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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Shibuya Kapitel 1


 

 
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Nadine86
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 33
Beiträge: 28
Wohnort: Göttingen


BeitragVerfasst am: 09.07.2014 23:20    Titel: Shibuya Kapitel 1 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo,

dies ist das erste Kapitel meines ersten Romans an dem ich gerade schreibe. Eigentlich gehört noch ein Prolog vor dieses Kapitel, aber da der ziemlich kurz ist, habe ich ihn einfach erstmal außen vor gelassen. Bei Bedarf kann ich ihn aber gerne nachreichen smile.

Noch eine kleine Anmerkung vorweg: Ich weiß, dass es in Tokio wirklich einen Stadtteil namens Shibuya gibt. Leider ist mir das aber erst beim Schreiben des dritten Kapitels wirklich bewusst geworden. Ich bin auf der Suche nach einem neuen Namen, aber bisher ist mir noch kein geeigneter eingefallen.

So, nun möchte ich euch nicht weiter aufhalten. Mal sehen, wie euer Urteil ausfällt.


Kapitel 1

„… und was ist mit der Lieferung?“

„…“

„Sag schon!“

„Sie ist weg“, erwiderte er kaum hörbar.

„Scheiße. Das ist richtig scheiße. Weißt du eigentlich, wie viel Kohle da drin steckt? Warum habt ihr nicht angerufen, dann hätten wir das geklärt!“

„Es …es wäre zu spät gewesen. Ihr hättet es nicht rechtzeitig geschafft.“

„Na und? Zumindest wüssten wir dann, wer es war. Oder kannst du mir dazu irgendwelche Informationen geben?“

„Ich… Nein. Es… es tut mir leid.“

„Es tut dir also leid, ja? Davon kann ich mir auch nichts kaufen. Habt ihr wenigstens den Leichnam entsorgt?“

„Wir haben ihn mitgenommen. Er ist im Kofferraum.“

„Und was genau bringt uns das?“

Es erfolgte keine Antwort.

„… nur unfähige Leute hier“, nuschelte die von Wut getränkte Stimme, bevor der Überbringer der schlechten Neuigkeiten eine Kugel in den Kopf bekam und tot zusammenbrach.

„Kümmert euch um ihn und um den im Kofferraum auch“, sagte er und verschwand mit wehendem Mantel aus dem Raum.

Samuel legte seinen Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel, um sie zu massieren. Dies war nun schon das sechste Mal, dass eine Lieferung nahe der Grenze zu Shibuya gekapert wurde. Vier Mal waren es Drogen und nun zum zweiten Mal Waffen. Sie mussten das unbedingt in den Griff bekommen, bevor sie noch größere Verluste einfuhren. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass niemand eine Ahnung hatte, wer derjenige sein könnte, der es wagte offen gegen sie vorzugehen. Natürlich, Shibuya war schwierig, aber meistens blieben sie dort unter sich oder aber sie waren nicht organisiert genug, um solche großen Sachen durchzuziehen.

Er musste unbedingt den Anderen Bescheid geben. Die Waffen hatten schließlich einen Wert von mehr als 50.000 Mücken. Deshalb zückte er sein Mobiltelefon und berief ein Treffen ein.

Genau eine Stunde später saßen die Bosse der ganzen Stadt in einem Raum, um die Sache zu erörtern. Dies wirkte auf Außenstehende vielleicht ungewöhnlich, aber mit der Zeit hatte man gelernt, dass es sinnvoll war, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Shibuya bildete dabei natürlich eine Ausnahme, denn dort gab es keinen Boss, nur Anarchie. Nach einer langen Beratung kamen letztendlich zu dem Schluss, dass sie erst einmal einen Umweg für die Lieferungen nehmen würden, bis sie genauere Informationen hatten. Diese sollte Marcello einholen, da er gerade dabei war in Shibuya Fuß zu fassen, und somit die besten Möglichkeiten dazu hatte.

Anschließend gingen Einige von ihnen noch in eine Bar, um etwas zu trinken und die schlechten Nachrichten zu verdauen. Darunter waren Samuel, seine rechte Hand Ben. Lawrence, den alle nur Law nannten. Außerdem Mitchell, der immer nur Hawk genannt wurde, da er so einen stechenden Blick hatte der an einen Falken erinnerte. Vincent und sein bester Mann Killer gehören auch noch zur Gruppe. Eigentlich hieß letzterer Killian, aber er hatte so viele Leichen auf dem Kerbholz, dass er überall nur als Killer bekannt war.

Nach seinem dritten Glas Sake – er hatte ein Faible für diesen japanischen Reiswein –  sah Samuel sich nach einer potenziellen Partnerin für die Nacht um. Er konnte etwas Entspannung gebrauchen, vor allem nach solch einem Abend. Leider interessierte ihn keine der Frauen, die an diesem Abend die Bar besuchten. Kurz bevor er sein Vorhaben aufgeben wollte, entdeckte er sie. Auf einem Barhocker an der Theke – ziemlich abgeschieden in der letzten Ecke – saß eine kleine unscheinbare Frau und hatte ein gefülltes Whiskeyglas vor sich stehen. Sonderlich zu Recht gemacht war sie nicht. Die Frau trug lediglich eine ausgewaschene, weite, teilweise zerrissene Jeans und einen schwarzen Kapuzenpullover. Die Kapuze bedeckte ihren Hinterkopf und entblößte nur einen Teil ihres Haares, welches entweder dunkelblond oder hellbraun war – bei den hiesigen Lichtverhältnissen konnte er das nicht genau erkennen. Ihre feinen Gesichtszüge waren ausdruckslos, während ihr Blick nur auf ihrem Glas haftete. Es war offensichtlich, dass sie ihre Ruhe haben wollte.

Samuel haderte mit sich. Interesse zeigte er schon, gerade weil sie sich nicht irgendwie hübsch gemacht hatte, aber es war nicht zu übersehen, dass sie keine Gesellschaft wollte. Dennoch fragte er sich was sie hier tat. Sie war ganz alleine in einer Bar, die nicht gerade den besten Ruf hatte. Dies war schließlich das Stammlokal einiger Bosse der Stadt, aber das schien ihr egal zu sein – oder sie wusste es einfach nicht. Hinzukam, dass er sie noch nie vorher gesehen hatte, was auch recht ungewöhnlich war.

Fürs Erste ließ er sich in ein Gespräch mit Lawrence verwickeln. Lawrence war noch recht jung – erst dreißig Jahre alt –  hatte aber schon Einiges erreicht. Sein Medizinstudium hatte er erst vor Kurzem beendet. Nun arbeitete er in einer Privatklinik, aber sein Hauptgeschäftszweig waren Waffen und das Fälschen von Papieren. Er war ein Sadist, anders konnte man es wirklich nicht nennen. Menschen zu quälen stellte eine seiner größten Eigenschaften dar. Denjenigen, die ihn verärgerten, stand ein schlimmes Schicksal bevor und auch im sexuellen Bereich, war es für ihn unerlässlich seinen Sadismus auszuleben. Dies alles stand im krassen Gegensatz zum Beruf eines Mediziners, sodass viele darüber nur den Kopf schüttelten. Aber er war auch einer der besten Chirurgen, die diese Stadt zu bieten hatte. Sein Äußeres drückte auf unterschwellige Art und Weise Gefahr aus. Lawrence war groß und schlank, aber sehr muskulös. Seine Haare waren schwarz – nicht kurz, aber auch nicht lang – und ziemlich verstrubbelt. Die rauchgrauen Augen stachen aus den markanten Gesichtszügen hervor. Hinzu kamen die vielen Tätowierungen, die seine gut gebräunte Haut zierten. Nicht umsonst hatte er schon jetzt eine so hohe Position inne.

Hin und wieder warf Samuel einen Blick auf die Frau an der Bar, aber nichts änderte sich, außer dass ihr Glas ab und an nachgefüllt wurde. Als sich das Gespräch mit Lawrence dem Ende entgegen neigte, hatte Samuel seinen Entschluss gefasst. Er würde zu ihr gehen. Einen Versuch war es zumindest wert.

Er stürzte den letzten Rest Sake hinunter und wollte gerade aufstehen, um zu ihr zu gehen, da fiel ihm auf, dass sie weg war. Bedächtig sah er sich um, aber sie war nirgendwo zu sehen.

„Sie ist vor fünf Minuten gegangen“, sagte Hawk. „Aber ich glaube auch nicht, dass du eine Chance gehabt hättest. Sie hat jeden abgewiesen, der ihr zu nahe kam.“

„Mmh, schade. Sie hatte was.“

„Ja, das stimmt. Dann musst du dir jetzt wohl eine Andere suchen.“

„Mal sehen.“

Leider hatte er kein Glück an diesem Abend. Die anderen Frauen gefielen ihm nicht. Es war zu offensichtlich, dass das bei ihnen ein leichtes Spiel werden würde, aber er mochte die Jagd, mochte es wenn sie sich sträubten und er um sie kämpfen musste. Und bei der Kleinen von vorhin wäre das definitiv der Fall gewesen. Er bestellte sich ein letztes Getränk – nun war er einfach nur noch müde – als die Tür der Bar aufging und einer von Vincents Männern hineinkam. Zielstrebig steuerte er auf ihren Tisch zu.

„Boss, in der Seitenstraße neben der Bar wurden gerade die Leichen von vier Männern gefunden.“

Geschlossen erhoben die Männer sich, um kurz darauf hinaus zu gehen. Das mussten sie sich genauer ansehen. Zielstrebig ging Lawrence auf die toten Körper zu und befühlte sie, um zu sehen was passiert war.

„Sie sind vielleicht eine halbe Stunde tot. Stichwunden, tödliche Stichwunden, da verstand einer sein Handwerk. Ich vermute es war ein Dolch oder ein Schwert, auf keinen Fall ein Messer. Kennt einer von euch die Typen?“

Alle schüttelten den Kopf. Diese Männer waren ihnen unbekannt, aber es war unverkennbar, dass sie kriminell gewesen waren. Anhand der Brieftaschen konnten sie die Identität der Toten feststellen.

