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Xasziia
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Beiträge: 198
Wohnort: mal hier, mal da


BeitragVerfasst am: 06.11.2007 19:34    Titel: Schulalltag eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Hast du heute Nachmittag Zeit?“ fragte Julia mich in der Pause. Ich zuckte zusammen. „Äh nein, ich kann heute nicht.“ Ich sah ihren fragenden Blick und wusste: ich konnte nicht ausweichen. Eine Ausrede musste her. „Ich…äh ich habe einen Arzttermin.“ versuchte ich es mit der halben Wahrheit. „Schon wieder?“ Ihr erstaunter Blick suchte meine Augen. Ich nickte. Seltsam, in einer gewissen Weise verletzte mich ihr Blick. Dieses Erstaunen gemischt mit Zweifel und  Ärger, als würde ich sie anlügen. Ich probierte durch einen Scherz die Stimmung aufzulockern: „Ich könnte theoretisch in der Praxis einziehen. Aber meine Mutter könnte es nicht ertragen. Wer soll denn dann noch ihren Obstsalat essen.“ Ich sah an ihrem Gesichtsausdruck, dass es nicht gut ankam. Meine Scherze waren schon  immer schlecht gewesen.

„Und wo geht’s heute hin?“ Die Neugier gewann Überhand. Mist! Warum? Warum nur wollten die anderen Menschen wissen, was für einen Arzt ich besuchte? Es ist doch  eigentlich vollkommen unwichtig. „Zum Impfen.“ Erwiderte ich knapp. „Da warst du doch schon letzte Woche!“ Verärgert sah sich mich an. „Jaha, ich muss nochmal geimpft werden. Du weißt schon…“ „Ach, wenn du nicht willst.“ Eingeschnappt drehte sie sich um und ging. Ich seufzte. Weshalb glaubten einem die Menschen nur, wenn man log? Bei der Wahrheit, oder auch halben Wahrheit, denken sie immer, dass man sie anlog. Und überhaupt! Es geht doch nicht jeden etwas an, zu welchem Arzt ich muss! Bedrückt ging ich wieder in die Klasse. Noch zwei Stunden bei meiner Klassenlehrerin hatte ich vor mir, dann war Schulschluss. Heute war ich mir allerdings nicht sicher, ob ich nicht doch lieber in der Schule bleiben wollte.

Meine Gedanken wurden durch einen harten Schlag auf meinen Rücken unterbrochen. Ich stolperte und fing mich ab indem ich mich am Schrank abstützte. Das hämische Kichern der Anderen ließ mich auf einen weiteren, äußerst originellen Scherz schließen. Ich atmete tief ein und setzte meine übliche Miene auf. Langsam griff ich nach hinten und riss den Zettel, der mir auf das Shirt geklebt worden war, ab. Ich spürte die erwartungsvollen Blicke, die auf mir ruhten und die Spannung, wie meine Reaktion ausfallen würde. Bleib ruhig, ermahnte ich mich. Auf dem Zettel stand folgendes:
Schlagt mich!

Da hatten sie sich mal wieder etwas außergewöhnlich Lustiges einfallen lassen. Dieser originelle Spruch wird bestimmt unvergesslich bleiben. Verzweiflung keimte in mir auf, wie so oft, aber ich unterdrückte meinen Impuls aus dem Raum zulaufen. Stattdessen knüllte ich den Zettel zusammen und entsorgte ihn. Schweigend setzte ich mich auf meinen Platz und holte meine Schulsachen heraus. Das verstohlene Flüstern, das um mich herum aufkam, ignorierte ich.  Meine Gedanken kreisten schon wieder um ein aktuelleres Problem, als meine Situation in der Klasse. Versunken starrte ich mein Mathematikheft an und hing meinen Gedanken nach. War ich jetzt wirklich noch normal? Ich hatte mit elf schon mehr Ärzte aufgesucht, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Allein dadurch war ich anders. Aber heute wurde einer meiner Albträume war.

