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Hoa Maori
Abc-Schütze


Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 09.11.2014 10:11    Titel: Blutsbrüder eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Blutsbrüder

Eine Melodie, sacht und leise, und warm wie Sonnenstrahlen. Eine Stimme, samtig wie die Liebe, summt in meinem Ohr. Erst ist sie nah, während ich im Dunkeln, an einem weit entfernten Ort, auf dich warte. Ich bin nicht ganz bei Sinnen, doch ich weiß, dass ich auf dich warte, und auf niemand anderen. Wenn ich gleich die Augen öffne, während ich zu mir komme, erwarte ich deine friedlichen Augen, die mich von Kopf bis Fuß abtasten, wie immer, wenn ich neben dir aufwache. Doch je näher ich der Wirklichkeit komme, desto unwirklicher wird deine Nähe. Und das Summen klingt ferner, tiefer denn je. Ich weiß, er singt nicht direkt neben mir. Noch bevor ich meine Augen öffne, jetzt, da ich mich deutlicher spüre, jedes einzelne Glied, schmerzverzerrt und drahtig, das sie mir gebrochen haben, weiß ich, dass nicht du auf mich wartest. Mein trockener Mund und die Brennnesseln darin, die meinen Hals bei jedem Schlucken von Innen zerreißen, rauben mir jede Kraft zu sprechen. Ich wage es kaum zu blinzeln, doch ich will - ich muss - die Augen öffnen. Zumindest ist mir nicht kalt, nein, es ist sogar warm hier, auf diesem steinharten Boden. Es ist genau genommen heiß hier unten, wie in der Hölle, auch wenn mein Blut, nicht völlig auf meinen Armen und Beinen getrocknet, in eisigen Pfaden meine taube Haut hinab schlängelt. Und ich weiß, du würdest jetzt denken, was für ein wunderschönes Bild ich abgebe, und wie herrlich dieses Blut duftet. Doch das würdest du mir nicht sagen. Und schnell würdest du aus Sorge mich zu verlieren, mich, deinen Besitz, etwas unternehmen, um mich zu retten. Doch du bist nicht hier. Stattdessen erblicken meine zusammengekniffenen Augen jenen Alptraum, der mich zu dem Fetzen aus Haut und Knochen gemacht hat, der ich nun bin. Leise summt er dieses Lied, während er seinen Unterarm entspannt baumeln lässt, eingesunken in seinen, wie er es nennt, Vampirthron. Lächerlich, denke ich selbst jetzt, in meinen Körperteilen von Schmerz und Qual durchzogen. Ein Thron aus grauem Stein, der kalt und trostlos aussieht, wie alles hier, unter der Erde. Doch kalt ist auch der Thron sicher nicht. Dämonen lieben Wärme, ist es nicht so? Deshalb liebst du meine Wärme. Und deshalb sind sie hier, unter der Erde, an einem Ort, der heiß ist wie die Hölle. Oder ist er die Hölle? Dann muss er der Teufel sein. Seine blauen Augen passen nicht zu den hellgrauen Haaren, die sich wild und weich und ungezähmt um seinen Kopf formen. Und die hellgrauen Haare passen nicht zu der jung und zart aussehenden