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Little Miss
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 10
Wohnort: Oberpfalz, Bayern


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 06:29    Titel: Feedback -> Einleitung/Beschreibungen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Liebe Gemeinschaft,
ich möchte unbedingt eine Idee, welche ich 2009 mehr schlecht als recht schrieb, neu verfassen und wesentlich ausführlicher. Allerdings hadere ich ein wenig sowohl mit der detailreichen Beschreibung, ob dies denn zu viel des Guten sein könnte, als auch mit so manchen Wortspielen.

Ich fürchte das Schlimmste, auch auf das Zerstückeln mit der Kettensäge.


-
(Zu Beginn stand sogar "Dichter Nebel kämpfte sich schwerfällig...", aber ich glaube, "kämpfte" und "schwerfällig" gleichen sich aus)

Dichter Nebel zog sich schwerfällig durch den Wald, kroch unermüdlich zu den Baumkronen empor und drohte, die Natur zu verschlingen. Am Waldrand bildete sich eine dicke Nebelbank und kam dem einzigen Gebäude gefährlich nahe, das, ähnlich eines Geisterhauses, verlassen auf einer Lichtung stand. Das zweistöckige Gebäude sah mitgenommen aus. Die Farbe der Außenfassade war kaum noch vorhanden und nur an einem dreckigen Weiß auszumachen. An der unteren Ecke des Hauses war der Putz bereits am bröckeln und gab an manchen Stellen die Armierung frei. Die zwei obersten runden Giebelfenster waren zerbrochen, einzelne Scherben hielten sich noch hartnäckig im Fensterrahmen. Im ersten Stockwerk befand sich ein großer Balkon, der mit vier kunstvoll verzierten Säulen im antiken Stil an Pracht nicht geizte. Die riesigen Kassettenfenster dahinter waren noch intakt und wenn man genau hinsah, konnte man das Hindurchscheinen des restlichen Tageslichtes erkennen, welches das hintere Fenster im Raum gnädigerweise nicht gänzlich verbarg. Jemand hatte dieses offenbar mit Holzbrettern vernagelt. Nur ein Schotterweg, vom Haus wegführend, war die einzige Verbindung in die umliegenden zwei Dörfer.

Die milchige Suppe wob sich unbeirrt über den kleinen Grashügel und bewegte sich unaufhaltsam auf das kleine Herrenhaus zu, das sich zwischen Albertshofen und Hohenburg, in der Oberpfalz, befand. Die ersten Zugvögel sammelten sich, während der angebrochene Herbst rasch versuchte, das restliche sattgrüne Laub zu vertilgen. Dicke, tiefhängende Wolken bedeckten den Himmel und so wirkte der schon düstere Tag, der sich dem Ende neigte, noch ein wenig bedrückender. Das Wetter gab bereits vielen Menschen den Anlass, den Heizkörper nach einigen Monaten nun wieder in Betrieb zu nehmen. Nur hier nicht.

Die schlanken Finger einer jungen Frau schoben einen längst vergilbten Vorhang beiseite, der von Motten ganz zerfressen war. Sie ließ ihren Blick durch das Fenster gleiten, auf dem eine graue und dünne Staubschicht klebte, das augenscheinlich schon einige Jahre keine gründliche Reinigung mehr erfahren hatte. Ein kalter Luftzug legte sich wie eine große und unsichtbare Hand um ihren bereits viel zu mageren Körper und ließ diesen für einen Augenblick erzittern. Wie lange war es nun her, dass sie das letzte Mal vernünftiges Essen zu sich genommen hatte? Spielte das überhaupt eine Rolle? Hier war sie vorerst sicher. Sicher vor ihm.
-

Es handelt sich hierbei um Dramatik, daher wusste ich es nicht korrekt einzuordnen, außer unter "Sonstiges".
Vorab ergebensten Dank für die Mühen!

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Alpen-Yeti
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 48
Beiträge: 131
Wohnort: irgendwo in den Bergen


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 08:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,
erst mal herzlich Willkommen. Dann fange ich mal an und stürze mich auf den Text. Hier erst mal ein bisschen Nitpicken:

Zitat:
ähnlich eines Geisterhauses
(ähnlich einem Geisterhaus oder einem Geisterhaus ähnlich)
Zitat:
An der unteren Ecke des Hauses war der Putz bereits am bröckeln
(Bröckeln)
Zitat:
Die zwei obersten (Komma?) runden Giebelfenster waren zerbrochen, einzelne Scherben hielten sich noch hartnäckig im Fensterrahmen.
Zitat:
Die riesigen Kassettenfenster dahinter waren noch intakt (Komma) und wenn man genau hinsah, konnte man das Hindurchscheinen des restlichen Tageslichtes erkennen, welches das hintere Fenster im Raum gnädigerweise nicht gänzlich verbarg.


Zitat:
Die milchige Suppe wob sich unbeirrt über den kleinen (Wortwiederholung) Grashügel und bewegte sich unaufhaltsam auf das kleine (Wortwiederholung) Herrenhaus zu, das sich zwischen Albertshofen und Hohenburg, in der Oberpfalz, befand.


Und jetzt noch ganz kurz noch mein allgemeiner Eindruck (der natürlich nur meine persönliche Meinung wiedergibt, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt): Für meinen Geschmack (und ich neige selbst arg zum Schwurbeln) etwas zu viel von allem. Die Bilder haben mich echt angelenkt beim Lesen und ich dachte so: weniger ist oftmals mehr. Den Schreibstil fand ich etwas "schwerfällig". Beispiel:
Zitat:
An der unteren Ecke des Hauses war der Putz bereits am bröckeln
Mein Vorschlag: An der unteren Ecke des Hauses bröckelte bereits der Putz ... (Nur um zu verdeutlichen, was ich meine.)

Ich hätte mir gewünscht, ein bisschen mehr von der jungen Frau zu lesen als nur Beschreibung der Atmosphäre. Mich würde jetzt schon interessieren, vor wem sich die Frau fürchtet und versteckt, warum sie sich versteckt, ob es schon Anzeichen (ausser der düsteren Stimmung) für eine herannahende Gefahr gibt.

Neugierige Grüße von
Bianca
(Ich hoffe doch stark, die Geschichte geht noch weiter. Was sollte es denn werden: Roman oder Kurzgeschichte?)


_________________
Liebe und Kraft oder innere Harmonie und Tapferkeit sind Pole der Erziehung. So erlernte Achilles vom Zentaur zugleich das Lyraspielen und das Bogenschießen.
(Jean Paul)
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saher
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 34
Beiträge: 167
Wohnort: baiuvarische Großstadt


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 08:11    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu! Ja, das Problem hab ich auch grad...Man hat da dieses absolut perfekte Bild im Kopf und denkt: Boa, wenn ich das aufs Blatt krieg, wirds a Bestseller...
Das ist dann schon mal gut, dass man überhaupt so viel Fantasie hat. Aber leider kann man eben keine Kamera in den eigenen Kopf halten und wenn man das Bild dann am Ende nur beschreibt, dann nickt einem der Leser nach dem ersten HS,NS,NS- Konstrukt ein...
Kleiner Tipp: Mach es einfach so, als wäre schon das Bild eine Geschichte!

Im Sinne von (das Wort 'schwerfällig' wird dann auch überflüssig): Wie ein verschlafener Riese erhob sich der Nebel. Er hangelte sich an den Bäumen hinauf, bis er ihre Äste zu fassen bekam. Wie lange würde es dauern, bis er jenes Haus am Waldrand erreicht haben würde?...

Kein Patentrezept für deine Story, aber vielleicht ein Weg, das Bild besser aufs Papier/den Bildschirm zu kriegen.
Auf jeden Fall viel Spass beim Schreiben. Und: Kein Geschichtenanfang ist schlecht! Es kommt nur drauf an, was man draus macht. Daumen hoch²
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inmutanka
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 325



BeitragVerfasst am: 02.09.2014 10:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,

Stimmung baust du mit deiner Beschreibung auf. Für meinen Geschmack könnten es einige Adjektive weniger sein und hier und da eine andere Wortwahl, die m. M. n. treffender wäre.
Ich schreibe dir meine Gedanken/Vorschläge mal hin, pick dir heraus, was dir richtig erscheint.