Für die Anderen war mein Verhalten sowieso unverständlich. Wie sollte ich ihnen denn dieses Mal meine Abwesenheit erklären? Ich konnte ihnen nicht die Wahrheit sagen. Und wie sooft, wenn ich nicht mehr weiterwusste, fragte ich mich, warum ausgerechnet ich? Warum nicht jemand anders? Aber ich konnte diese Frage nicht beantworten. Ich versuchte mir einzureden, dass es anderen schlechter gehe, als mir, aber es half auch nicht. Wie sollte mir denn diese Einsicht helfen? Meine Schmerzen wurde ich trotzdem nicht los. Verzweiflung überkam mich erneut und aus der Tiefe meines Bewusstseins erhob sich noch etwas anderes, das immer in diesen Momenten kam. Angst. Sie hatte sich schon vor langer Zeit um mein Herz gekrallt und drückte mal mehr, mal weniger fest zu. Angst verfolgte mich, seit ich begriffen hatte, dass die Ärzte mir nicht helfen konnten. Ich hatte Angst vor diesem Nachmittag, vor meiner Klasse, vor jedem neuen Tag. Angst vor mir selbst, vor den Ärzten, vor jeder neuen Diagnose.

Ein Schauder überlief mich und ich bemühte mich an etwas anderes zudenken. Ich schlug meine Hausaufgaben auf und überprüfte sie noch einmal. Melanie setzte sich neben mich und fragte, ob alles in Ordnung sei. „Sicher. Es ist alles O.K. Hast du Mathe verstanden, nachdem ich es dir gestern erklärt habe?“ Sie nickte. Dann betrat unsere Lehrerin den Raum. „Wir ziehen heute den Klassenrat vor!“, verkündete sie als erstes, „Ihr könnt eure Mathematiksachen also wieder einstecken. Wir werden diese Stunde nächste Woche nachholen.“ Entsetzen packt mich. Wie hatte ich das vergessen können?!  

Kritik ist erwünscht. wink
LG Xasziia



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„Homo homini lupus est“
T. Hobbes
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BeitragVerfasst am: 06.11.2007 19:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Xa!
Ich werde deine Geschichte auf jeden Fall noch kritisieren, soviel bin ich dir auf jeden Fall schuldig. Der Text ist ja etwas länger, mal gucken, wann ich Zeit dazu finde...Donnerstag oder so. Wink
Lg,
Martin
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Enfant Terrible
Geschlecht:weiblichalte Motzbirne

Alter: 28
Beiträge: 10246
Wohnort: München


Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 07.11.2007 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ich war bei dieser Story recht hin und -hergerissen. Insgesamt ist es korrekt und gut geschrieben, aber für eine exzellente Story fehlt etwas. Bitte, versteh mich nicht falsch, es ist schon sehr gut - aber eben eher Aufsatzniveau. Klar, was ich meine? Irgendwie schaffe ich es doch nicht, in die Geschichte einzutauchen, obwohl sie stilistisch ganz okay ist.

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"...und ich bringe dir das Feuer
um die Dunkelheit zu sehen"
ASP

Geschmacksverwirrte über meine Schreibe:
"Schreib nie mehr sowas. Ich bitte dich darum." © Eddie
"Deine Sprache ist so saftig, fast möchte man reinbeißen." © Hallogallo
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 17:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hm..ich muss dem Krümel rechtgeben. Der erste Teil hört sich stark nach Jugendbuch an, der zweite nach einer Psycho-Story. Ich finde den Übergang zu abrupt. Zuerst lügt das lyrische Ich ihre Freundin an und dann betritt sie die Klasse und ist auf einmal der Buhmann. Nicht nur das, sie geht deshalb auch zu Ärzten - hat sich das Mobbing schon auf die Psyche ausgewirkt?
Auf jeden Fall hast du es geschafft, mich auf den nächsten Teil neugierig zu machen. wink
Lg,
Martin
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Nico Teen
Schmierfink

Alter: 36
Beiträge: 83
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 11.11.2007 18:14    Titel: Antworten mit Zitat

Also so wie ich es verstanden habe, ist das Mädchen krank. Diese Krankheit ist ihr peinlich. Außerdem ist sie eine Außenseiterin und wird gehänselt.
Nur hätte ich gerne gewusst welche Krankheit sie hat. Das Ende verstehe ich garnicht, mit dem Klassenrat.
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 18:56    Titel: Antworten mit Zitat

Nico Teen hat Folgendes geschrieben:
Also so wie ich es verstanden habe, ist das Mädchen krank. Diese Krankheit ist ihr peinlich. Außerdem ist sie eine Außenseiterin und wird gehänselt.
Nur hätte ich gerne gewusst welche Krankheit sie hat. Das Ende verstehe ich garnicht, mit dem Klassenrat.


