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fahrt schieflage: kein plan stoß dämpfer


 
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Lorraine
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Das goldene Stundenglas Ei 10
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BeitragVerfasst am: 04.09.2014 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Einar Inperson,
Vielen Dank dir für deinen "kurzen Eindruck", hat mich gefreut.

Einar Inperson hat Folgendes geschrieben:


Wie atemlos würde dieser Text die Hörer machen. Ein rasanter Parforceritt, dessen letzte Zeile mir nicht das Ende des Gedichtes, sondern dessen Anlass zu sein scheint.



Es kommt sehr darauf an, was man aus einem Text beim Einsprechen/Vertonen macht. Ich bedaure manchmal, dass ich zu ungeduldig im Umgang mit der Technik bin, bis jetzt kam nie etwas Zufriedenstellendes zustande.
Rasant stelle ich mir das ebenfalls vor, ziemlich laut auch, insgesamt smile
Die letzte Zeile ... wenn hier der "Anlass" zu sein scheint, dann bestätigt das meine Unsicherheit: Es funktioniert da etwas nicht. Was mich wieder zum Titel bringt. Schieflage.
Mal schauen. LG
Lorraine
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Lorraine
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Das goldene Stundenglas Ei 10
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BeitragVerfasst am: 04.09.2014 21:28    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend nebenfluss,

musste selbst erst wieder auf den Zug springen, war auf Reisen ... das Gleis hast du ja gefunden, habe mich sehr gefreut.

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Die Erinnerung an dieses eigentümlich nostalgische, melancholische Gefühl, scheinbar ganz allein und exklusiv von einem Zug durchs Land gefahren zu werden, sehe ich hier in eine überaus gelungene lyrische Gestalt verpuzzelt, und allein dafür mag ich dir danken, auch wenn's natürlich nicht dein Sinn der Übung war.

Gern geschehen smile ... ich finde jedoch, dass das gar nicht mal so schlecht ist, wenn ein Gedicht so etwas kann: Erinnerung an ein Gefühl auslösen. Ein Geruch, ein Duft kann das ja auch, oder eben ... Musik.

Zitat:
Für mich dann schade, ohne Stoßdämpfer in eine andere mir bekannte Stimmung hinübergerüttelt zu werden: Migräne. So simpel-engstirnig jedenfalls habe ich das um den blinden Fleck pumpende Pixelblitzen übersetzt. Und passt ja auch: die gleiche Form, die ich eben noch als wertfrei / loses Gedankentreibenlassen gelesen habe, erscheint mir nun als unangenehmes Sich-nicht-Konzentrieren-Können bei gleichzeitiger Übersensibilität.

Hm. Ich versuche, das nachzuvollziehen. Ich kann mir Migräne nicht gut vorstellen, zum Glück habe ich richtig starke Kopfschmerzen nur ganz selten erlebt. Allerdings trifft die "Übersensibilität" ganz gut den LI-Zustand.

Zitat:
Ich weiß, du bist nicht unbedingt per du mit der Technik, aber trotzdem - ich hätte das gern vorgelesen. Zipped

Ich hätte es ja auch gern vorgelesen wink

Zitat:
Gar nicht schlecht für einen Einstandstext Wink


Danke. Kann ich gut brauchen, solche Worte.
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 05.09.2014 04:13    Titel: Antworten mit Zitat

Lorraine, immer mein Must-read. Schön, dass du wieder da bist!

Meine Kommentare in der Lyrik sind immer Laienhaft, aus der Sicht des Konsumenten.

Du hast mich sofort mitgenommen auf die Reise, der Zug, die Bilderschnippsel, der Rhythmus - alles da. Und als der Zug weiterfuhr, mit dir, hinterließ er doch ein Fragezeichen. Erst als ich die Kommentare las, vermute ich, warum, das was Stimmgabel anschnitt. Oder Aranka... ich fahre mit dem Zug mit, aber es fehlt mir letzten Endes das "und nu?" weil ich vielleicht das "mein Körper war ein Haus" und "liebt es leer" nicht mehr mit der Reise und den Stoßdämpfern verbinden kann. Toll jedoch, wie die letzte Zeile die Fahrt herausnimmt.

