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Bunker bei Sonnenschein am Meer

 

 
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Nihil
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Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 29.06.2014 20:00    Titel: Bunker bei Sonnenschein am Meer eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Stillgelegte Schlote. Statt
titanweiß quellenden Qualms ihre
Aureole, unsichtbar,
heilige heimliche Anwesenheit.

Loreley der Moderne – einmal stürzte sie ins Meer,
beständig jedoch klackert ihr Echo.
Ernster Unfall für die Einen,
Tragödie für den Rest
oder zumindest Trauerspiel von unbekannter Länge.

Nur kurz von ihrer Stimme bestäubt, die
zytokine Anmut stiftet, Wachstum ungebremster Kraft, und
es entsteht: exklusive Um-Schöpfung des Lebens, für Die
im Land der meterhohen grauen Wände und
tausendfacher Möglichkeiten.

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appo
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 115
Wohnort: Bremen


BeitragVerfasst am: 30.06.2014 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko,

Stahlbetonzeit also, und ich muss sagen der Text kommt sprachlich und von den Bildern so interessant daher, dass mir das Akrostichon wohl nicht aufgefallen wäre, wenn es nicht eine Teilnahmebedingung darstellte.
Der Titel weist, wie ich finde, recht deutlich die Richtung, in der der Text sich bewegt. Ich denke sofort an den D-Day 1944. Der Bunker als Bild für die Stahlbetonzeit und gleichzeitig auch hinweisend auf das Lähmende, Schreckliche des 2.Weltkriegs.
In der ersten Strophe stillgelegte Schlote (die irritieren mich, da ich sie eher mit Fabrikgebäuden, Industriedenkmälern in Verbindung bringe), die ein Heiligenschein umgibt. Weil sie Ort des Andenkens, der Mahnung, des Gedenken sind?
Dann das zentrale Bild des Gedichts, die "Loreley der Moderne", eine  Kriegsgöttin, faszinierend und gefährlich zugleich, die den Menschen in den Krieg, ins Verderben lockt.
Einmal sei sie selbst gefallen (bei der Landung der Amerikaner?). Nach dem Krieg dann Innehalten, "zytokines" Besinnen, eine "Um-Schöpfung des Lebens (Umverteilung? differenzierende Neuordnung? Sehr schön), aber mittlerweile so das eher düstere Fazit, sind wir in diesem Land wieder auf den üblichen Wegen unterwegs.
Fazit: ein sprachlich gelungener, von den Bildern her starker Text. Allein mit der Auslegung des Themas auf  einer sprachpoetischen Grundlage, dem Durcharbeiten des Kriegsthemas mit interessanten Metaphern habe ich ein wenig Probleme. Das ist mir zu oft schon gedacht, gesagt, auch hätte ich gern mehr Bezug zur Gegenwart gehabt. Aber das mag bei zwei Stunden auch zuviel verlangt sein.
Nichtsdestotrotz ein schöner Text, der in der Bewertung bei mir im oberen Drittel landet.

Gruß von Apo
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 30.06.2014 11:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Immer bleibe ich zu abstrakt, grah.
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niko
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Alter: 60
Beiträge: 200
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BeitragVerfasst am: 30.06.2014 20:20    Titel: Antworten mit Zitat

hi,

eigentlich gefällt mir der text. den inhalt finde ich faszinierend. was mich stört sind die zeilenbrüche, die dem akrostichon geschuldet sind. das macht das ganze unruhig, finde ich.
aber inhaltlich, inclusive - ich nenn es mal: lyrischer ausdrucksnote - auf jedenfall *daumen hoch*

beste grüße: niko


_________________
Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5664
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BeitragVerfasst am: 30.06.2014 22:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schaue einerseits, ob ich das ganze Thema wiederfinde in den Gedichten.

Es geht um Kraftwerke, Atomkraftwerke, damit kann ich sowohl Stahlbetonzeit als auch Neonlicht verbinden.

