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Fliehkraft


 
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MT
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 22.01.2015 19:19    Titel: Fliehkraft eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Fliehkraft

Sacht ziehe ich die Tür hinter mir zu, der Zylinder fällt ins Schloss. Das metallische Klacken hallt im Treppenhaus nach, es prallt von den Wandfliesen ab und fällt auf mich zurück. Ich denke an den Hahn einer Pistole, sehe ihn nach vorne schnellen. Die Patrone verlässt den Lauf. Und erwischt mich im Rücken.
Ob Mutter noch immer am Küchentisch sitzt? Die Schultern eingefallen, der Blick leer, wie die Flasche vor ihr? Und Vater? Lehnt er noch an der Spüle? Wortlos jetzt, die Augen gerötet? Augen, die verraten, dass ihm die Schläge leidtun.
„Warum, Junge?“ Das waren seine letzten Worte vor ein paar Minuten. „Warum, Junge?“ Er hat es zweimal gefragt. Dann bin ich gegangen, meine Tasche war gepackt.
Kein Mensch ist auf der Straße zu sehen, sonntagsfrüh schläft Winterhude aus. Ein kalter Nordost lässt an diesem ersten Januarwochenende ein paar Zeitungsfetzen tanzen, von fern klingt ein Martinshorn herüber. Ich stelle das Gepäck ab und sehe auf mein Telefon. Mein Pulsschlag wird schneller, als ich ihre Nachricht lese, und für einen Augenblick sind alle dunklen Gedanken verflogen, abgezogen wie Schornsteinrauch. Ich wähle die Nummer.
„Und?“, fragt sie.
„Ja“, sage ich und stehe bewegungslos.
Ich höre ihren Atem, stelle mir ihre weichen Lippen vor, die jetzt ein schüchternes Lächeln hervorbringen. Sie traut sich nicht, mehr zu sagen, so wie ich. Jedes Wort könnte den Moment zerstören, den Moment unserer Nähe, als hielten wir einander im Arm, küssten uns und würden eins.
„Machen wir es wie verabredet?“, frage ich.
„Ja“, sagt sie, und der Klang ihrer Stimme verrät erzwungene Entschlossenheit. Dann lege ich auf, ziehe den Mantelkragen hoch und greife meine Tasche. Vor uns liegt ein weiter Weg. Hinter uns auch.

Über der Außenalster hängt ein diesiger Schleier, die Sonne schafft es nicht, den Himmel auseinanderzuschneiden. Die ersten Jogger und Spaziergänger, die unterwegs sind, schieben Atemwolken vor sich her. Im Grunde hat Schneeluft keinen Geruch, denke ich, und doch bilde ich mir ein, sie riechen zu können, eine Mischung aus Frost, See und Salz. Ein paar Enten schnattern am Ufer, das Bellen eines nahenden Hundes lässt sie aufstoben wie einen Blumenstrauß. Ihr Anblick stimmt mich fröhlich, ich sehe ihnen nach, wie sie die Wolken erklimmen, etwas behäbig zwar (Enten haben keinen anmutigen Flug), aber frei. Als kurz darauf der zittrige Jack Russel an mir vorbei gehechelt ist, im Zaum gehalten nur durch die Leine seines Herrchens, kommen die Enten zurück und platschen neben mir ins Wasser, als wäre nichts gewesen.
Ob sie schon in der U-Bahn sitzt? Was wird sie mitgenommen haben? Gewiss ihr kleines Kissen, es darf beim Einschlafen nicht fehlen. Und bestimmt auch die unzähligen Paar Wollsocken, weil sie doch so oft friert. Sie fror sogar an jenem Abend im vergangenen Juli. Nach der Schule fuhren wir raus aus der Stadt, ein jeder für sich. Als Treffpunkt hatten wir den verlassenen Hof an der Bundesstraße 3 vereinbart. Die Abendsonne ließ das Land in den Farben eines Lagerfeuers leuchten. Der Backstein des Hauses strahlte Wärme ab. Wir lehnten mit den Rücken daran, unsere Blicke verloren sich in den Weiten der Wiesen und Felder. Mücken tanzten. Die Luft war erfüllt vom Duft des Weizens, ich hatte einen Arm um Malia gelegt, sie schmiegte ihren Kopf an meine Schulter.
„Bist Du glücklich?“, fragte sie.
„Nein“, sagte ich.
Darauf sah sie mich an. Sie streichelte mein Gesicht, lächelte zaghaft. Auch ich berührte ihre Wangen mit meiner Hand, sah in ihre braunen Augen. Dann küssten wir uns, und unsere Lippen schmeckten salzig von den Tränen.

(...)

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MT
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 23.01.2015 11:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Meine Unterlippe ist geschwollen, Vaters Hand ist groß und hat noch nie ihr Ziel verfehlt, nicht bei mir, nicht bei Mutter. Die offene Stelle, aus der vorhin das Blut tropfte, ist jetzt verkrustet, darunter puckert es, ich kann meinen Mund nicht ganz schließen, es schmerzt zu sehr. Doch die Schläge sind mir einerlei. Von nun an kann er mir nichts mehr anhaben, nie mehr. Uns nichts mehr, Malia, hörst du? Gleich werden wir zusammen sein.
Ich stecke mir eine Zigarette an, ziehe den Rauch tief in ein. Sofort überkommt mich ein leichter Schwindel, er ist wie ein Weichzeichner, er nimmt der Wahrheit die Form. Geräusche werden gedämpft, Bilder verlieren Kontrast, für einen Moment verschwimmen die Gedanken zu einem einzigen Brei. Ich schließe die Augen, nehme erneut einen Zug und sehe Mutter vor mir. Verschwommen hockt sie auf ihrer Eckbank in der Küche, sie kann ihre Augen nicht offen halten, der Kopf fällt immer wieder auf ihre Brust. Die lustigen Musikanten im Hintergrund. Ich spreche sie an, Mutter, sage ich, komm schon. Dabei greife ich ihr unter die Arme. Sie ist leicht wie ein kleiner Vogel, den man von der Straße aufklaubt, weil er sich die Flügel gebrochen hat. Gemeinsam gehen wir ins Schlafzimmer, ich lege sie aufs Bett, ziehe sie aus, sie ist nicht im Stande, sich für ihre Nacktheit zu schämen. Dann übergibt sie sich. Ich stehe stumm da. Ich will sie hassen. Vater kommt dazu, er starrt seine Frau an. Tse, macht er, schüttelt den Kopf und geht.
Im U-Bahnschacht stinkt es nach geschliffenem Metall und Urin. Eine tote Taube liegt vor der Rolltreppe, ein mürrisch dreinguckender Mann mit Warnweste fegt den Kadaver auf seine Schaufel und schmeißt ihn in den Müllsack, den er bei sich führt. Meine Tasche scheint immer schwerer zu werden, als ich sie auf der Rolltreppe schultere, klappern die Flaschen.
Im Zug bin ich fast allein, so früh morgens muss offenbar niemand zum Flughafen. Die elektrische Stimme sagt die Stationen an, ich will nicht, dass wir halten.

