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Auf Basalt

 
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Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Zehntausend 11/2014
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 02.11.2014 19:00    Titel: Auf Basalt eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auf Basalt


Vielleicht waren es diese blassen Sprechblasen, spätabends, auf dem Display meines Smartphones, die mich überhaupt erwägen ließen zu gehen.

„Wirst du diesmal kommen?“
„Bitte.“
„Wir vermissen dich.
Marie“

Meine Schwester war schon immer um Frieden bemüht, um Versöhnung. Sie hielt die Bänder zwischen uns in ihren prüfenden Händen. Sicherungsleinen, Blutsbande, absurd lange Kabel zum Herzmonitor des Komapatienten. Ich hätte den Zug, sachte, tastend, dennoch bestimmt, erwarten können. Die Zeitungen hatten ihn angekündigt. Doch ich wandelte über verbrannte Erde, behutsam tretend, um nicht die Lavakruste zu verletzen, unter der die glühende Masse noch immer Blasen hervorwürgte, und auf Abstand bedacht. Nähe lockte mit der Möglichkeit, zartes Grün durch den Stein brechen zu sehen. Nähe barg die Gefahr, dass auch Er in unser Schwerefeld gezogen würde.

Ich verteidige mich nicht. Ich hatte keine klare Vorstellung davon, was ich wirklich wollte. Vielleicht war es ein Impuls unbewusster Loyalität oder die Konsequenz eines dieser ironischen Zwänge, die in den Gegebenheiten der menschlichen Existenz lauern. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sagen. Aber ich ging hin. Vielleicht suchte ich in einem kriegsmüden Aufbegehren die Konfrontation, wollte sehen, ob unter der erkaltenden Kruste neue Haut gewachsen war oder Eiterherde schwärten.
Ich, der nie unter Verbände lugte, aus Angst vor dem, was ich entdecken würde. Der gut getarnt im Dickicht lauerte, das Ziel zum finalen Tötungsschuss im Visier, während andere die feindliche Stellung stürmten.
Das tat Er. Immer schon. Er war im Zentrum des Sturms zu finden, wirbelte umher, dribbelte in den Strafraum, suchte den Weg zum Tor, während ich von Linksaußen Flanken schlug oder von hinter der Mauer tödliche Freistöße versenkte. Wurde Er gefoult, war meine Revanche gnadenlos. Ich sammelte Platzverweise. Er wurde Torschützenkönig.
In der elften Klasse lieferte Er sich mit dem Pauker, vor dem die ganze Schule zitterte, Wortgefechte, forderte ihn heraus und kassierte die Sechs, die ihn zur Berühmtheit machte und beinahe die Versetzung kostete. Ich schrieb einen ironischen Artikel in der Schülerzeitung, in dessen Folge der Pauker über Monate krankgeschrieben war, bevor er in den vorzeitigen Ruhestand wechselte.
Ich war ein Jahr älter als Er. Mutter hatte mir aufgetragen, ihn zu beschützen. Oft genug war es anders herum, thronte Er über dem Besiegten, ließ Spucke auf sein Gesicht tropfen, und ich zitterte, die Zähne gebleckt, den Stein in der Hand. Oft genug lag ich unter ihm. Wir umarmten uns und prügelten uns, buhlten um Anerkennung, Zuneigung, Mutterliebe, Mädchen. Oft genug unterlag ich ihm.
Wenn er Leopard war, geschmeidiger Jäger, gefährliche Verlockung, war ich Hyäne. Ich bleckte die Zähne. Er eroberte mit seinem Lächeln die Welt.

Ich nahm das Auto, nicht die Bahn. Ich machte mir selbst weis, ich wolle meine Ruhe. Das beste Pseudonym nutzt nichts, wenn die Kolumne mit Bild erscheint und jede Reise von „Sind-sie-nicht“, „Wie-können-sie-nur“ und „Darüber-sollten-sie-mal-schreiben“ begleitet wird. In Wahrheit wollte ich einen Grund haben, keinen Alkohol zu trinken, und meine Fluchtkapsel vor der Tür geparkt wissen.
Am Ortseingang begrüßten mich die ersten Wahlplakate mit Seinem Raubtiergrinsen. Nach Jahren des Wundenleckens wagte er den nächsten Versuch. Der kecke Haarwirbel über dem linken Ohr, der bei den weiblichen Wählern 2% zusätzliche Zustimmung brachte, war geschickt in Szene gesetzt. Ich kannte die Geschichte seiner Herkunft. Die klaffende Wunde, die wir erschreckt vor Mutter und Marie zu verbergen versucht hatten, den Blick allzu schuldbewusst gesenkt. Meine Hand taub von dem Schlag mit dem Stein. Sein Lächeln aber war der eigentliche Trick. Es war der Mehrheitsbringer. Ihm verziehen sie. Ihm verfielen sie. Alle. Elle war da keine Ausnahme.

