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Das Schwert der Liebe: Eine wahre Kurzgeschichte


 

 
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anssi
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BeitragVerfasst am: 06.10.2014 18:03    Titel: Das Schwert der Liebe: Eine wahre Kurzgeschichte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Wütende Punkmusik riss mich aus dem Schlaf. „Nicht im Ernst“, fauchte ich im Bett und sondierte den Boden nach meinem Handy ab. Ein Klick erhellte die dunklen Mauern meines Schlafzimmers: 02:23 Uhr.

Einer der Mieter müsste sich gleich beschweren gehen, dachte ich, und wälzte mich eine gefühlte Viertelstunde im Bett herum. Negativ. Der Lärm und mein Ärger hielten hartnäckig die Stellung.

Muss ich das jetzt wirklich selbst regeln, winselte ich, die Kapelle klingt nicht gerade nach guter Laune. Sind dort mehrere Leute? Was sind das für Menschen? Was werde ich sagen? Du Feigling, du machst das jetzt, zwang ich mich schließlich. Scheiße. Okay.

Ich nahm einen tiefen Atemzug, sprang aus dem Bett, legte meinen Jogginganzug an und schwärmte in den kalten Hausflur aus. Ich musste nicht lange nach dem dem Zielobjekt suchen. Es war die Wohnung unter mir, im dritten Stockwerk. Ich klingelte.

Keine Reaktion. Ich klingelte noch einmal. Nichts. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Gebrüll: „HEY!!! WATT WILLST DU HIER?“
Ich drehte mich um, und sah einen großen, kräftigen, jungen Mann, der offensichtlich berauscht war und in schnellen Schritten auf mich losmarschierte. Hinter ihm blieb eine junge Frau stehen, die verzweifelt schien.
Mich durchzuckten Bilder davon, was hier zuvor passiert war, aber eher ich darüber nachdenken konnte, stand der verschwitzte Typ bereits vor mir, rückte immer dichter an mich heran und überragte mich. „WATT WILLST DU HIER?“ Er roch nach Alkohol.
„Ich will nichts, außer dass du die Musik leiser machst. Ich kann so nicht schlafen. Ich muss morgen früh aufstehen und arbeiten gehen“, antwortete ich.
„VERPISS DICH, DU WICHSER!“
„Ich bin sofort weg. Ich bitte dich nur, die Musik leiser zu machen.“
„ICK HAU' DIR GLEICH IN DIE SCHNAUZE,“ sagte er und fing an, handgreiflich zu werden. Seine verzweifelte Freundin eilte herbei und versuchte sich einzumischen, aber sie hatte keinerlei Einfluss auf ihn. Er schob sie einfach weg, als wäre sie ein Vorhang, der den Eingang zur Kampfarena verdeckte.
„KOMM WIR GEH'N RAUS!“, fügte er drohend hinzu und zeigte mit dem Finger zum Treppenhaus.
Adrenalin schoss in meinen Körper. Ich lehnte mich gegen eine Wand, schaute traurig auf den Boden und flehte um eine Eingebung, während ich gleichzeitig damit beschäftigt war, seine Hände von mir wegzustoßen.

Ich hätte angreifen können. Sieben Jahre Kampfsport-Training boten ein Arsenal voller Möglichkeiten. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich einem Fremden eine blutige Nase verpasst hätte. Ein Teil von mir versetze sich in akute Kampfbereitschaft und wartete nur noch auf den einen Befehl: Feuer!  
Das ist einfach nicht richtig, fühlte ich und zögerte. „Okay, komm. Wir gehen raus,“ sagte ich schließlich.
„Nein!“, wimmerte seine verzweifelte Freundin. „Schon gut“, versuchte ich sie zu beruhigen, indem ich meine Worte mit einer Handgeste bekräftigte.

Ich schlich den langen Hausflur Richtung Treppenhaus. Er folgte mir. Offensichtlich alleine, denn ich hörte, wie seine verzweifelte Freundin hinter uns die Wohnungstür öffnete und ein Stoß Gitarrengegröle den Flur durchflutete.
Im Treppenhaus angekommen, kam die ersehnte Eingebung. Statt die Treppe runterzugehen, nahm ich die Treppe rauf, setze mich auf eine Stufe, schaute meinem Verfolger direkt in die Augen und sagte: „Sag mal, was ist eigentlich mit dir los, Dicker?“

Waffenstille. Er starrte mich an und schien nicht zu wissen, wie er darauf reagieren sollte. Irgendwie musste er jedoch gespürt haben, dass ich ihm nicht böse bin und in meiner Frage keinerlei Vorwurf mitschwang.
Ich wusste, dass sein Ärger nicht mir galt. Ich wusste, dass er sich gerade mit seiner Freundin gezofft hatte. Ich wusste, dass sie aus der Wohnung floh, er ihr hinterherrannte und sie zurückholte, bevor er mich vor seinem Revier entdeckte. Ich wusste das. Er hingegen wusste offenbar gar nichts mehr. Plötzlich hörte man einen lauten, metallischen Knall.