LG
Inmutanka

Zitat:
Dichter Nebel zog sich schwerfällig durch den Wald, kroch unermüdlich zu den Baumkronen empor und drohte, die Natur zu verschlingen. Am Waldrand bildete sich eine dicke Nebelbank und kam dem einzigen Gebäude gefährlich nahe, das, ähnlich eines Geisterhauses, verlassen auf einer Lichtung stand.

- Dichter Nebel zog sich schwerfällig durch den Wald, kroch unermüdlich zu den Baumkronen empor und drohte, die Natur zu verschlingen. – hier würde ich teilweise *dicker* auftragen, z. B.:
Wenn dir *Nebel* nicht genügt, würde ich *undurchdringlicher* statt *dichter* wählen, *kroch* statt *zog schwerfällig*, *stieg auf* oder *kletterte* statt *kroch empor*. *Natur verschlingen* finde ich nicht gut, da Nebel ja ein Teil der Natur ist. *drohte* da hatte ich das Bild vom erhobenen Zeigefinger und dem mahnenden: Du! Du! Du! Das darfst du nicht, sonst …
Undurchdringlicher Nebel kroch durch den Wald, stieg zu den Baumkronen auf (kletterte hinauf zu den Baumkronen) und verschlang die Landschaft.
- Am Waldrand bildete sich eine dicke Nebelbank und kam dem einzigen Gebäude gefährlich nahe, das, ähnlich eines Geisterhauses, verlassen auf einer Lichtung stand. – hier würde ich *ähnlich eines Geisterhauses* streichen. Denn, wie sieht ein Geisterhaus aus? Und Geisterhäuser können ja auch mitten in Dörfer/Städte stehen. Passt daher nicht für mich. Und eine bedrohliche, unheilvolle Stimmung kannst du schon mit dem Rest aufbauen. Eventl. würde ich das mit dem Verschlingen im Satz davor streichen und hier bringen. Würde m. M. n. besser passen. Ich würde *Nebelwand* verwenden. Eine Nebelwand ist höher, dichter und wirkt bedrohlicher als eine Nebelbank. Bsp.:
Am Waldrand baute sich eine Nebelwand auf und schob sich auf das einsame Haus zu, bereit, es zu verschlingen.

Zitat:
Das zweistöckige Gebäude sah mitgenommen aus. Die Farbe der Außenfassade war kaum noch vorhanden und nur an einem dreckigen Weiß auszumachen. An der unteren Ecke des Hauses war der Putz bereits am bröckeln und gab an manchen Stellen die Armierung frei. Die zwei obersten runden Giebelfenster waren zerbrochen, einzelne Scherben hielten sich noch hartnäckig im Fensterrahmen. Im ersten Stockwerk befand sich ein großer Balkon, der mit vier kunstvoll verzierten Säulen im antiken Stil an Pracht nicht geizte. Die riesigen Kassettenfenster dahinter waren noch intakt und wenn man genau hinsah, konnte man das Hindurchscheinen des restlichen Tageslichtes erkennen, welches das hintere Fenster im Raum gnädigerweise nicht gänzlich verbarg. Jemand hatte dieses offenbar mit Holzbrettern vernagelt. Nur ein Schotterweg, vom Haus wegführend, war die einzige Verbindung in die umliegenden zwei Dörfer.

Die milchige Suppe wob sich unbeirrt über den kleinen Grashügel und bewegte sich unaufhaltsam auf das kleine Herrenhaus zu, das sich zwischen Albertshofen und Hohenburg, in der Oberpfalz, befand. Die ersten Zugvögel sammelten sich, während der angebrochene Herbst rasch versuchte, das restliche sattgrüne Laub zu vertilgen. Dicke, tiefhängende Wolken bedeckten den Himmel und so wirkte der schon düstere Tag, der sich dem Ende neigte, noch ein wenig bedrückender. Das Wetter gab bereits vielen Menschen den Anlass, den Heizkörper nach einigen Monaten nun wieder in Betrieb zu nehmen. Nur hier nicht.


Diese Absätze, die ganze Infos, würde ich an dieser Stelle heraus nehmen. Denn du hast mit den ersten Sätzen Spannung/Stimmung aufgebaut, die durch diese Infos zerstört wird. Die Spannung flaut auch nicht mehr auf, wenn du von *düsteren Tag* und *bedrückend* schreibst. Futsch ist futsch.

Zitat:
Die schlanken Finger einer jungen Frau schoben einen längst vergilbten Vorhang beiseite, der von Motten ganz zerfressen war. Sie ließ ihren Blick durch das Fenster gleiten, auf dem eine graue und dünne Staubschicht klebte, das augenscheinlich schon einige Jahre keine gründliche Reinigung mehr erfahren hatte. Ein kalter Luftzug legte sich wie eine große und unsichtbare Hand um ihren bereits viel zu mageren Körper und ließ diesen für einen Augenblick erzittern. Wie lange war es nun her, dass sie das letzte Mal vernünftiges Essen zu sich genommen hatte? Spielte das überhaupt eine Rolle? Hier war sie vorerst sicher. Sicher vor ihm.

Das ist der nächste Punkt, der m. M. n. die Spannung steigert und wo du auch noch die eine oder andere Info mit einarbeiten kannst. Ich weiß bisher: Wald, einsames Haus, Nebel – als Generation *Fog - Nebel des Grauens* habe ich bereits ein ungutes Gefühl (schon allein durch die bedrohlichen Wörter in der Beschreibung!). Und dann erfahre ich: in dem baufälligen Schuppen hält sich eine Frau auf, die aus Angst vor einem Mann nicht einmal wagt, sich Essen zu besorgen bzw. Feuer zu machen.
Schon hättest du mich als Leser neugierig gemacht und an der Angel.
Weiter im Erbsenzählen:
- Die schlanken Finger einer jungen Frau schoben einen längst vergilbten Vorhang beiseite, der von Motten ganz zerfressen war. –
* Die schlanken Finger*/ * jungen Frau* - sorry, da greifst du ganz tief in die Klischeekiste. Natürlich ist es immer eine *junge Frau*, deren Alter von 18 / 20 Jahre bis zu 90 reichen kann (Ja, 90 Jahre wink)) , du hast richtig gelesen. Bei einem Besuch im Altersheim regte sich eine über Hundertjährige über meine Oma – 92 – auf, dass sie ja *viel zu jung sei* und von *nichts eine Ahnung hätte* und erst einmal *in ihr Alter kommen müsse* um mitreden zu können). Und natürlich haben diese *junge Frauen* *schmale* oder *schlanke* Hände/Finger usw.
Jetzt musst du sie natürlich nicht alt machen und mit Wurstfinger ausstatten, aber (mich) den Leser bitte auch nicht allzu fest mit der Nase darauf stoßen.
*junge Frau* - besser wäre es, wenn du der Person gleich einen Namen geben würdest.
Und noch einen Tipp: wenn ich Angst vor jemand hätte und befürchten müsste, dass er mich findet, würde ich mich garantiert nicht an das Fenster stellen und dazu noch einen Vorhang beiseite schieben. Da würde ich durch einen Spalt die Umgebung beobachten.
Ich würde mich bei mottenzerfressen, vergilbt nur für eines entscheiden. Für mich käme der mottenzerfressene Vorhang stärker/hätte eine stärkere Wirkung, denn vergilbte Vorhänge siehst du auch in dauerbewohnten Wohnungen öfter.
So, der Satz liest sich ungelenkt. Vllt. XY öffnete den mottenzerfressenen  Vorhang einen Spalt breit und sah hinaus. Oder: Durch einen Spalt im mottenzerfressenen Vorhang spähte XY hinaus.

