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Ratten des Krieges – Eine Geschichte aus dem 1632-Universum


 
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1088
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 18.06.2014 17:11    Titel: Ratten des Krieges – Eine Geschichte aus dem 1632-Universum eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo,

hier ist mein Einstand. Die ganze Geschichte ist 10.000 Worte lang. Wieviel davon darf/soll ich denn hier posten?

Um Kritik wird gebeten.
Rainer

Ratten des Krieges

Eine Geschichte aus dem 1632-Universum

Von Rainer Prem

Vorspiel
Freie Reichsstadt Ulm, Schwaben
3. April 1627

"Name?"

"Peter Hagendorf."

"Woher?"

"Aus Zerbst."

"Und wo ist das schon wieder?"

"In Anhalt, bei Magdeburg."

"Kannst du lesen? Schreiben?"

"Deutsch, Latein und Italienisch."

Der Anwerber blickte verdutzt auf. "Ach, Herr Professor!" Der mittelgroße, muskulöse Mann vor ihm trug abgerissene Kleidung und sah nicht aus, als ob er Latein konnte. Und warum wollte er sich dann überhaupt in einer Söldnereinheit einschreiben?

Peter Hagendorf runzelte die Stirn. "Nicht wirklich. Nur sechs Jahre auf der Lateinschule. Und ich war in Venedig und Italien die letzten beiden Jahre."

Der Anwerber ließ seinen Blick an dem Mann hinunter schweifen. Die Schuhe des Mannes wurden von Weidenruten notdürftig zusammengehalten.

Peters Blick folgte seinem. "Ich bin gerade zu Fuß über die Alpen gekommen."

Das war schon fast zu viel an Information. Hoffentlich hatte sich dieser Hagendorf nicht unterwegs die Pest geholt. "Hier unterschreiben. Du gehörst jetzt zur Kompanie von Hans Heinrich Küllmann im Regiment von Gottfried Heinrich zu Pappenheim. Nimm das Laufgeld, kauf dir ein Paar ordentliche Schuhe und geh mit den anderen nach Müllheim."

*

"... von da aus sind wir auf den Musterplatz gezogen, in die obere Markgrafschaft Baden. Dort im Quartier gelegen, gefressen und gesoffen, dass es gut heißt."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

I

Magdeburg
20. Mai 1631

Seit der Morgendämmerung brüllten die schweren Geschütze. Magdeburg würde heute fallen. Peter wartete in den Reihen seiner Kompanie auf den Befehl Pappenheims, blickte nach links und rechts, ob irgendwo einer seiner Leute aus dem Glied rennen wollte.

Er fasste seinen Säbel und seine Pistole mit fester Hand. Keine Piken und keine Musketen heute. In einem Häuserkampf waren sie nicht wirklich sinnvoll. Und einen Häuserkampf würde es geben. Für die Magdeburger Fettärsche war es jetzt zu spät zu kapitulieren.

Heute würde er zum ersten Mal ein richtiges Stück vom Kuchen abbekommen, seit er sich bei Pappenheim verpflichtet hatte. In den letzten vier Jahren war die Bezahlung immer mager gewesen.

Bei der Belagerung von Wolfenbüttel war seine Frau Anna krank geworden und Peter musste sie pflegen — die ganzen achtzehn Wochen — und als die Stadt endlich an Weihnachten 1627 abgesoffen war, hatten es die Bürger viel zu eilig gehabt, sich zu ergeben, um einer Plünderung zu entgehen. Die ganze Zeit hatte er nie eine Chance auf einen Nebenverdienst gehabt.

Die nächsten drei Jahre waren dann ausgefüllt gewesen mit Marschieren und Warten. Warten und Marschieren. Von Baden nach Hamburg, von Stralsund nach Wiesbaden, nach Paderborn und letztendlich nach Magdeburg.

Und immer der gleiche Kampf um Essen und Kleidung, für ihn selbst, seine Frau — ganz besonders während ihrer drei Schwangerschaften — und um Geld für das Begräbnis seines Sohnes und das seiner ersten Tochter.

Aber heute war endlich der Tag. Der Stadtrat von Magdeburg hatte sich nicht ergeben, versuchte Zeit zu gewinnen, bis die Schweden zur Hilfe kämen. Tilly hatte die ganze Stadt und ihre Einwohner für vogelfrei erklärt. Und Pappenheims Regiment würde das erste sein, das in die Stadt eindringen durfte.

Es war schon lange über der geplanten Zeit. Die Kompanie wartete hinter den vordersten Schanzen, die Waffen in den Händen, die Bäuche leer von Essen, aber voller Wut über die Ereignisse der letzten Wochen. Peters Kompanie hatte zwei Hauptleute nacheinander im Abwehrfeuer verloren; der dritte war schon vor Dienstantritt desertiert, also hatte die Kompanie derzeit keinen Hauptmann.

Diese Magdeburger würden nun den Denkzettel für ihre Sturheit bekommen. Die Tatsache, dass Peter vor mehr als dreißig Jahren nur zwei Tagereisen von hier geboren war, änderte nichts daran. Von irgendetwas musste der Mensch ja leben.

Dies war der große Tag. Dies war die Stunde. Und da kam endlich das erhoffte Zeichen!

Die Trommler schlugen das Kommando, das Regiment begann seinen Marsch. Zuerst langsam, aber als sie bemerkten, dass sich ihnen niemand in den Weg stellte, wurde die erste Reihe immer schneller.

Zu dem Zeitpunkt, als sie das zertrümmerte Tor erreichten, rannten sie fast. Peter verlor seinen Platz in der ersten Reihe, als sie sich durch die Bresche in der Stadtmauer zwängten. Aber die Kameraden vor ihm stürmten gleich in die Häuser zur Rechten und zur Linken, hackten auf Türen und Menschen gleichermaßen ein, während sich Korporal Hagendorf auf sein eigentliches Ziel konzentrierte, gefolgt von seinen Männern.

Die Häuser der reichen Patrizier in der Neustadt.

Nächste Gasse links, dann rechts. Peter konnte schon die sauberen weiß-verputzten Häuser hinter dem offenstehenden Neustädter Tor sehen.

Ein Blitz ließ ihn hochblicken. Aber es war zu spät. Ein Tritt in seinen Bauch wie von einem Pferd ließ ihn stolpern. Ein zweiter Tritt traf ihn unter seiner Achsel.

Dann wurde die Welt dunkel.

*

"Nachher bin ich in das Lager geführt worden, verbunden, denn einmal bin ich durch den Bauch vorne durchgeschossen worden, zum andern durch beide Achseln, so dass die Kugel ist in dem Hemd gelegen."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

Das nächste, was Peter mitbekam, war, dass man ihn auf eine Karre warf. Jemand drückte mit einer Hand auf seinen Bauch.

"Er lebt", hörte er. "Bringt ihn zum Feldscher." Dann wieder Schwärze.

Irgendwann später erwachte er davon, dass seine Arme auf seinen Rücken gezerrt wurden.

Heißer Schmerz durchzuckte ihn. "Was?" schrie er.

"Sei ruhig", sagte jemand zu ihm. "Ich muss diese Kugel aus deinem Bauch holen."

Seine Hände wurden auf den Rücken gefesselt. Dann traf etwas wie ein Feuerball seinen Bauch, und die Welt wurde wieder dunkel.

****

Als Peter das nächste Mal aufwachte, lag er auf seinem Rücken. Die Silhouette vor dem Zeltausgang kam ihm bekannt vor.

"Anna", stöhnte er und versuchte aufzustehen.

Seine Frau drehte sich um und drückte ihn an den Schultern nach unten.

"Bleib um Himmels Willen liegen!" befahl sie ihm. "Du bist halb tot. Beweg dich nicht, oder du verblutest."

"Ich sterbe ja sowieso", keuchte er.

"Nicht, wenn du meinen Anweisungen gehorchst. Ich lasse Elisabeth bei dir und gehe mehr Verbandszeug holen. Bleib da!"

Sie legte seine kranke Tochter neben ihn und verließ das Zelt.

Er hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, bevor sich die Zeltklappe wieder öffnete und ihn aus seinem Halbschlaf weckte.

Anna war zurück, sie schleppte einen riesigen Weinkrug und hatte ein Bündel auf dem Rücken. Eine alte Frau folgte ihr und trug ein Bündel Stoff.

"Das ist Margarethe", sagte Anna. "Sie hat mir mit dem Verbandszeug geholfen."

Irgendetwas in ihrer Stimme ließ ihn aufhorchen. "Was ist los?"

Anna drehte sich zu ihm, und er konnte erkennen, wie besorgt ihr Gesicht aussah. "Magdeburg steht in Flammen", sagte sie tonlos. "Sie haben die Häuser in Brand gesteckt, aus denen die Heckenschützen auf euch geschossen haben; und jetzt brennt die ganze Stadt."

Plötzlich begann sie zu weinen. "Sie bringen jeden um", jammerte sie. "Männer, Frauen und Kinder. Die Straßen liegen voller Leichen."

Peter versuchte sich aufzurichten; er wollte Anna trösten. Aber sobald er den Kopf anhob, wurde die Welt um ihn wieder dunkel.

****

Am selben Abend besuchten ihn seine Kameraden aus der Kompanie. Sie waren glücklicher gewesen als er, nur wenige Männer hatten ihr Leben verloren oder waren verwundet worden.

Und sie hatten den großen Tag erleben dürfen, also konnten sie auch der einzigen Person Almosen geben, die das nicht hatte. Verglichen mit den Reichtümern, die sie aus der Stadt hatten schleppen können, waren es wirklich Almosen. Aber zusammen mit dem Wein, der Kleidung und den anderen Dingen, die Anna in der Stadt gefunden hatte, war es wenigstens die Anstrengung wert.

*

"Ist mir doch von Herzen leid gewesen, dass die Stadt so schrecklich gebrannt hat, wegen der schönen Stadt und weil es mein Vaterland ist."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

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Stefanie
Dichter und Denker


Beiträge: 1090



BeitragVerfasst am: 18.06.2014 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

Obwohl ich eigentlich kein Freund von Erklärungen am Anfang bin, wäre hier ein wenig Orientierung hilfreich. Nicht jeder weiß, dass zu der Zeit der 30-jährige Krieg tobte und wer weshalb gegen wen kämpfte.

