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A day before Christmas


 

 
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Schnarrinator
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 21
Beiträge: 51
Wohnort: Osnabrück


BeitragVerfasst am: 07.12.2014 23:09    Titel: A day before Christmas eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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A Day before Christmas

Mary umklammerte das hölzerne Stuhlbein und zog sich mit all ihrer Kraft hinter den dreibeinigen Stuhl. Das Feuer im Kamin knisterte und erhellte das im Dunklen liegende Zimmer und warf den grotesk wirkenden Schatten des Mannes, der aus den Flammen getreten war an die Wände.
Mary wagte es nicht zu atmen und blieb geduckt hinter dem großen Sessel sitzen, in dem sie noch zuvor gesessen hatte. In dem sie gesessen hatte und gesehen hatte, wie die glühenden Kohlestückchen im Kamin wieder Feuer fingen und blaue Flamen gegen die Glasscheibe des Kamins drückten und diese zum platzen brachte. Heiße Glassplitter waren wie Gewehrkugeln durch den Raum geflogen. Zwei große Splitter hatten das Gemälde an der Wand in zwei Teile geteilt. Es war das Gemälde gewesen, dass Mary am meisten bedeutete. Sie hatte es damals für ihren verstorbenen Mann in einem Kurzentrum gemalt. Nun hing die Leinwand in zwei dicken Streifen herunter. Die Glasscherben hatten es ausgelöscht, es unkenntlich gemacht. Auch sie selbst wurde von Splittern getroffen, die sich wie glühende Dolche in ihre Unterarme bohrten. Sie hatte schreien wollen, aber nur ein qualvolles Stöhnen hervorgebracht, als sie sah wie das Feuer immer dunkler wurde, sich teilte und der Kamin immer größer wurde. Etwas fiel den Schornstein herunter und landete in den Flammen. Es war ein Mann. Ein Mann mit weißem Bart und langem roten Mantel, der von einem goldenen Gürtel vor seinem dicken Bauch zusammen geschnallt war. Die Flammen in dessen Mitte er stand verbrannten ihn nicht und als er aus dem Kamin heraustrat schrumpfte dieser zu seiner normalen Größer heran und die Flammen nahmen ihre gewohnte Farbe wieder an.
Mary hielt das Stuhlbein immer noch fest umklammert und wagte nicht es loszulassen. Es kam ihr vor, als würde sie nur so nicht von dem Martyrium, in das sie unfreiwillig hinein gerutscht war, verschluckt werden. Als würde sie dies vor der Irrealität beschützen.
Versuch dich zu beruhigen, dachte sie. Es gibt kein Problem, das sich nicht lösen lässt, auch wenn es noch so irreführen ist.
Mary versuchte sich zu entspannen und es gelang ihr, ihren krampfhaften Griff zu lockern. Vorsichtig warf sie einen Blick um den Stuhl herum.
Der Mann stand immer noch direkt vor dem Kamin und ließ seine trüben Augen durch den Raum schweifen. Neben Mantel, Bart und Gürtel trug der Mann einen großen Sack über den Schultern, schwarze Stiefel und eine rote Stoffhose. Alles Licht im Raum schien von dem Mann aufgesaugt zu werden.