Sie saß neben mir, als ich das letzte Mal vor dem Reihenendhaus parkte. Elle mit den Sternenaugen; meine Elle, meine Eroberung. Meine Liebe. Ich stellte sie der Familie vor. Sie schmolz unter seinem Lächeln dahin. Er dribbelte los, eroberte sie im Sturm, nahm sie für sich, verbrauchte sie und ließ sie fallen, wie so viele zuvor. Er strebte nach Höherem, wollte sich nicht belasten. Kurz darauf dann seine Kandidatur.
Es bedurfte nur eines kleinen Artikels, der Andeutung eines Urlaubes mit einem Fußballkumpel, dessen wirtschaftlichen Erfolgs, eines Seitenhiebes auf Sein Liebesleben. Nichts allzu Konkretes. Nur ein leichtes Foul. Doch wenn eine Hyäne ruft, eilen ihre Artgenossen in Scharen herbei.
Wo Methanverpuffungen begonnen hatten, die Ritzen zu weiten, wo vereinzelt Basaltbomben hervorgebrochen waren, riss die Erde auf, um einen vernichtenden Lavastrom auszuspeien. Kein Haus, kein Baum, kein Mensch blieb unverletzt. Niemand ohne Schuld.

Ich verteidige mich nicht. Erinnerung kennt weder Gestern noch Morgen. Erinnerung kennt nur jetzt. So ist erinnerte Freude immer frisch, erinnerte Trauer immer tief. Vielleicht war das der wahre Grund meines Kommens, nicht Loyalität, nicht existenzieller Zwang. Vielleicht war es einfach die immanente Sehnsucht, Gefühle wahr und unverfälscht zu erleben. In den Minuten, die ich vor dem Haus im Wagen verharrte, war es, als säße Elle neben mir. Ich hatte versucht, sie aufzufangen, doch sie wies mich zurück. Die Hyänen hatten sie aufgespürt. Sie nahm sich das Leben. Er war erledigt, zog noch während des Wahlkampfes seine Kandidatur zurück.

Marie empfing mich mit einer Umarmung, als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben. Sie war Ankerpunkt und  Longenführerin, lenkte mit leichtem Zug an den gefährlichsten Stellen vorbei und durch eine komplexe Choreografie aus Küchendienst mit Mama und Maries Mann, Getränkeholen und Begrüßungsrunden an die gedeckte Tafel.
Seine Frau stillte das Baby. Dass es sie gab, dass sie heirateten, waren die Dinge, die Marie mir mitteilte, damit ich sie nicht aus der Zeitung erfahren musste. Sie klebte Pflaster auf Basalt, strich Balsam in die Scharten. Er hielt sich im Hintergrund, spielte mit den Kindern. Er bemühte sich um Raum zwischen uns, war ernst, was ihm nicht stand. Schatten lagen um seine Augen. Er wirkte ungelenk, hatte ein paar Kilo zugelegt.
Dann, nach Wildragout mit Klößen, verkrampftem Schweigen und tastenden Small-Talk-Fetzen, mit gesenktem Kopf vorgebracht, dem eigenen Blick nicht trauend, war es heraus.

„Ich brauche deine Hilfe.“

Die Worte hallten in meinem Kopf wie Stampfen auf dünnem Boden. War es das, was ich wirklich wollte, als ich beschloss, herzukommen? Eine simple Form der Legitimation, den Panzer aufzubrechen, den Verband mit einem Ruck abzureißen, offen zu legen, was darunter lag? Das Risiko einzugehen, auf Wundbrand zu stoßen, Schwefeldampf, fruchtbaren Boden?