Haut dieser Kreatur, zu seinem spitzen Gesicht und den schlanken Händen. Nur sein Grinsen, breit und spritzig, unverkennbar, fast so wie deins, nur mit einem bitterem Blick gepaart, webt all das zusammen zu einem Ganzen. Nur wenn er einem dieses Lächeln schenkt, passen alle Puzzleteile seiner Erscheinung zusammen. Und genau dieses Grinsen offenbart er mir jetzt, da er sieht, dass ich zu mir komme. Er lässt sich von seinem Thron gleiten und geht ein paar Schritte in meine Richtung. Jetzt weiß ich, dass deine Hiebe Streicheleinheiten waren und deine Worte ein Liebesgeständnis. Während er mich von oben herab betrachtet, faselt er etwas von Hölle. Von ewiger Verdammnis und verlorener Erlösung. Er sagt, du frisst so viele Seelen wie es Sand am Meer gibt. Er sagt, er habe niemals von einem Dämon gehört oder gelesen, der einer derartigen Anzahl an Menschen die Seele schmerzhaft und langsam, in Todesqualen, ausgesaugt hätte. Wie schmerzhaft es sei für einen Menschen, bei lebendigem Leibe dem Klang zu lauschen, wenn die eigene Seele, Biss für Biss, mit einem zärtlichen Krachen unter den Zähnen des Dämons zerbröselt, wie es auch Naanbrot tun würde. Jetzt lacht er über den Vergleich. Es knirscht, sagt er, ziemlich laut sogar, in den Ohren jedes Menschen, dessen Seele du dir einverleibst. Er weiß genau, dass ich ihm kein Wort glaube, und das regt ihn auf. Seine scharfen Finger krallen sich in mein Fleisch und zerren mich über den Boden, bis zu einem Abgrund. Die anderen Vampire gleiten wie Schatten an mich heran und richten mich auf. Einen Moment lang fühlt es sich so an, als nämst du mich in deine Arme, und ich fühle mich geborgen, nur für eine Sekunde. Doch ich weiß, dass ich diesem Vampir nur in den Armen liege, damit die anderen mich besser fesseln können. Harte Knoten ziehen sich auf meinen Handgelenken zusammen und kneifen in meine Haut. Sie kichern und binden mich an ein schwarzes Kreuz. Das glühende Holz brennt auf meinem Rücken wie heiße Kohlen, doch selbst das spüre ich kaum noch, zumal die eisernen Nägel, die sie mir in die Gliedmaßen hämmern wollen, mir mehr Sorge bereiten. Ich sehe dem Feuer ihrer schlitzigen Augen an, wie es vor Vorfreude lodert und tanzt, darüber, dass du mich so finden wirst, in diesem Zustand, vielleicht, mit Sicherheit sogar, gerade noch am Leben. Sie hassen dich weit mehr als ich dich hasse, vielleicht sogar mehr, als ich dich liebe. Ich wünsche mir inständig deine Gegenwart herbei, ich will, dass du mich rettest, auch wenn du nicht den Hauch einer Chance gegen sie hast. Doch meine Qualen lassen mich meine noblen Gedanken vergessen. Komm einfach und sieh mich an. Töte sie und nimm mich mit. Stopf ihnen das Maul und sag mir, dass sie gelogen haben. Sei der, für den ich dich halte.