Außerdem richtet sich meine Bewertung danach, ob und wie verständlich mir eins wird.

 Ich erkenne Anspielungen auf Atomkraftwerksunfaelle. Fukushima. Du schaffst es auch, in diesem kurzen Text verschiedene Reaktionen darauf und Betroffenheiten davon zu thematisieren. In der letzten Strophe reflektierst du allgemeiner unsere ungebremste Wachstumszeit der meterhohen grauen Wände und (energieverbrauchender) tausendfacher Möglichkeiten mit einem Touch von Sarkasmus/Zynismus.


Und ich schaue, wie interessant das sprachliche Gestrick für mich ist.

Ich finde, du hast es wirklich gut geschafft in dieser Kürze, auf sprachlich gut gestrickte, nicht banale Weise einiges einzufangen. Das klackernde Echo mag ich besonders. "Zytokin" musste ich leider googeln. Scheint mir etwas fremd im Text, ist aber wohl dem Akrostichon geschuldet.
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Stimmgabel
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Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 01.07.2014 00:45    Titel: Re: Bunker bei Sonnenschein am Meer Antworten mit Zitat

-

Bunker bei Sonnenschein am Meer


Stillgelegte Schlote. Statt
titanweiß quellenden Qualms ihre .... <-- was für eine personal krampfende Genitiv-Struktur Laughing
Aureole, unsichtbar,
heilige heimliche Anwesenheit.

Loreley der Moderne – einmal stürzte sie ins Meer,
beständig jedoch klackert ihr Echo.
Ernster Unfall für die Einen,
Tragödie für den Rest
oder zumindest Trauerspiel von unbekannter Länge.

Nur kurz von ihrer Stimme bestäubt, die
zytokine Anmut stiftet, Wachstum ungebremster Kraft, und
es entsteht: exklusive Um-Schöpfung des Lebens, für Die
im Land der meterhohen grauen Wände und
tausendfacher Möglichkeiten.


---------------------------------


Hallo Inko,



dieser Text ist für mich tatsächlich der kurioseste von allen. Vier klar gesetzte Einzel-Versatzstück-Bilder, deren Bindung ich echt nicht erkennen kann.

Da ist der mMn komplett bindungslose Titel zum Kontext.
Da sind die stillgelegten Schlote mit heiliger Korona(???).
Da ist eine moderne Loreley(???), die sich umbringt.
Da ist eine quasi pro Umschöpfung(???) im menschlichen Dickicht der Wände.

Die große Frage stellt sich mir hier: Geht's vllt um Hoffnung oder um einen quasi chronischen Still-Zustand einer theoretischen Möglichkeit???

Für mich eine hermetische Worte-Melange, deren Inhalt einzig der Autor wissen kann und auch nur will - ergo: eine autoriale, innere und verschlossen bleibende Tagebuchreise / ergo: sicher nicht für einen fremden Leser geschrieben ... ergo: wofür hier also eingestellt Wink.

Ebenso muss ich echt über die gekünstelten Worte wie "Aureole" und "zytokine Anmut" schmunzeln ... sollen die hier echt Sinn machen Wink


Zur sprachlichen Umsetzung: irgendwie eine zerbrochene Umbruch-Prosa ... die mMn nicht funktioniert.


Gruß, Stimmgabel


-


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Lotta
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Beiträge: 263
Wohnort: Wunderland


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin begeistert, hier stimmt alles. Ich bin von der ersten Zeile an drin, kann spüren, fühlen, schlicht, es berührt mich.
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Kissa
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Beiträge: 618
Wohnort: Saxonia
Der silberne Spiegel - Lyrik Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 17:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Reaktorunglück als Umschreibung für das Erstrahlen und Erlöschen einer Szenerie. Nie war ein Thema aktueller!

Das finde ich eine tolle Idee, und auch die Umsetzung spricht mich sehr an!

Toll gemacht, Guy!