(...)

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EWJoe
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BeitragVerfasst am: 25.01.2015 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Servus,

Dein Text ist vom Thema her ergreifend. Ein Junge zieht aus nach Gewalt in der Familie, will sich mit der Freundin treffen. Beide beschließen abzuhauen.

Allerdings hat der Text einige logische Hacker und vielleicht Unklarheiten, die mich wieder herausgerissen hatten.

***** Zitat:
 Das metallische Klacken hallt im Treppenhaus nach, es prallt von den Wandfliesen ab und fällt auf mich zurück. Ich denke an den Hahn einer Pistole, sehe ihn nach vorne schnellen. Die Patrone verlässt den Lauf. Und erwischt mich im Rücken.
Zitat Ende *****

Das Abprallen von den Wandfliesen ist nicht nötig, da dies mit hallen bereits ausgeführt wurde. Wahrscheinlich willst Du damit nur diese Impressionen verstärken, aber das ist eigentlich nicht der Punkt. Du sprichst von einer Pistole, der Prota sieht wie der Hahn nach vor schnellt und eine Patrone (falsch, wenn dann ein Geschoss, als Teil der Patrone) trifft ihm in den Rücken. Das Bild stimmt einfach nicht.


***** Zitat:
Das waren seine letzten Worte vor ein paar Minuten ...
Zitat Ende *****

Klingt nach einem gewaltsamen Ende des Vaters. Beabsichtigt? Aber ok, wie auch immer.

***** Zitat:
Die ersten Jogger und Spaziergänger, die unterwegs sind, schieben Atemwolken vor sich her.
Zitat Ende *****

Atemwolken vor sich herschieben, klappt nur bedingt. Wenn der Wind richtig bläst, vielleicht. Sonst würde der Jogger eher die Atemwolken hinter sich lassen und das auch nicht immer, sondern stoßweise. Irgendwie stimmt für mich das Bild auch nicht ganz.

***** Zitat:
Als kurz darauf der zittrige Jack Russel an mir vorbei gehechelt ist ...
Zitat Ende *****

Aus dem Text habe ich dann erkannt dass Jack Russel eine Hunderasse sein muss. War mir nicht bekannt, ist ja auch letzlich egal welche Rasse das hat, es stört eher das Bild. (Laut Wikipedia schreibt man die Hunderasse Jack Russell)

***** Zitat:
... weil sie doch so oft friert. Sie fror sogar an jenem Abend im vergangenen Juli. ...
Zitat Ende *****

Diesen Abschnitt solltes Du besser formulieren.

***** Zitat:
Von nun an kann er mir nichts mehr anhaben, nie mehr. Uns nichts mehr, Malia, hörst du?
Zitat Ende *****

Klingt wieder nach dem gewaltsamen Ende des Vaters.

Im zweiten Teil kommt wieder ein Rückblick, während der Junge auf dem Weg zu seiner Freundin ist, nehme ich mal an. Ist aber nicht klar ersichtlich. Es klappt schon mit den Rückblenden, aber für mich fehlen da das Überblenden. Im experimentellen Text "Vom Hörensagen ( Klemens Fitte)" ist das auf intensive Art und meisterhaft geschehen. Ist nicht ganz leicht, so ohne hinweisende Passagen, nicht jeder Leser löst gerne Puzzles im Text.


***** Zitat:
Im U-Bahnschacht stinkt es nach geschliffenem Metall und Urin. Eine tote Taube ...
Zitat Ende *****

Da holt den Prota wieder die Realität aus den Gedanken der Vergangenheit. Das Überblenden sollte klarer markiert werden, finde ich. Diese Passage ist aber ganz gut vom Bild gelungen. Der Stimmung entsprechend nimmt der Prota jetzt die düsteren Szenen besonders war, verstärkt seine eigenen Erlebnisse damit. Hoffentlich läßt er sich nicht zu tief da reinziehen.

Du schreibst recht gut, ein knapper Stil, wie man heute meist so schreibt. Da steckt viel Potenzial in Deinem Text. Die Details lasse ich berufeneren Kritikern.

LG
EWJoe
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MT
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BeitragVerfasst am: 26.01.2015 16:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Joe,

danke, dass Du bis hierher Deine Gedanken da gelassen hast. Bevor ich auf Einzelheiten eingehe, möchte ich erst alle Teile des Textes eingestellt haben, um dann in einer Art Gesamtschau ranzugehen.

LG

I.
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MT
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BeitragVerfasst am: 26.01.2015 18:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mir gegenüber kauert ein alter Mann, sein Gesicht wird von einem einzigen grauen Bart verdeckt, eine Pudelmütze hängt derartig tief über den Augen, dass ich mich frage, ob er überhaupt noch etwas sehen kann. Der Kopf liegt auf seiner Brust, der Oberkörper schwankt während der Fahrt. Er stinkt, diese arme, alte Kerl, er stinkt nach Alkohol und Kot. Seine Hosen sind zerschlissen, und ich will mir gar nicht ausmalen, was zum Vorschein kommt, würde man seine prall gefüllten Plastiktüten entleeren.
Als hätte ihn mein Blick aus dem Schlaf erweckt, richtet er sich plötzlich auf und starrt mich an. Die Augen sind jünger als sein Gesicht, er lächelt. Wir erreichen die nächste Station, der Zug wird langsamer. Der Mann erhebt sich, und während er nach seinem Gleichgewicht ringt, beginnt er zu singen. Es ist mehr ein Krächzen, ein Gurgeln, immer wieder erstickt vom Schleim, der ihm offenbar in der Kehle hängt. Aber seine Augen, die viel jünger sind als sein Gesicht, glänzen jetzt ein wenig, und aus dem Lächeln wird zusehends ein Lachen. Als die Bahn hält, die Türen sich öffnen, torkelt er zum Ausgang, singend, grölend und immer wieder saftig lachend.
Die Türen schließen, der Zug setzt sich in Bewegung, ich sehe aus dem Fenster. Der junge, alte Mann mit dem Weihnachtsmannbart steht da mit seinen ranzigen Kleidern und winkt mir zu. Gott weiß, was er durchgemacht hat, was Anlass dafür war, dass seine Habe in ein paar Plastiktüten passt, doch um eines beneide ich ihn: er ist glücklich.

