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Noir (Auszug)


 

 
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Seraph
Geschlecht:männlichMelancholiker

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Beiträge: 1728
Wohnort: Dülmen


Die Legenden von Himmel und Hölle
BeitragVerfasst am: 21.07.2014 17:25    Titel: Noir (Auszug) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." (Friedrich Nietzsche)

Ich sprinte ins Badezimmer. In den wenigen Sekunden, in denen ich zur Toilette spurte, den Deckel hochhebe und meinen Kopf förmlich hineinschmeiße, wird mir wieder bewusst, wie verdammt sauber und rein hier alles ist. Gottverflucht, Matt! Umso heftiger kotze ich. Es fühlt sich an, als würde ich flüssiges Feuer aus mir heraus pressen. Nicht wegen dieser beschissenen Magensäure, nein! Es ist der Dämon in mir, der meckernd lacht und in hohem Bogen durch meine Speiseröhre nach draußen pisst.

Egal, wie laut ich auch würge und stöhne und schreie dabei – das Geräusch jedes einzelnen Stückes meiner Kotze klatscht noch etwas lauter in die Porzellanschüssel. In diese verfickt saubere Porzellanschüssel! Wenn ich kotze, verkrampfe ich. Das habe ich schon als kleines Kind gemacht und jetzt, wo ein Teil meines Körpers in Selinas Körper war, krampfe ich umso heftiger. Meine Augen tränen. Der Druck lässt sie ein paar Milimeter hervortreten und über meinen Jochbeinen platzen winzige Adern in der Haut und lassen kleine rote Blutpunkte entstehen. Und egal wie laut meine Kotze in diese elend weiße Porzellanschüsse klatscht – natürlich höre ich ein Geräusch glasklar heraus.
Selinas zögerliche, tapsende Schritte.
Fuck, nein! Komm nicht hier rein! Geh weg!
„Voke?“ höre ich ihre glockenhelle Stimme. Ohne sie anzusehen, weiß ich instinktiv, wie sie dort steht. Im Türrahmen, schüchtern, die Stirn in einer Art kläglichem Es-tut-mir-leid-dass-ich-dich-enttäuscht-habe-Blick gerunzelt und die Ärmchen um ihren zarten Leib geschlungen.   Und ich weiß genau, was in ihrem Kopf vor sich geht.
Sie gibt sich die Schuld. Sie hat damit angefangen. Sie hat sich in ihre Opferrolle geflüchtet und Typen wie mich angezogen, wie das Licht die Motten. Sie ist verdorben und schlecht – niemand hat sie so gemacht, sondern sie ist von Natur aus so. Ein verkommenes, widerliches Stück Fickfleisch – so kaputt, dass sie sich bereits mit ihren dreizehn Jahren mehr Männer geangelt hat, als die meisten Straßennutten in dieser Stadt. Was ist sie denn wert? Einen Scheißdreck! Kein Wunder, dass die Typen irgendwann ausrasten und sie verprügeln, so eine widerwärtige Schlampe wie sie ist! Sie hat es verdient! Sie ist verflucht noch mal schuld!

Das denkt sie. Scheiße nochmal, genau das denkt sie! Und während ich die letzten Reste dämonischer Übelkeit in das Klo kotze, wird mir erneut das Bizarre an der Situation bewusst. Sie gibt sich die Schuld, ich gebe mir die Schuld. Ich kotze körperlich, sie seelisch und in ein paar Tagen gehen wir beide zugrunde. Und wer hat gewonnen? Die Pädophilen, die Arschlöcher und die ganze verfickte Stadt. Das ganze erinnert so langsam an eine griechische Trägodie.
„Geh raus, Selina“, ächze ich und spucke noch einmal aus. „Hab nur was Falsches gegessen, mach dir keine Sorgen.“ Ich habe den Satz gerade vollendet, da meldet sich mein Dämon wieder zu Wort, nur dass er mir diesmal mit nervenzerfetzender Stimme direkt in mein Trommelfell kreischt. Wie naiv bist du eigentlich, Voke? Denkst du ernsthaft, sie glaubt auch nur ein Wort von dieser Scheiße? Und auch diesmal muss ich nicht zu ihr hinsehen, um zu wissen, dass sie meine Lüge bitter hinunterschluckt und diesen Vertrauensbruch auch noch sich anlastet.