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Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön.
Gotthold Ephraim Lessing
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HerbertH
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 553
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 19:55    Titel: Antworten mit Zitat

Titel passt vielleicht, siehe unten
stahlbetonzeit als akrostichon
neonlicht nicht vorhanden
inhaltlich interessanter assoziationsanlass
bunker aus der stahlbetonzeit, also der kriegszeit
die maginotlinie am strand
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Rainer Zufall
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Alter: 64
Beiträge: 803

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 03.07.2014 13:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
es entstehen unterschiedliche Bilder bei mir, die mich zwar unentschieden zurücklassen, wie du sie nun genau gemeint hast, aber sie sind in ihrer Unterschiedlichkeit dennoch stimmig. Sie erzählen von Bauten, die einstmals um der Macht, des Kriegführens oder des Geschäfts wegen errichtet und Leid verursacht haben.  
Sprach und inhaltlich sehr eindringlich.
Schön.
Viele Grüße
Zufall
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


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Wohnort: zwischen Hügeln und Aue...
Das Silberne Pfand Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 06.07.2014 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

vor deinem Gedicht stand ich immer wieder. Es wollte mir erzählen, das merkte ich. Was jedoch?
(Ich konnte nichts hören, schmecken, riechen…)
Bis gestern der Groschen fiel. Dabei ist der Bunker ein Markierpunkt, der den Leser führt.
(mich lenkten da die anderen Bunker, die ich, unter anderem in meiner Region kenne (2. WK) von deinem Bunker ab)

Den Titel finde ich gut gewählt. Er steht erstmal so da, als nicht wertendes Bild. Nach dem verstehenden Lesen des Gedichtes blicke ich hin und sage: Ja, sitzt, passt. Stahlbeton drin und die scheinbare Idylle, die nicht spürbare Gefahr stehen da.
Und der Hinweis auf das Land hast du eingewoben.
Beim wiederholten Lesen rief der Titel eine nicht konkretisierbare Unbehaglichkeit hervor.

Du setzt mit nicht ausgekauten Worten die Gefährlichkeit der Kernenergie in die Bilder. Ihre Unsichtbarkeit und ihre noch nicht in Gesamtheit absehbaren Folgen.
(Loreley fiel zweimal(?), Ukraine und Japan…)
Als ich die Aussage verstanden hatte, wurde ich durch den Text geführt, es war alles deutlich lesbar.
Die letzten zwei Verse finde ich schwächer, da bremsten dich die Vorgaben, denke ich. Die Erzählstruktur hatte dir dort bis dahin recht freie Hand gelassen, die ihre Arbeit unverkrampft verrichtete.

Die Umsetzung von Stahlbetonzeit und Neonlicht erkenne ich, ohne dass sie direkt ausgesprochen werden müssen.

Durch den Punktevergebedschungel muss ich mich noch wühlen, doch für mich ist das ein Text für oben.

Kleine (nicht punkterelevante) Anmerkung:
Zitat:
… für Die
im Land der meterhohen grauen Wände und
tausendfacher Möglichkeiten.


Müsste es nicht tausendfachen lauten, weil das der lese- und sinntechnisch auch zu dieser Stelle greift?


Liebe Grüße
Zinna


_________________
Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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Honig
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 45
Wohnort: NRW
Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 07.07.2014 11:35    Titel: Antworten mit Zitat

Stahlbetoneske Endzeitstimmung. Gefällt mir sehr gut.

_________________
@kerstinhonig
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1819



BeitragVerfasst am: 07.07.2014 16:40    Titel: Antworten mit Zitat

Das Gedicht kommt beim ersten Lesen durch die ausgestalteten Sätze, so unproblematisch daher, dass es mich wunderte, nach mehrmaligen Lesen, immer unklarer werdende Strukturen vorzufinden.

Zitat:
Stillgelegte Schlote. Statt
titanweiß quellenden Qualms ihre
Aureole, unsichtbar,
heilige heimliche Anwesenheit.