Ich saß da, zitternd, ein Hyänenlachen zwischen den gebleckten Zähnen zurückhaltend; so müde, dass meine Augen in ihren Höhlen schmerzten. Ein Sturm aus Bildern jagte an ihrer Rückseite vorbei. Von Elle, der gebrochenen Frau, von heimlichen Zeichen auf dem Fußballfeld, vom Triumphlachen, als der Pauker ging, von Marie, real, die über Eck zwischen uns saß und den Atem anhielt. Und ich, ich hielt eine Kaffeetasse in der Hand. Sie fühlte sich warm an. Wie ein Stein, den man lange in der Hand gehalten hat.

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Lese Lina
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BeitragVerfasst am: 03.11.2014 01:17    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, deine Geschichte hat mich mitgenommen.

Etwas Ähnliches hatte ich auch mal erlebt. Zu Schluß hatte sich bei mir Alles zum Guten gewendet.

Liebe Grüße
Lese Lina
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 03.11.2014 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mr Conrad, hallo Ms Conrad,

der Starke ist stark, weil da jemand ist, der ihn stark sein lässt. Er braucht sein Back-Office.

Weniger hätte in meinem Lesen den Text noch stärker gemacht und sicher auch in die Punkte gehoben.

Beispiel:
Inko hat Folgendes geschrieben:
Marie empfing mich mit einer Umarmung, als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben. Sie war Ankerpunkt und  Longenführerin, lenkte mit leichtem Zug an den gefährlichsten Stellen vorbei und durch eine komplexe Choreografie aus Küchendienst mit Mama und Maries Mann, Getränkeholen und Begrüßungsrunden an die gedeckte Tafel.
Seine Frau stillte das Baby.


Dennoch einer der Texte, weshalb ich die Begrenzung auf 10 Punktevergaben bedauere.

Ich kann nur 10 Texte mit Punkten bedenken. Ob du dabei bist, werde ich mir erlesen.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
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saher
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BeitragVerfasst am: 04.11.2014 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für deine Geschichte. Das alles in unter 10000 Wörtern unterzubringen - Respekt.

Die Tiervergleiche fand ich im frühen Mittelteil irgendwie unpassend, aber mit jedem weiteren Satz haben sie mir enorm geholfen, mich in den Prota hineinzuversetzen. Sehr schön verwandtes Stilmittel!

Auch die Geschichte, gerade wegen ihres offenen Endes, erfüllt in meinen Augen sehr gut die Themenvorgabe. Zwar geht der Prota am Ende noch keinen Weg, steht aber am Abzweig, an den er sich selbst hat stellen lassen (von der Schwester). Der Konflikt mit dem Über-Bruder 'Er' - auch das ein tolles Stilmittel.

Alles in allem einer meiner Favoriten, hier im Wettbewerb.
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gold
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BeitragVerfasst am: 04.11.2014 18:19    Titel: Re: Auf Basalt Antworten mit Zitat

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:
Auf Basalt


Vielleicht waren es diese blassen Sprechblasen, spätabends, auf dem Display meines Smartphones, die mich überhaupt erwägen ließen zu gehen.

„Wirst du diesmal kommen?“
„Bitte.“
„Wir vermissen dich.
Marie“

Meine Schwester war schon immer um Frieden bemüht, um Versöhnung. Sie hielt die Bänder zwischen uns in ihren prüfenden Händen. Sicherungsleinen, Blutsbande, absurd lange Kabel zum Herzmonitor des Komapatienten. wer ist der Komapatient? Ich hätte den Zug, sachte, tastend, dennoch bestimmt, erwarten können. Die Zeitungen hatten ihn angekündigt Was ist das für ein Zug, der in den Zeitungen angekündigt wird? Das ist mir leider nicht ersichtlich. Doch ich wandelte über verbrannte Erde, behutsam tretend, um nicht die Lavakruste zu verletzen, unter der die glühende Masse noch immer Blasen hervorwürgte, und auf Abstand bedacht. Nähe lockte mit der Möglichkeit, zartes Grün durch den Stein brechen zu sehen. Nähe barg die Gefahr, dass auch Er in unser Schwerefeld gezogen würde.