Stimmt, jetzt wo du's sagst, könnte es auch z. B. Neurodermitis oder so was sein, obwohl ich da erst auf was Psychisches getippt hätte.
Das mit dem Klassenrat ist...normal. Fällt halt ne Stunde Mathe aus...ich frag mich nur, warum sie das so panisch macht...
Ach, ich mach zu viele Punkte...
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Xasziia
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 19:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi,
Zitat:
Also so wie ich es verstanden habe, ist das Mädchen krank. Diese Krankheit ist ihr peinlich. Außerdem ist sie eine Außenseiterin und wird gehänselt.

Das stimmt alles. Also ja, das Mädchen ist krank.
Allerdings hat sie zwei Probleme, einmal ihre Krankheit und einmal das Mobbing. Das heißt, sie ist sowohl psychisch als auch physisch krank. Aber sowas wie Neurodermitis hat sie nicht. Das mit dem Klassenrat kommt im nächsten Teil, weshalb sie da so panisch reagiert.
Ich kann ihn ja vielleicht demnächst reinstellen.
@Krümel+Krevin: könnt ihr mir sagen, wieso der Funke nicht so rüber springt? Vielleicht eine Stelle, an der etwas fehlt, oder so?
Ansonsten danke, für die Kritiken bzw Analysen^^
LG Xasziia


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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 20:02    Titel: Antworten mit Zitat

Wie gesagt, der Übergang ist mmn viel zu abrupt. Erst ist es eine typische Freundinnenkrise und dann auf einmal wechselt das Thema völlig. Die Freundin ist nebensächlich, das Mädel geht in die Klasse und wird fertig gemacht.
Warum?

PS: Würde mich mal interessieren, was sie für ne Krankheit hat...? wink
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woertchen
Geschlecht:weiblichLeseratte


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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es gut geschrieben, liest sich flüssig weg smile Um vielleicht eine andere Atmosphäre zu gestalten, die nicht ganz so nach typischem Jugendbuch klingt, würde ich vielleicht mehr Gedanken der Protagonistin einbringen und die wörtliche Rede/die Gespräche anders gestalten.
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Lore
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Alter: 87
Beiträge: 946
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Code Philomele
Frauenschicksale in einer Großstadt
BeitragVerfasst am: 11.11.2007 20:20    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist in meinen Augen der vielversprechende Anfang einer Geschichte.

Ob sie packend wird, kann man noch nicht beurteilen, dafür ist sie noch zu sehr im Aufbau.

Also....ran an die Buletten, löse auf, entwirre, führe fort, was auch immer.

Lore


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Blas Dich nicht auf, sonst bringet Dich
zum Platzen schon ein kleiner Stich
(Nietzsche)
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Longo
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text gefällt mir nicht, tut mir leid. Das Thema finde ich zwar interessant, aber ich finde bei dem Text keine Pointe, keine Lösung. Du schreibst dauernd, sie sei krank, müsste zu Doktor, doch was hat sie denn (Bin gleicher Meinung wie nico teen)? Wird sie gehänselt, weil sie hässlich, dick oder weil sie ein Streber oder dauernd Arzttermine hat? Außerdem wirkt der Inhalt von Absatz zu Absatz abgehackt, z.B. vom ersten zum zweiten Absatz.

MFG Longo
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Xasziia
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 21:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

'freu' so viele Anmerkungen. Danke schon mal.
Also allgemein, da ich nicht viel mehr als 500 Wörter posten wollte, weil sonst keiner gelesen hätte, musste ich irgendwo unterbrechen. Daher auch die abrupte Unterbrechung...Die Erklärungen werden kommen, teilweise im nächsten Abschnitt also z.B. warum sie gehänselt wird.  
Zitat:
Erst ist es eine typische Freundinnenkrise und dann auf einmal wechselt das Thema völlig.