Dann fasst du die Ereignisse drei Jahre in wenigen Sätzen zusammen, anstatt in die Handlung einzusteigen. Du erzeugst damit weder Spannung noch Tempo in der Geschichte. Man kann nicht mitfühlen, weil man den Protagonisten gar nicht wirklich kennenlernt.

Insgesamt würde ich sagen, dass du die Geschichtskenntnisse der Leser schwer überschätzt. Die Leser haben keine Vorstellung davon, wie das Leben damals war. Dinge, die dir nach intensiver Recherche selbstverständlich sind, musst du dem Leser mitteilen.
Geh mehr ins Detail, erzähl, wie das leben damals war, mach eine spannende Szene daraus, wie er zB angeschossen wird. Du musst einfach viel näher ran an deinen Protagonisten.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2765

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 18.06.2014 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Peter,

bei 10.000 Wörtern würde ich dir eine Aufteilung deiner Geschichte in fünf Teile à 2000 Wörter vorschlagen. Kannst alle anderen Teile als Fortsetzung in diesem deinem Thread posten.

LG,
Constantine
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schreibmalwieder
Schreiberassi


Beiträge: 41



BeitragVerfasst am: 18.06.2014 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Peter,

ich würde gerne mehr lesen, bevor ich wirklich detailliert Kritik geben möchte. Mein Gefühl sagt mir, dass Du einen klaren Stil hast, der mich sehr nah an den Protagonisten bringt, auf eine Art, die Persönlichkeiten/Identitäten einer Erzählung in dieser Zeit angemessen ist.

Das Tempo empfinde ich als hoch und auch das Timing im Satzbau zeigt mir, dass Du entweder zufällig gut getroffen hast oder das Ganze mit Plan aufgebaut smile

Persönlich wünsche ich mir auf keinen Fall mehr Erklärungen. Wenn, dann würde ich  sagen: Mehr Handlung, weniger Informationen - bin vor allem gespannt, wie es weitergeht.

VG, SMW
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1088
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 18.06.2014 20:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

mache ich gerne. Die Geschichte spielt allerdings in einem Kontext (deswegen auch die Klassifizierung als "Historisches" und "Science fiction"), die für die eigentliche Zielgruppe bekannt ist.

Und ich wollte nicht wirklich meinen Einstand mit einem Erklärungstext beginnen. Hier ist also das:

Vorwort

Um diese Geschichte zu verstehen, ist es eigentlich nötig, vorher das Buch 1632 von Eric Flint gelesen zu haben. Es handelt sich um einen Roman aus der in Amerika sehr beliebten Kategorie "Alternative Historie". Es wird dabei von einer geschichtlichen Situation ausgegangen, und an einer bestimmten Stelle eine Änderung vorgenommen. Sehr beliebt ist dabei "Was wäre wenn Hitler den zweiten Weltkrieg (oder der deutsche Kaiser den ersten) gewonnen hätte?"

In unserem Fall ist die Änderung folgende:

Ein unbekanntes kosmisches Ereignis hat dazu geführt, dass eine perfekte Kugel von ungefähr 10 km Durchmesser am 2. April 2000 die Kleinstadt Grantville mit all ihren Bewohnern aus West Virginia entführt und am 25. Mai (Gregorianischer Kalender) 1631 in Thüringen zwischen Schwarzburg und Rudolstadt abgelegt hat.

Für die Einwohner von Grantville wurde ihre Stadt für den Bruchteil einer Sekunde von einer leuchtenden Kuppel eingehüllt, danach war wieder alles wie vorher, nur dass die ganze Stadt um einen Viertelkreis gedreht war und deswegen auch die Sonne völlig falsch stand.

Dieser Lichteffekt wird "der Ring aus Feuer" genannt.

*

Das Jahr 1631 in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges zeigt ein verwüstetes Mitteleuropa, in dem es kein vereinigtes Deutschland gibt. Stattdessen existieren eine Vielzahl von großen, mittleren und kleinen selbständigen Staaten unter der losen Klammer des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation mit dem österreichischen Habsburger Ferdinand II. als Kaiser.

Zwei Jahre vorher hat Ferdinand ein Gesetz erlassen, das sogenannte Restitutionsedikt, mit dem alle vorherigen Besitztümer der Katholischen Kirche wieder zurückgegeben werden müssen, die durch die Reformation, genauer gesagt nach dem Reichstag von 1552, enteignet worden waren.

Die protestantischen Landesherren von Mittel- und Norddeutschland haben sich deshalb an den evangelischen schwedischen König Gustav II. Adolf gewandt, und ihn um Hilfe ersucht. Mit Hilfe von Geld aus dem katholischen Frankreich hat dieser im Mai 1630 eine Armee auf Usedom gelandet und begonnen, die österreichischen und bayrischen Truppen der Katholischen Liga in den Süden zurückzudrängen.

Nur wenige Tage vor dem Ring aus Feuer wurde die Stadt Magdeburg von den kaiserlichen Truppen nach einer monatelangen Belagerung sturmreif geschossen. Normalerweise haben Städte in jener Zeit eine Belagerung dadurch beendet, dass sie sich rechtzeitig den Belagerern ergeben haben. Dann wurde eine Reparation in Geld und Naturalien bezahlt und die Belagerer sind weiter gezogen. Der Magistrat von Magdeburg hoffte jedoch, die schwedischen Truppen würden rechtzeitig ankommen, um die Kaiserlichen zu vertreiben. Ein schwerer Irrtum. Die sogenannte "Magdeburger Hochzeit" kostete über 20.000 Menschen, darunter viele Flüchtlinge, das Leben.

Bei der Schlacht von Breitenfeld am 15. September 1631 wurde das ligistische Heer unter Feldmarschall Tilly vernichtend geschlagen; im Frühjahr 1632 besiegten die Schweden (inzwischen mit amerikanischer Materialhilfe) Tilly ein weiteres Mal nahe Rain am Lech, wobei Tilly selbst so schwer verwundet wurde, dass er nur Tage danach starb.

Die Amerikaner haben die Gunst der Stunde und die Abwesenheit einiger deutscher Landesherren genutzt, um die "Neuen Vereinigten Staaten" (NUS), bestehend aus der Stadt Grantville und den Städten im südlichen Thüringen zu gründen.

Ein von Wallenstein, dem Nachfolger Tillys an der Spitze der ligistischen Truppen, geplanter Überfall von kroatischen Kavalleristen auf Grantville und vor allem die dortige High School schlägt wegen der übermächtigen Feuerkraft der Amerikaner und durch Hilfe einer schwedischen Kavallerietruppe, geführt vom König selbst, fehl.

Und das, obwohl alle Mitglieder der Armee der NUS gleichzeitig durch Ablenkungsmanöver aus der Stadt gelockt wurden. Eines davon bestand im Angriff eines spanischen Heeres auf Eisenach, wobei die fliehenden Spanier sich in der Wartburg verschanzten, aber durch Einsatz von Napalm ausgeräuchert wurden … mit verheerenden Folgen für die Bausubstanz der Burg.

Durch geschickte Verhandlungen erreichen die Amerikaner die Bildung eines Gegen-Reiches in Nord- und Mitteldeutschland, das Konföderation der Fürstentümer Europas (CPE) genannt wird, und dem die NUS als Mitglied angehören.

Im September 1632 besiegen die vereinigten schwedischen, deutschen und amerikanischen Truppen die Armee von Feldmarschall Wallenstein nahe Nürnberg, was Gustav II. Adolf in unserer Historie nicht gelungen ist.

Die Schlacht bei Lützen im November 1632, bei der Gustavus Adolphus in unserer (der "alten") Zeitlinie gestorben ist, findet nicht statt, und der König, der seit November 1633 Kaiser der Vereinigten Staaten von Europa (USE) ist, erfreut sich (vorerst) bester Gesundheit.

*

In dem Roman und in meiner Geschichte gibt es drei Arten von handelnden Personen.

1) Historische Personen (wie z.B. Peter Hagendorf)

2) Erfundene Personen aus dem 17. Jahrhundert (Thomas von Scharffenberg)

3) Die "Uptimer", ungefähr dreitausend fiktive Personen, die im zwanzigsten Jahrhundert geboren sind und sich zum Zeitpunkt des Ereignisses – auch "Ring aus Feuer" genannt – in Grantville befanden.

*

Bliebe noch zu erwähnen, dass es das Buch kostenlos bei Amazon gibt.

Rainer

Stefanie hat Folgendes geschrieben:
Obwohl ich eigentlich kein Freund von Erklärungen am Anfang bin, wäre hier ein wenig Orientierung hilfreich. Nicht jeder weiß, dass zu der Zeit der 30-jährige Krieg tobte und wer weshalb gegen wen kämpfte.

Dann fasst du die Ereignisse drei Jahre in wenigen Sätzen zusammen, anstatt in die Handlung einzusteigen. Du erzeugst damit weder Spannung noch Tempo in der Geschichte. Man kann nicht mitfühlen, weil man den Protagonisten gar nicht wirklich kennenlernt.

Insgesamt würde ich sagen, dass du die Geschichtskenntnisse der Leser schwer überschätzt. Die Leser haben keine Vorstellung davon, wie das Leben damals war. Dinge, die dir nach intensiver Recherche selbstverständlich sind, musst du dem Leser mitteilen.
Geh mehr ins Detail, erzähl, wie das leben damals war, mach eine spannende Szene daraus, wie er zB angeschossen wird. Du musst einfach viel näher ran an deinen Protagonisten.
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 18.06.2014 20:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

vielen Dank. Ich hoffe, ich kann den Qualitätsanforderungen in diesem Forum gerecht werden.

Und ja. Ich gebe mir viel Mühe, in meine Charaktere hineinzuschlüpfen und ihren Intentionen nachzuspüren. Das ist dann auch meine Achillesferse, weil sich in mir immer alles sträubt, das gleiche für die "Bösen" zu tun.

Die Geschichte selbst kommt mit sehr wenig Infodumping aus, weil sie auf 5 Millionen Worte im 1632-Universum aufbauen kann. Andernfalls müsste ich für die (amerikanische) Original-Zielgruppe mehr Erklärung schreiben als Geschichte.

Rainer

schreibmalwieder hat Folgendes geschrieben:
Hi Peter,

ich würde gerne mehr lesen, bevor ich wirklich detailliert Kritik geben möchte. Mein Gefühl sagt mir, dass Du einen klaren Stil hast, der mich sehr nah an den Protagonisten bringt, auf eine Art, die Persönlichkeiten/Identitäten einer Erzählung in dieser Zeit angemessen ist.

