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2.2.2222 - Datum der Vernichtung


 

 
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OpenOcean
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Wohnort: Ahlen


BeitragVerfasst am: 15.08.2014 21:18    Titel: 2.2.2222 - Datum der Vernichtung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend,

bin jetzt gerade mitten drin in meinem zweiten Roman. Habe allerdings 5 verschiedene Ideen. Hier poste ich jetzt den Anfang meines Favoriten. Hoffe ich konnte mich weiter entwickeln und bin auf Kritik gespannt.

2.2.2222 – Datum der Vernichtung



Und der Tod warf die Sense weg und stieg auf den Mähdrescher, denn es war Krieg. (Autor unbekannt)



Sie zogen von Haus zu Haus. Es war immer der gleiche Ablauf, so wie sie es wahrscheinlich Jahre lang trainiert hatten. Zuerst an der Tür läuten, ohne weitere Erklärungen das Haus betreten, wenn möglich ohne Gewalt und leise. Wenn nötig mit Gewalt. Die Tür von innen verschließen. Mit den Maschinenpistolen alle Anwesenden per Kopfschuss töten. Keine Worte wechseln, keine Gefühle zeigen, keine Zeit vergeuden. Abschließend kontrollieren, ob kein lebender Mensch im Gebäude verblieben ist. Zum Schluss die Waffe wieder verstauen, dann zur nächsten Haustür übergehen.
Die Armeen marschierten unaufhaltsam und funktionierten scheinbar wie ein gnadenloses Uhrwerk.

Billy Kindel fühlte sich wie der König der Welt. Er würde befördert werden. Noch war es nicht offiziell, aber es war heute morgen bis zu ihm hin durchgesickert. Nächst Woche würde er dann aus erster Hand davon erfahren. Vielleicht ja gleich schon am Montag.
„Meine Damen und Herren, einen Applaus für Mr Kindel“, hörte er eine Stimme im Geiste vor sich. Die Frage war nur, ob er dann überrascht tun sollte. Wahrscheinlich war das unklug, denn ein sonderlich guter Schauspieler war Billy noch nie gewesen. Aber das musste er ja auch nicht sein. Nächste Woche war er Abteilungsleiter bei TechniUP, einem größeren amerikanischen Unternehmen für Softwaretechnik. Wer weiß vielleicht war er bald sogar im Vorstand. Wenn er noch ein Jahr lang so hart wie bisher weiter arbeiten würde. In seiner neuen Rolle hatte er ja ganz andere Möglichkeiten sich auszuzeichnen.
„Wenn sie mich lassen würden, könnte ich ohne Probleme den Laden übernehmen.“, dachte er bei sich.
Mit seiner Servierte tupfte er sich die Stirn ab. Der teure Rotwein zur Feier des Tages war ihm wohl doch zu Kopf gestiegen. Aber das konnte er angesichts dieser frohen Botschaft verschmerzen. Was Sindy wohl dazu sagen würde? Die Kleine aus der Buchhaltung war ihm in letzter Zeit sehr Nahe. Es war höchste Zeit sie nach einem Date zu fragen. Aber das würde er nächste Woche erledigen, als Abteilungsleiter. Sein Vater würde stolz auf ihn sein. Er war es ja ohnehin schon. Aber nun würde er vor Stolz förmlich abheben. Seine Mutter Rose würde sich selbstverständlich auch freuen. Hätte er sie heute noch anrufen sollen? Aber nein, dass könnte peinlich werden, wenn das Gerücht am Ende doch nur heiße Luft war. Bisher hatte er nur seinem besten Freund Randolf davon berichtet. Er kannte Randolf seit über 20 Jahren und wenn sich das Gerücht wider erwartend als Finte herausstellen sollte, könnte er es gegenüber ihm ohne weiteres ertragen. Randolf würde ihn auf seine scherzhafte Art wieder aufbauen. Es wäre keinerlei Problem.
Billy nahm noch einen weiteren großen Schluck und leerte damit sein Glas. Er bewegte sich zum Fenster. Seine Schritte waren mehr ein Trippeln, er tanzte förmlich hinüber. Wenn man Billy jetzt nicht kannte und ihn zum ersten Mal sah, würde man unweigerlich  an einen Homosexuellen denken. Schwach schien das Mondlicht zwischen den Wolken hervor. Auf der Kreuzung war wie immer selbst um diese späte Stunde noch viel Betrieb. Billy wohnte zur Miete in einem größeren Eckhaus mit der Hausnummer eins. Damit wurde ihm die zweifelhafte Ehre zuteil, dass sie zuerst zu ihm kamen. Als es hart an seiner Tür klopfte sah er irritiert auf seine Armbanduhr. Es war einige Sekunden nach Mitternacht. Wer sollte jetzt an der Tür klopfen? Er erwartete Niemanden. Am heutigen Samstag würde er früh aufstehen und zur Arbeit müssen. An seinem gewöhnlichen Tag würde er um diese Zeit längst im Bett liegen und nicht am Fenster stehen. Mit einem Gefühl von Spannung (Wer kann das bloß um diese Zeit sein?) schritt er zur Tür. Er spähte durch den Türspion. Ein ganz in schwarz gekleideter Mann stand dort. Hätte er eine Maske getragen, könnte man glatt an einen Einbrecher oder Bankräuber denken. Seine Gesichtszüge waren weder erschreckend, noch erhellend. Vielmehr wirkten sie kühl und ausdruckslos. Nervös strich Billy sich durch sein blondes Haar. Sein rechtes Auge begann leicht zu zucken. Er war ein selbstsicherer junger Mann, kein sonderlich ängstlicher Typ. Aber in diesem Fall schrillten bei ihm die Alarmglocken. Es wäre töricht gewesen diesen unbekannten Mann zu empfangen. Ein Vertreter für Staubsauger oder ein Mann von der Post würde es jedenfalls nicht sein. Gespannt schautet Billy weiter durch den engen Kreis. Würde der Kerl es an der nächsten Wohnungstür versuchen? Oder würde er gar Anstalten machen sich Zutritt zu seiner Wohnung zu verschaffen. Er erschauderte.
„Was machte wenn er sich an meiner Tür zu schaffen macht?“
Wirklich vorstellbar war das allerdings nicht für ihn. Nun ging der Fremde einen Schritt zurück. Billys Auge presste sich an den Spion. Was machte der Fremde da? Er konnte doch nicht-
Doch er konnte. Ehe Billy begriff, flog ihm das Türschloss um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Entweder war einer der Metallsplitter oder eine der Kugeln in ihn eingedrungen. Es war eine Maschinenpistole gewesen. Der Schmerz war heftig, aber so schlimm würde es schon nicht sein. Jedenfalls hatte er nun keine Zeit sich darum zu kümmern. Billy hatte sich umgewandt und hielt sich mit einer Hand den Bauch. Das warme Blut, welches seinen teuren Maßanzug durchtränkte spürte er kaum. Er rannte weg von der Tür. Er musste einfach weg. Vielleicht könnt er überleben. Vielleicht wenn er sich gut verstecken würde? Da wäre aber zwangsläufig das Problem mit der Blutspur, die er wie eine Wegbeschreibung hinter sich herzog. Aber warum...
Seine Gedanken waren abrupt abgerissen, wie eine Bildstörung mitten im Film. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, sie klappten einfach so weg. Die Magengegend fühlte sich an, wie nach einem Boxschlag in die selbige. Seine Körperfunktionen spielten verrückt, ein letztes Mal uriniert er, ohne sich dagegen wehren zu können. Das letzte was Billy spürte war des erlösende Ende des Schmerzes. Das ausdruckslose Gesicht über ihm nahm er gar nicht mehr war. Ebenso wie die Kugel, die punktgenau durch seine Stirnmitte in sein Gehirn schoss. Um zwei Minuten nach Mitternacht starb Billy Kindel. Um 03:20 Uhr starb sein Vater Marc an seiner Haustür, um 03:21 Uhr seine Mutter Rose, welche sich ängstlich unter ihre Bettdecke gekauert hatte. Um 10:20 Uhr starb sein bester Freund Randolf, der sich im Todeskampf aus seinem Fenster gestürzt hatte. Sindy, die Kleine aus der Buchhaltung bekam ihre Todeskugel um 19:57 Uhr. In ihrer Hand hielt sie ihr Telefon. Sie hatte Billy fragen wollen, ob bei ihm alles in Ordnung war. Sie war in Sorge, weil er nicht zur Arbeit erschienen war.

Stanley Charlton war ein mehr oder weniger erfolgloser Langzeitstudent. Er wohnte in Mumbai (Indien) in einer billigen Mietwohnung im 22. Stockwerk. Hier lebten überwiegend Studenten, Hilfsarbeiter, oder Rentner mit einer zu kleinen Rente. Es war gegen zehn Uhr morgens, also für ihn mitten in der Nacht, als er von einem klirrenden Geräusch geweckt wurde. Die Wände waren hier pappdünn, sodass für ihn nach dem ersten Schreck schnell klar war, dass der Laut aus der Nachbarwohnung gekommen sein musste. Jetzt klang es so, als ob etwas dumpf auf den Boden aufschlug. Stanley kratzte sich im Schritt und rappelte sich im Halbschlaf hoch. Er hasste das Aufstehen, noch dazu wenn es wie jetzt außerplanmäßig war. Ungepflegt kam er daher, obwohl er doch im Grunde ein ansehnlicher Kerl war. Am Vorabend hatte er einige Bier getrunken, aber jetzt war er wieder völlig nüchtern. Nur auf die Toilette musste er dringend. Er schlürfte den kurzen Weg, bis zu seiner Kloschüssel. Da er alleine war, hielt er es nicht für nötig, die Tür zu schließen. Nur in Boxershorts stand er da. An jenes Geräusch von nebenan dachte er schon nicht mehr. Gerade als er loslegen wollte, klopfte es bestimmt an seiner Haustür.
„Wer zur Hölle mochte das sein?“, fragte Stanley sich.
Eigentlich kam da nur sein bester Freund Piet in Frage.
„Vergiss es Piet! Ich lasse dich nicht rein! Geh nach Hause und schlaf deinen Rausch aus!“
In dem Moment flog die Tür auf. Stanley war völlig perplex und sah schon im Badezimmerspiegel, dass es nicht Piet war. Nein, der sah mehr aus wie ein Ninja, vielleicht war es auch der Tod persönlich. In jedem Fall drohte Unheil von diesem Kerl. Stanley machte sich vor Angst fast in seine nicht mehr vorhandene Hose. Instinktiv knallte er die Tür nach innen zu und sperrte sich so ein. Der Einbrecher kam zügig aber ohne Hast auf die Badezimmertür zu. Mit einem gezielten Tritt zerschmetterte der Angreifer die Klinke und das Türschloss. Er versuchte weiter ins Bad vorzudringen, aber noch war die Tür etwas blockiert. Ein zweiter Tritt war nötig.
Panisch wägte Stanley in den letzten zehn Sekunden, die ihm blieben, seine Optionen ab.

„Oh shit. Er kommt mich holen. Ich muss hier weg. Aber wohin? Keinen Ausweg, absolut keine Chance. Ich muss kämpfen. Eine Waffe. Ich brauche eine Waffe.“
Seine verschwitzte Hand zitterte als er seine Zahnbürste im Becher vom Brett nahm und sogleich wieder fallen ließ. Er riss hektisch sein Badezimmerschränkchen auf und sah hilfesuchend hinein.

Der mysteriöse Fremde hatte die Tür aufgetreten. Mit der Waffe voran schritt er in den Raum. Er suchte das Ziel, bereit abzudrücken. Er sah den jungen Studenten, der leicht größer als der Durchschnitt war, somit musste er noch ein kleines Stückchen höher zielen. Doch dann hatte er ihn fest im Visier, alles binnen wenigen hundertstel Sekunden. Sofort drückte er ab. Er traf auch genau in die Stirn, allerdings fiel Stanley nicht tot um. Denn es war nur dessen Spiegelbild. Stanley stand direkt neben der Tür, rücklings zum Angreifer. In der Hand hielt er eine Dose Deospray, welche er auf das Gesicht des Angreifers richten würde sobald dieser sich umdrehte. Genau dies geschah auch. Der dunkel gekleidete hielt sich vor Schmerz die Augen. Dennoch feuerte er, jedoch ohne zu treffen. Stanley trat ihn frontal in die Beine, schlug den Lauf der Waffe zur Seite und die nächsten Schüsse schlugen verstreut in seinem Badezimmer ein. Der Einbrecher verlor das Gleichgewicht und stürzte auf den Boden voller Scherben. Der Student stieg über den Unbekannten und rannte um sein Leben heraus aus seinen vier Wänden. In seiner Hand hatte er noch immer die Deospraydose.