Ihre Lüge soll zeigen, wie verzweifelt sie ist und wie viel Angst sie vor den Meinungen anderer hat. Also in welcher Situation sie sich befindet.
Ich versuch morgen den nächsten Teol reinzustellen, vielleicht erklärt sich dann einiges. wink
LG Xasziia


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woertchen
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ich warte gespannt wink
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Gabi
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BeitragVerfasst am: 12.11.2007 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es gut, dass am Anfang nicht direkt die Krankheit angesprochen wird. Dass sie später noch genannt wird, daran habe ich gar keinen Zweifel. Erhöht ja auch die Spannung. In diesem Abschnitt ist es auch nicht so wichtig, weil es erst einmal um die Angst und die Hänseleien geht. Crying or Very sad  Bin auch schon gespannt, wie es weiter geht.
Gruß Gabi.
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Xasziia
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BeitragVerfasst am: 12.11.2007 21:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

also, wie angekündigt der neue Teil. Er ist etwas länger und ich hoffe ihr verliert nicht die Lust am Lesen. Ich bin recht unzufrieden mit diesem text, aber soviel wie ich auch daran rumgefeilt habe, ich schaffe es nicht ihn authentisch klingen zu lassen. Hilfe ist gern gesehn Wink

Vor einer knappen Woche hatte meine Mutter mit der Lehrerin gesprochen und sie waren überein gekommen, die Probleme einmal anzusprechen im Klassenrat. Allerdings ohne meine Zustimmung. Ich hatte Angst davor, dass es noch schlimmer werden würde, als es ohnehin schon war. „Räumt die Tische an die Seite. Ich glaube es ist gut, wenn wir uns heute alle sehen können.“ Ich nahm alles wie in Trance war. Stocksteif saß ich auf meinem Stuhl und umklammerte mein Matheheft. Die überraschten Stimmen der Anderen drangen nicht an mein Ohr und ich sah nicht, wie meine Lehrerin mich anblickte. Noch nie hatte ich mir so stark gewünscht, an einem anderen Ort zu sein. Alles in mir wollte fliehen. Weg von diesem Ort, weg von diesen Menschen. „Ist dir nicht gut? Du bist so weiß im Gesicht.“ Melanies besorgtes Gesicht schob sich in mein Blickfeld. „Nein.“, krächzte ich, „ mir geht es gut. Wirklich.“ Ich stand auf und half ihr den Tisch wegzuschieben.

Ein Stuhlkreis war gebildet worden und fast alle hatten sich auf ihre Plätze gesetzt. Ich kämpfte meine Furcht nieder und stellte meinen Stuhl dazu. Demonstrativ begannen die Anderen wegzurücken. Ich verzog meinen Mund zu einer verbitterten Grimasse. Melanie fing meinen Blick auf und lächelte aufmunternd. „Ruhe jetzt.“ Meine Lehrerin ergriff das Wort, „Hat jemand eine Ahnung, wieso wir hier sitzen?“
Stille, alle schauten auf den Boden, einschließlich mir.  „Keiner? Aha, dann werde ich es euch sagen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es hier einige Probleme in der Klassengemeinschaft gibt. Unter anderem sollen Personen ausgeschlossen werden. Weiß jemand etwas davon?“ Erneutes Schweigen. Ich hörte ihr resigniertes Seufzen und wusste, was jetzt kommen würde. „Luzia, du weißt doch bestimmt Näheres.“ Hinterhältiges Kichern ertönte und verstohlene Blicke wurden ausgetauscht. Und ich spürte, wie sich die Tausenden von Mücken bereit machten um mit ihren kleinen Stacheln Verzweiflung in meinen Körper zu pumpen. Ich krampfte meine Hände zusammen und suchte nach Worten. Doch meine Gedanken wollten sich nicht sammeln, sie stoben auseinander und wurden davongetragen, wie Federn im Wind.  

Ich hielt meinen Blick auf dem Boden, da ich Angst hatte sonst vollkommen meine Fassung zu verlieren. „Nun, Luzia. Willst du uns nicht sagen, was dich bedrückt?“ Nein, Ihnen nicht! Bitte, bitte, nicht! Ich schrie in meinen Gedanken. Ich flehte, bat, schrie, weinte und blieb doch stumm. Meine Stimme war geflohen, so wie ich es wollte. „Also gut, dann… Ja, Julie?“ Sie war erleichtert und erfreut, dass sich eine ihrer Lieblingsschülerinnen meldete. „Also, ich glaube, jeder weiß, wer sich ausgeschlossen fühlt, also können wir die Person auch beim Namen nenne, nicht Luzia? Allerdings, und ich glaube hier stimmen mir die anderen zu, ist es eigentlich gar nicht unsere Schuld, dass Luzia sich so ausgegrenzt fühlt. Schließlich macht sie auch oft nicht mit, wenn wir draußen etwas machen.“ „ Ja, natürlich Julie. Ich hätte euch auch nie solche Bosheit unterstellt, aber vielleicht sollten wir uns anhören, was die besagte Person dazu zu sagen hat.“ Ihre Stimme war immer kühler geworden im letzten Teil des Satzes. Mir lagen so viele Wörter auf der Zunge, doch mein Mund wollte sich immer noch nicht öffnen.