Danke für den Einstand! ich freue mich schon auf einen 'Feedback' Text!


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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finis
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Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 07.09.2014 23:59    Titel: Antworten mit Zitat

Lorraine.

Ich kann hier nicht vernünftig kommentieren. Ich werde versuchen zu beschreiben was ich sehe und mein Bestes geben:


Ein Zug, ein Heimkehren, ein wegkehren, ein Dazwischen. Wo bin ich, wo will ich hin, wo gehöre ich hin. Ein zu schnell, ein zu weit und gleichzeitig ein zu nah, ungeordnete Eindrücke, mehr als das lyrische Ich auf einmal fassen kann. Die Verbindung nach Außen scheint zu fehlen: Man sieht d-land vorbeiziehen (muss ja nicht Deutschland sein - kann irgendwo sein, kann ein Land sein, das nicht existiert), sieht die Ampeln schalten, und kann gar nicht realisieren, was dort passiert, der Zug schottet das lyrische Ich völlig ab, es schottet sich selbst ab, findet die Verbindung nicht. Die Schnipsel setzen ein Bild, zwei Bilder, nein mehr, sie setzen sich zusammen, immer neu, wirbeln hoch, wie erinnerungen an Straßenecken, zusammengekehrte Träume. Was wäre wenn, die großen Fragen, will ich überhaupt ankommen und wie wird es sein, was hat sich verändert, was erwartet mich, wie fremd wird es sein, wie lange dauert es, sich eine andere Stadt überzustreifen, gibt es einen Weg zurück, werfe ich meinen letzten Blick auf diese Landschaft? Was nehme ich mit: Musik, ein kleines Stück Unvergänglichkeit, eine Konservendose, die nicht rostet, in der man seine Zuflucht aufbewahrt.
Der Schlaf will nicht kommen, die Lider sträuben sich, das gleichmäßige Stampfen überträgt sich auf den Körper, nimmt ihn komplett ein, drängt sich in die Grauzone zwischen schlafen und wachen, das sein in diesem Augenblick und dann das war. Die Leere, vielleicht Zurückgelassenes, das  immer noch gegenwärtig ist, nicht loszuwerden, Getriebensein und Verlust,  Erschöpfung, Ausschöpfung, leergeschöpft, ein rastloses Suchen, nach dem, was vielleicht war und ist, was sein wird und was möglich. Der Blick von oben auf sich: "mein körper war einmal ein haus".

Für mich gibt es hier kein "und nun", für mich gibt es hier kein Ankommen, kein später. Der Zug befindet sich in Bewegung und nichts kann ihn aufhalten, er fährt immer weiter und weiter und weiter. Die Frage nach dem später kann hier nicht beantwortet werden. Irgendwann wird da ein Bahnhof sein, das wissen wir Leser, das weiß auch das lyrische Ich, irgendwann kommt der Moment Auszusteigen. Dann wird die Zeit kommen für die Fragen und Antworten, im Zug ist keine Zeit dafür, im Zug gibt es nur halbe Träume, flüchtige Bilder und zu wenig Luft zum Atmen oder Greifen. Die Frage nach dem Ankommen hat sich auch der Leser zu stellen und zu beantworten, vielleicht erinnert er sich auch an etwas, vielleicht. Letztendlich gilt die Frage nach dem Heimatort ja nicht nur für das lyrische Ich.
Und die Frage, was einen trägt. Die Frage danach, was man mit sich tut, wie leer man sich werden lässt, wie sehr man sich selbst leert.

Eine schöne Nacht noch - -
finis

Muss ich noch sagen, dass mich das sehr berührt hat? Oder ist das schon deutlich geworden?
Was Du hier machst ist... ich nenne es mal großartig. In Ermangelung eines besseren Begriffs und ohne wirklich verstanden zu haben, wie Du das machst. Wie Du mich packst und in den Zug setzt.