Das Tempo empfinde ich als hoch und auch das Timing im Satzbau zeigt mir, dass Du entweder zufällig gut getroffen hast oder das Ganze mit Plan aufgebaut smile

Persönlich wünsche ich mir auf keinen Fall mehr Erklärungen. Wenn, dann würde ich  sagen: Mehr Handlung, weniger Informationen - bin vor allem gespannt, wie es weitergeht.

VG, SMW
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 18.06.2014 21:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Breitenfeld, nahe Leipzig

17. September 1631

"Da sind wir am Lager [in Leipzig] wohlauf gewesen die ganze Zeit über, bis der Schwede ist angekommen ... Da sind wir ihm entgegengegangen, über zwei Stunden."

– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

Von seinem Platz in der ersten Reihe konnte Peter das ganze Gelände überblicken. Seine Brust schwoll vor Stolz an, als er die gigantische Armee sah, von der er ein Teil war.

Siebzehn Bataillen bildeten das Herz der bayrischen Armee, aufgestellt in der spanischen Ordonnanz, der Formation, die von den Spaniern tercio genannt wurde, rechts und links flankiert von Tausenden von Kavalleristen. Das Regiment Pappenheim war am rechten Flügel aufgestellt. Der Oberst mit seinen Schwarzen Kürassieren stand ganz links. Also war das Regiment unter den Befehl des jungen Bayern Joachim Graf von Wahl gestellt worden.

Zur Rechten konnte er die Regimenter Wallies und Wangel sehen, ganz außen die Leichte Kavallerie. Der Blick nach links zeigte ihm die anderen Bataillen, die schweren Geschütze und ganz links die Banner von Pappenheims Schwerer Kavallerie.

Geradeaus an der linken Flanke des Feindes stand die glänzende bunte Truppe der Sachsen. Von Wahl hatte Tillys Befehle schon an die Kompanien weitergegeben. Die Sachsen waren ihr erstes Ziel. Peter lächelte. Er hatte gehört, wie unerfahren sie waren. Und nur fünfzehn oder so Kompanien, darunter sehr wenig Kavallerie. Keine echte Herausforderung für die dreißig Kompanien unter von Wahls Kommando.

Dies würde der nächste große Tag nach Magdeburg werden. Und diesmal war Peter entschlossen, nicht wieder hinzufallen und den ganzen Spaß zu versäumen.

Die Artilleristen auf beiden Seiten hatten schon vor zwei Stunden begonnen, sich aufeinander einzuschießen. Peter konnte das gleichmäßige tiefe Donnern der großen Stücke hören. Sie würden sicherlich kurzen Prozess mit den schwedischen Kanonen machen. Sie hatten mit ihren kleinen Feldschlangen nicht viel entgegenzusetzen.

Ein Murmeln lief durch die Reihen, als die schwere Kavallerie weit entfernt auf der linken Seite ihren Angriff startete. Pappenheim! Ja! Peter umgriff seine Muskete fester. Meldereiter kamen aus der Mitte, und jetzt begannen die Trommeln ihren Schlag.

Die Bataillen setzten sich in Bewegung. Ein Bild, von dem Peter geträumt hatte, sein er Soldat geworden war. Siebzehn unaufhaltsame Bataillen setzten sich in Marsch und brachten die Erde zum Erbeben. Und gleichzeitig begann die Kavallerie an der rechten Flanke ihren Angriff.

Ja, scheucht die feigen Sachsen davon! Lasst sie rennen wie die Hasen. Dieser Tag sieht unseren Triumph!

"Jesus Maria!" riefen die Männer auf ihrem Weg, die Lücken zwischen ihnen und dem Feind zu schließen. "Vater Tilly!" Ja, das war besser. Peter hatte immer Probleme gehabt, in den Schlachtruf der Katholiken einzustimmen. Vielleicht noch mehr als die anderen Lutheraner und Calvinisten im Regiment.

Die Tatsache, dass er sich eingeschrieben hatte, um gegen seine Mit-Protestanten zu kämpfen, hatte lange gebraucht, um in sein Bewusstsein vorzudringen. Diesmal waren seine Gefühle nicht so aufgewühlt wie nach Magdeburg. Hier kämpften sie zumindest gegen die fremden Schweden und die sächsischen Arschlöcher, die von ihrem ständig besoffenen Kurfürst angeführt wurden, den selbst seine eigenen Untertanen "Bierjörge" nannten.

Und genau diese Sachsen waren jetzt in gerader Linie vor ihnen. Die Kavallerie hatte ihren Angriff schon vorgetragen und anscheinend sehr wenige Probleme gehabt. Die Linien der Sachsen begannen zu schwanken. Nicht so schnell! Lasst uns auch etwas von dem Ruhm übrig!

Aber die Kavallerie konnte Peters Gedanken nicht hören. Sie begannen damit, die sächsischen Regimenter einzukreisen und sie von ihrer schwedischen Unterstützung abzuschneiden. Die Pferde und Männer wirbelten immer mehr Staub auf der ausgetrockneten Ebene auf, und in der Zwischenzeit hatte das Regiment Pappenheim den Fuß des kleinen Hügels erreicht, von dem sie aufgebrochen waren. Damit verlor Peter seinen Überblick.

Neue Befehle kamen an. Ah, der alte Fuchs! Tilly wollte offensichtlich die Schwäche der Sachsen ausnutzen. Die drei Bataillen an der rechten Flanke schwenkten langsam nach rechts, um den vierzehn anderen auf der Linken Platz zu machen.

Der aufgewirbelte Staub ließ die Männer husten. Die meisten hatten zwar schon ihre Tücher über die Gesichter gezogen, aber der Boden war so ausgetrocknet, dass immer mehr Staub die Sicht störte. Nur aus der Position der Sonne in seinem Rücken konnte Peter erkennen, dass sie sich immer noch auf die Stellungen der Sachsen zubewegten.

Oder zumindest auf die Stelle, wo sie gewesen waren. In der Zwischenzeit hätten sie sie eigentlich treffen müssen. Also waren die Feiglinge schon abgehauen und hatten das Schlachtfeld verlassen. Peter versuchte, sich die Situation vorzustellen. Wenn die Sachsen weg waren, hatte das Regiment Pappenheim und die beiden auf ihrer rechten Seite keinen Gegner mehr. Infanteristen waren nicht dazu geeignet, einen fliehenden Gegner zu verfolgen. Das war Sache der Kavallerie.

Also müsste das Regiment jetzt nach links schwenken und die Schweden von hinten angreifen. Kein Problem. Das war sogar noch besser. Irgendwo musste da der Tross der Schweden herumhängen. Eine leichte Beute für die siegreiche Armee und eine gute Einkommensquelle noch dazu. Peter war sehr zufrieden über seine taktischen Fähigkeiten, als er bemerkte, dass die Trommeln das Signal gaben, nach links zu schwenken.

Aber schon bald stockte der Vormarsch. Peter hörte Schüsse. Musketen und die hohe Töne der kleinen schwedischen Kanonen; ihre Geschosse schlugen irgendwo vor ihm ein. Anscheinend waren sie doch nicht hinter den schwedischen Linien, dies war keine offene Flanke. Die Schweden mussten es geschafft haben, eine neue Front zu eröffnen.

Dann fiel ihm auf, dass das regelmäßige tiefe Dröhnen der großen kaiserlichen Geschütze unregelmäßig geworden war. Nein, noch schlimmer. Eines ihrer Geschoße krachte direkt in das Regiment Pappenheim. Ein lautes Stöhnen erhob sich. Idioten! Warum schießen die nicht auf die Schweden? Noch ein Geschoß schlug von links ein. Wieder fielen einige Männer. Plötzlich machte ein Gerücht die Runde. "Die Schweden haben unsere Kanonen erobert." Das war schlimm. Sehr schlimm.

Und das Regiment konnte immer noch nicht kämpfen. In der Zwischenzeit war ihr Vormarsch komplett zum Stillstand gekommen. Der Staub war immer noch zu dicht, als dass man etwas sehen konnte. Die Männer blickten in die Richtung, aus der immer wieder die schrecklichen Kanonenkugeln der eigenen Geschütze ankamen.

Die Trommeln ertönten mit einem neuen Kommando "Verteilt Euch!" Irgendjemand hatte reagiert. Aber Peter hatte keinen Raum, um sich zu verteilen. Vor ihm waren die hintersten Linien einer anderen Bataille, hinter ihm die des eigenen Regiments. Links und rechts standen die Männer von Pappenheims Regiment, und noch zwei weitere Bataillen zur Rechten. Also konnte er nur stehen und warten. Und hoffen, dass keine der großen Kugeln auf seinem Kopf landete.

Vor ihm wurden die Schreie der Männer lauter. Jedes Mal, wenn eine der schwedischen Kanonenkugeln einschlug, traf sie nicht nur ein paar Männer. Die Kugeln kamen horizontal an wie tödliche Kegelkugeln. Wieder und wieder konnte er durch den Staub eine ganze Reihe von Männern sehen, wie sie von einem dieser Geschoße getroffen und umgerissen wurden.

Tief in seinem Verstand wurde Peter von seinem taktischen Sinn gequält. Klar und deutlich stand die Situation vor seinem inneren Auge. Dies musste eine Falle gewesen sein. Die Sachsen waren der Köder, grell bunt gefärbt, damit sie ja nicht übersehen wurden. Sie hatten sicher den Befehl gehabt, sich sofort zurückzuziehen und die Kavallerie wegzulocken.

O Scheiße! Alle Bataillen auf der rechten Seite waren neutralisiert. Sie standen hinter anderen eigenen Truppen ohne eine Chance, zum Einsatz zu kommen. Das war mehr als frustrierend.

Und du hast noch Glück, sagte ihm sein Verstand. Die Bataillen vorne werden von den schwedischen Musketen und Kanonen zerpflückt. Du kannst nur von einer der eroberten Kanonen getroffen werden. In der halbwegs klaren Luft über ihm konnte er sehen, wie die meisten der Kugeln über das Regiment hinweg flogen. Wenn dich keine von denen zufällig trifft, hast du eine gute Chance, den Tag zu überleben.

