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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Kain Schmidt - Der Traum


 

 
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kertwang!
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 05.11.2014 13:44    Titel: Kain Schmidt - Der Traum eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Bei dem Ausschnitt handelt es sich um ein Kapitel aus einem Buch, das ich zur Zeit schreibe. Es ist eine Traumsequenz, die wahrscheinlich ungefähr in der Mitte des Romans auftauchen wird und ein wenig etwas über die innere Einstellung des Charakters verraten soll.


Der Traum

Plötzlich stand Kain inmitten einer Landschaft aus Sand und Staub. Weit und breit war nichts anderes zu sehen außer staubigen, fahlen Silhouetten, die aussahen, wie die Umrisse einer kleinen Siedlung. Die Häuser eigenartig, nichts was Kain selbst schon einmal gesehen hatte, höchstens in irgendwelchen Dokumentationen, Nachts, wenn er Fernsehen schaute, um sich vom Schlaf abzuhalten, der für ihn immer das unvermeidliche Ende darstellte, eine Verkürzung seiner Lebenszeit – ein Tag weniger in seinem Leben – markiert durch das Schließen seiner Augen.
Nachdem Kain aufgestanden war und sich erst einmal den Sand von seinen Klamotten klopfte, schlug ein Blitz oder etwas, das Kain nicht anders identifizieren konnte, direkt neben ihm ein. Eigentlich strahlte der Himmel in einem wolkenlosen, noch nie zuvor wahrgenommenen Blau. Die Sonne schien ungefiltert auf Kains, nur leicht von Haar bedeckten, Kopf. Als sich der Staub langsam legte, erschien eine große Gestalt, dort, wo vorher noch der Sand umherwirbelte. Auf dem Kopf trug sie einen Helm, der aber weniger zum Schutze, als mehr eine technische Funktion zu haben schien. Kleine Antennen und blinkende Lichter waren überall zu sehen und schienen in ihrer Masse ein wenig redundant. Der Fremde trug einen langen Mantel, der modisch an die 30er und Vierziger Jahre in Deutschland erinnerte, aber aus einem Stoff bestand, der nach einer Mischung aus Alufolie und Leder aussah – wie ein Nazi aus der Zukunft. Er schien keine Hosen zu tragen. Höchstens eine sehr, sehr kurze. Stattdessen trug er lange und hohe Stiefel. Kain hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, war aber ein wenig angetan, von der Unbekümmertheit, mit der der Mann diese Sachen trug.
„Hi“ grüßte ihn der Fremde mit einem eigenartigen Akzent und winkte Kain dabei zu. „Mein Name ist Cecille Wrinkleslaw und ich komme aus der Zukunft.“ - „Ehhm – Hi.“ antwortete Kain ein wenig verdutzt. „Kannst du mir verraten wo ich bin?“ - „Ja, natürlich, aber erst einmal etwas anderes.“
Als der Fremde seinen Helm abnahm konnte Kain zum ersten mal das Gesicht des Mannes sehen. Es war ungewöhnlich durchschnittlich. Die Gesichtszüge des Mannes waren auffällig unauffällig und er war weder schwarz noch weiß, bloß sein Haar war sehr dunkel, aber nicht sonderlich dicht, ähnlich wie Kains.
„Ich komme aus dem Jahr fünf nach Zekkleksikes-“ Kain schaute Cecille verwirrt an. „dass entspricht ungefähr dem Jahr 4027 eurer Zeitrechnung. Ich bin gekommen um dir eine Aufgabe zu geben.“ Cecille sprach eigenartig emotionslos, beinahe gelangweilt.
„Eine Aufgabe?“ fragte Kain, „für mich?“ - „du bist doch Kain oder nicht?“ - „Kain Schmidt“ - „Ja, aber Kain?“ Kain wurde nun etwas lauter „ja, aber Kain Schmidt!“ - „aber Kain?“ vergewisserte sich Cecille wiederholt. - „Schmidt, Kain Schmidt – Kain Eberhardt Schmidt.“ Der langgereiste guckte ihn eine Zeit lang an und frage Kain dann: „aber du heißt doch Kain oder?“ - „Ja!“ antworte Kain etwas genervt. „Brudermörder und Symbol für die Sünde?“ - „Moment einmal – was? Ich habe keinen Bruder. Du hast den falschen Kain Cecille.“ - „ausgeschlossen! Ich habe die Chroniken studiert.“ - „Die Chroniken? - „ja“ - „entschlüsselt?“ - „Korrekt. Entschlüsselt.“ - „...“ - „Jahrelang saß ich an der Rekonstruktion euer Technologie und-“ - „ehh... warum hast du sie nicht einfach aus der Vergangenheit geholt?“ -“Das war doch damals noch nicht möglich.“ antwortete Cecille ganz selbstverständlich. „Ich wurde im Jahr 862 geboren – ja – andere Zeitrechnung.“ Cecille antizipierte Kains Gesichtsausdruck sofort. „Das war noch vor der Revolution. Ich studierte Geschichte-“ - „hah... genau wie ich“ „...“ - „...