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Wenn die Nacht die Deiche anhaucht


 

 
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shane2k11
Schneckenpost


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 30.01.2015 14:16    Titel: Wenn die Nacht die Deiche anhaucht eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Grüß euch! Im folgenden eine Geschichte über einen Marsch unter tödlichen Umständen. Der Stil ist lyrisch, inspiriert vom großen Meister Homer. Etwas anspruchsvoll mag das lesen sein, also seid vorgewarnt, ihr die ihr das Lesen wagt. Über (freundliche) Kommentare wäre ich überaus erfreut.

--------------
Wenn die Nacht die Deiche anhaucht

In der Deiche, im hohen schilfichten Grase, wandelt Sennheise, und sinnt, das purpurne Dämmerungsschauwerk erwartend, auf Durchhaltevermögen. Zehn Tage schon geht das Mädchen, das von fernher gewandert kam, durch das hoffnungsraubende Land, von der deichichten Plage gequält, ohne zu halten, ohne zu rasten, denn die Teufel erlaubens nicht. Doch bald ists geschafft, bald ist sie am Ziel. War es mal ein unwirklicher Schweif von einem Traum, den zu verwirklichen sie vor zwei Jahren alles hinter sich lassend aufbrach, so ists nunmehr ein klarer wirklicher Stern, der vor ihr liegt, eine Nacht entfernt, um genau zu sein.
Dyplastod, die unterirdische Stadt, ist dieser Stern, dieses Ziel all ihres Strebens und Leidens. Und ists zwar bei weitem nicht so lichtvoll und glänzend wie ein Stern, denn das dunkelste aller Gefild rühmt es sich gar, so ists doch das einzige Refugium, zumindest nachdem was sie gelesen. In den vielen Büchern, die sie Zeit ihres Aufwuchses verschlungen, und die sie von der Welt gelhrt haben, ward Dyplastod stets beschribeben als letzte Hochburg der Verständigkeit und Harmonie, als letzte Feste der guten Menschen. Und Träumend von diesem hatte sie stets sich daher gesehnt. Aber erst als sie aus ihrem Dorfe verbannt wurde, wagte sie die weite Reise, und nicht hätte sie vor zwei Jahren geglaubt, als sie den Sternenozean ihrer heimischen Wüste schaute, dass sie es je schaffen würde, doch nun -
Wie Sennheise da itzt im Deichgras geht, biegt sich allmählich die Sonne über die Konturen der bergichten Höhn des Westens, und wirft einen letzten Gruße ihr zu, ein rötliches Lebewohl, ehe sie vom Schleier der Nacht zugedeckt, hinter den Bergen sich schlafen legt. Schon vermisst Sennheise die zenitbesiegende Himmelsblende; war sie ihr doch ein schützender Begleiter, ein herzwarmes Licht auf ihrer Reise am Fluss.
Sennheise legt nun einiges zu an Gang, und marschiert schneller, so schnell sie kann. Die scharfen Schilfhalmkanten schneiden ihre Hände und ihre Wangen, doch sie ignoriert den kurzen Schmerz, da doch die Nacht im Rücken sie hetzt wie eine knochenhungrige Bestie. Schrecklich ists, wenn die schwarze Nacht aufweckt, was der fluorgenährte Boden der Deiche hier gebärt.
So Sennheise marschiert, singt sie:

Es singt der Hoffnung ein Lied, die Schilfbesiegerin,
gezeichnet vom Leid, schmerzertragende Kriegerin.
Nur noch eine Nacht, fesselnder Qual,
lebendig gebrannt, es gibt keine Wahl.