Sie tapst wieder davon und nach ein paar Minuten bin ich soweit, dass ich wieder aufstehen kann. Ich spüle meine Kotze hinunter und gehe zum Waschbecken, um mir den Mund auszuspülen. Gottverflucht, hätte ich bloß nicht in den Spiegel gesehen! Ich sehe schlimm aus und das war erst der Anfang. Noch hat es nicht angefangen.
Was ich meine, fragt ihr euch? Kennt ihr das Gefühl, wenn die Luft wie elektrisch aufgeladen zu sein scheint? Wenn ihr spürt, dass irgendetwas Großes, Gewaltiges kurz bevor steht? Dieser Moment, in dem die Tiere ihre Köpfe heben und dann blitzschnell das Weite suchen, weil sie instinktiv wissen, dass etwas passiert? Genau das geschieht gerade. Vielleicht bin ich tot, bevor ich mit Selina im Erdgeschoss angekommen bin. Vielleicht brenne ich diese ganze, verdammte Stadt mit Napalm nieder und spiele dabei Wagners „Ritt der Walküren“. Oder irgendetwas dazwischen. Ich weiß es nicht.
Aber fest steht, dass nicht so sein wird, wie bisher. Und das kann nur gut sein. Nicht für mich, nein. Und nicht für die ganzen Leute, die am Dreck dieser Stadt erstickt sind. Aber es wird gut werden.



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Enfant Terrible
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Ein Fingerhut voller Tränen - Ein Gedichtband
BeitragVerfasst am: 21.07.2014 19:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ich muss leider ehrlich zugeben, dass es mir Mühe bereitet hat, den Text konzentriert zu Ende zu lesen, weil ich nicht so recht reinkommen konnte. Hier treffen zwei grundlegende Problemen aufeinander, die für mich persönlich die Leselust schmälern.
Zu einem ist die Szene vage, das Geschenen kaum definiert und nicht prägnant genug, um wirklich zu packen. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass ich (vielleicht auch mangels einees erklärenden Vorspanns) die Szene nicht einzuordnen vermag. Was ist davor passiert? Wie haben sich die beiden Figuren getroffen, wie kommt es zu dieser Szene? Fragen über Fragen, die mir den Zugang zur Atmosphäre, zur Dringlichkeit der geschilderten Szene versperren.
Auf der anderen Seite erschlägt mich das "too much" an Düsternis, die aber mangels eines nachvollziehbaren Plots etwas beliebig in der Szenerie hängt: Kotze, Blut, Schuldgefühle, innerer Dämon, Aggression, Pädophilie, Verderbtheit ... insgesamt wirkt es zu gewollt, aber ohne eine bestimmte Schlagrichtung. Seltsamerweise mutet der Stil gerade wegen der bemühten Grobheit in der Wortwahl seltsam zahm an.
Warum nennt das Mädel den Protagonisten eigentlich Voke, und er sich selbst Matt?


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Seraph
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Die Legenden von Himmel und Hölle
BeitragVerfasst am: 21.07.2014 20:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die harte Sprache ist mir durchaus bewusst. Und in diesem Projekt werde ich das auch weiterhin durchziehen. Ich glaube, ich habe den Text vorher sogar noch etwas entschärft wink
Dir sei aber gesagt, dass sich das "Fluchen" hauptsächlich in den inneren Monologen und Gedankengängen des Protagonisten Voke wieder findet. Er ist Misantroph durch und durch (wer kann es ihm verübeln).