Malias Familie ist modern, ihr Vater ist Internist am Uniklinikum, die Mutter lebte viele Jahre in Köln, sie haben sich in Deutschland kennengelernt. Es sei eine Liebeshochzeit gewesen, sagt Malia. Eine Liebeshochzeit, wiederhole ich in Gedanken, und bei dem Wort verspüre ich ein Ziehen im Magen.
Sie war vierzehn, ein Kind. Die Eltern flogen mit ihr in die Heimat. So nannten sie das kleine Städtchen in der Nähe Monrovias, Malia war nie zuvor dagewesen. Alles, was sie darüber wusste, wusste sie aus Erzählungen ihres Vaters und von den Bildern, die er ihr zeigte.
Taylor war ein Junge aus dem Viertel, er wohnte nicht weit vom Haus der Eltern ihres Vaters entfernt und war nicht einmal ein Jahr älter als Malia. Er ging auf die internationale Schule und konnte sechs Sprachen. Später sollte er einmal Medizin in Deutschland studieren, sein und Malias Vater hatten alles besprochen. Sie wollten das Beste für ihre Kinder. Malia glaubte das damals, sie war stolz auf ihren Vater, sie liebte ihn, er war ihr ein und alles.

(…)

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MT
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BeitragVerfasst am: 27.01.2015 22:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Endlich, ich bin da, jetzt sind es nur noch ein paar hundert Meter zu Fuß über das Flughafengelände, durch die Hallen mit ihren stechenden Lichtern und den großen Tafeln an der Wand, auf denen die ganze Welt angeboten wird, wie Fahrkarten für ein unsichtbares Karussell, das jeder kennt. Ein paar hundert Meter bis zu unserem Treffpunkt. Ein paar hundert Meter bis zu dir, Malia.
Eine Rolltreppe führt zur Aussichtsplattform hinauf. Draußen auf dem Balkon hat man freie Sicht aufs Rollfeld, ständig dröhnen die Maschinen über einen hinweg. Als Kind war ich oft hier, sonntags mit Vater, als er noch vom Reisen träumte. Von hier aus gelangt man durch eine Metalltür ins Parkhaus, und dort geht es zu einem Fahrstuhl, in dem es, solange ich denken kann, nach süßem Parfum stinkt. Er führt hinauf bis aufs oberste Parkdeck, es trägt die Nummer 11.
Mein Herz rast. Die Tasche ist schwer, ihre Griffe schneiden sich in meine Schulter. Schweiß tropft mir von der Stirn. Ich laufe. Meine Atmung kommt kaum hinterher. Die Muskeln meiner Schenkel brennen. Die Schritte hallen. Ich muss auf die andere Seite des Decks. Flugzeuge sieht man von hieraus nicht, sie starten und landen gegenüber. Aber einen Teil der Stadt kann man sehen, weit weg und bedeutungslos klein wie eine Modellbahnlandschaft.
„Malia“, sage ich leise, während wir aufeinander zu rennen.

(...)

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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 18:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Malia löst sich aus unserer Umarmung. Langsam zieht sie mich zu unserem Platz. Hier an der Mauer, die uns bis zur Brust reicht, saßen wir so oft in den vergangenen Wochen. Hier vermutete uns niemand. Hier waren wir sicher. In der Kälte der Nacht liebten wir uns. Unsere Jacken hatten wir am Boden ausgebreitet, wie jetzt.
Ich hole eine der Flaschen aus meiner Tasche. Als ich sie vorhin aus der Bar im Wohnzimmer zog, war ich nicht wählerisch, es musste schnell gehen. Malia trinkt zuerst, sie verzieht das Gesicht und muss husten. Dann setze ich an, nehme einen großen Schluck. Er brennt im Magen. Malia legt ihren Kopf auf meine Brust.

Zehn Tage ist es jetzt her und es schmerz noch immer wie der Tod eines geliebten Menschen. Vor zehn Tagen meinte Vater, die Zeit für ein Gespräch von Mann zu Mann sei gekommen. Mutter geisterte irgendwo im Haus umher, keine Ahnung wo sie war und was sie trieb. Vater und ich saßen nebeneinander auf dem Wohnzimmersofa, er hatte seinen Arm um mich gelegt, es war spät am Abend. Er erzählte von seiner Kindheit und wie schwer er es damals gehabt habe. Nicht geliebt worden sei er von seinem Alten, obwohl er sich doch nichts sehnlicher gewünscht habe. Ich schwieg und hörte zu, vernahm die Worte, die ich schon so oft aus seinem Mund gehört hatte. Irgendwann sah er mich an, lächelte aufgesetzt.
„Junge, ich meine es doch nur gut mit Dir“, sagte er, und ich dachte: „Gut meinen ist nicht gut machen.“
Er bot mir eine Flasche Bier an, doch ich lehnte ab und war der Ansicht, das Gespräch von Mann zu Mann sei nun beendet. Er hatte aber noch einen letzten Satz für mich parat, von dem er vielleicht selber nicht wusste, ob er ihn aussprechen sollte. Doch als ich schon stand, sah er zu mir rauf und sagte:
„Eine Schwarze gehört nicht in unsere Familie.“

(...)