Ich verteidige mich nicht. Ich hatte keine klare Vorstellung davon, was ich wirklich wollte. Vielleicht war es ein Impuls unbewusster Loyalität oder die Konsequenz eines dieser ironischen Zwänge, die in den Gegebenheiten der menschlichen Existenz lauern. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht sagen. Aber ich ging hin. Vielleicht suchte ich in einem kriegsmüden Aufbegehren die Konfrontation, wollte sehen, ob unter der erkaltenden Kruste neue Haut gewachsen war oder Eiterherde schwärten.
Ich, der nie unter Verbände lugte, aus Angst vor dem, was ich entdecken würde. Der gut getarnt im Dickicht lauerte, das Ziel zum finalen Tötungsschuss im Visier, während andere die feindliche Stellung stürmten.
Das tat Er. Immer schon. Er war im Zentrum des Sturms zu finden, wirbelte umher, dribbelte in den Strafraum, suchte den Weg zum Tor, während ich von Linksaußen Flanken schlug oder von hinter der Mauer tödliche Freistöße versenkte. Wurde Er gefoult, war meine Revanche gnadenlos. Ich sammelte Platzverweise. Er wurde Torschützenkönig.
In der elften Klasse lieferte Er sich mit dem Pauker, vor dem die ganze Schule zitterte, Wortgefechte, forderte ihn heraus und kassierte die Sechs, die ihn zur Berühmtheit machte und beinahe die Versetzung kostete. Ich schrieb einen ironischen Artikel in der Schülerzeitung, in dessen Folge der Pauker über Monate krankgeschrieben war, bevor er in den vorzeitigen Ruhestand wechselte.
Ich war ein Jahr älter als Er. Mutter hatte mir aufgetragen, ihn zu beschützen. Oft genug war es anders herum, thronte Er über dem Besiegten, ließ Spucke auf sein Gesicht tropfen, und ich zitterte, die Zähne gebleckt, den Stein in der Hand. Oft genug lag ich unter ihm. Wir umarmten uns und prügelten uns, buhlten um Anerkennung, Zuneigung, Mutterliebe, Mädchen. Oft genug unterlag ich ihm.
Wenn er Leopard war, geschmeidiger Jäger, gefährliche Verlockung, war ich Hyäne. Ich bleckte die Zähne. Er eroberte mit seinem Lächeln die Welt.

Ich nahm das Auto, nicht die Bahn. Ich machte mir selbst weis, ich wolle meine Ruhe. Das beste Pseudonym nutzt nichts, wenn die Kolumne mit Bild erscheint und jede Reise von „Sind-sie-nicht“, „Wie-können-sie-nur“ und „Darüber-sollten-sie-mal-schreiben“ ist für mich unverständlich begleitet wird. In Wahrheit wollte ich einen Grund haben, keinen Alkohol zu trinken, und meine Fluchtkapsel vor der Tür geparkt wissen.
Am Ortseingang begrüßten mich die ersten Wahlplakate mit Seinem Raubtiergrinsen. Nach Jahren des Wundenleckens wagte er den nächsten Versuch. Der kecke Haarwirbel über dem linken Ohr, der bei den weiblichen Wählern 2% zwei Prozent zusätzliche Zustimmung brachte, war geschickt in Szene gesetzt. Ich kannte die Geschichte seiner Herkunft. Die klaffende Wunde, die wir erschreckt vor Mutter und Marie zu verbergen versucht hatten, den Blick allzu schuldbewusst gesenkt. Meine Hand taub von dem Schlag mit dem Stein. Sein Lächeln aber war der eigentliche Trick. Es war der Mehrheitsbringer. Ihm verziehen sie. Ihm verfielen sie. Alle. Elle war da keine Ausnahme.

Sie saß neben mir, als ich das letzte Mal vor dem Reihenendhaus parkte. Elle mit den Sternenaugen; meine Elle, meine Eroberung. Meine Liebe. Ich stellte sie der Familie vor. Sie schmolz unter seinem Lächeln dahin. Er dribbelte los, eroberte sie im Sturm, nahm sie für sich, verbrauchte sie und ließ sie fallen, wie so viele zuvor. Er strebte nach Höherem, wollte sich nicht belasten. Kurz darauf dann seine Kandidatur.
Es bedurfte nur eines kleinen Artikels, der Andeutung eines Urlaubes mit einem Fußballkumpel, dessen wirtschaftlichen Erfolgs, eines Seitenhiebes auf Sein Liebesleben. Nichts allzu Konkretes. Nur ein leichtes Foul. Doch wenn eine Hyäne ruft, eilen ihre Artgenossen in Scharen herbei.
Wo Methanverpuffungen begonnen hatten, die Ritzen zu weiten, wo vereinzelt Basaltbomben hervorgebrochen waren, riss die Erde auf, um einen vernichtenden Lavastrom auszuspeien. Kein Haus, kein Baum, kein Mensch blieb unverletzt. Niemand ohne Schuld.