Ein schwacher Trost. Er wollte kämpfen, aber er konnte nicht. Er stand eingeschlossen von fünftausend Männern, ohne eine Chance vorwärts, rückwärts oder zur Seite auszuweichen.

Was für eine grandiose Scheiße ist da wieder passiert. Wieder mal ein nicht wirklich großartiger Tag in meinem Leben.

*

"An diesem Tag sind wir geschlagen worden, die ganze bayrische Armee, ausgenommen diese vier Regimenter nicht … was wir in der Altmark gefressen haben, haben wir redlich kotzen müssen vor Leipzig."

– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

Hinweis: Es gibt einen detaillierten Kupferstich der Schlacht gesehen aus Richtung der Schweden im "Theatrum Europaeum Band 2" http://media.bibliothek.uni-augsburg.de/file/47674/31156.png
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 18.06.2014 21:15    Titel: Re: Ratten des Krieges Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

generell finde ich dein Setting sehr interessant: Dreißigjähriger Krieg, Rückeroberung von Magdeburg, verletzter Protagonist.

Mit dem Söldner Hagendorf und seinem Tagebuch hast du eine reelle Person aus der damaligen Zeit und ihr literarisches Werk gewählt, welches als eines der wichtigsten Dokumente über den Dreißigjährigen Krieg und das Söldnerleben gilt. Du vermischst Historie mit Fiktion und ich bin gespannt, wie's weiter geht. Dein Anfang macht Lust auf mehr.

Vom Stil her bist du meist schnörkellos und erzählst deine Geschichte ohne große Umschweife. Du hast ein hohes Tempo, manche vergangene Jahre werden in 1-2 Sätzen abgehandelt. Wenn ich mir vorstelle, dass Hagendorfs Tagebuch genauso schnörkellos und knapp einem Dutzend Zeilen pro Seite verfasst worden ist, dann passt dein Stil gut dazu.

Was ich zu bemängeln hätte, wäre der bzw. die hier und da uninspirierte Satzaufbau bzw. -Formulierung und die hohe Quote der Verb-Verwendungen von "war", "hatte", "wurde". Das schafft Distanz, schafft Passivität, anstelle Nähe, Unmittelbarkeit, Direktheit.

zu deinem Text:
Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:


Ratten des Krieges

Von Rainer Prem

Vorspiel
Freie Reichsstadt Ulm, Schwaben
3. April 1627

"Name?"

"Peter Hagendorf."

"Woher?"

"Aus Zerbst."

"Und wo ist das schon wieder?"

"In Anhalt, bei Magdeburg."

"Kannst du lesen? Schreiben?"

"Deutsch, Latein und Italienisch."

Der Anwerber blickte verdutzt auf. "Ach, Herr Professor!" Der mittelgroße, muskulöse Mann vor ihm trug abgerissene Kleidung und sah nicht aus, als ob er Latein konnte. Und warum wollte er sich dann überhaupt in einer Söldnereinheit einschreiben? <-- warum wird hier Lesen und Schreiben so stark betont? Sicherlich, es ist sehr ungewöhnlich, dass jemand aus dem "niederen" Gesellschaftsschichten lesen und schreiben kann, aber wenn es um die "Bewerbung" für die Armee/Söldnertruppe geht, sollte er nicht nach seiner Kampferfahrung gefragt werden?

Peter Hagendorf runzelte die Stirn. "Nicht wirklich. Nur sechs Jahre auf der Lateinschule. Und ich war in Venedig und Italien die letzten beiden Jahre."

Der Anwerber ließ seinen Blick an dem Mann hinunter schweifen. <-- könntest du direkter formulieren. Z.B.: Der Anwerber blickte an den Mann hinunter. Die Schuhe des Mannes <-- hier hast du eine Wortwiedertholung, die durch vermeiden könntest, in dem du vielleicht anstelle "Die Schuhe deS Mannes" "Dessen Schuhe..." verwendest. wurden von Weidenruten notdürftig zusammengehalten.

Peters Blick <-- hier hast du eine Wortwiederholung von "Blick" in kurzer Folge. Du könntest das Erkennen Peters, dass der Anwerber seine Schuhe betrachtet, umformulieren. folgte seinem. "Ich bin gerade zu Fuß über die Alpen gekommen."

Das war schon fast zu viel an Information. Hoffentlich hatte sich dieser Hagendorf nicht unterwegs die Pest geholt. "Hier unterschreiben. Du gehörst jetzt zur Kompanie von Hans Heinrich Küllmann im Regiment von Gottfried Heinrich zu Pappenheim. Nimm das Laufgeld, kauf dir ein Paar ordentliche Schuhe und geh mit den anderen nach Müllheim."

*

"... von da aus sind wir auf den Musterplatz gezogen, in die obere Markgrafschaft Baden. Dort im Quartier gelegen, gefressen und gesoffen, dass es gut heißt."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

I

Magdeburg
20. Mai 1631

Seit der Morgendämmerung brüllten die schweren Geschütze. Magdeburg würde heute fallen. Peter wartete in den Reihen seiner Kompanie auf den Befehl Pappenheims, blickte nach links und rechts, ob irgendwo einer seiner Leute aus dem Glied rennen wollte.

Er umfasste seinen Säbel und seine Pistole mit fester Hand. Keine Piken und keine Musketen heute. In einem Häuserkampf waren sie nicht wirklich sinnvoll. Und einen Häuserkampf würde es geben. Für die Magdeburger Fettärsche war es jetzt zu spät zu kapitulieren.

Heute würde er zum ersten Mal ein richtiges Stück vom Kuchen abbekommen, seit er sich bei Pappenheim verpflichtet hatte. In den letzten vier Jahren war die Bezahlung immer mager gewesen.

Bei der Belagerung von Wolfenbüttel war seine Frau Anna krank geworden und Peter musste sie pflegen — die ganzen achtzehn Wochen — und als die Stadt endlich an Weihnachten 1627 abgesoffen war, hatten es die Bürger viel zu eilig gehabt, sich zu ergeben, um einer Plünderung zu entgehen. Die ganze Zeit hatte er nie eine Chance auf einen Nebenverdienst gehabt.

Die nächsten drei Jahre waren dann ausgefüllt gewesen mit Marschieren und Warten. Warten und Marschieren. Von Baden nach Hamburg, von Stralsund nach Wiesbaden, nach Paderborn und letztendlich nach Magdeburg.

Und immer der gleiche Kampf um Essen und Kleidung, für ihn selbst, seine Frau — ganz besonders während ihrer drei Schwangerschaften — und um Geld für das Begräbnis seines Sohnes und das seiner ersten Tochter.

Aber heute war endlich der Tag. Der Stadtrat von Magdeburg hatte ergab sich nicht ergeben, versuchte Zeit zu gewinnen, bis die Schweden zur Hilfe kämen eintrafen. Tilly hatte die ganze Stadt und ihre Einwohner für vogelfrei erklärt. Und Pappenheims Regiment würde das erste sein, das in die Stadt eindringen durfte.

Es war schon lange über der geplanten Zeit. Die Kompanie wartete hinter den vordersten Schanzen, die Waffen in den Händen, die Bäuche leer von Essen, aber voller Wut über die Ereignisse der letzten Wochen. Peters Kompanie hatte zwei Hauptleute nacheinander im Abwehrfeuer verloren; der dritte war desertierte schon vor Dienstantritt desertiert, also hatte führte die Kompanie derzeit keinen Hauptmann an.

Diese Magdeburger würden werden nun den Denkzettel für ihre Sturheit bekommen. Die Tatsache, dass Peter vor mehr als dreißig Jahren nur zwei Tagereisen von hier geboren war, änderte nichts daran. Von irgendetwas musste der Mensch ja leben.

Dies war der große Tag. Dies war die Stunde. Und da kam ertönte endlich das erhoffte Zeichen!

Die Trommler schlugen das Kommando, das Regiment begann seinen Marsch. Zuerst langsam, aber als sie bemerkten, dass sich ihnen niemand in den Weg stellte, wurde beschleunigte die erste Reihe immer schneller.

Zu dem Zeitpunkt, als sie das zertrümmerte Tor erreichten, rannten sie fast. Peter verlor seinen Platz in der ersten Reihe, als sie sich durch die Bresche in der Stadtmauer zwängten. Aber die Kameraden vor ihm stürmten gleich in die Häuser zur Rechten und zur Linken, hackten auf Türen und Menschen gleichermaßen ein, während sich Korporal Hagendorf <-- du bist inkonsistent in seiner Benennung, einerseits Peter, anderseits Hagendorf. auf sein eigentliches Ziel konzentrierte, gefolgt von seinen Männern.

Die Häuser der reichen Patrizier in der Neustadt.

Nächste Gasse links, dann rechts. Peter konnte sah schon die sauberen weiß-verputzten Häuser hinter dem offenstehenden Neustädter Tor sehen.

Ein Blitz ließ ihn hochblicken.Plötzlich bemerkte er ein Aufblitzen und er blickte auf. Aber es war Zu spät. Ein Tritt in seinen Bauch wie von einem Pferd ließ ihn stolpern. <-- zu distanziert. Vorschlag: In seinen Bauch brannte sich ein Tritt wie von einem Pferd und er stoplerte. Ein zweiter Tritt traf ihn unter seiner Achsel.

Dann wurde die Welt dunkel. <-- sehr distanziert dormuliert!Vorschlg: Vom Schmerz überwälltigt, verlor er das Bewusstsein.

*

"Nachher bin ich in das Lager geführt worden, verbunden, denn einmal bin ich durch den Bauch vorne durchgeschossen worden, zum andern durch beide Achseln, so dass die Kugel ist in dem Hemd gelegen."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

Das nächste, was Peter mitbekam, war <-- würde ich umformulieren: Als Nächstes bekam Peter mit,... , dass man ihn auf eine Karre warf. Jemand drückte mit einer Hand auf seinen Bauch.

"Er lebt", hörte er. "Bringt ihn zum Feldscher." Dann wieder Schwärze.

Irgendwann später erwachte er davon, dass seine Arme auf seinen Rücken gezerrt wurden.

Heißer Schmerz durchzuckte ihn. "Was?"(Komma) schrie er.

"Sei ruhig", sagte jemand zu ihm. "Ich muss diese Kugel aus deinem Bauch holen."

Seine Hände wurden auf den Rücken gefesselt. Dann traf etwas wie ein Feuerball seinen Bauch, und die Welt wurde wieder dunkel.<-- Hat er angst? Bangt er um sein Leben?

