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Harry und die geschändete Maria


 

 
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Gine
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BeitragVerfasst am: 14.12.2014 14:44    Titel: Harry und die geschändete Maria eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebes Forum, nach langer Zeit und so kurz vor Weihnachten, ...blabla... endlich mal wieder ein Text und so ... viel Spaß. Wink

Harry und die geschändete Maria
- Kriminalistische Kurzgeschichten, passt prima zum Tee -


(Länge: ca. 5 DinA4-Seiten, Zeilenabstand 1; der besseren Lesbarkeit geschuldet enthält die Story mehr Absätze als nötig.)

Menschen.
 Menschen dürften so ziemlich die dämlichsten Tiere sein, die die angebliche Evolution jemals hervorgebracht hat. Aber ich bin ja nur ein Hund, was weiß ich schon.
Harry ist da leider keine Ausnahme. Harry, gelegentlich auch Herr Lehmann, Hallo Nachbar, Herr Kommissar, lieber Onkel Polizist oder verdammter Bulle genannt. Harry, mein bester Kumpel und der einzige Mensch auf der Welt, der versteht, dass ein Hund ab und zu Kuddeln braucht um ordentlich furzen zu können.

Harry gibt anderen Zweibeinern stets die Hand zur Begrüßung, wie zum Beispiel den 3 ulkigen Gestalten, die hier im Büro gerade auf Ihren Stühlen herumrutschen und entweder nervös sind wie Wiesel in einem Schlangennest, oder ebenfalls Kuddeln bekommen haben.

Harry kann die Kerlchen nicht durchschauen. Eben weil er ihnen die Hand gibt, anstatt ihnen am Hintern zu schnüffeln. Er hätte die Hälfte seiner ungeklärten Fälle längst gelöst, wenn er das Begrüßungsritual auf meine Weise angehen würde. Aber was würde wohl passieren, wenn er seine Ermittlungen am Hintern des erstbesten Zeugen aufnimmt? Ich denke, er wäre buchstäblich am Arsch.


Da haben wir es wieder: Menschen sind dämlich. Und außerdem befürchte ich, dass Harry auch der pfiffigste Geruch kein bisschen weiterhelfen würde, weil Menschen leider im wahrsten Sinne des Wortes keine Nase dafür haben.
Harry klärt seine Fälle grundsätzlich mit gesundem Menschenverstand, also meistens überhaupt nicht. Vielleicht hat er ja heute mehr Glück als sonst.

Die Männer, jeder von ihnen mit Notizblock und Bleistift bewaffnet, beachten mich gar nicht. Sie alle starren wie gebannt auf die Korkwand hinter Harrys Schreibtisch, beziehungsweise auf die Bilder, die Harry dort vor ein paar Minuten hastig angetackert hat.
Harry beachtet mich ebenfalls nicht. Stattdessen räuspert er sich theatralisch; die mir sehr vertraute Einleitung für eine längere Serie peinlicher Momente.
'Meine Herren, vielen Dank, dass Sie sich herbemüht haben um mir zu helfen ein kleines Rätsel zu lösen.'

Also gut, Harry, sehen wir uns die Typen mal an. Interessant, welche Türen sich einem guten Riecher öffnen. Keiner der Männer riecht nach Schuldgefühlen. Sonderbar. Immerhin sollte einer von Ihnen der Täter sein. Doch der erste strotzt nur so vor rechtschaffener Empörung. Das ist gut, weil der singen wird wie ein Rudel Spatzen über dem Haupt einer verdammten Katze.
Und der bärtige Kerl in der Mitte sieht so aus, wie er riecht; nervös, aber ehrlich. Und nicht zu vergessen: stinksauer!

Wenn Harry ihm auch nur das geringste bisschen Aufmerksamkeit schenken würde, dann könne ihm kaum entgehen, dass der Kerl seinen Stift mit der Hand umkrampft, als wäre es ein Messer, das er gerne irgend jemandem in den Hals rammen möchte. Vorzugsweise dem Typen neben ihm, dem er gelegentlich unheilvolle Blicke zuwirft.
Der hat ein Selbstbewusstsein, an dem man Eisen verbiegen könnte, balancierend auf einem Kartenhaus. Nun, das erklärt zumindest dieses starre Grinsen, das der pausenlos im Gesicht trägt. Erinnert an einen schizophrenen Hai, der sich für eine Amöbe hält, die allen weiß machen will, sie sei ein Hai.

'Meine Herren, der Kurator des städtischen Kunstmuseums hat mich freundlicherweise davon in Kenntnis gesetzt, dass sich jemand an dem Portrait der Baronin Maria Loretta aus dem 16. Jahrhundert, Maler unbekannt, vergriffen hat. Er ist recht verstimmt darüber, weil das Bild angeblich nicht nur wertvoll, sondern absolut unbezahlbar und einzigartig sei. Wegen der besonderen Farben und den ungewöhnlichen Lichtreflexen und, ach, ich habe das ganze Zeug eh nicht verstanden. Fakt ist, das Bild wurde zu einer Zeit geschändet, ja, genau so hat er sich ausgedrückt, tut mir Leid, zu der es eigentlich restauriert werden sollte. Und Sie, meine Herren, hatten den Auftrag erhalten, das Bild wieder in Stand zu setzen. Ist das richtig?'

Wenn die noch heftiger nicken, dann fallen Ihnen bestimmt die Köpfe ab.
'Schön, schön.'
Das findet Harry wirklich. Ich merke es daran, dass er seinen Allerwertesten aus dem bequemen Drehstuhl schwingt, auf und ab tigert und sich dabei aufgeregt die Hände reibt.
'Ich habe hier jede Menge Fotos vorliegen. Nur habe ich leider keinen Schimmer, was der Unsinn soll. Die Bilder sehen fast alle gleich aus. Sehen Sie hier? Und hier? Und da? Was zum Henker soll das?'

Schade. Harry zeigt auf die blöden Fotos. Sagt mir gar nichts. Für mich sind das nur irgendwelche grauen Flecken die eklig stinken.
'Das sind unsere Bilder für die Qualitätssicherung bis zur zweiten Aufhellung', erklärt Kollege Nr.1, der rechtschaffen Empörte.
'Aha!'
Das ist mein Harry. Immer hübsch dramatisch. Wie zufällig schlendert er an seinem Verdächtigen vorbei, nur um urplötzlich herumzuwirbeln und ihm mit einem ohrenbetäubenden 'Aha!' den Zeigefinger in die Magengrube zu rammen. Das kommt immer an, zumindest bei mir. Sehr gut, ich hatte schon ernsthaft mit dem Gedanken gespielt mich zu langweilen.

'Herr Magnus, nicht wahr? Was hat es damit auf sich, mit dieser Qualitätssicherung? Und warum? Was haben die Bilder damit zu tun? Haben Sie eine Erklärung dafür? Und zwar eine, die ich auch verstehen kann, ohne vorher eine lebenslange Ausbildung in Kunstkramblabla absolviert zu haben?' 'Nein'.
Die Antwort war deutlich, lieber Herr Rechtschaffen-alias-Magnus. Harrys Verwirrung spricht recht amüsante Bände.
'Verzeihen Sie, Herr Magnus. War das eben ein Nein? Gibt es demnach etwas, das Sie mir nicht erzählen wollen?'

Harry sollte lieber die Schmiere aus der Stimme nehmen, sonst rutscht er noch darauf aus. 'Keineswegs'.
Donnerwetter Herr Empörung! Du bist ja wirklich die Ruhe selbst, auch wenn du dir dazu ordentlich Mühe geben musst. Und rieche ich da nicht sogar ein klitzekleines bisschen Befriedigung?

'Ich kann Ihnen nicht mal eben so 'kurz' meine Arbeit erklären. Weil es nämlich eine recht komplexe Arbeit ist, die viel Fachwissen erfordert. Aber Ihnen zuliebe kann ich ja mal so tun, als hätte ich meinen 5-jährigen Neffen vor mir, der wissen will, was der liebe Onkel den ganzen Tag so macht. In diesem Fall würde ich sagen: Ich mache ein hübsches Foto von einem ganz schmutzigen alten Bild, dann mache ich das Bild hübsch sauber und dann mache ich wieder ein Foto davon, damit alles sehen können wie hübsch ich das sauber gemacht habe. Hilft Ihnen das weiter?'