Er hatte all seine Wut zusammengenommen und mit der Faust gegen die Fahrstuhlwand geschlagen, die sich neben der Treppe erhob.
Als der metallische Nachhall, der sich durch das ganze zehnstöckige Wohnhaus ausbreitete, verflogen war, sagte er sichtlich beruhigt: „Ick glaub', du bist ein guter Junge.“ „Ja“, erwiderte ich, „das glaube ich von dir auch.“

Ich stand auf, ging die Treppe herunter und reichte ihm meine Hand. Doch er nahm meine Hand nicht an. Er umarmte mich. So fest, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Mich störte das nicht, denn hier war gerade ein Wunder geschehen. Ich legte meine Arme um ihn. Und hielt die Luft an.
„Ick hab’ Bier und Gras, komm Dicker, komm zu mir“, flehte er beinahe, während sein linker Arm immer noch um meinen Hals baumelte. „Ich danke dir, aber nein. Ich muss morgen wirklich früh raus. Wenn du die Musik leiser machst, bin dir sehr dankbar.“

Das Rockkonzert wich einer friedlichen Stille. Die Liebe hatte das Böse auf wundersame Art entwaffnet. Verblüfft über das Leben und im Herzen gerührt, bin ich in Ruhe eingeschlafen.

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anssi
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BeitragVerfasst am: 06.10.2014 19:18    Titel: Eine Bitte pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hätte vielleicht dazu schreiben sollen: Bitte fühlt euch herzlich eingeladen, konstruktive Kritik zu äußern. Dafür bin ich hier (Forum). wink
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 981



BeitragVerfasst am: 06.10.2014 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo anssi.

Schöne Idee. Ich habe ein Faible fürs hinter die Kulissen gucken und die daraus entstehende Deeskalation.

Jetzt zu ein paar Punkten:

Zitat:
Muss ich das jetzt wirklich selbst regeln, winselte ich, die Kapelle klingt nicht gerade nach guter Laune.
Hast du das gedacht, oder wirklich gewinselt. Wenn gewinselt, dann Anführungszeichen.
Wenn gedacht? Kann man denkend winseln?

Sind dort mehrere Leute? Was sind das für Menschen? Was werde ich sagen? Du Feigling, du machst das jetzt, zwang ich mich schließlich. Scheiße. Okay.


Zitat:
Ich nahm einen tiefen Atemzug, sprang aus dem Bett, legte meinen Jogginganzug an und schwärmte in den kalten Hausflur aus. Ich musste nicht lange nach dem dem= Doppelung Zielobjekt suchen.  
  

Zitat:
Hinter ihm blieb eine junge Frau stehen, die verzweifelt schien.
Mich durchzuckten Bilder davon, was hier zuvor passiert war,
sein könnte denn du kannst es nur vermuten
aber eher ich darüber nachdenken konnte, stand der verschwitzte Typ bereits vor mir,  


Zitat:
„Nein!“, wimmerte seine verzweifelte Freundin. „Schon gut“, versuchte ich sie zu beruhigen, indem ich meine Worte mit einer Handgeste bekräftigte.
Wie sah die Handgeste aus, kannst du sie beschreiben?  


Grüße rieka
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G.T.
Autor

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Beiträge: 701



BeitragVerfasst am: 06.10.2014 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ok, dann mal "mitten in die Fresse". Razz
Mir gefällt die Geschichte nicht. Und zwar, weil sie für mich keinen literarischen Mehrwert hat. Das ist eine Anekdote, die man ins Tagebuch schreiben, Freunden erzählen kann - aber warum sollte sie von Interesse für einen anonymen Leserkreis sein? Diese Frage solltest du dir zuallererst stellen.
Und gleich die nächste Frage: Wie wird der Protagonist sympathisch? Du betitelst deine Geschichte als "wahr", wahrscheinlich bist du als Autor also mit dem Ich-Erzähler identisch. Das interessiert aber den Leser nicht, zumindest nicht in erster Linie. In jedem Falle habe ich einen fremden Protagonisten vor mir, und ob der nun fiktional oder non-fiktional ist, hat nichts zu bedeuten.
Im Gegenteil kann es auch schwer sein, aus eigener Erfahrung heraus eine Geschichte zu schreiben. In diesem Falle muss ich sagen, dass mir der Erzähler (damit meine ich den Erzähler, nicht den Autor!) unsympathisch ist. Mir ist er zu aalglatt. Ein braver Erdenbürger, der morgens pünktlich zur Arbeit muss, einem Rowdy begegnet und diesen durch seine freundlichen Worte besänftigt. Zuletzt dann für diesen Höflichkeitsakt auch noch das Wort "Liebe" - es taucht ja sogar im Titel auf.
Unabhängig davon, ob du als Autor, als du die Situation erlebt hast, es so empfunden hast, musst du dir dennoch Gedanken darüber machen, wie die unmittelbare Formulierung deiner Empfindungen durch den Ich-Erzähler beim Leser ankommen könnten. Ich finde es einfach übertrieben, dass der Erzähler seine kleine Intervention als "Liebe" verkauft und finde ihn daher etwas eitel. Rolling Eyes
Zitat:

Wütende Punkmusik riss mich aus dem Schlaf. „Nicht im Ernst“, fauchte ich im Bett und sondierte den Boden nach meinem Handy ab. (Blöd formuliert, "sondierte ab" klingt bemüht einfallsreich.) Ein Klick erhellte die dunklen Mauern meines Schlafzimmers: 02:23 Uhr. (Mauern oder Wände? Schläft der Prota in einer Fabrikhalle?)

Einer der Mieter müsste sich gleich beschweren gehen, dachte ich, und wälzte mich eine gefühlte Viertelstunde im Bett herum. Negativ. Der Lärm und mein Ärger hielten hartnäckig die Stellung.