Jetzt funkelt der glitzernde Sternenozean auf sie hinab, und hinter vorbeiziehenden Wolkenwalen scheint der weiße Halbmond auf; der Lichtspender der finstersten Nächte. Und er wirft sein silberblaues Mondlicht auf die Deiche, woraufhin düster erwachen die Schatten; Der Startschuss für die Schrecken der Nacht; Wie die rotäugigen Fledermäuse aus ihren Höhlen fliegen sobald es dunkel ist, oder wie die fleischjagenden Jaguare im Sternenglimmer erwachen, so kommen hier im Deicheland die übelsten Monstrositäten bei Mondschein hervor, wenn das silberblaue Licht den Deichboden anhaucht.
Aus den Sparten und Löchern und Schloten der Erde, wo die Wurzeln des Schilfs sich an fluoreszierenden Salzkristallen laben, und wo kleines Getier seine Hausungen zimmert, kriechen die sonnenhassenden Teufel hervor, die langgliedrigen, schwarzchitinenen Insektoiden, mit ihren dreizehn Beinen - sieben auf einer Seite damit sie sich schnell drehen können um ihre hautzerreissenden Rüssel in blutreichere Adernbänke zu bohren-, und ihrem flachen, ledrigen Rumpf, den sie wie einen leeren Schlauch mit rotem Wein auffüllen begehren. Überall zugleich, den ganzen Fluß entlang, kriecht sie hervor, die Schreckensbrut der Deiche, die Zeckenspinnen, die Teufel der Nacht, fleischhungrig und blutdurstig zugleich.
,,Lasst mich in Ruhe ihr ihr Teufel!“, schreit Sennheise als die ersten dieser Art an ihren Beinen emporkriechen. Aber selbstverständlich hats keinen Sinn, das Ungeziefer versteht die Menschensprache nicht. Nur die generische Sprache der Tat, die versteht es sehr wohl, und derer bedient sich Sennheise sogleich, da ihr dies ihr einzige Waffe ist gegen die lebensvernichtenden Schrecken der Nacht; Sie zerklatscht die Deichbrut mit ihrer Hand, mal an ihren Beinen, an ihrer Hüfte, oben, unten, bald an den Armen, an den Schultern, überall - den milchigen, eitrigen Schleim außer Acht lassend. Zerquetschtes Insektenfleisch. Feste Schläge sind nötig, denn hartkrustig sind die schwarzchitinenen Körper der Zeckenspinnen. Und bei jedem Schlag, schmerzt es also auch ihrem eigenen Leiben.
Doch Sennheise weiß, dass sie dem Schrecken der Nacht weichen muss, denn hier, im höchsten Schilfgras, ist längerer Marsch mit unsagbaren Qualen, sogar dem Tod verbunden. Schon bald wird das Ungeziefer die Schilfhalme hochklettern und versuchen ihr die Augen zu zerbeissen, und nur ein Biss zieht unheilbare Blindheit mit sich, denn ätzend ist die Giftspucke, mit denen die Deichbrut die Gerinnung des Blutes hemmt.
Also hält Sennheise Ausschau nach niedrigeren Gräsern, in der Dunkelheit der Nacht sichtbar als hellere Flächen. Aber es fällt ihr schwer, weil das hohe Schilf ihr bis an die Stirn peitscht, während sie sich einen Weg durch die Deiche durchbahnt und zitternde Zeckenspinnen totschlägt. Gleich einem ausweglosen Labyrinth ists hier im im Schilffeld, wo zu allen Seiten nur hohes schwarzes Gras zu blicken ist, das einem wie eine umschlingende Mauer alle Sicht raubt. Aber erhascht man doch einmal einen Blick über diese Mauer, sieht man ohnehin nur hoffnungstötendes, ebenes Deichland in allen Richtungen bis zum Horizont, das zudem nur wage im schwachen Mondschein vom verschlingenden Nichts der Verzweiflung unterscheidbar ist.
Nichts für schwache Nerven ist ein Marsch durch die Deiche, die nicht nur die hungrigen schwarzen Zeckenspinnen gebärt, sondern damit verbunden noch einen viel höllischeren Schrecken, den kraftzehrenden, panikverbreitenden Angstdämon, der besonders in der Nacht jedes Wanderers emsig meuchelnder Begleiter ist.
Hinter jedem Schilfhalm auflauernd, in jedem Windhauch versteckt, wartet er nur darauf, dass der Mut den Wanderer verlässt, und tritt das ein, gibt man auf, wird man schwach, überfällt er einen sofort, der besonnenheitsmordende Angstdämon, und wie ein Höllengeist ergreift er dann Besitz von einem, und lenkt den Verstand und die Tat ins tugendlose Verderben. Und ist das passiert, so dauerts nicht lang, bis die Deichbrut den Rest tut, und wie ein Geier sich an des Wanderers zartem Fleische labt. Und ehe die Morgenröte den Tag anfacht, ist nichts mehr übrig vom Mensch. Ja nicht einmal die Knochen bleiben verschont von den hungrigen, scharfzähnigen Insektoiden.