Also, wenn mit den Fingern auf dem Schreibtisch trommeln und dabei rot anlaufen ein Zeichen für Verständnis ist, dann hat Harry das verstanden.
'Schön!' bellt Harry. Noch eindrucksvoller als ich, würde ich mal sagen. Andererseits bin ich nur ein Dackel und schon Natur aus nicht besonders eindrucksvoll. Nun, jeder hat so seine kleinen Schwächen.

Die Nr. 2. in der Reihe der Verdächtigen, Herr Ehrlicher-Bart, seufzt fast unhörbar. Außerdem knurrt sein Magen, was wohl eine gute Erklärung dafür sein dürfte, dass er jetzt das Wort ergreift um die Angelegenheit zu beschleunigen. Der Gute wedelt aufgeregt mit seinem Bleistift in Richtung eines der Bilder. Kollege Hai wirft ihm einen missbilligenden Blick zu, so als würde es sich nicht gehören diesem schrecklichen Kommissar freiwillig zu helfen. Hai macht sich emsig Notizen zu diesem Fauxpas.

'Dieses Foto habe ich gemacht, nachdem ich mit meiner Arbeit an dem Bild fertig war.
So habe ich es an meinen Kollegen übergeben.' Mit einem knappen Nicken in Richtung Hai deutet Ehrlich an, um welchen unglücklichen Kollegen es sich dabei handelt. 'Bedauerlicherweise fehlt das nächste Foto in der Reihe.'
Für einen kurzen Moment steht Hais Bleistift still. Dann legt er wieder los, als ginge ihn das alles hier überhaupt nichts an.
'Ach ja? Und was ist das da? Halten Sie das da für einen Rasierspiegel oder was?'
Ah, sieh da. Die Mauer bröckelt. Freund Bei Freund Ehrlich zucken die Mundwinkel. Ist der jetzt auch noch sauer auf Harry? Oder vielleicht eher entnervt? Ja, das könnte hin kommen. Entnervt, kein Zweifel. Dafür, dass er schon über eine viertel Stunde mit Harry im selben Zimmer ist schlägt er sich allerdings sehr tapfer.


'Aber ganz und gar nicht. Dieses Foto dort zeigt das Bild der Maria so, wie wir es vorgefunden haben, als der Kurator überraschend zu Besuch kam um zu sehen, welche Fortschritte wir machen.' Endlich macht Harry sich die Mühe und gönnt dem Gegenstand allgemeiner Aufruhr einen flüchtigen Blick.
'Also ehrlich gesagt, vorher fand ich es besser. Das Lächeln sieht aus, als hätte der 5-jähriger Neffe von Herrn Magnus es bei seinem letzten Besuch gemalt. Womöglich, als sie gerade damit beschäftigt waren, ihm ihre Arbeit zu erklären. Könnte ich mir vorstellen. Nicht böse sein. Könnte mal was aus dem Bengel werden, wenn er ein bisschen übt. Aber der Papagei auf der Schulter der Dame ist eindeutig zu viel des Guten. Wenn schon, dann gehört da ein Kanarienvogel hin. Was meinen Sie?'

Die Herren meinen gar nichts, sondern schmoren still vor sich hin in Welten aus Schmerz, wie sie nur hoffnungslose Ignoranten á la Harry erschaffen können. Mit erzwungener Geduld, vielleicht müsste man in diesem Fall sogar von angeketteter, ausgepeitschter und um Gnade winselnder Geduld sprechen, steht Ehrlich auf, bewegt sich gemessenen Schrittes zur Wand und nimmt das letzte Bild ab. Er lässt etwas Platz und hängt das Beweisstück gewissenhaft wieder auf, wobei er sich erstaunlicherweise die Mühe macht zu Pinnadeln zu greifen, die Bilder glatt zu streichen und die kläglichen Reste des Tacker-Massakers zu entfernen. Nach einem letzten kritischen Blick auf sein Werk begibt er sich wieder zu seinem Stuhl und legt, ganz und gar unschuldige Bescheidenheit, die Hände in den Schoß.
Harry besieht sich die neue Anordnung und runzelt die Stirn.
'Verstehe', sagt Harry, meint es aber sicher nicht so. Das tut er nie. Sogar Boxer verstehen oft mehr als Harry. Gelegentlich selbst Schnecken. Tote.
'Und das bedeutet ... was?'

Ehrlich will gerade antworten, wird aber vom Hai überholt. Geradezu feierlich erhebt er sich, platziert seine Schreibutensilien mit knapp überzogener Gewissenhaftigkeit auf der Tischkante und faltet die Hände auf dem Rücken. Währenddessen, und völlig ungeachtet der Tatsache, dass Block und Bleistift dem Gesetzt der Schwerkraft folgend das Weite suchen, beginnt er zu dozieren.
'Das dürfte doch vollkommen klar sein, Herr Kommissar. Nachdem meine Kollegen mit ihrer Arbeit fertig waren, habe ich das Bild zur Fertigstellung übernommen. Selbstverständlich habe ich meine Arbeit ebenfalls dokumentiert. Und, wenn Sie mir den speziell an Sie gerichteten Hinweis gestatten, dazu gehörten natürlich auch Fotos.'
'Und welche von denen sind das?' will Harry sofort wissen.

'Sie sind nicht dabei. Und ehe Sie weiter fragen: Die Bilder sind deswegen nicht hier, weil sie bereits vernichtet wurden. Sie fielen einer unglücksseligen Verwechslung mit den Akten einer inzwischen verjährten Arbeit zum Opfer. Ein Bedauerliches Missgeschick.'

Na, ich würde sagen, da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Aber, meine Güte, Harry will die Geschichte anscheinend kaufen. Wundert mich nicht. Letztens hat er ein Schnäppchen auf dem Gebrauchtwagen-Markt gemacht. Seither fahren wir mit der Bahn.

Um ganz sicher zu gehen legt der Hai noch einen nach.
'Der Verlust erschien mir zunächst nicht sonderlich dramatisch. Ich war ja schließlich fertig mit der Arbeit. Und ich darf sagen, ich war mit dem Ergebnis äußerst zufrieden. Das Bild wurde mir in einem überaus schlechten Zustand übergeben.'


Oha! Wenn der so weiter macht werden sein Kollegen ihm den Blinddarm ohne OP rausnehmen. Warum RIECHT der denn nicht, wie sauer die sind? Wenn Blicke töten könnten, dann würde Harry jetzt mit dem Morddezernat zusammen arbeiten müssen. Aber der Hai fährt ungerührt fort:
'Was ich da an Zeit reingesteckt habe, das würden Sie gar nicht glauben, Und das, obwohl ich noch massenweise andere Aufgaben zu bewältigen habe. Ich führe den Fehler auf Überarbeitung zurück. Vielleicht wird es Zeit für einen Urlaub.'

Herr Rechtschaffen hat es aufgegeben, den Hai wutentbrannt anzustarren. Er scheint auf einmal viel Gefallen an einem von Harrys Postern gefunden zu haben. Von Harry weiß ich, dass es eine handliche Maschinenpistole mit zugehöriger Munition und Gebrauchsanleitung zeigt. Ehrlich hält die Augen geschlossen und ich vermute, er hat Rechtschaffen längst überholt und gibt im Geiste bereits ein paar Probeschüsse ab. Harry grübelt sich mühsam in Richtung Schlussfolgerung.

'Na schön. Also hier haben wir das letzte Foto von dem Bild, bevor Sie das Ding in die Hand bekommen haben. Da sieht das noch toll aus. Und hier drüben ist das Foto von dem Bild wie es ausgesehen hat, nachdem Sie es in Ihren Profi-Fingern hatten. Ich sage nur: Papagei! Haben Sie eine Erklärung dafür?'

Hai zuckt nur desinteressiert mit den Schultern. 'Meine Aufgabe ist es, Bilder zu restaurieren. Erklärungen zu finden gehört wohl eher in Ihre Domäne. Dafür habe ich keine Zeit.'
DER war klasse! Wenn Harry ihm richtig zugehört hätte, dann wäre er jetzt in einem methaphysichen Labyrint aus Kompetenz-Albträumen gefangen. Zum Glück hört Harry nie richtig zu.

'Verstehe. Hatte außer Ihnen noch jemand Zugriff auf das Bild während Sie dafür zuständig waren?' 'Was? Natürlich nicht! Wo denken Sie hin? Das würde ich auf gar keinen Fall zulassen. An meine Arbeit lasse ich niemanden heran.'
'Und wie ist das Bild zurück in das Museum gebracht worden?'
'Selbstverständlich noch gar nicht. Der Herr Kurator hat es nur in der Werkstatt besichtigt. Und dort ist es noch.'

