Satzungetüm und das finde ich schade, da du die Stimmung sehr eindrucksvoll beschreibst. Diese Zeichnung der verschiedenen Szenarien wirkt durch das Oder abgehackt. Bei mir kommt es so an, als ob du dir keine Zeit genommen oder keine Idee gehabt hast, wie du diese Stimmungsbilder aneinander reihen kannst.

Zitat:

Wie die Treppe sei das Leben, sagt Judith und Hans beugt sich über ihre nackten Knie und blickt in die Windungen der Treppe, wie die sich zur einer Ahnung von Steinfußboden nach unten schrauben, gleichmäßig sich wiederholend, wie die Segmente eines Tausendfüßlers, wie im Inneren des Tieres.



das Wiederholen des "Wie" finde ich ebenso unschön.

Deine Bilder und Metaphern finde ich wunderbar und es ist jammerschade, dass der Anfang verpatzt ist.

Trotzdem vier Punkte.

LG gold


_________________
es sind die Krähen
die zetern
in wogenden Zedern

Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 64
Beiträge: 803

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 09:27    Titel: Antworten mit Zitat

Also dein Text hat sich definitiv wegen seiner schönen Sprache in mein Herz geschlichen.
Schon mit dem ersten Satz hast du mich eingefangen und dann bist du mich auch nicht mehr losgeworden.
Sehr schöner ruhiger Text, der eindringlich und in schönen Bildern beschreibt, welch unterschiedliche Vorstellungen vom Leben Menschen haben können.
Am Ende deutest du an, wie der Unterschied zwischen beiden sich zu einem sehr harschen und tiefen Konflikt verschärfen könnte. Mit dem letzten Satz hast du das noch einmal pointiert. Gleichzeitig aber auch versöhnlich gemacht.
Man kann sich ein bisschen verlieren in den Lichtbeschreibungen
Also echt wunderwunderschön. Ich glaube, ich bin ein bisschen verliebt in deinen Text.
LG Zufall
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 56
Beiträge: 2915
Wohnort: Wangen im Allgäu


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 10:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Ich nehme an: Judith ist Jüdin. In spätestens fünf bis sechs Jahren wird es also recht ungemütlich für die zwei.
Wobei auch 1929 keine gute Zeit war. Schwarzer Freitag und Weltwirtschaftskrise. Ich konnte den Kohl fast riechen.


_________________
Every Woman needs a chainsaw for a Valentine.
original: Lapidar
Great minds discuss ideas. Average minds discuss events. Small minds discuss people. Anonym.
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
"Plotpourri - kleiner Krimineller Ratgeber"
"Tod am Hexenwasser"
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Zwei sind geflohen oder wollen fliehen. Oder? Ich werde nicht ganz schlau aus dieser Treppenszene, die bildhaft und präzise eingefangen ist. Jedes Wort scheint sorgfältig abgewogen. Nur der Kohl riecht abgestanden, und auch das Bild des Kohlgeruchs ist andernorts schon etwas zu oft verwendet worden. Gibt es da etwas Originelleres?
Ein stilles Bild mit einer undramatischen Wendung am Schluss, die alles offen und mich zufrieden zurücklässt. Danke, gern gelesen!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 13:47    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

die Themenvorgabe sehe ich in der Treppe und der Spirale des Lebens als zentralen Kern erfüllt. Sprachlich gefällt mir dein Beitrag, auch wenn du konsequent auf das Markieren der direkten Rede verzichtet hast und eine hohe Wiederholungsquote durch "wie" eingeleitete Vergleiche hast.

Ein Vertipper hat sich eingeschlichen:
Zitat:
Wie die Treppe sei das Leben, sagt Judith und Hans beugt sich über ihre nackten Knie und blickt in die Windungen der Treppe, wie die sich zur einer Ahnung von Steinfußboden nach unten schrauben...


Welche Bedeutung der Titel und die Jahreszahl im Kontext der Geschichte hat, erschließt sich mir (noch) nicht.

Im Vergleich zu den anderen Beiträgen, hast du es in meine Top 10 geschafft: trois points.

Merci beaucoup!

LG,
Constantine
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Magnus Soter
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 59
Beiträge: 291



BeitragVerfasst am: 10.03.2015 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text ist beinahe unlesbar. Ich bin nicht bereit, mich bis zum Ende durchzukämpfen.

_________________
Ich bin der Klaus. lol2
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1755
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 15:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Ich weiß nicht. Irgend etwas überzeugt mich hier nicht. Warum ausgerechnet 1929? Warum Wismar-Berlin? Okay, der Altbau, die sonnendurchleuchteten Dachfenster, das wendelnde Holzgeländer, selbst die Ortsangaben ergeben zusammen ein recht atmosphärisches Setting.