„Mary Dolores Manson, du warst ein sehr ungezogenes Mädchen“ brüllte er.
Mary erstarrte. Ihr war als hätte ihr jemand mit einem Vorschlaghammer in die Magengrube geschlagen. Sie fühlte sich wie eine auf den Boden fallende Schneekugel, die in tausend Stücke zerspringt.
„Versteck dich nicht Mary, sonst werd' ich nur noch böser auf dich!“
Mit jedem Wort, das er sprach fiel Mary immer weiter in das tiefe schwarze Loch, das sich schon nach dem erscheinen des Mannes vor ihr aufgetan hatte. Es war das Loch der Ungewissheit und der Angst, das sie zu verschlucken drohte.
„Ich weiß, dass du hier bist Mary. Ich kann dich riechen, dich fühlen, sogar schmecken kann ich dich du Miststück.“
Was ist hier los? Was zur Hölle ist hier nur los? Tränen standen ihr in den Augen, aber sie wagte es nicht zu schluchzen. Sie wollte es, tat es aber nicht.
Der Mann durchquerte den Raum und stand nun direkt vor dem Sessel hinter dem sie hockte. Mary hielt den Atem an. Sie hörte wie direkt neben ihr etwas sehr schweres auf den Boden geworfen wurde. Es war der Sack, den der Mann noch zuvor getragen hatte.
Mit einem leisen Stöhnen bückte er sich und wühlte darin herum. Er schien etwas zu suchen. Mit einem Ächzen hievte der Mann etwas aus dem Sack und richtete sich wieder auf.
Mit einer schnellen Bewegung ließ er etwas gegen den Sessel krachen.
Das Holz brach sofort mit einem Krachen ein.
„Ich sagte doch, dass ich dich finde“, sagte der Mann, eine große Keule schwingend, „Ich kriege sie alle Mary. All die bösen Kinder. Und jetzt scheint es mir, als hätte ich ein weiteres Kind gefunden. Tu' mir den gefallen und bleib sitzen. Es wäre eine Schande für beide von uns, wenn ich dich …“
Mary rannte. Sie rannte so schnell sie konnte. Raus aus dem dunklen Wohnzimmer, hinein in den Flur auf die Haustür zu. Sie traute sich nicht auch nur einen Blick zurück zu werfen. Die Tür war verschlossen, aber der Schlüssel steckte. So schnell sie konnte schloss sie die Tür auf, riss sie auf. Warme Luft schlug ihr ins Gesicht. Schwarze Flammen tanzten auf der Marmortreppe aus denen der Mann trat. „Mary, Mary, du wirst immer ungezogener Kleines. Und ich mag keine ungezogenen Kinder!“ Schreiend knallte Mary die Tür zu und rannte zurück ins Wohnzimmer.
„ÜBERRASCHUNG!“ brüllte der Mann mit dem weißen Bart und packte sie bei den Haaren. „ICH HABE DIR EINE MENGE GESCHENKE MIT GEBRACHT, MARY. DU UND ICH, WIR WERDEN HEUTE SEHR VIEL SPASS HABEN!“ „Ich … Ich …“ Mary brachte kein Wort heraus. „Du warst ein sehr ungezogenes Mädchen, Mary. Und ungezogene Mädchen müssen bestraft werden!“ Er warf sie auf die kalten Fliesen und zog ein langes Beil aus seinem Gürtel. „Niemand kommt ohne Strafe davon, Mary! NIEMAND!“ Blitzschnell ließ er das Beil herunter rasen und hackte Mary den rechte Arm ab. Blut spritze in Fontänen auf die weißen Fliesen.Wellen des Schmerzes brachen aus dem Armstumpf hervor und durchfuhren ihren gesamten Körper.
Sie schrie, wie sie noch nie zu vor in ihrem Leben geschrien hatte.
Der Mann holte erneut aus, gewollt es zu ende zu bringen.[/spoiler]



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Leonida
Geschlecht:weiblichSchmierfink

Alter: 27
Beiträge: 93



BeitragVerfasst am: 08.12.2014 01:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Schnarrinator,

ich habe deine Geschichte gespannt, aber in den letzten Zügen auch etwas entsetzt gelesen. Vermutlich genau das, was du erreichen wolltest Wink

Ein paar Dinge sind mir in sprachlicher und logischer Hinsicht aufgefallen. Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, die ich bei einem ehrlichen Feedback nicht hinterm Berg halten will.
Ich hoffe, das ein oder andere hilft dir weiter.

Zitat:
Mary umklammerte das hölzerne Stuhlbein und zog sich mit all ihrer Kraft hinter den dreibeinigen Stuhl.

Erste Frage, die sich mir stellt, warum fällt ein dreibeiniger Stuhl nicht um, wenn man sich "dahinter zieht" - das kann ich mir irgendwie schonmal nicht so gut vorstellen - und zweite Frage, warum hat der Stuhl nur drei Beine?

Zitat:
Das Feuer im Kamin knisterte und erhellte das im Dunklen liegende Zimmer und warf den grotesk wirkenden Schatten des Mannes, der aus den Flammen getreten war [Komma] an die Wände. Mary wagte es nicht zu atmen und blieb geduckt hinter dem großen Sessel sitzen, in dem sie noch zuvor gesessen hatte. In dem sie gesessen hatte und gesehen hatte, wie die glühenden Kohlestückchen im Kamin wieder Feuer fingen und blaue Flamen gegen die Glasscheibe des Kamins drückten und diese zum platzen brachte.

Bezüglich der "unds" würde ich Einsparungsmaßnahmen vornehmen und den ganzen Absatz etwas umformulieren.

Zitat:

Es war das Gemälde gewesen, dass Mary am meisten bedeutete.

Relativsatz, "das" statt "dass".

Zitat:
Auch sie selbst wurde von Splittern getroffen, die sich wie glühende Dolche in ihre Unterarme bohrten.

War von Splittern getroffen worden? Vorvergangenheit, oder?

Zitat:
Etwas fiel den Schornstein herunter und landete in den Flammen. Es war ein Mann.

"Etwas fiel"... da denke ich eher an einen Gegenstand und stelle mir ein leises Plumpsen vor. Das passt nicht zu einem dicken fetten Weihnachtsmann.

Zitat:
Die Flammen, in dessen Mitte er stand, verbrannten ihn nicht und als er aus dem Kamin heraustrat, schrumpfte dieser zu seiner normalen Größer heran und die Flammen nahmen ihre gewohnte Farbe wieder an.

Überdenk diesen Satz besser nochmal!

Zitat:

Es kam ihr vor, als würde sie nur so nicht von dem Martyrium, in das sie unfreiwillig hinein gerutscht war, verschluckt werden.