“ - „Im Jahr 885 kamen die Chrononauten und übernahmen die Herrschaft-“ - „auf der ganzen Welt?“ - „Ja, wo denn sonst? Sie stammen aus dem sogenannten Dark Ages, dem 5 Jahrhundert und brachten die Zeitreisen erst in unsere Zeit.“ - „Jetzt bin ich ganz verwirrt. Wieso bin ich nun hier und warum hast du eine Aufgabe für mich? Und wo bin ich überhaupt?“ - „Wir stehen ca. 2 km vor Jerusalem. Es ist Freitag, der 7. April. Inzwischen haben wir 20 nach neun. Es ist das Jahr 30 nach... naja Christus.“ - „Warte einen Augenblick.“ Kain schüttelte seinen Kopf und ging ein paar Schritte zurück. „ist das nicht das Datum der Kreuzigung? Willst du mich verarschen?“ - Gewiss nicht“ antwortete Cecille. „Ich gebe dir die Aufgabe Jesus von Nazareth zu retten.“ Kain starrte Cecille nur noch ratlos an. „Na los, mach schon, der will da bestimmt nicht den ganze Tag hängen.“ stachelte Cecille Kain an. „Los, los“ trieb er ihn weiter an.
„Warum?“ fragte ihn Kain. „Experimente!“ rief Cecille heraus. „Experimente?“ fragte Kain nun interessiert? „Ja. Forschungen, Studien, das Nachweisen von Hypothesen. Hast du eine Ahnung wie langweilig die Zukunft ist? Da gibt es keine Arbeit mehr, wir alle haben genug – von allem. Die Chrononauten geben uns alles. Holen es von überall her. Da braucht man ausgefallene Hobbys.“ - „aber gefährdest du damit nicht deine Zeit... eh  -Linie?“ - „Nein“ erwiderte Cecille lachend und winkte mit der Hand ab, „Ich kann kann ja zu jeder Zeit wieder zurückkehren und alles Rückgängig machen. Meine Zeit ändert sich nicht. Nur deine.“ - „Was?“ Kain ist erbost. „Nachdem du zurückkehrst wird deine Welt eine andere sein, angepasst an die Ereignisse, Entscheidungen, die du heute treffen wirst.“ - „Ist das nicht irgendwie unfair? Was ist wenn ich gar nichts mache?“ - „Dann lasse ich dich hier und du kommst nie wieder zurück.“ - „Na toll! Und wie soll ich das bitte machen – Jesus Retten? Da wird doch mit Sicherheit viel los sein.“ - „Mach dir keine Sorgen. Dafür habe ich die hier.“ Cecille hielt etwas hoch, dass aussieht wie ein Fön. Daraufhin machte sich Cecille auf den Weg, in Richtung Stadt, Kain folgte ihm Kommentarlos, da er nicht wusste wo er sonst hin sollte.
„Wie ist es so in der Zukunft?“ wollte Kain vonnn Cecile wissen. „langweilig“ antwortete Cecille. „Eigentlich passiert nichts mehr. Die meiste Zeit sind wir mit Pillen vollgestopft und versuchen irgendwie unsere Zeit herumzukriegen.“ - „klingt ein wenig nach meinem Leben“ antwortete Kain.
Nach einigen Minuten näherten sie sich einem Hügel, menschenleer, oben standen einige Kreuze an denen kränklich aussehende Männer hingen. „Und wer ist jetzt Jesus?“ fragte Kain. „Der in der Mitte?“ sagte Cecille, mehr fragend, als antwortend. „Ist auch egal. Rette sie einfach alle.“
Kain stand vor den Kreuzen und die drei Männer starrten auf ihn herab, zu schwach um noch irgendetwas zu sagen. Einer schien zu schlafen. Er begannn sich Gedanken um die Konsequenzen zu machen, die die Rettung haben könnte.
Da stand er nun seinem Heiland gegenüber oder besser gesagt dem Heiland einiger anderer. Sogar vom Kreuze blickte er noch auf ihn herab. Sein leidlicher Blick sah eher nach Mitleid aus, als  tatsächlichem Leid. Inzwischen war es 13:43 und die letzten Stunden dieses Märtyrer haben geschlagen. Kain blieb nicht mehr viel Zeit, um zwischen Verbannung und Verdammnis zu wählen. Genaugenomen war es es das Gleiche. Verbannen – Verdammen – Bann – Damm – beides eine Art des Ausschlusses. Wobei dem einen eine magische Konnotation beiliegt. „Magie“ dachte sich Kain, „pfft“.
Was sollte es also sein? Für Kain eigentlich eine leichte Entscheidung. Er kennt diesen Jesus noch nicht einmal. Das was er wusste, waren Mythen – nichts handfestes. Es sollte kein Problem sein einen Fremden zu retten, vor allem, wenn dies nur Gutes für einen selbst bedeutete.
Doch was würde dies für seine Heimat bedeuten, seine Gegenwart, die im Moment noch vage Zukunft war. Könnte er Cecille überlisten? Selbst aufs Kreuz steigen und Unsterblichkeit erlangen? Natürlich nur im metaphorischen Sinne, aber das wäre auch schon mal etwas. Auferstehen wird hier schließlich niemand, dem war Kain sich sicher - sicher? Schließlich hat Kain das im Biologieunterricht gelernt. Alle Wissenschaftler der Welt – zumindest die, die recht haben – können doch nicht irren – unmöglich.