Und Harry nickt und nickt und nickt. Er nickt, als Hai erklärt, dass er jetzt gehen wird, weil er nämlich glaubt, dass er hier nichts mehr verloren hätte. Harry nickt, als die Tür hinter dem Mann ins Schloss fällt. Und er nickt, als seine verbliebenen Verdächtigen ihn fragen, was er jetzt zu tun gedenke. Mit Hilfe einer kalten, feuchten Hundenase am nackten Schienbein findet Harry endlich ins hier und heute zurück.

'Meine Herren, ich werde mich jetzt mit dem Kurator in Verbindung setzten.'
Zum ersten Mal, seit sie das Büro betreten haben, wirken die beiden Männer hoch erfreut.
'Dann ist Ihnen jetzt also alles klar?'
Eine Stimmung wie ein Strauß frischer Blumen breitet sich aus. Aber ich traue der Sache nicht, weil Harry wieder mit dem Nicken angefangen hat.
'Natürlich. Zwei Dinge sind jetzt vollkommen klar. Erstens: Der Herr Kurator wird eben warten müssen, bis Sie, meine Herren, mit der Arbeit fertig sind. Wenn er dann noch nicht zufrieden ist kann er Sie meinetwegen anzeigen. Und zweitens kann ich nur feststellen, dass sich der Fall nicht aufklären lässt.'

Das Lächeln auf den Gesichtern der Besucher verändert sich nicht, wirkt aber plötzlich gar nicht mehr heiter, sondern eiskalt. Schockgefroren sozusagen.
'Verzeihung, Herr Kommissar, aber sie haben doch alles GESEHEN, oder nicht? 'Selbstverständlich. Ich habe gesehen, dass es im entscheidenden Zeitraum nichts zu sehen gibt. Es gibt keine Fotos, also gibt es für diesen Zeitraum auch keine Beweise. Und weil niemand anderes Zugriff hatte als Ihr geschätzter Kollege gibt es auch keine weiteren Zeugen. Und deshalb können wir auch nicht wissen, wer das war.'

Rechtschaffen scheint einen letzten verzweifelten Versuch unternehmen zu wollen.
'Aber er war der EINZIGE! Das hat er doch selbst gesagt!'
Um zu unterstreichen, dass die nächste Bemerkung von großer Wichtigkeit ist, hebt Harry mahnend einen Zeigefinger: Ja eben! Und deshalb kann er auch nichts damit zu tun haben, nicht wahr? Denn sonst hätte er ja versucht, andere für sein Missgeschick verantwortlich zu machen. So wie Sie gerade, meine Herren. Abgesehen davon ist er ein Profi. Warum sollte er so etwas tun? Das ergibt doch gar keinen Sinn. Ja? Wollen Sie noch etwas dazu sagen?'

Was Harry jetzt gerade macht, oder durchmacht, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil unternehme einen kleinen Spaziergang, bei dem ich es so ruhig angehen lasse, dass ich erst wieder da bin, wenn Harry mit aufräumen fertig ist. Ich wette, dann stinkt das ganze Büro nach ziemlich viel Geschrei und wenig Geduld und vielleicht sogar nach Blut.
Derzeit stinkt es hauptsächlich nach nassem Teppich. Ich hoffe nur, dass irgendjemand den Notizblock neben dem feuchten Fleck bemerkt. Der Hai hatte es nicht wieder aufgehoben. Die letzte Seite ist voller Zeug, das jemand, der mit den Gedanken ganz woanders ist, eben so vor sich hin kritzelt. Ich kann zwar nicht besonders gut sehen, aber eine der Kritzeleien sah für mich ganz nach einem schlecht gezeichneten Papagei aus.

Ende



_________________
'Manchmal zweifle ich daran, dass ich überhaupt existiere.'
'Aus gutem Grund.'
'Wie meinst du das?'
'Ich habe dich erfunden.'
'Glaub ich nicht.'
'Ich weiß.'
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BeitragVerfasst am: 14.12.2014 19:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gine,

bevor Du die Leser auf den Inhalt (oder umgekehrt) der Erzählung loslässt, solltest Du erstmal den Text überarbeiten. Die Fehlerdichte ist leider so hoch, dass da bei mir keine Lesefreude aufkommen kann: Kommasetzung, Zusammen-/Getrenntschreibung, Typografie ... teilweise hast Du altbacken-urklassische Patzer drin, bei denen sich mir die Haare aufstellen (weiß machen statt weismachen, á la statt à la, eine ellenlange Liste könnt' ich aufstellen und mich damit richtig beliebt machen ...) Embarassed

Würde das alles stimmen, wäre die Story zwar immer noch nichts für mich (mit vermenschlichten Hunden hab ich's nicht so), aber dann könnte sie immerhin bei ihrer Zielgruppe (die, wie ich weiß, zahlreich ist) schwungvoller ankommen.

Freundlichen Gruß
Christine
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Gine
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BeitragVerfasst am: 15.12.2014 05:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Christine,

ach, das ist natürlich höchst ärgerlich.
Ich habe zwar Korrektur lesen lassen und auch gründlich überarbeitet, muss aber leider sagen, dass ich bei den Feinheiten der deutschen Rechtschreibung oft auf verlorenem Posten stehe. Selbst mit Gerolds Unterstützung. Ich hätte hier dennoch nicht mehr mit einer so anstrengend hohen Fehlerdichte gerechnet.
Danke für den Hinweis.

Liebe Grüße
Gine


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BeitragVerfasst am: 15.12.2014 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich habe zwar Korrektur lesen lassen


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BeitragVerfasst am: 15.12.2014 18:38    Titel: Re: Harry und die geschändete Maria Antworten mit Zitat

Liebe Gine,
Hundegeschichten sind nicht meine, war meine bisherige Meinung. Aber einen Kriminalfall aus dem Kopf eines Hundes zu erzählen ist dir gut und witzig gelungen, hat mich weiterlesen lassen (zum Glück bin ich zufällig über diesen Beitrag gestolpert).
Ich merk mal was in blau an:

Vorab noch ne Frage: Ist es ein (mir Lernenden noch unbekanntes) schriftstellerisches Werkzeug, die wörtliche Rede nicht in "..." zu stellen, sondern in '...' ???

Gine hat Folgendes geschrieben:
Liebes Forum, nach langer Zeit und so kurz vor Weihnachten, ...blabla... endlich mal wieder ein Text und so ... viel Spaß. Wink

Harry und die geschändete Maria
- Kriminalistische Kurzgeschichten, passt prima zum Tee -


(Länge: ca. 5 DinA4-Seiten, Zeilenabstand 1; der besseren Lesbarkeit geschuldet enthält die Story mehr Absätze als nötig.)

Menschen.
 Menschen dürften so ziemlich die dämlichsten Tiere sein, die die angebliche Evolution jemals hervorgebracht hat. Aber ich bin ja nur ein Hund, was weiß ich schon.
Harry ist da leider keine Ausnahme. Harry, gelegentlich auch Herr Lehmann, Hallo Nachbar, Herr Kommissar, lieber Onkel Polizist oder verdammter Bulle genannt. Harry, mein bester Kumpel und der einzige Mensch auf der Welt, der versteht, dass ein Hund ab und zu Kuddeln Ich ( und Wikipedia auch) kenne nur Kutteln, Innereinen, die Hunde mögen. Meintest du die? braucht um ordentlich furzen zu können.

Harry gibt anderen Zweibeinern stets die Hand zur Begrüßung, wie zum Beispiel den 3 drei ulkigen Gestalten, die hier im Büro gerade auf Ihren Stühlen herumrutschen und entweder nervös sind wie Wiesel in einem Schlangennest, oder ebenfalls Kuddeln bekommen haben.

Harry kann die Kerlchen nicht durchschauen. Eben weil er ihnen die Hand gibt, anstatt ihnen am Hintern zu schnüffeln. Er hätte die Hälfte seiner ungeklärten Fälle längst gelöst, wenn er das Begrüßungsritual auf meine Weise angehen würde. Aber was würde wohl passieren, wenn er seine Ermittlungen am Hintern des erstbesten Zeugen aufnimmt? Ich denke, er wäre buchstäblich am Arsch.