„Klingt für mich nach Handlangern von diesem Torben. Ihr wisst schon, der Typ der uns in letzter Zeit solche Probleme machte. Auch die Knarren sehen danach aus“, sagte Ben sachlich, während er sich eine neue Zigarette ansteckte und anschließend den Qualm ausstieß.

„Oder es waren welche aus Shibuya“, meinte Vincent.

„Nein, das glaube ich nicht. Wieso sollten gerade hier vier Typen aus Shibuya sein und warum sollte sie jemand töten?“, fragte Hawk.

„Keine Ahnung. Aber ich finde auch, dass Torben plausibler klingt“, sagte Killer.

„Stellt sich nur die Frage, wer es war. Das hier wurde definitiv nicht von einem Laien gemacht. Zu präzise“, sprach Lawrence.

„Vince, waren deine Männer nicht hier draußen? Die müssen doch was gesehen haben“, schaltete sich nun auch Samuel in das Gespräch ein.

„Ihr habt ihn gehört. War hier irgendwas Verdächtiges?“, streng sah Vincent seine Männer an.

„Nein. Es kamen nur die Leute aus der Bar, sonst war hier niemand. Diese hier waren auch in der Bar“, sagte einer von ihnen. Er sah aus wie ein Zombie.

„Oh, ist mir gar nicht aufgefallen. … Wer kam als letztes raus?“, fragte Killer

„Na ja, zuerst diese Typen und dann zehn Minuten später eine Frau. Klein, hatte eine verwaschene Jeans und einen dunklen Kapuzenpulli an. Die Kapuze war aufgesetzt. Sie ging auch in diese Richtung“, erläuterte der Zombietyp. „Sie sah aber nicht so aus, als ob sie vier solche Typen umhauen kann. Außerdem kam hier noch ein anderer Typ vorbei, der in diese Richtung ging, aber er kam nicht aus der Bar.“

„Das glaube ich auch nicht, dass sie es war. Ich habe sie in der Bar gesehen“, sagte Samuel und Hawk nickte zustimmend. „Sieht beinahe danach aus, dass es der Typ war, der hier vorbeikam.“ Zwar konnte Samuel sich immer noch nicht erklären, was es für Gründe gehabt haben könnte, trotzdem klang diese Lösung für ihn am plausibelsten.

Einen Augenblick lang schwiegen sie und sahen sich teilweise ratlos an, doch dann ging ihnen auf, dass sie den Tätern nicht näher kommen könnten, wenn sie hier standen.

„Okay, schafft die Leichen weg“, wies Vincent an. „Wir versuchen 'rauszufinden, wer das war und was diese Typen ursprünglich wollten.“

„Gut. Bis zur nächsten Besprechung sollten wir wissen, was hier los war“, meinte Hawk und zog von dannen.

Auch die restliche Runde löste sich auf. Samuel setzte Ben darauf an. Allerdings sollte er erst am nächsten Tag damit beginnen – es war schließlich schon spät.



Drei Wochen später hatte sich die Lage nur minimal gebessert. Die Waffen- und Drogenlieferungen wurden nicht mehr gekapert, waren aber auch teurer, weil sie nun fast einmal um die ganze Stadt gebracht werden mussten, damit sie nicht an Shibuya vorbeikamen. Leider wussten sie immer noch nicht, wer diese vier Männer umgebracht hatte. Marcello hatte aber positive Neuigkeiten. Er hatte es geschafft, die meisten Bandenbosse Shibuyas unter sich zu bringen. Außerdem machte er sich die ganze Zeit über eine Gruppe lustig, die ihm wohl gedroht hatte, dass, wenn er sich nicht aus Shibuya „verpissen“ sollte, er sterben müsste. Dies war ein guter Indikator dafür, wie gefestigt seine Position schon war.

Nachdem sie einer nicht ganz so entspannten Versammlung beigewohnt hatten – die Probleme häuften sich schließlich –, gingen sie in die Bar und wollten etwas trinken. Samuel hielt nach ihr Ausschau. Es kam nun öfter vor, dass er sie sah, aber er hatte noch nie mit ihr gesprochen. Mittlerweile saß sie nicht mehr an der Theke, sondern in einer Nische und trank da meist zwei Gläser Whiskey und ein Bier, bevor sie wieder ging. Sie trug immer eine weite Jeans und einen dunklen Kapuzenpullover und sprach nie mit Jemandem. Auch heute saß sie wieder in ihrer Nische –  ganz allein – aber das sollte nicht so bleiben.

Samuel wollte einen seiner Männer zu ihr schicken. Lukas – so hieß dieser junge Mann – war schon darauf vorbereitet, zögerte aber nachdem er sie erblickt hatte.

Spöttisch zog Marco – der links neben Samuel saß – eine feine Augenbraue nach oben. „Na, ein neues Opfer?“, fragte er an Samuel gewandt.

„Natürlich. Ich will aber erst einmal ein paar Informationen über sie haben. Deshalb wird Lukas jetzt ein nettes Gespräch mit ihr führen.“

Man wusste schließlich nie, ob die betreffende Person ein verdeckter Ermittler oder ein Feind war. Lukas stand der Schweiß auf der Stirn. Es war offensichtlich, dass er nicht zu ihr gehen wollte.

„Da nimmt man einmal diese harten Typen aus Shibuya auf und es stellt sich heraus, dass sie Angst vor einem Mädchen haben“, lachte Vincent.

„Nun geh schon zu ihr“, forderte Samuel Lukas auf.

„Aber …“

„Geh!“

Wortlos erhob sich Lukas und ging nach einem Zwischenstopp an der Bar zu ihr hinüber. Kurz bevor er bei ihr ankam, wurde er allerdings von einem Mann angerempelt. Zuerst blieb er erstarrt stehen, bevor er sich mit einem wütenden Kopfschütteln zu ihr setzte. Sie saßen so, dass sie einander ansehen konnten. Schließlich sagte Lukas etwas zu ihr. Lange sah sie ihn einfach nur an, bis sie letztendlich doch etwas erwiderte, bevor sie sich über den Tisch beugte und ihn umarmte. Jeder von ihnen war neugierig, was die kleine Frau dazu bewogen haben könnte. So hätten sie sie nicht eingeschätzt.

Durch einen Vorfall in der Vergangenheit sahen sich die Bosse gezwungen Kameras in der Bar zu installieren, was sich nun als großer Vorteil für sie herausstellte. Denn dadurch konnten sie sich später das Band ansehen und somit ihre Neugierde stillen. Eine dieser Kameras hing versteckt genau über dem Tisch in der Nische.

Lukas schien sich recht gut mit ihr zu verstehen. Sie unterhielten sich und die Frau blieb länger als üblich, aber nach ihrem sechsten Whiskey erhob sie sich und ging. Jeder wartete darauf, dass Lukas wieder zurückkam, doch er blieb einfach sitzen. Nachdem sich auch nach zwanzig Minuten nichts an der Situation geändert hatte, gab Ben sich einen Ruck und ging zu ihm, nur um im nächsten Moment Lawrence zu sich zu rufen.

Gemeinsam kamen sie nach schon zwei Minuten zurück – Lukas saß immer noch in der Nische – und sahen Samuel an.

„Lukas ist tot. Stichwunde im Rücken“, sagte Ben.

„Was!?“, kam es einstimmig.

„Ich rufe Lou an.“

„Mach das, Ben. Wieso … Ich mein, ich versteh das nicht. Wollte er deshalb nicht zu ihr, weil er verletzt war? Warum hat er dann nichts gesagt?“, fragte Samuel fast verstört.

„Oder sie war es“, meinte Hawk und versuchte sachlich zu bleiben, obwohl auch er überrascht war.

„Und wieso sollte sie das tun? Nur weil er sie angesprochen hat? Das ist doch hirnrissig“, grölte Vincent verständnislos.

„Vielleicht kannten sie sich“, vermutete Lawrence.

So kamen sie nicht weiter und bevor sie in einen Streit gerieten, stand Samuel auf, um das Überwachungsband zu holen. Das würde ihnen Aufschluss geben.

Nachdem der Leichnam von Lou abgeholt wurde, verabschiedeten sich die Anderen aus der Bar, um sich im „Darkroom“ – ein angesagter Club in der Stadt – die Aufnahme anzusehen. Der Club gehörte Marcos Boss Edward Newcastle und besaß über den eigentlichen Dancefloors, dem VIP-Bereich und der Bar, noch ein weiteres Stockwerk, das zwar auch irgendwie dazu gehörte, aber nur den höher gestellten, kriminellen Geschöpfen vorbehalten war. Als sie im vierten Stock ankamen, waren nur vier weitere Personen dort. Der Leiter des Clubs, Viggo, mit seiner Frau Cassandra, Patrick und sein Kumpel Waldemar. Cassandra und Patrick kannten sich schon lange, da sie beide in Shibuya aufgewachsen waren. Stoisch nahmen sie die Nachricht von Lukas' Tod hin, aber man konnte die Trauer in ihren Augen sehen. Sie verabschiedeten sich kurz, um das eben Gehörte zu verdauen.

Nach einen kurzen Gespräch schauten sie sich gemeinsam die Aufnahme an. Die unbekannte Frau und Lukas kannten sich wirklich, denn das Gespräch hatte eine sehr persönliche Note. Es ging um Lukas‘ Ex-Freundin und seinen Sohn – den er im Übrigen nie erwähnt hatte. Lukas erkundigte sich nach ihnen. Selbst die Umarmung zu Beginn des Gesprächs war schlüssig. Es schien so, als würden sie beide wissen, dass es mit ihm zu Ende ging, aber nichts deutete darauf hin, wer es getan haben könnte. Auch die Frau machte sich nicht verdächtig, da sie ihm gegenüber saß und keine Chance gehabt hätte ihn zu verletzten – natürlich bis auf die Umarmung. Allerdings sah Lukas nicht so aus, als wäre es da passiert. Kein schmerzhaftes Verziehen des Gesichts, es kam auch kein Laut über seine Lippen. Das Band war fast am Ende, als Cassandra und Patrick zurückkamen und beobachten konnten, wie die junge Frau aufstand und einen reglosen Lukas zurück ließ.

