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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Meine erste Kurzgeschichte "Durch die Nacht"


 

 
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esteban
Geschlecht:männlichVorschüler

Alter: 39
Beiträge: 1
Wohnort: Wuppertal


BeitragVerfasst am: 10.10.2014 19:27    Titel: Meine erste Kurzgeschichte "Durch die Nacht" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Meine erster Schreibversuch, hoffe es gefällt euch. Habe es gestern versehentlich unter "Meine Werke" eingestellt, aber glaube hier ist es besser aufgehoben.


Durch die Nacht

Die warme Sommerluft ist es, welche mich an jenem Morgen als Erste begrüßt, die mich einlädt, die mich wie mit Willkommensgeschenken verführt. Sie bittet mich herein, sie überredet mich, die fliehende Nacht mit ihr zu verabschieden und den bevorstehenden Sonnenaufgang mit ihr zu verbringen.
Eine gute Gastgeberin möchte sie sein und hat sich für mich in Schale
geworfen. Wachend thront der Mond und lässt ihren Schleier aus Nebel
erglühen. Ihr Duft ist weniger eine schüchterne Bitte, als eine siegessichere
Forderung. Er berauscht mich, entzieht mich meinem eigenen Bewusstsein und meiner Kontrolle. Jeder Atemzug füllt meine Lunge, okkupiert meine Seele und benebelt meine Sinne.
Sie flüstert mir etwas zu. Ein Zwitschern hier, ein Knacken da. Es klingt wie ein Geheimnis und ist gleichzeitig sehr vertraut.

Wie getragen bewege ich mich durch die Adern der Stadt. Tagsüber pulsiert hier das Leben, doch mit Einbruch der Dämmerung beruhigt sich der Herzschlag des urbanen Treibens und jegliche Hektik des Alltags weicht der Gelassenheit. Die Nacht erscheint mir wie eine Essenz. Durch die Absenz von Tageslicht und Menschenlärm erscheint hier das Leben in seiner reinsten Form. Ungeschminkt. Ehrlich. Ohne Maske. Ohne doppelten Boden. Wie ein Harlekin nach seinem letzten Auftritt, reißt sich die Welt in der Nacht die Kleider vom Leib und entledigt sich ihrer störenden Hülle.

In der Ferne strahlt eine einsame Laterne. Ein verzweifelter Versuch, um die
verbliebenen Tagesreste über die Nacht mit in den nächsten Sonnenaufgang zu retten. Einst erfüllte diese Aufgabe das Feuer, dann die Fackel, die Öllampe. Bald wird auch die Laterne von einer sophistikativen Neuerung abgelöst, und von der Nacht wird nur noch eine Reminiszenz Bestand haben. Man wird sich Geschichten erzählen, von Zeiten, in denen es noch Dunkelheit gab. Und große Kinderaugen werden neugierig lauschen und gefesselt an den Lippen des Erzählers hängen.

Mir erscheint die Nacht nicht als eine Bedrohung. Ich versuche der
Lichtverschmutzung zu entkommen und verlasse die von künstlichem Licht
gesäumten Pfade und betrete eine Welt, in der andere Mächte die Herrschaft
übernehmen. Magie. Irrationalität. Neugier. Immer tiefer begebe ich mich in die Schattenwelt und Schritt für Schritt verliere ich meine gewohnten Sinne.
Paradoxerweise zwingt mich die Einschränkung nichts sehen zu können dazu, mich mit weit aufgerissenen Augen, einen Fuß vor den anderen setzend, dem Ungewissen zu nähern. Wie ein Arm aus schwarzem Dunst schlingt sich die Finsternis um meine Beine. Meine Brust. Bald darauf umschließt sie wie ein Mantel meinen gesamten Körper und zieht mich wie ein Sog weiter hinein in ihr düsteres Reich.
Alle Belanglosigkeiten des Lebens, alle Äußerlichkeiten verschwimmen vor
meiner geistigen Kamera und verblassen in der Peripherie. Das Objektiv richtet nun immer mehr seinen Fokus auf meine Innenwelt. Stellt sich scharf. Zoomt noch mal ran – Es blitzt.

Schlagartig kenne ich den Grund meiner Reise in die Welt der Finsternis. Es
scheint mir als wäre dies für mich eine Art Menschwerdung. Wie ein Kind im
Mutterleib, das eine Zeit in der Dunkelheit verbringen muss, um sich der Welt stellen zu können. Wie eine kranke Katze, die sich zurückzieht, die die
Menschheit scheut. Wie ein Pflanzensamen, der unter der Erde zu sprießen
beginnt und sich nach und nach aus dem Erdreich an die Oberfläche wagt.