...

1929 - das sind nicht wirklich ruhige Zeiten und man kann in dieser Geschichte natürlich ahnen, was das Auseinanderreißen der Welten sein wird. Aber die genaue Jahreszahl irritiert mich und dass Judith nun ausgerechnet als junge Frau mit Hans auf dieser Treppe sitzend sich einen gleichförmigen Alltagstrott (das Abrackern und auf der Stelle stehen) wünschen soll, das überzeugt mich nicht.

Die Spiralform, ja. In medias res, ja. Gut zu lesen ist es auch. Das Setting atmosphärisch. Und gehört trotzdem nicht zu meinen Favoriten.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 10.03.2015 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt eine Liste, aus deren Bewertungspunkten ich die wichtigen Sachen herausgreife, völlig subjektiv eingefärbt natürlich. Letztlich waren es Einzelheiten, die die bepunkteten Texte aus den guten herausragen ließen.


Einen Punkt.

Schöne Geschichte, mir allerdings zu lange Sätze.

Grüße
tronde
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Lionne
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 44
Beiträge: 455

Ei 8


BeitragVerfasst am: 11.03.2015 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Nachdenkenswerte Behauptung, die Judith in die Welt setzt. Ich versteh die Schlussfolgerung nicht ganz. Leben = Treppe = Anstrenung um Stufen zu erklimmen = doch immer am selben Fleck bleiben? Weshalb? Weil es eine Wendeltreppe ist, man also nur höher, aber nicht weiter kommt?
Hans' Antwort wäre dann eine Liebeserklärung. Falls ich das alles richtig versteh Wink
Gibt bestimmt Punkte für die Stimmung, die du da zu erzeugen vermagst.


_________________
Wenn wir in uns selbst ein Bedürfnis entdecken, das durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann, dann können wir daraus schließen, dass wir für eine andere Welt erschaffen sind.
C.S. Lewis
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
anuphti
Geschlecht:weiblichTrostkeks

Alter: 53
Beiträge: 3701
Wohnort: Isarstrand
DSFo-Sponsor Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 11.03.2015 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Mein vierter Platz.

Unglaublich schöne dichte Bilder und Formulierungen, historisch eingebettet und eine Liebesgeschichte in Berlin.
Die Treppenspirale als Motiv und der Vergleich zum Leben ist das, was mir zu bekannt, nicht überraschend genug dafür ist, dass Du gewonnen hättest.

Aber trotzdem, eine besondere Kraft mit Worten zu malen, man kann den Duft in diesem Mietshaus förmlich mit den Händen greifen. Sehr gerne gelesen!

7 Punkte sept points

LG
Nuff


_________________
Learn from the mistakes of others. You don´t live long enough to make all of them yourself. (Eleanor Roosevelt)

You don´t have to fight to live as you wish; live as you wish and pay whatever price is required. (Richard Bach)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 11.03.2015 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Sprachlich zum Tel etwas sperrig, überkonstruiert wirkend, dabei jedoch, hier und da beim wiederholten Lesen erst, klar auf den Punkt gebracht, nicht schlecht, gefallend.

_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 49
Beiträge: 1315
Wohnort: Gera/Markkleeberg
DSFo-Sponsor Goldene Harfe


BeitragVerfasst am: 12.03.2015 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Autorin/lieber Autor,

Dein Text hat es nicht in meine persönlichen Top10 geschafft, das hat aber nix zu bedeutetn, denn möglicherweise bist Du nur knapp dran vorbeigeschrammt und andere Leser sehen das ganz anders.

Das Thema "Spiralen" ist für mich mit den verschwurbelten Bandwurmsätzen erfüllt. Der Inhalt des Textes erschließt sich mir leider nicht. Die Stimmung ist trostlos.

LG, Claudia
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Kateli
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 42
Beiträge: 258
Wohnort: D-Süd
Das goldene Gleis


BeitragVerfasst am: 13.03.2015 11:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich lese das Jahr im Titel, dann die Namen Judith und Hans und hab sofort einen Verdacht, wo es hingeht ...
Genau wie Hans in deiner Geschichte, den eine dunkle, dunkle Vorahnung streift, gespiegelt im Dunkel der sich weiter unten im Treppenhaus verlierenden Stufen.