Viggo schaltete die Aufnahme aus. Erneut entbrannte eine Diskussion, wie das hatte passieren können. Vincent und Lawrence waren kurz davor sich an die Kehle zu gehen, da gluckste Cassandra vor sich hin. Es dauerte nicht lange, da fiel Patrick mit ein.

„Könnt ihr mir mal bitte sagen, was daran so lustig ist?“, wollte Samuel aufgebracht wissen.

Nun war es still im Zimmer. Cassandra musterte Samuel. Seine blutroten, mittellangen Haare, die blau-grünen Augen, die große muskulöse Gestalt – und kam nicht umhin, mit dem Lachen aufzuhören, nachdem sie seinen Blick sah. Samuel verärgerte man nicht. Entschlossen räusperte sie sich und sagte: “Ist das nicht offensichtlich? Ihr streitet euch hier, obwohl doch klar ist, wer Lukas getötet hat.“

„Und wer war es deiner Meinung nach bitte?“

„Sie. Die Frau“, ergänzte Patrick.

„Genau. Sie war es. Nadja.“

„Wer zur Hölle ist Nadja?“, fragte Vincent.

„Die Frau. … Mit der er gesprochen hat“, meinte Cassandra.

„Du kennst sie?“, wollte Samuel nun wissen.

„Jeder kennt sie“, meinten Patrick und Cassandra gleichzeitig und fingen wieder an zu lachen, dieses Mal beinahe spöttisch. Die Fragezeichen auf den Gesichtern der Anderen waren unverkennbar, deshalb begann Cassandra zu erklären.

„Nadja kommt ebenfalls aus Shibuya. Sie-“

„Du verarscht uns doch. Dieses kleine, graue Mäuschen soll aus Shibuya kommen? Die hätten sie doch dort in der Luft zerrissen“, unterbrach Vincent die Erklärung.

„Glaub mir, sie kommt aus Shibuya. Sie gehört keiner Gruppe an oder so, sondern ist eine Einzelgängerin. Aber jeder hat gelernt, dass es nicht ratsam ist sie zu verärgern. Lukas hat ihren Zorn auf sich gezogen, in dem er seine damalige Freundin Jenny vergewaltigt hat. Nachdem Nadja das mitbekam hat sie ihm sehr deutlich gemacht, nicht noch einmal in Jennys und auch ihre Nähe zu kommen, und wenn er es doch tun sollte, wäre er tot. Daraufhin verließ Lukas Shibuya, da es sonst viel zu gefährlich für ihn gewesen wäre. Nadja gibt dir nämlich nur einmal die Chance am Leben zu bleiben. Wenn du dann wieder etwas tust, was ihre Aufmerksamkeit erregt, dann bist du tot. Und na ja, in dem er vorhin zu ihr gegangen ist, hat er ihre Aufmerksamkeit erregt.
Es tat ihm Leid was damals passiert ist, aber er konnte es natürlich nicht wieder rückgängig machen. Als er erfuhr, dass Jenny schwanger von ihm war, wollte er zu ihr, aber es ging nicht. Wir mussten ihn aufhalten – auch als 'rauskam, dass Jenny mittlerweile heroinabhängig war. Das war aber schon nach der Geburt. Nadja hat sich um das Wohlergehen seines Sohnes gekümmert, deshalb blieb er doch hier. Nun ja, um auf den Punkt zurück zu kommen: Sie hat ihn getötet, weil er seine Chance schon hatte“, schloss Cassandra.

„Aber das ist doch schwachsinnig. Er hat doch heute überhaupt nichts gemacht“, meinte Lawrence.

„Sie musste es tun. Das hat etwas mit Respekt zu tun. Wenn jemand in Shibuya erfahren hätte, dass sie ihn laufen ließ, hätte ihr Ruf dort einen Knick bekommen und das kann sich in Shibuya niemand erlauben“, erläuterte Patrick.

„Interessante Logik. … Ihr müsst sie verwechseln. Ich glaube nicht, dass die Kleine eure Nadja ist. Sie wirkte nicht so, als wäre sie gewalttätig oder als würde sie aus Shibuya kommen. Sie war viel zu unscheinbar und zurückhaltend. Außerdem, wieso sollte eure Nadja außerhalb von Shibuya sein und das ausgerechnet in unserer Bar? Die Frau war schließlich nicht zum ersten Mal dort“, schlussfolgerte Samuel und sah aus dem Augenwinkel Ben und Hawk zustimmend nicken.

„Wenn du meinst …“, schulterzuckend stand Cassandra auf. „Ich geh tanzen. Kommst du mit Patrick?“

„Jep, bin dabei.“

Sie diskutierten noch eine Weile, kamen aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Die Theorie von Cassandra und Patrick verwarfen sie beinahe sofort wieder, denn das würde keinen Sinn ergeben. So wie sie diese Nadja beschrieben, hätten sie selbst außerhalb Shibuyas schon von ihr gehört, und das war definitiv nicht der Fall. Außerdem muss der Mörder ziemlich abgeklärt gewesen sein, um Lukas im Beisein seines Bosses und so vieler anderer hochkarätiger Krimineller zu töten. Hinzukam, dass Lukas etwas gesagt hätte wenn dies wirklich Nadja gewesen wäre – und er wüsste, dass er sterben würde wenn er zu ihr ginge. Nein, diese Theorie war wirklich nicht sehr plausibel.

Bald darauf fuhr Samuel nach Hause. Er hatte heute einen guten Mann verloren und konnte sich das „Warum“ einfach nicht erklären. Als er dann schließlich in seinem Bett lag, wurde ihm bewusst, dass er nun drei Probleme hatte:

Er wusste nicht, wer die Waffen und Drogen stahl. Der Mörder der vier Männer war immer noch unbekannt, ebenso der Grund warum diese Männer überhaupt dort gewesen waren – denn es war klar, dass sie keine guten Absichten gehabt hatten.
Letztendlich der Tod von Lukas, den sich keiner erklären konnte, da Lukas ja den ganzen Abend bei Ihnen war.

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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1088
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 10.07.2014 05:38    Titel: Re: Shibuya Kapitel 1 Antworten mit Zitat

Hallo,

Vorneweg: Mir gefällt deine Geschichte, mir gefallen die Texte in deinen Dialogen.

Du fällst da in einige typische Anfängerfallen, die du mit Übung bestimmt vermeiden kannst:

1) "Talking Heads" Dein Anfangsdialog mag für dich spannend sein, weil du als Autor weißt, der da gerade redet. Für einen Leser ist es mühselig. Wir wollen ein Bild vor Augen haben. Ohne Namen, Aussehen, eine Perspektive ist das extrem schwer.

2) "Show, don't tell" Du verfällst ständig in das Schema, ein paar Sekunden, Minuten, Stunden etc. in ein paar Sätzen zusammenzufassen. Zwischen zwei Szenen kann man das machen (oft lässt es sich vermeiden) Innerhalb einer Szene ist das tödlich. Zum Teil schreibst du hier ganze Szenen zusammengefasst in ein, zwei Sätzen. Wenn die es nicht Wert sind, ausgearbeitet zu werden, ganz weglassen und ggf. das Ergebnis später einstreuen.

3) Langweiliger Dialogaufbau "xxx" sagte A, "yyy" sagte B "z z z" fragte D "kkk" antworte E. Du kannst das besser, andere Dialoge hier sind abwechslungsreicher.

4) Grammatik. Wenn nach einer direkten Rede nicht ein Sysnonym von "sagen" folgt, sondern ein neuer Satz, steht keine Komma und der Satz fängt Groß an

Ich verstehe dein Setting nicht so ganz. Das sind Gangster mit englischen Namen in Tokio?

Grüße
Rainer

Nana hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

...

Kapitel 1

„… und was ist mit der Lieferung?“

„…“

„Sag schon!“

„Sie ist weg“, erwiderte er kaum hörbar.

„Scheiße. Das ist richtig scheiße. Weißt du eigentlich, wie viel Kohle da drin steckt? Warum habt ihr nicht angerufen, dann hätten wir das geklärt!“

„Es …es wäre zu spät gewesen. Ihr hättet es nicht rechtzeitig geschafft.“

„Na und? Zumindest wüssten wir dann, wer es war. Oder kannst du mir dazu irgendwelche Informationen geben?“

„Ich… Nein. Es… es tut mir leid.“

„Es tut dir also leid, ja? Davon kann ich mir auch nichts kaufen. Habt ihr wenigstens den Leichnam entsorgt?“

„Wir haben ihn mitgenommen. Er ist im Kofferraum.“

„Und was genau bringt uns das?“


Es erfolgte keine Antwort.

„… nur unfähige Leute hier“, nuschelte die von Wut getränkte Stimme, bevor der Überbringer der schlechten Neuigkeiten eine Kugel in den Kopf bekam und tot zusammenbrach.

„Kümmert euch um ihn und um den im Kofferraum auch“, sagte er und verschwand mit wehendem Mantel aus dem Raum.

Samuel legte seinen Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel, um sie zu massieren. Dies war nun schon das sechste Mal, dass eine Lieferung nahe der Grenze zu Shibuya gekapert wurde. Vier Mal waren es Drogen und nun zum zweiten Mal Waffen. Sie mussten das unbedingt in den Griff bekommen, bevor sie noch größere Verluste einfuhren. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass niemand eine Ahnung hatte, wer derjenige sein könnte, der es wagte offen gegen sie vorzugehen. Natürlich, Shibuya war schwierig, aber meistens blieben sie dort unter sich oder aber sie waren nicht organisiert genug, um solche großen Sachen durchzuziehen.

Er musste unbedingt den Anderenanderen Bescheid geben. Die Waffen hatten schließlich einen Wert von mehr als 50.000 Mücken. Deshalb zückte er sein Mobiltelefon und berief ein Treffen ein.