 „Wenn ich so dazwischenreden darf. Luzia, wir haben dir doch nie etwas getan, dass du dich ausgeschlossen fühlen musst. Also wie kommst du auf diese absurde Idee?“ Sie lachte gekünstelt auf. Ich schaute in ihre Augen und sah die Hinterhältigkeit, die mir ins Gesicht sprang und  plötzlich kehrte meine Stimme wieder. Wut wallte in mir auf und packte mich. Ich wollte es ihr heimzahlen, die Stunden der Verzweiflung, sie spüren lassen. Ihr die Angst zeigen, die sie unfähig macht zu handeln. Ich glaube, wenn ich je jemanden gehasst habe, dann war es Julie. Zeit meines Lebens habe ich nur Hass, Verachtung und Mitleid für sie empfunden. Ich fing an zu reden und konnte nicht mehr aufhören. „ Ich will dir erklären, warum ich mich ausgeschlossen fühle, Julie. Ihr habt vor genau acht Wochen angefangen mich zu hänseln. Oder wie ihr es so schön ausdrückt, zu mobben. Erst waren es nur dumme Bemerkungen und ich dachte, na gut, nimm es nicht ernst, das ist normal. Doch dann habt ihr angefangen mich zu ignorieren. Ihr habt nicht geantwortet, wenn ich etwas gefragt habe, mich übergangen bei Abstimmungen, wenn ich mitmachen wollte, habt ihr mich nicht in eure Mannschaft gewählt, sondern einfach stehen gelassen. Ich war gerade noch gut genug zum Abschreiben. Ich dachte mir, vielleicht sind sie dann netter zu mir, wenn ich sie abschreiben lasse, aber nein. Ich wurde weiter ignoriert und dann kamen die sogenannten „Streiche“ dazu.  Diese außerordentlich originellen Demütigungen, wie vorhin zum Beispiel: Schlagt mich! Ich bin wirklich zutiefst beeindruckt. Meine Hochachtung. Aber kommen wir wieder zu deiner Frage. Nachdem ich das eine Weile hingenommen habe, fragte ich euch irgendwann, was denn los sei. Kannst du dich erinnern? Wir hatten Musik und Melanie war an dem Tag krank. Ihr habt mir doch tatsächlich geantwortet, moment, ich zitiere euch: „Wir haben beschlossen, dich jetzt auszuschließen.“ Keine Begründung. Nichts. Einfach dieser Beschluss. Was soll ich denn damit anfangen. Und jetzt frage ich euch, was soll ich tun, damit ihr mich nicht mehr ausgrenzt?! Sagt es mir und ich werde es versuchen.“ Meine Stimme zitterte und ich atmete hastig. Was hatte ich getan? Warum hatte ich nur die Fassung verloren? Warum, warum?! Meine Lehrerin blickte sich unbehaglich um und machte den Eindruck, als wolle sie so schnell wie möglich den Raum verlassen. Die Wut hatte der Verzweiflung Platz gemacht. Hilfe konnte ich von niemandem erwarten. „Ich glaube, du schließt dich eigentlich selbst aus. Warum machst du denn nie mit, wenn wir Ticken spielen oder beim Tischtennis Runde machen?“ fragte Melina, eine bis dato eher Unbeteiligte. „Das habe ich euch schon tausendmal erklärt. Aber auf diesen Ohren seit ihr taub. Ich bin krank, verdammt nochmal. Ich muss jeden zweiten Tag zum Arzt. Ich kann mich nicht bewegen ohne Schmerzen zu haben, ich habe immer Schmerzen. Ich kann nicht laufen, rennen, springen, ohne dass ich nach fünf Minuten einen Zusammenbruch erleide. Deswegen spiele ich nie Tischtennis oder Ticken. Ich kann das einfach nicht. Ich darf es nicht!“

LG Xasziia
PS: Absätze sind zur Lesbarkeit gemacht worden.