- Sie ließ ihren Blick durch das Fenster gleiten, auf dem eine graue und dünne Staubschicht klebte, das augenscheinlich schon einige Jahre keine gründliche Reinigung mehr erfahren hatte. – Ist die Dame ein Putzteufel? Ich frage deshalb, weil ich mir in ihrer Situation (halte mich vor jmdn. versteckt) bestimmt keine Gedanken machen würde, über verschmutzte Fensterscheiben und wie lange sie bereits nicht mehr geputzt wurden.
- Ein kalter Luftzug legte sich wie eine große und unsichtbare Hand um ihren bereits viel zu mageren Körper und ließ diesen für einen Augenblick erzittern. – Statt eines Luftzuges, der aus dem Nichts kommt, hättest du hier die Möglichkeit zu zeigen, dass die Fensterrahmen verzogen, die Fenster undicht eventl. noch Scheiben gesprungen sind und dass sie es nicht wagt, den Ofen im Zimmer anzuheizen, aus Angst, der Rauch könnte sie verraten. *große und unsichtbare Hand* liest sich poetisch, aber wäre für mich jetzt nicht sonderlich bedrohlich bzw. würde die bedrohliche Stimmung schwächen, weil: diese Hand könnte sich ja auch schützend um mich legen (habe da ein Bild im Kopf, wo ein Neugeborenes in großen Männerhänden liegt). Persönlich würde ich da auch nicht zu viel machen und mich damit begnügen zu zeigen: Frau, ausgehungert, eventl. dünn angezogen steht an einem kaputten Fenster und friert.
* bereits viel zu mageren Körper* - ok, was willst du mir zeigen? Eine Frau, die seit Wochen zu wenig isst, knochig und verhungert aussieht? Oder eine Frau, die sich z. B. vor 2 – 3 Tagen hier versteckt hält und seitdem nichts mehr richtig gegessen hat? Im letzteren Falle wird sie noch nicht sonderlich abgemagert sein und eher Kohldampf schieben. Im ersteren Falle solltest du mir zeigen, dass sich die Knochen vom Schlüsselbein/Brustbein abzeichnen, ihre Beine nachgeben, schwindlig ist etc. pp. Such dir was aus wink
* für einen Augenblick erzittern* - warum nur für einen Augenblick? Das ist eine nasskalte Umgebung, ein Gemäuer, das seit Ewigkeiten nicht mehr durchgeheizt wurde, die Dame hat längere Zeit nichts gegessen und wahrscheinlich aus Angst auch nur wenig geschlafen, und dann kommt da noch ein fieser Luftzug – ich könnte mir schon vorstellen, dass sie ganz schön schlottert.


_________________
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Mermaid
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 142

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 13:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,

ich bin auch gespannt, was es mit Deiner Figur auf sich hat. Inmutanka und Alpen-Yeti haben ja schon einiges zur Wortwahl gesagt. Dem schließe ich mich weitgehend an. Außerdem kommt mir das Wort "Heizkörper" wie ein Fremdkörper in dem Text vor. Alles ist sehr bildhaft beschrieben und dann so ein "technisches" Wort - ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll.

Du baust mit dem undurchdringlichen Nebel eine düstere, bedrohliche Stimmung auf. Hat die Frau Angst vor dem Nebel - oder fühlt sie sich in ihm sogar sicher und denkt, sie könne in seinem Schutz das Haus verlassen, um Nahrung zu beschaffen ...? Je nachdem, wie Deine Geschichte weitergehen soll, könntest Du die Beschreibung auch durch die Augen Deiner Figur machen. Was sieht sie, wenn sie aus dem Fenster schaut? Wie fühlt es sich an, wenn der Nebel auf sie zu wabert und nach und nach alles verschlingt? Zieht es durch die verzogenen Fenster? Das marode Haus kannst Du auch von innen beschreiben, vielleicht passt das dann auch zum Inneren der Figur?

Ich glaube, es lohnt sich dranzubleiben. Und wenn Dich die Geschichte seit 2009 nicht loslässt, dann erst recht. Wink

Meergrüße,
Mermaid
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 980



BeitragVerfasst am: 02.09.2014 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Little Miss.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele und welche Haken und Fallen die Kritiker in den Texten auftun. Als Lernende sehe ich nach wie vor so Manches davon nicht. Aber meinen Eindruck kann ich dir sagen.
Du bindest mich intensiv ein in die von dir aufgebaute Welt, so, dass mir ein kritischer Blick zurücktritt. Aber es gibt ja glücklicherweise erfahrenere Mitglieder, die dich schon auf einzelne Punkte aufmerksam gemacht haben.
Eine Stelle hat aber auch mich angepackt:

Das Wetter gab bereits vielen Menschen den Anlass, den  Heizkörper  nach einigen Monaten nun wieder in Betrieb zu nehmen.

In der Atmosphäre in deines Textes wirkt 'Heizkörper' und 'Betrieb nehmen' auf mich wie eine kalte Dusche.
Ginge es vielleicht mit:
Das Wetter gab bereits vielen Menschen den Anlass,
ihre Räume zu wärmen
ihre Häuser zu heizen

Oder Ähnliches. Irgend etwas, was zu der doch auch geheimnisvollen Stimmung passt.
Grüße
rieka
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Little Miss
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 10
Wohnort: Oberpfalz, Bayern


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 14:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für euer Feedback! Wink
Ich muss zugeben, ich sitze seit zwei Tagen an diesem Text und dachte angestrengt nach und veversuchte, einfache Sätze zu vermeiden, aber genau diese sind es, die jetzt das Bild klären. Nun sehe ich, dass verkrampftes Denken nicht gut ist. Tausend Dank dafür!

Ich werde das nachher abermals bearbeiten. Jetzt ergibt es wenigstens Sinn. An manchen Stellen wusste ich nicht, was zu viel war oder zu verschachtelt, dabei wollte ich genau sowas vermeiden, wusste dann aber nicht wie. Wie schafft ihr das, sowas in euren Texten zu vermeiden?
Ich lasse meistens den Text für einen oder zwei Tage in Ruhe, um ihn mir dann nochmals durchzulesen, damit ich noch was ausbessern kann. Mit so manchen Kommas werde ich einfach nicht warm, wo ich mit den Regeln nicht immer was anfangen kann. Embarassed

Das mit einer "jungen" Frau ist tatsächlich zu viel des Guten. Den Namen wollte ich später,
bei Erstnennung, in eine direkte Rede einbauen, da sie nicht alleine ist. Sie hat allerdings seit zwei Monaten nicht mehr vernünftig gegessen. Es ist derzeit nur eine Kurzgeschichte geplant. Vielleicht fällt mir mehr ein.

Bei der Beschreibung des schmutzigen Fensters dachte ich, dass der Leser somit deutlich den Eindruck erhält, dass die klare Sicht durch den Schmutz behindert ist.
Stimmt, sie schiebt ihn eigentlich nur einen Spalt beiseite, das habe ich gar nicht beachtet.

Tausend Dank!
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Little Miss
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 10
Wohnort: Oberpfalz, Bayern


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 22:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend!

Kam vorhin erst wieder nach Hause und habe mich gerade nochmal an die Einleitung gesetzt. Es ging mir nicht mehr aus den Gedanken, dieses krampfhafte Versuchen von detailreichen Beschreibungen.
Bianca, Du hast vollkommen recht! Weniger ist in der Tat mehr. Als ich eben meine Einleitung abermals durchlas, fiel mir das dieses Mal sehr deutlich auf. Musste einige Sätze selbst mehrmals lesen, da so viele Details auf einen einströmen, dass man das gar nicht alles direkt verarbeiten kann. Embarassed

Inmutanka, ich habe auch deinen Rat beherzigt sowie von Dir, rieka, und hoffe, dass das in Ordnung ist, dass ich eure Beispiele mit eingebaut habe. Ich stelle es hier nochmal kurz ein. Auch habe ich einige Sätze gestrichen, die tatsächlich einfach zu viel des Guten waren. Diese Details kann ich vielleicht irgendwann später mal verwenden. Eure Kritik ist sehr hilfreich und gibt auch mir selbst wieder Überblick. Daumen hoch²

Mermaid und saher, auch euch beiden vielen Dank! So eine Kamera, die alle Gedanken ordentlich aufzeichnet, wäre wirklich genial! Das würde vieles um ein vielfaches leichter machen.
Was die Frau sieht, kommt noch. Wobei ich gerade überlege, ob es schon zur Sache gehen soll, um die herannahende Gefahr darzustellen, um dann eine Rückblende einzufügen, wie alles begann? Somit könnte ich die Kurzgeschichte in die Länge ziehen. Andernfalls wäre es zu schnell vorbei, und vermutlich würden dazu noch eine Menge Fragen offen bleiben.