Teil I - Der Vampir in mir

Menschen bestehen nicht nur aus Fleisch und Blut, sie bestehen aus Persönlichkeit - der wichtigste Teil. Und genau darin besteht die Verbindung zwischen Mensch und Vampir.


Wenn er wie jetzt am goldenen Ende des Schlauchs sog, das zu der arabischen Wasserpfeife gehörte, und den Fruchtabak tief inhalierte, wirkte er fokussiert und ruhig.  Seine hellgrünen Augen waren nun um einen Schatten dunkler als sonst und wirkten in ihrer Versunkenheit seltsam entspannt. Ein Gefühl der Erleichterung verteilte sich mit einem Seufzer in Hagen, als er Leo so betrachtete, in seinen Karl-Lagerfeld-Retros mit passendem Morgenmantel, wie er sich lässig auf seinem Ecksofa ausgebreitet hatte. Ein Moment friedsam wie ein Sonntagmorgen, auch wenn heute erst Samstag war. Gestern hatte Leo bis in die Puppen gefeiert, und Hagen hatte ihm dabei mit mehr Entsetzen als Bewunderung zugesehen, während sie mehr als einem ihrer dämlichen Schulkollegen über den Weg gelaufen waren. Die allerdings hatten Hagen entweder ignoriert oder Leo mit einem Lacher gefragt, wie es kam, dass er ausgerechnet mit Zombie - so nannte man Hagen in der Schule - unterwegs war. Leo fand das wie immer zum Wegschmeißen.
"Auch einen Zug?" Er reichte Hagen das reichlich verzierte Ungetüm mit Schlauch, um es genau in dem Moment wieder an sich zu ziehen, als Hagen es gerade entgegennehmen wollte. "Nein, das ist nichts für kleine Fledermäuse... lass mich die Ladung zu Ende machen!" Sein Grinsen offenbarte mal wieder, dass er es liebte, sich auf Hagens Kosten zu amüsieren.
"Sehr witzig... ich muss schon sagen."
Leo nahm einen letzten Zug und sprang auf die Füße. Das war es auch schon gewesen, mit der Ruhe. "Ja, oder? Ich hab mich mal wieder selbst übertroffen!"
Er drehte seine unerträgliche Rapmusik voll auf und schlenderte durch den mit warmem Parkett ausgelegten Wohnbereich, am großen Fenster mit den transparent-weißen Gardinen entlang, vor dem ein weicher Teppich ausgelegt war, auf dem er jetzt stand, kurz hinaus sah und schließlich hinter der Küchentheke landete. Mit gekonnten Handgriffen schnappte er sich Gewürze und frische Kräuter, schmiss Eier und Salz in die Pfanne und rappte dazu mit Snoop Dog aus einem Mund. Hagen wusste, was das bedeutete: Frühstück. Nicht für Leo, natürlich. Leo war kein Mensch, er aß nicht - zumindest nicht dasselbe wie Hagen. Es war nun faszinierend zu beobachten, wie Leo sich bewegte und niemals zum Stillstand zu kommen schien. Das tat er nur, wenn er in Hagens Armen lag - oder eben, wenn er rauchte. Eigentlich war diese sprühende Energie kaum zu ertragen, wenn man es so wie Hagen, eher ruhiger anging und nicht gerade gesprächiger Natur war. Denn Leo hatte außerdem die besondere Gabe, Hagen während des Essens vollzulabern, obgleich dieser sich mit vollem Mund schwer tat zu antworten.
"Bruske kann mir nicht erzählen, dass das kein Faul war beim Fußball letztends - hast du doch auch gesehen? Und sag mal, hast du den Deutsch-Aufsatz fertig? Hat deine Mutter den Pulli selbst gestrickt - ach, nee, der ist gehäkelt, was? Schmeckt's? Was machen wir heute Abend?"
Diese und andere Fragen ließ Hagen mit immer größer werdender Anspannung über sich ergehen, während Leo seine Antwort nicht immer abwartete.



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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.11.2014 14:20    Titel: Re: Blutsbrüder Antworten mit Zitat

Hallo Hoa,

ich pusche mal deinen Beitrag wieder rauf, damit er nicht zu sehr untergeht. Vielleicht meldet sich ja noch jemand zu Wort.

Was ich in deinem Einstieg noch nicht erkenne ist der von dir in den Kategorien verwendete "Humor/Humoreske"-Eintrag. Dein Prolog lässt zumindest keinen humor erahnen.
Was du in deinem Prolog tun könntest, wären einge Absätze einzustreuen, der besseren Lesbarkeit wegen und um z.B. den Wechsel von innerem Monolog zu äußerer Handlung zu zeigen. So ist es ein block, der einfach nicht sehr dazu einlädt, gelesen zu werden.

Zu deinem anschließenden ersten Teil fand ich die Unterscheidung zwischen Leo und Hagen etwas irritierend, blieb hier und da stecken beim Lesen und musste neu ansetzen, z.B. wer raucht, wer nicht.
Hoa Maori hat Folgendes geschrieben:

Teil I - Der Vampir in mir

Menschen bestehen nicht nur aus Fleisch und Blut, sie bestehen aus Persönlichkeit - der wichtigste Teil. Und genau darin besteht die Verbindung zwischen Mensch und Vampir.