„Ich muss die Polizei rufen. Scheiße! Scheiße! Scheiße! Mein Handy liegt noch in der Wohnung.“

Die Nachbarstür stand offen, also würde er von hier aus telefonieren. Eilig ging er hinein und verschloss die Tür von innen.

„Mrs. Mehra?“, rief er laut und rechnete mit dem Schlimmsten. Die alte Rentnerin war völlig wehrlos, wobei selbst wenn sie noch 20 Jahre jung gewesen wäre, hätte ihr das vermutlich auch nichts genutzt.

Er ging ins nächste Zimmer und dort lag sie tot vor ihm. Offensichtlich von hinten in den Kopf geschossen. Ihr Gesicht war voller Blut. Stanleys Magen krampfte sich zusammen. Seine Hände zitterten, als er zum Telefon griff. In der Küche roch es nach Verbranntem, leichter Rauch wob in kleinen Wölkchen in der Zweizimmerwohnung umher. Stanley überlegte gerade, woher der Rauch kam. Die beiden Kanarienvögel der Rentnerin lagen tot am Käfigboden. Der Student begriff sofort und öffnete ein Fenster. Da ertönte wieder dieser gezielte Tritt. Die Haustür wurde aufgetreten. Einmal, zweimal, dreimal. Stanley lies notgedrungen das Telefon fallen und griff wieder zum Deospray. Er positionierte sich in der Küche und blickte ins Wohn- und Schlafzimmer, wo auf dem Boden die blutige Leiche seiner Nachbarin lag. Jetzt wurde die Einrichtung von einer Salve Patronen völlig zerstört.

„Das gleiche wird er jetzt mit der Küche machen. Oh man, das war die dämlichste Idee, die ich je hatte. Mich hier hinzustellen. Mit einer Spraydose gegen eine Maschinenpistole. Ich muss hier weg, sofort!“

Die nächste Salve traf die Küche und zerstörte Töpfe, Pfannen und Geschirr. Zu der Zeit war Stanley schon aus dem Fenster auf die rostige alte Feuerleiter gestiegen. Zuletzt hatte er noch seine Dose in die kochend heiße Pfanne mit den verbrannten Rühreiern geworfen.

Nun sah er den schwarzen Eindringling über sich am Fenster. Die Waffe war nach unten auf ihn gerichtet.

„Das wars dann wohl. Ich habe die Wahl mich jetzt aus dem 21. Stock fallen zu lassen, oder hier oben abgeknallt zu werden!“

Bumm! Eine riesige Explosion zerlegte die Küche der Wohnung im 22. Stockwerk in ihre Einzelteile. Die Maschinenpistole sauste ohne seinen Besitzer so dicht an Stanleys Kopf vorbei, dass er den Windzug spürte. Die Feuerleiter zitterte von der Druckkraft der Detonation.

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Nihil
{ }

Moderator
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Beiträge: 7472



BeitragVerfasst am: 16.08.2014 01:37    Titel: Antworten mit Zitat

Gute Nacht, OpenOcean.

Die gute Nachricht zuerst. Irgendwie habe ich mich tatsächlich um zwanzig vor zwei (wie gut das zu deinem „Datum der Vernichtung“ passt, oder?) an deinem Ausschnitt festgelesen. Der mittelmäßig gute Teil der Nachricht ist, dass ich, von dem vorangestellten Zitat inspiriert, meine Schnetzel-und-Gemetzel-Stimme üben wollte. Als ich dann so weiterlas, wusste ich teilweise tatsächlich nicht mehr, ob du diese Geschichte ernst meinst – oder ob der Geschmack nach überzeichnetem Trash beabsichtigt war. Ich meine, 2.2.2222 – Datum der Vernichtung? Falls das tatsächlich echten Terror auslösen sollte, muss ich ein paar Dinge ansprechen, die zeigen, dass hier ganz viel quer läuft und unlogisch ist.

Schon die ersten Sätze zeigen das. Entweder muss man über sie den Kopf schütteln oder lachen, tut mir Leid.
Zitat:
Sie zogen von Haus zu Haus. Es war immer der gleiche Ablauf, so wie sie es wahrscheinlich Jahre lang trainiert hatten.

Dass du nicht sagen willst, wer „sie“ sind, soll Spannung erzeugen. Der Trick klappt in den wenigsten Fällen, aber darüber will ich gar nicht länger reden. Mich wurmt hier eher das „wahrscheinlich“. Wer ist der Erzähler hier? Dein erster POV-Charakter stirbt ziemlich flott, und an dieser Stelle wurde er noch nicht einmal vorgestellt. Weiß dein Erzähler also, wie diese Leute ausgebildet wurden oder nicht?
Zitat:
Zuerst an der Tür läuten, ohne weitere Erklärungen das Haus betreten, wenn möglich ohne Gewalt und leise.

Das hier steht in krassestem Widerspruch zu:
Zitat:
Wenn nötig mit Gewalt. Die Tür von innen verschließen. Mit den Maschinenpistolen alle Anwesenden per Kopfschuss töten. Keine Worte wechseln, keine Gefühle zeigen, keine Zeit vergeuden.

Nicht nur ist dieses Vorgehen völlig unlogisch. Warum klingeln? Um die Leute noch in der Haustür zu erschießen? Eine wirklich leise Liquidation. Dann noch die Tür von innen abschließen? Die Killer sollten doch bestenfalls keine Zeit verschwenden, warum also sich mit Schlüsselsuche, Abschließen und, nach getaner Arbeit, der selbst abgeschlossenen Tür behindern? Nicht nur ist das, wie gesagt, völlig unlogisch, sondern zeichnet auch ein widersprüchliches Bild dieser Agenten. Entweder heimlich und geschickt, dann aber nicht mit Maschinenpistolen. Oder brutal und effizient – so wie du sie im späteren Verlauf beschreibst. Beides zusammen  geht nicht.

Leider muss ich sagen, dass sich mein Eindruck im Folgenden nicht verbessert hat. Fast alles, was daneben gehen kann, geht hier schief. Und ich glaube, das liegt zu einem großen Teil daran, dass du dich nicht vorbereitet hast. Das heißt, du bist dir selbst noch nicht klar, was für eine Geschichte du eigentlich erzählen möchtest. Schon deine einleitenden Worte zeigen das, weil du dich zwischen fünf Ideen nicht entscheiden kannst. Auch der Text gibt darauf Hinweise. Das geht bei den vielen unnötigen Rechtschreibfehlern schon los, die bei mir das Gefühl einer Schnellschuss-Geschichte hinterlassen und geht bis zu Passagen, bei denen ich den Autor mit sich selber reden höre. Woran denkt man bei einer Beförderung noch so? Der stolze Vater, natürlich. Und die Mutter? Auch. Hätte er sich öfter bei ihnen melden sollen? Ne, er hat's ja nur Randolf erzählt. Das ist nicht nur klischeehaft, sondern bleibt auch blutleer und wenig plastisch, weil das Erzählte so lieblos aneinandergereiht und mit sprachlichen Klischees kommuniziert wird. Es gibt hier keine klare Linie, wann was und vor allem wie du erzählen willst. Noch dazu kommen dann die angesprochenen ungeschickten Beschreibungen, die unfreiwillig komisch wirken.
Zitat:
Ein ganz in schwarz gekleideter Mann stand dort. Hätte er eine Maske getragen, könnte man glatt an einen Einbrecher oder Bankräuber denken. Seine Gesichtszüge waren weder erschreckend, noch erhellend.

Einbrecher klingeln für gewöhnlich nicht an der Haustür und bitten darum, dass man sie reinlässt. Andererseits, professionelle Mörder machen das eigentlich auch nicht. Außerdem kann ein Gesicht nicht „erhellend“ sein, erst recht nicht als Gegensatz zu „erschreckend“. Erhellend sind höchstens philosophische Gespräche.
Zitat:
„Was machte wenn er sich an meiner Tür zu schaffen macht?“
Wirklich vorstellbar war das allerdings nicht für ihn.

Die ganze Zeit benutzt du erlebte Rede und lässt Billy dann einen Satz laut aussprechen. Und schreibst den auch noch falsch.
Zitat:
Es wäre töricht gewesen diesen unbekannten Mann zu empfangen.

Klingt nach Jane Austen.
Zitat:
Ehe Billy begriff, flog ihm das Türschloss um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Entweder war einer der Metallsplitter oder eine der Kugeln in ihn eingedrungen. Es war eine Maschinenpistole gewesen.

Maschinenpistolen sind zwar tödlich, reißen aber kein Metall auseinander. Dass Billy sich in diesem Schockzustand fragt, welches der tödlichen Projektile ihn jetzt genau getroffen hat, ist unglaubwürdig. Die Erleuchtung am Ende, dass es eben jene Maschinenpistole war, lässt die Szene vollends an der Realität vorbeilaufen.

Tut mir Leid, Ocean, ich höre hier besser auf. Du willst hier zu schnell zu spannend erzählen, weißt aber selbst anscheinend nicht, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Gib deinen Figuren mehr Zeit, zu existieren, bevor du sie gleich wieder tötest. Sonst kannst du doch keinen Roman mit ihnen schreiben. Mach dir Gedanken, wie die Umgebung aussieht, welches Umfeld deine Charaktere kennzeichnet, usw. und versuche dann, die wichtigsten Informationen möglichst unauffällig weiterzugeben. Und klopf bitte alles auf Logiklöcher ab. Klopfende Assassinen mit UZIs, die man noch drei Häuserblöcke weiter hört, dürften nicht besonders effektiv sein.

Nichts für ungut.
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Lotta
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Beiträge: 263
Wohnort: Wunderland


BeitragVerfasst am: 16.08.2014 08:18    Titel: Re: 2.2.2222 - Datum der Vernichtung Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

es gab spannende Elemente in dem Text, allerdings, wenn sich bei mir Spannung aufbaute, wurde sie vom Erzähler oft zu Nichte gemacht.
Die Rechtschreibung muss auch überarbeitet werden.
Ich würde abspecken. Der Text wirkt auf mich langatmig, er befasst sich mit unnützen Banalitäten, die für mich keinen Sinn ergeben.
Das Springen durch die Erzählweisen verwirren mich. Ich musste einige Passagen mehrmals lesen.
Ich hab mir mal nur einiges herausgepickt.


2.2.2222 – Datum der Vernichtung



Und der Tod warf die Sense weg und stieg auf den Mähdrescher, denn es war Krieg. (Autor unbekannt)



Sie zogen von Haus zu Haus. Es war immer der gleiche Ablauf, so wie sie es wahrscheinlich Jahre lang trainiert hatten.
Gib deinen Figuren Namen. Gut gewählte Namen kommen immer gut. Die Verwendung von Personalpronomen, und erst recht zu Beginn eines Thrillers, erzeugen nicht zwangsläufig Spannung.
Zuerst an der Tür läuten, ohne weitere Erklärungen das Haus betreten, wenn möglich ohne Gewalt und leise. Wenn nötig mit Gewalt. Die Tür von innen verschließen. Mit den Maschinenpistolen alle Anwesenden per Kopfschuss töten. Keine Worte wechseln, keine Gefühle zeigen, keine Zeit vergeuden. Abschließend kontrollieren, ob kein lebender Mensch im Gebäude verblieben ist. Zum Schluss die Waffe wieder verstauen, dann zur nächsten Haustür übergehen.Keinem Killer nehme ich solch unlogische Vorgehensweisen ab. Da muss ich nicht mal ein Thriller-Experte sein.
Die Armeen marschierten unaufhaltsam und funktionierten scheinbar wie ein gnadenloses Uhrwerk.

Billy Kindel fühlte sich wie der König der Welt. Er würde befördert werden.
Hier dachte ich, dass der Erzähler mit dem Namen des Killers rausrückt, und Billy Kindel wird für seine Taten vom Mossad befördert. Dann dachte ich an eine Rückblende. Bewusst so gewählt?