Wünsche euch einen schönen Abend und nochmals vielen Dank! :*

-
Ein undurchdringlicher Nebel schleppte sich durch den Wald, stieg unermüdlich zu den Baumkronen empor und verschlang die Landschaft. Am Waldrand bildete sich eine dicke Nebelwand und kam dem einzigen Gebäude gefährlich nahe, das verlassen auf einer Lichtung stand. Das zweistöckige Gebäude sah mitgenommen aus. Die Farbe der Außenfassade war kaum noch vorhanden und nur an einem dreckigen Weiß auszumachen. An der unteren Ecke des Hauses bröckelte bereits der Putz und gab an manchen Stellen die Armierung frei. Die zwei obersten, runden Giebelfenster waren zerbrochen. Nur ein Schotterweg, vom Haus wegführend, war die einzige Verbindung in die umliegenden zwei Dörfer.
Die milchige Suppe wob sich unbeirrt über den kleinen Grashügel und bewegte sich unaufhaltsam auf das kleine Herrenhaus zu, das sich zwischen Albertshofen und Hohenburg, in der Oberpfalz, befand. Das Wetter gab bereits vielen Menschen den Anlass, ihre Räumlichkeiten zu beheizen. Nur hier nicht.

Als eine Hand den von Motten zerfressenen Vorhang einen Spalt beiseite schob, spähte eine brünette Frau, deren Haare ihr teilweise im Gesicht hingen, durch das Fenster. Ihr nervöser Blick blieb kurz an dem undichten Fensterrahmen hängen, der mit Holzsplittern übersät war, bevor sich ihre Augen auf den Waldrand richteten. Kalte Luft zog durch den Raum und erreichte schließlich die Frau, die am Fenster stand. Ihr Körper bebte vor Kälte und mit klappernden Zähnen, schlang Emily ihre Arme um sich und fuhr sich mit den Händen beide Oberarme auf und ab. Der dicke Wollpullover konnte auch nicht mehr viel verdecken. Einst passte er wie angegossen, mittlerweile schlotterte er insbesondere an den Armen und am Bauch. Wie lange war es nun her, dass sie sich hatte satt essen können? Spielte das überhaupt eine Rolle? Hier war sie wenigstens vorerst sicher. Sicher vor ihm.
Schwere Schritte waren plötzlich im Flur zu hören. Emily drehte sich schlagartig vom Fenster weg und starrte mit weit aufgerissenen Augen zur Wohnzimmertür, die sich gar nicht mehr richtig schließen ließ. Sie glaubte, dass ihr Herz ihr gleich aus der Brust springen würde, als eine breitschultrige Gestalt sich am Türrahmen zu erkennen gab. „Johann!“, japste die Brünette. Erleichtert atmete sie aus und ihr Körper entspannte sich sichtlich.
„Wir können nicht den ganzen Herbst und Winter über hier verbringen, Emily.“
Johann trat näher an sie heran, um ihren Blick zu suchen.
„Wir brauchen richtiges Essen, vor allen Dingen Du!“
„Ja, das weiß ich doch auch. Und wohin willst Du gehen? Wir haben kein Geld!“
Emily sah ihn hilflos an. Die ganze Situation begann sie zu überfordern.
„Dann müssen wir eben an das Bankkonto“, offenbarte er ihr seine Idee. Was blieb ihnen denn übrig?
„Bist Du verrückt!? Da verhungere ich lieber, als ihm auch noch Hinweise auf unseren Verbleib zu geben! Du hast keine Ahnung, zu was er im Stande ist, Johann.“ Sie wich einen Schritt zurück, um zu verdeutlichen, was sie davon hielt.
-

So, weiter kam ich noch nicht. Aber den Rest werde ich einfach mal weiterschreiben und schauen, wie weit ich überhaupt komme.
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Mermaid
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 142

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 18:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,

der neue Text ist besser, aber in meinen Augen noch nicht gut. Das Bild ist für mich noch nicht stimmig, die Perspektive zum Teil unklar. Entschuldige, dass ich es nicht besser ausdrücken kann. Ich versuch's mal mit Anmerkungen in Deinem Text zu erklären.

Meergrüße,
Mermaid


Ein undurchdringlicher Nebel schleppte sich durch den Wald, stieg unermüdlich zu den Baumkronen empor und verschlang die Landschaft. ["schleppte" passt für mich nicht richtig] Am Waldrand bildete sich eine dicke Nebelwand [ist der Nebel nun überall oder "nur" eine Nebelbank am Waldrand?] und kam dem einzigen Gebäude gefährlich [warum ist der Nebel für das Gebäude "gefährlich"?] nahe, das verlassen [das Gebäude ist nicht "verlassen", es sieht nur so aus] auf einer Lichtung stand. Das zweistöckige Gebäude sah mitgenommen aus. Die Farbe der Außenfassade war kaum noch vorhanden und nur an einem dreckigen Weiß auszumachen. An der unteren Ecke des Hauses bröckelte bereits der Putz und gab an manchen Stellen die Armierung frei. Die zwei obersten, runden Giebelfenster waren zerbrochen. [Tut mir leid, ich kann das Haus nicht sehen. Wenn es wichtig ist, wie es aussieht, muss die Beschreibung besser werden. Hat es einen verwilderten Garten? Türmchen/Erker? Fehlen Dachziegel? Welche der vielen Hausecken bröckelt? ...] Nur ein Schotterweg, vom Haus wegführend [nur weg?] , war die einzige Verbindung in die umliegenden zwei Dörfer.
Die milchige Suppe wob sich [Suppe "webt" sich nicht, glaube ich, ich finde "Suppe" an der Stelle irgendwie unpassend] unbeirrt über den kleinen Grashügel und bewegte sich unaufhaltsam auf das kleine [Wortwiederholung "klein"] Herrenhaus zu, das sich zwischen Albertshofen und Hohenburg, in der Oberpfalz, [ist die genaue Ortsbezeichnung wichtig? Sie zieht mich irgendwie aus dem Text raus.] befand. Das Wetter gab bereits vielen Menschen den Anlass, ihre Räumlichkeiten zu beheizen. Nur hier nicht. [Hm. Klingt umständlich. Reicht nicht "es war kalt"?]

Als eine Hand den von Motten zerfressenen Vorhang einen Spalt beiseite schob, spähte eine brünette Frau, deren Haare ihr teilweise im Gesicht hingen, durch das Fenster. [Klingt seltsam. Vor allem die hängenden Haare. Vielleicht einfach: "Vorschichtig/zaghaft  schob eine Hand den von Motten zerfressenen Vorhang ein wenig zur Seite. Eine Frau spähte durch den schmalen Spalt aus dem Fenster."] Ihr nervöser Blick blieb kurz an dem undichten Fensterrahmen hängen [wenn sie hinaussieht, sieht sie doch hinaus und nicht auf den Rahmen?], der mit Holzsplittern übersät war, bevor sich ihre Augen auf den Waldrand richteten. Kalte Luft zog durch den Raum und erreichte schließlich die Frau [es ist doch sicherlich überall kalt und nicht nur in dem einen Luftzug?], die am Fenster stand. [...]
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Little Miss
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 10
Wohnort: Oberpfalz, Bayern


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 18:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Mermaid,

lieben Dank für dein Feedback!

Bei dem "schleppte" fand ich kein passendes Synonym mehr, was dies hätte etwas näher beschreiben können. Der Nebel selbst ist erstmal im Wald und kommt schließlich zu dem Waldrand, an der Lichtung, wo das Haus dort freisteht. Das "gefährlich nahe" ist natürlich nur eine Metapher, da der Nebel an sich nicht gefährlich ist, soll aber die Stimmung nicht zu lasch werden lassen.
Das Gebäude ist nicht verlassen, richtig, aber wenn ich dem Leser das sofort vermittel, ist die Spannung raus (zumindest mein Gefühl). Wollte mit der ersten Beschreibung nur auf das Haus und die Umgebung eingehen, um dann damit rauszurücken, dass sich doch jemand im Haus befindet. Von Außen würde es einen verlassenen Eindruck machen, deshalb erwähne ich das in der Beschreibung auch nicht sofort, dass da jemand drin ist.
Wie oben zuerst, hatte ich noch den Balkon beschrieben, worauf eine Empfehlung kam, dass das womöglich zu viele Beschreibungen wären, deshalb strich ich das raus und hebe mir das für weitere Beschreibungen ein. Aber das scheint dann die Geschmackssache zu sein.
Mit dem Schotterweg, klar, man kann auch natürlich hinkommen, aber das klang für mich dann mehr wie eine Art "Waldhotel". Wollte damit den Eindruck vermitteln, dass somit jemand nur notgedrungen hierher kommt und nicht gerade gerne. Also wenn etwas passieren sollte, käme man sonst nur durch den Wald weg, z.B bei einer Flucht (und darauf wollte ich hinaus, aber auch nicht sofort schreiben).