Genau eine Stunde später saßen die Bosse der ganzen Stadt in einem Raum, um die Sache zu erörtern. Dies wirkte auf Außenstehende vielleicht ungewöhnlich, aber mit der Zeit hatte man gelernt, dass es sinnvoll war, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Shibuya bildete dabei natürlich eine Ausnahme, denn dort gab es keinen Boss, nur Anarchie. Nach einer langen Beratung kamen letztendlich zu dem Schluss, dass sie erst einmal einen Umweg für die Lieferungen nehmen würden, bis sie genauere Informationen hatten. Diese sollte Marcello einholen, da er gerade dabei war in Shibuya Fuß zu fassen, und somit die besten Möglichkeiten dazu hatte.

Anschließend gingen Einige von ihnen noch in eine Bar, um etwas zu trinken und die schlechten Nachrichten zu verdauen. Darunter waren Samuel, seine rechte Hand Ben. Lawrence, den alle nur Law nannten. Außerdem Mitchell, der immer nur Hawk genannt wurde, da er so einen stechenden Blick hatte der an einen Falken erinnerte. Vincent und sein bester Mann Killer gehören auch noch zur Gruppe. Eigentlich hieß letzterer Killian, aber er hatte so viele Leichen auf dem Kerbholz, dass er überall nur als Killer bekannt war.

Nach seinem dritten Glas Sake – er hatte ein Faible für diesen japanischen Reiswein –  sah Samuel sich nach einer potenziellen Partnerin für die Nacht um. Er konnte etwas Entspannung gebrauchen, vor allem nach solch einem Abend. Leider interessierte ihn keine der Frauen, die an diesem Abend die Bar besuchten. Kurz bevor er sein Vorhaben aufgeben wollte, entdeckte er sie. Auf einem Barhocker an der Theke – ziemlich abgeschieden in der letzten Ecke – saß eine kleine unscheinbare Frau und hatte ein gefülltes Whiskeyglas vor sich stehen. Sonderlich zu Recht gemacht war sie nicht. Die Frau trug lediglich eine ausgewaschene, weite, teilweise zerrissene Jeans und einen schwarzen Kapuzenpullover. Die Kapuze bedeckte ihren Hinterkopf und entblößte nur einen Teil ihres Haares, welches entweder dunkelblond oder hellbraun war – bei den hiesigen Lichtverhältnissen konnte er das nicht genau erkennen. Ihre feinen Gesichtszüge waren ausdruckslos, während ihr Blick nur auf ihrem Glas haftete. Es war offensichtlich, dass sie ihre Ruhe haben wollte.

Samuel haderte mit sich. Interesse zeigte er schon, gerade weil sie sich nicht irgendwie hübsch gemacht hatte, aber es war nicht zu übersehen, dass sie keine Gesellschaft wollte. Dennoch fragte er sich was sie hier tat. Sie war ganz alleine in einer Bar, die nicht gerade den besten Ruf hatte. Dies war schließlich das Stammlokal einiger Bosse der Stadt, aber das schien ihr egal zu sein – oder sie wusste es einfach nicht. Hinzukam, dass er sie noch nie vorher gesehen hatte, was auch recht ungewöhnlich war.

Fürs Erste ließ er sich in ein Gespräch mit Lawrence verwickeln. Lawrence war noch recht jung – erst dreißig Jahre alt –  hatte aber schon Einiges erreicht. Sein Medizinstudium hatte er erst vor Kurzem beendet. Nun arbeitete er in einer Privatklinik, aber sein Hauptgeschäftszweig waren Waffen und das Fälschen von Papieren. Er war ein Sadist, anders konnte man es wirklich nicht nennen. Menschen zu quälen stellte eine seiner größten Eigenschaften dar. Denjenigen, die ihn verärgerten, stand ein schlimmes Schicksal bevor und auch im sexuellen Bereich, war es für ihn unerlässlich seinen Sadismus auszuleben. Dies alles stand im krassen Gegensatz zum Beruf eines Mediziners, sodass viele darüber nur den Kopf schüttelten. Aber er war auch einer der besten Chirurgen, die diese Stadt zu bieten hatte. Sein Äußeres drückte auf unterschwellige Art und Weise Gefahr aus. Lawrence war groß und schlank, aber sehr muskulös. Seine Haare waren schwarz – nicht kurz, aber auch nicht lang – und ziemlich verstrubbelt. Die rauchgrauen Augen stachen aus den markanten Gesichtszügen hervor. Hinzu kamen die vielen Tätowierungen, die seine gut gebräunte Haut zierten. Nicht umsonst hatte er schon jetzt eine so hohe Position inne.

Hin und wieder warf Samuel einen Blick auf die Frau an der Bar, aber nichts änderte sich, außer dass ihr Glas ab und an nachgefüllt wurde. Als sich das Gespräch mit Lawrence dem Ende entgegen neigte, hatte Samuel seinen Entschluss gefasst. Er würde zu ihr gehen. Einen Versuch war es zumindest wert.

Er stürzte den letzten Rest Sake hinunter und wollte gerade aufstehen, um zu ihr zu gehen, da fiel ihm auf, dass sie weg war. Bedächtig sah er sich um, aber sie war nirgendwo zu sehen.

„Sie ist vor fünf Minuten gegangen“, sagte Hawk. „Aber ich glaube auch nicht, dass du eine Chance gehabt hättest. Sie hat jeden abgewiesen, der ihr zu nahe kam.“

„Mmh, schade. Sie hatte was.“

„Ja, das stimmt. Dann musst du dir jetzt wohl eine Andere suchen.“

„Mal sehen.“

Leider hatte er kein Glück an diesem Abend. Die anderen Frauen gefielen ihm nicht. Es war zu offensichtlich, dass das bei ihnen ein leichtes Spiel werden würde, aber er mochte die Jagd, mochte es wenn sie sich sträubten und er um sie kämpfen musste. Und bei der Kleinen von vorhin wäre das definitiv der Fall gewesen. Er bestellte sich ein letztes Getränk – nun war er einfach nur noch müde – als die Tür der Bar aufging und einer von Vincents Männern hineinkam. Zielstrebig steuerte er auf ihren Tisch zu.

„Boss, in der Seitenstraße neben der Bar wurden gerade die Leichen von vier Männern gefunden.“

Geschlossen erhoben die Männer sich, um kurz darauf hinaus zu gehen. Das mussten sie sich genauer ansehen. Zielstrebig ging Lawrence auf die toten Körper zu und befühlte sie, um zu sehen was passiert war.

„Sie sind vielleicht eine halbe Stunde tot. Stichwunden, tödliche Stichwunden, da verstand einer sein Handwerk. Ich vermute es war ein Dolch oder ein Schwert, auf keinen Fall ein Messer. Kennt einer von euch die Typen?“

Alle schüttelten den Kopf. Diese Männer waren ihnen unbekannt, aber es war unverkennbar, dass sie kriminell gewesen waren. Anhand der Brieftaschen konnten sie die Identität der Toten feststellen.

„Klingt für mich nach Handlangern von diesem Torben. Ihr wisst schon, der Typ der uns in letzter Zeit solche Probleme machte. Auch die Knarren sehen danach aus“, sagte Ben sachlich, während er sich eine neue Zigarette ansteckte und anschließend den Qualm ausstieß.

„Oder es waren welche aus Shibuya“, meinte Vincent.

„Nein, das glaube ich nicht. Wieso sollten gerade hier vier Typen aus Shibuya sein und warum sollte sie jemand töten?“, fragte Hawk.

„Keine Ahnung. Aber ich finde auch, dass Torben plausibler klingt“, sagte Killer.

„Stellt sich nur die Frage, wer es war. Das hier wurde definitiv nicht von einem Laien gemacht. Zu präzise“, sprach Lawrence.


„Vince, waren deine Männer nicht hier draußen? Die müssen doch was gesehen haben“, schaltete sich nun auch Samuel in das Gespräch ein.

„Ihr habt ihn gehört. War hier irgendwas Verdächtiges?“, streng Kein Komma. Neuer Satz, das ist kein "sagen" sah Vincent seine Männer an.

„Nein. Es kamen nur die Leute aus der Bar, sonst war hier niemand. Diese hier waren auch in der Bar“, sagte einer von ihnen. Er sah aus wie ein Zombie.

„Oh, ist mir gar nicht aufgefallen. … Wer kam als letztes raus?“, fragte Killer


„Na ja, zuerst diese Typen und dann zehn Minuten später eine Frau. Klein, hatte eine verwaschene Jeans und einen dunklen Kapuzenpulli an. Die Kapuze war aufgesetzt. Sie ging auch in diese Richtung“, erläuterte der Zombietyp. „Sie sah aber nicht so aus, als ob sie vier solche Typen umhauen kann. Außerdem kam hier noch ein anderer Typ vorbei, der in diese Richtung ging, aber er kam nicht aus der Bar.“

„Das glaube ich auch nicht, dass sie es war. Ich habe sie in der Bar gesehen“, sagte Samuel und Hawk nickte zustimmend. „Sieht beinahe danach aus, dass es der Typ war, der hier vorbeikam.“ Zwar konnte Samuel sich immer noch nicht erklären, was es für Gründe gehabt haben könnte, trotzdem klang diese Lösung für ihn am plausibelsten.

Einen Augenblick lang schwiegen sie und sahen sich teilweise ratlos an, doch dann ging ihnen auf, dass sie den Tätern nicht näher kommen könnten, wenn sie hier standen.

„Okay, schafft die Leichen weg“, wies Vincent an. „Wir versuchen 'rauszufinden, wer das war und was diese Typen ursprünglich wollten.“


„Gut. Bis zur nächsten Besprechung sollten wir wissen, was hier los war“, meinte Hawk und zog von dannen.

Auch die restliche Runde löste sich auf. Samuel setzte Ben darauf an. Allerdings sollte er erst am nächsten Tag damit beginnen – es war schließlich schon spät.


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Nadine86
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BeitragVerfasst am: 10.07.2014 22:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

vielen, vielen Dank für deine Antwort. Da ist ja doch einiges im Argen. Das war mir zwar schon vorher irgendwie bewusst, aber du hast Stellen angesprochen, die noch nicht auf meiner "Darauf-zu-achten-Liste" standen.