Noch war es nicht offiziell, aber es war heute morgen bis zu ihm hin durchgesickert. Nächst(e) Woche würde er dann aus erster Hand davon erfahren. Vielleicht ja gleich schon am Montag.
„Meine Damen und Herren, einen Applaus für Mr Kindel“, hörte er eine Stimme im Geiste vor sich.
Das ist sehr holprig. Ich würde den Absatz evtl. streichen.
Die Frage war nur, ob er dann überrascht tun sollte. Wahrscheinlich war das unklug, denn ein sonderlich guter Schauspieler war Billy noch nie gewesen. Aber das musste er ja auch nicht sein. Nächste Woche war er Abteilungsleiter bei TechniUP, einem größeren amerikanischen Unternehmen für Softwaretechnik. Wer weiß vielleicht war er bald sogar im Vorstand. Wenn er noch ein Jahr lang so hart wie bisher weiter arbeiten würde. In seiner neuen Rolle hatte er ja ganz andere Möglichkeiten sich auszuzeichnen.
Hier würde ich kräftig abspecken.

„Wenn sie mich lassen würden, könnte ich ohne Probleme den Laden übernehmen.“, dachte er. bei sich

Mit seiner Servierte tupfte er sich die Stirn ab. Der teure Rotwein zur Feier des Tages worauf trinkt der denn? war ihm wohl doch zu Kopf gestiegen. Aber das konnte er angesichts dieser frohen Botschaft verschmerzen. Was Sindy wohl dazu sagen würde? Die Kleine aus der Buchhaltung war ihm in letzter Zeit sehr Nahe. Es war höchste Zeit sie nach einem Date zu fragen. Aber das würde er nächste Woche erledigen, als Abteilungsleiter. Sein Vater würde stolz auf ihn sein. Er war es ja ohnehin schon. Aber nun würde er vor Stolz förmlich abheben. Seine Mutter Rose würde sich selbstverständlich auch freuen. Hätte er sie heute noch anrufen sollen? Aber nein, dass könnte peinlich werden, wenn das Gerücht am Ende doch nur heiße Luft war. Bisher hatte er nur seinem besten Freund Randolf davon berichtet. Er kannte Randolf seit über 20 Jahren und wenn sich das Gerücht wider erwartend als Finte herausstellen sollte, evtl: ...sollte sich das Gerücht als Finte herausstellen.." könnte er es gegenüber ihm ohne weiteres ertragen.

Randolf würde ihn auf seine scherzhafte Art wieder aufbauen. Es wäre keinerlei Problem. evtl. "So war es immer."

Billy nahm noch einen weiteren großen Schluck und leerte damit sein Glas. "Billy lehrte das Glas mit einem Zug." Er bewegte sich zum Fenster. Seine Schritte waren mehr ein Trippeln, er tanzte förmlich hinüber. Wenn man Billy jetzt nicht kannte "wer Billy nicht kannte" und ihn zum ersten Mal sah, würde man unweigerlich  an einen Homosexuellen denken. Stellt für mich ein Stigma dar. Ein weit verbreitetes Klischee, das zumeist nicht stimmt. Schwach schien das Mondlicht zwischen den Wolken hervor. Auf der Kreuzung war wie immer selbst um diese späte Stunde noch viel Betrieb. Billy wohnte zur Miete in einem größeren Eckhaus mit der Hausnummer eins.
Damit wurde ihm die zweifelhafte Ehre zuteil, dass sie zuerst zu ihm kamen. Damit nimmst du mir die Spannung.
Als es hart an seiner Tür klopfte sah er irritiert auf seine Armbanduhr. Es war einige Sekunden nach Mitternacht. Billy guckt auf die Sekunden?

Wer sollte jetzt an der Tür klopfen? "Wer mag das sein?" Er erwartete Niemanden. Am heutigen Samstag würde er früh aufstehen und zur Arbeit müssen. An seinem gewöhnlichen Tag würde er um diese Zeit längst im Bett liegen und nicht am Fenster stehen.
Auch das interessiert mich, ehrlich gesagt, nicht. Oder, du verpasst dem Absatz etwas Würze.

Mit einem Gefühl von Spannung "Gespannt - besser noch - die Spannung beschreiben. (Wer kann das bloß um diese Zeit sein?) schritt er zur Tür. Er spähte durch den Türspion. Ein ganz in schwarz gekleideter Mann stand dort. Hätte er eine Maske getragen, könnte man glatt an einen Einbrecher oder Bankräuber denken. Seine Gesichtszüge waren weder erschreckend, noch erhellend. Vielmehr wirkten sie kühl und ausdruckslos.
Stelle ich mich als Profikiller so an? Erkennt man  solche Details durch den Spion?

Nervös strich Billy sich durch sein blondes Haar. Sein rechtes Auge begann leicht zu zucken. "Sein rechtes Auge zuckte." Er war ein selbstsicherer junger Mann, kein sonderlich ängstlicher Typ. Aber in diesem Fall schrillten bei ihm die Alarmglocken. Es wäre töricht gewesen diesen unbekannten Mann zu empfangen. Der Satz ergibt für mich überhaupt keinen Sinn.

 Ein Vertreter für Staubsauger oder ein Mann von der Post würde es jedenfalls nicht sein. würde ich weglassen. Gespannt schautet Billy weiter durch den engen Kreis. Würde der Kerl es an der nächsten Wohnungstür versuchen? Oder würde er gar Anstalten machen sich Zutritt zu seiner Wohnung zu verschaffen.
Schlag mich, aber gibt es enge Kreise? Und wieder greift der Erzähler dem Leser voraus. Der Text springt durch die Erzählweisen, die mich verwirren.

Hier mach ich erst mal Schluss.

LG., Lotta
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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 17.08.2014 21:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nihil hat Folgendes geschrieben:
Gute Nacht, OpenOcean.



Tut mir Leid, Ocean, ich höre hier besser auf. Du willst hier zu schnell zu spannend erzählen, weißt aber selbst anscheinend nicht, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Gib deinen Figuren mehr Zeit, zu existieren, bevor du sie gleich wieder tötest.

Nichts für ungut.


ich könnte jetzt sehr ausführlich darauf eingehen - aber werden mir jetzt nur die zwei wichtigsten Dinge hier ansprechen

zum einen, das mit den fünf Ideen von mir mein dass ich fünf verschiedene Werke angefangen habe. Allerdings hat das nichts mit der Qualität von diesem zu tun. Ich weiß schon worauf es hier hinauslaufen soll. Jedenfalls die grobe Richtung.

zum anderen: Billy Kindel stirbt bewusst schnell in dieser ersten Szene, denn hier wird erzählt wie der normale Ablauf der Killer ist. Also wenn es für sie gut läuft. Daraufhin folgen nach und nach die Hauptpersonen die es schaffen zu überleben.

Aber ich merk schon anscheind reicht es bei mir einfach schreibtechnisch im Allgemeinen nicht...
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Lee Ares
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

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BeitragVerfasst am: 17.08.2014 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

OpenOcean hat Folgendes geschrieben:


Aber ich merk schon anscheind reicht es bei mir einfach schreibtechnisch im Allgemeinen nicht...


Von wo kommt dass den nun? Nach zwei wirklich konstuktiven Verbesserungsvorschlägen gibt man doch nicht gleich auf. Im Übrigen - Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Laughing

So, ich hoffe ich kann dir ein wenig helfen:
Erstens, im Gegensatz zu Lotta gefallen mir die Ausschweifungen zu den einzelnen Charaktern. Es erweckt erst den Eindruck, dass Billy die Hauptperson wird. (Ich denke mal, es bleibt bei den zwei Personen. Höchstens vielleicht noch eine, dann würde es mir wohl reichen mit der Vorgehensweise der Killer)



Sie zogen von Haus zu Haus. Es war immer der gleiche Ablauf, so wie sie es wahrscheinlich Jahre lang trainiert hatten. Zuerst an der Tür läuten, ohne weitere Erklärungen das Haus betreten, wenn möglich ohne Gewalt und leise. Wenn nötig mit Gewalt. Die Tür von innen verschließen. Mit den Maschinenpistolen alle Anwesenden per Kopfschuss töten. Keine Worte wechseln, keine Gefühle zeigen, keine Zeit vergeuden. Abschließend kontrollieren, ob kein lebender Mensch im Gebäude verblieben ist. Zum Schluss die Waffe wieder verstauen, dann zur nächsten Haustür übergehen.
Das ergibt für mich kaum Sinn. Hört der Nachbar nicht, dass in der Wohnung nebenan mit Maschienengewehren geschossen wird?


Billy Kindel fühlte sich wie der König der Welt. Er würde befördert werden. Noch war es nicht offiziell, aber es war heute morgen bis zu ihm hin durchgesickert. Nächst Woche würde er dann aus erster Hand davon erfahren. Vielleicht ja gleich schon am Montag.
„Meine Damen und Herren, einen Applaus für Mr Kindel“, hörte er eine Stimme im Geiste vor sich. Die Frage war nur, ob er dann überrascht tun sollte. Wahrscheinlich war das unklug, denn ein sonderlich guter Schauspieler war Billy noch nie gewesen. Aber das musste er ja auch nicht sein. Nächste Woche war er Abteilungsleiter bei TechniUP, einem größeren amerikanischen Unternehmen für Softwaretechnik. Wer weiß vielleicht war er bald sogar im Vorstand. Wenn er noch ein Jahr lang so hart wie bisher weiter arbeiten würde. In seiner neuen Rolle hatte er ja ganz andere Möglichkeiten sich auszuzeichnen.
„Wenn sie mich lassen würden, könnte ich ohne Probleme den Laden übernehmen.“, dachte er.
Mit seiner Servierte tupfte er sich die Stirn ab. Der teure Rotwein zur Feier des Tages war ihm wohl doch zu Kopf gestiegen. Aber das konnte er angesichts dieser frohen Botschaft verschmerzen. Was Sindy wohl dazu sagen würde? Die Kleine aus der Buchhaltung war ihm in letzter Zeit sehr Nahe. Es war höchste Zeit sie nach einem Date zu fragen. Aber das würde er nächste Woche erledigen, als Abteilungsleiter. Sein Vater würde stolz auf ihn sein. [Evlt: Noch stolzer sein] Er war es ja ohnehin schon. Aber nun würde er vor Stolz förmlich abheben. Seine Mutter Rose würde sich selbstverständlich auch freuen. Hätte er sie heute noch anrufen sollen? Aber nein, dass könnte peinlich werden, wenn das Gerücht am Ende doch nur heiße Luft war. Bisher hatte er nur seinem besten Freund Randolf davon berichtet. Er kannte Randolf seit über 20 Jahren und wenn sich das Gerücht wider erwartend als Finte herausstellen sollte, könnte er es gegenüber ihm ohne weiteres ertragen. Randolf würde ihn auf seine scherzhafte Art wieder aufbauen. Es wäre keinerlei Problem.
Billy nahm noch einen weiteren großen Schluck und leerte damit sein Glas. Er bewegte sich zum Fenster. Seine Schritte waren mehr ein Trippeln, er tanzte förmlich hinüber. Wenn man Billy jetzt nicht kannte und ihn zum ersten Mal sah, würde man unweigerlich an einen Homosexuellen denken. [Aha? Homosexuelle erkennt man also daran, das sie trippeln und nicht laufen? Wink  Kommt mir ein bisschen Klischeehaft rüber.] Schwach schien das Mondlicht zwischen den Wolken hervor. Auf der Kreuzung war wie immer selbst um diese späte Stunde noch viel Betrieb. Billy wohnte zur Miete in einem größeren Eckhaus mit der Hausnummer eins. Damit wurde ihm die zweifelhafte Ehre zuteil, dass sie zuerst zu ihm kamen. Als es hart an seiner Tür klopfte sah er irritiert auf seine Armbanduhr. Es war einige Sekunden nach Mitternacht. Wer sollte jetzt an der Tür klopfen? Er erwartete Niemanden. Am heutigen Samstag würde er früh aufstehen und zur Arbeit müssen. An seinem gewöhnlichen Tag würde er um diese Zeit längst im Bett liegen und nicht am Fenster stehen. Mit einem Gefühl von Spannung (Wer kann das bloß um diese Zeit sein?) schritt er zur Tür. Er spähte durch den Türspion. Ein ganz in schwarz gekleideter Mann stand dort. Hätte er eine Maske getragen, könnte man glatt an einen Einbrecher oder Bankräuber denken. Seine Gesichtszüge waren weder erschreckend, noch erhellend. [Verwirrt mich der Satz. Wie sollen Gesichtszüge erschreckend oder erhellend sein?] Vielmehr wirkten sie kühl und ausdruckslos. Nervös strich Billy sich durch sein blondes Haar. Sein rechtes Auge begann leicht zu zucken. Er war ein selbstsicherer junger Mann, kein sonderlich ängstlicher Typ. Aber in diesem Fall schrillten bei ihm die Alarmglocken. Es wäre töricht gewesen diesen unbekannten Mann zu empfangen. Ein Vertreter für Staubsauger oder ein Mann von der Post würde es jedenfalls nicht sein. Gespannt schautet Billy weiter durch den engen Kreis. Würde der Kerl es an der nächsten Wohnungstür versuchen? Oder würde er gar Anstalten machen sich Zutritt zu seiner Wohnung zu verschaffen. Er erschauderte.
„Was machte wenn er sich an meiner Tür zu schaffen macht?“ [Warum wörtliche Rede?]
Wirklich vorstellbar war das allerdings nicht für ihn. Nun ging der Fremde einen Schritt zurück. Billys Auge presste sich an den Spion. Was machte der Fremde da? Er konnte doch nicht-
Doch er konnte. Ehe Billy begriff, flog ihm das Türschloss um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Entweder war einer der Metallsplitter oder eine der Kugeln in ihn eingedrungen. Es war eine Maschinenpistole gewesen. Der Schmerz war heftig, aber so schlimm würde es schon nicht sein. Jedenfalls hatte er nun keine Zeit sich darum zu kümmern. Billy hatte sich umgewandt und hielt sich mit einer Hand den Bauch. Das warme Blut, welches seinen teuren Maßanzug durchtränkte spürte er kaum. Er rannte weg von der Tür. Er musste einfach weg. Vielleicht könnt er überleben. Vielleicht wenn er sich gut verstecken würde? Da wäre aber zwangsläufig das Problem mit der Blutspur, die er wie eine Wegbeschreibung hinter sich herzog. Aber warum... [Ich glaube in solch einer Situation würde man einfach um sein Leben rennen und sich keine Sorgen um eine Blutspur machen]
Seine Gedanken waren abrupt abgerissen, wie eine Bildstörung mitten im Film. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, sie klappten einfach so weg. Die Magengegend fühlte sich an, wie nach einem Boxschlag in die selbige. Seine Körperfunktionen spielten verrückt, ein letztes Mal uriniert er, ohne sich dagegen wehren zu können. Das letzte was Billy spürte war des erlösende Ende des Schmerzes. Das ausdruckslose Gesicht über ihm nahm er gar nicht mehr war. Ebenso wie die Kugel, die punktgenau durch seine Stirnmitte in sein Gehirn schoss. Um zwei Minuten nach Mitternacht starb Billy Kindel. Um 03:20 Uhr starb sein Vater Marc an seiner Haustür, um 03:21 Uhr seine Mutter Rose, welche sich ängstlich unter ihre Bettdecke gekauert hatte. Um 10:20 Uhr starb sein bester Freund Randolf, der sich im Todeskampf aus seinem Fenster gestürzt hatte. Sindy, die Kleine aus der Buchhaltung bekam ihre Todeskugel um 19:57 Uhr. In ihrer Hand hielt sie ihr Telefon. Sie hatte Billy fragen wollen, ob bei ihm alles in Ordnung war. Sie war in Sorge, weil er nicht zur Arbeit erschienen war.