Ich verteidige mich nicht. Erinnerung kennt weder Gestern noch Morgen. Erinnerung kennt nur jetzt. So ist erinnerte Freude immer frisch, erinnerte Trauer immer tief. Vielleicht war das der wahre Grund meines Kommens, nicht Loyalität, nicht existenzieller Zwang. Vielleicht war es einfach die immanente Sehnsucht, Gefühle wahr und unverfälscht zu erleben. In den Minuten, die ich vor dem Haus im Wagen verharrte, war es, als säße Elle neben mir. Ich hatte versucht, sie aufzufangen, doch sie wies mich zurück. Die Hyänen hatten sie aufgespürt. Sie nahm sich das Leben. Er war erledigt, zog noch während des Wahlkampfes seine Kandidatur zurück.

Marie empfing mich mit einer Umarmung, als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben. Sie war Ankerpunkt und  Longenführerin, lenkte mit leichtem Zug an den gefährlichsten Stellen vorbei und durch eine komplexe Choreografie aus Küchendienst mit Mama und Maries Mann, Getränkeholen und Begrüßungsrunden an die gedeckte Tafel.
Seine Frau stillte das Baby. Dass es sie gab, dass sie heirateten, waren die Dinge, die Marie mir mitteilte, damit ich sie nicht aus der Zeitung erfahren musste. Sie klebte Pflaster auf Basalt, strich Balsam in die Scharten. Er hielt sich im Hintergrund, spielte mit den Kindern. Er bemühte sich um Raum zwischen uns, war ernst, was ihm nicht stand. Schatten lagen um seine Augen. Er wirkte ungelenk, hatte ein paar Kilo zugelegt.
Dann, nach Wildragout mit Klößen, verkrampftem Schweigen und tastenden Small-Talk-Fetzen, mit gesenktem Kopf vorgebracht, dem eigenen Blick nicht trauend, war es heraus.

„Ich brauche deine Hilfe.“

Die Worte hallten in meinem Kopf wie Stampfen auf dünnem Boden. War es das, was ich wirklich wollte, als ich beschloss, herzukommen? Eine simple Form der Legitimation, den Panzer aufzubrechen, den Verband mit einem Ruck abzureißen, offen zu legen, was darunter lag? Das Risiko einzugehen, auf Wundbrand zu stoßen, Schwefeldampf, fruchtbaren Boden?

Ich saß da, zitternd, ein Hyänenlachen zwischen den gebleckten Zähnen zurückhaltend; so müde, dass meine Augen in ihren Höhlen schmerzten. Ein Sturm aus Bildern jagte an ihrer Rückseite vorbei. Von Elle, der gebrochenen Frau, von heimlichen Zeichen auf dem Fußballfeld, vom Triumphlachen, als der Pauker ging, von Marie, real, die über Eck zwischen uns saß und den Atem anhielt. Und ich, ich hielt eine Kaffeetasse in der Hand. Sie fühlte sich warm an. Wie ein Stein, den man lange in der Hand gehalten hat. Dieses Ende gefällt mir.


Hallo Inko,

Du hast den Charakter des Protagonisten sowie des Bruders gut eingefangen. Deine Geschichte liest sich spannend.

LG gold


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Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
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Lapidar
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BeitragVerfasst am: 04.11.2014 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Kain und Abel. Das Zitat ist gut untergebracht und es gefällt mir, dass du das "ich verteidige mich nicht" noch einmal aufnimmst. So wirkt es auch nicht so aufgesetzt.

Ich kann den Schmerz und die Wut des Erzählers nachvollziehen. Aber das Simile über die verbrannte Landschaft ist für mich nicht ganz so stimmig.
Aber gern gelesen.


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Akiragirl
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BeitragVerfasst am: 05.11.2014 08:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko!

Ich versuche, jedem Text des Wettbewerbs einen kurzen Kommentar dazulassen, bitte aber um Verständnis dafür, dass ich denjenigen, die Punkte von mir bekommen, ausführlicher schreibe und allen anderen nur kurz umreißen kann, warum es nicht zu Punkten gereicht hat.