Hmm, für mich als Leser ist bisher noch kein Martyrium ersichtlich. Abgesehen von den Splittern in ihren Armen vielleicht. Dennoch passt dieses Wort nicht so richtig aus meiner Sicht.

Zitat:
Versuch dich zu beruhigen, dachte sie. Es gibt kein Problem, das sich nicht lösen lässt, auch wenn es noch so irreführen ist.

Wieso irreführend? Und was für ein "Problem"? Das passt für mich nicht ganz. Sie ist überrascht, entsetzt, hat Schmerzen und beobachtet fassungslos, das ein gruseliger Weihnachtsmann in ihrem Zimmer auftaucht. Das ist kein Problem, sondern ein Albtraum!

Zitat:
Mary versuchte sich zu entspannen und es gelang ihr, ihren krampfhaften Griff zu lockern.
Vorsichtig warf sie einen Blick um den Stuhl herum.

Wieso entspannen?? Sie hat Splitter im Arm und Todesangst, da denkt niemand an irgendwelche Atemübungen oder Konzentrationstechniken!

Zitat:

Mit jedem Wort, das er sprach, fiel Mary immer weiter in das tiefe schwarze Loch, das sich schon nach dem Erscheinen des Mannes vor ihr aufgetan hatte.


Zitat:

„Ich weiß, dass du hier bist, Mary. Ich kann dich riechen, dich fühlen, sogar schmecken kann ich dich, du Miststück.“


Zitat:
Was ist hier los? Was zur Hölle ist hier nur los? Tränen standen ihr in den Augen, aber sie wagte es nicht zu schluchzen. Sie wollte es, tat es aber nicht.

Warum nicht? Weil sie Angst hat, durch das Geräusch entdeckt zu werden? Ich würde es begründen, sonst hört es sich komisch an.

Zitat:
Der Mann durchquerte den Raum und stand nun direkt vor dem Sessel, hinter dem sie hockte.


Zitat:

Mit einem Ächzen hievte der Mann etwas aus dem Sack und richtete sich wieder auf.
Mit einer schnellen Bewegung ließ er etwas gegen den Sessel krachen.
Das Holz brach sofort mit einem Krachen ein.

Zweimal hintereinander das ominöse "Etwas". "Etwas gegen den Sessel krachen lassen"... da denke ich an eine Art Mini-Abriss-Birne für die Hand. Bei einem Beil würde ich eher das Verb "hieben" verwenden, weil das noch etwas aktiver und aggressiver klingt.

Zitat:
„Ich sagte doch, dass ich dich finde“, sagte der Mann, eine große Keule schwingend, „Ich kriege sie alle, Mary. All die bösen Kinder. Und jetzt scheint es mir, als hätte ich ein weiteres Kind gefunden. Tu' mir den Gefallen und bleib sitzen. Es wäre eine Schande für beide von uns, wenn ich dich …“



Zitat:
Mary rannte. Sie rannte so schnell sie konnte. Raus aus dem dunklen Wohnzimmer, hinein in den Flur auf die Haustür zu. Sie traute sich nicht auch nur einen Blick zurück zu werfen. Die Tür war verschlossen, aber der Schlüssel steckte. So schnell sie konnte schloss sie die Tür auf, riss sie auf. Warme Luft schlug ihr ins Gesicht. Schwarze Flammen tanzten auf der Marmortreppe aus denen der Mann trat. „Mary, Mary, du wirst immer ungezogener, Kleines. Und ich mag keine ungezogenen Kinder!“ Schreiend knallte Mary die Tür zu und rannte zurück ins Wohnzimmer.

Das musste ich mehrmals lesen, bis mir die räumlichen Verhältnisse klar wurden.

Zitat:

Sie schrie, wie sie noch nie zu vor in ihrem Leben geschrieen hatte.
Der Mann holte erneut aus, gewillt es zu Ende zu bringen.


Steht die Geschichte in einem größeren Zusammenhang?
Ich muss gestehen, dass mir für eine Kurzgeschichte ein bisschen was fehlt. Eine Aussage, ein Wendepunkt oder so. Der Arm ab am Ende, das empfinde ich als etwas plumpes Ende, Splatter halt.
Sollte es sich allerdings um einen weiteren Kontext von einem Horror-Weihnachtsmann handeln, würde mich dieser wirklich interessieren.

So, es ist schon spät. Die Vorfreude auf Weihnachten hast du mir genommen, den ruhigen Schlaf unter Umständen auch Laughing

Trotzdem
LG
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Yksin
Schneckenpost


Beiträge: 13



BeitragVerfasst am: 08.12.2014 01:53    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend lieber Scharrinator.

Ich bin ein großer Weihnachtsliebhaber und umso mehr habe ich mich auf eine Weihnachtsgeschichte gefreut. Letztendlich war es eine ziemliche blutige Angelegenheit, nicht schlimm, ich mag auch Horrorgeschichten. Bei deiner Geschichte bin ich mir jedoch noch etwas unschlüssig. Sie hat mich unterhalten, aber die vielen Wortwiederholungen und ein paar andere Sachen haben den Lesespaß etwas  getrübt.
Du bist noch ein ziemlich junger Schreiber, lass dir den Spaß an der Schreiberei nicht durch einen "Motzbären" wie mich nehmen Wink Ich meine es nur gut. Pick dir aus meiner Kritik einfach die Punkte heraus, die du als sinnvoll betrachtest.