Kain begann also mit Cecille zu diskutieren oder debattieren, dass war nicht ganz klar.
Was würde ein wahrer Christ tun?
Ein Priester oder gar der Papst?
Kain fühlte sich an den Großinquisitor erinnert, der erst ca. 1850 Jahre später das Licht der Welt erblicken sollte und falls Kain gar nichts tut, vielleicht auch nie.
Aber, dachte sich Kain, wäre das Verschwinden Jesu nicht auch Beweis genug für seine Auferstehung? Kain malte sich ein neues Neues Testament aus:
(Mk 16,6)“Er aber sagte zu ihm: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Seht, da die Stelle, wo man ihn gekreuzigt hatte. Er muss hinabgestiegen sein vom Kreuze, um weiter unter seinesgleichen, den Menschen, zu wandeln...“
Kain dachte weiter: „dieses egoistische Arschloch hielt sich nicht für etwas besseres, im Gegenteil zum Alternativ-Jesus, den wir eigentlich nicht kennen können, aber scheiß drauf, das ist die Bibel, wen wird das schon interessieren.“
Soll Kains Entscheidung am Ende sogar irrelevant sein?
Was weiß Cecille schon? Sein Wissen ist spärlich, fragmentarisch – unsere Geschichtete bloß etwas das den homerischen Epen gleicht, unvollkommen und voller Ungewissheit, ähnlich Kains eigener Zukunft (und das nicht allein in der Gegenwart sondern auch in seiner Zukunft, die seine eigentliche Gegenwart war beziehungsweise werden könnte).
Hegte er nicht schon immer den Wunsch nach einer Revolution? Ein neues Leben? Eine Neumischung seines Schicksals? Doch nun, im Angesicht dieser (potentiellen) Veränderung bekam er es mit der Angst zu tun, wie es n so vielen anderen Leuten, in Zeiten elementarer Veränderungen ging.
Kain war verzweifelt, überwältigt von all den Möglichkeiten.
„Der normale Christ – der Otto-normal-Christ“, begann Kain „würde Jesus sterben lassen. Die Rettung Jesu bedeutet das Ende all seiner Werte. Meine Mutter hätte das nie gekonnt.“ fügte Kain noch schnell hinzu. „Nur jemand der alle sogenannten christlichen Werte verinnerlicht hat, würde ihm vom Kreuz nehmen. Aber doch kein Christ. Und schau ihn dir doch mal an!“ Kain deutete auf die mittlere Person und Cecille folgte dem Handzeichen anteilnahmslos. Die Unterhaltung schien ihn zu langweilen. „ist er nicht enttäuschend? Ausgemergelt! Erschöpft zu Tode!“ Das soll ein Heiland sein? Und erst einmal diese Hautfarbe!“ Kain ist kaum mehr aufzuhalten. „so kennen wir dich nicht! - so!“ - rief Kain laut, fast als hielt er eine Predigt. „...siehst du auf meinen Bildern nicht aus. Wie soll dieses arme Würstchen, dort oben am Kreuz, irgendjemanden retten!“ fuhr Kain fort, „er kann noch nicht einmal sich selbst retten.“ Cecille starrte nur noch ratlos auf Kain. Erschrocken darüber, dass jemand so emotional sein kann.
„Nun sieh ihn dir an!“ Kain ging auf Cecille zu, der sofort auswich. „Sieh schon! Schau genau hin! Das?-“ rief Kain wieder mit besonders viel Energie. „- ist das das Symbol für unsere/meine Kultur?“ Cecille blickt immer noch nur auf Kain, der viel interessanter als Jesus zu sein schien.
Auch wenn beide sich ums mittlere Kreuz versammelten, wussten sie nicht wer der drei eigentlich Jesus sein sollte, wenn es überhaupt jemand von ihnen war. Wer wusste das schon? Alle sahen gleich aus: dünn, dunkele, von der Sonne gebrannte Haut und halb tot. Die Inschrift auf den Kreuzen konnte keiner der beiden entziffern, zumindest machte Cecille keine Anstalten, keine Spur von INRI.
„Niemand würde jemanden retten. Nicht um dafür alles aufzugeben. Niemand!“ - „Dann tue du es doch. Was hält dich auf? Fragte Cecille Kain. „Ich weiß es nicht.“ Kain hatte sich wieder beruhigt. „Das fühlt sich zu groß an für mich.“ Cecille rührt sich nicht. Er wartete nur. Kain ging weiter aufs Kreuz zu. Er versuchte die Füße, die an das Kreuz genagelt waren, vom Kreuz zu nehmen, doch plötzlich wachte er auf.“sadjfhskhf" - „...“ „sjhdbJKHASDF“ - „sei ruhig! Ich versuche hier ein Leben zu retten!“
Kain rüttelte und zog, aber er schien wie festgewachsen, als sei das Kreuz ein Teil von ihm. Kain ließ sich aber nicht beirren. Kain war müde und wollte einfach nur noch nach Hause, egal welches. Er rüttelte also weiter am Kreuz, doch dann tat sich plötzlich der Himmel auf und eine Stimme sprach zu ihm: „Ey, hör auf mit der Scheiße!“ Kain öffnete auf einmal seine Augen. Er klammerte sich fest an Phillipp, der ihn anschrie: „lass mich verdammt noch mal los du Penner!“