_________________
"Mir fehlt ein Wort." (Kurt Tucholsky)
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Lorraine
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Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 08.09.2014 03:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mettbrötchen,
Gern hätte ich diese Antwort zu Ende gebracht, heute Nacht - dieser "Teil 1" muss jedoch genügen, ich poste ihn und sag dir schon mal Danke und ja, dein Kommentar ist hilfreich, er zwingt mich (ich lasse mich gern zwingen, in diesem Fall) zur Reflexion. Die ich zu Ende führen werde, sobald es meine Zeit erlaubt.

Mettbrötchen hat Folgendes geschrieben:
Hallo Lorraine,

ein guter Sound weht durch diese Verse. Ich denke, hier haben Sprache und Wahrnehmung im Gedicht zueinandergefunden. Ich mag es wie sich in den Versen so nach und nach die Klänge herausheben (kann es schlecht anders beschreiben) und wie die Langverse und Enjambements die Fortbewegung des lyrischen Ichs transportieren, die sowohl eine rein physische ist (indem es im Zug sitzt) als auch eine gedankliche. Das lyrische Ich ist hier natürlich ein sehr passives, ich erlebe es als eine reine Wahrnehmungs- und Verarbeitungsinstanz, die selber nicht in Aktion tritt. Ich finde das immer etwas gewagt, weil ich mir denke, entweder positioniert sich ein lyrisches Ich als starkes Subjekt in einem Text oder es wird als meinungskompetente Person und als Denk- und Redefigur merklich inszeniert. In einem solchen Gedicht, bei den Rhythmus und Klanggestaltung Überhand gewinnen, kann es schnell mal von seiner eigenen Sprache überrollt werden und das Ganze erhält so einen dissoziativen Touch. Das finde ich auch legitim und vermutlich ist es persönlicher Geschmack, wenn ich sage, dass die Wirksamkeit eines literarischen Verfahrens durch Antithese verstärkt werden kann. Hätte hier gerne gesehen, wie das lyrische Ich mir nahegebracht wird und Kontur erhält, in einem Moment vor der Reise z.B. und dann quasi vom Wortfluss verschluckt wird. Wie gesagt, das ist nur meine Position und entweder kannst du sagen, darin findest du dich nicht wieder oder sie schlägt etwas in dir an, worüber du dir selbst unsicher warst bei dem Werk.
Formal gesehen, wird diese Suada durch Rhythmus und Klanggestaltung, aber auch durch Interferenzen hergestellt


Du schreibst, das lyrische Ich könne (durch die Einbindung eines Moments vor der Reise) nahe gebracht werden, Kontur erhalten. „Die Wirksamkeit eines literarischen Verfahrens“ (hier: [Überhand-nehmen von] Rhythmus und Klanggestaltung) könne durch Antithese verstärkt werden.
Aus (leidvoller hmm ) Erfahrung weiss ich, wie schwer es mir oft fiel, Pathetisches zu umgehen, und zwar genau in dem Moment, wo ein LI „nahe gebracht“ wird. Es scheint, dass mein Ausweg aus diesem Dilemma ins Dissoziative führt, was ich bisher weniger als Problem, denn als adäquate Übersetzung bestimmter LI-Zustände gesehen habe, auch als Weg, Leser nicht zu gängeln, sie in ihrer Lesefreiheit nicht zu beschneiden. Gerade dann, wenn – wie hier – ein Transportiert-werden, eine Passivität, eine gefühlte Konturlosigkeit thematisch zugrunde liegen.

Es fällt mir ausnehmend schwer, mir vorzustellen, wie ich diesem Text ein stärkeres Ich zufügen könnte, ohne ihn zu einem anderen werden zu lassen. Ich denke darüber nach, dem Gedicht ein zweites voran zu stellen, das die Rolle übernehmen könnte, in dem der Gedanke, den du hier ansprichst, einbezogen würde:
Zitat:
oder [das lyrische Ich] wird als meinungskompetente Person und als Denk- und Redefigur merklich inszeniert.