Da haben wir es wieder: Menschen sind dämlich. Und außerdem befürchte ich, dass Harry auch der pfiffigste Geruch kein bisschen weiterhelfen würde, weil Menschen leider im wahrsten Sinne des Wortes keine Nase dafür haben.
Harry klärt seine Fälle grundsätzlich mit gesundem Menschenverstand, also meistens überhaupt nicht. Vielleicht hat er ja heute mehr Glück als sonst.

Die Männer, jeder von ihnen mit Notizblock und Bleistift bewaffnet, beachten mich gar nicht. Sie alle starren wie gebannt auf die Korkwand hinter Harrys Schreibtisch, beziehungsweise auf die Bilder, die Harry dort vor ein paar Minuten hastig angetackert hat.
Harry beachtet mich ebenfalls nicht. Stattdessen räuspert er sich theatralisch; die mir sehr vertraute Einleitung für eine längere Serie peinlicher Momente.
'Meine Herren, vielen Dank, dass Sie sich herbemüht her bemüht haben um mir zu helfen ,Komma ein kleines Rätsel zu lösen.'

Also gut, Harry, sehen wir uns die Typen mal an. Interessant, welche Türen sich einem guten Riecher öffnen. Keiner der Männer riecht nach Schuldgefühlen. Sonderbar. Immerhin sollte einer von Ihnen der Täter sein. Doch der erste strotzt nur so vor rechtschaffener Empörung. Das ist gut, weil der singen wird wie ein Rudel Spatzen über dem Haupt einer verdammten Katze.
Und der bärtige Kerl in der Mitte sieht so aus, wie er riecht; nervös, aber ehrlich. Und nicht zu vergessen: stinksauer!

Wenn Harry ihm auch nur das geringste bisschen Aufmerksamkeit schenken würde, dann könne ihm kaum entgehen, dass der Kerl seinen Stift mit der Hand umkrampft, als wäre es ein Messer, das er gerne irgend jemandem in den Hals rammen möchte. Vorzugsweise dem Typen neben ihm, dem er gelegentlich unheilvolle Blicke zuwirft.
Der hat ein Selbstbewusstsein, an dem man Eisen verbiegen könnte, ich kann verstehen, dass diese Umschreibung dir gefällt, aber sie passt nicht wirklich zum Verbiegen von Eisen. So zart kann niemand sein, dass das Kartenhaus nicht einstürzen würde. balancierend auf einem Kartenhaus. Nun, das erklärt zumindest dieses starre Grinsen, das der pausenlos im Gesicht trägt. Erinnert an einen schizophrenen Hai, der sich für eine Amöbe hält, die allen weiß machen will, sie sei ein Hai.

'Meine Herren, der Kurator des städtischen Kunstmuseums hat mich freundlicherweise davon in Kenntnis gesetzt, dass sich jemand an dem Portrait der Baronin Maria Loretta aus dem 16. Jahrhundert, Maler unbekannt, vergriffen hat. Er ist recht verstimmt darüber, weil das Bild angeblich nicht nur wertvoll, sondern absolut unbezahlbar und einzigartig sei. Wegen der besonderen Farben und den der ungewöhnlichen Lichtreflexen und, Komma weg ach, ich habe das ganze Zeug eh nicht verstanden. Fakt ist, das Bild wurde zu einer Zeit geschändet, ja, genau so hat er sich ausgedrückt, tut mir Leid, zu der es eigentlich restauriert werden sollte. Und Sie, meine Herren, hatten den Auftrag erhalten, das Bild wieder in Stand zu setzen. Ist das richtig?'

Wenn die noch heftiger nicken, dann fallen Ihnen bestimmt die Köpfe ab.
'Schön, schön.'
Das findet Harry wirklich. Ich merke es daran, dass er seinen Allerwertesten aus dem bequemen Drehstuhl schwingt, auf und ab tigert und sich dabei aufgeregt die Hände reibt.
'Ich habe hier jede Menge Fotos vorliegen. Nur habe ich leider keinen Schimmer, was der Unsinn soll. Die Bilder sehen fast alle gleich aus. Sehen Sie hier? Und hier? Und da? Was zum Henker soll das?'

Schade. Harry zeigt auf die blöden Fotos. Sagt sagen mir gar nichts. Für mich sind das nur irgendwelche grauen Flecken Komma die eklig stinken.
'Das sind unsere Bilder für die Qualitätssicherung bis zur zweiten Aufhellung', erklärt Kollege Nr.1, der rechtschaffen Empörte.
'Aha!'
Das ist mein Harry. Immer hübsch dramatisch. Wie zufällig schlendert er an seinem Verdächtigen vorbei, nur um urplötzlich herumzuwirbeln und ihm mit einem ohrenbetäubenden 'Aha!' den Zeigefinger in die Magengrube zu rammen. Das kommt immer an, zumindest bei mir. Sehr gut, ich hatte schon ernsthaft mit dem Gedanken gespielt mich zu langweilen.

'Herr Magnus, nicht wahr? Was hat es damit auf sich, mit dieser Qualitätssicherung? Und warum? Was haben die Bilder damit zu tun? Haben Sie eine Erklärung dafür? Und zwar eine, die ich auch verstehen kann, ohne vorher eine lebenslange Ausbildung in Kunstkramblabla absolviert zu haben?' 'Nein'.
Die Antwort war deutlich, lieber Herr Rechtschaffen-alias-Magnus. Harrys Verwirrung spricht recht amüsante Bände.
'Verzeihen Sie, Herr Magnus. War das eben ein Nein? Gibt es demnach etwas, das Sie mir nicht erzählen wollen?'

Harry sollte lieber die Schmiere aus der Stimme nehmen, sonst rutscht er noch darauf aus. 'Keineswegs'.
Donnerwetter Komma Herr Empörung! Du bist ja wirklich die Ruhe selbst, auch wenn du dir dazu ordentlich Mühe geben musst. Und rieche ich da nicht sogar ein klitzekleines bisschen Befriedigung?

'Ich kann Ihnen nicht mal eben so 'kurz' meine Arbeit erklären. Weil es nämlich eine recht komplexe Arbeit ist, die viel Fachwissen erfordert. Aber Ihnen zuliebe kann ich ja mal so tun, als hätte ich meinen 5-jährigen Neffen vor mir, der wissen will, was der liebe Onkel den ganzen Tag so macht. In diesem Fall würde ich sagen: Ich mache ein hübsches Foto von einem ganz schmutzigen alten Bild, dann mache ich das Bild hübsch sauber und dann mache ich wieder ein Foto davon, damit alles sehen können wie hübsch ich das sauber gemacht habe. Hilft Ihnen das weiter?'

Also, wenn mit den Fingern auf dem Schreibtisch trommeln und dabei rot anlaufen ein Zeichen für Verständnis ist, dann hat Harry das verstanden. Den Satz finde ich klasse!
'Schön!' bellt Harry. Noch eindrucksvoller als ich, würde ich mal sagen. Andererseits bin ich nur ein Dackel und schon von Natur aus nicht besonders eindrucksvoll. Nun, jeder hat so seine kleinen Schwächen.

Die Nr. 2. in der Reihe der Verdächtigen, Herr Ehrlicher-Bart, seufzt fast unhörbar. Außerdem knurrt sein Magen, was wohl eine gute Erklärung dafür sein dürfte, dass er jetzt das Wort ergreift um die Angelegenheit zu beschleunigen. Der Gute wedelt aufgeregt mit seinem Bleistift in Richtung eines der Bilder. Kollege Hai wirft ihm einen missbilligenden Blick zu, so als würde es sich nicht gehören Komma diesem schrecklichen Kommissar freiwillig zu helfen. Hai macht sich emsig Notizen zu diesem Fauxpas.

'Dieses Foto habe ich gemacht, nachdem ich mit meiner Arbeit an dem Bild fertig war.
So habe ich es an meinen Kollegen übergeben.' Mit einem knappen Nicken in Richtung Hai deutet Ehrlich an, um welchen unglücklichen Kollegen es sich dabei handelt. 'Bedauerlicherweise fehlt das nächste Foto in der Reihe.'
Für einen kurzen Moment steht Hais Bleistift still. Dann legt er wieder los, als ginge ihn das alles hier überhaupt nichts an.
'Ach ja? Und was ist das da? Halten Sie das da für einen Rasierspiegel Bruch: worauf deutet er ? auf ein bestimmtes Foto? der Spiegel verwirrt. oder was?'
Ah, sieh da. Die Mauer bröckelt. Freund Bei Freund Ehrlich zucken die Mundwinkel. Ist der jetzt auch noch sauer auf Harry? Oder vielleicht eher entnervt? Ja, das könnte hin kommen hinkommen. Entnervt, kein Zweifel. Dafür, dass er schon über eine viertel Stunde mit Harry im selben Zimmer ist Komma schlägt er sich allerdings sehr tapfer.