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Gabi
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BeitragVerfasst am: 12.11.2007 23:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Habe gerade deinen Text gelesen und er kam mir nicht zu lang vor. Wink
Muss allerdings einräumen, dass mir die Situation nicht gefällt, denn  Luzia wird im Klassenrat ja richtig an den Pranger gestellt. Ich glaube, das war nicht im Sinne der Mutter und der Lehrerin. Das hättest du vielleicht ein wenig anders lösen müssen. Eine Stelle ist mir noch aufgefallen.

Zeit meines Lebens habe ich nur Hass, Verachtung und Mitleid für sie empfunden.

Lass das Mitleid weg, denn wenn man jemanden so hasst, ist es das allerletzte was man fühlt. Twisted Evil

Ansonsten finde ich den Text sehr gut geschrieben, denn man kann sich sehr gut in Luzias Gefühlswelt einleben.

L.G. Gabi
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Xasziia
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BeitragVerfasst am: 13.11.2007 15:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Gabi,
Wie du ganz richtig erkannt hast, wurde Luzia an den pranger gestellt. Und das ist vielleicht nicht im Sinne der Mutter, aber die Lehrerin macht nichts dagegen, sie lässt es geschehen, weil sie damit eigentlich nichts zu tun haben will. Das wird noch genauer erklärt.
Das mit dem Mitleid greift im Prinzip auf eine Erfahrung vor, die noch passieren wird. Du hast recht im Moment ist es so, dass sie Julie einfach nur hasst, aber es gibt später noch einmal eine Situation,bei der sie einsieht, wie bemitleidenswert sie eigentlich ist.
Trotzdem Danke für dein Kommentar!
LG Xasziia


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Rennschnitzel
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Sir Winterblast
BeitragVerfasst am: 13.11.2007 16:08    Titel: Antworten mit Zitat

der zweite teil deines textes hat bei mir emotionen hervorgerufen. und das ist aus meinem munde ein großes lob. deine texte sind weitestgehend rechtschreibfehlerfrei, das macht sie auch schön zu lesen. ich erkenne keine nennenswerten fehler im zweiten teil, nur würde ich, wie gabi gesagt hat, das "mitleid" weglassen.

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You can be watching TV and see Coca-Cola, and you know that the President drinks Coke, Liz Taylor drinks Coke, and just think, you can drink Coke, too. A Coke is a Coke and no amount of money can get you a better Coke than the one the bum on the corner is drinking. All the Cokes are the same and all the Cokes are good. Liz Taylor knows it, the President knows it, the bum knows it, and you know it.
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BeitragVerfasst am: 13.11.2007 16:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Xa!
Das Ende finde ich schön. Es rührt mich sogar ein bisschen, man bekommt Mitleid.
Insgesamt wirkt der Text sehr authentisch, auch wenn ich die Situation - wie Gabi - etwas krass dargestellt finde.
Hast du nicht gesagt, Luzia wäre 11? Ziemlich heftige Gedankengänge für eine 11jährige... Shocked

Lg,
Martin
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Xasziia
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BeitragVerfasst am: 13.11.2007 21:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey!
Danke für das viele Lob!Embarassed  Freut mich, dass euch meine Geschichte gefällt!

Zitat:
Hast du nicht gesagt, Luzia wäre 11? Ziemlich heftige Gedankengänge für eine 11jährige...

ist aber möglich. Wenn du verzweifelt bist denkst du so allerlei.

Die Situation ist mit Absicht so krass. Sie soll ein bisschen schockieren und auch verwundern... Wink
Ich werde das Mitleid jetzt doch rausnehmen. Ihr habt mich überzeugt^^
LG Xasziia


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Xasziia
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BeitragVerfasst am: 17.11.2007 22:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So noch einmal ein neuer Teil.wink
 