Viele Reisende, an Anzahl den Samen der knospenden Schilfe gleich, trafen hier in der Deiche seit den großen Kriegen den schmerzerfüllten Tod - lebendig verschlungen. Aber nicht nur Schwache warens, sondern auch Mutige und Kräftige, Tugendhafte und Disziplinierte. Ihnen allen wurde der Angstdämon zum Verhängnis, denn allzeits begleitend ist er, der er den Damm des Mutes und der Hoffnung zum Einsturz bringt und die Todesflut befreit. Denn Niemand, egal wie stark und mutig, ist unzerstörbar, jeder hat seine Grenze; bei Manchen liegt sie bei einer, bei anderen bei zwei, wieder bei anderen bei gar vier Nächten in der Deiche.
Doch sieben Nächte, wie Sennheise, hat noch keiner die Deiche durchwandeln geschafft, eher starb man oder beging bei Tag, von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit den Verstand bis an den Wahn gefoltert, Selbstmord. Denn niemand unter all den Unquellstoßern und Fluorbergmännern, den Amazoninen und Durchreisenden,  ist so besonders wie Sennheise.
Was sie zur Besonderen macht ist aber nicht ihr jetzt windgefüllt wehendes schwarzes Haar, oder ihre perlglänzenden Zähn und samtblauen Augen im wohlgebildeten hübschen Gesicht, die sie zur ahnsehnlichsten Blüte unter all den schilfgenährten Deichbewohnern machen. Denn wie wenn das Fleisch vom Hauch der allbesiegenden Zeitlunge verdirbt, so macht das Äußere nichts zur Sache, wenn man von der Ewigkeit Merkmal spricht. Und solch eins ists gerade, das Sennheise zur Besondren macht; Sie trägts in sich, hinter standhaftem Busen; das ewige Merkmal, die allesbezwingende Tugend, mit der Tapferkeit und Besonnenheit den Vorbildern des weiblichen Geschlechtes gleich, Penelopeia oder König Alkinoos‘ Tochter, Nausikaa, und nur deswegen marschiert sie jetzt, die sechste Nacht hinter sich, die Siebte, und auch die Letzte, durch die Deiche. Denn schon nah, sind die unterirdischen Straßen des ungezierflosen Dyplastods.
Schnell springt Sennheise nach rechts, flusswärts, weil die erste Deichbrut in ihr Gesicht springen versucht, und zu ihrer Erleichterung geht ihr hier das Gras nur bis an den Hals.
Beim Umtreten des Schilfs und Aufsteigen am Boden tötet sie nun noch mehr Zeckenspinnen als zuvor, denn so die Nacht altert, steigen mehr der fleischhungrigen Insekten aus ihren Erdkellern. Immer mehr, bis sich der ganze fluorgenährte Boden in ein atmendes schwarzes Insektenfleisch verwandelt. Blutleere, dreizehnbeinige schwarze Schläucher, jedes sinnend, etwas von dem Mädchen zu speisen. Und einige schaffens auch, denn unmöglich wärs für Sennheise, all Brut die an ihrem Körper hochwandelt, zu töten. Und die die es schaffen, die den Stoff ihres Schaftans im Fleischrausch zerreissen und in ihr zartes blühendes Fleische beissen, ihren Rüssel reinstecken und maßlos ihr Blute saugen, bis sie allein vom schweren Gewicht ihres blutgefüllten Schlauches wie reife Äpfel von ihr abfallen, werden selbst des atmenden Insektenbodens Opfer. Denn alles verzehrend, was roten Lebenssaft enthält, ist die Brut der Deiche. Sie kennt keine Grenzen, und macht nicht vor Kannibalismus halt.
Da jetzt die Bisse zunehmen steckt Sennheise die Schatulle mit dem Inhalt in ihre Tasche, sodass sie zwei Insektenzerquetscher zur Waffe hat. Stetig auf den Marsch konzentriert, verschiebt sie ihre Wachsamkeit mehr auf die Deichbrut, die sie zu Scharen von Tausenden nun besteigt.
Mit jedem Hieb tötet sie hunderte der blutdurstenden Monster, und kaum holt sie aus, sind an derselben Stelle zweimal soviel von den schwarzchitinenen Teufeln, die sich am milchig eitrigen Schleime ihrer Artgenossen laben. Es kommen immer mehr, bald watet Sennheise gar im Insektenfleisch, bald ists nur eine Sache, wieviel Blut ein Mensch verlieren kann, bis sie umkippt.
Doch Sennheise bleibt standhaft, den Angstdämon noch bezwingend. Der Tugend nach formt sie hoffnungstrotzend, nicht wirklich, sondern nur gedanklich, ihre Lippen, und singt im Geiste sich ein Lied:

Der Dämon der Nacht, in der Brute er lauert,
er kommt hervor, wenn das Mondlicht andauert,
mit klirrender Kette, voll schmerzbringender Pein,
zieht er zum Tod hinab, am Schilfbesiegenden Bein.

Doch Xenon leuchtet im Dunkel, wo Dyplastod Pfort’,
weist den Weg hin, zum unterirdischen Hort.
Gar nicht mehr weit ists, bald kann ichs sehn,
erbleichend die Welt, nur noch ein Stück muss ich gehn.

So wie sies im Geiste ausgesungen hat, fallen tatsächlich, durch das hohe, schwarze Gras beugend, xenonblaue Lichtstrahlen in ihre tellerichten Augen. Ihr Herz würde springen vor Freude und Hoffnung, wäre es nicht von der blutsaugenden Deichbrut angezapft, denn jede lebenspendende Woge geht durch die Adern direkt in die leeren Schläucher der Zeckenspinnen.
Von der Hoffnung bestärkt, das ungezieferlose Dyplastod zu erreichen, legt Sennheise nochmal an Geschwindigkeit zu. Und fast so schnell, wie noch in der ersten Nacht, als sie nach der Landung am Festland im Süden das Deichland betrat, watet sie nun durch den lebendigen Sumpf, der an ihr emporkriecht. Doch wenn auch im Geiste sie unbesiegbar scheint, wird sie schnell wieder langsamer, die erbleichende Sennheise, immer träger, bis sie schließlich nur noch schwerfällig geht. Denn verderbend ist das Fleisch, wie jeder weiß, und ihr Körper will nicht mehr, will sich hinlegen, im Deichbett, und schlafen.
Sennheise fällt auf die Knie.
Sofort stürzt sich die Deichbrut auf ihren unbefleckten Nacken, frei von Kleidung, der unheilvollste Speiseplatz um ihr ein schnelles Ende zu machen. Und wie die Brut an ihr hochklettert, und von der umschlingenden Graskammer in ihr Haar springt, in ihr Gesicht, mit den rosanen Wangen, dem besten zarten Fleisch, kippt Sennheise nach vorne in die fluorgenährte Erde.
Die letzten bewussten Gedanken wandeln ihr jetzt durch den Kopf, bevor ihr der Nachtschleier für immer die Augen verhüllen wird, herzerwärmende Erinnerungen aus fröhlichen Tagen und freundlichen Gefilden, ziehen an ihrem innern Auge vorbei; sonnenbelächelte grüne Weiden, sprudelnde Quellen voller glänzender lebendiger Fisch, purpurgeschuppte Drachen an marmornen Brunnen. Und dazu erschallt herzerwärmender Frühling:

Oh Schönheit, du fleischgewordnes Licht,
Schilfbesiegers Stunde, traurig machst sie nicht.
Gottklangschallend Frühling, oh das ist Glück,
schön ist das Leben, man muss nur hören das Stück.