'Aber ganz und gar nicht. Dieses Foto dort zeigt das Bild der Maria so, wie wir es vorgefunden haben, als der Kurator überraschend zu Besuch kam Komma um zu sehen, welche Fortschritte wir machen.' Endlich macht Harry sich die Mühe und gönnt dem Gegenstand allgemeiner Aufruhr einen flüchtigen Blick.
'Also ehrlich gesagt, vorher fand ich es besser. Das Lächeln sieht aus, als hätte der fünf 5-jähriger Neffe von Herrn Magnus es bei seinem letzten Besuch gemalt. Womöglich, als sie gerade damit beschäftigt waren, ihm ihre Arbeit zu erklären. Könnte ich mir vorstellen. Nicht böse sein. Könnte mal was aus dem Bengel werden, wenn er ein bisschen übt. Aber der Papagei auf der Schulter der Dame ist eindeutig zu viel des Guten. Wenn schon, dann gehört da ein Kanarienvogel hin. Was meinen Sie?'

Die Herren meinen gar nichts, sondern schmoren still vor sich hin in Welten aus Schmerz, wie sie nur hoffnungslose Ignoranten á la Harry erschaffen können. Mit erzwungener Geduld, vielleicht müsste man in diesem Fall sogar von angeketteter, ausgepeitschter und um Gnade winselnder Geduld sprechen, steht Ehrlich auf, bewegt sich gemessenen Schrittes zur Wand und nimmt das letzte Bild ab. Er lässt etwas Platz und hängt das Beweisstück gewissenhaft  an anderer Stelle? hier stutzte das Bild im Kopf wieder auf, wobei er sich erstaunlicherweise die Mühe macht Komma zu Pinnadeln zu greifen, die Bilder glatt zu streichen und die kläglichen Reste des Tacker-Massakers zu entfernen. Nach einem letzten kritischen Blick auf sein Werk begibt er sich wieder zu seinem Stuhl und legt, ganz und gar unschuldige Bescheidenheit, die Hände in den Schoß.
Harry besieht sich die neue Anordnung und runzelt die Stirn.
'Verstehe Confused ', sagt Harry, meint es aber sicher nicht so. Das tut er nie. Sogar Boxer ?? woher weiß der Hund, was Boxer verstehen?  verstehen oft mehr als Harry. Gelegentlich selbst Schnecken. Tote.
'Und das bedeutet ... was?'

Ehrlich will gerade antworten, wird aber vom Hai überholt. Geradezu feierlich erhebt er sich, platziert seine Schreibutensilien mit knapp überzogener Gewissenhaftigkeit auf der Tischkante und faltet die Hände auf dem Rücken. Währenddessen, und völlig ungeachtet der Tatsache, dass Block und Bleistift dem Gesetzt der Schwerkraft folgend das Weite suchen, beginnt er zu dozieren.
'Das dürfte doch vollkommen klar sein, Herr Kommissar. Nachdem meine Kollegen mit ihrer Arbeit fertig waren, habe ich das Bild zur Fertigstellung übernommen. Selbstverständlich habe ich meine Arbeit ebenfalls dokumentiert. Und, wenn Sie mir den speziell an Sie gerichteten Hinweis gestatten, dazu gehörten natürlich auch Fotos.'
'Und welche von denen sind das?' will Harry sofort wissen.

'Sie sind nicht dabei. Und ehe Sie weiter fragen: Die Bilder sind deswegen nicht hier, weil sie bereits vernichtet wurden. Sie fielen einer unglücksseligen Verwechslung mit den Akten einer inzwischen verjährten Arbeit zum Opfer. Ein Bedauerliches Missgeschick.'

Na, ich würde sagen, da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Aber, meine Güte, Harry will die Geschichte anscheinend kaufen. Wundert mich nicht. Letztens hat er ein Schnäppchen auf dem Gebrauchtwagen-Markt gemacht. Seither fahren wir mit der Bahn. Den Satz finde ich echt gut.

Um ganz sicher zu gehen legt der Hai noch einen nach.
'Der Verlust erschien mir zunächst nicht sonderlich dramatisch. Ich war ja schließlich fertig mit der Arbeit. Und ich darf sagen, ich war mit dem Ergebnis äußerst zufrieden. Das Bild wurde mir in einem überaus schlechten Zustand übergeben.'


Oha! Wenn der so weiter macht werden sein Kollegen ihm den Blinddarm ohne OP rausnehmen. Zuviel der Beurteilung durch den Hund, würde ich streichen. Warum RIECHT der denn nicht, wie sauer die sind? Wenn Blicke töten könnten, dann würde Harry jetzt mit dem Morddezernat zusammen arbeiten müssen. Aber der Hai fährt ungerührt fort:
'Was ich da an Zeit reingesteckt habe, das würden Sie gar nicht glauben, Und das, obwohl ich noch massenweise andere Aufgaben zu bewältigen habe. Ich führe den Fehler auf Überarbeitung zurück. Vielleicht wird es Zeit für einen Urlaub.'

Herr Rechtschaffen hat es aufgegeben, den Hai wutentbrannt anzustarren. Er scheint auf einmal viel Gefallen an einem von Harrys Postern gefunden zu haben. Von Harry weiß ich, dass es eine handliche Maschinenpistole mit zugehöriger Munition und Gebrauchsanleitung zeigt. Ehrlich hält die Augen geschlossen und ich vermute, er hat Rechtschaffen längst überholt und gibt im Geiste bereits ein paar Probeschüsse ab. Gut! Harry grübelt sich mühsam in Richtung Schlussfolgerung.

'Na schön. Also hier haben wir das letzte Foto von dem Bild, bevor Sie das Ding in die Hand bekommen haben. Da sieht das noch toll aus. Und hier drüben ist das Foto von dem Bild wie es ausgesehen hat, nachdem Sie es in Ihren Profi-Fingern hatten. Ich sage nur: Papagei! Haben Sie eine Erklärung dafür?'

Hai zuckt nur desinteressiert mit den Schultern. 'Meine Aufgabe ist es, Bilder zu restaurieren. Erklärungen zu finden gehört wohl eher in Ihre Domäne. Dafür habe ich keine Zeit.'
DER war klasse! Wenn Harry ihm richtig zugehört hätte, dann wäre er jetzt in einem methaphysichen Labyrint aus Kompetenz-Albträumen gefangen. Zum Glück Leider?  hört Harry nie richtig zu.

'Verstehe. Hatte außer Ihnen noch jemand Zugriff auf das Bild während Sie dafür zuständig waren?' 'Was? Natürlich nicht! Wo denken Sie hin? Das würde ich auf gar keinen Fall zulassen. An meine Arbeit lasse ich niemanden heran.'
'Und wie ist das Bild zurück in das Museum gebracht worden?'
'Selbstverständlich noch gar nicht. Der Herr Kurator hat es nur in der Werkstatt besichtigt. Und dort ist es noch.'

Und Harry nickt und nickt und nickt. Er nickt, als Hai erklärt, dass er jetzt gehen wird, weil er nämlich glaubt, dass er hier nichts mehr verloren hätte. Harry nickt, als die Tür hinter dem Mann ins Schloss fällt. Und er nickt, als seine verbliebenen Verdächtigen ihn fragen, was er jetzt zu tun gedenke. Mit Hilfe einer kalten, feuchten Hundenase am nackten Schienbein hat Harry Shorts an? findet Harry endlich ins hier und heute zurück.

'Meine Herren, ich werde mich jetzt mit dem Kurator in Verbindung setzten.'
Zum ersten Mal, seit sie das Büro betreten haben, wirken die beiden Männer hier habe ich als Leser nicht mehr mitzählen können, wer "die beiden" sind, müsste oben nachschauen, was nicht gut wäre. Ev. die Verbleibenen noch mal nennen. hoch erfreut.
'Dann ist Ihnen jetzt also alles klar?'
Eine Stimmung wie ein Strauß frischer Blumen breitet sich aus. Aber ich traue der Sache nicht, weil Harry wieder mit dem Nicken angefangen hat.
'Natürlich. Zwei Dinge sind jetzt vollkommen klar. Erstens: Der Herr Kurator wird eben warten müssen, bis Sie, meine Herren, mit der Arbeit fertig sind. Wenn er dann noch nicht zufrieden ist Komma  kann er Sie meinetwegen anzeigen. Und zweitens kann ich nur feststellen, dass sich der Fall nicht aufklären lässt.'