Das Synonym "milchige Suppe" hörte ich schon häufiger und las das auch schon häufiger in anderen Büchern. Ständig "Nebel" wollte ich nicht nehmen. In San Francisco sieht es so aus, als würde der Nebel dort über die ganze Stadt "wabern", daher diese Umschreibung. Vielleicht unpassend, aber gefiel mir zu Beginn ganz gut.

Stimmt, die genaue Ortsbezeichnung spielt vielleicht erstmal gar keine Rolle. Glaube, da wäre nur "Oberpfalz" einfach treffender gewesen. Das streiche ich raus.
Bei der Kälte käme aber die Frage auf, wieso dann nicht geheizt wird. Allerdings gab es Beiträge zuvor schon den Tipp, dass ich stattdessen erklären könnte, dass sie z.B fürchtet, entdeckt zu werden, durch den Rauch. Habe ich bisher ausgelassen, wäre aber besser dies einzufügen oder?

Das ist eine gute Alternative. Werde ich umändern, danke!
Hm, stimmt. Habe ich so nicht betrachtet. Andererseits wollte ich kurz darauf umlenken vom anderen Tipp, der näher beschreiben könnte, wie das Fenster z.B aussähe, statt schmutziger Scheiben. Da weiß ich jetzt leider nicht, wie ich das richtig umsetzen könnte.
Ja, es ist überall kalt, aber sie befindet sich nur unten und der Luftzug verstärkt den Eindruck der Kälte.

Ich sollte es mit dem Schreiben wohl lieber sein lassen. Laughing


Edit:
Beim erneuten Lesen fiel mir gerade etwas ein. Wie wäre es statt: "Ein undurchdringlicher Nebel schleppte sich durch den Wald, stieg unermüdlich zu den Baumkronen empor und verschlang die Landschaft. Am Waldrand bildete sich eine dicke Nebelwand und kam dem einzigen Gebäude gefährlich nahe, das verlassen auf einer Lichtung stand."

So:
"Ein undurchdringlicher Nebel zog sich durch den Wald, stieg unermüdlich zu den Baumkronen empor und verschlang die Umgebung bis zum Waldrand, wo sich eine dichte Nebelwand bildete (oder "formatierte"? Ähnlich die Formation von Soldaten, bevor sie zum Angriff übergehen. Soll eine bedrohliche Stimmung erzeugen, bin aber nicht sicher?)."

Ich habe so einen Nebel einige Male erlebt und fand es äußerst faszinierend. Als Kind hat mir das immer angst gemacht, da ich fürchtete, dass dahinter im Nebel nichts mehr kommen würde. So eine Art "Leere". Und genau das möchte ich so unheimlich gerne beschreiben, weiß aber leider nicht wie. Sad
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Mermaid
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BeitragVerfasst am: 04.09.2014 19:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,

nein, nein, nein! Das Schreiben sein lassen, das ist auch keine Lösung, wenn die Geschichte raus will. Wink Schreib sie, bis sie "passt"!

Mein Problem an der Stelle ist, dass ich ja nicht weiß, wie Deine Geschichte weiter geht. Wenn das Haus eine wichtige Rolle darin spielt, würde ich mir mehr Beschreibungen wünschen. Ist hingegen der Nebel wichtig, male den Nebel mehr aus.

Ich vermute, die beiden Elemente "Nebel" und "verlassenes" Haus sind Beiwerk, um das Düstere, Gefährliche darzustellen. Die Figur, auf die es wohl ankommt, ist Emily. Du könntest probeweise - nur für Dich, Du musst es ja nicht hier einstellen - den Anfang umstellen und aus Emilys Sicht schreiben. Sie steht am Fenster und schaut hinaus. Der Garten ist verwildert, eine Statue ist umgefallen und zerbrochen, die Auffahrt ist voller Unkraut. Ihre Gedanken wandern in frühere, glückliche Zeiten, als das Haus noch schön und gepflegt war ... Die Kälte holt sie zurück in die Wirklichkeit, seit sie nicht mehr richtig isst, friert sie viel schneller. Es wäre gefährlich, den Kamin anzuheizen ... Der Nebel kriecht vom Wald her auf das Haus zu ...

Gedanken zu "Nebel": Schwaden, Dunst, Gewölk, Herbstnebel, Winternebel, Abendnebel, Nebelschleier, Bodennebel, undeutlich, schattenhaft, verschwommen ...

Lass Dich nicht unterkriegen!

Nebelgrüße,
Mermaid
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Mermaid
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

Little Miss hat Folgendes geschrieben:


Ich habe so einen Nebel einige Male erlebt und fand es äußerst faszinierend. Als Kind hat mir das immer angst gemacht, da ich fürchtete, dass dahinter im Nebel nichts mehr kommen würde. So eine Art "Leere". Und genau das möchte ich so unheimlich gerne beschreiben, weiß aber leider nicht wie. Sad


Oh, das ist ein spannender Gedanke, dass hinter dem Nebel nichts mehr kommt! Alles ist verschwunden, im Nebel versunken. Wie man das beschreiben kann, weiß ich auch nicht so spontan, versuch es einfach. Schreib es auf. Kannst du schreiben, ohne auf die Tastatur zu schauen? Dann schließ die Augen, versinke im Nebel und schreib. Schreib es auf!
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Little Miss
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BeitragVerfasst am: 04.09.2014 19:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, das ist lieb von Dir. Wink

Der Anfang fällt mir leider immer sehr schwer. Im Prinzip geht es um ihre Flucht und um ihre Vergangenheit. Aus der 1. Person kann ich es allerdings nicht schreiben, werde es aber mal aus der 3. Person versuchen, von ihrer Sicht aus. Danke, liebe Mermaid!

Werde es aber dann nochmal hier kurz vorstellen, ob das tatsächlich besser ist. Dann weiß ich wenigstens, dass mein dickes Problem eindeutig die unwichtigen Dinge sind, auf die ich immer gerne zu sehr eingehe. Embarassed
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Mermaid
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

3. Person ist gut. Wenn Du aus ihrer Perspektive schreibst, kannst Du auch gleich ihren Charakter zeigen und Andeutungen auf die Vergangenheit machen. Puh, das wird sicher spannend.

Und gib Emily ruhig Deine Kindheits-Nebel-Ängste mit. Schließlich ist das Ganze total unheimlich, oder?

Viel Spaß beim Schreiben!

Meergrüße,
Mermaid
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Little Miss
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BeitragVerfasst am: 05.09.2014 06:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen!

Hier die neue Version:

-
Eine brünette Frau schob den von Motten zerfressenen Vorhang einen Spalt beiseite und warf einen ängstlichen Blick nach draußen. Sie konnte erkennen, dass der Nebel bereits den Waldrand erreicht hatte und eine undurchdringliche Wand bildete. Er bewegte sich unaufhaltsam auf das alte Haus zu, in dem sie sich befand. Es erinnerte sie an längst vergangene Tage. Als Kind hatte sich die Frau vor solchen Naturerscheinungen gefürchtet. Ein allverschlingendes, milchiges Nichts, hatte sie dies immer genannt. Heute fürchtete sie sich nicht vor dem allverschlingenden Nichts, sondern davor, dass sie ihn viel zu spät bemerken würde, wenn er kam, um sie zu holen.
Nachdenklich ließ die Brünette den Blick vom Waldrand in den Garten gleiten. Das Unkraut wuchs ungehindert in die Höhe. Die Statue der heiligen Maria stand zwar noch, doch vom Gesicht fehlte die linke Hälfte.
Noch immer in Gedanken versunken, drehte sich die junge Frau um, als plötzlich ein Mann vor ihr stand, der sie um einen Kopf überragte. Vor Schreck stieß sie einen Schrei aus, ehe der Mann seine großen Hände auf ihre Schultern legte.
„Ganz ruhig, Emily. Ich bin's“, sprach Johann leise.
Ein Luftzug ließ ihren Körper beben vor Kälte, während sie zu ihm aufsah. Johann bemerkte die dunklen Ringe unter ihren Augen und fuhr mit seinem Daumen über ihr Schlüsselbein, das in den letzten Wochen immer mehr zum Vorschein gekommen war.
-

Zuerst wollte ich im letzten Satz schreiben: "... das in den letzten Wochen immer deutlicher aus der Haut ragte." Aber das gäbe den Eindruck, als rage der Knochen aus der Haut wie bei einem offenen Bruch.
Später, wenn sie das Haus verlassen, möchte ich noch einbauen, dass sie kurz zurückblickt und genau da dann noch die Beschreibungen einfügen, wie das Haus von Außen aussieht. Also die Beschreibungen von den zerbrochenen Fensterscheiben er Giebelfenster, dem Putz, der bröckelt und die Armierung freigibt. Und eine Beschreibung über den Allgemeinzustand des Hauses: Abrissreif.
Ich denke, mehr müsste man zum Haus selbst nicht schreiben, außer noch das Innenleben, was aber im Laufe der Geschichte noch kommen würde. Wie z.B das laute Knarren der alten Treppen, etc.

