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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz.


 

 
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lenchen
Abc-Schütze


Beiträge: 6
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BeitragVerfasst am: 14.02.2015 00:45    Titel: U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz. Am Süßigkeitenautomaten. 2 Minuten bis zur U-Bahn. Sie stand unschlüssig davor. Sollte sie sich für eine kleine Packung Chips entscheiden würden ihr die Finger fettig und eglik werden; bis sie sich zu Hause die Hände waschen können würde, dauerte es noch ein Weilchen. Sollte sie die Schokolade nehmen, würde ihr Appetit nach etwas salzigem nicht gestillt werden. Eigentlich war sie eh schon satt. Während sie überlegte umschloss sie in ihrer rechten Hand fest ein 2 € Stück, mit dem sie bezahlen wollte und steckte es schließlich in den dafür vorgesehenen Schlitz. Kurz darauf sah man hinter dem Glas einen Bounty herunter fallen und ein 1 € Stück klingelte in dem Restgeldfach.
Wie alt sie wohl war, vielleicht ein bisschen älter als ich. Mitte 20, vielleicht sogar schon fast 30. Jedenfalls sah sie aus, als käme sie gerade von der Arbeit aus dem Büro. Dieser typisch bedeutungslose Stil: Blazer, T-Shirt, enge Jeans- ihr wisst was ich meine. Dabei hatte sie sich in Wahrheit schick gemacht, kam von der ersten Verabredung, seit sie hierhergezogen war.
Die U-Bahn fährt ein. Der Gang auf ihren hohen Schuhen, die sie angezogen hatte um ihre Verabredung zu beeindrucken, Richtung U-Bahn-Tür, sah etwas holbrig aus.
Ich setzte mich ihr gegenüber. Gerade hatte sie ihr Bounty aufgerissen: fein säuberlich, mit ihren Fingern nur das Papier berührend, biss sie ein Stückchen ab. Und hinter ihr, sie konnte es nicht sehen sprang im letzten Moment noch eine Obdachlose in den Wagen. Ich möchte diese Obdachlose Rita nennen. Vielleicht hieß sie tatsächlich so, denn die verschlissene Jacke, die sie trug, zeigte quer über den Rücken den Schriftzug „Rita“, in neon grün auf schwarz. Wie alle Obdachlosen wartete auch Rita einen kurzen Moment, nämliche bis die U-Bahn-Türen sich schlossen und der Zug mit einem kleinen Ruck begann zu rollen. Eine Station. Das ist nicht viel Zeit. Rita begann zu sprechen.

Die Frau, die ich beobachtete, nannte dieses Sprechen innerlich und heimlich manchmal Pennerpredigt. Immer auf die gleiche Weise und oft so schnell runtergeleiert wie einen Psalm, ein Gebet oder das Vaterunser, weil man es schon so oft gesagt hat, schon so oft gesprochen hat, dass die Wörter ineinander zerfließen. Ich glaube schon fast bevor, Rita sich begann zu entschuldigen für sich selbst, ihre Armut und für die anderen Obdachlosen, da spührte die Frau den einen Euro, den sie noch in ihrer Jackentasche hatte. Restgeld. Restgeld von dem Bounty den sie bereits zu einem Drittel gegessen hatte. Vielleicht würde sie den einen Euro ja eh verlieren. Und er war schon in ihrer Hand, sie musste nicht danach suchen. Lange dachte sie nicht nach, sie hatte Rita nicht einmal angesehen. Sie drehte sich um und gab Rita einen Euro. Rita strahlte und bedankte sich, aber redete sogleich weiter, vielleicht erhöhte das Handeln der Frau die Wahrscheinlichkeit das sie auch noch andere Geber finden würde.
Die Mildtätige selbst, war erhaben, für ein paar Sekunden. Sie war ein guter Mensch, man sah es ihrem Gesicht an. Sie war so überzeugt. Sie war ein guter Mensch. Ja manchmal macht ein Euro, einen Menschen, vor sich selbst, zu einem guten Menschen. Aber dann... ja dann erkannte ich etwas anderes in ihrem Gesicht. Vielleicht Ekel. In der linken hielt sie noch immer das Bounty. Aber sie guckte auf ihre rechte Hand. Auf die rechte Hand, mit der sie Rita einen Euro gegeben hatte. Auf die rechte Hand, die sie zu einem guten Menschen gemacht hatte, blickte sie. Ihre Fingerspitzen fühlten sich an, als hätte sie, Rita berührt, nur mit den Spitzen. Aber sie spürte es ganz deutlich und immer deutlicher werdend. Vielleicht im selben Moment nahm sie einen beißenden Geruch war.
Rita war mit ihrer Ansprache fertig und hatte sich ein klein wenig zu ihr hinuntergebeugt: „Nochmal vielen Dank und schönen Abend noch!“, sagte Rita. Die nickte nur abwesend. Tatsächlich, der Gestank, kam von der Pennerin, innerlich fühlte sie sich bestätigt, der Geruch kam eindeutig von dieser bettelnden Person. Von wem sonst? Sie roch Ungewaschenes, Toilette, vollgepisster U-Bahn-Schacht im Sommer bei 30 Grad. Und dies alles hatte sie berührt. Der Frau sah man den Ekel an. Man sah ihn ihr an. Ein paar andere Leute, waren durch die Großzügigkeit der Frau angespornt und kramten ein paar Cents aus ihren Taschen und Portemonnaies. Gebannt beobachtete die Frau, wie Rita an den Plätzen vorbei ging, ihr fielen auf einmal die schwarzen Ränder unter den langen Fingernägeln der Pennerin auf. Die langen verfilzten Haare, die in einem Zopf zusammengebunden ihr bis über die Taillie fielen. Fehlten der Pennerin vielleicht sogar schon Zähne? Hatte sie ihr Essen nochmal berührt, mit der Hand sie auch einen Euro gegeben hatte? Und sie schmiss den Bounty in ihre Handtasche – übrigens von Tommy Hilfiger, ein schönes Modell. Dieser Geruch dachte sie... bestialisch.
Rita war auf dem Rückweg, zu der U-Bahn-Tür, zu der sie auch hereingekommen war, sie konnte der Frau direkt ins Gesicht blicken. Diese holte eine Desinfetionscrem aus ihrer Tasche, das dritte Danke und schönen Abend von Rita hörte sie garnicht mehr, zumindest nicht bewusst. Sie begann sich ihre Hände einzureiben und mir drang kurz darauf ein beißender Geruch in die Nase.