Damit bisschen Weihnachtsfeeling aufkommt : )!

Zitat:
Mary umklammerte das hölzerne Stuhlbein und zog sich mit all ihrer Kraft hinter den dreibeinigen Stuhl.

Umschreib den Satz ein wenig. Die Wortwiederholung muss nicht unbedingt sein. Ist es wichtig, dass der Stuhl dreibeinig ist? Kann man diese Information eventuell später einbauen? Zu viele Beschreibungen hemmen die Fantasie des Lesers. Hölzerner Stuhl sollte vollkommen ausreichen. Zu viele Informationen/zu viele Adjektive sind nicht gut. Ist natürlich Geschmackssache. Mir sind Geschichten lieber, die nur wenig Adjektive brauchen um ein Bild zu zeichnen und vor allem möchte ich als Leser auch meine eigene Fantasie benutzen. Es braucht nicht immer eine haargenaue Beschreibung um ein Bild zu zeichnen.

Zitat:
Das Feuer im Kamin knisterte und erhellte das im Dunklen liegende Zimmer und warf den grotesk wirkenden Schatten des Mannes, der aus den Flammen getreten war an die Wände.

Ein ziemlicher langer Satz und ziemlich viele unds. Liest sich nicht sehr schön.
Ist es wichtig dass das Feuer im Kamin knistert? Eher nicht. An der Stelle wirkt es eher falsch als richtig. Hier geht es um den Schatten des geheimnisvollen Mannes und nicht um die knisternden Flammen. Du willst im Prinzip nur beschreiben, wie das Kaminfeuer den Schatten des Mannes an die Wand wirft. Dafür brauchst du nicht so einen langen Satz. Streich den Anfang und bau ein bisschen herum.  

Zitat:
Mary wagte es nicht zu atmen und blieb geduckt hinter dem großen Sessel sitzen, in dem sie noch zuvor gesessen hatte.

Ab hier gefällt mir die Geschichte nicht mehr so gut. Du baust gleich am Anfang eine Rückblende ein und Rückblenden lesen sich meistens nicht schön. Sie lesen sich immer so passiv, langsam und träge/öde. Dazu nachher mehr. Erst einmal sollten wir ein paar Sachen kürzen.
[...] blieb geduckt hinter dem großen Sessel sitzen, in dem sie noch zuvor gesessen hatte.
Die Wortwiederholung von sitzen sollte dir auffallen. Vor allem: Vorher war es ein Stuhl und jetzt ein Sessel? Im ersten Satz hat sich Mary über einen Stuhl gezogen und jetzt auf einmal kauert sie hinter einem Sessel? Entweder ich habe was verpasst oder du hast dich vertan. Ich glaube du hast im ersten Satz schon Sessel gemeint, würde inhaltlich passen. Hinter einem Stuhl kann man sich nicht soo effektiv verstecken, da ist der Sessel schon die bessere Wahl.
Auch möchte mir das Wort sitzen nicht so richtig gefallen. Auch wenn du es in Kombination mit ducken schreibst. Wenn so etwas passiert, setze ich mich nicht hin. Ich verstecke mich/kauere. Würde das sitzen durch kauern oder verstecken ersetzen.
Lies dir den Satz noch einmal durch.

Original:
Mary wagte es nicht zu atmen und blieb geduckt hinter dem großen Sessel sitzen, in dem sie noch zuvor gesessen hatte.

Beispiel:
Mary wagte es nicht zu atmen und kauerte sich hinter [...]

Den Zusatz: in dem sie noch zuvor gesessen hatte, finde ich unnötig.
Zitat:
In dem sie gesessen hatte und gesehen hatte, wie die glühenden Kohlestückchen im Kamin wieder Feuer fingen und blaue Flamen gegen die Glasscheibe des Kamins drückten und diese zum platzen brachte.

Am Anfang wieder die Wortwiederholung von sitzen. Auch hast du wieder sehr viele unds im Satz.  An sich ist es ein sehr spannendes Bild. Glühende Kohlenstücke fangen Feuer. Blaue? Flammen drücken gegen die Glasscheibe, bis sie berstet.
Versuch den Satz etwas abzuspecken oder mach zwei Sätze daraus.