Warum ich keine Punkte vergeben habe:
- absoluter Metaphern-Overkill, was relativ schnell nur noch gezwungen/aufgesetzt wirkt; die wenigsten davon unterstützen wirklich der Text
- die Metaphern springen ständig zwischen den verschiedensten Bildebenen herum: Ich habe aufgeschrieben: Krankenhaus, Vulkan, Krankenhaus, Krieg, Wetter, Sport, Tierwelt – und das nur im ersten Drittel des Textes; sich auf eine oder max. 2 Bildebenen, die zu den Figuren passen, zu beschränken, hätte das Ganze weniger unfreiwillig komisch wirken lassen
- Auf inhaltlicher Ebene empfand ich den Text leider als wenig interessant

Liebe Grüße
Anne


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"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 05.11.2014 10:26    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Sie nahm sich das Leben.

Das ist die Stelle, an der du für mich aus der Reihe der potentiellen Punktekandidaten herausgeflogen bist (ja natürlich, ich habe zu Ende gelesen).

Weil: es macht mich ärgerlich. Nicht auf den Raubtierfreund, nicht auf die allgemeine Gemeinheit der Welt, sondern auf den Autor dieser Geschichte. Weil du es dir damit so einfach machst, weil es die Geschichte eher platter als tiefer macht, aber vor allem, weil es so unnötig ist.
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Constantine
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Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 05.11.2014 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

Liebe/r Verfasser/in,

ich fand deine "Bruderzwist"-Geschichte fein geschrieben und gut konstruiert. Das Zitat hast du passend in deine Geschichte integriert und das Thema "Aufbruchstellen" prima erfüllt.

Du bist für mich unter den zehn Texten, die Punkte bekommen: huit points.

Merci beaucoup!

LG,
Constantine
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crim
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 08:14    Titel: Antworten mit Zitat

Einer der Texte, die es bei mir nur sehr knapp nicht in die Punkteränge geschafft haben. Ein gutes Ende und auch eine wieder erkennbare, eigene Erzählstimme. Es werden verschiedene Bildwelten aufgemacht und sie ziehen sich durch den Text. Leider sind es mir zu viele und sie gehen nicht richtig eine Bindung ein, wodurch das auf mich überladen wirkt. Einmal Lava, Asphalt, Stein, der aufbricht, dann die Wunden, dann die Hyänen, zusätzlich der Fußball, die Politik und Elle. Gerade der titelgebende Part hängt für mich hier ein wenig in der Luft, trotzdem ein interessanter Text.
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fancy
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 14:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

das erste Familiendrama in der langen Reihe.

Auch in deinem Text sehe ich nichts experimentelles, nichts, das ich deuten müsste. Du erzählst die Geschichte zweier Brüder und enthältst mir das Ende, die Entscheidung, vor.
Gut, bei offenen Enden hat der Leser die freie Wahl, aber hier hätte mir ein Ende besser gefallen.

Das Zitat hast du gut eingebaut, die Aufbruchstellen sind zu erkennen, aber E?

Ich glaube nicht.

Allerdings bin ich mir noch nicht schlüssig, wie ich das gewichten werde.

Bis dann

fancy


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Maria
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 16:19    Titel: Antworten mit Zitat

Servus !

wow. diese Arbeit erschlägt mich. Kurz hatte ich das Bedürfnis die Metaphern/Symbole zu zählen und der wundervollen Einfachheit der Sprache gegenüber zu stellen. Sogar das Zitat war beinahe eine Erholung.

Im Ernst, das war mir (fast grotesk) zu viel an Umschreibung und Vergleichen und Bildsprache und ... da kommt man gar nicht runter, es lenkt ab von den Figuren, von der Not des LI, von der berechtigten Wut.

Inhaltlich mag ich es sehr, family business ist immer lesenswert, in jedwede Richtung. Inhaltlich auch glaubwürdig und überzeugend. Daher fällt es mir natürlich nicht komplett hinten über, dazu hat es zuviel Substanz im Vergleich.

VG, Maria


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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ich empfinde den Text als etwas überfrachtet, gewollt in die E-Richtung gehend.
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shatgloom
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BeitragVerfasst am: 06.11.2014 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist einer der Texte, die ich erst schon beiseite geschoben hatte.
Dieser Text gewinnt bei mir aber nach mehrmaligem Lesen.

Sprachlich finde ich den Text sehr gut. Die Beziehungen zwischen den Geschwistern, vor allem der beiden Brüder, früher und jetzt kann man gut nachvollziehen.
Thema ist kreativ umgesetzt und das Zitat auch ziemlich schlüssig untergebracht. Was mir hier etwas fehlt ist eine Überraschung, etwas nicht Erwartetes, Hintergründiges.