Die erste Strophe gleicht einem Stilleben in offener Natur. Ein stillgelegter Betonbunker mit qualmenden Schloten? Fahren etwa Schiffe im Hintergrund daher oder gleichen die Wolken dem quellenden Qualm?
Die Strophe wird mit einem Punkt wie ein Satz beendet. Doch der Satz ist nicht vollständig: Es fehlt die Vollendung des titanweißen Qualms. Was kommt "statt"-dessen aus dem Schlot? Oder fehlt hier einfach ein Komma nach "Qualm"?

Zitat:
Loreley der Moderne – einmal stürzte sie ins Meer,
beständig jedoch klackert ihr Echo.
Ernster Unfall für die Einen,
Tragödie für den Rest
oder zumindest Trauerspiel von unbekannter Länge.


Nach dem eingängigen Stillleben, fällt es mir schwer, mich auf diese Strophe einzulassen. Ich bin in Gedanken noch bei dem malerisch beschriebenen Bunker und kann dieses Bild nicht mit dem tückischen Loreley-Felsen vereinbaren. Ist mit "Loreley der Moderne" vielleicht ein U-Boot gemeint? Das wäre zu profan. Doch etwas stürzte ins Meer, dass nach seinem Untergang immer noch unheilverheißend wie ein Echolot klackert? Oder sind damit die Transformatoren des Bunkers gemeint. Ich bin verwirrt.

In den Begriffen "Tragödie" und "Trauerspiel" schwingt -meiner Meinung- Ironie mit.

Zitat:
Nur kurz von ihrer Stimme bestäubt, die
zytokine Anmut stiftet, Wachstum ungebremster Kraft, und
es entsteht: exklusive Um-Schöpfung des Lebens, für Die
im Land der meterhohen grauen Wände und
tausendfacher Möglichkeiten.


In der letzten Strophe taucht wieder die verführerisch-verhängnisvolle Stimme der Loreley auf, die mit "zytokiner Anmut", aber auch Gutes stiftet: "Wachstum" und "Um-Schöpfung des Lebens".
Die Restzeile und die beiden Schlussverse fallen aber aus der hohen Lyrizität des Gedichts in profanen Sprachgebrauch ab: "Die, die im Land der tausend Möglichkeiten leben". Vielleicht ist es eine Anspielung auf die Amerikaner, die 1944 die alliierten Truppen anführten, die Normandie zu besetzen.
Jetzt fällt mir auf, was ich die ganze Zeit dachte: Dieses Bild befindet sich im Norden Frankreichs, an der Küste zum Ärmelkanal.

Ich bin noch geteilter Meinung.

LGM


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Malaga
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BeitragVerfasst am: 07.07.2014 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

Vorweg: meinen besonderen Respekt den Lyrikern. Unter Zeitdruck ein Gedicht ist allein schon preisverdächtig.

Das gefällt mir am besten.
Rhythmus. Klanglich gut gemacht, virtuose Verwendung stilistischer Mittel, vor allem Alliterationen. Inhalt: erahne ich nur, die gestürzte Loreley der Moderne ...
Egal. Man muss nicht alles auf den Punkt bringen. Zwölfe.
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Oliver.Twist
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BeitragVerfasst am: 09.07.2014 00:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ein post-industrielles Stadt-Szenario, stillgelegte Schwerindustrie...
Ein Verlust, der Folgen nach sich zieht. Eine abgestürzte Loreley: eine gescheiterte Verführerin... Sie stürzte: ins Meer? Warum nicht in den Rhein? Ist doch auch viel näher am Ruhrgebiet dran, der Ex-Schwerindustrie-Region schlechthin...

Ernster Unfall/Tagödie etc.: Klingt so, als ob dich das Akrostichon dazu gezwungen hat, sorry. Dafür: das Trauerspiel von unbekannter Länge ist eine schöne, melancholische Idee!

Dritte Zeile von hinten: "Die" -> Großschreibung leuchtet mir nicht ein. Sonst ist der letzte Abschnitt eine sprachlich interessante Umsetzung aktuellen Zeitgeist-Sprechs (exklusive Um-Schöpfung!), der sich gut zur Um-Nutzung und "Aufwertung" von Industriebrachen etc. gesellt.