Jetzt aber zur Rückblende:
Du nimmst dir dadurch so viel Dynamik und Tempo aus deiner Geschichte. Es ist wirklich schade. Deine Geschichte kann nicht mit einer tollen Pointe punkten, aber sie könnte unglaublich spannend und mitreißend erzählt sein. Das ist eine sehr gute Schreibübung. Du fängst deine Geschichte recht flott an. Mary zieht sich mit aller Kraft hinter einen Sessel und dann ZACK Rückblende. Natürlich, du wolltest mit deinem ersten Satz Spannung aufbauen, den Leser die Karotte vor das Gesicht halten, aber dann den Leser mit einer relativ langsamen Rückblende zu "belohnen" ist nicht gerade sinnvoll.
Vorschlag: Fang deine Geschichte anders an. Es muss nicht immer ein James Bond Einstieg sein. Fang ruhig an. Schreib auf, wie Mary sich auf Weihnachten freut, vielleicht den Christbaum schmückt? Weihnachtslieder trällert? Aus dem Fenster schaut und die wirbelnden Schneeflocken beobachtet? Du könntest hier einen unglaublich idyllischen Einstieg aufbauen. Benutz alle Sinne. Wir haben fünf Sinne.
Sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen. Lass sie Frank Sinatra hören, Plätzchen essen (Vanilleschnecken!) und so weiter.
Dein Titel lauet: A day before Christmas. Niemand erwartet einen bösartigen Weihnachtsmann. Nutz das aus. Lock den Leser auf eine falsche Fährte. Fang ruhig an und plötzlich bersten die Glasscheiben. Glühende Holzkohle fliegt durch den Raum etc.
Verstehst du worauf ich hinaus will? Dadurch müsstest du auch nicht die Rückblende einbauen, da der Leser es "live" miterlebt.

Zitat:
Heiße Glassplitter waren wie Gewehrkugeln durch den Raum geflogen.

Heiße Glassplitter flogen/sausten/whatever wie Gewehrkugeln durch den Raum.
Bemerkst du den Unterschied? Es ist viel lebendiger.

Zitat:
Zwei große Splitter hatten das ein Gemälde an der Wand in zwei Teile geteilt. Es war das Gemälde gewesen, dass Mary am meisten bedeutete. Sie hatte es damals für ihren verstorbenen Mann in einem Kurzentrum gemalt
.
Auf Wortwiederholungen achten. Splitter/Gemälde.
Wenn du die Rückblende in der Geschichte lässt, würde ich all diese Informationen streichen. Um jetzt auf die Tränendüse zu drücken bringt nichts mehr, im Gegenteil, diese Information wird der Leser höchstwahrscheinlich sofort wieder vergessen.
Würdest du deine Geschichte ruhiger anfangen und gleich am Anfang das Gemälde erwähnen und später zerstören, wäre es eine andere Sache. Dadurch baut der Leser zumindest eine kleine Verbindung auf bzw. versteht, wieso das Gemälde so wichtig für Mary ist.

Zitat:
Auch sie selbst wurde von Splittern getroffen, die sich wie glühende Dolche in ihre Unterarme bohrten.

Auch sie - da brauchst du kein selbst mehr.
Würdest du all diese Informationen nicht als Rückblende verarbeiten, sondern "live", wäre es viel spannender.

Zitat:
Es war ein Mann. Ein Mann mit weißem Bart und langem roten Mantel, der von einem goldenen Gürtel vor seinem dicken Bauch zusammen geschnallt war.

Hier hast du echt zu viele Adjektive drinnen. Bau diese Informationen nach und nach ein. Du musst diesen Mann nicht gleich bei seinem ersten Auftritt so ausführlich beschreiben. Stück für Stück und versuch deine Beschreibung nicht einfach wie eine "Einkaufsliste" aufzubauen. Spiel mit deinen Sätzen, benutz Stilmittel (Vergleiche oder Metaphern oder auch Übertreibungen) Aber einfach zu schreiben: Ein Mann mit weißen Bart und langem roten Mantel, der von einem goldenen Gürtel vor seinem dicken ... Das wirkt runtergeleiert.

Zitat:
Es kam ihr vor, als würde sie nur so nicht von dem Martyrium, in das sie unfreiwillig hinein gerutscht war, verschluckt werden. Als würde sie dies vor der Irrealität beschützen.

Martyrium will mir nicht gefallen. Es liest sich wie ein Fremdkörper. Dein ganzer Text besteht aus relativ "leichtverständlichen" Sätzen und auf einmal klatscht du mir da ein Martyrium hin. Nimm da lieber Unglück/Elend/Misere.

Zitat:
Mary erstarrte. Ihr war als hätte ihr jemand mit einem Vorschlaghammer in die Magengrube geschlagen. Sie fühlte sich wie eine auf den Boden fallende Schneekugel, die in tausend Stücke zerspringt.


Zitat:
Mit jedem Wort, das er sprach fiel Mary immer weiter in das tiefe schwarze Loch, das sich schon nach dem erscheinen des Mannes vor ihr aufgetan hatte.