****

Als Peter das nächste Mal erneut aufwachte, lag er auf seinem Rücken. Die Silhouette Vor dem Zeltausgang kam erkannte er eine ihm bekannte Silhouette vor.

"Anna", stöhnte er und versuchte aufzustehen.

Seine Frau drehte sich um und drückte ihn an den Schultern nach unten.

"Bleib um Himmels Willen liegen!"(Komma) befahl sie ihm. "Du bist halb tot. Beweg dich nicht, oder du verblutest."

"Ich sterbe ja sowieso", keuchte er.

"Nicht, wenn du meinen Anweisungen gehorchst. Ich lasse Elisabeth <-- hier wäre zu erwähnen, dass noch eine weitere Person im Zelt ist. Bemerkt er seine Tochter nicht, nur seine Frau? bei dir und gehe mehr Verbandszeug holen. Bleib da!" <-- Ist das "Bleib da" an Peter oder seine Tochter gerichtet?

Sie legte seine kranke Tochter neben ihn und verließ das Zelt.

Er hatte keine Ahnung, wie viel Zeit verginggangen war, bevor sich die Zeltklappe wieder öffnete und ihn aus seinem Halbschlaf weckte.

Anna war zurück, sie schleppte einen riesigen Weinkrug und hatte ein Bündel auf dem Rücken. Eine alte Frau folgte ihr und trug ein Bündel Stoff.

"Das ist Margarethe", sagte Anna. "Sie hat hilft mir mit dem Verbandszeug geholfen."

Irgendetwas Er vernahm in ihrer Stimme ein Zittern ließ ihn aufhorchen. "Was ist los?"

Anna drehte sich zu ihm <-- könntest du umformulieren. Dass sie sich umdreht, hast du kurz zuvor bereits verwendet. , und er konnte erkennen Sorgenfalten zeichneten sich in ihrem Gesicht ab ,wie besorgt ihr Gesicht aussah. "Magdeburg steht in Flammen", sagte sie tonlos. "Sie haben die Häuser in Brand gesteckt, aus denen die Heckenschützen auf euch geschossen haben; und jetzt brennt die ganze Stadt."

Plötzlich begann weinte sie zu weinen. "Sie bringen jeden um", jammerte sie. "Männer, Frauen und Kinder. Die Straßen liegen voller Leichen."

Peter versuchte sich aufzurichten; er wollte Anna trösten. Aber sobald er den Kopf anhob, wurde die Welt um ihn wieder dunkel.

****

Am selben Abend besuchten ihn seine Kameraden aus der Kompanie <-- klar, dass sie aus seiner Kompanie sind. Sie waren glücklicher gewesen als er Im Gegensatz zu ihm unverletzt und nur wenige Männer hatten ihr Leben verloren oder waren verwundet worden.

Und sie hatten den großen Tag erlebten dürfen, also konnten sie auch gaben der einzigen Person Almosen geben, die das nicht hatte. Verglichen mit den Reichtümern, die sie aus der Stadt hatten schleppten können, waren es erhielt er wirklich Almosen. Aber zusammen mit dem Wein, der Kleidung und den anderen Dingen, die Anna in der Stadt gefunden hatte, war es wenigstens die Anstrengung wert.

*

"Ist mir doch von Herzen leid gewesen, dass die Stadt so schrecklich gebrannt hat, wegen der schönen Stadt und weil es mein Vaterland ist."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

*


Vielleicht ist etwas Hilfreiches dabei.

Gerne gelesen!

LG,
Constantine
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 18.06.2014 21:30    Titel: Re: Ratten des Krieges pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rainer,

generell finde ich dein Setting sehr interessant: Dreißigjähriger Krieg, Rückeroberung von Magdeburg, verletzter Protagonist.

Mit dem Söldner Hagendorf und seinem Tagebuch hast du eine reelle Person aus der damaligen Zeit und ihr literarisches Werk gewählt, welches als eines der wichtigsten Dokumente über den Dreißigjährigen Krieg und das Söldnerleben gilt. Du vermischst Historie mit Fiktion und ich bin gespannt, wie's weiter geht. Dein Anfang macht Lust auf mehr.


Danke. Ich habe im Lauf der letzten drei Jahre zum ersten Mal gemerkt wie wenig von dieser entscheidenden Zeit aus dem Geschichtsunterricht hängen geblieben ist.

Constantine hat Folgendes geschrieben:

Vom Stil her bist du meist schnörkellos und erzählst deine Geschichte ohne große Umschweife. Du hast ein hohes Tempo, manche vergangene Jahre werden in 1-2 Sätzen abgehandelt. Wenn ich mir vorstelle, dass Hagendorfs Tagebuch genauso schnörkellos und knapp einem Dutzend Zeilen pro Seite verfasst worden ist, dann passt dein Stil gut dazu.

Was ich zu bemängeln hätte, wäre der bzw. die hier und da uninspirierte Satzaufbau bzw. -Formulierung und die hohe Quote der Verb-Verwendungen von "war", "hatte", "wurde". Das schafft Distanz, schafft Passivität, anstelle Nähe, Unmittelbarkeit, Direktheit.


Das ist genau, was ich mir von diesem Forum erhoffe. Wird beherzigt.

Constantine hat Folgendes geschrieben:

zu deinem Text:

"Kannst du lesen? Schreiben?"

"Deutsch, Latein und Italienisch."

<-- warum wird hier Lesen und Schreiben so stark betont? Sicherlich, es ist sehr ungewöhnlich, dass jemand aus dem "niederen" Gesellschaftsschichten lesen und schreiben kann, aber wenn es um die "Bewerbung" für die Armee/Söldnertruppe geht, sollte er nicht nach seiner Kampferfahrung gefragt werden?



Jeder Mann, der auf zwei Beinen stehen konnte, wurde als Söldner angenommen. Wer vorher keine Erfahrung hatte, bekam eine Pike in die Hand und musste nur lernen, seine Position zu halten und das zu tun, was seine Nachbarn in der Formation machten.

Peter Hagendorf konnte durch seine Bildung leicht innerhalb der einfachen Soldaten aufsteigen. Er ist direkt als Korporal (Vorgesetzter einer Gruppe von zehn Mann) eingestiegen und hat zusätzlich als Schreiber gearbeitet, was ihm einen höheren Sold garantierte.

Constantine hat Folgendes geschrieben:


Peter Hagendorf runzelte die Stirn. "Nicht wirklich. Nur sechs Jahre auf der Lateinschule. Und ich war in Venedig und Italien die letzten beiden Jahre."

...

*


Vielleicht ist etwas Hilfreiches dabei.[/quote]

Aber klar doch

Rainer

Constantine hat Folgendes geschrieben:

Gerne gelesen!

LG,
Constantine
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 18.06.2014 21:44    Titel: Re: Ratten des Krieges pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

noch eine Frage:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rainer,

...

Dann wurde die Welt dunkel. <-- sehr distanziert formuliert!Vorschlg: Vom Schmerz überwälltigt, verlor er das Bewusstsein.

...



Ist das nicht ein Bruch der Perspektive? Ich kann sehen, dass jemand anders das Bewusstsein verliert. Mir selbst wird schwarz vor Augen (oder so ähnlich).

Grüße
Rainer
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 18.06.2014 22:10    Titel: Re: Ratten des Krieges Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

noch eine Frage:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rainer,

...

Dann wurde die Welt dunkel. <-- sehr distanziert formuliert!Vorschlg: Vom Schmerz überwälltigt, verlor er das Bewusstsein.

...




Ist das nicht ein Bruch der Perspektive? Ich kann sehen, dass jemand anders das Bewusstsein verliert. Mir selbst wird schwarz vor Augen (oder so ähnlich).

Grüße
Rainer


Hallo Rainer,

Deine Frage ist nachvollziehbar, aber du schreibst nicht in der 1. Person, sondern in der Dritten als personaler Erzähler (auch wenn diese Perspektive zu Beginn beim Anwerber nicht konsequent ist, sondern eher aus der Sicht des Anwerbers erzählt ist).
Des Weiteren finde ich deinen Satz "Dann wurde die Welt dunkel." sehr extern geschrieben. Ist mein Empfinden und mein Vorschlag soll dir die Annäherung an den Prota zeigen.

LG,
Constantine
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 07:53    Titel: Re: Ratten des Krieges pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

wegen Perspektive/POV: Ich bin durch den amerikanischen Stil verdorben. Da darf ich nach einem *** die Perspektive wechseln, sofern das nur selten geschieht und danach schnell klar wird. Die Szene mit dem Anwerber war das einfachste, um Peters Äußere zu schildern, bevor die lange Geschichte ohne(!) Spiegel beginnt.

Aus der gleichen Richtung kommt meine Angewohnheit, nach einem !" oder ?" kein Komma zu setzen, das machen die Amis halt nicht. Ich verspreche Besserung.

Wegen "wurde die Welt dunkel." Sorry, das habe ich nicht klar genug gesagt. Ich bin ganz deiner Meinung, dass es dafür bessere Ausdrücke gibt. Ich denke nur nicht, dass "er verlor das Bewusstsein" als total objektiv und von außen betrachtet da hinein passt.

Rainer

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

noch eine Frage:

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Hallo Rainer,

...

Dann wurde die Welt dunkel. <-- sehr distanziert formuliert!Vorschlg: Vom Schmerz überwälltigt, verlor er das Bewusstsein.

...




Ist das nicht ein Bruch der Perspektive? Ich kann sehen, dass jemand anders das Bewusstsein verliert. Mir selbst wird schwarz vor Augen (oder so ähnlich).

Grüße
Rainer


Hallo Rainer,

Deine Frage ist nachvollziehbar, aber du schreibst nicht in der 1. Person, sondern in der Dritten als personaler Erzähler (auch wenn diese Perspektive zu Beginn beim Anwerber nicht konsequent ist, sondern eher aus der Sicht des Anwerbers erzählt ist).
Des Weiteren finde ich deinen Satz "Dann wurde die Welt dunkel." sehr extern geschrieben. Ist mein Empfinden und mein Vorschlag soll dir die Annäherung an den Prota zeigen.

LG,
Constantine
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Mark_Brandis
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 10:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Leute,

kurze Anmerkung zu "dann wurde die Welt dunkel":

Die Formulierung gefällt mir besser als ein einfaches "er verlor das Bewusstsein".