Schönes Wochenende! Wink
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inmutanka
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BeitragVerfasst am: 05.09.2014 10:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo LittleMiss,

zuerst: für mich ist die Version wesentlich besser als die erste.
Zitat:
Später, wenn sie das Haus verlassen, möchte ich noch einbauen, dass sie kurz zurückblickt und genau da dann noch die Beschreibungen einfügen, wie das Haus von Außen aussieht. Also die Beschreibungen von den zerbrochenen Fensterscheiben er Giebelfenster, dem Putz, der bröckelt und die Armierung freigibt. Und eine Beschreibung über den Allgemeinzustand des Hauses: Abrissreif.
Ich denke, mehr müsste man zum Haus selbst nicht schreiben, außer noch das Innenleben, was aber im Laufe der Geschichte noch kommen würde. Wie z.B das laute Knarren der alten Treppen, etc.  

Sehe ich genauso.
Jetzt zu den Erbsen:

Zitat:
Eine brünette Frau schob den von Motten zerfressenen Vorhang einen Spalt beiseite und warf einen ängstlichen Blick nach draußen. Sie konnte erkennen, dass der Nebel bereits den Waldrand erreicht hatte und eine undurchdringliche Wand bildete. Er bewegte sich unaufhaltsam auf das alte Haus zu, in dem sie sich befand.

- Eine brünette Frau – Mich würde interessieren, warum du sie nicht gleich Emily nennst? Willst du damit zeigen, dass sie brünett ist? Für den Anfang finde ich das nicht wichtig und du könntest es später geschickter unterbringen. Z. B. dass Johann mit einer Haarsträhne spielt und einen Vergleich zur Farbe bringt.
Oder bist du der Meinung, wenn du den Namen verschweigst, baust du Interesse/Neugierde/Spannung auf? Dann muss ich dich enttäuschen. All das baust du mit Setting/Situation und/oder Charakter auf. Ein Name verrät davon nichts, hat aber den Vorteil, dass der Leser von Anfang an näher am Charakter ist.
- warf einen ängstlichen Blick nach draußen – zuerst: warum muss sie den Blick *werfen* und kann nicht einfach hinaus sehen? Zum anderen bekam ich von einem gnadenlosen, aber sehr guten Lektor einen Rat für Spannungsromane: Schreibe als Erzähler, als hätte dir ein Hypnotiseur all die Worte aus dem Gedächtnis gestrichen, von denen du glaubst, dass du sie brauchst, um Spannung/unheimliche Atmosphäre etc. aufzubauen, wie z. B. ängstlich, geheimnisvoll, unheimlich, fürchterlich etc. in allen Variationen. - Glaub mir, der Rat funktioniert sehr gut. Und natürlich kannst du eine Figur sagen lassen: es war unheimlich/ich hatte Angst. Es geht nur darum, dass der Erzähler diese Worte nicht benutzt. – Daher würde ich hier *ängstlichen* streichen.
- Sie konnte erkennen, dass der Nebel bereits den Waldrand erreicht hatte und eine undurchdringliche Wand bildete. - *Sie konnte erkennen* würde ich streichen. Ich stehe als Leser direkt neben Emily und sehe zum Fenster hinaus. Dann kannst du direkt schreiben, was sie sieht/ich sehe: Nebel hatte den Waldrand erreicht und baute sich zu einer (undurchdringlichen) Wand auf. – Spannung könntest du noch aufbauen, wenn du zeigen würdest, wie sich einzelne Nebelfetzen bewegen, dass der Eindruck entsteht, Schatten würden dahinter von Baum zu Baum huschen (Ich liebe Nebel!!!)
- Er bewegte sich unaufhaltsam auf das alte Haus zu, in dem sie sich befand. –
*bewegte sich unaufhaltsam* - ist zwar richtig, aber es entsteht kein Bild, es ist statisch. Wie bewegt er sich auf das Haus zu? Kommt er wie eine Sturmwelle auf das Haus zugerollt? Oder kriecht er eher wie eine riesige Schildkröte usw. Was ich zeigen will: verwendest du *rollen*, *kriechen*, *walzen*, *rasen* etc. entstehen ganz andere Stimmungen/Bilder als mit dem faden Allerweltsbegriff *bewegen*  
*in dem sie sich befand* - streichen, ist überflüssig.

Zitat:
Es erinnerte sie an längst vergangene Tage. Als Kind hatte sich die Frau vor solchen Naturerscheinungen gefürchtet. Ein allverschlingendes, milchiges Nichts, hatte sie dies immer genannt. Heute fürchtete sie sich nicht vor dem allverschlingenden Nichts, sondern davor, dass sie ihn viel zu spät bemerken würde, wenn er kam, um sie zu holen.

- Es erinnerte sie an längst vergangene Tage. Als Kind hatte sich die Frau vor solchen Naturerscheinungen gefürchtet. – Würde ich streichen und zwar aus mehreren Gründen. * Es erinnerte sie an längst vergangene Tage.* - ist logisch, dass die Tage *längst vergangen sind, wenn dann folgt: *Als Kind*. Zum anderen: wenn du danach zeigst, dass sie sich gefürchtet hat, kannst du *vor solchen Naturerscheinungen gefürchtet* ebenfalls streichen.
- *Ein allverschlingendes, milchiges Nichts, hatte sie dies immer genannt.* - ich finde, das ist schon ein guter Ansatz. Könnte aber noch besser, bedrohlicher werden. Kinder setzen Vergleiche ein, Bilder von Bekanntem, dass überdimensioniert bedrohlich wird (macht u. a. auch St. Spielberg). *Nichts* ist dermaßen abstrakt, dass sich damit auch ein Erwachsener schwertut und zum anderen: stell dir ein *Nichts* einmal vor? Mir gelingt es nicht.
Setze es doch mit etwas bekanntem, gefrässigen Tier z. B. gleich. Spontan würde mir da z. B. eine riesige Schnecke einfallen. Oder eine Raupe. Wobei mir der Vergleich mit einer Schnecke besser gefallen würde. Stell dir eine 7 m hohe und mind. 50 m lange gefrässige  Schnecke vor, mit einem Maul von 2 – 3 m Durchmesser und die kriecht auf ein Haus zu. Alles verschwindet unter ihrem feuchten, glänzenden Körper und dann ist da dieses Maul mit den unzähligen Raspeln, das alles zerfetzt, was ihm an Fressbaren in den Weg kommt …
- Heute fürchtete sie sich nicht vor dem allverschlingenden Nichts, sondern davor, dass sie ihn viel zu spät bemerken würde, wenn er kam, um sie zu holen.  
*Heute fürchtete sie sich nicht vor* - damit zerstörst du die erste aufgebaute Spannung. Und der nächste Spannungsbogen: dass sie ihn viel zu spät bemerken würde, wenn er kam, um sie zu holen. – kann nicht höher werden als der andere. Aber du könntest die Spannung gewaltig erhöhen, wenn sie dieses milchige Ungeheuer gefühlsmäßig immer noch gruslig findet UND befürchtet, dass sie den Typ dahinter nicht rechtzeitig erkennt. Es ist doch oft so, dass du als Kind z. B. vor irgendwelchen Schattenspielen an der Wand Angst hattest/du irgendwelche Monster da hineininterpretiert hast. Heute weißt du: Schatten entstehen, wenn in einem Lichtstrahl ein Hindernis steht, Schatten sind harmlos, haben kein Eigenleben usw. – und dann hast du z. B. einen Stalker, jemand, der dir bewiesen hat, dass er dich Tag und Nacht beobachtet. Jetzt ist es Nacht, deine Nerven sind von den Ereignissen sowieso schon überstrapaziert,  du liegst im Bett, vor dem Haus steht ein Baum, ein Sturm braut sich zusammen und die Schatten der Äste/des Laubes werfen sich bewegende Schatten an die Wand, du bist angespannt, lauscht auf jedes Geräusch, beobachtest die Schatten, ob nicht der Schatten von diesem Irren sich zeigt usw.
Hoffe, ich konnte deutlich/verständlich machen, was ich meine. Daher auch zuvor mein Vorschlag, zu zeigen, wie die Nebelfetzen wabern, sich hellere und dunklere Stellen bilden, Baumstämme als Schatten hin und wieder sichtbar werden usw.