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lupus
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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 18:59    Titel: Re: Fliehkraft Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Zuerst einmal: ich lese deinen Text gern. Er hat was, nur was kann ich nicht wirklich benennen. Es liegt wohl an einer mE sehr gelungenen Struktur: Sehr klug platzierte Rückblenden - auch wenn das dem §2 KuGe-Regelwerkes widerspricht. Vielleicht gerade deswegen. Auch daran, dass du - trotz eines nicht gerade spannenden Themas - Spannung erzeugst, und das ist nun wirklich nicht leicht. Auch wird es wohl an der Sprache liegen: sie ist (kurz und) bündig, sie bleibt - trotz der Ich-Perspektive - distanziert, gerade zu lapidar. Du vermeidest es in die (übertriebenes, zwanghaftes) Show-Falle zu tappen (auch eher E) Diese Punkte halte ich für die oberflächlich positiven Aspekte des Textes.

Aber: wie immer hat eine Medaille zwei Seiten; schwierig zu benennen, aber ich versuche es einmal. In Ermangelung anderer Termini, verlass ich mich auf das gute alte E und U - auch wenn ich Watschen kassiern sollte. Das Thema, die Distanziertheit der Sprache lassen mich diesen Text als 'E' klassifizieren. Dann aber die Bilder. Zum einen hängen sie bisweilen mE ein bisserl schief. Dann wieder denke ich mir: dieses Bisserl, diese minimale Schiefe wäre wiederum ein E-Charakteristikum, andererseits sind sie mir zu wenig originell, was wiederum U wäre, dann - wiederum U - sind mir die BIlder zu lasch/einfach, zu nur visuell vielleicht, zu ... das ist es möglicherweise: die Bilder bringen mir keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, keinen tatsächlichen ästhetischen Gewinn. ( was etwa ist der ästhetische Gewinn, wenn Enten nicht einfach fliegen, aber die Wolken erklimmen? - wie erklimmen Enten die Wolken?) Oder besser: nicht alle Bilder passen. Ich kann es beim besten Willen nicht sagen, vielleicht gelingt es mir, während der Detail-Arbeit.

Sprachlich: ja, kurz und bündig. Mir schient aber, dass diese Kürze ein wenig auf Kosten des Variantenreichtums geht. Die Sätze klingen seeehr ähnlich. Du verwendest eine ausgeklügelte, fast schon unorthodoxe Satzstruktur (schon der erste Absatz zeigt wohin diesbezüglich die Reise geht), aber mE verwendest du sie zu oft, sodass sie ihren Reiz verliert. Andererseits erkenne - ich zumindest - einige unschöne Redundanzen.

Vorläufiges Fazit: Ein guter Text, ein gut geschriebener Text, aber - für mich zumindest nicht Fisch nicht Fleisch. Inhaltlich, strukturell hab ich gar nichts auszusetzen, aber sprachlich, ach Mensch!, ich weiß einfach nicht: es fehlt mir was, ohne sagen zu können, was es wirklich ist.

In einer Rezension würd ich wohl schreiben: Dem Autor gelingt es sprachlich nicht wirklich, seinen erkennbaren Ambitionen gerecht zu werden; es mag fast scheinen, als hielte er sich zurück, tatsächlich Literatur zu schaffen. Oder so ähnlich. Wink

Möglicherweise hilft dir das jetzt nicht weiter, aber ich verspreche Detail-Arbeit.

lgl


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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MT
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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 19:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Abwechselnd trinken wir. Bis die Flasche leer ist. Dann ziehe ich eine neue aus der Tasche. Diesmal ist es Rum, statt  Wodka. Wir frieren, Malias Körper fühlt sich so klein an, so zerbrechlich. Alles an ihr zittert, sogar ihre Lippen auf meinen.
„Komm“, sage ich und ziehe sie noch näher an mich heran. Ich lasse sie nie wieder los.

Ihr Vater sei nie streng gewesen, erzählte sie mir. Er habe ihr beim Schlafengehen Geschichten vorgelesen, habe ich Frühstück für den Kindergarten und später für die Schule zubereitet. Dabei habe er manchmal, obwohl es verboten war, eine kleine Süßigkeit in die Brotbox gelegt. Sie habe sich immer so behütet gefühlt.
Bis zu jenem Tag, dem Tag in Kariowo, als sie Taylor das erste Mal in ihrem Leben sah.
Auf dem Rückflug sprachen sie kein Wort miteinander, Vater, Mutter und Tochter. Und auch Taylor und dass sie einander versprochen waren, war danach lange Zeit kein Thema. Bis der Brief seiner Eltern eintraf, vor wenigen Wochen erst. Malia weinte, schrie ihren Vater an, flehte ihn um ihrer selbst willen an. Es half nichts. Die Vereinbarung der Familien war beschlossene Sache, und als Malia drohte abzuhauen, schlug der Vater sie das erste Mal in ihrem Leben. Es tat ihm leid, er weinte, nahm sie in den Arm.
Und sagte: „Wir werden es nicht ändern.“

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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 19:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eisiger Wind zieht durchs Parkhausdeck. Wir richten uns auf, ein Schwindel bemächtigt sich meiner, die Beine drohen mir zu entgleiten. Erneut küsst mich Malia. Dann sehen wir uns an. Lang. Tief. Einverständlich. Ich weiß, dass sie jetzt an die vergangenen Sommertage zurückdenkt. An den kleinen See hinter dem Backsteinhaus. Sicher steht sie jetzt dort in Gedanken, steht auf dem alten Baumstamm und kreischt, als sie abspringt und ins Wasser taucht.


Wir sind hochgeklettert auf die Mauer, die uns sonst nur bis zur Brust ragt. Wir halten einander an den Händen. Wir sehen uns an.
„Ist wie ins Wasser springen“, sage ich, und Malia nickt.

Ein letztes Mal ziehe ich sacht die Tür hinter mir zu, der Zylinder fällt ins Schloss. Das metallische Klacken hallt im Treppenhaus nach, es prallt von den Wandfliesen ab und fällt auf mich zurück. Ich denke an den Hahn einer Pistole, sehe ihn nach vorne schnellen. Die Patrone verlässt den Lauf. Und erwischt mich im Rücken.
Wir fliegen.

(Ende)

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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 19:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, Ihr Lieben, Feuer frei!

I.
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lupus
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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 20:15    Titel: Antworten mit Zitat

erster Schuß:

toll geschriebenes Ende. Aber inhaltlich leider vorhersehbar. das wir fliegen würd ich streichen. Ist eh klar.

lgl

edit: ich nehme an, die Vorhersehbarkeit war dir bewusst; hast nichts dagegen gemacht. D.h.: es war Absicht. Jetzt muss ich überlegen, ob das gut ist. Hab fast das gefühl, dass ja.
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BeitragVerfasst am: 28.01.2015 23:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lupus,  meine Kritikerinstanz!