Wenn er wie jetzt am goldenen Ende des Schlauchs sog, das zu der arabischen Wasserpfeife gehörte, und den Fruchtabak tief inhalierte, wirkte er fokussiert und ruhig. <-- du meinst hier Leo, aber erwähnst Hagen zuerst. Dies wird mir aber richtig erst im weiteren Verlauf und nach nochmaligem Ansetzen zum Lesen klar Seine hellgrünen Augen waren nun um einen Schatten dunkler als sonst und wirkten in ihrer Versunkenheit seltsam entspannt. Ein Gefühl der Erleichterung verteilte sich mit einem Seufzer in Hagen, als er Leo so betrachtete, in seinen Karl-Lagerfeld-Retros mit passendem Morgenmantel, wie er sich lässig auf seinem Ecksofa ausgebreitet hatte. <-- z.B. dieser Satz hier ist aus der Sicht von Hagen, obwohl du eigentlich aus Leos Perspektive erzählst. Ein Moment friedsam wie ein Sonntagmorgen, auch wenn heute erst Samstag war. Gestern hatte Leo bis in die Puppen gefeiert, und Hagen hatte ihm dabei mit mehr Entsetzen als Bewunderung zugesehen, während sie mehr als einem ihrer dämlichen Schulkollegen über den Weg gelaufen waren. Die allerdings hatten Hagen entweder ignoriert oder Leo mit einem Lacher gefragt, wie es kam, dass er ausgerechnet mit Zombie - so nannte man Hagen in der Schule - unterwegs war. Leo fand das wie immer zum Wegschmeißen.
"Auch einen Zug?" Er reichte Hagen das reichlich verzierte Ungetüm mit Schlauch, um es genau in dem Moment wieder an sich zu ziehen, als Hagen es gerade entgegennehmen wollte. "Nein, das ist nichts für kleine Fledermäuse... lass mich die Ladung zu Ende machen!" Sein Grinsen offenbarte mal wieder, dass er es liebte, sich auf Hagens Kosten zu amüsieren.
"Sehr witzig... ich muss schon sagen."
Leo nahm einen letzten Zug und sprang auf die Füße. Das war es auch schon gewesen, mit der Ruhe. "Ja, oder? Ich hab mich mal wieder selbst übertroffen!"
Er drehte seine unerträgliche Rapmusik voll auf und schlenderte durch den mit warmem Parkett ausgelegten Wohnbereich, am großen Fenster mit den transparent-weißen Gardinen entlang, vor dem ein weicher Teppich ausgelegt war, auf dem er jetzt stand, kurz hinaus sah und schließlich hinter der Küchentheke landete. Mit gekonnten Handgriffen schnappte er sich Gewürze und frische Kräuter, schmiss Eier und Salz in die Pfanne und rappte dazu mit Snoop Dog aus einem Mund. Hagen wusste, was das bedeutete: Frühstück. <-- für mich wechselst du hier plötzlich die Perspektive von Leo zu Hagen. Vielleicht mit einem neuen Absatz kennzeichnen.Nicht für Leo, natürlich. Leo war kein Mensch, er aß nicht - zumindest nicht dasselbe wie Hagen. Es war nun faszinierend zu beobachten, wie Leo sich bewegte und niemals zum Stillstand zu kommen schien. Das tat er nur, wenn er in Hagens Armen lag - oder eben, wenn er rauchte. Eigentlich war diese sprühende Energie kaum zu ertragen, wenn man es so wie Hagen, eher ruhiger anging und nicht gerade gesprächiger Natur war. Denn Leo hatte außerdem die besondere Gabe, Hagen während des Essens vollzulabern, obgleich dieser sich mit vollem Mund schwer tat zu antworten.
"Bruske kann mir nicht erzählen, dass das kein Faul war beim Fußball letztends - hast du doch auch gesehen? Und sag mal, hast du den Deutsch-Aufsatz fertig? Hat deine Mutter den Pulli selbst gestrickt - ach, nee, der ist gehäkelt, was? Schmeckt's? Was machen wir heute Abend?"
Diese und andere Fragen ließ Hagen mit immer größer werdender Anspannung über sich ergehen, während Leo seine Antwort nicht immer abwartete.


LG,
Constantine
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Magnus Soter
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BeitragVerfasst am: 12.11.2014 21:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hoa,

der erste Teil gefällt mir, der Schreibstil spricht mich an. Obwohl ich nicht so auf Vampirgeschichten stehe, würde ich weiterlesen.