Zitat:
„Ich weiß, dass du hier bist Mary. Ich kann dich riechen, dich fühlen, sogar schmecken kann ich dich du Miststück.“

Sehr schöne Stelle. Mir gefällt es, wie du den "Weihnachtsmann" in Szene setzt. Schau mal, so wirkt der Satz noch kräftiger.
"Ich weiß, dass du hier bist Mary. Ich kann dich riechen. Dich fühlen. Sogar schmecken kann ich dich, du Miststück!"
Man könnte natürlich alle Punkte gegen ein Ausrufezeichen austauschen, aber ich bin kein großer Fan von so vielen Ausrufezeichen.
Man könnte die Szene auch noch etwas ausbauen - aber das ist Geschmackssache.
"Ich weiß, dass du hier bist Mary. Ich kann dein XYZ Parfüm riechen. Diesen süßlichen Duft, Mary. Ich kann sogar das Lipgloss auf deinen Lippen schmecken, Mary."
Okay, ist bisschen too much. Aber spiel ein bisschen herum, da herrscht so viel Potential.

Zitat:
Was ist hier los? Was zur Hölle ist hier nur los? Tränen standen ihr in den Augen, aber sie wagte es nicht zu schluchzen. Sie wollte es, tat es aber nicht.

Eins von den ersten beiden Sätzen würde ich streichen.

Zitat:
Sie hörte wie direkt neben ihr etwas der Sacksehr schweres auf den Boden geworfen wurde. Es war der Sack, den der Mann noch zuvor getragen hatte.


Zitat:
Mit einem leisen Stöhnen bückte er sich und wühlte darin herum. Er schien etwas zu suchen. Mit einem Ächzen hievte der Mann etwas aus dem Sack und richtete sich wieder auf.

Erklärung:
Leise ist nicht unbedingt nötig. Diese Information braucht es nicht unbedingt. Macht es einen Unterschied ob er leise oder laut stöhnt? Nein.
Wenn man in einem Sack wühlt, dürfte es klar sein, dass man nach etwas sucht.
Wenn man etwas aus einem Sack hievt, ist es klar, dass man sich wieder aufrichtet.

Zitat:
„Ich sagte doch, dass ich dich finde“, sagte der Mann, eine große Keule schwingend

Keule? Meinst du wirklich Keule? Ich finde diese Waffee unpassend. Tut mir Leid. Bei Keule stelle ich mir aber einen Ureinwohner vor. Ist aber Geschmackssache. Ich hätte wahrscheinlich eine Axt genommen.

Zitat:
Mary rannte. Sie rannte so schnell sie konnte. Raus aus dem dunklen Wohnzimmer, hinein in den Flur auf die Haustür zu. Sie traute sich nicht auch nur einen Blick zurück zu werfen. Die Tür war verschlossen, aber der Schlüssel steckte. So schnell sie konnte schloss sie die Tür auf, riss sie auf. Warme Luft schlug ihr ins Gesicht.

Mary rannte. Sie rannte so schnell sie konnte. Raus aus dem dunklen Wohnzimmer. Hinein ind en Flur. Sie musste  die Haustür erreichen. Nur noch wenige Meter. Sie warf keinen Blick zurück. Keine Zeit. Der Türkniff. Sie packte ihn. Abgeschlossen! Sie warf sich gegen das Holz. Es gab nicht nach. "Verdammt!"
Ist wieder kein super tolles Beispiel, aber es ist auch schon spät. Bemerkst du den Tempo Unterschied? Solche FLuchtszenen schreibt man am besten mit kurzen Sätzen. Dadurch liest es sich viel flotter.

Zitat:
„ÜBERRASCHUNG!“ brüllte der Mann mit dem weißen Bart und packte sie bei den Haaren.

Bitte kein CAPS. So etwas hat keine Wirkung. Das Ausrufezeichen reicht vollkommena us.
"Überraschung!", brüllte der Mann. Er packte sie ...

Ist die Geschichte jetzt abgeschlossen oder kommt da noch etwas? Da es eine Kurzgeschichte ist, dürfte es wohl das Ende sein.
Du verschenkst sehr viel Potential. Sei es durch die Rückblenden oder durch das etwas klischeehafte Auftreten deines Weihnachtsmannes. Überleg dir bitte noch einmal meinen Vorschlag mit den Rückblenden und fang die Geschichte etwas früher an.
Jetzt kommen wir zu deinem "Weihnachtsmann". Ehrlich gesagt finde ich ihn nicht furchteinflößend oder brutal. Er ist eher eine Witznummer. Kennst du den Film P2 Schreie im Parkhaus? Wenn nicht, hol das mal nach. Ist kein überragender Film, aber die ersten 20 Minuten würden sich für dich lohnen. Beobachte den Film ganz genau. Wie fängt er an? Wie entsteht der erste Konflikt? Wie verhält sich der Antagonist? Killt er den Protagonisten sofort?
Lass deinen Weihnachtsmann anders auftreten. Was für Motive hat er? Er schreit dauernd nur herum, dass er alle frechen Kinder töten möchte und so weiter. Aber ... Ich schätze viele gestresste Verkäufer denken zur Weihnachtszeit genau das gleiche. :lol:Lass ihn doch einen Dialog mit deinem Prota führen? Denk etwas weiter. Könnte man die Geschichte nicht ganz anders aufziehen? Ist dein Antagonist wirklich nur irgendein Killer? Ist er wirklich nur ein dicker Mann der bisschen zaubern kann, in ein Haus "fällt", seine Keule schwingt und wie ein Kleinkind seine Wut auslässt? Da geht noch viel mehr. Kitzle alles raus.