Ich habe mir den Anfang jetzt schon einmal vorgenommen, damit der Einstieg auch für den Leser interessant wird. Aber sehr weit bin ich damit noch nicht gekommen. Das ist auch kein Wunder, schließlich habe ich erst vorhin damit begonnen.

Danke schön, dass du die verschiedenen Baustellen immer anders farblich markiert hast. Das ist eine sehr große Hilfe.

Bei dem Setting habe ich mich im Eingangsposting ein bisschen missverständlich ausgedrückt. Entschuldige bitte. Die Geschichte spielt nicht in Tokio, obwohl es dort einen Stadtteil namens Shibuya gibt. Es findet alles in einer fiktiven Stadt statt. Damit es keine Verwechselungen gibt, suche ich einen neuen Namen. Leider kam die zündende Idee noch nicht.

Du hast "die Anderen" als Fehler angestrichen. Nun bin ich ein bisschen verunsichert. Das erste Kapitel wurde von mir und zwei anderen Leuten korrekturgelesen. Ich habe es zuerst klein geschrieben - genauso, wie du es korrigiert hast. Meine beiden Betaleser haben mir das allerdings als Fehler angestrichen. Zwar war ich schon auf der Seite des Dudens, aber das hat nicht wirklich geholfen. Ist es klein richtig? Im Text kommen auch häufiger "die beiden" vor und da müsste ja auch dasselbe gelten, oder? Entschuldige bitte, wenn es gerade ein bisschen wirr wird.

Vielen, vielen Dank nochmal für deine Hilfe.

Viele Grüße
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 11.07.2014 06:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Nana hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rainer,

Bei dem Setting habe ich mich im Eingangsposting ein bisschen missverständlich ausgedrückt. Entschuldige bitte. Die Geschichte spielt nicht in Tokio, obwohl es dort einen Stadtteil namens Shibuya gibt. Es findet alles in einer fiktiven Stadt statt. Damit es keine Verwechselungen gibt, suche ich einen neuen Namen. Leider kam die zündende Idee noch nicht.

Es ist prinzipiell für ein Erstlingswerk gefährlich, eine fiktive Stadt als Schauplatz zu wählen. Man kommt da sehr in Versuchung die Schauplätze der Einzelszenen so zu gruppieren, wie es dramaturgisch passt, und nicht wie sie sinnvoll innerhalb einer (hier) Großstadt angeordnet sind. Der Leser merkt das. Auf der einen Seite lassen Shibuya und Sake auf Japan schließen, auf der anderen Seite alles andere nicht, und das ist sehr schlecht für die Qualität dieses Schauplatzes. Es gibt eigentlich gar keinen Grund keine reale Stadt zu benutzen. Es müssen nur die Personen fiktiv sein aber vom Namen dazu passen (online-Telefonbuch). Japanische Gangster in Amerika okay. Amerikanische Gangster in Japan kommt mir seltsam vor.

Du hast "die Anderen" als Fehler angestrichen. Nun bin ich ein bisschen verunsichert. Das erste Kapitel wurde von mir und zwei anderen Leuten korrekturgelesen. Ich habe es zuerst klein geschrieben - genauso, wie du es korrigiert hast. Meine beiden Betaleser haben mir das allerdings als Fehler angestrichen. Zwar war ich schon auf der Seite des Dudens, aber das hat nicht wirklich geholfen. Ist es klein richtig? Im Text kommen auch häufiger "die beiden" vor und da müsste ja auch dasselbe gelten, oder? Entschuldige bitte, wenn es gerade ein bisschen wirr wird.

Wenn du einfach "die anderen" bei Google eingibst, siehst du schon aus den Fundstellen, dass bei Großschreibung eigentlich immer eine bestimmte Gruppe von Personen gemeint ist.

s.a.

http://www.duden.de/rechtschreibung/andere

http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Regeln/Gross-klein/Zahlen.html#Anchor-21683


Vielen, vielen Dank nochmal für deine Hilfe.

Viele Grüße


gern geschehen.

Grüße
Rainer
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Nadine86
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BeitragVerfasst am: 14.07.2014 23:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

entschuldige bitte die späte Antwort. Ich konnte am Wochenende nur über das Handy ins Internet. Deine Antwort habe ich schon eher gelesen, aber mit dem Handy zu antworten ist immer etwas umständlich und meist sehr fehlerhaft. Deshalb schreibe ich dir erst heute zurück.

Du hast recht. Es spricht eigentlich nichts dagegen eine reale Stadt zu nehmen. Unter anderem habe ich aber hier im Forum gelesen, dass man dann aber eine Stadt nehmen sollte, die man sehr gut kennt. Zum einen auch wegen der vielen kleinen Details. Dazu würde sich natürlich am besten meine Heimatstadt eignen, aber das Setting würde da einfach nicht hineinpassen. Bei anderen deutschen Städten ist es ähnlich.

In Japan wird die Geschichte auf jeden Fall nicht spielen. Wenn ich einen anderen Namen als "Shibuya" gefunden habe, dann ist das einzige, was auf Japan schließt Samuels Vorliebe für Sake und das ist, denke ich, in Ordnung.

Ursprünglich wollte ich die Geschichte in Europa ansiedeln, aber irgendwie hatte ich das Gefühl - auch beim Schreiben der neueren Kapitel (die Geschichte hat momentan 14 Kapitel und einen Prolog) - das es nicht nach Europa passen würde.

Wohin die Geschichte - meiner Meinung nach - am besten passen würde, wäre Amerika. Hier habe ich allerdings das Problem, dass ich noch nie dort war und die ganzen Städte eigentlich nur aus dem Fernsehen oder Büchern kenne. Mir würden also die ganzen kleinen und großen Details fehlen, um so eine Stadt authentisch beschreiben zu können. Aus diesem Grund habe ich die Geschichte in einer fiktiven Stadt angesiedelt.

Ich weiß leider nicht, wie ich das Problem umgehen könnte.

Vielen Dank für die Links zu dem kleinen Rechtschreibproblem smile. Sie haben mir sehr geholfen - auch wenn ich den vom Duden schon einmal durchgelesen hatte. Scheinbar hatte ich an dem Tag ein Brett vorm Kopf.

Hoffentlich war das jetzt nicht zu wirr, aber irgendwie finde ich manchmal nicht die richtigen Worte. Außerdem bin ich noch ein bisschen verunsichert, was dieses Projekt betrifft.

Danke schön nochmal und viele Grüße.
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 15.07.2014 07:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Schon mal Google Street View ausprobiert? Da kannst du virtuell an den ganzen Gebäuden entlang laufen.

Ich bin auch in einem amerikanischen Autorenforum zugange. Dort kann man fast immer einen finden, der sich in einer bestimmten Stadt auskennt.

Wenn du Interesse hast, schreib mir eine PN.

Grüße
Rainer
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Nadine86
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BeitragVerfasst am: 15.07.2014 23:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

nun habe ich den ersten Teil dieses Kapitels überarbeitet. Hoffentlich ist es besser geworden, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich viele "Tells" durch "Tells" ersetzt habe.

Die Version ist noch nicht betagelesen, deshalb werden wohl einige Fehler enthalten sein - vornehmlich was die Kommata betrifft.

Ich bin sehr auf eure Kritiken gespannt.

Kapitel 1

Samuel Gamis Hände begannen vor Wut zu zittern. Tief atmete er durch und gewann so die Kontrolle über seinen Körper wieder. Dennoch fiel es ihm schwer, dass seine Empfindungen nicht auch seiner Stimme anzumerken waren. „… und was ist mit der Lieferung?“, fragte er zischend. Scheinbar hatte er sich doch nicht so gut im Griff, wie er es angenommen hatte.  

„…“ Der Mann, der die unangenehme Aufgabe hatte seinem Boss die Nachricht zu überbringen, traute sich nicht auf die Frage zu antworten. Das er Samuel mit dieser Reaktion nur noch wütender machte, bemerkte er in diesem Augenblick nicht. Seine Angst war einfach zu groß, sodass er sich nicht auf solcherlei Kleinigkeiten konzentrieren konnte. Viel wichtiger war in diesem Moment, dass er die Kontrolle über seine Blase behielt.

„Sag schon!“ Samuel sprach leise, allerdings waren diesen beiden Worten die Drohung und Ungeduld anzumerken.

Langsam begriff er, dass er in großen Schwierigkeiten war. So wütend sah er seinen Boss zum ersten Mal. Eigentlich dachte er, dass es unmöglich wäre seinen Boss in einen solchen Zustand zu versetzen. „Sie ist weg“, erwiderte er kaum hörbar.

„Scheiße. Das ist richtig scheiße. Weißt du eigentlich, wie viel Kohle da drin steckt? Warum habt ihr nicht angerufen, dann hätten wir das geklärt!“ Nun wurde Samuels Stimme doch lauter. Er schrie nicht, aber dennoch zuckte sein Untergebener zusammen.

Nachdem er kurz durchatmete, wagte er es zu Samuel aufzusehen. Viel konnte er allerdings nicht erkennen, da Samuel die blutroten Haare ins Gesicht hingen. Leise räusperte er sich: „Es …es wäre zu spät gewesen. Ihr hättet es nicht rechtzeitig geschafft.“

„Na und? Zumindest wüssten wir dann, wer es war. Oder kannst du mir dazu irgendwelche Informationen geben?“

Schweiß begann über seine Stirn zu laufen. Mit Mühe unterdrückte er das Zittern seines Körpers. „Ich… Nein. Es… es tut mir leid.“ Für seine Stimme galt das offensichtlich nicht.

„Es tut dir also leid, ja? Davon kann ich mir auch nichts kaufen. Habt ihr wenigstens den Leichnam entsorgt?“ Bald würde er sich nicht mehr zusammenreißen können, da war Samuel sich sicher. Hoffentlich bekam er dieses Mal die richtige Antwort.

„Wir haben ihn mitgenommen. Er ist im Kofferraum.“

„Und was genau bringt uns das?“ Fassungslosigkeit machte sich in Samuel breit. Wie dumm waren seine Männer bloß? Es hätte doch zumindest einer dabei sein müssen, der genug Intelligenz besaß,um ihm – Samuel – Bescheid zu geben. Zumindest hätten sie wissen sollen, dass man eine Leiche nicht durch die ganze Stadt fährt, wenn es dazu keinen Auftrag gab.