Was den Prolog betrifft, schließe ich mich Constantine an. Ich war da nach den ersten Sätzen raus. Ist aber wohl auch eher was für Mädchen ...

Ansonsten sind da einige Fehler in der Interpunktion. Einen Satz musste ich mehrmals lesen und ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich ihn verstehe:

Zitat:
Gestern hatte Leo bis in die Puppen gefeiert, und Hagen hatte ihm dabei mit mehr Entsetzen als Bewunderung zugesehen, während sie mehr als einem ihrer dämlichen Schulkollegen über den Weg gelaufen waren.

Hagen hatte Leo beim Feiern zugesehen und während dessen sind sie mehreren Schulkollegen über den Weg gelaufen? Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Lieben Gruß,

Klaus
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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 12.11.2014 21:51    Titel: Re: Blutsbrüder Antworten mit Zitat

Weil ich den Text grade oben sehe, und obwohl ich nur wenig Zeit habe:

@ Constantine
Constantine hat Folgendes geschrieben:
Ein Gefühl der Erleichterung verteilte sich mit einem Seufzer in Hagen, als er Leo so betrachtete, in seinen Karl-Lagerfeld-Retros mit passendem Morgenmantel, wie er sich lässig auf seinem Ecksofa ausgebreitet hatte. <-- z.B. dieser Satz hier ist aus der Sicht von Hagen, obwohl du eigentlich aus Leos Perspektive erzählst.


Sehe ich anders. Für mich ist Hagen im gesamten Ausschnitt die erzählende Figur. Wir erfahren seine Gedanken
Zitat:
Hagen wusste, was das bedeutete: Frühstück.

oder direkt
Zitat:
Das war es auch schon gewesen, mit der Ruhe.

und über Leo erfahren wir das, was Hagen beobachtet. Hier zum Beispiel:
Zitat:
Wenn er wie jetzt am goldenen Ende des Schlauchs sog, das zu der arabischen Wasserpfeife gehörte, und den Fruchtabak tief inhalierte, wirkte er fokussiert und ruhig.

Es ist Hagen, der Leo beim Rauchen betrachtet.
Die Perspektive ist für mich konsequent durchgehalten, Brüche oder Sprünge habe ich nicht erkennen können.

@ Hoa

Ich hatte den Text schon gelesen, als du ihn hier eingestellt hattest, und hatte dir gleich schreiben wollen, dass ich das recht gut geschrieben finde. Leider kam dann einiges dazwischen. Und jetzt bin ich auch schon wieder zu müde, um mein Gefallen ausführlicher zu schildern oder näher auf den Text einzugehen.
Ich komme die Tage aber mal wieder.

Gruß,
Klemens


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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 12.11.2014 23:43    Titel: Re: Blutsbrüder Antworten mit Zitat

Hi Klemens,

dank dir. Jetzt sehe ich es auch. Du hast recht, die Szene wird aus Hagens Perspektive erzählt. Prima.
Vielleicht irritierte mich, dass Hagen nur passiv beobachtet und für mich keine "Körperlichkeit" besitzt. Z.B. weiß ich nicht, ob er auch auf dem Sofa sitzt oder neben dem Sofa steht. Beide waren auch bis zum frühen Morgen wach, Leo ist putzmunter, über Hagens Zustand, ob er vielleicht noch müde oder schlapp ist, erfahre ich leider nichts.

LG,
Constantine
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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 13.11.2014 09:34    Titel: Re: Blutsbrüder Antworten mit Zitat

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht irritierte mich, dass Hagen nur passiv beobachtet und für mich keine "Körperlichkeit" besitzt.


Ja, das kann gut sein. Mir gefällt diese Variante, mir eine sehr "aktive", "körperliche" Figur wie Leo zu zeigen, indem sie mir durch die Augen einer eher "passiven", "unkörperlichen" Erzählerfigur geschildert wird; insofern würde mich interessieren, ob das im weiteren Verlauf so beibehalten wird.