Tja, ja, die Vorhersehbarkeit... Wir haben schon oft darüber gestritten. Und das ist gut so! Mein Plan beim Text lautete: wollen die beiden jetzt (nur) abhauen oder tatsächlich endgültig Schluss machen? Ich wusste es beim Schreiben selbst nicht, hab aufs Ende hingearbeitete, die zwei ein wenig laufen lassen und dann war klar: nur endgültiges Schlussmachen ist richtig! Ich habe gehofft, auch der Leser stellt sich bis zum Ende diese Frage... und dadurch würde hinreichend Interesse am Weiterlesen geweckt. Mal schauen, vielleicht melden sich dazu ja auch noch ein paar andere Stimmen.

Du bist hin- und hergerissen zwischen U und E. Ja, kann ich da nur sagen, geht mir auch so! Zum einen wegen der fast immer gleichen Sprache; dazu verteidigt sich der Autor so: erzählt wird die Geschichte von einem ca. 17 bis 18jährigen. Dem soll der Erzählsound entsprechen... Ob das gelungen ist? Wer weiß...
Zum anderen wegen der zum Teil zu platten Vergleiche/Bilder. Auch da gebe ich Dir recht, und habe als Erklärung nur: der Text steht in der Werkstatt, eben weil ich an verschiedenen Stellen unsicher bin. Dein Beispiel trifft es - jetzt, wo es jemand von außen anspricht - auf den Punkt: Tauben, die nicht fliegen können, aber den Himmel erklimmen?! Du sagst - natürlich zurückhaltender, wofür ich danke - völlig zu recht: wassn das fürn Scheiß?! Ich verspreche Dir: da geh ich nochmal dran!

Nun ja, und dann sind da aus meiner Sicht noch andere Fragen... Vielleicht finden sich zum Text noch ein paar Stimmen.

Danke Dir! DAS ist Textarbeit! Wunderbar!

LGMT
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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 08:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

EWJoe hat Folgendes geschrieben:
Servus,

Dein Text ist vom Thema her ergreifend. Ein Junge zieht aus nach Gewalt in der Familie, will sich mit der Freundin treffen. Beide beschließen abzuhauen. [Also ist der Suizidwille für Dich offenbar nicht vorhersehbar... gut so.]

Allerdings hat der Text einige logische Hacker und vielleicht Unklarheiten, die mich wieder herausgerissen hatten.

***** Zitat:
 Das metallische Klacken hallt im Treppenhaus nach, es prallt von den Wandfliesen ab und fällt auf mich zurück. Ich denke an den Hahn einer Pistole, sehe ihn nach vorne schnellen. Die Patrone verlässt den Lauf. Und erwischt mich im Rücken.
Zitat Ende *****

Das Abprallen von den Wandfliesen ist nicht nötig, da dies mit hallen bereits ausgeführt wurde. Wahrscheinlich willst Du damit nur diese Impressionen verstärken [das war die Intention, genau], aber das ist eigentlich nicht der Punkt. Du sprichst von einer Pistole, der Prota sieht wie der Hahn nach vor schnellt und eine Patrone (falsch, wenn dann ein Geschoss, als Teil der Patrone) trifft ihm in den Rücken. Das Bild stimmt einfach nicht. [Hm, das verstehe ich nicht. Gedacht war es so: Das Bild mit dem austretenden Geschoss hat er in Gedanken. Ebenso wie seine Familie, die er im Rücken hat, als er (für immer) die Tür hinter sich zuzieht...]


***** Zitat:
Das waren seine letzten Worte vor ein paar Minuten ...
Zitat Ende *****

Klingt nach einem gewaltsamen Ende des Vaters. Beabsichtigt? Aber ok, wie auch immer.

***** Zitat:
Die ersten Jogger und Spaziergänger, die unterwegs sind, schieben Atemwolken vor sich her.
Zitat Ende *****

Atemwolken vor sich herschieben, klappt nur bedingt. Wenn der Wind richtig bläst, vielleicht. Sonst würde der Jogger eher die Atemwolken hinter sich lassen und das auch nicht immer, sondern stoßweise. Irgendwie stimmt für mich das Bild auch nicht ganz. [Stimmt, da hast Du recht! Das muss ich ändern!]

***** Zitat:
Als kurz darauf der zittrige Jack Russel an mir vorbei gehechelt ist ...
Zitat Ende *****

Aus dem Text habe ich dann erkannt dass Jack Russel eine Hunderasse sein muss. War mir nicht bekannt, ist ja auch letzlich egal welche Rasse das hat, es stört eher das Bild. (Laut Wikipedia schreibt man die Hunderasse Jack Russell) [Hab ich schon geändert.]

***** Zitat:
... weil sie doch so oft friert. Sie fror sogar an jenem Abend im vergangenen Juli. ...
Zitat Ende *****

Diesen Abschnitt solltes Du besser formulieren.

***** Zitat:
Von nun an kann er mir nichts mehr anhaben, nie mehr. Uns nichts mehr, Malia, hörst du?
Zitat Ende *****

Klingt wieder nach dem gewaltsamen Ende des Vaters.

Im zweiten Teil kommt wieder ein Rückblick, während der Junge auf dem Weg zu seiner Freundin ist, nehme ich mal an. Ist aber nicht klar ersichtlich. Es klappt schon mit den Rückblenden, aber für mich fehlen da das Überblenden. Im experimentellen Text "Vom Hörensagen ( Klemens Fitte)" ist das auf intensive Art und meisterhaft geschehen. Ist nicht ganz leicht, so ohne hinweisende Passagen, nicht jeder Leser löst gerne Puzzles im Text. [Ich wollte die Blenden nicht zu deutlich werden lassen, ein bisschen soll der Leser doch auch gefordert werden. lupus meint offenbar, dass das hier geht. Hm, Ansichtssache? Ich lasse es mal sacken...]