Aber wenn ich genauer nachdenke, gefällt mir die erste Formulierung auch nicht richtig. Es wird ja nicht die ganze Welt dunkel, sondern nur Peters Welt.

Tja, was tun?

"Dann knipste jemand das Licht aus" ist vermutlich zu locker.
"dunkler Vorhang", "schwarze Nacht", "schwarzes Nichts/Loch" usw. hat man schon x-mal gelesen.

Vielleicht hilfeweise: "Schwarzes Nichts umfing ihn".
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 17:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ich hatte eigentlich schon auf "Dann wurde ihm schwarz vor Augen" umgeschwenkt. Das "schwarze Nichts" ist mir zu poetisch für einen Söldner.

Rainer

Mark_Brandis hat Folgendes geschrieben:
Hallo Leute,

kurze Anmerkung zu "dann wurde die Welt dunkel":

Die Formulierung gefällt mir besser als ein einfaches "er verlor das Bewusstsein".

Aber wenn ich genauer nachdenke, gefällt mir die erste Formulierung auch nicht richtig. Es wird ja nicht die ganze Welt dunkel, sondern nur Peters Welt.

Tja, was tun?

"Dann knipste jemand das Licht aus" ist vermutlich zu locker.
"dunkler Vorhang", "schwarze Nacht", "schwarzes Nichts/Loch" usw. hat man schon x-mal gelesen.

Vielleicht hilfeweise: "Schwarzes Nichts umfing ihn".
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 17:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herzoglich-Bayrische Weißbierbrauerei, Kelheim
März 1632

"Unser Regiment ist zu Kelheim an der Altmühl gelegen. Hier haben wir wieder gutes Quartier gehabt. Da wird ein trefflich gutes Weißbier gebraut."
– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

"Das gibt's doch nicht!" Peter schüttelte den Kopf und nahm noch einen großen Schluck aus seinem Stein mit Weißbier. In einer Stadt einquartiert zu sein, wo es eine berühmte Brauerei gab, hatte schon seine Vorteile.

"Ich sage dir die reine Wahrheit. Ich war dort. Sie nennen ihre Stadt 'Grantville', aber es sind keine Franzmänner. Sie schwören, dass die Stadt bis letztes Jahr noch in Nordamerika war." Thomas von Scharffenberg war auch Söldner. In Magdeburg war er der Fähnrich von Peters Kompanie gewesen. Während Peter sich von seinen Verletzungen erholte, war er mit anderen Kompanien nach Thüringen gezogen, um zu "fouragieren", also alles an Essen abzugreifen, was es gab. Und dort waren sie auf eine neue Art von Feind gestoßen.

"Sie haben mehr Feuerwaffen als ein ganzes Regiment. Eine Stadt mit dreitausend Einwohnern — einschließlich Frauen und Kindern — bis an die Zähne bewaffnet wie zehn spanische tercios.

Sie haben uns mit nicht mehr als einer Kompanie Infanteristen angegriffen. Unser Oberst wollte sie einfach in Grund und Boden stampfen, aber sie haben uns einfach zerpflückt.

Sie haben Waffen, die schießen klack, klack, klack, klack. Ohne Pause zum Nachladen. Brennende Kugeln, ohne sie vorher aufheizen zu müssen. Hier, ich habe eine Brandwunde abbekommen." Er zeigte Peter die kleine schwarze Narbe an seinem Oberarm. "Und nachdem sie fast das ganze Regiment umgebracht haben, statt dass sie den Rest an Bäume knüpften, haben sie die Überlebenden zu ihren Ärzten gebracht. Sie haben meine Wunde gereinigt und die Ränder zusammengenäht."

"Zauberer? Hexen?", fragte Peter.

Thomas schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht. Nur hervorragende Handwerker. Und was für hübsche Mädchen sie haben. Und ihre Zähne … als wären sie aus poliertem Marmor."

Peter lachte, reichlich zahnlos wie er wusste. Es war einfach unfassbar. Aber da liefen noch mehr Kameraden in Kelheim herum, die die gleiche Geschichte erzählten.

Dann wurde er wieder ernst. "Was glaubst du, wird passieren?"

"Vielleicht werden die Schweden sie angreifen. Gerüchteweise verlautet, dass die thüringischen Fürsten, die die Schweden unterstützen, diese Amerikaner nicht wirklich lieben. Die scheinen ihren politischen Einfluss auf Kosten der Wettiner, Schwarzburger und Reußen zu vergrößern. Ich habe gehört, sie bedrohen Stadträte, damit sie ihren 'United States' beitreten."

"Das wäre zu schön um wahr zu sein. Zwei Bedrohungen, die sich gegenseitig auslöschen. Und wenn nicht? Wenn die sich mit den Schweden zusammentun? Kannst du dir vorstellen, was die mit uns machen?" Peter versuchte, seine gute Laune zu behalten, aber die Bilder von den schwedischen Kanonen, die seine Kameraden um ihn herum zerrissen hatten, waren noch immer in seinem Kopf. Er versuchte sich Musketiere vorzustellen, die schossen, ohne nachladen zu müssen, und schossen und schossen.

"Was sagst du? Wie viele Schuss haben sie in ihren Musketen?"

"'Shotguns' nennen sie sie. Einige haben Magazine mit mehreren Schuss, andere öffnen sich einfach wie ein Buch, werfen die benutzte Patrone aus, dann stecken sie eine neue rein, schließen das Gewehr und schießen wieder. Zehn Herzschläge brauchen sie dafür." Er zeigte es mit seinen Händen. Schießen, öffnen, einlegen, schließen, zielen, schießen, öffnen und so weiter.

"Und dann haben sie noch ein Gewehr, das schießt und schießt und schießt. Ganz ohne Ende. Rattatat-rattatat-rattatat. Es ist einfach nur grauenhaft, wenn du auf der falschen Seite von ihren Läufen stehst." Thomas' Gesicht spiegelte den Schrecken wider.

"Und was können wir tun?"

"Pikeniere? Gar nichts. Das ist eine aussterbende Rasse. Musketiere? Sie müssen lernen, in Deckung zu gehen, zu zielen und in Salven zu schießen. Wie die Typen, die dich in Magdeburg erwischt haben. Was du nicht siehst, kannst du nicht ins Visier nehmen.

Und was wirst du tun, Korporal Hagendorf?"

Peter antwortete nicht. Sein Blick schweifte in die Entfernung. Dann plötzlich kam er zu einer Entscheidung.

"Ja, ich nehme deinen Vorschlag an. Ich wechsle zu deinen Plänklern, Leutnant von Scharffenberg. Ich will nicht noch einmal in der Mitte einer Schlacht eingeschlossen sein."

"Eine weise Entscheidung. Und ich sage dir noch etwas: Zieh etwas ohne Farben an. Die Amerikaner haben Anzügen, die aussehen, als wären sie mit Blättern bemalt. Wenn die zwischen zwei Bäumen stehen, kannst du sie noch nicht einmal sehen."

"Hmmm. Glücklicherweise sind diese Amerikaner in Thüringen und nicht hier in Bayern."

Scharffenberg lachte. Er stand auf und streckte die Hand aus. "Willkommen in meiner kleinen Kompanie, Sergeant Hagendorf."

*

"… wieder fortgezogen nach Regensburg. …, nach Donauwörth an der Donau. Bald ist die schwedische Armee auch da gewesen und hat uns von Donauwörth weggejagt. Nach Rain am Lech, eine Festung"
– Tagebuch von Peter Hagendorf
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 19.06.2014 17:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

neber der bereits zu deinem Anfang angemerkten Verbesserungsvorschläge, die sich auch hier anwenden lassen, noch einige weitere Anmerkungen zu deinem zweiten Teil. Vielleicht ist etwas Hilfreiches dabei:

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
Breitenfeld, nahe Leipzig

17. September 1631

"Da sind wir am Lager [in Leipzig] wohlauf gewesen die ganze Zeit über, bis der Schwede ist angekommen ... Da sind wir ihm entgegengegangen, über zwei Stunden."

– Tagebuch von Peter Hagendorf

*

Von seinem Platz in der ersten Reihe aus überblickte konnte Peter das ganze Gelände überblicken. Seine Brust schwoll vor Stolz an, als er die gigantische Armee sah, von der er ein Teil war.

Siebzehn Bataillen bildeten das Herz der bayrischen Armee, aufgestellt in der spanischen Ordonnanz, der Formation, die von den Spaniern tercio genannt wurde <-- inwiefern ist diese Info wichtig? , rechts und links flankiert von Tausenden von Kavalleristen. Das Regiment Pappenheim war am rechten Flügel aufgestellt <-- Wortwiederholung. Der Oberst mit seinen Schwarzen Kürassieren stand ganz links. Also war das Regiment unter den Befehl des jungen Bayern Joachim Graf von Wahl gestellt worden.

Zur Rechten konnte er die Regimenter Wallies und Wangel sehen, ganz außen die Leichte Kavallerie. Der Blick nach links zeigte ihm die anderen Bataillen, die schweren Geschütze und ganz links <-- ich bin sehr unkundig, was Formationen angeht, aber oben erwähnst du Pappenheims Regiment am rechten Flügel, die Banner der Kavallerie aber ganz links. Regiment und Kavallerie sind getrennt voneinanader? von Pappenheims Schwerer Kavallerie.

Geradeaus an der linken Flanke des Feindes stand die glänzende bunte Truppe der Sachsen. Von Wahl hatte Tillys Befehle schon an die Kompanien weitergegeben. Die Sachsen waren ihr erstes Ziel. Peter lächelte. Er hatte gehört, wie unerfahren sie waren. Und nur ungefähr fünfzehn oder so Kompanien, darunter sehr wenig Kavallerie. Keine echte Herausforderung für die dreißig Kompanien unter von Wahls Kommando.

Dies würde der nächste große Tag nach Magdeburg werden. Und diesmal war,dachte Peter, entschlossen, nicht wieder hinzufallen und den ganzen Spaß zu versäumen.

Seit zwei Stunden schossen sich die Artilleristen auf beiden Seiten bereits hatten schon vor zwei Stunden begonnen, sich aufeinander einzuschießen. Peter konnte hörte das gleichmäßige tiefe Donnern der großen Stücke<-- welche großen Stücke? Sind das Kanonenkugeln? hören. Sie würden sicherlich kurzen Prozess mit den schwedischen Kanonen machen. Sie <-- sind damit die Sachsen oder die schwedischen Kanonen gemeint? Das vorangegangene "Sie" bezieht sich auf die eigene Artillerie. hatten mit ihren kleinen Feldschlangen nicht viel entgegenzusetzen.