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Hoa Maori
Abc-Schütze


Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 15.11.2014 11:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, ich hatte schon gar nicht mehr mit Reaktionen gerechnet.

Vielen Dank erstmal, dass ihr euch die Zeit zum Lesen genommen habt - das freut mich.

Eure Kritikpunkte finde ich sehr interessant, sie machen mich nachdenklich.

1) Ja, die Geschichte wird konstant aus Hagens Perspektive erzählt.

2) Das mit den fehlenden Absätzen gebe ich zu, allerdings wollte ich den Prolog bewusst anders schreiben - wie eine wirre Vision von verschiedenen Eindrücken... kommt anscheinend aber nicht so gut an, werde ich also verbessern!

3) Ob Hagen so "körperlos" bleibt, kann ich nicht so wirklich beantworten... er ist wohl insgesamt eine Person, die wenig fühlt und nur schwer aus der Fassung zu bringen ist. Sein Äußeres, sein Stil und seine Vorlieben werden schon noch beschrieben...

4) Was den Humor betrifft, der kommt eigentlich noch. Wobei ich nicht weiß, ob andere das auch so sehen - zumindest gibt es Humor im Erzählstil, der durch Hagens Beobachtungen häufig sarkastischer Natur ist. Einige lustige Szenen gibt es auch in der Geschichte. Ob das reicht, um den Roman in die Sparte "Humor" einzuordnen, weiß ich nicht genau.

Vielleicht setze ich noch die Fortsetzung rein. Danke nochmals & euch allen einen schönen Tag!

GLG
Hoa


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Hoa Maori
Abc-Schütze


Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 15.11.2014 11:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nun sind mehr Absätze drin, und die Perspektive hoffentlich deutlicher, dadurch dass ich Personalpronomen mit dem Vornamen ersetzt habe.