 Embarassed
Ich freu mich ganz doll über Kritik Buch Kopf an die Wand

lenchen

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Mombi
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 23
Beiträge: 24
Wohnort: BW


BeitragVerfasst am: 14.02.2015 03:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lenchen,
mir gefällt die Geschichte ziemlich gut. Meiner Ansicht nach beschreibst du die Situation sehr bildhaft und hebst schön die Heuchelei in der Tat der Frau hervor, wenn ich den Text richtig verstanden habe Very Happy

Allerdings habe ich ein, zwei Kritikpunkte:
Die Erzählperspektive. Ich weiß nicht, ob diese Kurzgeschichte ein Teil etwas größerem ist, wodurch das Sinn erhält, allerdings scheint der Erzähler ja mit in die Handlung einbezogen zu sein. Dazu passt jedoch nicht, dass er sich über Dinge im Klaren ist, die er nicht sehen kann.
Zum Beispiel:
Zitat:
Sollte sie sich für eine kleine Packung Chips entscheiden würden ihr die Finger fettig und eglik werden; bis sie sich zu Hause die Hände waschen können würde, dauerte es noch ein Weilchen. Sollte sie die Schokolade nehmen, würde ihr Appetit nach etwas salzigem nicht gestillt werden. Eigentlich war sie eh schon satt. Während sie überlegte umschloss sie in ihrer rechten Hand fest ein 2 € Stück, mit dem sie bezahlen wollte und steckte es schließlich in den dafür vorgesehenen Schlitz.

Beobachtet dein Erzähler die Situation, könntest du ja beispielsweise schreiben: "Sie wirkte, als ringe sie noch mit ihrer Entscheidung, was sie nehmen sollte. Womöglich fürchtete sie, sich von den fettigen Chips, die der Automat anbot, die Kleidung zu ruinieren..." etc.
Zitat:
Jedenfalls sah sie aus, als käme sie gerade von der Arbeit aus dem Büro. Dieser typisch bedeutungslose Stil: Blazer, T-Shirt, enge Jeans- ihr wisst was ich meine. Dabei hatte sie sich in Wahrheit schick gemacht, kam von der ersten Verabredung, seit sie hierhergezogen war.

Zitat:
Die Frau, die ich beobachtete, nannte dieses Sprechen innerlich und heimlich manchmal Pennerpredigt.

Auch das kann dein Erzähler nicht wissen, es sei denn er ist ein Stalker oder ein übermenschliches Wesen. Laughing

Zitat:
Die U-Bahn fährt ein

Die U-Bahn fuhr ein.

Liebe Grüße,
Mombi
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Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 48
Beiträge: 1559



BeitragVerfasst am: 14.02.2015 07:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lenchen,

Ich will nicht lange drum herum reden: Die Geschichte ist schlecht.
Und das auf vielen Ebenen.
Die Aussage wird mir überhaupt nicht klar - dass Obdachlose stinken? Dass Leute, die Geld geben, Idioten sind? Dass Berlin voll Freaks ist?

Die Perspektive habe ich so noch niemals erlebt: Auktorial bis zum letzten Detail des Lebens und Denkens der Protagonisten und das aus der Ich-Perspektive. Ich bin normalerweise blind für solche Fehler, aber dieser Text macht es mir leicht, sie zu erkennen.

Stilistisch ist das eine KatastrophFe.
Rechtschreibung, Grammatik ist ganz in Ordnung, mit den Kommas musst Du noch üben.

  U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz.
U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz. Am Süßigkeitenautomaten. 2 zwei Minuten bis zur Ankunft der U-Bahn. Sie stand unschlüssig davor. Sollte sie sich für eine kleine Packung Chips entscheidenKomma würden ihr die Finger fettig und eglik werden; bis sie sich zu Hause die Hände waschen können würde, dauerte es noch ein Weilchen. Konjunktiv-Orgie? Sollte sie die Schokolade nehmen, würde ihr Appetit nach etwas salzigem nicht gestillt werden. Eigentlich war sie eh schon satt. Damit bestätigst Du dem Leser, die Absurdität der gesamten Einleitung. Während sie überlegte Komma umschloss sie in mit ihrer rechten Hand fest ein 2 € Stück, mit dem sie bezahlen wollte und steckte es schließlich in den dafür vorgesehen Schlitz. Aha .... Kurz darauf sah man hinter dem Glas einen Bounty ob der männlich ist, weiß ich nicht. Später im Text wird er jedenfalls neutral. herunter fallen und ein 1 € Stück klingelte in dem Restgeldfach.
Wie alt sie wohl war, vielleicht ein bisschen älter als ich. Und du bist ... ?Mitte 20, Aha! vielleicht sogar schon fast 30. Vielleicht aber auch doch eher so 28 einhalb? Jedenfalls sah sie aus, als käme sie gerade von der Arbeit aus dem Büro. Dieser typisch bedeutungslose Stil: Blazer, T-Shirt, enge Jeans- ihr wisst was ich meine. Nee Dabei hatte sie sich in Wahrheit schick gemacht, kam von der ersten Verabredung, seit sie hierhergezogen war. Hier entgleitet mir jedes Verstehen. Ist sie nun schick oder bedeutungslos gekleidet ?
Die U-Bahn fährt fuhr ein. Der Gang auf ihren hohen Schuhen, meinst du hochhackig oder hohe Absätze? die sie angezogen hatte Komma um ihre Verabredung zu beeindrucken, Richtung U-Bahn-Tür, sah etwas holbrig aus. Holprig war wohl gemeint-so wie der Satz.
Ich setzte mich ihr gegenüber. Gerade hatte sie ihr Bounty aufgerissen: fein säuberlich, mit ihren Fingern nur das Papier berührend, biss sie ein Stückchen ab. Und hinter ihr, sie konnte es nicht sehen Komma sprang im letzten Moment noch eine Obdachlose in den Wagen. Ich möchte diese Obdachlose Rita nennen. Ich hätte sie lieber Zecke oder Suffke genannt. Damit das Klischee richtig passt. Vielleicht hieß sie tatsächlich so, denn die verschlissene Jacke, die sie trug, zeigte quer über den Rücken den Schriftzug „Rita“, in neon grün auf schwarz. Klar. Logisch, ich schreib meinen Namen auch meine Jacken Jack Wolfskin Wie alle Obdachlosen ja so sind sie, die Penner wartete auch Rita einen kurzen Moment, nämliche bis die U-Bahn-Türen sich schlossen und der Zug mit einem kleinen Ruck begann zu rollen. Eine Station. Das ist nicht viel Zeit. Rita begann zu sprechen.