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inmutanka
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 09:26    Titel: Re: Kain Schmidt - Der Traum Antworten mit Zitat

Hallo kertwang!

Das ist ein zieml. langer Text, ich kommentiere, solange ich Lust habe, ok?

WW markiere ich, kann allerdings sein, das ich einige übersehe.

Auf alle Fälle wäre es einfacher zu lesen, wenn du bei Dialog mit jedem neuen Sprecher eine neue Zeile anfangen würdest. Du verwendest (für meinen Geschmack) zu viele Füllworte.

Zitat:
Plötzlich stand Kain inmitten einer Landschaft aus Sand und Staub. Weit und breit war nichts anderes zu sehen außer staubigen, fahlen Silhouetten, die aussahen, wie die Umrisse einer kleinen Siedlung.


Auf das Wörtchen *plötzlich* reagiere ich allergisch. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Autor will mir damit sagen: Achtung, lieber Leser! Jetzt wird es aufregend/spannend.
Ich lese viele Spannungsromane/Thriller/Krimis, aber all die großen/Bestsellerautoren kommen ohne dieses Wort aus (zumind. in den Romanen, die ich von ihnen gelesen habe).

Ich kenne die Vorgeschichte nicht, aber an deiner Stelle würde ich prüfen, ob es wirklich nötig ist.

Warum *inmitten*? *stand in einer Landschaft* würde genügen.

*weit und breit* - ist für mich eine Floskel. Könnte m. M. n. raus.

Zitat:
Weit und breit war nichts anderes zu sehen außer staubigen, fahlen Silhouetten, die aussahen, wie die Umrisse einer kleinen Siedlung


Da er sich in *einer Landschaft aus Sand und Staub* befindet, stört mich hier die *staubigen ... Silhouetten*. Weiterhin widerspricht sich für mein Gefühl *nichts ... außer* und wenn die Silhouetten aussehen, *wie die Umrisse einer kleinen Siedlung* und es letztendlich eine Siedlung ist, warum nicht gleich schreiben, dass es eine Siedlung ist?

Ich würde schreiben: Außer den fahlen Umrissen einer kleinen Siedlung (am Horizont?) sah er nur Sand.  

Zitat:
Die Häuser eigenartig, nichts, was Kain selbst schon einmal gesehen hatte, höchstens in irgendwelchen Dokumentationen, Nachts, wenn er Fernsehen schaute, um sich vom Schlaf abzuhalten, der für ihn immer das unvermeidliche Ende darstellte, eine Verkürzung seiner Lebenszeit – ein Tag weniger in seinem Leben – markiert durch das Schließen seiner Augen.


Ein sehr langer Satz, den ich in 2 - 3 Sätzen aufteilen würde. Du kommst über *eigenartige Häuser* - *TV-Dokumentationen* - *Schlafgewohnheiten* - persönl. Einstellung. Vom Ablauf her zwar logisch, trotzdem haben die Dinge nicht unmittelbar etwas miteinander zu tun, dass sie in einem Atemzug/einen Satz genannt werden können.

- Die Häuser eigenartig - damit (auch mit dem Hinweis auf das Fernsehen) entsteht kein Bild. Wie soll ich mir diese *eigenartigen Häuser* vorstellen?

- Die Häuser eigenartig, nichts, was Kain selbst schon einmal gesehen hatte, höchstens in irgendwelchen Dokumentationen - was für Dokumentationen? Dokumentationen über die Beziehung Mensch/Hund, Haie, Atomspaltung?

sehr umständlich geschrieben, einfacher: Ähnliche xy Häuser hatte Kain in TV-Dokumentationen über exotische Landschaften/Wüsten gesehen.

Zitat:
Nachdem Kain aufgestanden war und sich erst einmal den Sand von seinen Klamotten klopfte, schlug ein Blitz oder etwas, das Kain nicht anders identifizieren konnte, direkt neben ihm ein.


Oben schreibst du: Kain stand ... also muss hier nicht mehr erwähnt werden, dass er *aufgestanden war*.

- schlug ein Blitz oder etwas, das Kain nicht anders identifizieren konnte, direkt neben ihm ein - wir können Unbekanntes nur mit etwas Bekanntem beschreiben, z. B. wenn Ureinwohner Flugzeuge mit Vögel vergleichen. Warum schreibst du nicht einfach: eine Art (z. B. blauer - damit wird deutlich, dass es kein normaler Blitz ist) Blitz schlug neben Kain ein.

Frage: wenn eine *Art Blitz einschlägt* und der Boden aus Sand besteht, müsste dann nicht wenigstens Sand herumspritzen?

Zitat:
Eigentlich strahlte der Himmel in einem wolkenlosen, noch nie zuvor wahrgenommenen Blau. Die Sonne schien ungefiltert auf Kains, nur leicht von Haar bedeckten, Kopf.


- Die Sonne schien ungefiltert auf Kains, nur leicht von Haar bedeckten Kopf - *g* Worauf soll sie sonst scheinen? Dass sie ihm auf die Fußsohlen scheint, wenn er darauf steht, dürfte unwahrscheinlich sein.
*nur leicht von Haar bedeckten Kopf * - erstens habe ich den Eindruck: hier will dir der Autor unbedingt (und ungeschickt) zeigen: der Typ hat wenig Haare. Wenn das notwendig ist, dass ich das weiß, würde ich es schon in den Kapitel vorher verpacken. Hier passt es m. M. n. nicht.
zweitens entsteht auch hier kein Bild. Was soll ich mir vorstellen: Er hat nur Flusen auf dem Kopf? Eine Halbglatze? Er kämmt sich Strähnen über die Platte? Er hat Millimeter kurz geschorene Haare und die Kopfhaut schimmert durch?
Der Himmel strahlt und die Sonne scheint? - passt für mich nicht.