Stanley Charlton war ein mehr oder weniger erfolgloser Langzeitstudent. Er wohnte in Mumbai (Indien) in einer billigen Mietwohnung im 22. Stockwerk. Hier lebten überwiegend Studenten, Hilfsarbeiter, oder Rentner mit einer zu kleinen Rente. Es war gegen zehn Uhr morgens, also für ihn mitten in der Nacht,[Schreib lieber die Uhrzeit von Mumbai auf] als er von einem klirrenden Geräusch geweckt wurde. Die Wände waren hier pappdünn, sodass für ihn nach dem ersten Schreck schnell klar war, dass der Laut aus der Nachbarwohnung gekommen sein musste. Jetzt klang es so, als ob etwas dumpf auf den Boden aufschlug. [Ein Schuss in den Kopf hört man und man hört wahrscheinlich auch, dass es ein Schuss war.] Stanley kratzte sich im Schritt und rappelte sich im Halbschlaf hoch. Er hasste das Aufstehen, noch dazu wenn es wie jetzt außerplanmäßig war. Ungepflegt kam er daher, obwohl er doch im Grunde ein ansehnlicher Kerl war. Am Vorabend hatte er einige Bier getrunken, aber jetzt war er wieder völlig nüchtern. Nur auf die Toilette musste er dringend. Er schlürfte den kurzen Weg, bis zu seiner Kloschüssel. Da er alleine war, hielt er es nicht für nötig, die Tür zu schließen. Nur in Boxershorts stand er da. An jenes Geräusch von nebenan dachte er schon nicht mehr. Gerade als er loslegen wollte, klopfte es bestimmt an seiner Haustür.
„Wer zur Hölle mochte das sein?“, fragte Stanley sich. [Auch hier: Wörtliche Rede?]
Eigentlich kam da nur sein bester Freund Piet in Frage.
„Vergiss es Piet! Ich lasse dich nicht rein! Geh nach Hause und schlaf deinen Rausch aus!“
In dem Moment flog die Tür auf. Stanley war völlig perplex und sah schon im Badezimmerspiegel, dass es nicht Piet war. Nein, der sah mehr aus wie ein Ninja, vielleicht war es auch der Tod persönlich. In jedem Fall drohte Unheil von diesem Kerl. Stanley machte sich vor Angst fast in seine nicht mehr vorhandene Hose. Instinktiv knallte er die Tür nach innen zu und sperrte sich so ein. Der Einbrecher kam zügig aber ohne Hast auf die Badezimmertür zu. Mit einem gezielten Tritt zerschmetterte der Angreifer die Klinke und das Türschloss. Er versuchte weiter ins Bad vorzudringen, aber noch war die Tür etwas blockiert. Ein zweiter Tritt war nötig.
Panisch wägte Stanley in den letzten zehn Sekunden, die ihm blieben, seine Optionen ab.

„Oh shit. Er kommt mich holen. Ich muss hier weg. Aber wohin? Keinen Ausweg, absolut keine Chance. Ich muss kämpfen. Eine Waffe. Ich brauche eine Waffe.“
Seine verschwitzte Hand zitterte als er seine Zahnbürste im Becher vom Brett nahm und sogleich wieder fallen ließ. Er riss hektisch sein Badezimmerschränkchen auf und sah hilfesuchend hinein.

Der mysteriöse Fremde hatte die Tür aufgetreten. Mit der Waffe voran schritt er in den Raum. Er suchte das Ziel, bereit abzudrücken. Er sah den jungen Studenten, der leicht größer als der Durchschnitt war, somit musste er noch ein kleines Stückchen höher zielen. Doch dann hatte er ihn fest im Visier, alles binnen wenigen hundertstel Sekunden. Sofort drückte er ab. Er traf auch genau in die Stirn, allerdings fiel Stanley nicht tot um. Denn es war nur dessen Spiegelbild. [Ausgebildeter Killer verwechselt echte Person mit Spiegelbild? Klingt unlogisch für mich] Stanley stand direkt neben der Tür, rücklings zum Angreifer. In der Hand hielt er eine Dose Deospray, welche er auf das Gesicht des Angreifers richten würde sobald dieser sich umdrehte. Genau dies geschah auch. Der dunkel gekleidete hielt sich vor Schmerz die Augen. Dennoch feuerte er, jedoch ohne zu treffen. Stanley trat ihn frontal in die Beine, schlug den Lauf der Waffe zur Seite und die nächsten Schüsse schlugen verstreut in seinem Badezimmer ein. Der Einbrecher verlor das Gleichgewicht und stürzte auf den Boden voller Scherben. Der Student stieg über den Unbekannten und rannte um sein Leben heraus aus seinen vier Wänden. In seiner Hand hatte er noch immer die Deospraydose.

„Ich muss die Polizei rufen. Scheiße! Scheiße! Scheiße! Mein Handy liegt noch in der Wohnung.“

Die Nachbarstür stand offen, also würde er von hier aus telefonieren. Eilig ging er hinein und verschloss die Tür von innen.

„Mrs. Mehra?“, rief er laut und rechnete mit dem Schlimmsten. Die alte Rentnerin war völlig wehrlos, wobei selbst wenn sie noch 20 Jahre jung gewesen wäre, hätte ihr das vermutlich auch nichts genutzt.

Er ging ins nächste Zimmer und dort lag sie tot vor ihm. Offensichtlich von hinten in den Kopf geschossen. Ihr Gesicht war voller Blut. Stanleys Magen krampfte sich zusammen. [soweit ich weiß, ist da nicht nur Blut bei einem Kopfschuss, sondern auch Gehirnmasse.] Seine Hände zitterten, als er zum Telefon griff. In der Küche roch es nach Verbranntem, leichter Rauch wob in kleinen Wölkchen in der Zweizimmerwohnung umher. Stanley überlegte gerade, woher der Rauch kam. Die beiden Kanarienvögel der Rentnerin lagen tot am Käfigboden. Der Student begriff sofort und öffnete ein Fenster. Da ertönte wieder dieser gezielte Tritt. Die Haustür wurde aufgetreten. Einmal, zweimal, dreimal. Stanley lies notgedrungen das Telefon fallen und griff wieder zum Deospray. Er positionierte sich in der Küche und blickte ins Wohn- und Schlafzimmer, wo auf dem Boden die blutige Leiche seiner Nachbarin lag. Jetzt wurde die Einrichtung von einer Salve Patronen völlig zerstört.

„Das gleiche wird er jetzt mit der Küche machen. Oh man, das war die dämlichste Idee, die ich je hatte. Mich hier hinzustellen. Mit einer Spraydose gegen eine Maschinenpistole. Ich muss hier weg, sofort!“ [Sagt/denkt er das wirklich? In so einer Sitaution würde ich nur denken: wo ist der nächste Fluchtweg?]

Die nächste Salve traf die Küche und zerstörte Töpfe, Pfannen und Geschirr. Zu der Zeit war Stanley schon aus dem Fenster auf die rostige alte Feuerleiter gestiegen. Zuletzt hatte er noch seine Dose in die kochend heiße Pfanne mit den verbrannten Rühreiern geworfen.

Nun sah er den schwarzen Eindringling über sich am Fenster. Die Waffe war nach unten auf ihn gerichtet.

„Das wars dann wohl. Ich habe die Wahl mich jetzt aus dem 21. Stock fallen zu lassen, oder hier oben abgeknallt zu werden!“

Bumm! Eine riesige Explosion zerlegte die Küche der Wohnung im 22. Stockwerk in ihre Einzelteile. Die Maschinenpistole sauste ohne seinen Besitzer so dicht an Stanleys Kopf vorbei, dass er den Windzug spürte. Die Feuerleiter zitterte von der Druckkraft der Detonation.



Verseh mich nicht falsch: Beim ersten Lesen hat mich deine Geschichte wirklich gefesselt und das ist ein sehr gutes Zeichen.
Andererseits sind da diese kleinen Fehler. Zum Teil Unlogisch, zum Teil Sprachlich. Oft sind es diese kleinen Füllwörter (wie ich dir am Anfang deines Textes gezeigt habe) die man erst beim zweiten Drüberlesen sieht. Oder wenn man sich seinen eigenen Text laut vorliest.

Fünf Geschichten auf Einmal klingt erstmal viel, aber niemand will dir hier was unterstellen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, mich komplett nur auf eine zu konzentrieren - dann fallen die Recherchearbeiten auch leichter.