So hier muss ich die Bahn verlassen. Die folgende uninspirierte Beschreibung ist dermaßen Klischee getränkt, dass die unterirdische Fahrt zu einem Symbol für das Niveau des Textes wird. Wie um alles in der Welt kommt die Erzählerin darauf, dass die U-Bahn-Schnorrer obdachlos sind? Und wieso weiß sie, was jeder Einzelne denkt? Und was hat ihr das Büromädel getan? Wenn mir jemand auf den Pelz rückt, der nach Pisse stinkt, dann nehme ich auch Abstand.

In deiner Vorstellung las ich, dass du schon einige Geschichten geschrieben hast.
Vielleicht ist da etwas Ordentliches dabei.
Dieser Text scheitert leider auf der ganzen Linie und ich würde auch gar nicht versuchen, etwas daran zu verbessern.
Abreißen und neu bauen!

Schönen Gruß
Martin


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How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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lenchen
Abc-Schütze


Beiträge: 6
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 14.02.2015 11:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Mombi,

danke für die positive kritik!

Zitat:

Allerdings habe ich ein, zwei Kritikpunkte:
Die Erzählperspektive. Ich weiß nicht, ob diese Kurzgeschichte ein Teil etwas größerem ist, wodurch das Sinn erhält, allerdings scheint der Erzähler ja mit in die Handlung einbezogen zu sein. Dazu passt jedoch nicht, dass er sich über Dinge im Klaren ist, die er nicht sehen kann.


Tatsächlich war das Absicht. Die Geschichte ist der Anfang einer längeren Kurzgeschichte. Ich dachte es würde so auch funktionieren und man würde es nicht sofort als Fehler ansehen. Aber es funktioniert wohl nicht.




Hallo Martin,

danke auch für deine Kritik. Du hast dir ja, obwohl du den Text absolut schlecht fandest Mühe gegeben, die Schwachstellen aufzuzeigen. Danke hierfür.

Zitat:

Die Perspektive habe ich so noch niemals erlebt: Auktorial bis zum letzten Detail des Lebens und Denkens der Protagonisten und das aus der Ich-Perspektive. Ich bin normalerweise blind für solche Fehler, aber dieser Text macht es mir leicht, sie zu erkennen.

Stilistisch ist das eine KatastrophFe.

Wie bereits oben geschrieben war das die volle Absicht. Aber an Hand von deiner (und auch Mombis Kritik) sehe ich ein, das der Leser einfach nur denkt "schwerer Fehler".

Zitat:

Rechtschreibung, Grammatik ist ganz in Ordnung, mit den Kommas musst Du noch üben.

Ich weiß Rolling Eyes .

Zitat:
  U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz.
U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz. Am Süßigkeitenautomaten. 2 zwei Minuten bis zur Ankunft der U-Bahn.


Original
Zitat:
U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz. Am Süßigkeitenautomaten. 2 Minuten bis zur U-Bahn.

Ja du hast recht, es ist nicht ganz glatt, war aber auch absichtlich gewesen. Ich wollte kurz und prägnant darstellen wo und wann die Geschichte spielt.

Zur weiteren Textkritik fällt es mir schwer etwas zu sagen.

Zitat:
Ich will nicht lange drum herum reden: Die Geschichte ist schlecht.
Und das auf vielen Ebenen.
Die Aussage wird mir überhaupt nicht klar - dass Obdachlose stinken? Dass Leute, die Geld geben, Idioten sind? Dass Berlin voll Freaks ist?


Zitat:
So hier muss ich die Bahn verlassen. Die folgende uninspirierte Beschreibung ist dermaßen Klischee getränkt, dass die unterirdische Fahrt zu einem Symbol für das Niveau des Textes wird. Wie um alles in der Welt kommt die Erzählerin darauf, dass die U-Bahn-Schnorrer obdachlos sind? Und wieso weiß sie, was jeder Einzelne denkt? Und was hat ihr das Büromädel getan? Wenn mir jemand auf den Pelz rückt, der nach Pisse stinkt, dann nehme ich auch Abstand.

Und an weiteren Stellen (bzw. allen Stellen, die du angesprochen hast) klingt durch, dass du die Geschichte grotten schlecht fandest. Aber sowohl am Anfang als auch am Ende diesen Text so niederzumachen, kann ich nicht ganz verstehen.
Ich finde, bei jeder Textkritik sollte man bedenken, dass der Autor selbst ja meist bis dato ganz zufrieden mit diesem war. Und wenn man gerade den schlechtesten Text gelesen hat, der einem jemals untergekommen ist, dann reicht es das einmal zu sagen. Das ist zumindest meine Meinung. Ich hätte es dann auch verstanden.
Trotzdem danke, denn es ist ja auch hilfreich zu wissen, dass ein Text so absolut durchfällt.

Grüße
lenchen
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Belfort
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 651
Wohnort: tief im Herzen


BeitragVerfasst am: 14.02.2015 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Was möchtest Du denn mit dem Text aussagen? Das würde mich tatsächlich auch interessieren.