Schweigen. Ich blickte in die Gesichter meiner Klassenkameraden. Die meisten sahen betreten zu Boden. Der Rest musterte mich spöttisch oder abfällig. „Vielleicht solltest du abnehmen, wenn du es in den Gelenken hast. Ich habe gelesen, dass es meistens am Gewicht liegt.“ „Schön für dich, Julie. Ich wusste gar nicht, dass du liest. Ganz zufällig liegt es aber nicht am Gewicht!“ Ich sagte es nicht halb so bissig, wie ich es wollte. Trotzdem handelte ich mir einen warnenden Blick von meiner Lehrerin ein. Was bildete die sich überhaupt ein? Ich wurde vor ihren Augen gedemütigt und sie ließ es geschehen. Stattdessen hielt sie zu Julie, als hätte ich Schuld. Die Wut trieb mir Tränen in die Augen, aber ich wischte sie hastig weg. „Hat jemand Lösungsvorschläge für dieses Problem?“ Suchend glitt ihr Blick über unsere Gesichter. Lena meldete sich. „Luzia könnte die Klasse wechseln, dann wären wir sie los. Am Besten geht sie ganz von der Schule.“ Sie grinste mich boshaft an. Und aufgrund dieses Satzes beging ich einen großen Fehler. Mir schossen die eben noch zurückgedrängten Tränen in die Augen. Mein ganzer Körper schüttelte sich von meinen Schluchzern. Ich versuchte meine Fassung wieder zugewinnen, aber meine Seele wollte nicht mehr. Als ich merkte, dass die anderen anfingen zu kichern und keiner Anstalten machte mir zu helfen, sah ich ein, dass ich endgültig verloren hatte.
Aus dem Reflex heraus stieß ich den Stuhl weg und lief aus dem Klassenzimmer. Ich floh. Wie so oft versuchte ich meinen Probleme wegzulaufen. Von Schluchzern geschüttelt und das Gesicht tränenüberströmt rannte ich über den Schulhof. Ich knickte um und ein stechender Schmerz durchfuhr mich, doch ich hinkte weiter. Ich wollte nicht nachgeben. Einmal wollte ich gewinnen. Einmal nicht der Krankheit den Sieg lassen, sondern zu Ende führen, was ich begonnen hatte. Doch wie so oft verlor ich. Schließlich fand ich mich auf dem Mädchenklo der zehnten Klassen wieder. Heulend auf der Kloschüssel sitzend. Doch es tat gut zu weinen. Ich ließ den Tränen freien Lauf, hielt sie nicht zurück. Es wirkte befreiend und für einen Moment wurde ich nicht ins Bodenlose gedrückt, sondern konnte einen Lichtstrahl erhaschen. Doch irgendwann waren meine Tränen aufgebraucht und ich wurde nur noch gelegentlich von trockenen Schluchzern geschüttelt. Kaum waren die Tränen verschwunden, konnte ich mich nicht mehr von meinen Problemen lossagen, sondern musste wieder in die Realität zurückkehren. Und die hielt noch einiges bereit für mich. Ich öffnete die Klotür und ging zum Waschbecken.
Mein Gott sehe ich scheußlich aus, durchfuhr es mich, als ich mein Spiegelbild sah. Das verweinte Gesicht einer etwas dicklichen Elfjährigen sah mir entgegen. Meine leicht schrägstehenden, ovalen Augen waren rot umrandet und das gesamte Gesicht aufgequollen vom Weinen. Ich strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr und wusch mir das Gesicht, als die Tür aufging. Hereinspaziert kamen Julie und ihre ewige Begleiterin Christine. Ich seufzte. Bitte nicht! Das Stoßgebet kam zu spät. „Luzia, wir wollen dir etwas sagen.“ Danke, ich weiß, dass ich fett, hässlich und dumm bin, das habt ihr mir schon ungefähr 1000Mal gesagt. Ich schluckte meine Antwort hinunter. Die Situation war schon schlimm genug. Stattdessen trocknete ich mich ab und zupfte an meinen Haaren herum, angeblich unbeteiligt. „Wir wollen dir sagen, dass wir dich nicht in der geringsten Weise verletzen wollten. Aber wir finden dich halt scheiße.“ Sprachlos drehte ich mich um. Wie konnte eine Zwölfjährige solch eine Unverfrorenheit besitzen? Wie kann man, wenn man noch si jung ist, schon so boshaft und hinterhältig sein? Ich blickte in ihre Augen und sah das triumphierende Funkeln. „Ihr findet mich, wenn schon, beschissen.“ murmelte ich, „Ihr braucht ein Adverb. Und „scheiße“ ist ein Nomen.“ Dann stürzte ich an ihnen vorbei an die frische Luft. Mir war schlecht.


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Gabi
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Alter: 51
Beiträge: 1294
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 19.11.2007 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir. Ja, Kinder können grausam sein! Mad
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