Was in diesem Text steckt, ist Wahrnehmung. Es stimmt, sie scheint nicht an ein Subjekt gebunden zu sein, könnte übertragbar sein.
Dann komme ich an den Punkt, an dem du "Fremdkörper" identifizierst, Wörter, die heraus fallen, nicht zu passen scheinen.
Könnte es nicht sein, dass sich hier (abgesehen von der Intention, die hinter jeder Wortwahl steht, sei sie leicht nachvollziehbar oder eher schwer) der Versuch festmachen lässt, dem LI eine "Vorgeschichte" (oder Vergangenheit, oder auch: Kindheit) mitzugeben - etwas, was eine "lyrische Individualtät" ergäbe, wenn es als solche erkennbar würde?

Das hier:
Zitat:
mein haar in salven fahrtwind stiehlt mir lange züge
meiner zigarette presst mir atem zu betankt mich
luft! ein schloss ein turm und ampelspiel

hattest du in deiner Analyse "auseinander gerissen", ich wehre mich ein wenig dagegen, weil "luft" diesen Atem meint, der aus dem Fahrtwind getankt wird.
Es wird versucht zu zeigen, was ist, wie gesehen, gefühlt wird. Was, wenn genau das hinein sollte, was als "unpassend" empfunden wird? Kann es nicht legitim sein, dem LI Kinderaugen zu verpassen, meinetwegen Naivität, oder Schwäche, ein Zurück-wollen in Märchenwelten, ob diese nun gestern oder vor langer Zeit aufgegeben werden mussten?

Etwas habe ich schon geändert. Nach betankt mich wird ein Doppelpunkt stehen, als engere Verbindung zum nächsten Vers. Es kann auf diese Weise weiterhin Luftschlösser geben, das Rauchen aber bekommt seinen Luftwiderstand besser ab.

Du schreibst weiter:
Mettbrötchen hat Folgendes geschrieben:
Hier scheinen mir schloss und turm nicht richtig zu passen. Sie bringen so eine mittelalterlich-märchenhafte Note rein und kommen auf mich eher so rüber als sei nach etwas gesucht worden, was das L.I. dort draußen sehen kann. Der Rest des Gedichtes ist ja sehr durch funktionale Motive gekennzeichnet, z.B. ampelspiel, endogenes video, pixelblitzen. Das sind alles Bilder die eine technizitäre Haltung gegenüber Wahrnehmung einnehmen und das lyrische Ich als Subjekt der Perzeption in ein kritisches Licht rücken. Da stechen Bilder wie schloss und turm heraus und wirken wie Fremdkörper, da sie keine weitere Entfaltung erfahren.


Auf das "Technizitäre" bin ich weiter oben (in meiner Antwort an Rübenach) eingegangen, allerdings kann ich nachvollziehen, wie du zu dieser "Fremdkörper"-Lesart kommst.
Ich musste nicht "suchen" nach etwas, denn (ich wiederhole mich), alles in diesem Text ist der Versuch zu zeigen, was ist. Die chronologische Ordnung der Bildabfolge stimmt allerdings nicht zwingend mit dem Fahrplan überein ... (Märchen-)Schlösser, Kirch- und Bürotürme, frühmorgendlich-leere Strassen, ein Brei aus zu nahen, also flüchtigeren Bildern ... alles das stimmt. Die "weitere Entfaltung" ... ein Argument, durchaus. Vielleicht genügt "mein Körper war einmal ..." nicht, und der Abschluss ist ja auch das, womit ich am meisten hadere, nur: Ich kann (im Moment) nichts weg lassen, nichts hinzu fügen, jede Änderung ist so zerstörerisch.

Mettbrötchen hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
was wenn jeder blick ein erster und ein letzter
wäre wenn mich nie mehr einer hier her bringt wohin
zurück wie komm ich an und wozu sollte ich da ist doch


Aha! Hier wird das L.I. reflexiv, es ist ein kleiner reflektiver Augenblick, der von dem Wortschwall wieder weggerissen wird. Steht aber auch etwas lose hier drin. Ich hätte da gerne mehr Ausführung, am Anfang oder Ende. Es bleibt für mich etwas in der alltagsphilosophischen Schwebe, sollte aber irgendwo geerdet werden.