Liebe Grüße! Wink
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Lotta
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

Lee Ares hat Folgendes geschrieben:
OpenOcean hat Folgendes geschrieben:


Erstens, im Gegensatz zu Lotta gefallen mir die Ausschweifungen zu den einzelnen Charaktern. Es erweckt erst den Eindruck, dass Billy die Hauptperson wird. (Ich denke mal, es bleibt bei den zwei Personen. Höchstens vielleicht noch eine, dann würde es mir wohl reichen mit der Vorgehensweise der Killer)

*******

Hallo Lee Ares,

hm, also, wenn ich den Text lese, dann bin ich aufgeregt, so wie hier in OpenOceans Text. Ich bin am Fingernägel knabbern und dann lese ich, wie er befördert wird, Applaus, ihn der Papa dafür noch mehr ehren wird, wann er sonst des Morgens aufsteht usw.

Die Idee gefällt mir, der Text hat Potential, aber es muss mE noch gefeilt werden (siehst du ja ähnlich.) Diese Ausschweifungen geben mir nichts. Sie stehen einzeln für sich dort und erscheinen mir belanglos und lenken mich ab. Ich neige dann, zu überlesen und irgendwann im Roman fange ich an rückwärts zu lesen, weil mir die Infos fehlen.

Aber! Kriegt es OpenOcean hin, das so zu schreiben, dass ich  kleine/kurze  Eckdaten zu Person und evtl. auch Kontext bekomme, dann wäre das super. Es ist möglich, dem Leser Infos zukommen zu lassen, ohne, dass es der Autor in dieser Ausführlichkeit vermittelt. Mir hat mal jemand gesagt: "Gib dem Leser am Besten im ersten Satz alle wichtigen Infos zur Person und zum Setting. Oder auch in wenigen Sätzen."

Das beste Beispiel brachte OpenOcean selbst:

"Und der Tod warf die Sense weg und stieg auf den Mähdrescher, denn es war Krieg." (Autor unbekannt)

Dann vielleicht noch, mir kommt Billy Kindel sehr unsymphatisch rüber. Aber das empfinden andere gewiss ganz anders. Das ist so´ne subjektive Kiste und vollkommen legitim. Von daher mE nicht weiter zu betrachten, denn der ist ja schon in der ersten Seite tot.

Ich müsste sehen, wie´s weiter geht, dann würde sich vielleicht einiges erklären...?

Edit: An dem Absatz, den ich zu streichen empfohlen habe, habe ich eine ganze Zeit gesessen und dran rumgeknabbert. Mir ist leider nichts eingefallen. Aber das soll kein Maßstab sein, ich schreibe in einem anderen Genre. Und trotzdem, ich habe viele Thriller gelesen.
Ich denke, aus dem Absatz kann man durchaus was machen.

LG., Lotta
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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 21:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hey vielen dank für die ganzen hilfreichen tipps

ich habe ja eben genau meinen Favoriten hier rein gestellt, weil ich mich auf diesen konzentrieren wollte. Daher wollte ich die Gewisstheit haben, ob ich mit dem richtig liege. Und vor allem ob ich einen Schritt nach vorne gemacht habe. Denn ich hatte hier mal gelesen dass es meist beim 3. oder 4. Werk oder noch später wenn überhaupt zu einem Durchbruch kommt.

edit: Sieht ganz so aus als ob ich auf MP mit Schalldämpfern umsteigen werde.

edit2: Ich habe noch eine ganz konkrete Frage. Wie kann ich das besser machen? Wie würdet ihr das schreiben:

Ehe Billy begriff, flog ihm das Türschloss um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Entweder war einer der Metallsplitter oder eine der Kugeln in ihn eingedrungen. Es war eine Maschinenpistole gewesen.
---
Dass Billy sich in diesem Schockzustand fragt, welches der tödlichen Projektile ihn jetzt genau getroffen hat, ist unglaubwürdig.
---
Dieser "Fehler" passiert mir anscheind öfter. Das ich die Akteure Dinge denken lasse die völlig unlogisch sind. Eigentlich sollte es eine erzählende Aussage sein und kein Gedanke dieser Person.
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Lee Ares
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 21:55    Titel: Antworten mit Zitat

OpenOcean hat Folgendes geschrieben:
hey vielen dank für die ganzen hilfreichen tipps

ich habe ja eben genau meinen Favoriten hier rein gestellt, weil ich mich auf diesen konzentrieren wollte. Daher wollte ich die Gewisstheit haben, ob ich mit dem richtig liege. Und vor allem ob ich einen Schritt nach vorne gemacht habe. Denn ich hatte hier mal gelesen dass es meist beim 3. oder 4. Werk oder noch später wenn überhaupt zu einem Durchbruch kommt.


Manche veröffentlichen auch schon ihr aller erstes Manuskript - bei jedem ist das Anders. Aber umso mehr übung - umos besser wird man! Very Happy


OpenOcean hat Folgendes geschrieben:
edit2: Ich habe noch eine ganz konkrete Frage. Wie kann ich das besser machen? Wie würdet ihr das schreiben:

Ehe Billy begriff, flog ihm das Türschloss um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Entweder war einer der Metallsplitter oder eine der Kugeln in ihn eingedrungen. Es war eine Maschinenpistole gewesen.
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Dass Billy sich in diesem Schockzustand fragt, welches der tödlichen Projektile ihn jetzt genau getroffen hat, ist unglaubwürdig.
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Dieser "Fehler" passiert mir anscheind öfter. Das ich die Akteure Dinge denken lasse die völlig unlogisch sind. Eigentlich sollte es eine erzählende Aussage sein und kein Gedanke dieser Person.


Wenn es eine erzählende Aussage ist, warum schreibst du dann "Oder?" Der akutorialer Erzähler hat ja den kompletten Überblick über das Geschehen.
Also weiß er, ob es nun eine Kugel ist oder ein Metallsplitter ist.

Das du da "entweder, oder" schreibst kommt für mich so rüber, wie die Gedanken einer Person.
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 22:02    Titel: Re: 2.2.2222 - Datum der Vernichtung Antworten mit Zitat

OpenOcean hat Folgendes geschrieben:

2.2.2222 – Datum der Vernichtung



Und der Tod warf die Sense weg und stieg auf den Mähdrescher, denn es war Krieg. (Autor unbekannt)



Sie zogen von Haus zu Haus. Es war immer der gleiche Ablauf. Keine Worte wechseln. Keine Gefühle zeigen. Keine Zeit vergeuden.
Die Armeen marschierten unaufhaltsam und funktionierten wie ein gnadenloses Uhrwerk.

Billy Kindel fühlte sich wie der König der Welt. …

Sindy, die Kleine aus der Buchhaltung, bekam ihre Todeskugel um 19:57 Uhr. In ihrer Hand hielt sie ihr Telefon. Sie hatte Billy fragen wollen, ob bei ihm alles in Ordnung war. Sie war in Sorge, weil er nicht zur Arbeit erschienen war.

Stanley Charlton war ein mehr oder weniger erfolgloser Langzeitstudent.


Hallo OpenOcean,

ob du Fortschritte gemacht hast, kann ich nicht sagen, dazu fehlt mir der Vergleich.

Aber diese Geschichte hat Potential, wie ich finde.

Ich habe dein Intro einmal verkürzt. Alles andere, das du dort in deinem Text schilderst, zeigst du am besten in der Billy Szene.

Den abrupten Wechsel finde ich persönlich gut gelungen. Bring dem Leser Billy nah. Der Leser muss Billy kennenlernen. Sich mit ihm freuen. Baue dann langsam das Bedrohungsszenario auf, das der Leser beginnt, sich um Billy zu sorgen, bis schließlich zum finalen Ende. Und vor allem, frage dich, ob es logisch nachvollziehbar ist, was du schreibst.

Sehr gut finde ich die Passage mit Sindy. Alles ist gesagt. Kein Wort zu viel und keins zu wenig. Passt.

Und dann kommt Stanley, der erste der eine Chance hat. Zeichne ihn so weit, dass er für den Leser zu einer glaubhaften Figur wird, mit der er mitfiebern kann. Für eingehende Charakterstudien hast du dann im Verlauf der Geschichte noch genug Zeit. Lass ihn entkommen und auf weitere Überlebende treffen, die dann den Widerstand organisieren.

Für mich hat deine Geschichte Potential. Auch dein Aufbau ist gelungen, finde ich. Woran es mangelt ist die Logik in vielen Passagen, wie dir die Kommentatoren aufgezeigt haben.

Es lohnt sich daran zu arbeiten, finde ich und ich sehe keinen Grund für den Schredder.


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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 22:18    Titel: Antworten mit Zitat

OpenOcean hat Folgendes geschrieben:

Ehe Billy begriff, flog ihm das Türschloss um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Entweder war einer der Metallsplitter oder eine der Kugeln in ihn eingedrungen. Es war eine Maschinenpistole gewesen.


Billy sah die Tür aufspringen und dann die Waffe. Als er auf dem Boden aufschlug, war er bereits tot.

(So ungefähr, mal auf die Schnelle als Gedanke für dich. Die Soldaten sind effektiv.)


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Papa Schlumpf
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 22:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
nur kurz mein Eindruck: Damit der rechte Thrill aufkommt, braucht es eine entsprechende Atmosphäre, es reicht nicht, ordentlich Blut und andere Körperflüssigkeiten aus den Buchseiten tropfen zu lassen. Hitchkock verzichtete darauf, weil er wusste: Der Schrecken spielt sich im Kopf des Zuschauers / Lesers ab. Würden die Beweggründe der schwarz gekleideten Herren beleuchtet oder die potentiellen Opfer sympathisch und nett gezeichnet, dass der Leser eine Beziehung zu ihnen aufbaut, oder wenigstens ein Grund erwähnt, weshalb keiner weiß, dass da Killer durch die Straßen laufen, die alles, was ihnen vor die Flinte kommt, abmurksen, die Sache wäre glaubhafter und damit schrecklich. Das Geknalle muss doch irgendjemandem auffallen und solche Nachricht dürfte sich auch ohne Telekommunikation rasend schnell verbreiten. Also irgendwie schwer nachvollziehbar. Auch die schwächliche Kondition der Haustüren ist zumindest für amerikanische Verhältnisse eher unwahrscheinlich.
Denk noch mal drüber nach, wie so ein Thriller aufgebaut sein müsste, damit der Leser wirklich abends unters Bett schaut.
Dafür wünsche ich Dir einfach viel Erfolg.
Schönen Abend!
Papa Schlumpf


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OpenOcean
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BeitragVerfasst am: 18.08.2014 22:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Papa Schlumpf hat Folgendes geschrieben:
Hallo,
nur kurz mein Eindruck: Damit der rechte Thrill aufkommt, braucht es eine entsprechende Atmosphäre, es reicht nicht, ordentlich Blut und andere Körperflüssigkeiten aus den Buchseiten tropfen zu lassen. Hitchkock verzichtete darauf, weil er wusste: Der Schrecken spielt sich im Kopf des Zuschauers / Lesers ab. Würden die Beweggründe der schwarz gekleideten Herren beleuchtet oder die potentiellen Opfer sympathisch und nett gezeichnet, dass der Leser eine Beziehung zu ihnen aufbaut, oder wenigstens ein Grund erwähnt, weshalb keiner weiß, dass da Killer durch die Straßen laufen, die alles, was ihnen vor die Flinte kommt, abmurksen, die Sache wäre glaubhafter und damit schrecklich. Das Geknalle muss doch irgendjemandem auffallen und solche Nachricht dürfte sich auch ohne Telekommunikation rasend schnell verbreiten. Also irgendwie schwer nachvollziehbar. Auch die schwächliche Kondition der Haustüren ist zumindest für amerikanische Verhältnisse eher unwahrscheinlich.
Denk noch mal drüber nach, wie so ein Thriller aufgebaut sein müsste, damit der Leser wirklich abends unters Bett schaut.
Dafür wünsche ich Dir einfach viel Erfolg.
Schönen Abend!
Papa Schlumpf


Die Gründe und die Frage nach dem WARUM sollen den Leser ja beschäftigen, dass wird im Laufe der Zeit alles erklärt bzw. herausgefunden werden.

Ich behaupte wenn Profis irgendwo rein wollen, schaffen sie es auch schnell. Bei der Durchschnittswohnung.
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Nihil
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BeitragVerfasst am: 19.08.2014 01:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Ocean,
du möchtest, glaube ich, zu viel in zu kurzer Zeit. Wie ich oben schon einmal geschrieben habe, denken die meisten, die neu mit dem Schreiben anfangen, dass man am Anfang ein großes Mysterium ausbreiten muss. Bloß keine Namen nennen, viel unklar lassen und man kann sich sicher sein, dass die Leser ab dem ersten Sätz an den Nägeln kauen – ist aber nicht so. Natürlich solltest du einen Thriller nicht wie einen Fantasyroman aufziehen, wo mitunter jeder Stein einer Burg einzeln beschrieben wird.