Ansonsten schließe ich mich der Kritik meines Vorschreibers an.

Was die Rechtschreib-Problematik angeht: ich finde es sehr wichtig, dass literarische Texte wenn irgend möglich ohne Rechtschreibfehler verfasst werden. Nutz doch wenigstens die Rechtschreibkontrolle von Word oder Open Office - Fehler wie "eglik" würden dann zumindest nicht passieren.
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lupus
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Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 14.02.2015 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lehnchen,

ich muss Martin leider auf weiten Stecken recht geben.

Aber: Der Perspektivenbruch war so extrem eindeutig, dass ich mir schon gedacht habe - zumindest wollte ich es in dubio denken -, dass hier ganz gezielt gegen alle Regel geschrieben wurde.

Nur: Wie mir scheinen mag ist dir das dennoch nicht ganz gelungen, deshalb die Frage:

Weshalb? Welchen Grund hattest du, die Perspektive so dermaßen zu brechen?

Grund für die Frage:
(1) es muss einen Grund geben, wenn es keinen gibt oder dieses Spiel nur des Spieles wegen veranstaltet wird, muss die Chose zwangsläufig daneben gehen.
(2) nur wenn man deine Intention kennt - im Moment ist sie eben nicht erkennbar, was aber mE nicht unwichtig wäre - kann man an diesem Text noch arbeiten.
(3) Erst wenn das klar ist, macht es Sinn, sich um den Rest zu kümmern.

lgl


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3745

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 14.02.2015 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lenchen,

ich schleiche seit gestern um den Text und frage mich ... wo soll ich da anfangen.

Jetzt lese ich gerade in deinem Kommentar, dass deinerseits eine Absicht hinter diesen "Perspektivbrüchen" stand und bin zumindest diesbezüglich erleichtert, denn:
Trotz so einiger sprachlicher Holperer (die mich irritierten, weil du, wie ich finde, phasenweise auch sehr sprachsicher schreibst), hat mich nämlich deine Geschichte sehr angesprochen, gerade wegen der Perspektive und ich war sehr gewogen, das als Experiment zu betrachten (und mach das nach deiner Aussage oben jetzt auch einfach mal). Meiner Meinung nach lohnt sich, daran zu arbeiten.

Was mir nämlich derart gefällt: Diese Situation finde ich sehr gut beobachtet und ich denke, jeder kennt sie. Helfen zu wollen, gerade wenn es auf den ersten Blick einfach erscheint, das gute Gefühl dabei, aber dann wirst du gerade dadurch auf deine tatsächlichen Berührungsängste zurückgeworfen, Gefühle, für die du dich schämst, die du falsch findest, aber eben empfindest. Anders als Jack Burns finde ich es nicht klischeehaft, und das gerade aufgrund der gewählten Perspektive, die für mich von der Idee her diese Dissoziation ideal transportiert. So habe ich das gelesen, nein, eigentlich zwei Möglichkeiten, die mir plausibel erscheinen:
Es ist eigentlich ein und diesselbe Person, die erlebt und die beobachtet, und wo sie sich für ihre Gefühle schämt, distanziert sie sich von sich selbst.
Oder: Die Beobachterin erkennt sich selbst in der anderen Frau, will sich das aber nicht eingestehen und nimmt deshalb eine distanzierte (und arrogante) Haltung ein.

Allerdings sehe ich da auch, wie schon erwähnt, sprachliche Schwächen. (Siehst du die selbst? Nimmst du selbstkritisch Jack Burns' wirklich gute Hinweise an, obwohl er deinen Text nicht mochte? Oder würde dir das helfen, wenn ich mich an Detailkritik versuche?)
Tja, du hast noch zu lernen (wie wir übrigens alle), und man sollte dir wohl raten, erstmal am Handwerk zu arbeiten und auf Experimente zu verzichten. Da für mich persönlich aber schon immer der Spaß am Schreiben von zu ehrgeizigen Vorhaben abhing, rate ich dir gar nichts, außer: arbeite daran und verlier nur ja den Spaß nicht.

VG Jenni
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 14.02.2015 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lenchen,

ich möchte Martin widersprechen. Rechtschreibung ist eine Katastrophe. Vielleicht sind es nur Tippfehler, das kann sein.

Aber die Geschichte ist es Wert, daran zu arbeiten. Nimmt man einzelne Passagen, ohne den Kontext, erkennt man feine Beobachtung, die auch dem Leser Bilder der Szene hervorrufen.

Auch das scheinbare Themenwirrwar ist für mich stimmig. Eine U-Bahn-Station, eine U-Bahn, ist ein Sammelplatz unterschiedlichster Menschen, Gedanken, Geschichten. Dies lese ich bei dir.

Die Umsetzung braucht noch Feinschliff, das sehe ich auch so, aber mich hast du trotzdem gefesselt, mit deinem Text.

@Jenni, da hätte ich mir ja meine drei lächerlichen Zeilen hier sparen können. 99% Zustimmung.


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Gefühlsgier
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Alter: 25
Beiträge: 438
Wohnort: Worms


BeitragVerfasst am: 14.02.2015 12:44    Titel: Antworten mit Zitat

ich finde, dass deine Geschichte eigentlich schöne Beobachtung aus dem Alltag ist, bzw. sein könnte.

Okay, zu der Rechtschreibung und Zeichensetzung ist schon alles gesagt. Was ich hier auch nicht mag ist, dass der Text von der Wortwahl her "geschrieben wie gesprochen ist" (z.B. "das Wort "Penner", auf das ich nachher noch eingehen werde). Manchmal kann das ja ein gutes Stilmittel sein, aber irgendwie erweckt es nicht den Eindruck, als ob das beabsichtigt wäre. Korrigiere mich bitte, wenn ich danebenliege.
Mich schauderts auch etwas, wenn ich diese Zeile lese: " Dieser typisch bedeutungslose Stil: Blazer, T-Shirt, enge Jeans- ihr wisst was ich meine."
So würde ich vielleicht zu einem/r Bekannten sprechen, der/die mit mir am Bahnhof steht. Leider wird auch hier wieder nicht klar, auf welcher "Ebene" sich dein literarisches Ich hier eigentlich bewegt. Zudem man nicht zwingend(!) Grundvoraussetzen kann, dass der Leser immer genau weiß, was der Autor meint. Das liest sich für mich so, als würde hier jemand zwischendrin wertend dazwischenrufen.