Hm. Ich glaube zwar zu wissen, was du mit "geerdet" sagen willst, doch du gibst mir damit ein Argument zum Widerspruch an die Hand: Genau das, dieses "Erden" ist weder dem LI in dieser Lage noch der Autorin im Nachhinein möglich. "Alltagsphilosophie" ... das trifft es ziemlich genau ... ein ganz anderer Text wäre es geworden, hätte LI hier noch "Festtagsphilosophie" betrieben.

... hier unterbreche ich also, "Teil 2" folgt.


---------------

Hi Murmel smile

Herzlichen Dank fürs Herkommen ("Must-read"? Embarassed) und dein Feedback aus der "reinen" Leser-Sicht. Da bekomme ich eine Idee davon, wie gelesen wird und wo sich Fragen auftun: wertvoll zu wissen. Gute Nacht nach Weitweg,
Lorraine
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Lorraine
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BeitragVerfasst am: 12.09.2014 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Abend,
Mettbrötchen, der Vollständigkeit halber und weil ich versuche, deiner Analyse so zu folgen, dass sie mir hilft, von der eigenen Wahrnehmung Abstand zu bekommen: Teil 2 meiner Antwort an dich.

Mettbrötchen hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
(den ich als schwarzes loch wie einen tunnel kommen
sehe einfahrt dunkel feuer dunkel kranz und feuer frei!)


Das ist so ein Moment, an dem es für mich ausufert und wo ich unter reinem Schlagwörterbeschuss stehe. Damit kann ich am Wenigsten anfangen.

Ich gestehe (dir) zu, dass es einiger Nachsicht mit einem LI bedarf, das hier "unter Beschuss" zu sein scheint, und mit der Autorin, die sowohl Metaphern doppelt besetzt als auch verlangt, dass man sich in der Auswahl an Anspielungen, Bezügen oder Eventualitäten noch zurecht findet: Für dich "ufert es aus", dem Einspruch sei stattgegeben. Wobei es unsicher ist, ob das bei der Urteilsfindung Berücksichtigung finden kann. Confused

Zitat:
mein körper war einmal ein haus dort liegt es liebt es leer


Wieder ein Moment, der mich das lyrische Ich spüren lässt. Aber wer ist das lyrische Ich? Seine Redeposition ist mir noch zu unkonturiert. Die Emotionen, die es an manchen Stellen direkt beschreibt und die es mich als Person mit eigener Identität und konkretem Gefühlswelt erleben lassen, sind für mich mehr Behauptungen. Die emotionale Fundierung dieses Bewusstseinsstroms und dieser Dissoziation ist noch nicht so ganz gegeben.

"Redeposition": Ich nehme dich beim Wort und erwidere, dass dies der Moment ist (ich bin mir nicht sicher, ob ich das nicht schon thematisiert hätte, weiter oben), da LI szs neben sich steht und so die Position eines Betrachters, Beobachters seiner selbst einnimmt. Es gibt diese emotionale Fundierung nicht, von der du sprichst. Wenn ich dich nicht ganz falsch verstehe, dann ... siehst du es, wie es da steht: Dissoziation, Abbremsen, Aussteigen, Abbruch, Kapitulation. Vor der Schwierigkeit der Aufgabe des Autors? Vor der Unmöglichkeit der Kontrolle des auf LI einwirkenden, unfreiwilligen Wach-seins?

 Zwar schafft es sich Inseln der Subjektivität und es ist auch reizvoll, [wie?] diese überflutet werden, aber ich finde da fehlt noch etwas.

Ja. Oder nein?

Gut durchgearbeitet finde ich das Gedicht allemal, nur seine innere Balance hat es m.E. noch nicht ganz gefunden.