Einen Augenblick lang wartete Samuel auf eine Antwort, allerdings blieb sein Gegenüber still und schaute mit hochgezogenen Schultern auf den Boden.

„… nur unfähige Leute hier“, nuschelte die von Wut getränkte Stimme. Samuel zog seine Pistole aus dem Gürtel und richtete den Lauf auf den Mann vor ihm. Ohne zu zögern drückte er den Abzug. Die Kugel traf den Kopf seines Opfers.

Der Körper brach tot zusammen. Kurz darauf bildete sich eine Blutlache, die immer größer wurde.

„Kümmert euch um ihn und um den im Kofferraum auch“, sagte er und verschwand mit wehendem Mantel aus dem Raum.

Samuel legte seinen Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel, um sie zu massieren. Dies war nun schon das sechste Mal, dass eine Lieferung nahe der Grenze zu Shibuya gekapert wurde. Vier Mal waren es Drogen und nun zum zweiten Mal Waffen. Sie mussten das unbedingt in den Griff bekommen, bevor sie noch größere Verluste einfuhren. Das Problem an der ganzen Sache war nur, dass niemand eine Ahnung hatte, wer derjenige sein könnte, der es wagte offen gegen sie vorzugehen. Natürlich, Shibuya war schwierig, aber meistens blieben sie dort unter sich oder aber sie waren nicht organisiert genug, um solche großen Sachen durchzuziehen.

Er musste unbedingt den anderen Bescheid geben. Die Waffen hatten schließlich einen Wert von mehr als fünfzigtausend Mücken. Deshalb zückte er sein Mobiltelefon und berief ein Treffen ein.

Samuel setzte sich in seinen schwarzen Audi und fuhr zu ihrem gemeinsamen Treffpunkt. Einige andere waren schon da, aber einige wichtige Entscheidungsträger fehlten noch. Die Versammlung begann genau eine Stunde nachdem Samuel sein Mobiltelefon aus der Tasche gezogen hatte, erkannte er, weil sein Blick zufällig seine Armbanduhr streifte. Jedem von ihnen war nun bewusst geworden, dass sie endlich eine Lösung für das Problem finden mussten. Aufmerksam sah Samuel in die Runde. Er fand es immer auf eine gewisse Art und Weise beeindruckend, dass sich die ganzen Bosse der Stadt zu solchen Versammlungen trafen. Als er damals in diesen Bereich der Erwerbstätigkeit einstieg hielt er es für einen Witz, dass es solche Versammlungen gab. Allerdings hatte ihm sein Mentor – einen besseren Ausdruck für den Mann fand er gerade nicht – erklärt, dass es sinnvoll war, wichtige Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Schließlich war die Gefahr sonst sehr groß, dass sie sich gegenseitig im Weg stehen würden und keiner von ihnen konnte Verluste gebrauchen. Shibuya bildete dabei natürlich eine Ausnahme, denn dort gab es keinen Boss, nur Anarchie.

Kurz räusperte Samuel sich. „Es wurde schon wieder eine Lieferung gekapert. So kann das nicht weitergehen. … Wir müssen uns unbedingt etwas überlegen. Haben wir nicht irgendwelche Männer in Shibuya die Nachforschungen anstellten könnten?“

„Hm. Wir könnten eventuell Marcello darauf ansetzen. Er scheint dort bereits Fuß gefasst zu haben. Zumindest hat er vor kurzem erzählt, dass er schon wieder einen Bandenboss für sich gewonnen hat.“ Mitchell Dorten – von allen nur Hawk genannt – sprach nur zögerlich.

Der Vorschlag stieß auf geteilte Meinungen. Eigentlich sollte sich Marcello Busci darauf konzentrieren seine Position in Shibuya zu festigen, aber durch ihn würden sie am Schnellsten an Informationen kommen.

„Okay, da wir uns nun einig sind, dass Marcello sich um die Infos kümmert, was machen wir mit den folgenden Lieferungen. Ich habe keine Lust, dass nächste Woche wieder einer meiner Männer zu mir kommt, um mir zu berichten, dass das Zeug wieder weg ist. … .“ Einen Moment lang überlegte Samuel. Er wägte seine Möglichkeiten ab. Entweder er würde das Risiko eingehen und weiterhin die jetzige Route für seine Lieferungen nehmen oder er würde dafür einen Umweg nehmen müssen. Bei letzterem wäre der Transport zwar teurer, aber die Waren würden auch sicher ankommen. „Am sinnvollsten wäre es, wenn wir die Sachen erstmal auf anderen Wegen in die Stadt bekommen. Zumindest solange, bis Marcello uns sagen kann, was er erfahren hat.

Vincent Esses runzelte die Stirn. „Aber die Kosten steigen dann“, sagte er.

„Das ist zwar scheiße, aber dafür habe ich zumindest meine Waren. Und die sind um einiges mehr Wert, als die größeren Transportkosten.“ Samuel konnte Vincents Einwand nachvollziehen, aber bei solchen Geschäften musste er auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis miteinkalkulieren.

Sie diskutierten noch eine Weile, aber letztendlich nahmen sie Samuels Vorschlag auf. Den Umweg würden sie schließlich nicht lange nutzen müssen – davon gingen sie zumindest aus.  

Anschließend gingen Einige von ihnen noch in eine Bar, um etwas zu trinken und die schlechten Nachrichten zu verdauen. Darunter waren Samuel, seine rechte Hand Ben. Lawrence, den alle nur Law nannten. Außerdem Mitchell, der immer nur Hawk genannt wurde, da er so einen stechenden Blick hatte der an einen Falken erinnerte. Vincent und sein bester Mann Killer gehören auch noch zur Gruppe. Eigentlich hieß letzterer Killian, aber er hatte so viele Leichen auf dem Kerbholz, dass er überall nur als Killer bekannt war.

Nach seinem dritten Glas Sake – er hatte ein Faible für diesen japanischen Reiswein –  sah Samuel sich nach einer potenziellen Partnerin für die Nacht um. Er konnte etwas Entspannung gebrauchen, vor allem nach solch einem Abend. Es waren nur wenige Frauen dort. Die eine Dame war ziemlich knapp bekleidet und wirkte, als ob sie käuflich wäre. Einer anderen konnte er die vielen Schönheitsoperationen schon von Weitem ansehen. Die nächste schien kein Rückgrat zu haben. Keine von ihnen konnte sein Interesse wecken. Kurz bevor er sein Vorhaben aufgeben wollte, entdeckte er sie. Auf einem Barhocker an der Theke – ziemlich abgeschieden in der letzten Ecke – saß eine kleine unscheinbare Frau und hatte ein gefülltes Whiskeyglas vor sich stehen. Sonderlich zu Recht gemacht war sie nicht. Die Frau trug lediglich eine ausgewaschene, weite, teilweise zerrissene Jeans und einen schwarzen Kapuzenpullover. Die Kapuze bedeckte ihren Hinterkopf und entblößte nur einen Teil ihres Haares, welches entweder dunkelblond oder hellbraun war – bei den hiesigen Lichtverhältnissen konnte er das nicht genau erkennen. Ihre feinen Gesichtszüge waren ausdruckslos, während ihr Blick nur auf ihrem Glas haftete. Es war offensichtlich, dass sie ihre Ruhe haben wollte.

Sollte er zu ihr gehen oder doch lieber nicht?, fragte Samuel sich hadernd, aber er konnte sich nicht entscheiden. Interesse zeigte er schon, gerade weil sie sich nicht irgendwie hübsch gemacht hatte, aber es war nicht zu übersehen, dass sie keine Gesellschaft wollte. Dennoch fragte er sich was sie hier tat. Sie war ganz alleine in einer Bar, die nicht gerade den besten Ruf hatte. Dies war schließlich das Stammlokal einiger Bosse der Stadt, aber das schien ihr egal zu sein – oder sie wusste es einfach nicht. Hinzukam, dass er sie noch nie vorher gesehen hatte, was auch recht ungewöhnlich war.

„Samuel, ich bin mir nicht so sicher, dass Marcello schnell herausfinden kann, wer dafür verantwortlich ist. … Keine Ahnung, warum.“

Die Worte holten Samuel aus seinen Gedanken zurück. Verwirrt sah er Lawrence an, bis auch dessen Worte bei ihm – Samuel – ankamen. „Ich weiß was du meinst. Irgendwie hat sich Marcello ziemlich schnell eine Position in Shibuya erarbeitet. Die anderen vor ihm, die wir dorthin geschickt haben sind immer schnell gescheitert.“

Die beiden begannen ein Gespräch über die Diebstähle und Marcellos Chancen die verantwortlichen Personen zu finden. Währenddessen musterte Samuel seinen Gesprächspartner.

Lawrence war noch recht jung – erst dreißig Jahre alt –  hatte aber schon Einiges erreicht. Sein Medizinstudium hatte er erst vor Kurzem beendet. Nun arbeitete er in einer Privatklinik, aber sein Hauptgeschäftszweig waren Waffen und das Fälschen von Papieren. Er war ein Sadist, anders konnte man es wirklich nicht nennen. Menschen zu quälen stellte eine seiner größten Eigenschaften dar. Denjenigen, die ihn verärgerten, stand ein schlimmes Schicksal bevor und auch im sexuellen Bereich, war es für ihn unerlässlich seinen Sadismus auszuleben. Dies alles stand im krassen Gegensatz zum Beruf eines Mediziners, sodass viele darüber nur den Kopf schüttelten. Aber er war auch einer der besten Chirurgen, die diese Stadt zu bieten hatte. Sein Äußeres drückte auf unterschwellige Art und Weise Gefahr aus. Lawrence war groß und schlank, aber sehr muskulös. Seine Haare waren schwarz – nicht kurz, aber auch nicht lang – und ziemlich verstrubbelt. Die rauchgrauen Augen stachen aus den markanten Gesichtszügen hervor. Hinzu kamen die vielen Tätowierungen, die seine gut gebräunte Haut zierten. Nicht umsonst hatte er schon jetzt eine so hohe Position inne.