Ein Murmeln lief durch die Reihen, als die schwere Kavallerie weit entfernt auf der linken Seite ihren Angriff startete. Pappenheim! Ja! Peter umgriff seine Muskete fester. Meldereiter kamen aus der Mitte, und jetzt begannen die Trommeln ihren Schlag.

Die Bataillen setzten sich in Bewegung. Ein Bild, von dem Peter geträumt hatte, sein seit er Soldat geworden war. Siebzehn unaufhaltsame Bataillen setzten sich in Marsch <-- Wort- bzw. Satzwiederholung: Bataillen, die sich in Marsch setzen oder in Bewegung setzen ist identisch. Die Bataillen setzen sich doppelt in Bewegung. und brachten die Erde zum ErBeben. Und gleichzeitig begann die Kavallerie an der rechten Flanke ihren Angriff.

Ja, scheucht die feigen Sachsen davon! Lasst sie rennen wie die Hasen. Dieser Tag sieht unseren Triumph!

"Jesus Maria!"(Komma) riefen die Männer auf ihrem Weg, die Lücken zwischen ihnen und dem Feind zu schließen. "Vater Tilly!" Ja, das war besser. Peter hatte immer Probleme gehabt, in den Schlachtruf der Katholiken einzustimmen. Vielleicht noch mehr als die anderen Lutheraner und Calvinisten im Regiment.

Die Tatsache, dass er sich eingeschrieben hatte, um gegen seine Mit-Protestanten zu kämpfen, hatte lange gebraucht, um in sein Bewusstsein vorzudringen. Diesmal waren seine Gefühle nicht so aufgewühlt wie nach Magdeburg. Hier kämpften sie zumindest gegen die fremden <-- kennt er auch bekannte Schweden? Schweden und die sächsischen Arschlöcher, die von ihrem ständig besoffenen Kurfürst angeführt wurden, den selbst seine eigenen Untertanen "Bierjörge" nannten.

Und genau diese Sachsen waren standen/marschierten/warteten/kämpften jetzt in gerader Linie vor ihnen. Die Kavallerie hatte ihren Angriff schon vorgetragen und anscheinend sehr wenige Probleme gehabt. Die Linien der Sachsen begannen zu schwanken <--zeigten Lücken des erfolgreichen Durchbruchs. Nicht so schnell! Lasst uns auch etwas von dem Ruhm übrig!

Aber die Kavallerie konnte Peters Gedanken nicht hören. Sie begannen damit, die sächsischen Regimenter einzukreisen und sie von ihrer schwedischen Unterstützung abzuschneiden. Die Pferde und Männer wirbelten immer mehr Staub auf der ausgetrockneten Ebene auf, und in der Zwischenzeit hatte erreichte das Regiment Pappenheim den Fuß des kleinen Hügels erreicht, von dem sie aufgebrochen waren. Damit verlor Peter seinen Überblick.

Neue Befehle kamen an. Ah, der alte Fuchs! Tilly wollte offensichtlich die Schwäche der Sachsen ausnutzen. Die drei Bataillen an der rechten Flanke schwenkten langsam nach rechts, um den vierzehn anderen auf der Linken Platz zu machen.

Der aufgewirbelte Staub ließ Die Männer auf dem Schlachtfeld husteten. Die meisten hatten zwar schon ihre Tücher über die Gesichter gezogen, aber der Boden war so ausgetrocknet, dass immer mehr Staub störte die Sicht störte. Nur Aus der Position der Sonne in seinem Rücken konnte erkannte Peter erkennen, dass sie sich immer noch auf die Stellungen der Sachsen zubewegten.

Oder zumindest auf die Stelle, wo sie gewesen waren. In der Zwischenzeit hätten sie sie eigentlich treffen müssen. Also waren Die Feiglinge mussten schon abgehaut und hatten das Schlachtfeld verlassen haben. Peter versuchte, sich begriff die Situation vorzustellen. Wenn die Sachsen weg waren, hatte das Regiment Pappenheim und die beiden auf ihrer rechten Seite keinen Gegner mehr. Infanteristen waren nicht dazu geeignet, einen fliehenden Gegner zu verfolgen. Das war Sache der Kavallerie.

Also müsste das Regiment jetzt nach links schwenken und die Schweden von hinten angreifen. Kein Problem. Das war sogar noch besser. Irgendwo musste da der Tross der Schweden herumhängen. Eine leichte Beute für die siegreiche Armee und eine gute Einkommensquelle noch dazu. Peter war sehr zufrieden über seine taktischen Fähigkeiten, als er bemerkte, dass die Trommeln das Signal gaben, nach links zu schwenken. <-- Die Regimenter schwenken recht oft bei dir in diesem kurzen Abschnitt.

Aber schon bald stockte der Vormarsch. Peter hörte Schüsse. Musketen und die hohe Töne der kleinen schwedischen Kanonen; ihre Geschosse schlugen irgendwo vor ihm ein. Anscheinend waren sie doch nicht hinter den schwedischen Linien, dies war keine offene Flanke. Die Schweden mussten es geschafft haben, eine neue Front zu eröffnen.

Dann fiel ihm auf, dass das regelmäßige tiefe Dröhnen der großen kaiserlichen Geschütze unregelmäßig geworden war. Nein, noch schlimmer. Eines ihrer Geschoße krachte direkt in das Regiment Pappenheim. Ein lautes Stöhnen erhob sich. Idioten! Warum schießen die nicht auf die Schweden? Noch ein Geschoß schlug von links ein. Wieder fielen einige Männer. Plötzlich machte ein Gerücht die Runde. "Die Schweden haben unsere Kanonen erobert." Das war schlimm. Sehr schlimm.

Und das Regiment konnte immer noch nicht kämpfen. In der Zwischenzeit war ihr Vormarsch komplett zum Stillstand gekommen. Der Staub war immer noch zu dicht, als dass man etwas sehen konnte. Die Männer blickten in die Richtung, aus der immer wieder die schrecklichen Kanonenkugeln der eigenen Geschütze ankamen.

Die Trommeln ertönten mit einem neuen Kommando "Verteilt Euch!" Irgendjemand hatte reagiert. Aber Peter hatte keinen Raum, um sich zu verteilen. Vor ihm waren die hintersten Linien einer anderen Bataille, hinter ihm die des eigenen Regiments. Links und rechts standen die Männer von Pappenheims Regiment, und noch zwei weitere Bataillen zur Rechten. Also konnte er nur stehen und warten. Und hoffen, dass keine der großen Kugeln auf seinem Kopf landete.

Vor ihm wurden die Schreie der Männer lauter. Jedes Mal, wenn eine der schwedischen Kanonenkugeln einschlug, traf sie nicht nur ein paar Männer. Die Kugeln kamen horizontal an wie tödliche Kegelkugeln. Wieder und wieder konnte er durch den Staub eine ganze Reihe von Männern sehen, wie sie von einem dieser Geschoße getroffen und umgerissen wurden.

Tief in seinem Verstand <-- würde ich umformulieren. wurde Peter von seinem taktischen Sinn gequält. Klar und deutlich stand die Situation vor seinem inneren Auge. Dies musste eine Falle gewesen sein. Die Sachsen waren der Köder, grell bunt gefärbt, damit sie ja nicht übersehen wurden. Sie hatten sicher den Befehl gehabt, sich sofort zurückzuziehen und die Kavallerie wegzulocken.

O Scheiße! Alle Bataillen auf der rechten Seite waren neutralisiert. Sie standen hinter anderen eigenen Truppen ohne eine Chance, zum Einsatz zu kommen. Das war mehr als frustrierend.

Und du hast noch Glück, sagte ihm sein Verstand. Die Bataillen vorne werden von den schwedischen Musketen und Kanonen zerpflückt. Du kannst nur von einer der eroberten Kanonen getroffen werden. In der halbwegs klaren Luft über ihm konnte sah er sehen, wie die meisten der Kugeln über das Regiment hinweg flogen. Wenn dich keine von denen zufällig trifft, hast du eine gute Chance, den Tag zu überleben.

Ein schwacher Trost. Er wollte kämpfen, aber er konnte nicht. Er stand eingeschlossen von fünftausend Männern, ohne eine Chance vorwärts, rückwärts oder zur Seite auszuweichen.

Was für eine grandiose Scheiße ist da wieder passiert. Wieder mal ein nicht wirklich großartiger Tag in meinem Leben.

*

"An diesem Tag sind wir geschlagen worden, die ganze bayrische Armee, ausgenommen diese vier Regimenter nicht … was wir in der Altmark gefressen haben, haben wir redlich kotzen müssen vor Leipzig."

– Tagebuch von Peter Hagendorf

*



LG,
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 17:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

Zwischenbemerkung: Bevor ihr euch wundert, wo die nächsten Szene spielt: Nach der gewonnenen Schlacht von Breitenfeld (die Schweden hatten 2.000 Mann verloren, trotzdem nachher mehr Männer durch bayrische Deserteure als vorher) zog Gustav II Adolf mit seinen Truppen von einem katholischen Bistum zum nächsten. Sie plünderten Erfurt (damals zu Kurmainz gehörig) und Würzburg, dann ging es von Frankfurt rheinaufwärts bis Gernsheim, und auf der anderen Seite durch Worms nach Mainz, wo der Kurfürst-Erzbischof sich rechtzeitig nach Köln verdrückt hatte.

Im selben kurfürstlichen Schloss, wo jedes Jahr "Mainz bleibt Mainz" übertragen wird, haben die Schweden überwintert. Im Fühling ging es dann nach Süden und südlich von der Donau Richtung Bayern.

Tilly hatte in Breitenfeld 13.000 Leute verloren (die Hälfte tot der Rest gefangen/übergelaufen), seine gesamte Artillerie und seinen gesamten Tross. Über Winter bekam er neue Truppen und setzte sie im Frühling von Bayern aus Richtung Westen in Marsch.