Als kleine Anregung ein kurzer Plotvorschlag: Vorab: Du hast keine Geschichte geschrieben, dass ist eher eine Schreibübung, aber keine richtige Geschichte. Es ist nicht schlimm, im Gegenteil, mach was aus der Schreibübung. Solche Schreibübungen bringen sehr viel.

Plotvorschlag:
Mary bereitet alles für Weihnachten vor. Die Plätzchen sind im Ofen, der Duft der Vanillekerzen füllt den kompletten Raum aus, draußen pfeift [...] Als sie sich eine Lektüre aus dem Bücherregal nimmt, fällt ihr Blick auf das Gemälde. Sie hat es damals für ihren toten Mann [...]
Ein Mann kracht durch den Kamin.

Nun müssen wir uns entscheiden. Wollen wir hier gleich den Killer raushängen lassen oder die Sache doch anders angehen? Ich persönlich würde unserem Weihnachtsmann mehr Charakterzüge verpassen. Mehr SPielraum, eigene Gedanken. Außerdem würde ich das Gemälde gerne etwas tiefer in die Geschichte einbauen.

Ein Mann kracht durch den Kamin. Mary versteckt sich schwerverletzt hinter einem Sessel. Der Mann ist der Weihnachtsmann und ist von seinem Schlitten geflogen/whatever. Mary rennt schnell zum brennenden Gemälde. Ein glühender Glassplitter hat ein Loch in das Gemälde gefressen. Mary löscht das Feuer und kümmert sich um den Weihnachtsmann. Sie hocken gemeinsam am Küchentisch, unterhalten sich über die Jugend von heute und auch über das Gemälde. Der Weihnachtsmann wird immer böser und Mary kriegt langsam Angst. Der Weihnachtsmann schaut sich das Zimmer genau an, geht zum Gemälde und zerstört es [...]

Ist jetzt alles sehr skizzenhaft und einige Dinge könnte man sicherlich ändern. Aber siehst du den Unterschied? Plötzlich kriegt das emotional wichtige Gemälde mehr Gewicht, der Weihnachtsmann ist nicht mehr ein gesichtsloser Killer, man könnte einen spannenden Dialog schreiben, am Anfang könnte man seine Schreibfertigkeiten mit einer schönen Beschreibung & Show dont tell unter Beweis stellen. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Da du deinen Text in die Werkstatt gestellt hast, möchtest du ausführlich daran arbeiten - schätze ich mal. Darf ich dir eine Hausaufgabe geben? Die Umsetzung würde mich brennend interessieren. Einfach mal um den Vergleich zu sehen. Vor allem für dich wäre diese Hausaufgabe sehr interessant.

Hausaufgabe (Wenn du willst)
Setz dich an deine Geschichte und erstelle einen Plot. Es muss keine seitenlange Arbeit sein, aber schreib einfach mal auf eine Wordseite auf, was dir zu der Geschichte einfällt und dann versuch alle Komponenten zu verbinden (Gemälde, Weihnachtsmann, Mary) und achte auf folgende Sachen:
- show dont tell
- 33 Tipps um Spannung aufzubauen
Mit allen Sinnen schreiben
http://www.dsfo.de/dsfopedia/index.php/Mit_allen_Sinnen_(be)schreiben

Würde mich auf das Ergebnis freuen.

Wünsche dir einen schönen Tag noch.
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Schnarrinator
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BeitragVerfasst am: 22.12.2014 01:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Leonida, Hallo Yksin,
danke für eure so ausführlichen Kritiken.
Ich habe mir sehr viele Gedanken über meine "Geschichte" und eure Vorschläge gemacht und bin dabei neu anzufangen.
Ich habe versucht etwas neues auszuprobieren (Rückblende) was, wie es scheint, vollkommen missglückt ist. Nach dem Schreiben der Geschichte war ich zufrieden und dachte mir, ich hätte etwas spannendes und interessantes geschrieben.
Wie es aussieht ist mir dies nur zum Teil gelungen. Eine neue Version ist wie bereits erwähnt "in Arbeit". Ich hoffe ihr habt noch Lust auf eine neue Fassung. Eure Antworten haben mir sehr weitergeholfen.
Liebe Grüße
NS


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Yksin
Schneckenpost


Beiträge: 13



BeitragVerfasst am: 22.12.2014 20:58    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend Schnarrinator

Ich warte gespannt auf die neue Version. Lass dir ruhig etwas Zeit beim Überarbeiten (1, 2 Wochen), dadurch wirst du viele "Fehler" (Wortwiederholungen, holprige Sätze und so weiter) selber finden. Auch hilft es, wenn man seinen Text laut vorliest und alle Adjektive streicht, bitte aber vorher eine Kopie erstellen, und sich die Wirkung anschaut. Oft findet man so das bessere Wort oder reduziert die zuckersüßen Sätze, weil die Sätze auf einmal eine stärkere Wirkung ausstrahlen.