Zitat:
Nachdenklich ließ die Brünette den Blick vom Waldrand in den Garten gleiten. Das Unkraut wuchs ungehindert in die Höhe. Die Statue der heiligen Maria stand zwar noch, doch vom Gesicht fehlte die linke Hälfte.

- Nachdenklich ließ die Brünette den Blick vom Waldrand in den Garten gleiten. – hier ist wieder die berühmte Katze, die sich in den Schwanz beißt. Wenn du *nachdenklich* schreibst, dann will ich wissen, worüber sie nachdenkt. Wenn du mir ihre Gedanken zeigst, dann brauche ich kein *nachdenklich* mehr.
Ich bin immer wieder überrascht (na ja, nicht wirklich!) wie Leute mit ihren Blicken umgehen. Da werden Blicke geworfen (warf einen ängstlichen Blick nach draußen) und Blicke gleiten (den Blick vom Waldrand in den Garten gleiten). Zeig doch einfach, was sie sieht und schon ersparst du dir die ganzen Fortbewegungsarten für Blicke.
- Das Unkraut wuchs ungehindert in die Höhe – Dort im Garten gibt es nur Unkraut, dass in die Höhe wachst und sich nicht weiter ausbreitet? Respekt. wink  Du könntest es zeigen und gleichzeitig mit dem nachfolgenden Satz kombinieren, Bsp. : Im verwahrlosten Garten überwucherte das Unkraut die meterhohe Statue der Muttergottes, von deren Gesicht nur noch eine Hälfte vorhanden war.

Zitat:
Noch immer in Gedanken versunken, drehte sich die junge Frau um, als plötzlich ein Mann vor ihr stand, der sie um einen Kopf überragte. Vor Schreck stieß sie einen Schrei aus, ehe der Mann seine großen Hände auf ihre Schultern legte.

- Noch immer in Gedanken versunken, drehte sich die junge Frau um, als plötzlich ein Mann vor ihr stand, der sie um einen Kopf überragte. –
*plötzlich/auf einmal etc.* sind übrigens auch Wörter, wo viele Autoren glauben, sie benötigen sie, um Spannung aufzubauen. Dem ist aber nicht so.
*Noch immer in Gedanken versunken* - s. o. zu *nachdenklich*, lass sie sich doch einfach umdrehen und gegen die Brust des Mannes knallen. Schon weiß ich: der Typ ist mind. einen Kopf größer und sie hat ihn nicht bemerkt.
- Vor Schreck stieß sie einen Schrei aus, ehe der Mann seine großen Hände auf ihre Schultern legte. –
*Vor Schreck stieß sie einen Schrei aus* - lass sie doch einfach mehr oder weniger leise aufschreien. Dass sie sich erschreckt (und nicht vor Ekstase schreit), wird aus der Reaktion klar, die wohl jeder Leser in der Art schon einmal erlebt hat und nachfühlen kann.
*ehe der Mann seine großen Hände auf ihre Schultern legte.* - warum *ehe*? Sie stößt den Schrei aus, er legt seine Hände auf ihre Schultern, streicht mit den Daumen über ihre Schlüsselbeine, um sie zu beruhigen. *große Hände* - seufz, das ist in solchen Situation auch immer der Fall. Lass ihn doch nach Emily greifen, und dann bedecken seine Hände fast vollständig ihre Schultern z. B., außerdem hättest du dann die Wortwiederholung *groß* draußen und der Leser könnte sich ein Bild machen.

Zitat:
„Ganz ruhig, Emily. Ich bin's“, sprach Johann leise.
Ein Luftzug ließ ihren Körper beben vor Kälte, während sie zu ihm aufsah. Johann bemerkte die dunklen Ringe unter ihren Augen und fuhr mit seinem Daumen über ihr Schlüsselbein, das in den letzten Wochen immer mehr zum Vorschein gekommen war.


- sprach Johann leise – wenn er leise spricht, dann lass ihn doch flüstern, raunen, wispern
- Ein Luftzug ließ ihren Körper beben vor Kälte, während sie zu ihm aufsah. - *g* an diesem Luftzug scheinst du zu hängen. Aber in dem Zusammenhang, wie du ihn erwähnst, scheint er irgendwie vom Mann auszugehen. Daher passt er (nach wie vor) für mich nicht. Ein Vorschlag: Wenn es dauerkalt/kühl ist, passt sich ja der Körper an und das Gehirn blendet es aus. Aber wenn dich dann jemand mit warmen Händen berührt, kommt der kühle/kalte Zustand wieder ins Bewusstsein, und der Mensch erschauert. Vllt. wäre das für dich eine Alternative. Ansonsten würde ich diesen Luftzug schon in dem Moment einbauen, wenn sie den Vorhang zur Seite schiebt.
- Johann bemerkte die dunklen Ringe unter ihren Augen – hier hast du einen Perspektivwechsel.

LG
Inmutanka


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Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt. ... Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke. (Paul Coelho)
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Rainer Zufall
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Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 05.09.2014 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo LittleMiss,

deine erste Version habe ich nur überflogen, da  schreibe ich auch nichts mehr zu, ich fand es eine gute Idee, umzustellen, und direkt mit der Frau zu beginnen.
Auch dass du die Beschreibung des Hausäußeren einfügen willst, wenn sie rausgehen, ist gut.
Nun aber zu deinem Text.
Es ist schwer, dazu noch etwas Vernünftiges zu sagen, denn Inmutanka findet immer schon jedes Tüpfelchen. smile extra An dieser Stelle ein großes Lob einfach mal an dich, Inmutanka, du kommentierst echt toll. Da wünscht man sich glatt, von dir kommentiert zu werden.

Ich schreib trotzdem nochmal meinen Senf zu deinem Text, LittleMiss, obwohl Inmutanka eigentlich schon alles gesagt hat, aber manchmal  ist es überzeugender und hilft einem bei einer Entscheidung  weiter, wenn zwei Leuten dasselbe auffällt

Hier die Anmerkungen:
Eine brünette Frau schob den von Motten zerfressenen Vorhang einen Spalt beiseite und warf einen ängstlichen Blick nach draußen.
"warf einen ängstlichen Blick" fiel mir auch auf. Das wirkt ein bisschen bemüht, zu umständlich. Warum nicht einfach schreiben: sah nach draußen, Manchmal finde ich es besser, sachliche Formulierungen zu benutzen, weil dann ein sprachliches Bild im Unterschied dazu viel besser strahlen kann. Wenn du sah sagst, geht der Fokus des Lesers direkt nach draußen und du kannst den fetten Nebel beschreiben. wirft Blick ist dagegen umständlicher. Und bitte schon gar nicht "ängstlicher" Blick schreiben. Das tötet die Spannung, weil es die Spannung nur behauptet. Du musst dem Leser ein Bild bieten, das ihn schauer lässt, das seine Vorstellungskraft anregt. Immutankas Idee mit den Nebelfetzen ets ist hervorragend.
Ach ja, und unbedingt den Namen nennen. Ich find das eine Grundregel, dass man, wenn es nicht unbedingt nötig ist wegen des Inhalts lieber mit den Namen der Personen arbeitet.


Sie konnte erkennen, dass der Nebel bereits den Waldrand erreicht hatte und eine undurchdringliche Wand bildete. Er bewegte sich unaufhaltsam auf das alte Haus zu, in dem sie sich befand.
Sie konnte erkennen - das ist so eine Vorbereitungsfloskel. Das sind so umständliche methodische Formulierungen, mit denen man glaubt, genau zu sein. Mir passiert das auch ständig. Aber lieber gleich schreiben, was sie sieht, mit diesen Vorbeteitungsfloskeln schiebt man nur eine Milchglasscheibe zwischen den Leser und die Handlung. Er kriegt jetzt erst noch mal vertütet, dass sie was wahrnimmt. Ja wenn du gleich schreibst, was das ist, was der Prot sieht, dann lässt du den Leser gleich durch dessen Augen schauen.
Er bewegte sich unaufhaltsam: Lieber aktive, kräftige Vollverben benutzen, die die Tätigkeit des Nebels zeigen: walzen/kriechen/schleichen/schlängeln. Je nach Bewegung des Nebels. Oder du benutzt zusätzlich einen passenden Vergleich. Inmutanka hat da ja tolle Ideen gehabt.