Sprachlich mit ganz vorne, die Geschichte ist mir aber etwas zu offensichtlich.
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tronde
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Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 06.11.2014 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Auf Basalt

Die unten folgende Liste war mir Anhaltspunkt, eine Reihenfolge in die Texte zu bekommen.
Es gab nach subjektiver Einschätzung Plus- oder Minuspunkte für die Stichpunkte, am Ende noch Minuspunkte für Fehler. Grob jeweils von +2 bis -2, wobei es keine absoluten Bewertungsmaßstäbe gab, und - so befürchte ich - die Bewertung auch von den unterschiedlichen Tagen/Stimmungen abhängen könnte. Rechenfehler gehen auf meine Kappe.

Das Subjektive sei besonders bei den Punkte Neue Wege und die Frage nach dem E vorgehoben, weil ich das einerseits gar nicht bewerten will/kann, es aber hinsichtlich der Aufgabe dazugehört. Falls Du (AutorIn) dich falsch verstanden fühlst, liegt das möglicherweise an meinem fehlenden Wissen/Verständnis. Das gilt auch für alle anderen Dinge, die ich nicht wahrgenommen habe. Nachvollziehbar wäre für mich auch, wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlen würde.

Weil es mir schwerfiel, eine Reihenfolge zu erstellen, war ich bei der Rechtschreibung, Satz recht pingelig, nur alleinige doppelte Leerzeichen haben keinen Abzug gegeben.

Bei Gleichstand unter den 10 platzierten Texten hat das Subjektive den Ausschlag gegeben.

Cut-off für die Platzierungen: ≥ 8,5

Aus Zeitgründen fallen die Kommentar nicht ausführlicher aus, sondern bestehen aus meinen kaum überarbeiteten Notizen beim Lesen der Texte. Wenn Ihr genauere Anmerkungen zu Stichpunkten haben wollt, meldet Euch. Inhaltlicher Art; Fragen zur Punktevergabe werden nicht beantwortet, weil diese subjektiv ist und auch nicht korrigiert wird.

Dieser Text steht vor allen meinen Kommentaren, beim nächsten könnt Ihr ihn überspringen.


Plus-/Minuspunkte
Neue Wege/Experimentell?: Ja, Nein, welche?
nein
0

Eigene Einstellung überprüfen, zum Nachdenken anregen, Mehrdimensionalität, Kanten?
nein
0

Zitat flüssig integriert?
Vorwurf? Stilistisch passst es
1

Bezug auf Loyalität (Regierung, Übergeordnet, auch Gegenüber)
ja, Familie
1

Aufbruchstellen (tatsächlich mehrere Aufbrüche/Aufbrüche an mehreren Stellen, in welchem Sinn auch immer?)
Lava-Aufbruchstellen
1

Einstieg
ok
1

Idee
Familienstreit, Brüderkonkurrenz
1

Plot (Wendung?, Schlüssig?)
offenes Ende, guter Ablauf
2

Titel
passt, unter Basalt noch Lava? Basaltlava
1

Stil
schöne Bilder, gute Beschreibungen, leicht geschirieben
2

Subjektiv

1

MinusPunkte
Schrift (Schreibfehler, Komma, Grammatik)
0


Gesamtpunkte 11
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 64
Beiträge: 803

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 07.11.2014 06:25    Titel: Antworten mit Zitat

Großartig. Aber erst mal hallo, Unbekannte/r,
Ich hab deine Geschichte furchtbar gerne gelesen. Am Anfang war ich noch nicht so warm mit deinem Stil, da wird viel angedeutet, viel umschreiben, doch dann hat es mich immer stärker reingezogen in dieses unselige Beziehungsgeflecht zwischen zwei Brüdern.
Dass das Grundthema Aufbruch in deinem Text eingehalten ist, versteht sich von selbt, mir gefiel aber auch, wie du das Zitat eingearbeitet hast. Es wirkte hier auf mich gar nicht so wie in den Texten, die ich bisher gelesen habe, nämlich wie ein Fremdkörper, es fällt kaum raus.
Mich jedenfallshast du mit deinem Text glatt erwischt.
Viele Grüße Zufall
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Malaga
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 716



BeitragVerfasst am: 10.11.2014 18:17    Titel: Antworten mit Zitat

Neutraler Bewertungskommentar: 1 Punkt. Bei Interesse wird Begründung nachgereicht.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 11.11.2014 16:27    Titel: Antworten mit Zitat

Familienzusammenführung, Schuld, Hassliebe zwischen zwei Brüdern.
Das hast du sehr rund erzählt, schöne schlichte Sprache, auch schöne Bilder darunter. Das Zitat finde ich hier sehr gelungen eingebaut, es fügt sich flüssig in den Text ein, die Fragestellung wird wieder aufgegriffen und es ist auch inhaltlich passend integriert.