Vllt.: Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen, unwirklich blauen Himmel.

Zitat:
Als sich der Staub langsam legte, erschien eine große Gestalt, dort, wo vorher noch der Sand umherwirbelte.


Ah - jetzt kommt der Staub. Aber, wenn neben mir ein seltsamer Blitz einschlägt, würde ich mir keine Gedanken über Himmel/Sonne machen (vllt. vorher erwähnen), sondern den wirbelnden Staub anstarren.
Doppel gemoppelt: Als sich der Staub langsam legte/dort, wo vorher noch der Sand umherwirbelte -
Eventl. würde ich den Einschlag des Blitzes in Verbindung mit einer entstehende Sandsäule erwähnen, dann kommt der Satzteil *Als sich der Staub legte* nicht unerwartet und der Leser fragt sich nicht: Wieso?

- große Gestalt - sagt nichts aus/entsteht kein Bild. Was soll ich mir darunter vorstellen? Die Umrisse eines Elefanten?

Zitat:
Auf dem Kopf trug sie einen Helm, der aber weniger zum Schutze, als mehr eine technische Funktion zu haben schien. Kleine Antennen und blinkende Lichter waren überall zu sehen und schienen in ihrer Masse ein wenig redundant.


- Auf dem Kopf trug sie einen Helm - *fg* ein Elefant mit Helm? Wink

Was mich stört: du schreibst mir als Leser die Schlussfolgerungen vor: der aber weniger zum Schutze, als mehr eine technische Funktion zu haben schien. Vllt. sehen das andere Leser anders, aber ich hasse das. Ich will zu meinen eigenen Schlussfolgerungen kommen.

- ein wenig redundant - warum ein Fremdwort verwenden? *überreichlich/überflüssig/überladen* - außerdem passt es nicht. Kain weiß nicht um die Funktion des Helmes, woher will er dann wissen, ob die Lichter zu viel sind? Und *ein wenig* widerspricht meinem Gefühl nach *redundant*, entweder etwas ist überladen/überreichlich/überflüssig oder nicht. Ein wenig davon gibt es genau so wenig wie *ein wenig/bisschen schwanger*

Zitat:
Der Fremde trug einen langen Mantel, der modisch an die 30er und Vierziger Jahre in Deutschland erinnerte, aber aus einem Stoff bestand, der nach einer Mischung aus Alufolie und Leder aussah – wie ein Nazi aus der Zukunft. Er schien keine Hosen zu tragen. Höchstens eine sehr, sehr kurze. Stattdessen trug er lange und hohe Stiefel.


Sorry - mit dem Absatz erscheint bei mir ein Wirrwarr an Bilder. Im Einzelnen:

- langen Mantel - was soll ich mir darunter vorstellen? Knielang, Wadenlang, Knöchellang?

- 30er und Vierziger Jahre in Deutschland erinnerte/ein Nazi - wenn du Nazi erwähnst, dann kannst du dir 30er/40er Jahre in Deutschland sparen. Übrigens wird beides ausgeschrieben: dreißiger, vierziger Jahre.

- aber aus einem Stoff bestand, der nach einer Mischung aus Alufolie und Leder aussah - woher weiß Kain, dass es sich dabei um einen Stoff handelt? Vllt. gibt es dort, wo die Gestalt herkommt, Tiere, deren Haut gegerbt so aussieht.

- Er schien keine Hosen zu tragen. Höchstens eine sehr, sehr kurze. Stattdessen trug er lange und hohe Stiefel. - wie kann er das sehen, wenn die Gestalt * einen langen Mantel* trägt? Bsp. Knielanger Mantel und Overknee-Stiefel, oder wadenlanger Mantel und normale Stiefel oder knöchellanger Mantel und Stiefeletten? aber auf keinen Fall wird er sehen, ob die Gestalt Hosen/keine Hosen/kurze Hosen trägt oder gar nackt unter dem Mantel ist.

-lange und hohe Stiefel - wie soll ich mir die jetzt vorstellen? Stiefel mit langem/hohem Schaft? Dann würde eines genügen. Oder Stiefel mit langem Schaft und hohem Absatz? Dann müsstest du das noch dazu schreiben.

Zitat:
Kain hatte so etwas noch nie zuvor gesehen, war aber ein wenig angetan, von der Unbekümmertheit, mit der der Mann diese Sachen trug.


- Kain hatte so etwas noch nie zuvor gesehen - ??? Er hat noch nie zuvor einen Mantel gesehen, der ihn an die 30/40er Jahre in D erinnert? Noch nie zuvor Stiefel?

- war aber ein wenig angetan, von der Unbekümmertheit, mit der der Mann diese Sachen trug - ??? Warum sollte die Gestalt nicht *unbekümmert* die Sachen tragen, die anscheinend dort, wo er herkommt, normal sind. Würde ich von Außerirdischen entführt, würde ich auch *unbekümmert* Jeans/Hemd/T-Shirt tragen, egal, was die ETs anhaben.

- der der Mann - *der der* - liest sich nicht gut.

*Mann* - die ganze Zeit redest du von Gestalt, als etwas Unbestimmten - und jetzt ist es plötzlich *ein Mann*?

Zitat:
„Hi“ grüßte ihn der Fremde mit einem eigenartigen Akzent und winkte Kain dabei zu. „Mein Name ist Cecille Wrinkleslaw und ich komme aus der Zukunft.“


- eigenartigen Akzent - auch darunter kann ich mir nichts vorstellen.