Ich glaube aber nach wie vor, dass du deine eigene Geschichte noch nicht klar vor Augen siehst. Dein Erzählstil klingt so assoziativ, wie du von einem Gedanken zum nächsten springst, und sehr abstrakt, weil du alles einmal kurz und klischeehaft streifst, aber nicht genauer hingesehen und uns einen echten Menschen gegeben hast. Du solltest schon den ersten Mord nicht beschreiben, wenn dieser keine Bewandtnis für die weitere Geschichte hat. Denn wozu hätte er sonst seine Berechtigung im Roman? Warum soll es diese großangelegte Tötungsoffensive überhaupt geben, aus deiner Autorensicht? Doch sicher, damit ein Held versuchen kann, die Stadt, die Menschheit davor zu bewahren. Dementsprechend musst du dir erst einmal darüber klar werden, welche Menschen sich dieser Idee des „Reinigungsdatums“ und allen Organisationen und was noch damit verbunden sein mag, anschließen oder entgegenstellen. Der Trick, Spannung aufzubauen ist, zuerst sympathische Charaktere zu entwerfen. Wenn wir einem netten, realistischen Menschen, der wichtige und interessante Dinge tut, über längere Zeit folgen, schließt man ihn automatisch ins Herz. Und (nur) bei Menschen, die wir mögen und kennen, zittert man auch mit, wenn sie plötzlich Gefahr ausgesetzt sind.

Die meiste Arbeit bei einem Roman findet wahrscheinlich „hinter der Bühne“ statt. Den Plot entwickeln, Figuren erstellen mit Aussehen, Psyche, Lebenslauf, Hintergrundgeschichte planen, wichtige Handlungsorte kennen oder zumindest eine Vorlage zu ihnen haben, eine feinere Struktur für die Kapitel entwerfen und und und. Die meiste Arbeit, die du dir hiermit machst, wird es scheinbar nicht ins Buch schaffen – denn gerade in einem Thriller brauchst/solltest du nicht die Grundschuljahre einer Randfigur beschreiben. Aber dadurch, dass du dir (als Beispiel) eine wichtige Verfolgungsjagd in den Grundriss eines Apartments eingezeichnet hast, kannst du sie viel lebendiger, plastischer und glaubwürdiger beschreiben und solche unlogischen Fehler, wie du sie oben zitiert hast, passieren sehr, sehr viel weniger.

Das als allgemeiner Tipp. Auch hätte es nicht geschadet, wenn du diesen Auszug noch ein paar mal gegengelesen und auf Fehler untersucht hättest. Zum Beispiel sprachliche Unmöglichkeiten wie hier:

Zitat:
Die Haustür wurde aufgetreten. Einmal, zweimal, dreimal.

AUFtreten kann man eine Tür nur einmal, dann ist sie auf. DAGEGENtreten kann man so oft man will.

Gefühl gleich null:
Zitat:
Er positionierte sich in der Küche und blickte ins Wohn- und Schlafzimmer, wo auf dem Boden die blutige Leiche seiner Nachbarin lag. Jetzt wurde die Einrichtung von einer Salve Patronen völlig zerstört.

Positionieren ist das neutralste Wort, das du an dieser Stelle überhaupt benutzen kannst. Wenn du schreibst „Er duckte sich“, „Er schob sich an der Wand entlang“, usw., beschreibst du sowohl räumlich, als auch emotional genauer. Man spürt die Angst des Helden dann mehr. Das Zeitwort „Jetzt“ klingt in Verbindung damit fast wie ein Protokoll, das Passiv „wurde geschossen“ erinnert an einen Zeitungsartikel und auch die „Einrichtung“ sagt mir nicht, ob aus der kitschigen Blumengarnitur aus Vorkriegszeiten der Schaumstoff quillt oder ob der 80"-LED-Fernseher zerspringt.
(Fußnote: Das bringt mich auf einen anderen wichtigen Punkt. Die Story spielt mehr als 200 Jahre in der Zukunft und davon merkt man nichts. Was für technische Erneuerungen gibt es, wie sieht die Umwelt aus? Für einen Zahlentrickt brauchst du das Datum nicht.)
Die blutige Leiche wird am Ende so kalt beschrieben, dass man fast vergessen kann, wer hier eigentlich der gefühlskalte Psychpath ist.

Ein anderer Punkt. Hier wirds leider, sorry, fast absurd:
Zitat:
Das gleiche wird er jetzt mit der Küche machen.

Das klingt, als wäre der Agent nur deshalb in die Wohnung eingedrungen, um möglichst viel kaputt zu machen.

Und nicht zuletzt Chaos mit den Abläufen und beschriebenen Zeiten:
Zitat:
Die nächste Salve traf die Küche und zerstörte Töpfe, Pfannen und Geschirr. Zu der Zeit war Stanley schon aus dem Fenster auf die rostige alte Feuerleiter gestiegen. Zuletzt hatte er noch seine Dose in die kochend heiße Pfanne mit den verbrannten Rühreiern geworfen.

Warum beschreibst du das im Plusquamperfekt, also in einer Rückblende? Das verwirrt nicht nur, weil der chronologische Ablauf durchbrochen wird, die zeitlichen Beschreibungen „zu der Zeit“ und „zuletzt“ klingen wieder so sachlich, dass für Herzklopfen gar keine Chance besteht.

Damit hab ichs hoffentlich noch einmal etwas klarer gemacht. Das sieht nach sehr viel Arbeit aus, die es auch ist. Die es aber immer ist, denn am Plotten und vorausschauenden Planen, bevor man überhaupt das erste Wort schreibt, kommt man nie drum herum. :)
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Lotta
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BeitragVerfasst am: 19.08.2014 08:05    Titel: Re: 2.2.2222 - Datum der Vernichtung Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

noch mal kurz zur Verständigung, weil ich Nihils Anmerkungen las. Ich stimme ihm zu.
Und - den Protagonisten dem Leser sympathisch oder unsympathisch erscheinen zu lassen, ist vom Erzähler zumeist beabsichtigt. Darauf baut der Autor oft seinen Roman auf. Der Protagonist, im ersten Absatz, oder so zeitnah wie möglich, und in welcher Form auch immer, muss mich überzeugen, dass ich das Buch weiterlese. Ich möchte eine Beziehung zu ihm aufbauen können. Das ist mein ganz persönliches Befinden, wenn ich mir einen Thriller zur Hand nehme.
Deshalb meine Anmerkung - Billy - unsymphatisch oder symphatisch - sowieso tot. Macht Sinn? Zu Beginn?

Ich gehe mal davon aus, dass Stanley der Protagonist ist. Den würde ich ziemlich weit oben bringen und ihm eine Persönlichkeit verpassen. Er ist jedoch mE noch ziemlich blass. Ich muss sehen, wie´s weitergeht.

Zum Wechsel der Erzählweisen - man kann oft in ein oder zwei Sätzen alle wichtigen Infos reinpacken, die dem Leser Bilder vermitteln.
Um es mir als Leser leichter zu machen, würde ich Zeilenumbrüche, Absätze oder andere Möglichkeiten verwenden.

Ich probier´s mal und versuche auch den Text etwas umzubauen.
Bitte als Vorschläge zu betrachten.

***
Dein Text:

Als es hart an seiner Tür klopfte sah er irritiert auf seine Armbanduhr. Es war einige Sekunden nach Mitternacht. Wer sollte jetzt an der Tür klopfen? Er erwartete Niemanden. Am heutigen Samstag würde er früh aufstehen und zur Arbeit müssen. An seinem gewöhnlichen Tag würde er um diese Zeit längst im Bett liegen und nicht am Fenster stehen. Mit einem Gefühl von Spannung (Wer kann das bloß um diese Zeit sein?) schritt er zur Tür. Er spähte durch den Türspion. Ein ganz in schwarz gekleideter Mann stand dort. Hätte er eine Maske getragen, könnte man glatt an einen Einbrecher oder Bankräuber denken. Seine Gesichtszüge waren weder erschreckend, noch erhellend. Vielmehr wirkten sie kühl und ausdruckslos. Nervös strich Billy sich durch sein blondes Haar. Sein rechtes Auge begann leicht zu zucken. Er war ein selbstsicherer junger Mann, kein sonderlich ängstlicher Typ. Aber in diesem Fall schrillten bei ihm die Alarmglocken. Es wäre töricht gewesen diesen unbekannten Mann zu empfangen. Ein Vertreter für Staubsauger oder ein Mann von der Post würde es jedenfalls nicht sein. Gespannt schautet Billy weiter durch den engen Kreis. Würde der Kerl es an der nächsten Wohnungstür versuchen? Oder würde er gar Anstalten machen sich Zutritt zu seiner Wohnung zu verschaffen. Er erschauderte.  

***

Meine Vorschläge:

Billy hielt inne.
  Heute, am Samstag, müsste er früh raus, was ihm nicht gerade Freude bereitete. Samstag, normalerweise freier Tag, Wochenende. Er fand´s zum Kotzen. Eigentlich läge er um diese Zeit längst in der Koje.
   Billy fror. Er griff sich die löchrige Mohairdecke von der aschgrauen, fleckigen, abgewetzten Recamiere, derer besten Tage lange vorbei waren.

Es klingelte erneut. Billy zuckte zusammen.
  Wer mag das sein?
Er blickte ungläubig auf seine Armbanduhr. Dann wanderte sein Blick auf die marode, Mahagoni farbene Königstiger-Uhr an der fleckigen, abgewetzten, Wand, (die dringend einen neuen Anstrich bräuchte) - würde ich eher doch weglassen. Der Übergang zum nächsten Absatz erscheint mir dadurch unklar. Stört mich einfach.
   Sie ging noch nie. Billy wusste nicht, warum er hinschaute.
Er fror jämmerlich.
  Ein ungutes Gefühl beschlich ihn.
Lautlos, bemüht, keine Geräusche zu machen, schlich er zur Tür. Als er mit angehaltenem Atem durch den Spion blickte, packte ihn die kalte, nackte Angst. Seine Nackenhaare kräuselten sich. Sein Augenlied zuckte hektisch.
  Dort stand ein ganz in schwarz gekleideter Mann, dessen eisiger/kalter Blick, selbst durch den winzigen Spion, erkennbar war.
***

Das sind nicht unbedingt die besten Beispiele, aber es geht mir darum, halbwegs verständlich zu machen, wie es besser lesbar ist.
Wiederholungen können Sinn machen, wenn der Autor auf die Brisanz bestimmter Handlungen/Emotionen verweisen möchte (z.B. "Er fror").

Kursiv-Schrift und Zeilenumbrüche in meinem Text habe ich nur mal verwendet, um es deutlicher zu machen.

LG., Lotta
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BeitragVerfasst am: 28.08.2014 19:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

okay habe den Anfang nun überarbeitet:

2.2.2222 – Datum der Vernichtung


Und der Tod warf die Sense weg und stieg auf den Mähdrescher, denn es war Krieg. (Autor unbekannt)


Sie zogen von Haus zu Haus. Es war immer der gleiche Ablauf, so wie sie es Jahre lang trainiert hatten. Keine Worte wechseln, keine Gefühle zeigen, keine Zeit vergeuden.
Die Armeen marschierten unaufhaltsam und funktionierten scheinbar wie ein gnadenloses Uhrwerk.