Muss ich das jetzt wirklich selbst regeln, winselte ich, die Kapelle klingt nicht gerade nach guter Laune. Sind dort mehrere Leute? Was sind das für Menschen? Was werde ich sagen? Du Feigling, du machst das jetzt, zwang ich mich schließlich. Scheiße. Okay. (Gedanken des Protas kommen zu schnell, Wandlung vom Zögern zur Entschlossenheit zu plötzlich - für mich als Leser nicht nachvollziehbar, hier kannst du viel mehr Stimmung reinpacken!)

Ich nahm einen tiefen Atemzug, sprang aus dem Bett, legte zog meinen Jogginganzug an und schwärmte in den kalten Hausflur aus. (Ein einziger Mensch kann nicht "ausschwärmen") Ich musste nicht lange nach dem dem Zielobjekt suchen. Es war die Wohnung unter mir, im dritten Stockwerk. Ich klingelte.

Keine Reaktion. Ich klingelte noch einmal. Nichts. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Gebrüll: „HEY!!! WATT WILLST DU HIER?“ (Die Großschreibung würde ich lassen. Wenn ein Mann brüllt, kannst du das auch rein durch die Sprache ausdrücken, Großbuchstaben wirken wie im Comic.)
Ich drehte mich um, und sah einen großen, kräftigen, jungen Mann, (sehr unspezifische Beschreibung. Ein großer, kräftiger, junger Mann - was soll ich mir darunter vorstellen? Das trifft auf Hunderttausende zu! Gib ihm ein paar außergewöhnliche Eigenschaften (auch, wenn es in Wahrheit nicht so war), damit der Leser sich ihn besser vorstellen kann) der offensichtlich berauscht (alte Regeln von Schreiberlingen: Show, don't tell! Du musst zeigen, nicht beschreiben: Hier beschreibst du nur, dass er wohl berauscht war. Aber woran sieht der Erzähler das? Beschreibe besser die Rauschsymptome, dass der Mann berauscht ist, kriegt der Leser dann von alleine raus) war und in schnellen Schritten auf mich losmarschierte. Hinter ihm blieb eine junge Frau stehen, die verzweifelt schien. (Wieder zu viel show, zu wenig tell. "Junge Frau" sagt nichts aus, was bedeutet es denn, dass sie "verzweifelt" scheint? Weint sie, zittert sie, ist sie blass? etc. pp)
Mich durchzuckten Bilder davon, was hier zuvor passiert war, (Wieso? Hat sie Wundmale?) aber eher ehe ich darüber nachdenken konnte, stand der verschwitzte Typ bereits vor mir, rückte immer dichter an mich heran und überragte mich. „WATT WILLST DU HIER?“ Er roch nach Alkohol.
„Ich will nichts, außer dass du die Musik leiser machst. Ich kann so nicht schlafen. Ich muss morgen früh aufstehen und arbeiten gehen“, antwortete ich.
„VERPISS DICH, DU WICHSER!“
„Ich bin sofort weg. Ich bitte dich nur, die Musik leiser zu machen.“
„ICK HAU' DIR GLEICH IN DIE SCHNAUZE,“ sagte er und fing an, handgreiflich zu werden. Seine verzweifelte Freundin eilte herbei und versuchte sich einzumischen, aber sie hatte keinerlei Einfluss auf ihn. Er schob sie einfach weg, als wäre sie ein Vorhang, der den Eingang zur Kampfarena verdeckte.
„KOMM WIR GEH'N RAUS!“, fügte er drohend hinzu und zeigte mit dem Finger zum Treppenhaus.
Adrenalin schoss in meinen Körper. Ich lehnte mich gegen eine Wand, schaute traurig ("traurig" klingt etwas zu gelassen in der Situation) auf den zu Boden und flehte um eine Eingebung, während ich gleichzeitig damit beschäftigt war, seine Hände von mir wegzustoßen.

Ich hätte angreifen können. Sieben Jahre Kampfsport-Training boten ein Arsenal voller Möglichkeiten. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich einem Fremden eine blutige Nase verpasst hätte. Ein Teil von mir versetze sich in akute Kampfbereitschaft und wartete nur noch auf den einen Befehl: Feuer! (Das ist Selbstlob des Erzählers und mich stört es an dieser Stelle. Er kann sich ja seine Chancen ausrechnen, den Kerl zu schlagen, aber dieser Optimismus ist zu sicher. Damit nimmst du der Geschichte Spannung!)
Das ist einfach nicht richtig, fühlte ich und zögerte. (Warum?)
„Okay, komm. Wir gehen raus,“ sagte ich schließlich. (Warum?)
„Nein!“, wimmerte seine verzweifelte Freundin.
„Schon gut“, versuchte ich sie zu beruhigen, indem ich meine Worte mit einer Handgeste bekräftigte.