- Cecille - damit hätte ich eher eine Frau in Verbindung gebracht, aber gut, vllt. ist es dort ein gängiger Männername

Zitat:
„Ehhm – Hi.“ antwortete Kain ein wenig verdutzt. „Kannst du mir verraten wo ich bin?“ -
„Ja, natürlich, aber erst einmal etwas anderes.“


Zitat:
Als der Fremde seinen Helm abnahm konnte Kain zum ersten mal das Gesicht des Mannes sehen. Es war ungewöhnlich durchschnittlich. Die Gesichtszüge des Mannes waren auffällig unauffällig und er war weder schwarz noch weiß, bloß sein Haar war sehr dunkel, aber nicht sonderlich dicht, ähnlich wie Kains.


- Als der Fremde seinen Helm abnahm konnte Kain zum ersten mal das Gesicht des Mannes sehen. - hm, in meiner Fantasie hatte der Typ (passend zu den 30/40er Jahre-Mantel) so eine Schüssel als Helm. Da hätte eigentlich Kain das Gesicht sehen müssen. Jetzt erfahre ich, dass er wohl einen Helm trägt, der das Gesicht ganz/teilweise verdeckt. Würde ich früher bringen.

- zum ersten Mal - würde ich streichen, da der Typ aus dem Nichts erscheint, ist klar, dass er es *zum ersten Mal* sieht.
- Es war ungewöhnlich durchschnittlich. Die Gesichtszüge des Mannes waren auffällig unauffällig - sorry, um mir zu sagen, dass es ein Gesicht ist, das sofort wieder vergessen wird, wenn der Typ sich umdreht, werden mir zu viele Worte gemacht.

- er war weder schwarz noch weiß -  dann ist er vllt. grau oder lila? Sorry, die Ironie konnte ich mir nicht verkneifen, nicht böse gemeint. Aber außer Schwarz/Weiß gibt es noch jede Menge anderer Farben, daher würde ich schon etwas in der Richtung angeben.

Hier breche ich ab, vllt. macht ein anderer User weiter.

Mein Eindruck: statt auf den Punkt zu kommen, erzählst du mehr, was es nicht ist. Zum anderen verwendest du viele Weichmacher: etwas, ein wenig usw. Dazu die vielen WW und Angaben, die keine Bilder entstehen lassen.

So, hoffe, es ist etwas passendes für dich dabei.

LG
Inmutanka


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Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 10:45    Titel: Re: Kain Schmidt - Der Traum Antworten mit Zitat

inmutanka hat Folgendes geschrieben:

Auf das Wörtchen *plötzlich* reagiere ich allergisch.
Irgendwie habe ich das Gefühl, der Autor will mir damit sagen: Achtung, lieber Leser! Jetzt wird es aufregend/spannend.

Ich lese viele Spannungsromane/Thriller/Krimis, aber all die großen/Bestsellerautoren kommen ohne dieses Wort aus
(zumind. in den Romanen, die ich von ihnen gelesen habe).

Ich kenne die Vorgeschichte nicht, aber an deiner Stelle würde ich prüfen, ob es wirklich nötig ist.

Nur dazu kurz etwas. Zufällig gewählt: In "Die Arena" von S. King finden wir das "böse" Wörtchen 86-mal.

Vorsichtig sollten wir dort sein, wo es lediglich um etwas Unerwartetes geht.  
"Plötzlich stieg Vera aus dem Bus ..." (Vera stieg wie geplant dort aus - nur der Betrachter hat nicht damit gerechnet, Vera zu sehen.)

Am Kapitelanfang wird das Wort korrekt verwendet, denn wir werden ohne Absicht und ohne Vorgeschichte unmittelbar in einen Traum geworfen.
Der Leser versteht es aber nur, wenn ihm die Überschrift sagt, dass jetzt ein Traum folgt. Und da wäre die Frage, ob man Titel verwendet,
die schon so viel verraten.
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inmutanka
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 11:08    Titel: Re: Kain Schmidt - Der Traum Antworten mit Zitat

seitenlinie hat Folgendes geschrieben:
inmutanka hat Folgendes geschrieben:

Auf das Wörtchen *plötzlich* reagiere ich allergisch.
Irgendwie habe ich das Gefühl, der Autor will mir damit sagen: Achtung, lieber Leser! Jetzt wird es aufregend/spannend.

Ich lese viele Spannungsromane/Thriller/Krimis, aber all die großen/Bestsellerautoren kommen ohne dieses Wort aus
(zumind. in den Romanen, die ich von ihnen gelesen habe).

Ich kenne die Vorgeschichte nicht, aber an deiner Stelle würde ich prüfen, ob es wirklich nötig ist.

Nur dazu kurz etwas. Zufällig gewählt: In "Die Arena" von S. King finden wir das "böse" Wörtchen 86-mal.

Vorsichtig sollten wir dort sein, wo es lediglich um etwas Unerwartetes geht.  
"Plötzlich stieg Vera aus dem Bus ..." (Vera stieg wie geplant dort aus - nur der Betrachter hat nicht damit gerechnet, Vera zu sehen.)

Am Kapitelanfang wird das Wort korrekt verwendet, denn wir werden ohne Absicht und ohne Vorgeschichte unmittelbar in einen Traum geworfen.
Der Leser versteht es aber nur, wenn ihm die Überschrift sagt, dass jetzt ein Traum folgt. Und da wäre die Frage, ob man Titel verwendet,
die schon so viel verraten.