Ich empfehle dir sehr, dir im Vorfeld zu überlegen, worauf du einen Fokus setzen möchtest, der in der Geschichte den größten Teil deiner Aufmerksamkeit bekommt, vorallem bei einer solch kurzen Geschichte. Andere Dinge kannst du ruhig auch erwähnen, aber nicht zu viele und dich nicht zu sehr in Details verlierst(z.B. klebige Hände, nicht sofort waschen können...). Damit hast du dich nämlich etwas verzettelt: es fällt den Lesern schwer, eine Aussage zu finden.

"Der Gang auf ihren hohen Schuhen, die sie angezogen hatte um ihre Verabredung zu beeindrucken". Okay. Jetzt hab ich wieder das Perspektivproblem. Das klingt alles sehr nach einer Beobachtung von dir, die du am Bahnhof in Berlin gemacht hast. Wenn ich mich irgendwo an den Bahnhof stelle, kann ich doch nicht wissen, wer wen mit was beindrucken will. Vielleicht wäre es besser, wenn du "wohl beeindrucken" geschieben hättest, oder etwas wie "[...] und ich fragte mich, wen sie damit wohl beeindrucken wollte." In manchen Texten gibt es so etwas wie einen "allwissenden Erzähler", der über gewissen Hintergrundinformationen verfügt, aber der bringt sich meist nicht mit einem solch "aktivem" lyrischen Ich ein, wie du es tust, sondern beobachtet eher, ohne selbst zu handeln. Vielleicht habe ich da einfach nur andere Sachen gelesen.

Das Wort "Penner" finde ich hier sehr unpassend. Da ist leider wieder viel Wertung hineingeflossen. Manchmal passt es auch von der Sprache her, z.B., wenn ein Text ironisch gefärbt ist oder als bereits o.g sprachliches Stilmittel.
Aber das kann auch nur subjektives Empfinden meinerseits sein.

Mit pauschalen Wertungen á la: "in ganzer Linie schlecht",  tu ich mir sehr schwer. Das ist vielleicht so ein persönliches Ding, aber ich denke, dass man auch hier noch einiges rausholen kann, wenn man bereit ist, konstruktive Kritik anzunehmen und Ratschläge umzusetzen und trotzdem zu einem nicht ganz "glattgeschliffenen" Inhalt stehen kann.

ganz liebe Grüße


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"Exhaustion pays no mind to age or beauty. Like rain and earthquakes and hail and floods."
Haruki Murakami - "Dance Dance Dance"

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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 14.02.2015 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lenchen,

Zuerst mal, bin ich froh. dass Du die Kritik sportlich nimmst. Natürlich hast Du als Autorin das Recht, sogar die Pflicht, um Dein Kind zu kämpfen.
Stilistische Mängel könnte man überarbeiten und, falls dieser Perspektiv-Mix beabsichtigt war, ist zumindest der Mut zum Experiment anerkennenswert.

Mit meinen letzten Worten wollte ich keineswegs noch einmal nachtreten, sondern diese Fragen machen für mich persönlich das größte Problem des Textes aus; gerade die Toleranz und Entspanntheit im Umgang mit den schrägsten Gestalten ist eine Eigenschaft, für die ich diese Stadt liebe.
Im Blickwinkel der Erzählerin, nicht unbedingt Deiner, erkenne ich nur Arroganz. Sie fühlt sich irgendwie höherwertig, als die Bounty-Lady und gleichzeitig durch abwertende Benennung (Die Pennerin) und Verallgemeinerung (Die Obdachlosen) grenzt sie sich auch deutlich von der Bettlerin ab. Und zwar auf eine unangenehme Weise. ( Ich möchte sie Rita nennen)
Nach wie vor ist mir nicht ganz klar, was Du eigentlich mit der Geschichte ausdrücken willst. Für eine nüchterne Milljöh-Beschreibung bezieht die Erzählerin zu deutlich Position.
Vielleicht ist die Essenz des ganzen auch, dass wir alle nur arme Lichter sind - Bounty-Girl, Pennerin, Erzählerin, Leser.
Dafür müsste nach meiner Ansicht handwerklich noch Einiges getan werden.
Allerdings: Es ist nicht "der schlechteste Text" den ich jemals gelesen habe. Da liegen noch einige in meiner eigenen Schublade. Laughing

Schöne Grüße
Martin


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Mombi
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BeitragVerfasst am: 14.02.2015 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Martin,
kann es sein, dass du den Text vielleicht fehlinterpretierst? Confused
Ich könnte schwören, dass es nicht die Erzählerin ist, die ein so negatives Bild von "Rita" hat, sondern sie lediglich die Gefühlslage der versnobten Frau beschreibt, von der die Arroganz ausgeht, und deren Weltbild in der Umschreibung widerspiegelt.
Könnte wahrscheinlich an der etwas wirren Erzählperspektive liegen, allerdings beschreibt die Erzählerin im letzten Abschnitt eigentlich ja nur noch, was die Frau, die sich zu fein ist, eine Bettlerin für einen Augenblick zu berühren, empfindet.
Der letzte Satz gibt mMn. noch das Anzeichen, dass sie sich klar von der Haltung der Frau abgestoßen fühlt.
Aber möglicherweise bin ich es auch, der falsch liegt oder dich missversteht. Very Happy


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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 14.02.2015 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mombi,

Zitat:
Könnte wahrscheinlich an der etwas wirren Erzählperspektive liegen,

 Ich denke, das ist der entscheidende Punkt.
Vielleicht kann man noch einmal über den Text diskutieren, wenn klar ist, wer was denkt und fühlt.