Hin und wieder warf Samuel einen Blick auf die Frau an der Bar, aber nichts änderte sich, außer dass ihr Glas ab und an nachgefüllt wurde.

„Du kannst du erhöhten Transportkosten aber nicht auf die Waren aufschlagen, Lawrence. Damit sorgst du nur dafür, dass deine Kunden auf die Barrikaden gehen. Du darfst nicht vergessen, dass es eine temporäre Lösung ist. Klar, natürlich hätten deine Kunden Verständnis dafür, aber ganz ehrlich: Würdest du den Kaufpreis hinterher wieder senken, wenn wir die normale Route wieder nehmen können? Wahrscheinlich nicht.“ Mitchell mischte sich in das Gespräch mit ein.

Hitzig antwortete Lawrence auf Mitchells Frage. Dies nahm Samuel als Anlass sich nicht weiter an dem Gespräch zu beteiligen. Sein Entschluss stand fest. Er würde zu ihr gehen. Einen Versuch war es zumindest wert.

Er stürzte den letzten Rest Sake hinunter und wollte gerade aufstehen, um zu ihr zu gehen. Letztendlich blieb er doch sitzen, weil er feststellen musste, dass ihr Barhocker nicht mehr besetzt war. Bedächtig sah er sich um, aber sie war nirgendwo zu sehen.

„Sie ist vor fünf Minuten gegangen“, sagte Hawk. „Aber ich glaube auch nicht, dass du eine Chance gehabt hättest. Sie hat jeden abgewiesen, der ihr zu nahe kam.“

„Mmh, schade. Sie hatte was.“

„Ja, das stimmt. Dann musst du dir jetzt wohl eine Andere suchen.“

„Mal sehen.“

Das Glück schien ihn an diesem Abend verlassen zu haben. Es waren keine Frauen mehr in die Bar gekommen, aber dafür waren einige gegangen. Seine Auswahl beschränkte sich auf die Frau, die operiert war und die die aussah, als wäre sie käuflich. Keine von ihnen gefiel ihm. Es war zu offensichtlich, dass das bei ihnen ein leichtes Spiel werden würde, aber er mochte die Jagd, mochte es wenn sie sich sträubten und er um sie kämpfen musste. Und bei der Kleinen von vorhin wäre das definitiv der Fall gewesen. Er bestellte sich ein letztes Getränk – nun war er einfach nur noch müde – als die Tür der Bar aufging und einer von Vincents Männern hineinkam. Zielstrebig steuerte er auf ihren Tisch zu.

„Boss, in der Seitenstraße neben der Bar wurden gerade die Leichen von vier Männern gefunden.“

Geschlossen erhoben die Männer sich. Ben ging zu dem Wirt, damit er die Rechnungen bezahlen konnte. Die anderen verließen währenddessen die Bar. Das mussten sie sich genauer ansehen. Zielstrebig ging Lawrence auf die toten Körper zu und befühlte sie. Er als Mediziner konnte am Schnellsten und effektivsten feststellen, wie die Männer zu Tode gekommen waren.

„Sie sind vielleicht eine halbe Stunde tot. Stichwunden, tödliche Stichwunden, da verstand einer sein Handwerk. Ich vermute es war ein Dolch oder ein Schwert, auf keinen Fall ein Messer. Kennt einer von euch die Typen?“

Kurz betrachteten sie die Gesichter genauer, doch keiner schien einen von den Toten zu kennen, sodass alle den Kopf schüttelten. Lawrence tastete die Leichen schließlich ab. Sie mussten doch irgendwie zu identifizieren sein. Nach einem kurzen Moment gab er einen triumphierenden Laut von sich. In den Gesäßtaschen der Leichen, fand er die Brieftaschen – und in den Jacken Waffen. Laut las er die Daten von den Ausweisen ab.

„Klingt für mich nach Handlangern von diesem Torben. Ihr wisst schon, der Typ der uns in letzter Zeit solche Probleme machte. Auch die Knarren sehen danach aus“, sagte Ben sachlich, während er sich eine neue Zigarette ansteckte und anschließend den Qualm ausstieß.

„Oder es waren welche aus Shibuya“, meinte Vincent.

Hawk schüttelte den Kopf. Für ihn war diese Schlussfolgerung unlogisch. „Nein, das glaube ich nicht. Wieso sollten gerade hier vier Typen aus Shibuya sein und warum sollte sie jemand töten?“

Bedauernd sah Killer seinem Boss in die Augen. „Keine Ahnung. Aber ich finde auch, dass Torben plausibler klingt.“ Nur ungern widersprach er ihm.

Lawrence betrachtete es von dem Standpunkt des Mediziners. „Stellt sich nur die Frage, wer es war. Das hier wurde definitiv nicht von einem Laien gemacht. Zu präzise.“

„Vince, waren deine Männer nicht hier draußen? Die müssen doch was gesehen haben“, schaltete sich nun auch Samuel in das Gespräch ein.

„Ihr habt ihn gehört. War hier irgendwas Verdächtiges?“ Streng sah Vincent seine Männer an.

„Nein. Es kamen nur die Leute aus der Bar, sonst war hier niemand. Diese hier waren auch in der Bar“, sagte einer von ihnen. Er sah aus wie ein Zombie.

Verwirrt runzelte Killer die Stirn. „Oh, ist mir gar nicht aufgefallen.“ Doch dann stellte er die entscheidende Frage: „… Wer kam als letztes raus?“

„Na ja, zuerst diese Typen und dann zehn Minuten später eine Frau. Klein, hatte eine verwaschene Jeans und einen dunklen Kapuzenpulli an. Die Kapuze war aufgesetzt. Sie ging auch in diese Richtung“, erläuterte der Zombietyp. „Sie sah aber nicht so aus, als ob sie vier solche Typen umhauen kann. Außerdem kam hier noch ein anderer Typ vorbei, der in diese Richtung ging, aber er kam nicht aus der Bar.“

„Das glaube ich auch nicht, dass sie es war. Ich habe sie in der Bar gesehen“, sagte Samuel und Hawk nickte zustimmend. „Sieht beinahe danach aus, dass es der Typ war, der hier vorbeikam.“ Zwar konnte Samuel sich immer noch nicht erklären, was es für Gründe gehabt haben könnte, trotzdem klang diese Lösung für ihn am plausibelsten.

Ratlos sahen sie sich einen Augenblick lang an, bis Hawk schließlich das sagte, was offensichtlich war: „So kommen wir nicht weiter. … Der Täter ist nicht mehr hier und wir wissen nicht wer die Typen waren. … Wir sollten versuchen herauszufinden, was die hier wollten. Die Identitäten kennen wir ja nun.“

„Okay, schafft die Leichen weg“, wies Vincent seine Männer an, da er momentan die besten Möglichkeiten dazu hatte.

„Gut. Bis zur nächsten Besprechung sollten wir wissen, was hier los war“, meinte Hawk und zog von dannen.

Hawks Abgang schien die Funktion eines Startschusses zu haben, denn auch die anderen machten sich nun auf den Heimweg. Gemeinsam ging Samuel mit Ben zu seinem Auto.

„Du kümmerst dich morgen darum, Ben. Wir sollten wirklich 'rausfinden, was hier los war. Mir ist das ganze einfach zu nah an der Bar passiert. … Beinahe direkt vor unserer Nase. Das gefällt mir nicht. … Fahr gleich nach Hause. Ich will, dass du morgen ausgeruht bist. Komm gegen Mittag bei mir vorbei.“ Mit diesen Worten verabschiedete Samuel sich, stieg in seinen Wagen ein und fuhr zu seinem Haus.
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 16.07.2014 07:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich möchte mich auf ein Thema konzentrieren: Perspektive aka POV.

Nana hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

...

Kapitel 1

Samuel Gamis Hände begannen vor Wut zu zittern.

Mit dem "vor Wut" hast du eine tiefe Perspektive (deep POV) etabliert. Nur Samuel selbst weiß, warum seine Hände zittern. Hättest du diese beiden Worte weggelassen, gäbe es jetzt noch keinen POV.

Tief atmete er durch und gewann so die Kontrolle über seinen Körper wieder. Dennoch fiel es ihm schwer, dass seine Empfindungen nicht auch seiner Stimme anzumerken waren. „… und was ist mit der Lieferung?“, fragte er zischend. Scheinbar hatte er sich doch nicht so gut im Griff, wie er es angenommen hatte 

Bis hierhin ist alles gut. Hinter "fiel es ihm schwer" fehlt noch irgendetwas "zu erreichen" vielleicht.

„…“

??? Keine Ahnung, was das soll? Druckst er, räuspert er sich? Was?

Der Mann, der die unangenehme Aufgabe hatte seinem Boss die Nachricht zu überbringen,

Nicht so gut, da es nicht klar ist, ob du hier Samuel weiter beschreibst oder jemand neuen einführst. Letzeres könntest du besser aus Samuels POV erledigen. "Er starrte auf (Name), den Mann, der..."

traute sich nicht auf die Frage zu antworten.

Ganz böse. Du springst in den Kopf des zweiten Mannes, weil nur der das wissen kann. Bleib bei Samuel, schaue, nimm wahr. "Er konnte fast die Angst des Mannes ... riechen"

DasDass er Samuel mit dieser Reaktion nur noch wütender machte, bemerkte er in diesem Augenblick nicht.

Bleib bei Samuel: "...schien ihm nicht aufzufallen"

Seine Angst war einfach zu groß, sodass er sich nicht auf solcherlei Kleinigkeiten konzentrieren konnte.

Ist eine Duplizierung des "Er traute sich nicht" Für meinen Bedarf schwelgst zu zu sehr in seinem Kopf.

Viel wichtiger war in diesem Moment, dass er die Kontrolle über seine Blase behielt.

Wer will das wissen? Ich als Leser nicht, es sei denn, es hat eine Bedeutung für die Geschichte. Hat es die? Wenn ja. "So wie der Mann da stand, schien er dringend ..."