***

Eine Melodie, sacht und leise, und warm wie Sonnenstrahlen. Eine Stimme, samtig wie die Liebe, summt in meinem Ohr. Erst ist sie nah, während ich im Dunkeln, an einem weit entfernten Ort, auf dich warte.
Ich bin nicht ganz bei Sinnen, doch ich weiß, dass ich auf dich warte, und auf niemand anderen. Wenn ich gleich die Augen öffne, während ich zu mir komme, erwarte ich deine friedlichen Augen, die mich von Kopf bis Fuß abtasten, wie immer, wenn ich neben dir aufwache.
Doch je näher ich der Wirklichkeit komme, desto unwirklicher wird deine Nähe. Und das Summen klingt ferner, tiefer denn je. Ich weiß, er singt nicht direkt neben mir.
Noch bevor ich meine Augen öffne, jetzt, da ich mich deutlicher spüre, jedes einzelne Glied, schmerzverzerrt und drahtig, das sie mir gebrochen haben, weiß ich, dass nicht du auf mich wartest.
Mein trockener Mund und die Brennesseln darin, die meinen Hals bei jedem Schlucken von Innen zerreissen, rauben mir jede Kraft zu sprechen. Ich wage es kaum zu blinzeln, doch ich will - ich muss - die Augen öffnen. Zumindest ist mir nicht kalt, nein, es ist sogar warm hier, auf diesem steinharten Boden. Es ist genau genommen heiß hier unten, wie in der Hölle, auch wenn mein Blut, nicht völlig auf meinen Armen und Beinen getrocknet, in eisigen Pfaden meine taube Haut hinab schlängelt.
Und ich weiß, du würdest jetzt denken, was für ein wunderschönes Bild ich abgebe, und wie herrlich dieses Blut duftet. Doch das würdest du mir nicht sagen. Und schnell würdest du aus Sorge mich zu verlieren, mich, deinen Besitz, etwas unternehmen, um mich zu retten.
Doch du bist nicht hier. Stattdessen erblicken meine zusammengekniffenen Augen jenen Alptraum, der mich zu dem Fetzen aus Haut und Knochen gemacht hat, der ich nun bin. Leise summt er dieses Lied, während er seinen Unterarm entspannt baumeln lässt, eingesunken in seinen, wie er es nennt, Vampirthron. Lächerlich, denke ich selbst jetzt, in meinen Körperteilen von Schmerz und Qual durchzogen.
Ein Thron aus grauem Stein, der kalt und trostlos aussieht, wie alles hier, unter der Erde. Doch kalt ist auch der Thron sicher nicht. Dämonen lieben Wärme, ist es nicht so? Deshalb liebst du meine Wärme. Und deshalb sind sie hier, unter der Erde, an einem Ort, der heiß ist wie die Hölle. Oder ist er die Hölle? Dann muss er der Teufel sein.
Seine blauen Augen passen nicht zu den hellgrauen Haaren, die sich wild und weich und ungezähmt um seinen Kopf formen. Und die hellgrauen Haare passen nicht zu der jung und zart aussehenden Haut dieser Kreatur, zu seinem spitzen Gesicht und den schlanken Händen. Nur sein Grinsen, breit und spritzig, unverkennbar, fast so wie deins, nur mit einem bitterem Blick gepaart, webt all das zusammen zu einem Ganzen.
Nur wenn er einem dieses Lächeln schenkt, passen alle Puzzleteile seiner Erscheinung zusammen.
Und genau dieses Grinsen offenbart er mir jetzt, da er sieht, dass ich zu mir komme. Er lässt sich von seinem Thron gleiten und geht ein paar Schritte in meine Richtung.
Jetzt weiß ich, dass deine Hiebe Streicheleinheiten waren und deine Worte ein Liebesgeständnis.
Während er mich von oben herab betrachtet, faselt er etwas von Hölle. Von ewiger Verdammnis und verlorener Erlösung. Er sagt, du frisst so viele Seelen wie es Sand am Meer gibt. Er sagt, er habe niemals von einem Dämon gehört oder gelesen, der einer derartigen Anzahl an Menschen die Seele schmerzhaft und langsam, in Todesqualen, ausgesaugt hätte.
Wie schmerzhaft es sei für einen Menschen, bei lebendigem Leibe dem Klang zu lauschen, wenn die eigene Seele, Biss für Biss, mit einem zärtlichen Krachen unter den Zähnen des Dämons zerbröselt, wie es auch Naanbrot tun würde.
Jetzt lacht er über den Vergleich. Es knirscht, sagt er, ziemlich laut sogar, in den Ohren jedes Menschen, dessen Seele du dir einverleibst.
Er weiß genau, dass ich ihm kein Wort glaube, und das regt ihn auf. Seine scharfen Finger krallen sich in mein Fleisch und zerren mich über den Boden, bis zu einem Abgrund.
Die anderen Vampire gleiten wie Schatten an mich heran und richten mich auf. Einen Moment lang fühlt es sich so an, als nähmst du mich in deine Arme, und ich fühle mich geborgen, nur für eine Sekunde.
Doch ich weiß, dass ich diesem Vampir nur in den Armen liege, damit die anderen mich besser fesseln können. Harte Knoten ziehen sich auf meinen Handgelenken zusammen und kneifen in meine Haut. Sie kichern und binden mich an ein schwarzes Kreuz. Das glühende Holz brennt auf meinem Rücken wie heiße Kohlen, doch selbst das spüre ich kaum noch, zumal die eisernen Nägel, die sie mir in die Gliedmaßen hämmern wollen, mir mehr Sorge bereiten.
Ich sehe dem Feuer ihrer schlitzigen Augen an, wie es vor Vorfreude lodert und tanzt, darüber, dass du mich so finden wirst, in diesem Zustand, vielleicht, mit Sicherheit sogar, gerade noch am Leben.
Sie hassen dich weit mehr als ich dich hasse, vielleicht sogar mehr, als ich dich liebe.
Ich wünsche mir inständig deine Gegenwart herbei, ich will, dass du mich rettest, auch wenn du nicht den Hauch einer Chance gegen sie hast. Doch meine Qualen lassen mich meine noblen Gedanken vergessen.
Komm einfach und sieh mich an. Töte sie und nimm mich mit. Stopf ihnen das Maul und sag mir, dass sie gelogen haben. Sei der, für den ich dich halte.