Mein konstruktiver Vorschlag an Lenchen: Die Ich-Erzählerin rauswerfen und komplett auktorial erzählen. Dabei so wenig wie möglich werten, sondern nur beschreiben. Aber nach Möglichkeit, sich nicht in unwichtigen Details, wie beim Bounty-Kauf, verlieren.

Vielleicht auch entspricht Jennis Sichtweise der Intention der Autorin - die Erzählerposition selbst kritisch darzustellen, um so den Lesern einen Spiegel vorzuhalten.
Ich befürchte aber, das entspringt eher dem Interpretationswillen gutmeinender Kritiker.

Grüße
Martin


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Papa Schlumpf
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BeitragVerfasst am: 14.02.2015 19:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Lenchen,
holbrig ist natürlich eine Katastrophe, es waren noch mehr drin, aber das ist überhaupt kein Problem, da helfen wir doch gerne und ganz ohne Hintergedanken. Ich hatte einen Kollegen, dessen schriftliche Leistungen psychosomatisch bedingt, na ja, aber der konnte ja nichts dafür.
Deine Geschichte aber hat es in sich. Leider kommt die Kernaussage nicht so an, wie das wohl gewünscht ist, weil die Sache mit dem Perspektivwechsel verwirrt und Dir damit das Schienbein ramponiert. Aber die feine Beobachtung, die strikte Handlungsführung, Respekt. Die Geschichte hat es unbedingt verdient, dass man sich nochmals damit beschäftigt.
Also, bis bald.
P. S.


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lenchen
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 15.02.2015 11:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Kritiker,

....die Geister die ich rief... Rolling Eyes

Zu den Dingen die Mehrfach angesprochen worden sind:

Bzgl. der Rechtschreibung und Grammatik muss ich euch natürlich recht geben.

Die Perspektive war wie gesagt absichtlich so gewählt. Es funktioniert so nicht, das sehe ich an euren Reaktionen.

Ich werde den Text nochmal überarbeiten und hoffe das dann die Aussage des Textes klarer wird.

zu einzelnen Fragen:

Hallo lupus,

nochmal zum Perspektivwechsel:
Zitat:
(1) es muss einen Grund geben, wenn es keinen gibt oder dieses Spiel nur des Spieles wegen veranstaltet wird, muss die Chose zwangsläufig daneben gehen.
(2) nur wenn man deine Intention kennt - im Moment ist sie eben nicht erkennbar, was aber mE nicht unwichtig wäre - kann man an diesem Text noch arbeiten.
(3) Erst wenn das klar ist, macht es Sinn, sich um den Rest zu kümmern.

Gut ich habe das in den Text vielleicht versaut, aber warum muss das eigentlich zwangsläufig daneben gehen? Für ein Buch funktioniert das vielleicht nicht, aber in einer so kurzen Geschichte, könne man das ja vielleicht hinkriegen.


Hallo Jenny


Schön das dir auch etwas daran gefallen hat.

Zitat:
Allerdings sehe ich da auch, wie schon erwähnt, sprachliche Schwächen. (Siehst du die selbst? Nimmst du selbstkritisch Jack Burns' wirklich gute Hinweise an, obwohl er deinen Text nicht mochte? Oder würde dir das helfen, wenn ich mich an Detailkritik versuche?)
Tja, du hast noch zu lernen (wie wir übrigens alle), und man sollte dir wohl raten, erstmal am Handwerk zu arbeiten und auf Experimente zu verzichten. Da für mich persönlich aber schon immer der Spaß am Schreiben von zu ehrgeizigen Vorhaben abhing, rate ich dir gar nichts, außer: arbeite daran und verlier nur ja den Spaß nicht.

Ja, ich versuche eure Kritik anzunehmen. Deshalb habe ich den Text hier reingestellt.
Ich werde den Text überarbeitet, ich hoffe das der dann schon ein wenig besser ist. Aber dann immer her mit der Kritik wink.

Hallo Einar Inperson
Danke für das Lob.
Die Kritik werde ich versuchen zukünftig zu beachten.

Hallo Gefühlsgier
Bzgl. der Kritik an den Perspektivbrüchen, kann ich nur sagen, dass es schade ist, dass es so schief gegangen ist. Es war wie gesagt Absicht.
Zitat:

Was ich hier auch nicht mag ist, dass der Text von der Wortwahl her "geschrieben wie gesprochen ist" (z.B. "das Wort "Penner", auf das ich nachher noch eingehen werde). Manchmal kann das ja ein gutes Stilmittel sein, aber irgendwie erweckt es nicht den Eindruck, als ob das beabsichtigt wäre. Korrigiere mich bitte, wenn ich danebenliege.


Zitat:
Das Wort "Penner" finde ich hier sehr unpassend. Da ist leider wieder viel Wertung hineingeflossen. Manchmal passt es auch von der Sprache her, z.B., wenn ein Text ironisch gefärbt ist oder als bereits o.g sprachliches Stilmittel.
Aber das kann auch nur subjektives Empfinden meinerseits sein.


Leider ist ja auf Grund dieses Perspektivem Wirrwarr nicht klar, wer was denkt.
Aber das man ein solches Wort nicht benutzen sollte in einem Text, da stimme ich dir absolut nicht zu. Es gibt ja noch andere sehr wertende Wörter in dem Text und wenn ich die alle raus lassen würde, macht der ganzen Text keinen Sinn mehr. (...für mich, für manche hat er ja noch nie Sinn gemacht Cool )
Wobei ich nachvollziehen kann, dass es in der aktuellen Fassung falsch an kommen kann.

Hallo Martin
in der Überarbeitung habe ich viele deiner Kritikpunkte verarbeitet. Ich glaube nicht, dass der Text dich jetzt umhauen wird, aber ich hoffe du findest ihn trotzdem ein klein bisschen besser.