Ich schlich den langen Hausflur Richtung Treppenhaus. Er folgte mir. Offensichtlich alleine, denn ich hörte, wie seine verzweifelte Freundin hinter uns die Wohnungstür öffnete und ein Stoß Gitarrengegröle den Flur durchflutete.
Im Treppenhaus angekommen, kam die ersehnte Eingebung. Statt die Treppe runterzugehen, nahm ich die Treppe rauf, setze mich auf eine Stufe, schaute meinem Verfolger direkt in die Augen und sagte: „Sag mal, was ist eigentlich mit dir los, Dicker?“

Waffenstille. Er starrte mich an und schien nicht zu wissen, wie er darauf reagieren sollte. Irgendwie musste er jedoch gespürt haben, dass ich ihm nicht böse bin war und in meiner Frage keinerlei Vorwurf mitschwang.
Ich wusste, dass sein Ärger nicht mir galt. Ich wusste, dass er sich gerade mit seiner Freundin gezofft hatte. Ich wusste, dass sie aus der Wohnung floh, er ihr hinterherrannte und sie zurückholte, bevor er mich vor seinem Revier entdeckte. Ich wusste das. Er hingegen wusste offenbar gar nichts mehr. Plötzlich hörte man ich einen lauten, metallischen Knall.
(Wandlung des Schlägers zu abrupt, der Erzähler drischt - Verzeihung - psychologische Phrasen ("sein Ärger galt nicht mir"), die altbekannt sind.)

Er hatte all seine Wut zusammengenommen und mit der Faust gegen die Fahrstuhlwand geschlagen, die sich neben der Treppe erhob.
Als der metallische Nachhall, der sich durch das ganze zehnstöckige Wohnhaus ausbreitete, verflogen war, sagte er sichtlich beruhigt: „Ick glaub', du bist ein guter Junge.“
„Ja“, erwiderte ich, „das glaube ich von dir auch.“ (Mir ist der Erzähler viel zu "gnädig", klingt wie ein Priester, der seine Schäfchen zusammentreibt. Gib ihm ein paar Macken, der Erzähler sollte eine Identifikationsfigur für den Leser sein, und das ist er nicht, wenn er dermaßen "heilig" auftritt.)

Ich stand auf, ging die Treppe herunter und reichte ihm meine Hand. Doch er nahm meine Hand nicht an. Er umarmte mich. So fest, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Mich störte das nicht, denn hier war gerade ein Wunder geschehen. (Das ist nun wirklich zu viel des Guten! Ein Wunder geht's ne Nummer kleiner?) Ich legte meine Arme um ihn. Und hielt die Luft an.
„Ick hab’ Bier und Gras, komm Dicker, komm zu mir“, flehte er beinahe, während sein linker Arm immer noch um meinen Hals baumelte.
„Ich danke dir, aber nein. Ich muss morgen wirklich früh raus. Wenn du die Musik leiser machst, bin dir sehr dankbar.“

Das Rockkonzert wich einer friedlichen Stille. Die Liebe hatte das Böse auf wundersame Art entwaffnet. (Das ist sülzig.) Verblüfft über das Leben und im Herzen gerührt, bin ich in Ruhe eingeschlafen.


Also, zuletzt: Nimm meine teils harsche Kritik bitte nicht persönlich! Ich beziehe mich in allem, was ich schreibe, auf den Text und den Erzähler, dich kenne ich ja gar nicht. Wink
Aber ich will auch so ehrlich sein, dir zu sagen: In der jetzigen Form beschreibt die Geschichte einen Heiligen, der auf wundersame, unlogische Weise einen Gewaltbereiten zum Knuddeln bringt. Was kann der Leser daraus lernen? Nichts. Es passiert ja einfach so. Beinhält der Text nützliche Hinweise für den Leser? Nein, der Prota ist ja irgendwie auf übernatürliche Weise dazu berufen, Frieden zu stiften, das kann man schlecht so nachmachen.
Besticht der Text durch sprachliche Schönheit? Nein, du lässt zu wenig Bilder im Kopf entstehen. Spannend ist das Ganze auch nicht, weil der Prota von Anfang an überlegen wirkt oder zumindest seeehr von seiner Überlegenheit überzeugt. Eine lustige Wendung wäre hier eher, wenn der Prota wirklich eine reingehauen bekommt.
Du könntest dem Prota z. B. seinen Kampfsport nehmen, ihn etwas schwächer und unsicherer machen, sodass zum Schluss wirklich etwas außergewöhnliches passiert, dass auch im Sinne des Protas ist. In der jetzigen Form ist er viel zu selbstsicher, und wenn der Schläger nicht eingelenkt hätte, hätte er halt eine in die Fresse bekommen. Hm.

Kräftig überarbeiten! Cool Würde mich über eine neue Version freuen. Und denk dir, auch wenn die Geschichte wahr ist, am besten Figuren aus, die wenig mit der echten Situation zu tun haben, verändere die Wohnsituation, die Körperlichkeit der Figuren, dann fällt es dir sicher auch leichter, Abstand zur Geschichte zu gewinnen und dich auf wesentliche Bilder zu konzentrieren.

Schönen Abend! Smile          G.T.
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saher
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BeitragVerfasst am: 06.10.2014 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wütende Punkmusik riss mich aus dem Schlaf. „Nicht im Ernst“, fauchte ich im Bett und sondierte suchte täts hier auch den Boden nach meinem Handy ab. Ein Klick erhellte die dunklen Mauern meines Schlafzimmers: 02:23 Uhr.

Einer der Mieter müsste sich gleich beschweren gehen, dachte ich,weg damit und wälzte mich eine gefühlte Viertelstunde im Bett herum. Negativ. Der Lärm und mein Ärger hielten hartnäckig die Stellung.

Muss ich das jetzt wirklich selbst regeln, winselte ich entweder mit Gänsehüfchen, wie oben oder das 'winselte ich' ganz weg lassen, die Kapelle klingt nicht gerade nach guter Laune. Sind dort mehrere Leute? Was sind das für Menschen? Was werde ich sagen? Du Feigling, du machst das jetzt, zwang ich mich schließlich. Scheiße. Okay.