*Die Arena* habe ich noch vor mir, bei Dr. Sleep z. B. oder Dreamcatcher und Qual, oder den letzten Bücher von Fitzek habe ich es nicht gefunden.

*plötzlich* wird m. M. n. einfach zu oft und unpassend verwendet.

LG
Inmutanka


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kertwang!
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 11:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank schonmal.

Zum "plötzlich": es soll das Unerwartete des Traums verdeutlichen beziehungsweise diesen schnellen Szenenwechsel. Der Titel ist definitiv nicht gut gewählt, da der Leser von selbst auf die Idee kommen sollte, dass es sich hier um einen Traum oder ähnliches handelt. So aus dem Zusammenhang gerissen dachte ich nur, dass es hilfreich wäre es zu verdeutlichen.

Die Anmerkungen finde ich schon einmal sehr hilfreich. Insbesondere die zu den Ungereimtheiten. Zu den Weichmacher: ja, die versuche ich selbst immer zu bekämpfen, aber das ist nunmal ein bisschen lol2 die Art wie ich spreche, daher schleichen sie sich immer wieder in meine Texte.
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rieka
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Wie wär‘s mit: unvermittelt.
Aber du hast noch viel mehr Differenzierungen und größere Auswahl.
Schau mal unter folgender Adresse nach.

http://synonyme.woxikon.de/synonyme/pl%C3%B6tzlich.php
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inmutanka
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo kertwang!

Zitat:
Zum "plötzlich": es soll das Unerwartete des Traums verdeutlichen beziehungsweise diesen schnellen Szenenwechsel. Der Titel ist definitiv nicht gut gewählt, da der Leser von selbst auf die Idee kommen sollte, dass es sich hier um einen Traum oder ähnliches handelt. So aus dem Zusammenhang gerissen dachte ich nur, dass es hilfreich wäre es zu verdeutlichen.


Gegenfrage: Ist es nötig?

Grund:

Angenommen, dein letztes Kapitel endet damit, dass dein Prota schlafen geht und dieses Kapitel beginnt damit, dass er sich in einer Wüstengegend aufhält - ist dieser Szenenwechsel nicht für den Leser unerwartet genug?

Ein anderes Argument wäre:
Wenn ich mich im Traum in einer anderen Umgebung wiederfinde, dann bin ich in diesem Moment dort und empfinde es nicht als *plötzlich*.

LG
Inmutanka


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seitenlinie
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 14:45    Titel: Re: Kain Schmidt - Der Traum Antworten mit Zitat

inmutanka hat Folgendes geschrieben:

*Die Arena* habe ich noch vor mir, bei Dr. Sleep z. B. oder Dreamcatcher und Qual,
oder den letzten Bücher von Fitzek habe ich es nicht gefunden.

Nur kurz im "Dreamcatcher" gesucht: 16-mal "sudden", 63-mal "suddenly".
Immerhin gelang dem Übersetzer die Reduzierung auf 26x "plötzlich".


*plötzlich* wird m. M. n. einfach zu oft und unpassend verwendet.

Das stimmt.


@kertwang!

Plötzlich stand Kain inmitten einer Landschaft aus Sand und Staub. Weit und breit war nichts anderes zu sehen außer
staubigen, fahlen Silhouetten, die aussahen, wie die Umrisse einer kleinen Siedlung. Die Häuser eigenartig, nichts was
Kain selbst schon irgendwo einmal gesehen hatte, höchstens in irgendwelchen Dokumentationen, Nachts, wenn er
Fernsehen schaute, um sich vom Schlaf abzuhalten, der für ihn immer das unvermeidliche Ende darstellte, eine
Verkürzung seiner Lebenszeit – ein Tag weniger in seinem Leben – markiert durch das Schließen seiner Augen.


Als erste Andeutung reicht das. Nur weiß der Leser noch nicht, wie die Häuser aussahen, was Kai davon erkennen konnte.
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kertwang!
Abc-Schütze


Beiträge: 8



BeitragVerfasst am: 07.11.2014 20:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

inmutanka hat Folgendes geschrieben:
Hallo kertwang!

Zitat:
Zum "plötzlich": es soll das Unerwartete des Traums verdeutlichen beziehungsweise diesen schnellen Szenenwechsel. Der Titel ist definitiv nicht gut gewählt, da der Leser von selbst auf die Idee kommen sollte, dass es sich hier um einen Traum oder ähnliches handelt. So aus dem Zusammenhang gerissen dachte ich nur, dass es hilfreich wäre es zu verdeutlichen.


Gegenfrage: Ist es nötig?

Grund:

Angenommen, dein letztes Kapitel endet damit, dass dein Prota schlafen geht und dieses Kapitel beginnt damit, dass er sich in einer Wüstengegend aufhält - ist dieser Szenenwechsel nicht für den Leser unerwartet genug?

Ein anderes Argument wäre:
Wenn ich mich im Traum in einer anderen Umgebung wiederfinde, dann bin ich in diesem Moment dort und empfinde es nicht als *plötzlich*.