Auch unabhängig von meinem Text habe ich folgende Frage:
Zitat:
gleichzeitig durch abwertende Benennung (Die Pennerin) und Verallgemeinerung (Die Obdachlosen) grenzt sie sich auch deutlich von der Bettlerin ab. Und zwar auf eine unangenehme Weise. ( Ich möchte sie Rita nennen)

Dass der Erzähler der Frau, die in den Zug einsteigt, einen Namen gibt, warum findest du das unangenehm? Liegt das an meinem Schreibstil? Das kann ich akzeptieren. Oder liegt es daran, dass du die Namensgebung an sich unsympathisch findest?
Würdest du in einer Geschichte vorkommen, wärest du lieber "jemand" oder "ein Mann" oder hättest du lieber einen Namen? Hat ein Name nicht auch etwas mit Respekt zu tun?

Hallo Mombi
Danke für die Verteidigung!

Hallo Papa Schlumpf
Zur Rechtschreibung habe ich mich ja bereits geäußert.
Der Duden liegt nenben meinem Bett und wird die nächste Lektüre... versprochen.

Ansonsten habe ich da Lob rausgehört... dafür danke =)



So jetzt werde ich nochmal kurz über den Text gehen und dann kommt entweder heute abend oder gleich im Anschluss der korrigierte Text.

Grüße und vielen Dank nochmal
lenchen
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lenchen
Abc-Schütze


Beiträge: 6
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 15.02.2015 11:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also der überarbeitete Text.
Man könnte die Gedanken (kursiv gedruckte) auch ganz raus, es würde ohne weitere Änderungen funktionieren. Aber ich will einfach, dass man weiß was die Frau denkt Punkt.





Manchmal geh ich durch die Stadt und schaue mir die Menschen an. Einzelne. Ich sehe vielleicht einen jungen Vater, wie er seinem Kind den Weg frei schaufelt, damit es den Knopf am Fahrstuhl drücken kann. Ein Schaufenster, dessen Spiegelung als letzte Kontrolle vor dem erstem Date genutzt wird. Mich selbst, zur U-Bahn hetzen, denn die in fünf Minuten wäre viel zu spät.
Manchmal geh ich durch die Stadt und höre den Menschen zu. Ich höre eine alte Dame einem Fremden den Weg erklären, wie einem Halbtauben. Einem Pärchen beim Abendessen, während sie in ihre Smartphones starren. Und Gedankenfetzen. Ja ich höre Gedankenfetzen. Mag sein, dass das nicht geht. Aber sie sind ja auch nur in meinem Kopf.

U-Bahn-Station: Walther-Schreiber-Platz. Vor dem Süßigkeitenautomaten. Abfahrt in 2 min.
Sie stand davor. Ihre rechte Hand spielte mit einer Zweieuromünze und schließlich steckte sie diese  in den dafür vorgesehenen Schlitz. Kurz darauf sah man hinter dem Glas einen Schokoladenriegel herunter fallen und eine Eineuromünze klingelte in dem Restgeldfach.
Wie alt sie wohl war, vielleicht ein bisschen älter als ich. Mitte 20, vielleicht sogar schon fast 30. Jedenfalls sah sie aus, als käme sie gerade von der Arbeit aus dem Büro: Blazer, T-Shirt, enge Jeans und ein wenig zurecht gemacht.
Die U-Bahn fuhr ein.
Der Gang auf ihren hohen Schuhen Richtung U-Bahn-Tür, sah etwas holprig aus.
Ich setzte mich ihr gegenüber. Gerade hatte sie ihren Schokoladenriegel aufgerissen: fein säuberlich, mit ihren Fingern nur das Papier berührend, biss sie ein Stückchen ab. Und hinter ihr, sie konnte es nicht sehen sprang im letzten Moment noch eine Frau in den Wagen. Ich möchte sie Rita nennen. Vielleicht hieß sie tatsächlich so, denn die verschlissene Jacke, die sie trug, zeigte quer über den Rücken den Schriftzug „Rita“, in neon grün auf schwarz. Rita wartete einen kurzen Moment, nämlich bis die U-Bahn-Türen sich schlossen und der Zug mit einem kleinen Ruck begann zu rollen. Eine Station. Das ist nicht viel Zeit. Rita begann zu sprechen. Die Frau, die ich beobachtete, nannte dieses Sprechen innerlich und heimlich: Pennerpredigt. Immer auf die gleiche Weise und oft so schnell daher geredet wie einen Psalm, ein Gebet oder das Vaterunser, weil man es schon so oft gesagt hat, schon so oft gesprochen hat, dass die Wörter ineinander zerfließen.
Ich glaube schon fast bevor, Rita sich begann zu entschuldigen für sich selbst, ihre Armut und für die anderen Obdachlosen, da fingerte die Frau die Eineuromünze wieder aus ihrer Jackentasche hervor. Restgeld. Restgeld von dem Schokoladenriegel, den sie bereits zu einem Drittel gegessen hatte. Vielleicht würde sie die Münze ja eh verlieren. Und sie war schon in ihrer Hand, sie musste nicht lange danach suchen. Lange schien sie nicht nachzudenken, sie hatte Rita nicht einmal angesehen. Sie drehte sich um und gab Rita einen Euro. Rita strahlte und bedankte sich, aber redete sogleich weiter. Vielleicht erhöhte das Handeln der Frau die Wahrscheinlichkeit das sie auch noch andere Geber finden würde. Die Mildtätige selbst, schien erhaben, für ein paar Sekunden. Sie war ein guter Mensch, man sah es ihrem Gesicht an.
Jeden Tag eine gute Tat.
Sie war so überzeugt. Sie war ein guter Mensch. Ja manchmal macht eine Eineuromünze, einen Menschen, vor sich selbst, zu einem guten Menschen. Aber dann... ja dann erkannte ich etwas anderes in ihrem Gesicht. Vielleicht Ekel. In der linken hielt sie noch immer den Schokoladenriegel. Aber sie guckte auf ihre rechte Hand. Auf die rechte Hand, mit der sie Rita die Eineuromünze gegeben hatte. Auf die rechte Hand, die sie zu einem guten Menschen gemacht hatte, blickte sie. Zögerlich ließ sie ihren Daumen über die Fingerspitzen gleiten.
Hat sie mich an den Fingerspitzen berührt?
Sie schien es ganz deutlich spüren und immer deutlicher werdend. Vielleicht im selben Moment rümpfte sie kaum merklich die Nase, nur ein kurzes Beben der Nasenflügel.
Beißender Geruch.
Rita war mit ihrer Ansprache fertig und hatte sich ein klein wenig zu ihr hinuntergebeugt: „Nochmal vielen Dank und schönen Abend noch!“, sagte Rita und bekam nur ein abwesendes Nicken zur Antwort.
Tatsächlich, der Gestank, kommt von der Pennerin. Eindeutig. Von wem sonst? Ungewaschenes, Toilette, vollgepisster U-Bahn-Schacht im Sommer bei 30 Grad. All dies in einer Berührung.