Ich nahm einen tiefen Atemzug, sprang aus dem Bett, legte meinen Jogginganzug an würd ich so nicht machen. anlegen kann man das Gewehr, vielleicht das Geschmeide? Aber nachts, da wirft man sich was über oder zieht im schlimmsten Fall was an und schwärmte in den kalten Hausflur aus - du schwärmst also aus? Bist ein Geschwader? Ich hoffe nicht, denn dann hättest du uns bei deiner denkwürdigen Vorstellung ja richtig was vorenthalten.... Ich musste nicht lange nach dem dem Zielobjekt suchen. Es war die Wohnung unter mir, im dritten Stockwerk. Ich klingelte.

Oh Graus, wie sag ich dir das jetzt im Guten. Massaker machen hier eigentlich schon keinen Spaß mehr, aber das werden sich auch die armen Menschen nach meinem Einstand gedacht haben. (Wenn der Frust zu groß ist, kannst ja mal recherchieren und dich revanchieren... Rolling Eyes ne, besser nicht... Crying or Very sad Embarassed )

Also, ich fang mal da an, wo meine Vorposter aufgehört haben. Für meinen Geschmack ist es ein bissl so was, das man für eine ausgedachte Geschichte halten müsste und dann damit abfertigt, dass jeder Realismus fehlt. Da es was aus deiner Biografie ist, fällt das schonmal weg. Eigentlich ist es ein netter Gedanke, dieses 'auch der schlimmste Stinker will nur ein bisschen Liebe...'-Motiv. Nur irgendwie versuchst du es auf die berühmte durch-die-Brust-ins-Auge-Methode und die funktioniert selten.
Über den Stil lass ich mich nicht aus, ich hab dir nur ein paar Erbsen rausgepickt. Ich hoffe, es hat irgendwie auch geholfen?[/b]
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anssi
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Beiträge: 5
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 06.10.2014 20:39    Titel: Danke pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben, vielen Dank, dass ihr euch die Mühe gemacht habt. Habe eure Antworten bisher nur überflogen. Melde mich bald wieder. Morgen. An dieser Stelle: Vielen Dank! Very Happy
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meerenblau
Dichter und Denker


Beiträge: 1112



BeitragVerfasst am: 06.10.2014 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm ...

Ich finde das ... nicht übel.
Eigentlich finde ich es sogar ziemlich gut, bis zu der Stelle, wo der Typ den Satz bringt: "Ich glaub, du bist ein guter Junge".
Das nehm ich Dir nicht ab. Ich halte es einfach für zu sehr an den Haaren herbeigezogen, diesen völligen 180-Grad-Schwenk! Wäre was anderes, wenn dazwischen noch irgendwas anderes passierte, aber so - er wummert gegen den Fahrstuhl und ist friedlich, ne. Kann ich einfach nicht glauben.

Was ich auch nicht ganz verstanden habe - der  Held klingelt, und dann steht der Typ plötzlich hinter ihm ???
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 37
Beiträge: 2060
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 06.10.2014 21:14    Titel: Antworten mit Zitat

meerenblau hat Folgendes geschrieben:
Was ich auch nicht ganz verstanden habe - der  Held klingelt, und dann steht der Typ plötzlich hinter ihm ???


anssi hat Folgendes geschrieben:
Ich wusste, dass er sich gerade mit seiner Freundin gezofft hatte. Ich wusste, dass sie aus der Wohnung floh, er ihr hinterherrannte und sie zurückholte, bevor er mich vor seinem Revier entdeckte.


Natürlich widerspricht das erstmal der Lesererwartung, wenn das Klingeln nicht aus der Wohnung, sondern im Rücken des Erzählers beantwortet wird. Spätestens beim zweiten Lesen sollte es aber klar sein. Ist halt die Frage, wozu man es so (unnötig?) kompliziert macht. Beruht das Ganze tatsächlich auf einer wahren Begebenheit, dann ist der Grund klar: Ist halt so passiert. Falls nicht, dann müsste man sich überlegen, welchen Mehrwert diese nachträgliche Rekonstruktion des Geschehens durch den Erzähler/Prota hat und ob es sich dafür lohnt, den Leser zunächst zu verwirren.

Ansonsten schließe ich mich G.T. an. Mir fehlt da auch noch etwas – in der sprachlichen Umsetzung oder der inhaltlichen, ein Twist oder so – das diesen Text aus dem Bereich der reinen Anekdote herausheben könnte. Und die (Selbst)Charakterisierung des Protas halte ich auch für problematisch.

Ach ja, noch ein Tipp für dich, anssi: Die "Fortsetzung"-Funktion bei den Beiträgen ist für mehrteilige Geschichten gedacht, nicht für "normale" Antworten im Faden; da kannst du drauf verzichten.

http://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?p=401269&highlight=fortsetzung#401269

Gruß,
Klemens


_________________
100% Fitte

»Es ist illusionär, Schreiben als etwas anderes zu sehen als den Versuch zur extremen Individualisierung.« (Karl Heinz Bohrer)
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anssi
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Beiträge: 5
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BeitragVerfasst am: 07.10.2014 14:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,

nochmals vielen Dank für eure Beiträge. Das hat mich sehr gefreut. smile
Ich würde gerne jedem einzeln antworten und da mir keine bessere Lösung eingefallen ist, werde ich einfach den jeweiligen Namen als Überschrift (fett) wählen und dann meinen Senf dazu geben.