Das Netz aus dunklen Fäden ermüdet mich zunehmend und die daraus
resultierende Lethargie meines Fleisches, lässt mehr und mehr Raum für die
Fokussierung auf mein Seelenleben. Gedanken schweben unkontrolliert durch meinen Geist und öffnen dadurch dem Unbewussten die Pforte zu all dem von mir Verdrängten. Wie Wachen einer Burg, die planlos hin und her laufen und dem Eindringling durch ihre ungenügende Präzision in der Ablöse die Möglichkeit gewähren, sich an bestimmten Stellen Zutritt zu den geheimen und unerforschten Orten des Festungsinneren zu verschaffen.
Die Bühne ist hergerichtet und sorglos gebe ich mich dem inwendigen
Schauspiel hin. Dies ist das erste mal, das ich die Regie nicht selbst übernehme, und so bleibt mir nur die Rolle des Zuschauers, der wie in Trance Szene für Szene geschehen lässt.
Siege und Niederlagen – der Klang eines in Vergessenheit geratenes Liedes – Enttäuschungen – eine weinende Mutter – ein wohl bekannter Duft – der erste Kuss – Schuld – Trauer – Ohnmacht.
Wahllos reihen sich Gedanken und Empfindungen von Erlebtem aneinander.
Viel zu lang gedeckelte Emotionen finden den Weg aus meiner unterbewussten Büchse der Pandora in die Umlaufbahn meines Geistes. Umkreisen sich, ziehen sich gegenseitig an, treffen sich, stoßen sich wieder ab, verpuffen kurz darauf und verschwinden im Nichts.

Stunde um Stunde vergeht und die erste Helligkeit des Tages finden ihren Weg durch das dunkle Geäst. Sanft wie eine Mutter ihr Kind weckt, bedecken die Sonnenstrahlen meine Schultern und erlösen mich mit warmen Worten aus meiner Schlaftrunkenheit. Wie Vorboten des Friedens erklären sie mir das Ende der Leidenszeit.

Es ist Zeit für mich wieder Licht in mein Leben zu lassen. Doch bevor sich die
Finsternis vollständig dem Tag ergibt, nutze ich die Zeit um mich zu
verabschieden. Genieße noch einmal die verbliebene Sommerluft, lausche ein letztes mal ihrem Flüstern und gebe mich mich einen letzten Atemzug lang ihrem betörendem Duft hin.
Du wirst mir fehlen.

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Bananenfischin
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor

Moderatorin

Beiträge: 4878
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 10.10.2014 22:34    Titel: Re: Meine erste Kurzgeschichte "Durch die Nacht" Antworten mit Zitat

esteban hat Folgendes geschrieben:
Meine erster Schreibversuch, hoffe es gefällt euch. Habe es gestern versehentlich unter "Meine Werke" eingestellt, aber glaube hier ist es besser aufgehoben.


Hallo esteban,

nicht wundern, den zweiten Thread mit diesem Text habe ich entfernt.

Kurz zu deinem Text:
Ich würde ihn nicht als Kurzgeschichte bezeichnen, sondern sehe ihn mehr als eine assoziative Aneinanderreihung von Gedanken und Beschreibungen.
Dementsprechend fehlt so ein wenig der rote Faden.
Vieles könnte wegfallen, ohne dass wirklich etwas fehlte. So beginnst du beispielsweise mit der Schilderung eines frühen Morgens, beschreibst ihn auch als für den Erzähler sehr beeindruckend, dann aber geht es nur noch um die "lange Nacht", an deren Ende es für den Erzähler Zeit wird, wieder Licht in sein Leben zu lassen. Das würde stärker wirken, wenn der Text schon mit der Nacht anfinge.
Du bemühst dich um eine erhabene Sprache und besondere Formulierungen, Metaphern und Vergleiche. Sie sind teils nicht passgenau
Zitat:
Wie eine kranke Katze, die sich zurückzieht, die die Menschheit scheut
oder schießen meiner Meinung nach über das Ziel hinaus.
Zitat:
Bald wird auch die Laterne von einer sophistikativen Neuerung abgelöst, und von der Nacht wird nur noch eine Reminiszenz Bestand haben.


Was möchtest du denn in Zukunft gern schreiben? Vielleicht magst du dich ja an einer Geschichte mit mehr Handlung, mit Dialog usw. versuchen?

Liebe Grüße
Bananenfischin


_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Bressler
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 73
Beiträge: 43
Wohnort: Zürich / Schweiz


BeitragVerfasst am: 11.10.2014 17:09    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend Esteban

Ich finde, es ist eine Kurzgeschichte, eine Impression und man liest sich wunderbar hinein, denkt vielleicht auch an einen angenehmen Rausch, aus dem man erwacht - Stimmung gut eingefangen.

Sprachlich finde ich, dass der Text zwischen Ironie und Pathetik etwas hin- und herschwankt.

Was mir, rein erzählerisch, fehlt ist die Dämmerung. Es kommt mir vor, als platze man von der finsteren Nacht - die ja auch nicht so finster ist, dass man nichts mehr wahrnimmt; ein wirklich schwarzer Raum in einem Museum, z.B., ist etwas ganz anderes - in den ersten Sonnenstrahl. Wenn ich mich aber richtig erinnere, kündet der Aufgang der Sonne sich bedächtig, aber unaufhaltsam an.

Deinen Text zu lesen, hat mir Spass gemacht, denn gerade dieses Impressionistische regt Assoziationen / Gedanken an.

Ich würde meinen, von der Anlage her und in weiten Teilen gelungen, aber noch ein Bisschen Radikalisieren!

Grüsse

Rainer Bressler.


_________________
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