Das Lächeln auf den Gesichtern der Besucher verändert sich nicht, Im Gegenteil, es > wirkt aber plötzlich gar nicht mehr heiter, sondern eiskalt. Schockgefroren sozusagen.
'Verzeihung, Herr Kommissar, aber sie haben doch alles GESEHEN, oder nicht? 'Selbstverständlich. Ich habe gesehen, dass es im entscheidenden Zeitraum nichts zu sehen gibt. Es gibt keine Fotos, also gibt es für diesen Zeitraum auch keine Beweise. Und weil niemand anderes Zugriff hatte als Ihr geschätzter Kollege gibt es auch keine weiteren Zeugen. Und deshalb können wir auch nicht wissen, wer das war.'

Rechtschaffen scheint einen letzten verzweifelten Versuch unternehmen zu wollen.
'Aber er war der EINZIGE! Das hat er doch selbst gesagt!'
Um zu unterstreichen, dass die nächste Bemerkung von großer Wichtigkeit ist, hebt Harry mahnend einen Zeigefinger: Ja eben! Und deshalb kann er auch nichts damit zu tun haben, nicht wahr? Denn sonst hätte er ja versucht, andere für sein Missgeschick verantwortlich zu machen. So wie Sie gerade, meine Herren. Abgesehen davon ist er ein Profi. Warum sollte er so etwas tun? Das ergibt doch gar keinen Sinn. Ja? Wollen Sie noch etwas dazu sagen?'

Was Harry jetzt gerade macht, oder durchmacht, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil unternehme einen kleinen Spaziergang, bei dem ich es so ruhig angehen lasse, dass ich erst wieder da bin, wenn Harry mit aufräumen fertig ist. Ich wette, dann stinkt das ganze Büro nach ziemlich viel Geschrei und wenig Geduld und vielleicht sogar nach Blut.
Derzeit stinkt es hauptsächlich nach nassem Teppich. Ich hoffe nur, dass irgendjemand besser Harry? oder? den Notizblock neben dem feuchten Fleck bemerkt. Der Hai hatte es nicht wieder aufgehoben. Die letzte Seite ist voller Zeug, das jemand, der mit den Gedanken ganz woanders ist, eben so vor sich hin kritzelt. Ich kann zwar nicht besonders gut sehen, aber eine der Kritzeleien sah für mich ganz nach einem schlecht gezeichneten Papagei aus.

Ende


Es mag dir pingelig erscheinen, liebe Gine, aber soll dir helfen, sonst nichts. Ich übe das Kommentieren noch und kann nicht gewichten, wenn sichs's in mir sträubt. Muss einfach anmerken, was mir auffällt.

Oh!! Dein Text steht im "Feedback". Mist. Überlesen. 3/4 Stunde zu Unrecht pingelig gewesen. Feedback war also eher mein erster Satz. Na ja, vielleicht kannst du ja Einige der (überflüssigen) Anmerkungen verwerten. Wieder löschen fänd ich jetzt auch doof.
Liebe Grüße
Tjana
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 16.12.2014 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gine,

vielen Dank für deine kriminalistische KG aus den Augen eines Dackels. Ja, passend zum Tee, hat deine Geschichte gut unterhalten.
Auf die Komma-, Rechtschreib- und Grammatikfehler möchte ich nicht eingehen. Ich denke, die findest du.
Insgesamt hast du deine Geschichte flüssig geschrieben. Nur so ganz zufriedengestellt bin ich leider nicht. Ich denke, gegen Ende geht dir etwas die Luft aus und die Story verpufft in Bisslosigkeit.

Doch zunächst zum Setting:
Die drei Verdächtigen. So ganz ist mir nicht klar, wer genau diese drei sind bzw. was ihre Rollen/Berufe bei der Restauration des Bildes waren. So wie ich das verstanden habe, ist jeder der drei für einen Restaurationsschritt verantwortlich gewesen, also alle drei sind Restauratoren, richtig? Oder haben alle drei unterschiedliche Funktionen? So ganz kommt es für mich nicht raus, warum ein Kurator drei Leute beauftragt, ein Gemälde zu restaurieren. Ist das ein gängiges Verfahren?

Das Ende:
Der Hai verlässt das Büro und die anderen beiden Verdächtigen sind noch da. Für Harry ist der Fall nicht aufzudröseln, wer den Papagei auf das Gemälde gemalt hat und somit muss der Papagei in einer aufwändigen Prozedur aus dem Gemälde entfernt werden.
Zu Beginn wird Harry als jemand mit gesundem Menschenverstand charakterisiert. Daher verwundert es mich, dass er den "Hai" einfach gehen lässt, und nicht einer sturen Logik folgt: der Einzige, der Zugang zum Bild hatte, um das Bild zu verunstalten, wäre er gewesen.
Mir hätte es nun viel besser gefallen, hätte Harry den "Hai" festgehalten und als Hauptverdächtigen beschuldigt und der Dackel hätte sich ein Lachen/Bellen verkniffen, weil für ihn laut "Geruchsanalyse" keiner der drei der Täter ist. Das hätte für mich den Fall pointiert auf die Spitze getrieben.


Gine hat Folgendes geschrieben:
Was Harry jetzt gerade macht, oder durchmacht, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil unternehme einen kleinen Spaziergang, bei dem ich es so ruhig angehen lasse, dass ich erst wieder da bin, wenn Harry mit aufräumen fertig ist. Ich wette, dann stinkt das ganze Büro nach ziemlich viel Geschrei und wenig Geduld und vielleicht sogar nach Blut.
Derzeit stinkt es hauptsächlich nach nassem Teppich. Ich hoffe nur, dass irgendjemand den Notizblock neben dem feuchten Fleck bemerkt. Der Hai hatte es nicht wieder aufgehoben. Die letzte Seite ist voller Zeug, das jemand, der mit den Gedanken ganz woanders ist, eben so vor sich hin kritzelt. Ich kann zwar nicht besonders gut sehen, aber eine der Kritzeleien sah für mich ganz nach einem schlecht gezeichneten Papagei aus.

Verstehe ich richtig, dass der Dackel sich frei bewegt und in Polizeirevier ein und aus geht, wie ihm gerade danach ist? Wie habe ich es mir vorzustellen? Öffnet er von selbst die Türen und führt sich selbst Gassi? Da stolpere ich darüber und es gefällt mir nicht.

Der nasse Teppich? Haben der Hai oder der Dackel drauf uriniert oder was hat es mit dem nassen Teppich auf sich? Hätte sich der "Hai", vor Angst ertappt worden zu sein, in die Hose gemacht, hätte dies der Dackel gerochen. Insofern kein Urin des "Hais". Ich verstehe den feuchten Teppich nicht.
Harry räumt in seinem Büro auf und er bemerkt in dieser Zeit ein auf dem Boden liegenden Notizblock nicht? Gefällt mir auch nicht.

Eine Papageienkritzelei im Notizblock des "Hais", die der Dackel entdeckt.
Ziemlich fahrlässig vom "Hai", es auf dem Boden zu vergessen/liegen zu lassen.
Ich finde, hier wird angedeutet, dass der "Hai" doch der Täter ist und das passt mir zur Sicherheit des Dackels, dass keiner nach Täter/Unaufrichtigkeit riecht, nicht.

Leider fällt für mich deine Geschichte ab Verlassen des "Hais" flach ab und hangelt sich zu einem unbefriedigenden Ende mit einigen Löchern.
Meiner Meinung nach wäre da einiges zu überdenken.

Gerne gelesen.

LG,
Constantine
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Gine
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BeitragVerfasst am: 20.12.2014 21:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Tjana,
lieber Constantine,

zunächst vielen herzlichen Dank für die ungeheure Mühe, die ihr euch mit der Story gemacht habt.
Bitte nehmt meine Entschuldigung für das verzögerte Feedback an. So kurz vor Weihnachten war leider wenig Zeit und ich wollte euch nicht nur einfach abspeisen.
Es freut mich, dass euch beiden die Story (im Wesentlichen) gefallen hat. Damit hat sie ihren Zweck ja doch noch erfüllt. Wink
Durch Tjanas Einsatz bin ich auch dahinter gekommen, dass dies hier leider gar nicht die letzte Version gewesen ist. Aber, offen gesaagt, außer ein paar Kleinigkeiten wie 'herbemüht' oder  'schon von Natur aus', gibt die neueste Version nicht viel mehr her.