Jetzt stelle ich mir die Frage, ob das (die innere Balance) möglich ist (was genau, von außen kommend, sollte auch aufgewogen werden können?. Du wirfst Fragen auf, die Antworten scheine ich allein finden zu müssen ... Dein Kommentar war hilfreich, vielleicht nicht auf die Weise, die du beabsichtigtest. Jedenfalls:  Danke (und auch für vieles andere).
L.
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Gaukelwort
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BeitragVerfasst am: 12.10.2014 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Lorraine,

Ich tippe mal den Rhein herab? Die Mosel herauf?


Zitat:
„...ein schloss ein turm und ampelspiel...“


lässt mich spontan an: „ein hut, ein stock ein...“ Kinderspiel denken, das beim Wandern hilft wenn die Schritte schwer werden. (Inzwischen habe ich gelesen, dass ich da nicht der Einzige bin, dem es so ergangen ist.)

Aber erst einmal im Zug geht es auch dann weiter wenn die Motivation fehlt und das Ziel eigentlich gar keines ist. Und da liegt für mich der Reiz deiner Zeilen. Alles fühlt sich nach eine Roadmovie an – wäre da nicht der kleine große unterschied, dass im Zug die Möglichkeiten zu spontanen Stopps und Streckenänderungen fehlen. Daher geht es zunächst und bis irgendwann irgendwie weiter in eine Richtung, die sich in der Vergangenheit ergeben hat.

Auch den von Zinna erwähnten Rhythmus habe ich an besagter Stelle erspürt. (Jedoch auch schon zuvor - abgeschwächt - erahnt.) Für mich funktioniert dein Text als Kopfkino gerade deshalb. Es ist das Mitschwingen, die Resonanz. Die Bilder ergeben sich aus der angestoßenen Emotion und brauchen für mich gar nicht schärfer sein als die vorüberfliegende Landschaft.

Von mir gibt es einen Daume hoch. Daumen hoch

Soweit ein paar Gedankenschnipsel

liebe Grüße

Gaukelwort

p.s.
Wer leer ist trägt neben dem Nichts auch den Fluch oder die Chance in sich ein Resonanzkörper der Gegenwart zu sein.


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Lorraine
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BeitragVerfasst am: 14.10.2014 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gaukelwort,


Sehr freundlich von dir, deine "Gedankenschnipsel" hier zu lassen.

Gaukelwort hat Folgendes geschrieben:
Alles fühlt sich nach eine Roadmovie an – wäre da nicht der kleine große unterschied, dass im Zug die Möglichkeiten zu spontanen Stopps und Streckenänderungen fehlen.


Notbremse? Cool

*

Hier ist die Gelegenheit, einen Gruss an finis loszuwerden:

Dein Kommentar ist mir sehr wertvoll, ich danke dir.

Lorraine
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Lorraine
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BeitragVerfasst am: 23.10.2015 00:53    Titel: fahrt / schieflage Antworten mit Zitat

.


fahrt / schieflage


ich weiß ja nicht mal wo ich bin und
draußen fliegt d-land in fetzen vorüber bildbrei
mein haar in salven fahrtwind stiehlt mir lange züge
meiner zigarette presst mir atem zu betankt mich
luft! ein schloss ein turm und ampelspiel
in leeren straßen windgekehrte reste

was wenn jeder blick ein erster und ein letzter
wäre wenn mich nie mehr einer hier her bringt wohin
zurück wie komm ich an und wozu sollte ich da ist doch
die musik in dosen die nicht rosten werden und

dann liege ich drei sitze ganz für mich allein ab-
teil geschlossne lider und die sonne hinter masten bäumen:
schattenspiele rhythmisch vorhang knattern alles für ein
endogenes video und pixelblitzen pumpt mir um den blinden fleck
entgegen (den ich als schwarzes loch wie einen tunnel kommen
sehe einfahrt dunkel feuer dunkel kranz und feuer frei!)
schotter schwellen eisen alles schallt und stampft von unten
meiner halben träume vibrationen lullen mir die
hohlen knochen ein ich bin ich bin ich werde resonanz
mein körper haus am hang dort liegt es liebt es leer


.