Billy Kindel fühlte sich wie der König der Welt. Er würde befördert werden. Noch war dies nicht offiziell, aber es war heute morgen bis zu ihm hin durchgesickert. Nächste Woche würde er dann aus erster Hand davon erfahren. Vielleicht schon gleich am Montag.
„Meine Damen und Herren, einen Applaus für Mr Kindel“, hörte er eine Stimme im Geiste vor sich. Die Frage war nur, ob er dann überrascht tun sollte. Wahrscheinlich war das unklug, denn ein sonderlich guter Schauspieler war Billy noch nie gewesen. Aber sei es drum. Nächste Woche würde er Abteilungsleiter bei TechniUP, einem größeren amerikanischen Unternehmen für Softwaretechnik sein. Wer weiß vielleicht war er bald sogar im Vorstand. Ausgeschlossen war das nicht, wenn er noch ein Jahr lang so hart wie bisher weiter arbeiten würde.
„Wenn sie mich lassen würden, könnte ich ohne Probleme den Laden übernehmen.“, dachte er während er sich lächelnd mit seiner Servierte die Stirn abtupfte. Der teure Rotwein zur Feier des Tages war ihm wohl doch zu Kopf gestiegen. Er hätte es besser wissen sollen. Aber einen dicken Kopf konnte er angesichts dieser frohen Botschaft verschmerzen. Was Sindy wohl dazu sagen würde? Die Kleine aus der Buchhaltung war ihm in letzter Zeit sehr Nahe. Es war höchste Zeit sie nach einem Date zu fragen. Aber das würde er nächste Woche erledigen, als Abteilungsleiter.
Seine Eltern würden stolz auf ihn sein. Besonders sein Vater. Er war es ja ohnehin schon. Aber nun würde er vor Stolz förmlich abheben. Er hatte überlegt seine Eltern heute noch anzurufen. Aber dies hatte er verworfen, wegen den Zweifeln. Denn es könnte peinlich werden, wenn das Gerücht am Ende doch nur heiße Luft war. Bisher hatte er nur seinem besten Freund Randolf davon berichtet. Er kannte Randolf seit über 20 Jahren und wenn sich das Gerücht wider erwartend als Finte herausstellen sollte, könnte er es ihm gegenüber ohne weiteres ertragen. Randolf würde ihn auf seine scherzhafte Art wieder aufbauen.
Billy nahm noch einen letzten großen Schluck und leerte damit sein Glas. Ungläubig nahm er noch die leere Flasche in die Hand und ließ sie seitlich auf den Tisch zurückrollen. Er bewegte sich zum Fenster. Seine Schritte waren mehr ein Trippeln, er tanzte förmlich hinüber. Wenn man Billy nicht kannte und ihn jetzt zum ersten Mal sah, würde man unweigerlich an einen klischeehaften Homosexuellen denken. Ihm war warm und er öffnete sein Fenster für etwas Erfrischung. Schwach schien das Mondlicht zwischen den Wolken hervor. Auf der Kreuzung war wie immer selbst um diese späte Stunde noch viel Betrieb. Billy wohnte zur Miete in einem größeren Eckhaus mit der Hausnummer eins. Damit wurde ihm die zweifelhafte Ehre zuteil, dass sie zuerst zu ihm kamen. Als es hart an seiner Tür klopfte, sah er irritiert auf seine Armbanduhr. Kurz nach Mitternacht. Wer sollte jetzt an der Tür klopfen? Er erwartete Niemanden. Am heutigen Samstag würde er früh aufstehen und zur Arbeit müssen. An seinem gewöhnlichen Tag würde er um diese Zeit längst im Bett liegen und nicht angetrunken am Fenster herum tanzen. Mit einem Gefühl von Spannung schritt er zur Tür. Er spähte durch den Türspion. Ein ganz in schwarz gekleideter Mann stand dort. Hätte er eine Maske getragen, könnte man glatt an einen Einbrecher oder Bankräuber denken. Seine Gesichtszüge waren weder erschreckend, noch freundlich. Vielmehr wirkten sie kühl und ausdruckslos. Nervös strich Billy sich durch sein blondes Haar. Sein rechtes Auge begann leicht zu zucken. Er war ein selbstsicherer junger Mann, kein sonderlich ängstlicher Typ. Aber in diesem Fall schrillten bei ihm die Alarmglocken. Es wäre töricht gewesen diesen unbekannten Mann die Tür aufzumachen. Ein Vertreter für Staubsauger oder ein Mann von der Post war er jedenfalls bestimmt nicht. Gespannt schaute Billy weiter durch das winzige Loch. Würde der Kerl es an der nächsten Wohnungstür versuchen?
„Was mache ich, wenn er sich an meiner Tür zu schaffen macht?“ Er erschauderte bei dem Gedanken.
Wirklich vorstellbar war das allerdings nicht für ihn. Nun ging der Fremde einen Schritt zurück. Billy dachte schon das die Situation vorüber war. Sein Auge presste sich jedoch weiter neugierig an den Spion. Was machte der Mann da? Er konnte doch nicht-
Doch er konnte. Der Kerl zerschoss das Türschloss. Ehe Billy begriff, flog es ihm um die Ohren. Seine Augen rissen sich vor Entsetzten weit auf. Er spürte einen stechenden Schmerz in seinem Rumpf. Eine der Kugeln der Maschinenpistole mit Schalldämpfer war durch das Türschloss in ihn eingedrungen. Der Schmerz war heftig, aber so schlimm würde es schon nicht sein. Jedenfalls hatte er nun keine Zeit sich darum zu kümmern. Billy wandte sich um und hielt sich mit einer Hand den Bauch. Das warme Blut, welches seinen teuren Maßanzug durchtränkte spürte er kaum. Er rannte weg von der Tür. Er musste einfach weg. Vielleicht könnte er überleben. Vielleicht wenn er sich gut verstecken würde? Da wäre aber zwangsläufig das Problem mit der Blutspur, die er wie eine Wegbeschreibung hinter sich herzog. Aber warum...
Seine Gedanken waren abrupt abgerissen, wie eine Bildstörung mitten im Film. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, sie klappten einfach so weg. Die Magengegend fühlte sich an, wie nach einem Boxschlag in die selbige. Seine Körperfunktionen spielten verrückt, ein letztes Mal uriniert er, ohne sich dagegen wehren zu können. Das letzte was Billy spürte, war des erlösende Ende des Schmerzes. Das ausdruckslose Gesicht über ihm nahm er gar nicht mehr war. Ebenso wie die Kugel, die punktgenau durch seine Stirnmitte in sein Gehirn schoss. Um zwei Minuten nach Mitternacht starb Billy Kindel. Um 03:20 Uhr starb sein Vater Marc an seiner Haustür, um 03:21 Uhr seine Mutter Rose, welche sich ängstlich unter ihre Bettdecke gekauert hatte. Um 10:20 Uhr stürzte sich sein bester Freund Randolf im Todeskampf aus seinem Fenster. Hier fand er den Tod. Sindy, die Kleine aus der Buchhaltung bekam ihre Todeskugel um 19:57 Uhr. In ihrer Hand hielt sie ihr Telefon. Sie hatte Billy fragen wollen, ob bei ihm alles in Ordnung war. Sie war in Sorge, weil er nicht zur Arbeit erschienen war.

Stanley Charlton war ein mehr oder weniger erfolgloser Langzeitstudent. Er wohnte in Mumbai in einer billigen Mietwohnung im 22. Stockwerk. Hier lebten überwiegend Studenten, Hilfsarbeiter, oder Rentner mit einer zu kümmerlichen Rente. Es war gegen zehn Uhr morgens, also für ihn eher nachts, als er von einem klirrenden Geräusch geweckt wurde. Die Wände waren hier pappdünn, sodass für ihn nach dem ersten Schreck schnell klar war, dass der Laut aus der Nachbarwohnung gekommen sein musste. Jetzt klang es so, als ob etwas dumpf auf den Boden aufschlug. Stanley kratzte sich im Schritt und rappelte sich im Halbschlaf hoch. Er hasste das Aufstehen, noch dazu wenn es wie jetzt außerplanmäßig war. Ungepflegt kam er daher, obwohl er doch im Grunde ein ansehnlicher Kerl war. Am Vorabend hatte er einige Bier getrunken, aber jetzt war er wieder völlig nüchtern. Nur auf die Toilette musste er dringend. Daher schlürfte er den kurzen Weg, bis zu seiner einzigen Kloschüssel. Da er alleine war, hielt er es nicht für nötig, die Tür zu schließen. Nur in Boxershorts stand er da. An jenes Geräusch von nebenan dachte er dabei schon nicht mehr. Gerade als er loslegen wollte, klopfte es bestimmt an seiner Haustür.
„Wer zur Hölle mochte das sein?“, fragte Stanley sich.
Eigentlich kam da nur sein bester Freund in Frage.
„Vergiss es Piet! Ich lasse dich nicht rein! Geh nach Hause und schlaf deinen Rausch aus!“
In dem Moment flog die Tür auf. Stanley war völlig perplex und sah schon im Badezimmerspiegel, dass es nicht Piet war. Nein, der sah mehr aus wie ein Ninja, vielleicht war es auch der Tod persönlich. In jedem Fall drohte Unheil von diesem Kerl. Stanley machte sich vor Angst fast in seine nicht mehr vorhandene Hose. Instinktiv knallte er die Tür nach innen zu und sperrte sich so ein. Der Einbrecher kam zügig aber ohne jede Hast auf die Badezimmertür zu. Mit einem gezielten Tritt zerschmetterte der Angreifer die Klinke und das Türschloss. Er versuchte weiter ins Bad vorzudringen, aber noch war die Tür etwas blockiert. Ein zweiter Tritt war nötig.
Panisch wägte Stanley in den letzten zehn Sekunden, die ihm blieben, seine Optionen ab.

„Oh shit. Er kommt mich holen. Ich muss hier weg. Aber wohin? Keinen Ausweg, absolut keine Chance. Ich muss kämpfen. Eine Waffe. Ich brauche eine Waffe.“
Seine verschwitzte Hand zitterte als er panisch seine Zahnbürste im Becher vom Regalbrett nahm und sogleich wieder fallen ließ. Er riss hektisch sein Badezimmerschränkchen auf und sah hilfesuchend hinein.

Der mysteriöse Fremde hatte die Tür aufgetreten. Mit der Waffe voran schritt er in den Raum. Er suchte das Ziel, bereit abzudrücken. Er sah den jungen Studenten, der leicht größer als der Durchschnitt war, somit musste er noch ein kleines Stückchen höher zielen. Doch dann hatte er ihn fest im Visier, alles binnen wenigen hundertstel Sekunden. Sofort drückte er ab. Er traf auch genau in die Stirn, allerdings fiel Stanley nicht tot um. Denn es war nur dessen Spiegelbild. Dies hatte der Killer sofort bemerkt. Stanley stand jedoch direkt neben der Tür, rücklings zum Angreifer. In der Hand hielt er eine Dose Deospray, welche er auf das Gesicht des Angreifers richten würde sobald dieser sich umdrehte. Genau dies geschah auch. Der dunkel gekleidete hielt sich vor Schmerz die Augen. Dennoch feuerte er, jedoch ohne zu treffen. Stanley trat ihn frontal in die Beine, schlug den Lauf der Maschinenpistole zur Seite und die nächsten Schüsse schlugen verstreut in seinem Badezimmer ein. Der Einbrecher verlor das Gleichgewicht und stürzte auf den Boden voller Scherben. Stanley stieg über den Unbekannten und rannte um sein Leben heraus aus seinen vier Wänden. In seiner Hand hatte er noch immer krampfhaft die Deospraydose.

„Ich muss die Polizei rufen. Scheiße! Scheiße! Scheiße! Mein Handy liegt noch in der Wohnung.“

Die Nachbarstür stand offen, also würde er von hier aus telefonieren. Eilig ging er hinein und verschloss die Tür von innen.

„Mrs. Mehra?“, rief er laut und rechnete mit dem Schlimmsten. Die alte Rentnerin war völlig wehrlos, wobei selbst wenn sie noch 20 Jahre jung gewesen wäre, hätte ihr das vermutlich auch nichts genutzt.

Er ging ins nächste Zimmer und dort lag sie tot vor ihm. Offensichtlich von hinten in den Kopf geschossen. Ihr Teppich war von ihrem Blut getränkt. Stanleys Magen krampfte sich zusammen. Seine Hände zitterten, als er zum Telefon griff. In der Küche roch es nach Verbranntem, leichter Rauch wob in kleinen Wölkchen in der Zweizimmerwohnung umher. Er überlegte gerade, woher der Rauch kam. Die beiden Kanarienvögel der Rentnerin lagen tot am Käfigboden. Der Student begriff sofort und öffnete ein Fenster. Da ertönte wieder dieser gezielte Tritt. Die Haustür wurde aufgetreten. Sein Verfolger brauchte drei Tritte. Stanley lies notgedrungen das Telefon fallen und griff wieder zum Deospray. Er positionierte sich in der Küche und blickte ins Wohn- und Schlafzimmer, wo auf dem Boden die blutige Leiche seiner Nachbarin lag. Der Killer schlich lautlos durch den Wohnraum. Der blanke Lauf der Maschinenpistole visierte jeden einzelnen Winkel an. Dem eiskalten Blick des dunklen Mannes entging nicht die kleinste Bewegung.