Als sies ausgesungen, stieben ihr vor Glückseligkeit und Freude Tränen aus allen Poren, denn lange ists her, seit sie überhaupt etwas Schönes gesehen oder gehört hat, da sie durchs Deichland gewandert.
Plötzlich, da irgendein himmlischer Segen in eines roten Priesters Lied ein Geigenspiel zu einem Feuer der Hoffnung und Liebe anfacht, regt sich eine neue Kraft in ihr: Der letzte Kämpfer, der in jedes Menschen Seele tiefverscharrt schlummert, aufs letzte Gefecht die Klingen schleifend. Ihr allesschlagender Besieger erwacht zum Leben.
Sennheise steht auf.
Sie wischt  sich all die Deichbrut aus Nacken und Gesicht und Haar, öffnet die Augen, kann aber nur an einem was sehn, zerbissen, vergiftet, blind ist nämlich das andere.
Das xenonschimmernde Lichtwerk strahlt näher als je zuvor, hundert Schritte, es könnte sich ausgehen.
Sie geht darauf zu, die Deichbrut vergessend, nur darauf achtend, dass sie durchs Gras nach vorne zum Xenon geht, und dass ihr nichts das zweite Augenlicht raubt.
Mühsam ists, einen sterbenden Körper zu bewegen, doch Sennheise gelingts, wenn auch nur zaghaft. Um jeden Schritt ringt sie mit ihrem blutleeren Körper, feuert ihn an, wie ein wohlgeharnischter König den Soldaten, brüllend einen Gesang sich im Geiste:

Aufgestanden vom Verderben, im deichichten Feld,
kämpft zähneknirschend bis ans Ende der Welt,
weiter am Tod, an Áis’ Gefild’,
der Deichbesieger, der Krieger ein Bild.

Und indes sie ihren Körper zähnebeissend anfeuert, macht sie einen Schritt, und noch einen, Schritt für Schritt, und so wie sie immer weiter schreitet, erzittert immer mehr die Erde unter ihren Füßen. Aber noch hält sie das Gleichgewicht mit ihren wackeligen Beinen, denn der allesschlagende Besieger flößt ihr übermenschliche Perseveranz ein.
Ihr gelingen reichlich viel Schritte, doch schließlich, als das Xenonlicht zum Greifen nahe, bebt die Erde, einem Vulkanausbruch mit erdzerreissenden Klüften gleich, sodass jede Statik physikalisch unmöglich wird, und sie zu Boden stürzt.
Aber Sennheise gibt nicht auf.
Der allesschlagende Besieger lässt nicht locker, lässt ihren müden Fleischklumpen nicht einschlafen.
Weiter Weiter, aus dem Verderben, wir müssen leben bis wir sterben!
Und sie kriecht weiter, an Schilfstämmen sich ziehend. Ja, gleich hat sies geschafft, nur noch wenige Meter. Da vorne schimmert schon das cyanblaue Lichtwerke über der eisernen Pforte Dyplastods. Ringsum glänzen bodenlochversperrende Gitterstäbe im Xenonschein - die Luftzufuhr der unterirdischen Stadt. Doch in der kleinen Bude neben der Pforte ists leer, da wo normalerweis immer ein Torwächter die Pforte bewacht.
Nur noch ein paar Meter.
Sie zieht sich wenige zentimeter über den fluorgenährten Deichboden.
Komm schon, gleich bist du da.
Sennheise kitzelt die letzte Kraft in die Arme und wirft diese nach vorne.
Ein paar Meter. Du schaffst das!
Sie  zieht mit aller Kraft ihren Körper über den Boden. Ihre Muskeln sind schlaff, ihr Fleische bleibt regungslos.
Ein paar Meter!!
Nocheinmal lenkt sie all ihre Gedankenkraft in die Arme und den Körper.
Aber nichts tut sich, ihre Muskeln und Sehnen gehorchen nicht mehr. Schwer atmend sieht Sennheise ein; Sie gibt auf, die paar Meter sind zuviel, ihr Körper kann nicht mehr. So sehr sie auch will, sie bewegen sich nicht, die nutzlosen Fleischklumpen. Zu sehr haben sie die bluttrinkenden Teufel ausgezehrt in dieser siebten Nacht.
,,Na los, machts zu Ende“, schreit Sennheise in die umschlingende Graskammer hinein, ihre Stimme nur mehr Luft. Tränen bersten aus ihren Augen. So nahe vor dem Ziel, und doch so fern. Und sie schläft ein. [/b]

Weitere Werke von shane2k11:


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Ja.
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Jack Burns
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 51
Beiträge: 1547



BeitragVerfasst am: 30.01.2015 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo

So, so ... der alte Homer muss jetzt herhalten.
Hab ihn nie im Original gelesen, denke auch, dass ein 2000jähriger Stil heute nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen würde.
Ich würde Dir gern die Freude des Lobes machen, aber ... nun ja.