Jetzt zu ein paar der Fragen, mit vielem Dank für das Stellen derselben:

Zitat:
Harry besieht sich die neue Anordnung und runzelt die Stirn. 'Verstehe', sagt Harry, meint es aber sicher nicht so. Das tut er nie. Sogar Boxer... ?? woher weiß der Hund, was Boxer verstehen?


Hier ist die Hundeart Boxer gemeint. Offenbar hält der Dackel nicht viel von denen.


Zitat:
Nur so ganz zufriedengestellt bin ich leider nicht. Ich denke, gegen Ende geht dir etwas die Luft aus und die Story verpufft in Bisslosigkeit.


Akzeptiert. Das könnte daher kommen, dass sie einer wahren Begebenheit nachempfunden ist. Allerdings nicht aus dem Bereich der Kunst, da habe ich geschummelt.
Ich fand den wahren Sachverhalt damals allerdings ziemlich unglaublich.

Zitat:
Oder haben alle drei unterschiedliche Funktionen? So ganz kommt es für mich nicht raus, warum ein Kurator drei Leute beauftragt, ein Gemälde zu restaurieren. Ist das ein gängiges Verfahren?


Keine Ahnung. Wer weiß schon, was ein Kurator sich so alles einfallen lässt? Und der Rest unterliegt natürlich der Geheimhaltung. Mr. Green

Zitat:
Das Ende:
Der Hai verlässt das Büro und die anderen beiden Verdächtigen sind noch da. Für Harry ist der Fall nicht aufzudröseln, wer den Papagei auf das Gemälde gemalt hat und somit muss der Papagei in einer aufwändigen Prozedur aus dem Gemälde entfernt werden.
Zu Beginn wird Harry als jemand mit gesundem Menschenverstand charakterisiert. Daher verwundert es mich, dass er den "Hai" einfach gehen lässt, und nicht einer sturen Logik folgt: der Einzige, der Zugang zum Bild hatte, um das Bild zu verunstalten, wäre er gewesen.
Mir hätte es nun viel besser gefallen, hätte Harry den "Hai" festgehalten und als Hauptverdächtigen beschuldigt und der Dackel hätte sich ein Lachen/Bellen verkniffen, weil für ihn laut "Geruchsanalyse" keiner der drei der Täter ist. Das hätte für mich den Fall pointiert auf die Spitze getrieben.


Die Charakterisierung 'gesunder Menschenverstand' stammt vom Dackel. Und der hat das wohl eher abwertend gemeint. Womit der Dackel in dem Fall ja Recht hat, da Harry den praktisch bereits überführten Täter einfach davonspazieren lässt. Und das nur aufgrund der Tatsache, dass der behauptet, er war es nicht.
(Dies war im Übrigen der Umstand, der mich in der Realität so verblüfft hat. Aber so was glaubhaft darstellen ... ist wohl richtig schwer.)

Die Geruchsanalyse des Dackels besagte im Übrigen, dass sich keiner der drei schuldig fühlt. Das bedeutet aber nicht, dass es keiner der drei gewesen ist.

Für ein pfiffigeres Ende wäre ich im Übrigen auch sehr dankbar gewesen. Wink

Zitat:
Verstehe ich richtig, dass der Dackel sich frei bewegt und in Polizeirevier ein und aus geht, wie ihm gerade danach ist? Wie habe ich es mir vorzustellen? Öffnet er von selbst die Türen und führt sich selbst Gassi? Da stolpere ich darüber und es gefällt mir nicht.


Bei dem Herrchen sind seine Kollegen vielleicht froh, dass es jemanden gibt, der mitdenkt. Warum dem auch noch Vorschriften machen?


Zitat:
Der nasse Teppich? Haben der Hai oder der Dackel drauf uriniert oder was hat es mit dem nassen Teppich auf sich? Hätte sich der "Hai", vor Angst ertappt worden zu sein, in die Hose gemacht, hätte dies der Dackel gerochen. Insofern kein Urin des "Hais". Ich verstehe den feuchten Teppich nicht.
Harry räumt in seinem Büro auf und er bemerkt in dieser Zeit ein auf dem Boden liegenden Notizblock nicht? Gefällt mir auch nicht.


Der nasse Teppich geht auf das Konto des Dackels. So einen Fleck riecht man schnell und möchte das gerne ändern. Und wenn Harry das tut, dann stößt er praktisch mit der Nase auf die Zeichnung des Papageis, die, laut Dackel, aussieht wie etwas , das jemand, der mit den Gedanken ganz woanders ist, eben so vor sich hin kritzelt. ... nach einem schlecht gezeichneten Papagei ... '

Da wir, bzw. der Dackel, Harry verlassen haben, BEVOR er irgendwas aufräumen konnte, wissen wir nicht, ob die Idee des Dackels auch funktioniert hat.

Die Auflösung sieht so aus:
Der Hai ist mit den Gedanken woanders, ruiniert geistesabwesend das Gemälde und beschwert sich anschließend darüber, dass da irgendein Fremder seine Arbeit ruiniert hat. Er fühlt sich nicht schuldig, weil er gar nicht recht mitbekommen hat, das er selbst der Täter war.
Kann nicht sein? So dämlich ist doch kein Mensch? Ich wünschte, es wäre so. Crying or Very sad


So, ich hoffe, ich habe euch mit diesem Ewigkeitstext nicht gelangweilt.
Kann doch aber auch keiner ahnen, dass ihr euch dermaßen viel Mühe damit geben würdet.

Hierfür nochmals meinen tiefempfundenen Dank.

Liebe Grüße
die Gine


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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 21.12.2014 07:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gine,

danke für deine Antwort und ich geh mal ein wenig auf deine Anmerkungen ein:
Gine hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Nur so ganz zufriedengestellt bin ich leider nicht. Ich denke, gegen Ende geht dir etwas die Luft aus und die Story verpufft in Bisslosigkeit.


Akzeptiert. Das könnte daher kommen, dass sie einer wahren Begebenheit nachempfunden ist. Allerdings nicht aus dem Bereich der Kunst, da habe ich geschummelt.
Ich fand den wahren Sachverhalt damals allerdings ziemlich unglaublich.

Mich würde interessieren, warum du den wahren Sachverhalt nicht beibehalten und parodiert hast, sondern stattdessen eine Abwandlung davon konstruiert hast? Ich finde, die Gefahr, dass sich Stolpersteine in der Neukonstruktion der Geschichte einschleichen, ist größer.

Gine hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Oder haben alle drei unterschiedliche Funktionen? So ganz kommt es für mich nicht raus, warum ein Kurator drei Leute beauftragt, ein Gemälde zu restaurieren. Ist das ein gängiges Verfahren?


Keine Ahnung. Wer weiß schon, was ein Kurator sich so alles einfallen lässt? Und der Rest unterliegt natürlich der Geheimhaltung. Mr. Green

Na gut, dein "Keine Ahnung" werde ich wohl akzeptieren müssen. Smile

Gine hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Das Ende:
Der Hai verlässt das Büro und die anderen beiden Verdächtigen sind noch da. Für Harry ist der Fall nicht aufzudröseln, wer den Papagei auf das Gemälde gemalt hat und somit muss der Papagei in einer aufwändigen Prozedur aus dem Gemälde entfernt werden.
Zu Beginn wird Harry als jemand mit gesundem Menschenverstand charakterisiert. Daher verwundert es mich, dass er den "Hai" einfach gehen lässt, und nicht einer sturen Logik folgt: der Einzige, der Zugang zum Bild hatte, um das Bild zu verunstalten, wäre er gewesen.
Mir hätte es nun viel besser gefallen, hätte Harry den "Hai" festgehalten und als Hauptverdächtigen beschuldigt und der Dackel hätte sich ein Lachen/Bellen verkniffen, weil für ihn laut "Geruchsanalyse" keiner der drei der Täter ist. Das hätte für mich den Fall pointiert auf die Spitze getrieben.


Die Charakterisierung 'gesunder Menschenverstand' stammt vom Dackel. Und der hat das wohl eher abwertend gemeint. Womit der Dackel in dem Fall ja Recht hat, da Harry den praktisch bereits überführten Täter einfach davonspazieren lässt. Und das nur aufgrund der Tatsache, dass der behauptet, er war es nicht.
(Dies war im Übrigen der Umstand, der mich in der Realität so verblüfft hat. Aber so was glaubhaft darstellen ... ist wohl richtig schwer.)