Ich wünsche dir ein schönes Fest und einen guten Rutsch.
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Schnarrinator
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Alter: 21
Beiträge: 51
Wohnort: Osnabrück


BeitragVerfasst am: 05.01.2015 17:04    Titel: A day before Christmas: Teil 1 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist der erste Teil, der Überarbeitung. Ich habe vor noch weiter an der Geschichte zu arbeiten. Diesen Teil halte ich selbst für gut genug ihn euch hier zu präsentieren:


A day before Christmas

1
Mary sitzt auf einer Holzbank am Ufer eines kleinen Sees und blickt in die wärmende Sonne, die wie ein glühender Feuerball am Himmel steht. Die Sonne blendet sie nicht. Es scheint, als hätte sie  die Kraft, die sie einst hatte, verloren. Eine kühle Brise streift Marys Gesicht und ihre nackten Beine.
Neben ihr sitzt ihr Mann Richard. Er hält sie im Arm und streichelt ihre Hand. Mary fühlt sich, wie ein Neugeborenes in de Armen seiner Mutter. So frei und geborgen hat sie sich schon lang nicht mehr gefühlt. Ewig könnte sie so sitzen bleiben. Den Blick zur Sonne gerichtete, dessen Strahlen auf der glitzernden Wasseroberfläche, wie flüssiges Gold dahin schmelzen, gehalten von ihrem Mann, der ihr Kraft und Sicherheit gibt und sie niemals loslassen würde. Sie lehnt den Kopf gegen seinen kräftigen Oberarm und spürt seine wohltuende Wärme. Sie glaubt zu fühlen, wie sein Blut in den Adern fließt.
Glaubt zu fühlen, wie es in sie übergeht, wie es mit ihr eins wird.
Sie glaubt zu fühlen, zu wissen, wie ihre Körper mit einander verschmelzen, zu einer Einheit werden.

Die Sonne hat sich blutrot gefärbt. Das erste Mal rührt Richard sich. Er flüstert etwas. Es ist kaum zu verstehen, aber Mary hat es gehört. „Es wird Zeit. Lass uns gehen.“
Ein glühender Schmerz steigt in Mary hoch. Richard steht auf und nimmt Mary bei der Hand.
„Es wird Zeit.“ Mary will nicht aufstehen. Sie will sitzen bleiben. Sie will, dass die Sonne zurück kehrt, dass alles ist, wie es noch vor wenigen Minuten war. Aber sie weiß, dass es nicht seinen soll. Weiß, dass es nicht geht.
Sie schaut in Richards trübe blaue Augen und weiß es. Lass uns gehen, sagen sie. Es muss so sein.
Weinend steht Mary auf und folgt Richard. Der feine Kies bohrt sich in ihre nackten Füße. Es tut nicht weh. Nicht so sehr, wie die glühende Nadel des Schicksals, die sich immer weiter in ihr Herz bohrt.

Die Sonne ist untergegangen. Der Mond ist an ihren Platz gerückt. Er hat die Herrschaft über den wolkenverhangenen Horizont und alles was darunter liegt übernommen. Mary friert. Richards Hand ist kalt, gleicht einem Eisbrocken. Aber sie lässt ihn nicht los. Sie wird ihn niemals loslassen.
„Es wird Zeit“, sagt er.
„Nein. Nein! Wir haben noch Zeit. Geh nicht. Lass mich nicht allein“, flüstert Mary mit feuchten Wangen, den Tränen nahe.
„Ich muss. Ich muss gehen.“
„Nimm mich mit. Ich will mitkommen!“
„Du weißt, dass das unmöglich ist, Liebes.“
„Aber... Aber …“
Mary weiß nicht was sie sagen soll, Sie kann die Tränen nicht länger zurückhalten. Sie sackt auf ihre Knie herab, schrumpft zu einem kleinen Hügel.
Liebevoll beugt Richard sich vor, streicht er ihr die Tränen aus dem Gesicht und Küsst sie auf die Stirn. „Ich liebe dich“, flüstert er. „ Ich liebe dich vom ganzen Her...“
Ein metallisches Kreischen lässt ihn verstummen. Er wirft sich nach hinten und fällt auf den harten Boden. Ein dünner roter Strich bildet sich von seinem Kehlkopf bis zur Brust und wird immer breiter und dicker. Mary kreischt und gräbt ihre Hände in den Kies. Richard gibt ein gequältes Krächzen ab und spuckt tonnenweise Blut. Der lange Schnitt gräbt sich immer tiefer in ihn hinein. Blut schießt in Fontänen aus ihm heraus. Richard zappelt und krächzt, wie ein Fisch im Netz.
Mary spürt, wie in ihr etwas zerbricht. Wie die feurige Nadel ihr Herz durch siebt und plötzlich


saß sie kerzengerade im Bett und schrie sich ihre Seele aus dem Leib.


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