Du schreibst nicht anspruchsvoll, sondern verkomplizierst den Text unsinnigerweise und verlierst dabei selbst den Faden.
Altmodischen Stil kann ich akzeptieren - aber unerklärliche grammatische Ungetüme, erfundene Worte, die sich auch nicht interpretieren lassen; das alles sind für mich Zeichen für eine gewollte künstlerische Attitüde. Es ist nicht lyrisch, wenn Du ist es durch ists (übrigens mit Apostroph) ersetzt oder "itzt", "itzo" usw. verwendest.

Um konkret zu werden:
Zitat:
In der Deiche ...
= Dativ Singular weiblich. Entsprechend der Nominativ: Die Deiche. Was ist das?

Zitat:
... Sennheise, und sinnt, das purpurne Dämmerungsschauwerk erwartend, auf Durchhaltevermögen.

Sinnt auf Durchhaltevermögen ? Was soll das bedeuten?

Zitat:
die sie Zeit ihres Aufwuchses
Shocked
Hier glaube ich allmählich an eine Veräppelung.

Ich hab ca. 50% gelesen und mich wirklich bemüht. Da strotzt nahezu jeder Satz vor unlogischen Konstruktionen. Das könnte man höchstens als Parodie auf ... irgendwas durchgehen lassen.

Wenn Du es ernst meinst, mit dem Schreiben, dann hör auf so pseudo-künstlerischen Quatsch zu fabrizieren.

Schönen Gruß
Martin


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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DonKorneo
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 38
Beiträge: 80
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 30.01.2015 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Shane,

wow, das ist mal harter Stoff! Vorweg mag gesagt sein, dass ich vermutlich einfach nicht zu deiner Zielgruppe gehöre, da ich weder ein begnadeter Literat, noch ein lyrisch sehr bewanderter Mensch bin, daher hier die Meinung eines 08/15 Typen wink

Dein Text erinnert mich an eine hübsche aber bis an die Grenzen überschminkte Frau. Ich vermute unter all dem "Oh mein Gott, das ist einfach zu viel!" etwas Schönes, komm aber nicht durch bis dahin.
Ich würde gerne etwas von dir lesen was mehr natürliche Schönheit an den Tag legt weil mir dieser Stil schlicht und ergreifend zu anstrengend ist und mir mein Belohnungszentrum nach wenigen Sätzen sagt, dass ich keinen Mehrwert davon haben werde weiter zu lesen.
Das Wort "Quatsch" finde ich persönlich ein bisschen schnell und hart gewählt, weil ich dir nicht absprechen will, dass du dein Herzblut in diesen Text gelegt hast.
Trotzdem werde ich den Thread gespannt weiter verfolgen und wünsch dir viel Spaß beim Schreiben!

Liebe Grüße


_________________
Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw
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Gast







BeitragVerfasst am: 30.01.2015 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Shane!

Vollste Ermunterung für dein Vorhaben, den alten Homer in irgendeiner Form in die Jetztzeit zu holen! Bleib da auf jeden Fall dran. Es lohnt sich.

Nur: So, wie hier versucht, geht es nicht. Diesen Text werden 999 von tausend Lesern als "Quatsch" empfinden (oder noch härtere Ausdrücke dafür finden).

Denn erstens ist das nicht wirklich "homerische Sprache"; und zweitens könntest du selbst, wenn sie es wäre, nicht einfach die alten Ausdrucksmöglichkeiten (seien es die des originalen, altgriechischen Textes, seien es die - zum Beispiel - der auch schon 230 Jahre alte Voß-Übersetzung) 1:1 in einem heutigen Text verwenden. Das hier ist das 21. Jahrhundert; da musst du dir schon überlegen, welche der heutigen Dastellungsmöglichkeiten denen der früheren Zeiten entsprechen. Und dann, ganz vorsichtig! ein wenig einfärben, zusätzlich ...