„Sag schon!“ Samuel sprach leise, allerdings waren diesen beiden Worten die Drohung und Ungeduld anzumerken.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als wärst du zurück in Samuels Kopf, "anmerken" tun die anderen. Genauer gesagt bist du durch das Passiv hier in den allwissenden POV gerutscht, in dem der Autor die Situation kommentiert.

Langsam begriff er, dass er in großen Schwierigkeiten war.

Und wer soll das sein? Schauen wir mal zurück. Letztes mögliches Nomen für das Pronomen ist Samuel. Ich denke mal, das war nicht geplant.

So wütend sah er seinen Boss zum ersten Mal.
Eigentlich dachte er, dass es unmöglich wäre seinen Boss in einen solchen Zustand zu versetzen.

Bist du sicher, dass jemand, der solche Muffensausen hast, wie du dir vorher Mühe gegeben hast zu beschreiben, jetzt plötzlich so eine Überlegung anstellt? Selbst wenn, kann Samuel das nicht mitkriegen. Also alles von "Langsam" bis "versetzen" muss raus

„Sie ist weg“, erwiderte er kaum hörbar.

Und schwupps sind wir wieder in Samuels Gehörgang, weil nur da diese Feststellung getroffen werden kann. Wenn du bis hierher Samuels POV durchhältst, ist der Satz in Ordnung. Wenn die Aussage, wie ich vermute, wichtig ist, kannst du sie hier noch verstärken und auch gleich nützliche Informationen liefern, z.B.

Was war das? Hatte er richtig gehört? "Was hast du gesagt?" flüsterte er drohend.

"Anita ist abgehauen." (oder was auch immer der Fall ist)


„Scheiße. Das ist richtig scheiße."

Die Frau ... etc. Was denkt Samuel in dem Moment?

"
Weißt du eigentlich, wie viel Kohle da drin steckt? Warum habt ihr nicht angerufen, dann hätten wir das geklärt!“ Nun wurde Samuels Stimme doch lauter.

POV unklar, wer stellt das fest?

...obwohl er das nicht wollte.

Er schrie nicht, aber dennoch zuckte sein Untergebener Name zusammen.

Genießt das Samuel? Ist denn "Mann" für das "Sie ist weg" verantwortlich oder ist er nur der Überbringer schlechter Nachrichten?

Nachdem er kurz durchatmete, wagte er es zu Samuel aufzusehen.

Jetzt solltest du langsam wissen, warum das rot ist.

Viel konnte er allerdings nicht erkennen, da Samuel die blutroten Gibt es nicht. rotbraun? Haare ins Gesicht hingen.



Das kann eine sehr gute Szene werden. Du kannst viel über deine Hauptfigur Samuel dadurch erzählen, wie er sich in so einer emotionalen und kritischen Situation verhält.

Aber POV-Sprünge sind ein echtes No-No.

Grüße
Rainer
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Nadine86
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BeitragVerfasst am: 19.07.2014 15:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

vielen Dank für deine erneute Antwort. Du hast recht, es spricht nichts dagegen, dass die Eröffnungsszene beziehungsweise das erste Kapitel nur aus Samuels Sicht dargestellt wird. Ich habe mir schon einige Gedanken gemacht, wie ich das am Besten umsetzen kann. Leider gefallen mir meine bisherigen Ansätze noch nicht so.

In der Geschichte wird häufiger die Perspektive gewechselt. Es gibt zwei Hauptcharaktere die die Geschichte erzählen. Grob überschlagen gibt es in allen Kapiteln sechs Perspektiven, aus deren Sicht ein Teil der Handlung beschrieben wird. Eigentlich sollte das auch so bleiben, da es mir wichtig ist, dass diese Personen dabei im Vordergrund stehen. Außerdem wüsste ich momentan nicht, wie ich es aus einer anderen Perspektive erzählen sollte/könnte ... .

Ich werde mal schauen, wie ich Samuels Sicht umsetzen kann, in der Eröffnungsszene.

Die blutroten Haare wird er behalten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das nun ein bisschen bockig klingt, aber so soll es eigentlich nicht sein. In dieser Hinsicht bin ich eigen. Entweder hat Samuel einen Gendefekt, sodass es möglich wird oder falls es keine Möglichkeit für so eine Haarfarbe gibt, sind sie halt einfach gefärbt. Auch wenn ich dadurch eine spätere - humorvolle - Szene umschreiben muss.

Vielen, vielen Dank nochmal für deine Hilfe.

Viele Grüße
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.07.2014 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Nana hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rainer,

...

In der Geschichte wird häufiger die Perspektive gewechselt. Es gibt zwei Hauptcharaktere die die Geschichte erzählen. Grob überschlagen gibt es in allen Kapiteln sechs Perspektiven, aus deren Sicht ein Teil der Handlung beschrieben wird. Eigentlich sollte das auch so bleiben, da es mir wichtig ist, dass diese Personen dabei im Vordergrund stehen. Außerdem wüsste ich momentan nicht, wie ich es aus einer anderen Perspektive erzählen sollte/könnte ... .

...

Viele Grüße


Wenn du die Perspektive wechselst, muss das der Leser erkennen können. Ob du die Holzhammermethode verwendest und das als Überschrift drüber schreibst oder ob du nur einen Trenner (Stern) zwischen die Zeilen setzt, und dann mit etwas wie "Xxx dachte" weitermachst, ist mir persönlich egal. Aber einfach im nächsten Satz das Personalpronomen für jemand anderes zu verwenden, ist sträflich.

Grüße
Rainer
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Nadine86
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BeitragVerfasst am: 19.07.2014 17:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

bei den späteren Kapiteln habe ich die Perspektivenwechsel eigentlich immer durch eine doppelte Leerzeile kenntlich gemacht. Damit der Leser weiß, dass es nun mit einer anderen Person weitergeht. Es kann sein, dass es manchmal nur ein einfacher Absatz war. Da müsste ich die Textstellen alle nochmal genau ansehen.

Mir ist klar, dass es schon irgendwie für den Leser kenntlich sein sollte. Beim Überarbeiten des ersten Abschnittes bin ich wohl irgendwie darüber hinweggekommen. Warum kann ich selbst nicht sagen. Das meine ich generell.

Auch bei den späteren Dialogen muss ich nochmal schauen, ob ich da nicht genau dasselbe gemacht habe wie hier.

Vielen Dank nochmal für deine Hinweise.

Viele Grüße
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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 19.07.2014 19:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nana,

was du hier machst, erscheint mir sehr merkwürdig. Ist das Absicht?
Du wechselst ständig Reflektorfigur und Erzählsituation. Dein auktorialer Erzähler springt dabei kurz in die Figur / in die
Szene hinein.

Mal ein Beispiel, etwas überspitzt, wie sich das anfühlt:

Liebe Kinder, ich erzähle euch jetzt die Geschichte von Hänsel und Gretel. Die Geschwister haben sich im Wald
verlaufen, böse Stimmen werden später behaupten, sie wurden ausgesetzt. Schauen wir mal rein, wie es den
beiden grad geht.


„Hänsel, wir schaffen das nicht. Ich kann nicht mehr!“
Das war Gretel, die inzwischen schon ziemlich verzweifelt ist. Das habt ihr euch sicher denken können.
Zurück in den Wald.

„Sieh mal, da hinten ist eine Lichtung“, sagt Hänsel leise.
Denn auch er hat mächtige Angst. Es gibt ja Gerüchte ...

Hänsel schaut zu seiner Schwester. Nein, er darf sich nichts anmerken lassen.  

Die beiden gehen in die Richtung, wo das fahle Mondlicht mehr Licht spendet. Nach etwa zweihundert Schritt
wird der Wald tatsächlich lichter und sie können den Umriss einer Hütte erkennen.


 Rolling Eyes

Gruß,
Carsten
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Nadine86
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BeitragVerfasst am: 19.07.2014 20:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Carsten,

oha, nein, eigentlich ist das keine Absicht Sad.

Wie kann ich das denn am besten herausbekommen? Ich habe in der Eröffnungsszene schon versucht Rainers Tipps umzusetzen, aber irgendwie will mir das nicht so ganz gelingen.
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Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1849

Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 19.07.2014 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Nana hat Folgendes geschrieben:
Hallo Carsten,

oha, nein, eigentlich ist das keine Absicht Sad.

Wie kann ich das denn am besten herausbekommen? Ich habe in der Eröffnungsszene schon versucht Rainers Tipps umzusetzen, aber irgendwie will mir das nicht so ganz gelingen.

 
Du musst länger bei einer Figur bleiben. Manche Autoren wechseln nur szenenweise.

Streiche radikal alles raus, was sich irgendwie nach Kommentar, Erklärung, Wertung anfühlt. Dazu gehören auch Adjektive und Partizipien.

Verwende narrative Passagen sehr sparsam. Versuche, in solchen Fällen möglichst neutral zu erzählen. Zum Beispiel nur Beschreibungen,
die eine Kamera auch erfassen könnte.

Auch die Inquit-Formel ist eventuell überflüssig.

"Was ist mit der Lieferung?“, fragte er zischend. Scheinbar hatte er sich doch nicht so gut im Griff, wie er es angenommen
hatte.


Jetzt fehlt etwas, was du wieder auffüllen musst. Du kannst zeigen, wie er sich fühlt und versucht, sich im Griff zu haben.
Durch Gesten und Reaktionen. Und du kannst seine Sicht, seine Gedanken direkt wiedergeben.

Hektisch ging Maik zwei Schritt zurück und stieß mit dem Rücken an den Wagen. Samuel schob die Hände in den Taschen seines Blousons
und zertrat langsam einen Colabecher. "Was ist mit der Lieferung?" Er schaute Maik nicht an, er musste sich konzentrieren. Und vor allem
ruhig bleiben. Diesen Versager brauchte er noch.
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Nadine86
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 33
Beiträge: 28
Wohnort: Göttingen


BeitragVerfasst am: 19.07.2014 22:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

vielen, vielen Dank für deine Hilfe und dein Beispiel smile. Ich werde mich gleich mal ans Streichen setzen.

Danke schön. Die Verzweiflung, die vorhin aufgekeimt ist, hat sich nun wieder ein bisschen gelegt.

Viele Grüße
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