***** Zitat:
Im U-Bahnschacht stinkt es nach geschliffenem Metall und Urin. Eine tote Taube ...
Zitat Ende *****

Da holt den Prota wieder die Realität aus den Gedanken der Vergangenheit. Das Überblenden sollte klarer markiert werden, finde ich. Diese Passage ist aber ganz gut vom Bild gelungen. Der Stimmung entsprechend nimmt der Prota jetzt die düsteren Szenen besonders war, verstärkt seine eigenen Erlebnisse damit. Hoffentlich läßt er sich nicht zu tief da reinziehen. [leider doch... und das ist Absicht.]

Du schreibst recht gut, ein knapper Stil, wie man heute meist so schreibt. Da steckt viel Potenzial in Deinem Text. Die Details lasse ich berufeneren Kritikern.

LG
EWJoe


Vielen Dank für Deine sehr brauchbaren Anmerkungen!

LGMT


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Das Schicksal verzichtet oft auf Kommentare, es begnügt sich damit, zuzuschlagen.

Siegfried Lenz
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EWJoe
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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 09:06    Titel: Antworten mit Zitat

Servus,

Gratulation, da hast Du den Torman genau auf dem falschen Fuß erwischt! Klar, Selbstmord von Jugendlichen in auswegloser Situation und kein Ödipus.

Du schreibst wirklich gut, aber das habe ich Dir bereits mitgeteilt.

Romeo und Julia, ein bisschen in die Jetztzeit übertragen, ja überzeugt.

Ursprünglich hatte ich den Titel "Fliehkraft" als etwas zu plump gesehen (familiäre Kräfte zwingen Jungen zur Flucht { da war ich auch auf einer etwas anderen Spur}), aber im Lichte dieses Endes verdient der Titel eine ganz andere Beurteilung.

Meine Kritikpunkte halte ich größtenteils zwar aufrecht, z.B. die Bilder mit der Patrone u.a. ist der Logik etwas abträglich, läßt sich aber einfach umformulieren, dann passt das Bild, auch so als Klammer auf und Klammer zu. (Zuerst als verschlüsselte Absicht, dann als abschließende Tat)

Thema wunderbar getroffen, Stil fein, nur ein paar Stellen, wo der Hobel nochmals angesetzt werden sollte.


LG
EWJoe


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EWJoe
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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 09:24    Titel: Antworten mit Zitat

Servus nochmals,

offensichtlich hat sich meine Antwort überschnitten.

***** Zitat:
Das Abprallen von den Wandfliesen ist nicht nötig, da dies mit hallen bereits ausgeführt wurde. Wahrscheinlich willst Du damit nur diese Impressionen verstärken [das war die Intention, genau], aber das ist eigentlich nicht der Punkt. Du sprichst von einer Pistole, der Prota sieht wie der Hahn nach vor schnellt und eine Patrone (falsch, wenn dann ein Geschoss, als Teil der Patrone) trifft ihm in den Rücken. Das Bild stimmt einfach nicht. [Hm, das verstehe ich nicht. Gedacht war es so: Das Bild mit dem austretenden Geschoss hat er in Gedanken. Ebenso wie seine Familie, die er im Rücken hat, als er (für immer) die Tür hinter sich zuzieht...]
***** Zitat Ende

Gemeint habe ich dabei, 1.) dass der Terminus Patrone nicht passt, sondern mit dem Terminus Geschoss ausgetauscht gehört. Eine Partone besteht aus der Hülse, dem Geschoss und einigen anderen Teilen, aber nur das Geschoss verläßt den Lauf.
2.) wenn steht: ich sehe wie der Hahn vorschnellt, dann ist es für mich schwer vorstellbar, auch wenn es sich dabei nur um ein Gedankenbild handelt, gleichzeitig in den Rücken getroffen zu werden. Tauschte einfach ich sehe mit ich höre aus und schon passt es.

LG
EWJoe


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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 09:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MT.

Da jetzt der Text komplett und das Inko aufgelöst ist, möchte ich dir auch ein paar erste Gedanken da lassen.

Überrascht davon, wie der Text endet, war ich nicht; es war mir schon ab
MT hat Folgendes geschrieben:
„Machen wir es wie verabredet?“, frage ich.

klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Der Grund liegt nicht etwa darin, dass du nicht andere Möglichkeiten offengehalten hättest – wie du selbst schreibst, wurde dir ja erst im Verlauf klar, welche Art des Schlussmachens die Figuren erwartet – sondern daran, dass dieses Ende konsequent ist für einen Text, der sich mE stets ins Erwartbare, ins Klischee rettet. Ich lese von häuslicher Gewalt, von toten Tauben, von glücklichen Obdachlosen, und all das ist mir so gegenwärtig, wie es mir damals logisch schien, als ich selbst noch unerfahren war und die Grauschattierungen, die jede Geschichte besitzen kann, noch nicht kannte.

Und dann denke ich mir: Ja, das ist konsequent in seinem kaum verdeckten Reißbrettcharakter, seiner Vorhersehbarkeit (im Sinne des Erzählens), auch in seiner sprachlichen Ausführung, obwohl sie mir oft zu genau bemessen erscheint, zu gemäßigt, als dass ich sie für die Sprache eines jungen Menschen halten könnte; hier ist eher jemand, der einen jungen Menschen (be)schreibt.

Aber (und das ist nur mein Aber, das kann jeder anders sehen): Es ist zugleich ein sehr konstruierter Text, mit Rückblenden, die zu kurz sind, um echte Rückblenden sein zu können, die mich als Leser nur informieren, mir Themengebiete um die Ohren hauen, Schlagwörter, und die auch noch ihre eigene Interpretation mitliefern.

Derzeit lese ich Peter Roseis "Komödie", ein kurzer Text, der oft nur bruchstückhaft oder kaleidoskopartig Landschaftsbeschreibungen mit Gedanken des Erzählers mischt, Vor- und Rückblenden, knappe, viel zu knappe Einblicke ins Innenleben des Erzählers, die mir aber an jeder Stelle ermöglichen, ins Unerwartete zu springen und damit die Vertrautheit und Einzigartigkeit, das Unfassbare jeder Geschichte (auch für den Erzähler selbst) zu spüren.

Hier scheint mir alles vorgefasst, scheint mir eine Geschichte erzählt zu werden, die selbst nicht an ihre Einzigartigkeit glaubt, denn Einzigartigkeit kann sich nicht auf das Klischee verlassen, sich von ihm keine Bedeutung leihen.