Gestern wurde ich mit einem Geschenk überrascht: Um  Aufnahme und Mixtur dieser veränderten Version kümmerte sich Marten Mühlenstein, nochmals vielen Dank!  MP3 hänge ich hier an.
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Christof Lais Sperl
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BeitragVerfasst am: 23.10.2015 09:17    Titel: Toll! Antworten mit Zitat

Sehr beeindruckend. Was soll man da noch kritisieren?

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Lais
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 23.10.2015 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

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- Lütfiye Güzel
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EWJoe
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BeitragVerfasst am: 27.10.2015 12:05    Titel: Antworten mit Zitat

Servus Lorraine,

Ich bin nur ein Zaungast im Lyrikbereich, nichtsdestotrotz bin ich mehr und mehr von guten Werken in diesem Bereich fasziniert. Deines gehört unbedingt in diese Kategorie. Das Fehlen der Satzzeichen erschwert mir das Lesen zwar, führt bei mir auch zu Fehlinterpretationen, aber dennoch empfinde ich diese oft entstehende Ambivalenz sehr reizvoll. Gerade diese Umbrüche Deiner Sätze lassen mich den tollen Rhythmus verstärkt empfinden – sehr treffend gesetzt.

Warum Du Dich in den Einstandsbereich zurücksetzen hast lassen, kann ich nur vermuten. Unsicher, deines Werkes wegen, musst Du gewiss nicht sein! In jedem Fall stellst Du sehr hohe Ansprüche an Deinen Text, mag sein, dass das ein Motiv für Deinen Schritt war.

In jedem Fall gehörst Du für mich zu den Wortzauberinnen -zauberern, die es nur sehr wenige gibt. Als Mugl mag man da staunend feststellen, was so alles ausgedrückt werden kann, welche Magie die richtigen Worte auslösen können. Das zu begreifen habe ich erst begonnen.

Ich habe mir auch Deine gesprochene Version angehört, sehr gut gesprochen, nur die Musik empfand ich als etwas zu hektisch, das mag aber an meinem Naturell liegen.

Sehr gerne gelesen und nicht nur einmal.

LG Joe


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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 27.10.2015 12:52    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr schön.
Die Musik erstaunt mich, hätte ganz andere erwartet, passt aber.
Interessant die Diskrepanz zwischen Lesung und Schriftsetzung (oder nenn es deine Interpretation), denn die textliche Dichte hebst du durch nicht im (Schrift)satz gegebene Pausen deutlich auf, machst das ganze leichter, freier, eindeutiger.


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BlueNote
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Ei 4



BeitragVerfasst am: 27.10.2015 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Aha!

Den ganzen Vortrag über war ich gespannt, wie das Trommelfeuer enden würde. Ich hatte ein "fading out" befürchtet. Aber nein! Perfektes Timing! Was will man mehr? Sogar mit Ausklingen. Bin überrascht. Positiv. Grüße an MM!
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Lorraine
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Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 05.11.2015 07:47    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen und herzlichen Dank für die Rückmeldungen! Marten hat so ziemlich genau das unterlegt, was ich mir gewünscht hatte und wie BN finde ich auch, dass er das mit dem Timing gut hinbekommen hat.
@EWJoe: Ich hatte den "Lorraine"-Account zwischenzeitlich löschen lassen, musste nach meiner Rückkehr die Einstands-Zeremonie durchlaufen, ist also ganz normal, dass das Gedicht hier in diesem Bereich steht.
Zitat:
In jedem Fall gehörst Du für mich zu den Wortzauberinnen -zauberern, die es nur sehr wenige gibt.
Dankeschön.
@holg ... stimmt schon, mit dem (Vor-)Lesen geht immer ein Stück Interpretation, oder Neu-Übersetzung einher, leider habe ich nicht die Übung oder genug Routine (?), um das herauszuholen, was ich versucht habe, hinein zu legen oder zu schreiben.
Danke auch an Monsieur CLS und @ Eredor: love

Ach ja, und noch etwas:
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