So kann ich dem Gedicht am besten einen Sinn geben: der Zauber der gewaltigen alten Technik leitet über in eine neue "Flächennutzung", die in ihrer anpreisenden Werbesprache etwas distanziert-ironisch betrachtet wird.

Das Akrostichon ist durch die wechselnde Groß- und Kleinschreibung angenehm unaufdringlich.
Schöne Grüße, OT
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Strichpunkt
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Beiträge: 166

Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 10.07.2014 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber Autor,

"Bunker bei Sonnenschein" ist der nächste Text, den ich kommentiere, der mir richtig gut gefällt.

Form und Inhalt:

Das Akrostichon fällt überhaupt nicht auf, das hast du gut eingearbeitet. Das ist zusammenhängend, hat schöne Bilder und ist dicht, da wird etwas erzählt. Das gefällt mir richtig gut, einer meiner Favoriten. Und doch besticht hier der klare, ruhige Ton.

Themen:

Stahlbetonzeit: Ja, erfüllt.
Neonlicht: Sosolala.

Alles in allem:

…gefällt mir der Text richtig gut und deshalb habe ich auch nicht viel zu meckern und mein Kommentar ist ziemlich kurz. Einer meiner Favoriten!

Gruss
Strichpunkt
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Kissa
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Der silberne Spiegel - Lyrik Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 11.07.2014 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Na sag ich doch! Toll!

Herzlichen Glückwunsch zur Goldmedaille, Nihil!  Daumen hoch

Liebe Grüße
Kissa


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Gotthold Ephraim Lessing
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Nihil
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BeitragVerfasst am: 11.07.2014 21:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auch hier nochmal Danke fürs Kommentieren und Bepunkten. Ich antworte etwas später darauf. smile

Und tut mir Leid, Kissa, dass ich deinen Überschwang leider nicht zurückgegeben habe. Embarassed
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Nihil
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Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 20.07.2014 14:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, endlich mal die versprochene Antwort auf eure Kommentare, wenn auch etwas später und allgemeiner als gedacht.

Zunächst: Der Titel fühlt sich richtig falsch auf dem Gedicht an, als würde man „Eistee“ auf eine Mehlpackung schreiben. Aber besser so (und damit Mitschuld an den WK II - Assoziationen haben), als am Ende „Neonlicht 5“ zu heißen. Was könnte schlimmer sein. :shock:

Von diesem Bunker möchte man natürlich fliehen, nicht in ihn hinein, um Schutz zu suchen. Auch habe ich in den letzten vier Sekunden an eine völlig andere Stimmung gedacht, als während des übrigen Gedichts. Das konnte also nicht funktionieren. Panzer aus Zement wäre besser gewesen, der ja dazu dienen sollte, die Strahlung Chernobyls einzudämmen. Die Loreley soll an Fukushima erinnern, die ja einmal tragische Heldin, einmal Sirene ist (laut ihrer Sagen).

Das Akrostichon hat sicher zu einigen ungewöhnlichen Versbrüchen geführt, zumindest wenn man wirklich nach jedem Vers eine Atempause einlegt. (Das mache ich so gut wie nie. Ich betone immer eher den ganzen Satz.) Andererseits hat es mich auch auf gute Ideen gebracht, die ich sonst wohl nicht gehabt hätte. Zumindest bei reiner Beschränkung auf Verse und Wörter.

Mehr möchte ich, glaube ich, doch nicht sagen. Ich brauche ja nicht jeden einzelnen Gedanken zu erklären. ;) Wenn mal Fremdwörter auftauchen, darf man die gerne nachschlagen, was ja nicht heißt, dass man sie auch gut finden muss. Wenn zytokin als „ent-artetes“ Wort hervorsteht, finde ich das eigentlich ganz passend.

Danke nochmal für Kommentare und Bewertung!
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