Ich habe die Szene bewusst herausgenommen, weil ich sehen wollte, ob eine Sequenz, in der es nur um einen kurzen Gedankenauszug einer Figur geht, auch ankommt, ohne die Handlung vorher zu kennen.
Falls es dich interessiert: Voke hat Selina (ein 13-jähriges Mädchen) vor seinem pädophilen Bruder gerettet. Das ist Matt. In seiner Wohnung findet er die Kleine und für einen schrecklichen kurzen Moment kommt es zu sexuellen Berührungen zwischen den beiden. Dieser Abschnitt hier spielt kurz danach: von sich selbst angewidert kotzt Voke ins Klo. Amen.


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Casual
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BeitragVerfasst am: 22.07.2014 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fühlte mich auch ein wenig verloren in der Szene (klar ist ja auch irgendwo aus der Mitte rausgenohmen) und dachte anfangs wirklich er wäre von einem echten Dämon besessen, der ihm irgendwie dazu zwingt zu kotzen Embarassed

Im Kontext macht das natürlich mehr Sinn und ich muss sagen ich mag deinen Schreibstil. (obwohl das Dämonenmotiv evtl gedämpft gehört.)
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scopie
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Beiträge: 154



BeitragVerfasst am: 23.07.2014 01:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Seraph,

ich muss gestehen, so ganz zurechtfinden konnte ich mich in dieser Szene auch nicht, zumindest nicht ohne deine nachträgliche Erklärung. Spontan hätte ich diesen Text am ehesten dem Fantasy-Genre zugeschrieben. Begründung: Dass "ein Teil des Körpers" des Protagonisten in Selina war, könnte durch Magie begründet gewesen sein; dazu würde der "Dämon" passen und auch die heftige körperliche Reaktion. Das liegt aber eben nur daran, dass dieser Teil hier ohne Kontext steht.

Ich habe erst mal ein paar Stellen kommentiert:

Zitat:
Ich sprinte ins Badezimmer. (Der erste Satz packt mich nicht. Der Inhalt - das Sprinten - bringt zwar direkt Bewegung rein, aber der Satz ist zu langweilig, um das voll zu vermitteln. Subjekt Prädikat Objekt. Er macht dies. Sie macht das. Man könnte hier probieren, gleich zu Beginn in den Kopf des Protagonisten einzutauchen.) In den wenigen Sekunden, in denen ich zur Toilette spurte, den Deckel hochhebe und meinen Kopf förmlich hineinschmeiße, wird mir wieder bewusst, wie verdammt sauber und rein hier alles ist. Gottverflucht, Matt! (Solche kleinen Gedanken werden oft kursiv geschrieben, das fände ich hier auch passend) Umso heftiger kotze ich. Es fühlt sich an, als würde ich flüssiges Feuer aus mir heraus pressen. Nicht wegen dieser beschissenen Magensäure, nein! Es ist der Dämon in mir, der meckernd lacht und in hohem Bogen durch meine Speiseröhre nach draußen pisst. (Hmm, vielleicht bin ich hier zu pingelig, aber die Bilder von herausgepresster Kotze und einem Parabel-Pissestrahl harmonieren bei mir nicht so richtig. Ohne das "in hohem Bogen" würde der Satz auch trockener wirken, das wäre meines Erachtens passender.)