Ihre Mundwinkel verzogen sich nach unten. Zwischen ihren Augenbrauen bildete sich eine Falte, die sich fast bis zum Haaransatz schlängelte. Man sah ihr den Ekel an.
Ein paar andere Leute kramten, wie angespornt durch die Großzügigkeit der Frau, ein paar Cents aus ihren Taschen und Portemonnaies. Mit starrem Blick verfolgte die Frau, wie Rita an den Plätzen vorbei ging.
Hat die Pennerin schwarze Ränder unter den Fingernägeln? Und lange verfilzte Haare!. Hat sie überhaupt noch alle Zähne?
Sie ließ ihren Blick von Rita auf ihren Schokoriegel gleiten und ihre Augen verengten sich noch ein Stück. Seit ihrer Wohltat hatte sie nicht noch einmal abgebissen. Als sei sie unschlüssig, wendete sie die Süßigkeit in ihrer Hand und schmiss sie in ihre Handtasche – übrigens von Tommy Hilfiger, ein schönes Modell.
Dieser Geruch... bestialisch.

Rita war auf dem Rückweg, zu der U-Bahn-Tür, zu der sie hereingekommen war und lächelte die Frau noch einmal an. Diese holte eine Desinfektioncreme aus ihrer Tasche. Das dritte Danke und schönen Abend von Rita, als diese die U-Bahn verließ, schien sie schon gar nicht mehr zu hören. Sie begann sich ihre Hände einzureiben und mir drang kurz darauf ein beißender Geruch in die Nase.
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Papa Schlumpf
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 58
Beiträge: 365
Wohnort: Friedersdorf


BeitragVerfasst am: 15.02.2015 15:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Lenchen,
das ist mal schon toll. Und gefällt noch viel besser. Aber wie das ist, wenn so eine Überarbeitung erfolgt und man den eigenen Text schon mitsingen kann, mogelt sich manchmal ein Fehler durch. Und weil ich ohnehin verrufen bin, was die Erbsen angeht, und keine anderen Schwächen aufzeigen kann, hier also die Kleinigkeiten.
Zitat:
Manchmal geh ich durch die Stadt und höre den Menschen zu. Ich höre eine alte Dame einem Fremden den Weg erklären, wie einem Halbtauben. Einem Pärchen beim Abendessen, während sie in ihre Smartphones starren.

Ob man an dem "Halbtauben" als Vokabel noch etwas drehen sollte? Hörgeschädigter klingt zugegeben auch nicht besser. Aber der nachfolgende Satz geht grammatisch nicht. Vollständig hieße er "Ich höre einem Pärchen ... ,", denn im vorangestellten Satz ist von zuhören nichts zu lesen. Mein Gefühl sagt mir, dass es am Besten ist, die Reihenfolge der Sätze zu ändern, also erst das Pärchen und dann die alte Dame und den ganzen Rest so lassen.
Zitat:
wie einen Psalm, ein Gebet oder das Vaterunser,

Noch ein grammatisches Problem, spielt bei den Neutren keine Rolle, da Nominativ und Akkusativ identisch sind. Aber auch der Psalm steht im Nominativ (ein Psalm).
Zitat:
Ich glaube schon fast bevor, Rita sich begann zu entschuldigen

Das "fast" geht eigentlich nicht bei solcher temporären Bestimmung, striche ich. Das Komma gehört, wenn, dann hinter "glaube", nie vor die Rita, und denke mal über "sich zu entschuldigen begann" nach, klingt angenehmer, weil die Tätigkeit an die Person rückt, die Absicht ans Ende.
Zitat:
sie hatte Rita nicht einmal angesehen.

Warum diese Zeitform? Ein einfacher Imperfekt verstärkt die Wirkung noch.
 
Zitat:
Die Mildtätige selbst, schien erhaben, für ein paar Sekunden. Sie war ein guter Mensch, man sah es ihrem Gesicht an.

Eigentlich ist hier nur ein Komma zu viel, das erste, hinter "selbst". Aber hier frage ichmich, was Du sagen willst. Die Mildtätige selbst schien sich für erhaben, für einen guten Menschen zu halten? Oder respektierte Rita die Frau als erhabenes Wesen?
 
Zitat:
Ja manchmal macht eine Eineuromünze, einen Menschen, vor sich selbst, zu einem guten Menschen.

Komma nach "Ja" (fehlt), alle anderen raus! Und weil wir grad dabei sind
 
Zitat:
Aber dann... ja dann

Aber dann (Leerzeichen) ... (Leerzeichen) ja, dann ... Wobei das Komma den Sinn verändert, je nach dem, ob es da ist oder nicht.
Irgendwo fielen mir noch ein paar überflüssige Hilfsverben auf, ist aber nicht so tragisch, die sind ja schließlich nicht verboten.
Insgesamt eine tolle Geschichte. Und wegen so einem ollen Brummbär gleich auf dem Duden zu schlafen, wer macht denn so etwas. Meist reicht die Rechtschreibhilfe der gängigen Textverarbeitungsprogramme, und man kann auch den Gerold nochmal drüberschauen lassen.
Also, schöne Sache, weiter mache - n.
Viele grüße
P. S.


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