Vielleicht ist es das Spannungsfeld zwischen U und E, ich weiß es nicht. So leid es mir tut, aber irgendetwas an diesem Text kommt mir unglaublich halbgar vor.

Ich bin mir noch nicht sicher, wo Textarbeit – im Sinne der Werkstatt – ansetzen kann, bei Interesse klopfe ich aber gern einzelne Stellen auf ihre sprachliche Fassung ab. Vielleicht bin ich aber auch nicht qualifiziert, diesen Text zu bewerten – oder überhaupt nur richtig zu lesen, was ja auch die Unordnung meiner hier geäußerten Gedanken verdeutlicht.

Etwas ratlose Grüße,
Klemens


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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 09:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

EWJoe hat Folgendes geschrieben:
Servus nochmals,

offensichtlich hat sich meine Antwort überschnitten.

***** Zitat:
Das Abprallen von den Wandfliesen ist nicht nötig, da dies mit hallen bereits ausgeführt wurde. Wahrscheinlich willst Du damit nur diese Impressionen verstärken [das war die Intention, genau], aber das ist eigentlich nicht der Punkt. Du sprichst von einer Pistole, der Prota sieht wie der Hahn nach vor schnellt und eine Patrone (falsch, wenn dann ein Geschoss, als Teil der Patrone) trifft ihm in den Rücken. Das Bild stimmt einfach nicht. [Hm, das verstehe ich nicht. Gedacht war es so: Das Bild mit dem austretenden Geschoss hat er in Gedanken. Ebenso wie seine Familie, die er im Rücken hat, als er (für immer) die Tür hinter sich zuzieht...]
***** Zitat Ende

Gemeint habe ich dabei, 1.) dass der Terminus Patrone nicht passt, sondern mit dem Terminus Geschoss ausgetauscht gehört. Eine Partone besteht aus der Hülse, dem Geschoss und einigen anderen Teilen, aber nur das Geschoss verläßt den Lauf.
2.) wenn steht: ich sehe wie der Hahn vorschnellt, dann ist es für mich schwer vorstellbar, auch wenn es sich dabei nur um ein Gedankenbild handelt, gleichzeitig in den Rücken getroffen zu werden. Tauschte einfach ich sehe mit ich höre aus und schon passt es.

LG
EWJoe

Das mache ich! Eine gute Idee, danke dafür!


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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 10:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin Klemens!

Hab vielen Dank für Deine ersten Gedanken. Allerdings bin ich jetzt auch ratlos! lol Deine Anmerkungen beziehen sich offenbar und im ganz wesentlichen zunächst auf ein Gefühl beim Lesen (scheinbar ein Unbehagen), das noch nicht richtig gegriffen werdn kann. Wenn Du tatsächlich Zeit finden würdest, den Versuch zu unternehmen, dieses Gefühl an konkreten Passagen dingfest zu machen, wäre ich Dir sehr dankbar.

Ich schrieb es schon: Der Text ist in der Werkstatt - nicht ohne Grund. Ich bin selbst unschlüssig. U? E? Das ist ehrlich gesagt für mich nicht das ausschlaggebende Kriterium; er muss funktionieren! Ob nun als U oder E, er muss stimmig sein. Und das geht nach meiner Überzeugung auch, wenn U und E sich in einem Text treffen. Ob der vorliegende das vermag... ich weiß es selbst nicht genau.

Zum Klischee: Hm, ich weiß nicht. Ich glaube: Leben ist (viel) Klischee, und Geschichten sind das Abbild. Natürlich darf ein Text nicht mit den immergleichen Allgemeinplätzen daherkommen, das wäre billig und fad. Bei diesem Stück hier hattte ich aber nicht das Gefühl, Klischees zu bedienen. Ich habe geschrieben, was ich oft beobachtet habe und noch immer beobachte. Inzwischen meine ich, man muss mit dem Klischee-"Vorwurf" vorsichtiger sein, weil Leben vielfach so ist. Und da wäre es mE nicht richtig, die Dinge nicht auch einfach mal beim Namen zu nennen. Es gibt Zwangsehen, es gibt familiäre Gewalt und es gibt Obdachlose die lachen (übrigens: mein Prota MEINT nur, der Obdachlose sei glücklich, ich habe nicht gesagt, dass er es ist. Der Prota spiegelt sich in ihm... Das ist etwas anderes).

Danke Dir auf jeden Fall für Deine Meinung, auch wenn sie ebenfalls ein wenig ratlos zurücklässst.

LGMT


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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

MT hat Folgendes geschrieben:
(übrigens: mein Prota MEINT nur, der Obdachlose sei glücklich, ich habe nicht gesagt, dass er es ist. Der Prota spiegelt sich in ihm... Das ist etwas anderes).


Ich habe nichts Gegenteiliges geschrieben.
Werde mir zum Rest Gedanken machen und sehen, ob da etwas für dich Verwertbares rauskommen kann.


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BeitragVerfasst am: 29.01.2015 11:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MT,

ich habe deine Geschichte bis zu Ende gelesen! Inhalt und auch Schreibe konnten mich „bei der Stange halten“ (schlimmes Bild, aber du weißt was ich meine.) Der Text demonstriert deutlich einen Anspruch, und zwar nicht nur den, zu unterhalten. Ich spürte immer auch einen Ansatz E durchblitzen, manchmal etwas zu gewollt.
Das du schreiben kannst, steht außer Frage. Am Ende blieb jedoch so ein Gedanke wie: „Klasse Geschichte, genial geschrieben!“ aus und ich wusste zuerst nicht so recht warum. Es war da so ein Gefühl: alles ist absehbar, ein wenig konstruiert und manchmal für mich nicht glaubwürdig. Ich habe mich dann auf die Suche gemacht und bin für mich zu einer Erkenntnis gekommen. Für mich hat die Geschichte einen gewaltigen für mich nicht funktionierenden „Knackpunkt“.
Ich gehe erst mal nicht auf Details ein, die leicht zu überarbeiten wären, sondern auf den für mich gewichtigsten Punkt, den Ich-Erzähler.