Teil I - Der Vampir in mir

Menschen bestehen nicht nur aus Fleisch und Blut, sie bestehen aus Persönlichkeit - der wichtigste Teil. Und genau darin besteht die Verbindung zwischen Mensch und Vampir.

Wenn er wie jetzt am goldenen Ende des Schlauchs sog, das zu der arabischen Wasserpfeife gehörte, und den Fruchtabak tief inhalierte, wirkte Leo fokussiert und ruhig.  Seine hellgrünen Augen waren nun um einen Schatten dunkler als sonst und wirkten in ihrer Versunkenheit seltsam entspannt.
Ein Gefühl der Erleichterung verteilte sich mit einem Seufzer in Hagen, als er Leo so betrachtete, in seinen Karl-Lagerfeld-Retros mit passendem Morgenmantel, wie er sich lässig auf seinem Ecksofa ausgebreitet hatte. Ein Moment friedsam wie ein Sonntagmorgen, auch wenn heute erst Samstag war.
Gestern hatte Leo bis in die Puppen gefeiert, und Hagen hatte ihm dabei mit mehr Entsetzen als Bewunderung zugesehen, während sie auf der Partymeile mehr als einem ihrer dämlichen Schulkollegen über den Weg gelaufen waren. Die allerdings hatten Hagen entweder ignoriert oder Leo mit einem Lacher gefragt, wie es kam, dass er ausgerechnet mit Zombie - so nannte man Hagen in der Schule - unterwegs war. Leo fand das wie immer zum Wegschmeißen.
"Auch einen Zug?" Er reichte Hagen das reichlich verzierte Ungetüm mit Schlauch, um es genau in dem Moment wieder an sich zu ziehen, als Hagen es gerade entgegennehmen wollte. "Nein, das ist nichts für kleine Fledermäuse... lass mich die Ladung zu Ende machen!" Leos Grinsen offenbarte mal wieder, dass er es liebte, sich auf Hagens Kosten zu amüsieren.
"Sehr witzig... ich muss schon sagen."
Leo nahm einen letzten Zug und sprang auf die Füße. Das war es auch schon gewesen, mit der Ruhe. "Ja, oder? Ich hab mich mal wieder selbst übertroffen!"
Er drehte seine unerträgliche Rapmusik voll auf und schlenderte durch den mit warmem Parkett ausgelegten Wohnbereich, am großen Fenster mit den transparent-weißen Gardinen entlang, vor dem ein weicher Teppich ausgelegt war, auf dem er jetzt stand, kurz hinaus sah und schließlich hinter der Küchentheke landete.
Mit gekonnten Handgriffen schnappte er sich Gewürze und frische Kräuter, schmiss Eier und Salz in die Pfanne und rappte dazu mit Snoop Dog aus einem Mund.
Hagen wusste, was das bedeutete: Frühstück. Nicht für Leo, natürlich. Leo war kein Mensch, er aß nicht - zumindest nicht dasselbe wie Hagen.
Es war nun faszinierend zu beobachten, wie Leo sich bewegte und niemals zum Stillstand zu kommen schien. Das tat er nur, wenn er in Hagens Armen lag - oder eben, wenn er rauchte. Eigentlich war diese sprühende Energie kaum zu ertragen, wenn man es so wie Hagen, eher ruhiger anging und nicht gerade gesprächiger Natur war. Denn Leo hatte außerdem die besondere Gabe, Hagen während des Essens vollzulabern, obgleich dieser sich mit vollem Mund schwer tat zu antworten.
"Bruske kann mir nicht erzählen, dass das kein Foul war beim Fußball letztens - hast du doch auch gesehen? Und sag mal, hast du den Deutsch-Aufsatz fertig? Hat deine Mutter den Pulli selbst gestrickt - ach, nee, der ist gehäkelt, was? Schmeckt's? Was machen wir heute Abend?"
Diese und andere Fragen ließ Hagen mit immer größer werdender Anspannung über sich ergehen, während Leo seine Antwort nicht immer abwartete.


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