Davor hätte ich ein paar technische Fragen:
1. Wenn ich im Text die Anführungszeichen für Dialoge benutze, wie markiere ich die Gedanken des Protagonisten – damit das für den Leser deutlich wird?
2. Ich werde den Text überarbeiten und mit eurer Erlaubnis erneut ins Forum stellen. Soll ich den Text hier posten oder einen neuen „Einstand“ machen?



Rieka
Danke dir... smile
Ich denke schon, dass man sowohl in Gedanken als auch Gesprochen „winseln“ kann. Es ist ja beides gesprochen – nur eben einmal mit der Zunge und einmal im Kopf. Oder sehe ich das falsch?
Den anderen Hinweis von dir - „Doppelung“ - verstehe ich nicht. Würde ich aber gerne.


G.T.
Deine Kritik empfand ich keineswegs als „harsch“. Du bist meinem Wunsch (mitten in die Fresse) mehr als entgegen gekommen. Autsch! lol2 … Nein, ich finde das sehr lehrreich, was du schreibst. Vielen Dank!
Ich werde alle deine Hinweise bei der Überarbeitungen berücksichtigen und das eine oder andere überdenken. Aber es gibt eine Bedingung, die ich an diese Geschichte knüpfe: die Fakten werden nicht verändert. Dazu zählen auch die Dialoge, die ich hier wörtlich wiedergebe (soweit meine Erinnerung mich nicht trügt).
Dass Realität nicht immer unterhaltsam oder glaubwürdig ist, das ist mir klar. Es ist ein schwieriger Spagat - gerade als Anfänger. Dennoch möchte ich alles aus der Geschichte herausholen, sie „literarisch wertvoll“ machen, soweit es in dem gesteckten Rahmen möglich ist. Die Geschichte muss nicht jedem gefallen, aber handwerklich sollte man nicht viel an ihr aussetzen können. Das ist mein Ziel.
Wenn ich die überarbeitete Version ins Forum stelle, und du immer noch Lust hast, mich mit deinem Wissen zu verwöhnen (ist dir wieder zu sülzig, oder? lol2 … Ich empfinde das aber so. wink ), wäre ich dir sehr dankbar. Wenn du magst, kannst du ruhig noch direkter werden. Ich bin da gänzlich unempfindlich.


Saher
Danke für deine Kritik. Was meinst du mit: „durch-die-Brust-ins-Auge-Methode“?


meerenblau
Danke dir.
Der Satz, der dir unglaubhaft erscheint, wurde genauso ausgesprochen, direkt nach dem Schlag gegen die Fahrstuhlwand.
Ich frage mich an dieser Stelle, was mir als Autor wichtiger sein sollte – eine Geschichte zu erzählen, die mir jeder abkauft, oder eine, die den Horizont des Lesers erweitert – über das, was im Leben möglich ist?
Ich bevorzuge Letzteres, sehe aber ein, dass der Rest stimmig sein muss, um den Leser nicht zu überfordern.

Klemens
Danke für den Tipp.
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saher
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Alter: 34
Beiträge: 167
Wohnort: baiuvarische Großstadt


BeitragVerfasst am: 07.10.2014 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Was meinst du mit: „durch-die-Brust-ins-Auge-Methode“?
Im Prinzip nichts anderes als die anderen auch: Du hast den Typen, mit dem nicht gut Kirschenessen ist. So gar nicht. Der macht einem so richtig Angst. Total aggressiv und so.  Und plötzlich Blumenwiese (naja, Gras Laughing ) und bester Freund, weil er nur mal jemanden zum Reden brauchte? Da fühlt sich der Leser überfahren.
Das kann ja genauso in wirklich Echt passiert sein, nur liest es sich eben nicht so, dass man es nachvollziehen kann. Vielleicht gab es auf dem Weg runter irgendwelche Anzeichen (Er wischt sich verstohlen die Nase, verdrückt ein Tränchen?)
Klar, das ist alles Klischee, aber die ganze Moral von der Geschichte ist es doch auch... bereite einfach das Terrain vor, in das du den Leser setzen willst (ups, hätte fast 'Terrarium' geschrieben Embarassed, das sollte man bekanntlich auch vorheizen Rolling Eyes )
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Zeitenträumer
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 40
Beiträge: 123



BeitragVerfasst am: 07.10.2014 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

zur Geschichte wurde schon so viel gesagt, dass ich erstmal auf die Überarbeitung warte.

Zwei Dinge:

Zitat:
Davor hätte ich ein paar technische Fragen:
1. Wenn ich im Text die Anführungszeichen für Dialoge benutze, wie markiere ich die Gedanken des Protagonisten – damit das für den Leser deutlich wird?

Ich setze Gedanken kursiv und finde, dass das ganz gut funktioniert.

Zitat:
Dass Realität nicht immer unterhaltsam oder glaubwürdig ist, das ist mir klar.

Hierzu sagte der unvergleichliche Mark Twain: "The difference between fiction and reality is that fiction has to be credible."
Und damit hat er vollkommen Recht. Vieles, was so in der Welt passiert, würde man keinem Roman abnehmen. Daher würde ich diese Kritik sehr ernst nehmen und zur Not die Fakten zumindest etwas ausschmücken.