Egal, wie laut ich auch würge und stöhne und schreie dabei – das Geräusch jedes einzelnen Stückes meiner Kotze klatscht noch etwas lauter in die Porzellanschüssel. (Ist ja klar, dass es lauter wird, wenn er seine Kotze mit aller Kraft rauspresst. Daher verstehe ich die "Egal wie sehr"-Einleitung des Satzes nicht.) In diese verfickt saubere Porzellanschüssel! Wenn ich kotze, verkrampfe ich (Das tut jeder Kotzende, anders würde das Kotzen nicht funktionieren). Das habe ich schon als kleines Kind gemacht und jetzt, wo ein Teil meines Körpers in Selinas Körper war (Warum ist der Ton die ganze Zeit so hart, wird dann aber statt "Ich habe sie gefickt" oder "Mein Schwanz hat in ihr gesteckt" diese dezente Formulierung verwendet?), krampfe ich umso heftiger. Meine Augen tränen. Der Druck lässt sie ein paar Milimeter hervortreten, und über meinen Jochbeinen platzen winzige Adern in der Haut und lassen kleine rote Blutpunkte entstehen. (Diesen Satz finde ich seltsam, weil wir bisher alles aus der Sicht des Protagonisten erlebt haben, aber nun beschreibt er sich plötzlich selbst von außen. Da würde ich eher in der Perspektive bleiben und nicht "rauszoomen"; so wichtig sind die geplatzten Äderchen ja nicht, der Druck und das Brennen in den tränenden Augen würden reichen.) Und egal wie laut meine Kotze in diese elend weiße Porzellanschüsse klatscht – natürlich höre ich ein Geräusch glasklar heraus.
Selinas zögerliche, tapsende Schritte.
Fuck, nein! Komm nicht hier rein! Geh weg!
„Voke?“, höre ich ihre glockenhelle Stimme. Ohne sie anzusehen aufzusehen, weiß ich instinktiv, wie sie dort steht. Im Türrahmen, schüchtern, die Stirn in einer Art kläglichem Es-tut-mir-leid-dass-ich-dich-enttäuscht-habe-Blick ("Tut-mir-leid-Blick" oder eine Formulierung ohne Bindestriche wären angenehmer als so ein Bandwurm) gerunzelt und die Ärmchen um ihren zarten Leib geschlungen. Und ich weiß genau, was in ihrem Kopf vor sich geht ("vorgeht" klingt in meinen Ohren runder).
Sie gibt sich die Schuld. Sie hat damit angefangen. Sie hat sich in ihre Opferrolle geflüchtet und Typen wie mich angezogen, wie das Licht die Motten. Sie ist verdorben und schlecht – niemand hat sie so gemacht, sondern sie ist von Natur aus so. Ein verkommenes, widerliches Stück Fickfleisch – so kaputt, dass sie sich bereits mit ihren dreizehn Jahren mehr Männer geangelt hat, als die meisten Straßennutten in dieser Stadt. Was ist sie denn wert? Einen Scheißdreck! Kein Wunder, dass die Typen irgendwann ausrasten und sie verprügeln, so eine widerwärtige Schlampe wie sie ist! Sie hat es verdient! Sie ist verflucht noch mal schuld!

Das denkt sie. Scheiße nochmal, genau das denkt sie! Und während ich die letzten Reste dämonischer Übelkeit in das Klo kotze, wird mir erneut das Bizarre an der Situation bewusst: Sie gibt sich die Schuld, ich gebe mir die Schuld. Ich kotze körperlich, sie seelisch, und in ein paar Tagen gehen wir beide zugrunde. Und wer hat gewonnen? Die Pädophilen, die Arschlöcher und die ganze verfickte Stadt. (Trotz deiner kurzen Erläuterung der Rahmenhandlung frage ich mich, inwiefern Pädophile "gewonnen" hätten, wenn der Protagonist und das Mädchen "zugrundegehen" (Wie genau gehen sie überhaupt zugrunde?)) Das gGanze erinnert so langsam an eine griechische Trägodie.
„Geh raus, Selina“, ächze ich und spucke noch einmal aus. „Hab nur was Falsches gegessen, mach dir keine Sorgen.“ Ich habe den Satz gerade vollendet, da meldet sich mein Dämon wieder zu Wort, nur dass er mir diesmal mit nervenzerfetzender Stimme direkt in mein Trommelfell kreischt. Wie naiv bist du eigentlich, Voke? Denkst du ernsthaft, sie glaubt auch nur ein Wort von dieser Scheiße? Und auch diesmal muss ich nicht zu ihr hinsehen, um zu wissen, dass sie meine Lüge bitter hinunterschluckt und sich auch diesen Vertrauensbruch auch noch sich noch anlastet.