Respekt, hast du feinfühlig umgesetzt, kaum was ausgesprochen, vieles nur angedeutet, und trotzdem ist sonnenklar, worum es geht.
Ich mag den Text auch gar nicht zerreden. Nur eines: Es passt zwar zu der Zeit, in der er angesiedelt ist, aber manche Sätze fand ich fast zu lang und vom Satzbau her zu verschachtelt. Nichts daran ist verkehrt, und das trägt einen Teil zur Authentizität des Settings bei, es geht nur um mein ganz persönliches Lesegefühl. An manchen Stellen war es too much. Ich gebe dir ein Beispiel aus dem Text, wo ich dreimal nachlesen musste, wie der Satz anfing, ohne wirklich schlauer zu werden.

"Das Leben sei derart, sagt Judith, auf der Treppe sitzend, neben Hans, die Stille im Mietshaus von einer dunklen Farbe wie die Pfosten des abgegriffenen Holzgeländers, Judith ihren Kopf dagegen gelehnt, nach unten sehend, und Hans kann nicht verorten, was sie meint: das Warten auf den entfernten Verwandten mit dem Schlüssel oder die Tür mit der unbekannten Wohnung dahinter oder das milchige Licht, das sich durch die rußigen Dachfenster müht und auf dem Weg nach unten gefressen wird von unsichtbaren Schichten aus Bohnerwachs, gekochtem Kohl und stumpfer Abgestandenheit. "

Nach dem "derart" am Anfang erwartete ich irgendwie ein "dass" oder was anderes Weiterführendes, aber erst im nächsten Satz erklärt es sich. Und der kommt erst verdammt viel später.

Aber vielleicht hat auch nur mein Hirn hier einen Knoten.

Fazit: Gelungene, feine Geschichte mit namenlosem, noch unterschwelligem Grauen. Die Spirale in der Treppe, im Leben, in den Ereignissen aus dem Jahr 1929, die mit zu einer großen, weltweiten Wendung führten. Ich werte erst, wenn ich alle Texte kommentiert habe.


_________________
Zombies just want hugs
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Amaryllis
Geschlecht:weiblichForenschmetterling

Alter: 33
Beiträge: 2001

Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 13.03.2015 13:04    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Inko,

leider hat es dein Text für mich nicht in die Punkteränge geschafft. Für mich ist in diesem Text zu wenig Handlung und er ist mir, was die Sprachbilder anbelangt, auch einfach zu dicht.

Es ist jetzt nicht so, dass ich den Text per se schlecht finden würde, weil mir einzelne Bilder ganz gut gefallen (die Segmente des Tausendfüßlers zum Beispiel). Aber in der Masse geht für mich der Bezug zu den Protagonisten verloren.

Kann es übrigens sein, dass du im ersten Satz ein Wort vergessen hast? Was die "Elektrische/n" ist, weiß ich nämlich nicht.

Tut mir leid, dass ich kein besseres Feedback für dich habe, ich hoffe, du kannst trotzdem etwas damit anfangen.

Liebe Grüße,
Ama


_________________
Mein Leben ist ein Scherbenhaufen...
Aber ich bin der Fakir.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5664
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 13.03.2015 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fange mal an zu kommentieren in der Prosa. Werde sicher nicht alle Texte hinbekommen, geschweige denn zum Bewerten. Wenn ich dazukaeme, wäre das einer meiner Favoriten.

Sehr gut finde ich das Bild mit der sich nach unten bewegenden Spirale (Treppe). Auf der anderen Seite oszilliert sie mit einer Spirale in der Ebene, aus der man sich nicht hinaus bewegt.

Der Text grenzt mit seinem Fehlen von Handlung fast an eine Momentaufnahme. Aber ich mag ihn sehr.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Postkartenprosa 03/2015 Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
Seite 1 von 4



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge 47 Minuten -Prolog oder eigenständige... Kaja_Fantasy Einstand 36 03.08.2018 21:22 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Fünf Minuten nach midnight noon Stimmgabel Postkartenprosa 34 06.05.2018 18:00 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Das Geheimnis der Engel (Die ersten 5... Havanaya Drehbuch 4 02.05.2018 17:56 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Noch zwanzig Minuten für Anouk Tjana 11. FFF 27 01.10.2017 18:00 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Von Ewigkeit zu Ewigkeit Literättin Zehntausend 11/2016 52 01.12.2016 19:00 Letzten Beitrag anzeigen

EmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlungBuchBuchEmpfehlungEmpfehlungEmpfehlung

von Merope

von Ruth

von Oktoberkatze

von Maestro

von EdgarAllanPoe

von hexsaa

von Bananenfischin

von Keren

von KeTam

von jon

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!