Eigentlich schreibe ich hier ja keine Rückmeldungen mehr; aber als alter Homer-Fan fühlte ich mich dann doch gekitzelt.

Gruß,

Ferdi
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Papa Schlumpf
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 61
Beiträge: 374
Wohnort: Friedersdorf


BeitragVerfasst am: 30.01.2015 23:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, shane,
ich war nicht rechtzeitig auf dem Roten Teppich, hab Dich da verpasst, trotzdem herzlich willkommen!
Und ich mag nicht gleich so starken Tobak verbreiten wie Jack, wenn auch meistens etwas dran ist an harscher Kritik, man muss aber die Essenz destillieren, um zu erkennen, wo der Haken sich verbirgt. Den man selbst fabrizierte.
Aus Deinem Text höre ich das Vorbild förmlich heraus. Schiller wandelte auf gleicher Spur: "Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damos, den Dolch im Gewande ..." Diese ersten Zeilen der Bürgschaft nutzen den gleichen Rhythmus wie Dein Beginn. Schiller bezieht sich damit eindeutig auf die alten Griechen, aber bei Homer und auch bei Schiller steht eine Versform dahinter, die Dein Text nicht hat. Er ist nur kompliziert, verklausuliert, macht es dem Rezipienten schwer, ihn zu erfassen. Das alles wäre zu ertragen, wenn die Worte, der Satzbau wenigstens schön wären. Sicher, die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, in meinem glomm sie nicht auf.
Verstehe das nicht falsch, in einem lyrischen Epos kann genau das das Salz in der Suppe sein, so es denn gekonnt angebracht wird.
Überlege einfach, wo Du den etwas überfrachteten Text klarer strukturieren und verständlicher formulieren kannst. Denn eines sollte uns klar sein: stünde nicht "Homer" auf dem Buchrücken legte der heutige Leser das Buch ganz schnell aus der Hand. Bis auf handverlesene Ausnahmen. Und niemand wird ein Buch verlegen für zehn oder höchstens zwanzig ungewöhnliche Leser.
Mach was draus. Was Dir nicht gefällt und keinen Gewinn bringt, vergiss.
Viele Grüße
Papa Schlumpf


_________________
Nicht alles, was wir bewirken, haben wir auch gewollt.
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shane2k11
Schneckenpost


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 21.04.2015 22:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jack Burns hat Folgendes geschrieben:
Du schreibst nicht anspruchsvoll, sondern verkomplizierst den Text unsinnigerweise und verlierst dabei selbst den Faden.


das ist wahr. als ich diesen text schrieb, blieb ich stundenlang an einen satz hängen und verdrehte ihn bis er kompliziert war - denn darin lag (fand ich damals) die schönheit. heute denke ich anders, und ich wundere mich, wie ich 90tausend wörter in diesem stil schaffte.

Vielen, vielen dank für die Resonanz Leute, ich bin sehr dankbar für, und ihr bestätigt nur was ich heute von diesem text halte.

Was sehr interessant ist (und darum erwähne ich es hier), ist, dass ich vor einem jahr, als ich diesen text schrieb, völlig von ihm überzeugt war: nichts schöneres konnte ein mensch schreiben, dachte ich damals. es war nicht das ich eingebildet war, ich weiß nicht was es war, dass ich so dachte, aber ich fand schöner konnte man nicht schreiben. jetzt denke ich anders...

ps. trotz allem finde ich den ersten satz sehr gelungen und er gefällt mir noch immer smile

Jack Burns hat Folgendes geschrieben:


Zitat:
... Sennheise, und sinnt, das purpurne Dämmerungsschauwerk erwartend, auf Durchhaltevermögen.

Sinnt auf Durchhaltevermögen ? Was soll das bedeuten?



es bedeutet, das das mädchen im gras geht, und sich auf durchhaltevermögen einstimmt während es den schönen lila abendhimmel erwartet.


pps. nochmal herzlichen dank leute


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Ja.
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