LG
Inmutanka


Seit wann geht es in Literatur um Notwendigkeit? Plötzlich ist für mich ein Wort, welches mit Emotionen verknüpft es. Es ist alarmierend, aufschreckend. Im Gegensatz zu einem sanfteren Einstieg wird der Leser in dieses Kapitel gestoßen. Hier soll es um das Gefühl für den Leser gehen.
Plötzlich ist, meiner Meinung nach ein ziemlich vulgär klingendes, hartes Wort. Ich verstehe natürlich, dass du es nicht magst. Jeder hat so seine Hass-Begriffe und darum geht es hier glaube ich, persönliche Präferenzen.
Das ganze soll aber auch nicht heißen, dass ich jetzt sehr an diesem Wort hänge smile Ich werde es jedenfalls bei meiner Revision in Betracht ziehen.

@seitenline

Vielen Dank, aber das ist mir zu sehr reduziert, zeigt mir aber auch, wo ich etwas ändern muss.
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 36
Beiträge: 1969
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 08.11.2014 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

Moin, kertwang!

kertwang! hat Folgendes geschrieben:
Seit wann geht es in Literatur um Notwendigkeit?


Schon immer. smile

Man sieht, finde ich, diesem Ausschnitt deine Lust am Fabulieren, am Erzählen an, auch ein gutes Maß an Fantasie und Humor – und das lässt ein paar sehr schöne Stellen entstehen; die sich der Leser aber noch etwas zu mühsam, für meinen Geschmack, zusammensuchen muss. Auch ein Ausholen, Abschweifen – die Qualität großer Geschichtenerzähler – muss eine innere Notwendigkeit besitzen, konzentriert sein, nicht einfach ein Palavern um der Worte willen. Mein Eindruck ist, dass du oftmals zu umständlichen, 'aufgeblähten' Formulierungen greifst, um eine Fülle zu erzeugen, die aber letztendlich trügerisch ist, weil ihr die Substanz fehlt.

Ein Beispiel im Kleinen:
kertwang! hat Folgendes geschrieben:
Eigentlich strahlte der Himmel in einem wolkenlosen, noch nie zuvor wahrgenommenen Blau.

Nimmt man hier das "Eigentlich" weg, wird der Satz nicht nur schlanker, sondern auch konzentrierter:
Zitat:
Der Himmel strahlte in einem wolkenlosen, noch nie zuvor wahrgenommenen Blau.

Jetzt könnte man sich noch fragen, ob es ein wolkenloses Blau gibt, oder nur einen wolkenlosen Himmel, und dann könnte man den Satz dementsprechend noch ändern.

Zudem wimmelt es im Text von Stellen, die sich vielleicht zunächst gut anhören, sich bei genauerem Hinsehen aber als schief oder unglücklich formuliert entpuppen.
kertwang! hat Folgendes geschrieben:
Auf dem Kopf trug sie einen Helm, der aber weniger zum Schutze, als mehr eine technische Funktion zu haben schien.

Nehme ich die "technische Funktion" weg, dann steht da: Auf dem Kopf trug sie einen Helm, der aber weniger zum Schutze zu haben schien.
Das musst du anders formulieren, damit’s sprachlich stimmt.

kertwang! hat Folgendes geschrieben:
Er schien keine Hosen zu tragen. Höchstens eine sehr, sehr kurze. Stattdessen trug er lange und hohe Stiefel.

Das verstehe ich überhaupt nicht. Wenn du sagst, er trage stattdessen lange und hohe Stiefel, dann ist damit ausgesagt, dass er keine Hosen trägt. Zuvor schreibst du, es scheine so, nimmst das aber mit dem nächsten Satz wieder zurück. Und ich als Leser frage mich: Ja, was denn nun?

kertwang! hat Folgendes geschrieben:
Nach einigen Minuten näherten sie sich einem Hügel, menschenleer, oben standen einige Kreuze an denen kränklich aussehende Männer hingen.

Was jetzt? Menschenleer oder nicht? Oder zählen Männer, die an Kreuzen hängen, nicht?

––

Das waren jetzt, der Länge des Textes und der Kürze meiner Zeit geschuldet, nur ein paar Beispiele. Andere ließen sich finden.
Ich glaube nicht, dass es darum gehen kann, dir die Lust am Erzählen, Ausschmücken und Fabulierungen zu nehmen; aber je mehr sprachliche Ornamente ein Text enthält, desto genauer sollte auf die Details achtgegeben werden; nicht nur auf ihr harmonisches Zusammenspiel, sondern auch darauf, dass jedes für sich funktioniert – sprich, einen sinnigen und "notwendigen" Satz darstellt.

Gruß,
Klemens


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kertwang!
Abc-Schütze


Beiträge: 8



BeitragVerfasst am: 11.11.2014 09:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Klemens!

Ja, diese Fehler werden mir jetzt auch bewusst. Ich habe leider im Moment wenig Zeit und kann den Text nicht komplett überarbeiten, habe mir aber Notizen gemacht, damit ich das demnächst zügig erledigen kann.
Die Helm-Szene ist wirklich unterirdisch, keine Ahnung warum mir das nicht selbst aufgefallen ist smile

Jedenfalls waren sehr hilfreiche Tipps dabei.
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 36
Beiträge: 1969
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.11.2014 09:51    Titel: Antworten mit Zitat

Moin kertwang!

Freut mich, dass etwas Hilfreiches für dich dabei war; ich hatte schon Sorge, dir mit meinem Kommentar auf die Füße (oder, um einen dsfo-Insider zu bemühen, den Slip) getreten zu sein.

Dann wünsche ich viel Spaß beim Überarbeiten.

Gruß,
Klemens


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