Die Geruchsanalyse des Dackels besagte im Übrigen, dass sich keiner der drei schuldig fühlt. Das bedeutet aber nicht, dass es keiner der drei gewesen ist.

Ich kann nur für mich sprechen und für mich kommt die wohl eher abwertend gemeinte Charakterisierung "gesunder Menschenverstand" des Dackels auf sein Herrchen nicht raus. Vielleicht sehen es andere Leser anders, aber für mich könntest du deutlicher mit der Abwertung werden.

Gine hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Verstehe ich richtig, dass der Dackel sich frei bewegt und in Polizeirevier ein und aus geht, wie ihm gerade danach ist? Wie habe ich es mir vorzustellen? Öffnet er von selbst die Türen und führt sich selbst Gassi? Da stolpere ich darüber und es gefällt mir nicht.


Bei dem Herrchen sind seine Kollegen vielleicht froh, dass es jemanden gibt, der mitdenkt. Warum dem auch noch Vorschriften machen?

Vielleicht liegt es an der Uhrzeit oder daran, dass ich deine Antwort mehrmals lesen musste. Ich verstehe deine Antwort und Frage hier leider nicht.

Gine hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
Der nasse Teppich? Haben der Hai oder der Dackel drauf uriniert oder was hat es mit dem nassen Teppich auf sich? Hätte sich der "Hai", vor Angst ertappt worden zu sein, in die Hose gemacht, hätte dies der Dackel gerochen. Insofern kein Urin des "Hais". Ich verstehe den feuchten Teppich nicht.
Harry räumt in seinem Büro auf und er bemerkt in dieser Zeit ein auf dem Boden liegenden Notizblock nicht? Gefällt mir auch nicht.


Der nasse Teppich geht auf das Konto des Dackels. So einen Fleck riecht man schnell und möchte das gerne ändern. Und wenn Harry das tut, dann stößt er praktisch mit der Nase auf die Zeichnung des Papageis, die, laut Dackel, aussieht wie etwas , das jemand, der mit den Gedanken ganz woanders ist, eben so vor sich hin kritzelt. ... nach einem schlecht gezeichneten Papagei ... '

Da wir, bzw. der Dackel, Harry verlassen haben, BEVOR er irgendwas aufräumen konnte, wissen wir nicht, ob die Idee des Dackels auch funktioniert hat.

Auch hier kann ich nur für mich sprechen und für mich kommt dieser vorherige Plan des Dackels, zuerst auf den Teppich zu urinieren und sich dann selbst Gassi zu führen, nicht so raus. Auch hier weiß ich nicht, wie es andere Leser wahrgenommen haben, ich bin auch hier gestolpert und eventuell könntest du den Plan des Dackels vorher verdeutlichen, bevor er Gassi geht. Und ihn dann bei der Rückkehr vielleicht noch etwas "bissiger" zeigen, weil sein Herrchen nichts gemerkt hat. Vielleicht überlegt sich der Dackel das nächste Mal anstelle zu urinieren, direkter mit etwas mehr Holzhammer vorzugehen und ein Häufchen bei einem Beweis zu hinterlassen.

Gine hat Folgendes geschrieben:

Die Auflösung sieht so aus:
Der Hai ist mit den Gedanken woanders, ruiniert geistesabwesend das Gemälde und beschwert sich anschließend darüber, dass da irgendein Fremder seine Arbeit ruiniert hat. Er fühlt sich nicht schuldig, weil er gar nicht recht mitbekommen hat, das er selbst der Täter war.
Kann nicht sein? So dämlich ist doch kein Mensch? Ich wünschte, es wäre so. Crying or Very sad

Sehe ich persönlich als etwas schwierig an dem Leser aus der Dackelperspektive zu transportieren, weil der Dackel mMn nicht so viel "Einsicht" in den Täter hat/haben kann. Mir ist der "Hai" während der Szene unzureichend geistesabwesend porträtiert. In den Dialogen ist er voll da und bei den Notizen im Block macht er mir doch eher einen geistig anwesenden Eindruck. Wenn es hier um eine mögliche "krankhafte Geistesabwesenheit" geht, dann würde ich überdenken, ob du den "Hai" zu Beginn etwas abgelenkter zeigen könntest. Harry muss z.B. die ein oder andere Frage wiederholen, weil der Hai nicht zugehört hat oder den Ausführungen Harrys nicht folgen kann.

LG,
Constantine
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Tjana
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BeitragVerfasst am: 21.12.2014 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Gine,
freut mich sehr, dass mein irrtümlich kleinteilig abgegebener  Kommentar den Zweck doch noch ein wenig erfüllt hat.
Lieben Gruß
Tjana
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BeitragVerfasst am: 22.12.2014 18:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo auch von mir, Gine. Ich möchte gern noch etwas ergänzendes Feedback da lassen. Also, als erstes, der Text hangelt sich von Einfall zu Einfall, was mir gut gefällt, man merkt das du Spaß beim Erfinden hast und gleichzeitig überlässt du der Hauptfigur das Rampenlicht.

Aber es wurde mir auch etwas zu durcheinander (Absätze vor wörtlicher Rede hätten das zB etwas eingedämmt). Ich hab erst nach Lesen der Kommentare durchblicken können, was der rote Faden ist. Und ich denke, das Polieren und Aussortieren von Ideen und das stärkere Gewichten der wichtigen Story-Elemente könnte hier viel bewirken und deine Einfälle besser zur Geltung bringen.

Zur Struktur: beim ersten Lesen hat mich erstmal die Sache mit den "Kutteln" rausgeworfen, naja, für mich persönlich ist das Thema Hundepups einfach kein sehr schöner Einstieg, auch wenn es beim Herumrutschen der drei Verdächtigen sehr schön wieder aufgegriffen wird. Würde ich vielleicht etwas dezenter angehen, denn es geht ja schließlich um Kunst/ein Kunstverbrechen und dessen Auflösung hat sogar mit dem Unbewussten zu tun. Eher "gehobenes Setting" sozusagen und der derbe Einstieg bringt einen da etwas auf die falsche Fährte.

Um was es eigentlich geht, wird dann erst im achten Absatz erwähnt, den Absatz würde ich nach dem fünften bringen, also erst:
-'Meine Herren, der Kurator des städtischen Kunstmuseums ...
und darauf folgend:
- Also gut, Harry, sehen wir uns die Typen mal an...
Diese Reihenfolge kommt dem Leser doch viel mehr entgegen, wenn wir erst wissen, weswegen die Leute belangt werden und DANN genau ihre Reaktion auf die Vorwürfe studieren können.

Auf solche Reihenfolgen, die es dem Leser einfacher machen, solltest du den Text mal abklappern. Genauso der doch eigentlich für die Auflösung zentrale Papagei:
"Aber der Papagei auf der Schulter der Dame ist eindeutig zu viel des Guten."
Dieser Satz sagt noch nicht einmal eindeutig aus, dass der Papagei erst im Nachhinein in das Bild geriet, er könnte ebenfalls einfach verunstaltet worden sein wie das Lächeln. Trotz Verschleierung der späteren Auflösung sollte direkt benannt werden, dass der Papagei ein absoluter Fremdkörper ist. Z.B. auch indem du einfach vorher das Gemälde, das ja in unserer bildlichen Vorstellung der Story eine zentrale Rolle spielt, etwas detaillierter - papageifrei - beschreibst.

Zur Auflösung sagtest Du dazu bereits:
So einen Fleck riecht man schnell und möchte das gerne ändern. Und wenn Harry das tut, dann stößt er praktisch mit der Nase auf die Zeichnung des Papageis
Im Text heißt es:
Ich hoffe nur, dass irgendjemand den Notizblock neben dem feuchten Fleck bemerkt. Der Hai hatte es nicht wieder aufgehoben. Die letzte Seite...
Die Formulierung ist im Text schwammiger und damit machst du es uns erneut schwer. Helf uns Lesern mit einer Prise Direktheit hier und da dir folgen zu können.

Soviel von mir: schöne, verspielte Einfälle und die Richtung der Umsetzung des ganzen stimmt, aber die Struktur und etwas "zu viel des Guten" erschweren den Lesefluss und das Entstehen kräftiger Bilder.

Grüße
Christian
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