Du hast dich für den Ich-Erzähler entschieden, einen 16 jährigen Jungen, der mit Selbstmordabsichten das Haus verlässt. Das ist schon nicht sehr einfach.
Die Sprache muss stimmen und die emotionale Extremsituation des Protagonisten, aus dem du heraus die Geschichte erzählst, muss im Auge gehalten werden. (Hier wackelt es für mich ganz gewaltig: da sind Gedankengänge, wo ich denke, denkt man das wirklich auf dem Weg zum Selbstmord? Macht man da wirklich solche Beobachtungen? Ist das wirklich die Sprache eines 16 jährigen, in einer solchen Situation? Ich sehe da einen viel zu abgeklärten und alles verstehenden Erzähler. Konkrete Stellen zeige ich noch auf.)

Eine weitere Erschwernis liegt im Schluss: der gemeinsame Selbstmord findet statt. Es ist also kein Erzählen im Nachhinein. Für mich ist dieses Arrangement ganz glücklich gewählt und eigentlich nicht machbar. Vielleicht sollte die Geschichte einen anderen Schluss bekommen. (Aber das ist jetzt eine andere Frage.)

Jetzt ein Textbeispiel, wo ich mich frage: Ist das glaubwürdig? Geht das einem 16 jährigen durch den Kopf, in so einer Situation?

Zitat:
Über der Außenalster hängt ein diesiger Schleier, die Sonne schafft es nicht, den Himmel auseinanderzuschneiden. Die ersten Jogger und Spaziergänger, die unterwegs sind, schieben Atemwolken vor sich her. Im Grunde hat Schneeluft keinen Geruch, denke ich, und doch bilde ich mir ein, sie riechen zu können, eine Mischung aus Frost, See und Salz. Ein paar Enten schnattern am Ufer, das Bellen eines nahenden Hundes lässt sie aufstoben wie einen Blumenstrauß. Ihr Anblick stimmt mich fröhlich, ich sehe ihnen nach, wie sie die Wolken erklimmen, etwas behäbig zwar (Enten haben keinen anmutigen Flug), aber frei. Als kurz darauf der zittrige Jack Russel an mir vorbei gehechelt ist, im Zaum gehalten nur durch die Leine seines Herrchens, kommen die Enten zurück und platschen neben mir ins Wasser, als wäre nichts gewesen.


Ich denke, wenn er das alles registriert, während er unterwegs zu seiner "Verabredung" ist, dann muss ich als Leser glaubhaft seine Reaktion spüren. Vielleicht rempelt ihn ein Jogger und er ist verärgert, oder es reißt ihn kurz ins JETZT, vielleicht riecht er Salz und Schnee, vielleicht hört er das Auffliegen der Enten, aber was löst es in ihm aus? Denkt er so "poetisch oder gar philosophisch gelassen": "wie ein Blumenstrauß" / Enten haben keinen anmutigen Flug". Oder vielleicht eher: [Scheiße, diese Jogger. Denen ist aber auch keine Uhrzeit zu früh. Nicht mal heute habe ich die Straße für mich.] Das ist kein besserer Ansatz, wollte nur zeigen, was ich meine: ich spüre in der Erzählpassage den 16 jährigen nicht, ich habe hier fast einen außenstehenden Erzähler, der in der ersten Person spricht.

Oder hier:

Zitat:
Mir gegenüber kauert ein alter Mann, sein Gesicht wird von einem einzigen grauen Bart verdeckt, eine Pudelmütze hängt derartig tief über den Augen, dass ich mich frage, ob er überhaupt noch etwas sehen kann. Der Kopf liegt auf seiner Brust, der Oberkörper schwankt während der Fahrt. Er stinkt, diese arme, alte Kerl, er stinkt nach Alkohol und Kot. Seine Hosen sind zerschlissen, und ich will mir gar nicht ausmalen, was zum Vorschein kommt, würde man seine prall gefüllten Plastiktüten entleeren.


Auch hier setze ich ein Fragezeichen an die fett gesetzten Stellen. Vielleicht rückt er weg, weil der alte Mann stinkt. Aber macht er sich so weiterführende Gedanken?

Ich habe weniger Probleme mit den Rückblenden, da ich eh nicht in den "klassischen Kategorien" von noch Kurzgeschichte oder schon Erzählung denke. Wenn etwas gut gemacht ist und für mich als Laser überzeugend in der Geschichte steht, ist die "Kurzprosa" heute sehr vielfältig unterwegs. Hier erscheint mir jedoch die Rückblende auf die Familie des Mädchens zu offensichtlich dazu da, ein paar Informationen nachzuschieben. Das sind dann so gewichtige Infos (fast eine eigene Geschichte), dass sie in der Kürze der Rückblende sehr plakativ wirken.

MT, seit langem ein Text, an dem es sich auch für mich lohnte, ein paar Fragen zum "Erzählen" zu stellen und ich werde die Diskussion und den Faden interessiert verfolgen. Vielleicht kannst auch du etwas mit meinen Gedanken anfangen.

Liebe Grüße Aranka


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KeTam
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Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8


BeitragVerfasst am: 29.01.2015 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MT,

ich kann dir nur ziemlich unsortiert schreiben, was ich zu deinem Text denke.

Mich lässt der Text etwas ratlos zurück.
Da ist schon mal der Einstieg, distanziert, man ahnt es schon. Über den gesamten Text hältst du dann diesen langsamen, getragenen Rhythmus bei, der noch mehr Distanz schafft und m.M.n. sogar etwas zum Schema wird, an dem du festhältst, ob es nun passt, oder nicht. Mir wirkt das zu lieblos. Nicht so, als wäre er dazu geeignet, mich aus der Distanz mehr sehen zu lassen.
Dann Bilder, die schön gezeichnet sind, aber doch nicht überraschen, sondern alles, wie schon mal gesehen. Schön eben, aber eben dieses "abhakende" schön. Es bleibt für mich nichts zurück.
So geht es mir auch mit dem Inhalt, der ja die schon zig mal gelesene, gesehene Romeo und Julia Konstellation aufbereitet. Aber es berührt mich nicht, wird genau so, wie es dein Sprachrhythmus widerspiegelt runter erzählt. Ein paar Rückblenden, die so traurig wie banal, wenig überraschend das manchmal traurig und banale Leben zeigen.
Am Ende bleibt mir nur zu denken: Ja, so ist es ... Mehr nicht.

Wie gesagt, ich bleibe da ratlos zurück ... Mir kommt das alles etwas unambitioniert und leblos vor ...



Lg, KeTam.


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