Beste Grüße,

David
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Bücherfee
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Wohnort: Ammersee


BeitragVerfasst am: 07.10.2014 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

Genau über den Punkt mit der Realität habe ich auch schon nachgedacht und überlegt ob ich nicht einen Thread eröffnen soll. Im täglichen Leben passieren einem Dinge die einem als Autor in einem Roman nie einer abnehmen würde.
Wie das Leben so spielt! Shocked
Wäre doch schade wenn diese Szenen einfach unterging. Laughing
Unter dem Blickwinkel Inspiration könnte man es zum Beispiel auch sehen.
Weiß jemand wo dieser Thread am Besten hinpasst oder ob es den schon gibt?
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G.T.
Autor

Alter: 33
Beiträge: 701



BeitragVerfasst am: 07.10.2014 19:14    Titel: Antworten mit Zitat

Ich melde mich nochmal zum Thema Realität: Ich denke, da muss jeder Autor Prioritäten setzen. Entweder kann man alles wortgetreu wiedergeben, wie es geschah. Oder man kann den Eindruck wiedergeben, den das Geschehen auf einen gemacht hat, die Geschichte hinter der Geschichte. Dafür muss man aber häufig wenigstens moderat die Realität ändern.
Plumpes Beispiel: Wenn mich ein Kerl mit einem starken sächsischen Dialekt bedroht, dann fürchte ich mich wirklich. Wenn ich seine Worte auf sächsisch aufschreiben, werden viele Leser wohl eher lächeln oder sogar lachen, weil ein Dialekt in einem Text anders wirkt, als wenn er mir ins Gesicht gesagt wirkt. Dialekte stehen für etwas, sie haben symbolischen Charakter für Leser (Heimatverbundenheit, viell. auch Zurückgebliebenheit (nicht weltoffen, ungebildet), konservativ etc.).
Es gibt signifikante Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Wenn ich den Dialog zwischen mir und dem Sachsen ganz wahrheitsgetreu wiedergeben will, schreibe ich ihn auf sächsisch. Wenn ich dem Leser das Gefühl vermitteln will, dass ich in dieser Situation hatte, schreibe ich wohl lieber ohne Dialekt.

Ich kann verstehen, dass du möglichst nahe an der Realität bleiben willst. Es ist nur wichtig zu sehen, wo es sich im Sinne der Realität lohnt, von ihr abzuweichen, so paradox das klingt. Wenn ein Text nicht verliert durch ein Abweichen vom tatsächlichen Geschehen, aber für den Leser viel gewinnt, spricht doch nichts dagegen, sich nicht ganz exakt an die Realität zu halten.

Und Realität ist seeeehr unterhaltsam und glaubwürdig - wenn man sie richtig verpackt! Dazu gehört auch, Details zu verschweigen, die möglicherweise unwichtig sind und Details, die in der Situation selber vielleicht unwichtig waren, zu betonen, weil sie die Stimmung an den Leser weitergeben.
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anssi
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Alter: 40
Beiträge: 5
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 16.10.2014 19:49    Titel: Kurzgeschichte: Das Schwert der Liebe (überarbeitet) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,

hier die überarbeitete Version. Wie beim letzten Mal bitte ich, um Kritik - ich wisst, wie ich es mag wink (in die Fresse). Diesmal würde mich freuen, wenn ihr auch sagt, was euch an der Geschichte (handwerklich) gefällt. Nicht, weil ich da Lob brauche, sondern damit ich weiß, wo sowohl meine Schwächen als auch meine Stärken liegen. Das wäre schön. Auf eine Formatierung habe ich verzichtet, wurde immer wieder ausgeloggt. Irgendwann hatte ich die Schauze voll und habe sie einfach so veröffentlich, wie sie ist. Viel Spaß lol2