Sie tapst wieder davon. und n Nach ein paar Minuten bin ich soweit, dass ich wieder aufstehen kann. Ich spüle meine Kotze hinunter und gehe zum Waschbecken, um mir den Mund auszuspülen. Gottverflucht, hätte ich bloß nicht in den Spiegel gesehen! Ich sehe schlimm aus und das war erst der Anfang. Noch hat es nicht angefangen. (War das nun der Anfang oder hat es noch nicht angefangen? (; )
Was ich meine, fragt ihr euch? Kennt ihr das Gefühl, wenn die Luft wie elektrisch aufgeladen zu sein scheint? Wenn ihr spürt, dass irgendetwas Großes, Gewaltiges kurz bevor steht? (Der Inhalt dieser ganzen Fragen ließe sich auch in nur einer oder zweien ausdrücken, oder in gar keiner (Geschmackssache: Ich finde es seltsam, wenn Charaktere mit dem Leser reden); jedenfalls würden weniger Fragen eindringlicher sein) Dieser Moment, in dem die Tiere ihre Köpfe heben und dann blitzschnell das Weite suchen, weil sie instinktiv wissen, dass etwas passiert? Genau das geschieht gerade. Vielleicht bin ich tot, bevor ich mit Selina im Erdgeschoss angekommen bin. Vielleicht brenne ich diese ganze, verdammte Stadt mit Napalm nieder und spiele dabei Wagners „Ritt der Walküren“. Oder irgendetwas dazwischen. Ich weiß es nicht.
Aber fest steht, dass nicht so sein wird, wie bisher. Und das kann nur gut sein. Nicht für mich, nein. Und nicht für die ganzen Leute, die am Dreck dieser Stadt erstickt sind. Aber es wird gut werden.


Zur Sprache. Ein härterer Ton kann meines Erachtens wirkungs- und auch reizvoll sein, dennoch denke auch ich, dass hier noch nicht das richtige Maß gefunden wurde. Das Problem sehe ich nicht in der vulgären Sprache an sich, sondern im übermäßigen Gebrauch davon. Die Atmosphäre wird dadurch erzwungen, anstatt sie subtiler durch das Geschehen zu vermitteln; es wirkt "gewollt", zu dick aufgetragen. Außerdem geht etwas von der Kraft der Kraftausdrücke verloren, wenn man sie so oft hört oder liest, und irgendwann bleibt nur noch der Eindruck eines kleinen kläffenden Hundes, der zwar stark wirken will, es aber eigentlich nicht ist. Es wird eintönig (das wird es immer, wenn ständig gleiche Adjektive verwendet werden, ob es nun "schön" oder "verfickt" ist), bleibt aber dennoch weiterhin aufdringlich. Und wenn alles immer "verfickt" und "gottverdammt" ist, kann unklar werden, was den Protagonisten nun wirklich aufregt und was nicht. So einen Hitzkopf, der sogar nach ausgiebigem Gekotze noch Energie dafür hat gedanklich lautstark über sein eigenes Spiegelbild zu fluchen, stelle ich mir anstrengend vor, wenn er als Protagonist ein ganzes Buch dominiert.
Dennoch würde ich nicht sagen, dein Schreibstil sei schlecht. Der Text lässt sich flüssig lesen. Außerdem gefallen mir ein paar deiner Beschreibungen und Formulierungen.

Zum Inhalt. Die erste Hälfte ist verständlich (bis "Sie ist verflucht noch mal schuld!"), ab da wird es etwas wirr. Wie in meinen Kommentaren schon gesagt, verstehe ich nicht, inwieifern Voke und Selina "zugrundegehen" und warum "die Pädophilen" (welche? alle?), "die Arschlöcher" (wer ist das?) und "die ganze Stadt" dadurch "gewinnen" würden. Außerdem ist unklar, warum auf diese sexuellen Berührungen plötzlich etwas Großes, ja Apokalyptisches folgen soll und der Protagonist um sein Leben bangt, dann aber den Niedergang der Stadt plant - und am Ende soll dann doch alles "gut werden"? Da herrscht bei mir Verwirrung. Und es klingt ein wenig nach einem Jugendlichen, der gerade alles dramatisiert.

Vielleicht hast du ja Lust, ein paar folgende Szenen oder die vorangehende hier einzustellen.

Liebe Grüße
scopie
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