Es erinnerte sie an längst vergangene Tage. Als Kind hatte sich die Frau vor solchen Naturerscheinungen gefürchtet. Ein allverschlingendes, milchiges Nichts, hatte sie dies immer genannt. Heute fürchtete sie sich nicht vor dem allverschlingenden Nichts, sondern davor, dass sie ihn viel zu spät bemerken würde, wenn er kam, um sie zu holen.
Den ganzen Absatz finde ich völlig verbogen. Leider. Erst mal sind erinnern-längst vergangene Tage-als Kind redundante Formulierungen. Da könnte man eh noch und nöcher streichen.
Und die Formulierung "als Kind hatte sie ... gefürchtet" suggeriert, dass sie sich nicht mehr davor fürchtet. Damit killst du nicht nur die Spannung, die du vorher aufgebaut hast, sondern so, wie du es formulierst, ist es ungenau. Wer ist "er"? Wenn es der Nebel ist, dann fürchtet sie sich immer noch vor dem Nebel. Wenn es etwas/einer dahinter ist, dann musst du das schreiben.
Und: Ich glaub das nicht, dass es  ein einziges Kind gibt, das  sich den Nebel as allverschlingendes, milchiges Nichts vorstellt oder den Nebel so nennt. Das ist eine Erwachsenenformulierung. Also da würd ich noch mal drübergehen.


Nachdenklich ließ die Brünette den Blick vom Waldrand in den Garten gleiten. Das Unkraut wuchs ungehindert in die Höhe. Die Statue der heiligen Maria stand zwar noch, doch vom Gesicht fehlte die linke Hälfte.
die Brünette. Oach, das klingt nicht gut, nenn sie doch beim Namen. Das wirkt total gestelzt und bemüht, wenn du für den Prot dauernd Synonyme bemühst: die fünfundreißigjährige Alleinerziehende, die Nierentransplantierte. Ich will dich nicht ärgern mit den Übertreibungen, sondern dir nur die Wirkung zeigen. Nee, Namen und sie abwechseln. Vor allem schreibst du doch aus ihrer Sicht. Würdest du von dir selbst als "die Brünette" sprechen?
Das mit dem gleitenden und nachdenklichen  Blick hat Inmutanka schon gesagt. Das würde ich auch ändern.
Und dann würde ich eher schreiben, was da wuchert, ein Rosenstrauch, Gräser, irgendwas und würde zeigen, wie das diese Statue da umwuchert. Wie es rankt und verdeckt und wuchert. Das finde ich nämlich an sich ein sehr schönes Bild, diese einäugige Statue, die von Pflanzen eingeschlossen ist.


Zu dem nächsten Absatz: Solche Wörter und Formulierungen wie vor Schreck / plötzlich / noch immer in Gedanken versunken vorsichtig verwenden, lieber zeigen, was da zu sehen ist. Oder ihren Gedanken in innerer Rede aufgreifen. Aber da hat dir Inmutanka eh schon alles zu gesagt.

Ein Luftzug ließ ihren Körper beben vor Kälte, während sie zu ihm aufsah.
Also den Luftzug fand ich auch nicht so gut. Erst mal kapiert man gar nicht, woher der jetzt kommen soll. Außerdem klingt das ziemlich pathetisch. Ich finde immer, dass man aufpassen muss, wenn weibliche Körper beben und sich in den Armen großer Dunkelhaariger befinden. Da würde ich von meinem Geschmack her immer Gas rausnehmen, weil mir das zu sehr in Richtung Kitschalarm geht. Also ich persönlich würd da sachlicher bleiben.

Johann bemerkte die dunklen Ringe unter ihren Augen und fuhr mit seinem Daumen über ihr Schlüsselbein, das in den letzten Wochen immer mehr zum Vorschein gekommen war.
Der Text ist bisher aus der Sicht der Frau geschrieben. Hier wechselst du. Du kannst schreiben, dass er ihre Augen mustert oder was in der Richtung sagt.

Liebe LittleMiss,
ich hoffe, du kannst mit den Ausführungen was anfangen, auch wenn sich einiges wiederholt.
Viele Grüße
Zufall
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inmutanka
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BeitragVerfasst am: 05.09.2014 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

Rainer Zufall hat Folgendes geschrieben:


Es ist schwer, dazu noch etwas Vernünftiges zu sagen, denn Inmutanka findet immer schon jedes Tüpfelchen. smile extra An dieser Stelle ein großes Lob einfach mal an dich, Inmutanka, du kommentierst echt toll. Da wünscht man sich glatt, von dir kommentiert zu werden.



Danke für das Lob. Ich habe allerdings auch schon vorgeworfen bekommen, ich würde den Leuten den Spaß am Schreiben nehmen mit meiner Pingeligkeit Embarassed

LG
Inmutanka


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Mermaid
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 05.09.2014 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,

aus der Sicht von Emily funktioniert der Anfang viel besser als bei der ersten Version, finde ich! Das hast Du gut gemacht. Der neue Text ist auch besser geschrieben, allerdings noch nicht perfekt. Inmutanka und Rainer Zufall haben Dir viele nützliche Tipps gegeben. Mach weiter! Das wird schon! Smile

Meergrüße,
Mermaid
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henry
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BeitragVerfasst am: 05.09.2014 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Little Miss,

ich hatte jetzt das Vergnügen, die Genese des Anfangs richtig nachzuvollziehen. Als ich zwischendrin las "Ich sollte es mit dem Schreiben wohl lieber lassen." wollte ich rufen "Nein! Tu das nicht!" – denn schon in diesen wenigen Zeilen und der kurzen Zeit sehe ich die enorme Entwicklung, die Du Deinem Text angedeihen lässt! Ich finde es toll, wie Du die Kritik konstruktiv umsetzt. Und auch wenn es noch etwas hakelt (auf gut oberpfälzisch), meinen Zuspruch für den Mut, einen Text, der Dir am Herzen liegt sezieren zu lassen, hast Du allemal! (das steht mir erst noch bevor Wink )

Dass Emily jetzt den Beginn der Geschichte markiert und die Atmosphäre aus ihrer Perspektive erzählt wird, ist viel besser. Bleib dran! Das Bild des halbverfallenen Hauses im Nebelwald hat sich bei mir schon mal eingeprägt Smile

Grüße
Henry
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Rainer Zufall
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Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 06.09.2014 09:53    Titel: Antworten mit Zitat

Inmutanka schreibt:
Zitat:
Danke für das Lob. Ich habe allerdings auch schon vorgeworfen bekommen, ich würde den Leuten den Spaß am Schreiben nehmen mit meiner Pingeligkeit Embarassed

Die wissen nicht, was sie an dir haben!! Ein Hoch auf die Pingels! Very Happy
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Little Miss
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BeitragVerfasst am: 06.09.2014 15:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Inmutanka
Ich finde, Kritik ist sehr wichtig und die, die damit nicht umgehen wollen, werden sich auch nie oder nur sehr langsam verbessern können. Wer schreibt, muss - früher oder später - mit Kritik rechnen. Und Du kritisierst sehr gut und konstruktiv! smile

Muss mich erst noch an die Überarbeitung setzen, habe aber eine Frage: Wären die aufgezählten Verbesserungspunkte sogesehen orthographische Fehler? Oder zählt das mehr zum Stil?
Muss zugeben, ich liebe Wortspiele und sie auszuschmücken. Schreibe seit vielen Jahren textbasierte Rollenspiele und da gibt man sich in dieser Art eigentlich nie viel Mühe, da schreibt man mehr nur dass, was einem einfällt. Muss mir genau das abgewöhnen.
Z.B mag ich nicht immer nur schreiben: ¨Sie erklomm den Berg.¨
Sondern: ¨Sie setzte ihren Körper in Bewegung, um den Berg zu erklimmen.¨
Allerdings muss ich lernen, das gezielt einzusetzen und nicht bei alltäglichen Dingen wie: ¨Sie überquerte die Straße.¨ Da reicht auch dieser Satz.

Ich hoffe, ich kann das gut ausdrücken, was ich meine.

Wie genau war das gemeint, as der Lektor geraten hatte? Ich mag Kompliziertes und verstehe manchmal das Einfache nicht. Laughing
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