Beim wiederholten Lesen liest sich die Geschichte zwar immer noch angenehm, aber eröffnet mir nichts darüber hinaus. Die Resonanz fehlt mir ein bisschen, sozusagen, subjektives Empfinden, aber das was am Ende in diesem Wettbewerb für mich den Unterschied macht.
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Mardii
Stiefmütterle

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Beiträge: 1819



BeitragVerfasst am: 11.11.2014 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text schwankt zwischen Sprechblasen vollgepfropft mit Bildsprache, die ich teils nur als Worthülsen deuten kann und angerissenem Politthriller.
Sympathisch ist mir keiner der Protagonisten so richtig, allenfalls Marie, die aber nur etwas grau angedeutet wird. Aber ist ja E-Lit.
Ich bin mir nicht ganz sicher was ich erahnen soll. Bedeutet dieses hier:

Zitat:
Wo Methanverpuffungen begonnen hatten, die Ritzen zu weiten, wo vereinzelt Basaltbomben hervorgebrochen waren, riss die Erde auf, um einen vernichtenden Lavastrom auszuspeien. Kein Haus, kein Baum, kein Mensch blieb unverletzt. Niemand ohne Schuld.


eine bildliche Verklausulierung einer Intrige oder befürwortet der ominöse Er den Einsatz von Fracking auf Gemeindegrund?
Zitat:

Sie klebte Pflaster auf Basalt, strich Balsam in die Scharten.


Aber dieses Zitat macht mir die Deutung ganz und gar rätselhaft.

Sprachlich ist das nicht ungeraten, aber mir transportiert die Geschichte zu wenig Inhalt.


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Ridickully
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lilli.vostry
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BeitragVerfasst am: 13.11.2014 00:13    Titel: aw:AufBasalt Antworten mit Zitat

Hallo,

eine interessante, sprachlich anspruchsvolle, bilderreiche, aber teils zu verrätselte Geschichte um eine Rivalität zwischen Brüdern mit immer noch offenen Wunden...
Verwirrend im ersten Abschnitt die Stelle mit dem Herzmonitor und Komapatienten... Ich dachte zunächst die Szene spielte im Krankenhaus, wo einer der Brüder liegt. Doch es ist im übertragenen Sinne gemeint. Ähnliche Bilder wie das Wundpflaster auf Basalt ziehen sich als gestalterische Mittel für den Zustand in dieser Familie durch den Text.
Man ist auf das Schlimmste gefasst, als die Brüder auf einander treffen. Dann dieser wohl alles verändernde Satz: Ich brauche deine Hilfe.
Wobei bleibt unklar. Das bleibt dem Kopfkino des Lesers überlassen.
Insgesamt bleibt mir zu vieles schemenhaft angedeutet und zu klischeehaft, der eine der strahlende Sieger und der andere der heimlich zähnefletschende Unterlegene, der es dem anderen endlich einmal zeigen, sich wehren will.

Ein Texte im mittleren Bereich der Punkteskala.

VG,
Lilli


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Zinna
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BeitragVerfasst am: 13.11.2014 19:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko!


Zu Beginn nimmt mich der Text mit hinein, der Abschnitt nach den „Sprechblasen“ liest sich jedoch krampfig, als wäre er extra vor das einzuarbeitende Zitat hingekopft worden, gleichermaßen der Satz danach.
Ab dem nächsten Abschnitt wird es lebendiger zu lesen.
Eine Satz dort gefällt mir sehr:
Zitat:
Ich, der nie unter Verbände lugte, aus Angst vor dem, was ich entdecken würde.

Ob der Beitrag mit in die Punktevergabe kommt, weiß ich noch nicht, die Plätze sind begrenzt.


Lieber Gruß
Zinna


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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


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BeitragVerfasst am: 13.11.2014 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Aus Zeitmangel nur ein Kommentar zur Punktabgabe. Ausführlicher Kommentar vorbehalten.

Vier Punkte.
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