„Das gleiche wird er jetzt mit der Küche machen und ich bin mitten drin statt nur dabei. Oh man, das war die dämlichste Idee, die ich je hatte. Mich hier hinzustellen. Mit einer Spraydose gegen eine Maschinenpistole. Ich muss hier weg, sofort! Aber wohin?“

Stanley flüchte panisch, wobei er etliche Geräusche in der Küche verursachte. Eine Pistolensalve traf die Küche und zerstörte Töpfe, Pfannen und Geschirr. Zu der Zeit war Stanley schon aus dem Fenster auf die rostige alte Feuerleiter gestiegen. Zuletzt hatte er noch seine Dose in die kochend heiße Pfanne mit den verbrannten Rühreiern geworfen.

Nun sah er den schwarzen Eindringling über sich am Fenster. Die Waffe war nach unten auf ihn gerichtet.

„Das wars dann wohl. Ich habe die Wahl mich jetzt aus dem 21. Stock fallen zu lassen, oder hier oben abgeknallt zu werden. Eine wirklich reizende Wahl.“

Bumm! Eine riesige Explosion zerlegte die Küche der Wohnung im 22. Stockwerk in ihre Einzelteile. Die Maschinenpistole sauste ohne seinen Besitzer so dicht an Stanleys Kopf vorbei, dass er den Windzug spürte. Die Feuerleiter zitterte von der Druckkraft der Detonation.

„Nur weg hier. Runter, runter, Runter! Sofort die Polizei anrufen. Jetzt reicht es mir.“

Erst als er auf der Straße stand, fiel ihm auf, dass er ja noch immer nur seine Boxershorts anhatte. Ungeachtet dessen lief er in die nächste Seitenstraße in den Markt, in den er jeden Morgen seinen Pausensnack einkaufen ging. Hier stürmte er sogleich hinter die Ladentheke, auf der Suche nach einem Telefon. Das Blut gefror ihm abermals in den Adern, als er beinahe über die Leiche der Verkäuferin gestolpert wäre. Hinter der Theke lag der Körper blutüberströmt am Boden. Leere Augen blickten ihn schockiert an, so dass er sich selbst wie der Mörder vorkam.
„Was zum Teufel geht hier vor?“
Bereits die zweite Leiche, die er in seinem Leben sah. Zuerst war er 30 Jahre lang davon verschont geblieben, nun musste er zwei Frauenleichen innerhalb weniger Sekunden ertragen. Dazu noch ihm persönlich bekannte Menschen. Auch wenn ihm der Vorname der Toten vor ihm jetzt nicht einfiel. Stanley riss den Telefonhörer an sich und wählte ohne eine weitere Sekunde zu verlieren die Kurznummer für den Polizeinotruf. Er wendete angewidert sein Gesicht ab. Etwas stimmte mit diesem Tag nicht, etwas stimmte heute ganz und gar nicht.

„Hier spricht der Polizeichef des Bundesstaates Maharashtra. Wir haben den offiziellen bundesweiten Notstand ausgerufen. Bitte bleiben Sie in Ihren Häusern. Halten Sie Türen und Fenster bis auf weiteres fest verschlossen. Gehen Sie nicht ins Freie. Es wird vor jedem Fremden gewarnt. Lassen Sie Niemanden in Ihre Wohnung. Warten Sie eine offizielle Entwarnung ab. Ich wiederhole: Hier spricht der Polizeichef des...“

Der Biologiestudent schüttelte ungläubig den Kopf. Zunächst dachte er nach, dann rannte er los. Sport war sein Ding. Daher hatte er nur wenig Mühe zu einem Bekannten ein paar Blocks weiter zu laufen. Nach Hause zu gehen, kam für ihn nicht in Frage. Eine geradezu lächerliche Vorstellung für ihn. Dort fühlte er sich nun nicht mehr sicher. Aber wenn das schon so war, so wollte er zumindest nicht alleine sein. Bei der Gelegenheit konnte er sich auch gleich ein Hemd und eine Hose borgen. Auch wenn die Sonne schien und es nachher gut und gerne 30 Grad heiß sein würde.

Unterwegs versuchte er seinen Bekannten Surya telefonisch zu erreichen. Leider ohne Erfolg. Auch bei seinen Eltern nahm Niemand ab.

Einzig Piet ging an sein Handy.
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Dorka
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Beiträge: 287
Wohnort: Allertal


BeitragVerfasst am: 29.08.2014 09:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

ich habe mich mit Deinem Text noch nicht im Detail auseinandergesetzt, weil ich grundlegende logische Probleme damit habe.

Wenn Logik für Dich nicht so wichtig ist, solltest Du meinen Post nicht lesen.

Deine Szenario beinhaltet eine Armee, die - offensichtlich auf der ganzen Welt - unbemerkt in Häuser eindringt und die Bewohner erschießt.

Für New York habe ich das mal durchgerechnet: 8 Mio. Einwohner multipliziert mit zwei Minuten pro Einwohner (mal mehr, mal - weil mehrere Menschen in einer Wohnung sein können - weniger) geteilt durch 60 geteilt durch 24 - wenn am Ende des Tages alle Bewohner tot sein sollen und die Killer ihr Pensum tatsächlich für 24 Stunden durchhalten würden, benötigte man gut 11.000 Leute dafür.
Wie bekommt man 11.000 Killer samt Waffen in ein gut gesichertes Land - und das nur für eine Stadt? Für die ganze USA benötigte man schon 489.000 Killer, wenn das an einem Tag ablaufen soll (immer vorausgesetzt, dass es keine Gegenwehr gibt, dann wären die Killer einem gut ausgebildeten und bewaffneten Heer mit ihren altmodischen Maschinengewehren hoffnungslos unterlegen). Für die Weltbevölkerung wären es dann 8,3 Mio Killer!

Wieso sieht eigentlich niemand aus dem Fenster und meldet die marodierenden Banden? Wieso sind nicht nach den ersten Minuten bereits Truppen etc. in den Straßen? Wieso sind alle Menschen brav zuhause und lassen sich abknallen? Warum ruft der indische Polizeichef dazu auf, dass die Leute zuhause bleiben sollen (genau da passiert ihnen ja das Schreckliche)? Warum gibt es, wenn die Gefahr doch bekannt ist, keine Luftwaffe, kein Heer, keine Truppen in den Straßen? Warum werden die Leute nicht aufgefordert, schnell zur nächsten Polizeistation/Kaserne zu laufen - dort gibt es Waffen, die denen der Killer überlegen sind, dort kann man sich schützen.

Zu dem Motiv, mit Einzelkillern die Bevölkerung auszuradieren, wirst Du sicher noch im Verlaufe des Romans etwas sagen. Ich nehme mir trotzdem die Freiheit, ein wenig zu spekulieren:

Eine wie auch immer geartete Macht will die Bevölkerung von mindestens zwei Ländern (USA und Indien), vermutlich aber der ganzen Welt auslöschen. Warum nehmen sie da nicht Bomben? Warum sollte jemand/eine Macht jeden einzelnen Menschen gesondert umbringen?

Warum sollte das jemand/eine Macht tun wollen? Wenn ich ein Land erobere, will ich auch die Ressourcen und da benötige ich auch Menschen, die diese Ressourcen bergen/fördern/produzieren. Soll die Erde - vielleicht von Aliens angezettelt - entvölkert werden? Das wäre das einzige Szenario, das ich mir vorstellen könnte.

Denn wenn die Killerarmee und ihr Befehlshaber Menschen sind, handeln sie strohdumm: die Leichen in den Wohnungen werden zu einem ernsthaften hygienischen Problem, Atomkraftwerke laufen Gefahr, ohne Belegschaft aus dem Ruder zu laufen, für eine so große Armee benötigt man Proviant und Nachschubwege: aber die, die das tun könnten (Bauern, Lebensmittelproduzenten, LKW-Fahrer, Lokführer) sind alle tot, die Armee hat sich damit selbst vom Nachschub  abgeschnitten.

Was tun die 8,3 Mio Killer, wenn sie mit Morden fertig sind? (Und wo wurden 8,3 Mio Killer ausgebildet und bewaffnet (und wovon verköstigt), ohne dass es auffiel?)

Kann es sein, dass Du Deinen Antagonisten - den gegnerischen Jemand bzw. die gegnerische Macht, noch gar nicht so gut kennst?

Mir scheint - und ich bitte um Entschuldigung, wenn es nicht so ist - dass Du dieses Killerszenario so entworfen hast, weil Du ein gewalttätiges und blutiges Szenario wolltest. Eine Bedrohung durch marodierende Banden ist natürlich ein besserer Hintergrund für Helden als eine Auslöschung der Weltbevölkerung durch Bomben/Giftgas/Seuchen.
Aber ich fürchte, so funktioniert es nicht! Kann ja sein, dass ich alte Spielverderberin die einzige bin, die auf der Logik rumhackt, aber ich denke, dass diese Fragen irgendwann auch bei anderen LeserInnen auftauchen werden.

Gruß
Dorka
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 31.08.2014 10:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo OpenOcean,

nach meiner Meinung viel besser als der erste Ansatz. Sicher kann man immer noch an Stellschrauben drehen, einige Tip- und Zeichensetzungsfehler korrigieren, aber mir gefällt die Grundtendenz deines Textes. Ich denke, da geht was.

Die Frage der Logik ist mehrfach aufgeworfen. Nach meiner Meinung sollten zu krasse Logikfehler vermieden werden. Der Leser muss bereit sein mitzugehen. Dieser Text ist dahingehend aber schon deutlich entschlackt worden.

Wenn es um Action geht wird auch bei großen Erfolgen die Frage der Logik hinten angestellt. Ob im Kino (James Bond, Vin Diesel oder Transporter) oder Buch (Dan Brown).


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
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si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

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Papa Schlumpf
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 59
Beiträge: 374
Wohnort: Friedersdorf


BeitragVerfasst am: 01.09.2014 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, miteinander.
Genau das, Einar, was Dein letzter Satz beschreibt, verdirbt mir den Genuss von Buch oder Film. Eine Dramaturgie, die keinerlei Logik aufweist. Deshalb erwarte ich von diesem Anfang auch noch eine ordentliche Erklärung, woher die Killer die Macht haben, amerikanische Wohnungstüren einzutreten, wie Haustüren in den 22. Stock kommen (oder sind es doch nur Wohnungstüren?), wo die monumentale Zerstörungskraft von schallgedämpften MPis herrührt, der Schalldämpfer bremst schließlich das Projektil unter Schallgeschwindigkeit, und da es nicht gleichzeitig an Masse gewinnt, verliert es ungeheuer an Energie, was seine biologische Wirkung nur marginal beeinflusst, wohl aber die Zerstörungskraft bezüglich Stahl-verstärkter Türen erheblich reduziert. In den Staaten ist die normale Ausstattung schon heute stark einbruchshemmend, in 200 Jahren?
Eine Sache ist mir in dem sonst ordentlich geschriebenen Text (der wohl kein anlegen hat) aufgefallen. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, wie einmal treffend formuliert wurde. Da steht: "wegen den Zweifeln". Ich bin vielleicht nicht mehr der Jüngste, und was die neue deutsche Rechtschreibung alles erlaubt halte ich noch zu gewissen Teilen für Sünde, doch vertrete ich die Meinung, dass das geschriebene und veröffentlichte Wort zumindest schön sein sollte. Und "wegen den Zweifeln" ist alles andere als schön. Wir haben vier Fälle, befleißigen wir uns, sie zu nutzen. Nehmt den Genitiv, wo er angebracht ist, und vergesst wenigstens beim Schreiben den Slang der Straße, solange er nicht bewusst eingesetzt wird. "Wegen der Zweifel" hätte mich gefreut.
Ich bedanke mich für die Gelegenheit einer Grundsatzrede.
Viele Grüße
Papa Schlumpf


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