Rasende Punkmusik riss mich aus dem Schlaf. „Nicht im Ernst“, fauchte ich im Bett und tastete den Boden nach meinem Handy ab. Ein Klick erhellte die dunklen Wände meines Schlafzimmers: 02:23 Uhr.
Einer der Mieter müsste sich gleich beschweren, dachte ich, und wälzte mich im Bett herum. Nach einer gefühlten Viertelstunde gab ich die Hoffnung auf. Der Lärm und mein Ärger hielten hartnäckig die Stellung.
Muss ich das jetzt wirklich selbst regeln? Wer ist dieser Typ oder sind es mehrere? Wie soll ich sie am Besten ansprechen: höflich? Fordernd? Und wenn sie sich weigern?
Ich spürte, dass in meinem Inneren bereits Krieg herrschte. Nicht zwischen mir und meinen imaginären Nachbarn, sondern zwischen meiner Wut und einem tieferen Gefühl, das aus dem Nichts aufgetaucht war: Angst.
Ja, ich fürchtete mich. Die Vorstellung, jemanden zu konfrontieren, der so dreist war, mitten in der Woche und mitten in der Nacht seine Anlage aufzudrehen, versetzte mich in Schrecken. Ich gehörte nie zu den Menschen, denen es leicht fiel, andere zu konfrontieren. Ich gehörte eher zu der Sorte, die sich das schlimmste Szenario vorstellt und Paranoia schiebt.
Aber wollte ich dieser Art Mensch sein? Ein Mensch, der sich verkriecht, statt sein Recht durchzusetzen? Einfach wegschauen? Nein. Oder doch? Du Feigling! Du machst das jetzt!
Ich nahm einen tiefen Atemzug, zwang mich aus dem Bett, zog meinen Jogginganzug an und betrat den kalten Hausflur. Ich musste nicht lange suchen, es war die Wohnung im dritten Stockwerk. Ich klingelte.
Keine Reaktion. Ich klingelte noch einmal. Nichts. Ich hob gerade meine Faust, um gegen die Tür zu klopfen, als ich hinter mir eine wütende Stimme vernahm: „Hey! Watt willst du hier?“ Erschrocken drehte ich mich um.   
Im Hausflur torkelte ein Typ auf mich zu. Er schien Mitte Zwanzig, kräftig gebaut, hatte kurze, schwarze Haare und trug ein weißes T-Shirt, das so durchnässt war, als käme er gerade aus der Hölle.
Hinter ihm blieb eine junge, blonde Frau stehen, deren Gesicht so bleich wie sein T-Shirt war. Doch ehe ich sie näher betrachten konnte, stand der verschwitze Typ bereits vor mir und rückte immer dichter an mich heran. Ich musste aufschauen, als er wieder seine Stimme erhob: „Watt willst du hier?“ Er roch nach Alkohol.
„Ich will nichts, außer dass du die Musik leiser machst. Ich kann so nicht schlafen. Ist das deine Wohnung?“
„Verpiss dich, du Wichser!“
„Ich bin sofort weg. Ich bitte dich nur, die Musik leiser zu machen.“
„Ick hau' dir gleich in die Schnauze,“ sagte er und fing an, handgreiflich zu werden. Seine blasse Freundin eilte herbei und versuchte sich einzumischen, aber sie hatte keinerlei Einfluss auf ihn. Er schob sie einfach weg - als wäre sie ein Vorhang, der den Eingang zur Kampfarena verdeckte.
„Komm wir gehen raus!“, fügte er drohend hinzu und zeigte mit dem Finger zum Treppenhaus.
Adrenalin schoss in meinen Körper. Ich lehnte mich gegen eine Wand, schaute verzweifelt zu Boden und flehte um eine Eingebung, während ich gleichzeitig damit beschäftigt war, seine Hände von mir wegzustoßen.
Etwas in mir, wollte ihm die Nase brechen. Nach sieben Jahren Kampfsport-Training fürchtete ich mich weniger vor einer Schlägerei als vor der Reue, die ich hinterher empfinden würde. Es muss doch einen anderen Weg geben, dachte ich - nur welchen?
Die Situation drohte jeden Augenblick zu eskalieren, und da mir nichts anderes einfiel, sagte ich schließlich: „Okay, komm. Wir gehen raus.“
„Nein!“, wimmerte seine Freundin, die jetzt noch bleicher aussah. „Schon gut“, versuchte ich sie zu beruhigen und zeigte ihr meine offenen Handflächen, um meine Worte zu bekräftigen.
Ich schlich den langen Hausflur Richtung Treppenhaus - er folgte mir. Ich hörte, wie seine Freundin hinter uns die Wohnungstür öffnete und ein Stoß Gitarrengegröle den Flur durchflutete.
Im Treppenhaus kam, völlig unerwartet, die ersehnte Eingebung: Ich wusste plötzlich, dass sein Ärger nicht mir galt. Es war keine selbstfabrizierte Überzeugung, die mich ereilte, sondern eine spontane Ahnung, die mir eröffnete, was der wahre Grund für seine Wut war und was ich jetzt tun müsste.
Statt die Treppe runterzugehen, nahm ich die Treppe rauf, setze mich auf eine Stufe, schaute meinem Verfolger - der verdutzt vor der Treppe stehen blieb - direkt in die Augen und sagte: „Sag mal, was ist eigentlich mit dir los, Dicker?“
Waffenstille. Er starrte mich an und schien nicht zu wissen, wie er darauf reagieren sollte. Irgendwie musste er jedoch gespürt haben, dass ich ihm nicht böse war und in meiner Frage auch keinerlei Vorwurf mitschwang. Dann hörte ich einen lauten, metallischen Knall.
Er hatte all seine Wut zusammengenommen und mit der Faust gegen die Fahrstuhlwand geschlagen, die sich neben der Treppe erhob.
Als der Nachhall, der sich durch das ganze Wohnhaus ausbreitete, verflogen war, sagte er sichtlich beruhigt: „Ick glaub', du bist ein guter Junge.“ Ich traute meinen Ohren nicht. „Ja, das glaube ich von dir auch“, erwiderte ich.
Ich stand auf, ging die Treppe herunter und reichte ihm meine Hand. Er nahm sie nicht an, er umarmte mich. So fest, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Ich legte meine Arme um ihn. Und hielt die Luft an.
„Ick hab’ Bier und Gras, komm Dicker, komm zu mir“, flehte er beinahe, während sein linker Arm immer noch um meinen Hals baumelte. „Ich danke dir, aber nein. Ich muss morgen wirklich früh raus. Wenn du die Musik leiser machst, bin dir sehr dankbar.“
Das Punkkonzert wich einer friedlichen Stille. Verblüfft über das Leben bin ich in Ruhe eingeschlafen.
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Mogmeier
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Moderator
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Beiträge: 1995
Wohnort: Reutlingen


BeitragVerfasst am: 16.10.2014 21:22    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Anssi,

da du hier die überarbeitete Version derselben Geschichte vorstellst, habe ich diesen deinen überarbeiteten Part (als neue Version) mit dem ersten zusammengeführt.
Grund: Dieselbe Geschichte gehört in denselben Thread.

Beste Grüße,
Mog


_________________
»Nichtstun ist besser, als mit viel Mühe nichts schaffen.«
Laotse
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