Rainer
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Reiner,

dann schließe ich mal an, ohne mich weiter der Verdunklungsthematik vs. schwarzes Nichts zu widmen smile

Eine Frage vorweg: Bataillon vs. Bataille - war das Absicht? Ich kenne nur den Ausdruck Bataillon für die militärische Teileinheit, deren Plural Bataillone lautet. Dass Bataille "Schlacht, Gefecht" bedeutet, habe ich dann aber auch erst im Duden erfahren.

Generell fällt mir neben der häufigen Verwendung von Hilfsverben auf, von der Constantine schrieb, dass Du häufig "statische" Verben verwendest. Stehen, lagen, aufstellen, usw. Genauso ist die Betrachtung eines stehenden [sic!] Heeres von einem Punkt eben recht statisch. Vielleicht fällt Dir zum Teil noch etwas ein, das mehr erzählt, als beschreibt.

Aber ich gehe auch mal ins Detail:

Zitat:
Von seinem Platz in der ersten Reihe konnte Peter das ganze Gelände überblicken. Seine Brust schwoll vor Stolz an, als er die gigantische Armee sah, von der er ein Teil war. =>Das würde ich in den folgenden Absatz einbauen. Es liest sich mehr wie ein Aufwärmsatz für den Autor.

Siebzehn Bataillen bildeten das Herz der bayrischen Armee, aufgestellt in der spanischen Ordonnanz, der Formation, die von den Spaniern tercio genannt wurde, rechts und links flankiert von Tausenden von Kavalleristen. Das Regiment Pappenheim war am rechten Flügel aufgestellt. Der Oberst mit seinen Schwarzen Kürassieren stand ganz links. Also war das Regiment unter den Befehl des jungen Bayern Joachim Graf von Wahl gestellt worden. => Das meine ich mit viel stehen.

Zur Rechten konnte er die Regimenter Wallies und Wangel sehen, ganz außen die Leichte Kavallerie. Der Blick nach links zeigte ihm die anderen Bataillen, die schweren Geschütze und ganz links die Banner von Pappenheims Schwerer Kavallerie. => "konnte er sehen" und "Der Blick nach links" - wir sind ja bei Peter. Alles, was Du beschreibst kann er sehen (es sei denn in einer Szene wie die mit dem Staub unten, da bekommt "er konnte sehen" einen anderen Stellenwert). So schafft es eher Distanz, bzw. ist das wenige Füllmaterial, das in deinem Text zu finden ist.

Geradeaus an der linken Flanke des Feindes stand die glänzende bunte Truppe der Sachsen. Von Wahl hatte Tillys Befehle schon an die Kompanien weitergegeben. Die Sachsen waren ihr erstes Ziel. Peter lächelte. Er hatte gehört, wie unerfahren sie waren. Könnte man hier ein schönes Gerücht ausformulieren, was die Unerfahrenheit illustriert? Und nur fünfzehn oder so Kompanien, darunter sehr wenig Kavallerie. Keine echte Herausforderung für die dreißig Kompanien unter von Wahls Kommando.

Dies würde der nächste große Tag nach Magdeburg werden. Und diesmal war Peter entschlossen, nicht wieder hinzufallen und den ganzen Spaß zu versäumen. Like, aber du solltest für dich sicher sein, ob es Spaß es ist oder er an seinem inneren Konflikt gg. die Glaubensgenossen und die Heimat zu stürmen knabbert.

Die Artilleristen auf beiden Seiten hatten schon vor zwei Stunden begonnen, sich aufeinander einzuschießen. Peter konnte das gleichmäßige tiefe Donnern der großen Stücke hören. Sie würden sicherlich kurzen Prozess mit den schwedischen Kanonen machen. Sie hatten mit ihren kleinen Feldschlangen nicht viel entgegenzusetzen.

Ein Murmeln lief durch die Reihen, als die schwere Kavallerie weit entfernt auf der linken Seite ihren Angriff startete. Pappenheim! Ja! Peter umgriff seine Muskete fester. Meldereiter kamen aus der Mitte, und jetzt begannen die Trommeln ihren Schlag.

Die Bataillen setzten sich in Bewegung. An sich der starke Moment Deiner Szene. Aber durch "setzten sich" total ausgebremst. Vielleicht stürmen sie los? Wälzten sich auf den Gegner? Ein Bild, von dem Peter geträumt hatte, seinseit er Soldat geworden war. Siebzehn unaufhaltsame Bataillen setzten sich (again)in Marsch und brachten die Erde zum Erbeben. Und gleichzeitig begann die Kavallerie an der rechten Flanke ihren Angriff.

Ja, scheucht die feigen Sachsen davon! Lasst sie rennen wie die Hasen. Dieser Tag sieht unseren Triumph!

"Jesus Maria!" riefen die Männer auf ihrem Weg, die Lücken zwischen ihnen und dem Feind zu schließen. "Vater Tilly!" Ja, das war besser. Peter hatte immer Probleme gehabt, in den Schlachtruf der Katholiken einzustimmen. Vielleicht noch mehr als die anderen Lutheraner und Calvinisten im Regiment.

Die Tatsache, dass er sich eingeschrieben hatte, um gegen seine Mit-Protestanten zu kämpfen, hatte lange gebraucht, um in sein Bewusstsein vorzudringen. => Gehört wahrscheinlich vom Text her nicht hierhin, aber spannend wäre es zu erfahren warum. Oben sprichst Du von Spaß, in Kap 1 werden Frau und drei Kinder erwähnt. Seine Haltung diesbezüglich sollte immer glasklar sein und kann dann natürlich in der einen oder anderen Weise gerade in solchen Momenten zutage treten (Ohne es inmitten der Action zu erklären) Diesmal waren seine Gefühle nicht so aufgewühlt wie nach Magdeburg. Hier kämpften sie zumindest gegen die fremden Schweden und die sächsischen Arschlöcher, die von ihrem ständig besoffenen Kurfürst angeführt wurden, den selbst seine eigenen Untertanen "Bierjörge" nannten.

Und genau diese Sachsen waren jetzt in gerader Linie vor ihnen. Die Kavallerie hatte ihren Angriff schon vorgetragen und anscheinend sehr wenige Probleme gehabt. Die Linien der Sachsen begannen zu schwanken. Nicht so schnell! Lasst uns auch etwas von dem Ruhm übrig!

Aber die Kavallerie konnte Peters Gedanken nicht hören. => Nope, können sie nicht. Braucht mmN. deswegen auch keine Erwähnung Sie Die Kavallerie begannen damit, die sächsischen Regimenter einzukreisen und sie von ihrer schwedischen Unterstützung abzuschneiden. Die Pferde und Männer wirbelten immer mehr Staub auf der ausgetrockneten Ebene auf, und in der Zwischenzeit hatte das Regiment Pappenheim den Fuß des kleinen Hügels erreicht, von dem sie aufgebrochen waren. Damit verlor Peter seinen Überblick. => Oben sprichst Du das Gelände an, ohne es zu beschreiben. Würde es vielleicht helfen, diese "staubige Ebene" und den Hügel im ersten Absatz zu verwenden, um der Aufstellung etwas mehr Gestalt zu geben?

Neue Befehle kamen an. Ah, der alte Fuchs! Tilly wollte offensichtlich die Schwäche der Sachsen ausnutzen. Die drei Bataillen an der rechten Flanke schwenkten langsam nach rechts, um den vierzehn anderen auf der Linken Platz zu machen.

Der aufgewirbelte Staub ließ die Männer husten. Die meisten hatten zwar schon ihre Tücher über die Gesichter gezogen, aber der Boden war so ausgetrocknet, dass immer mehr Staub (hier kann man evtl. auch effektvoller steigern statt Staub > immer mehr Staub) die Sicht störte. Nur aus der Position der Sonne in seinem Rücken konnte Peter erkennen, dass sie sich immer noch auf die Stellungen der Sachsen zubewegten.

Oder zumindest auf die Stelle, wo sie gewesen waren. In der Zwischenzeit hätten sie sie eigentlich treffen müssen. Also waren die Feiglinge schon abgehauen und hatten das Schlachtfeld verlassen. Peter versuchte, sich die Situation vorzustellen. Wenn die Sachsen weg waren, hatte das Regiment Pappenheim und die beiden auf ihrer rechten Seite keinen Gegner mehr. Infanteristen waren nicht dazu geeignet, einen fliehenden Gegner zu verfolgen. Das war Sache der Kavallerie.

Also müsste das Regiment jetzt nach links schwenken und die Schweden von hinten angreifen. Kein Problem. Das war sogar noch besser. Irgendwo musste da der Tross der Schweden herumhängen. Eine leichte Beute für die siegreiche Armee und eine gute Einkommensquelle noch dazu. Peter war sehr zufrieden über seine taktischen Fähigkeiten, als er bemerkte, dass die Trommeln das Signal gaben, nach links zu schwenken.

Aber schon bald stockte der Vormarsch. Peter hörte Schüsse. Musketen und die hohe Töne der kleinen schwedischen Kanonen; ihre Geschosse schlugen irgendwo vor ihm ein. Anscheinend waren sie doch nicht hinter den schwedischen Linien, dies war keine offene Flanke. Die Schweden mussten es geschafft haben, eine neue Front zu eröffnen.

Dann fiel ihm auf, dass das regelmäßige tiefe Dröhnen der großen kaiserlichen Geschütze wurde unregelmäßig geworden war. Nein, noch schlimmer. Eines ihrer Geschoße krachte direkt in das Regiment Pappenheim. Ein lautes Stöhnen erhob sich. Idioten! Warum schießen die nicht auf die Schweden? Noch ein Geschoß schlug von links ein. Wieder fielen einige Männer. Plötzlich machte ein Gerücht die Runde. "Die Schweden haben unsere Kanonen erobert." Das war schlimm. Sehr schlimm.

Und das Regiment konnte immer noch nicht kämpfen. In der Zwischenzeit war ihr Vormarsch komplett zum Stillstand gekommen. Der Staub war immer noch zu dicht, als dass man etwas sehen konnte. Die Männer blickten in die Richtung, aus der immer wieder die schrecklichen Kanonenkugeln der eigenen Geschütze ankamen Ich würde sagen, Tante Erna kommt mit dem 15 Uhr-Zug aus Jena an, aber nicht Kanonenkugeln.

Die Trommeln ertönten mit einem neuen Kommando "Verteilt Euch!" Irgendjemand hatte reagiert. Aber Peter hatte keinen Raum, um sich zu verteilen. Klingt unfreiwillig komisch. Peters Männer hatten keinen Raum ... Dabei fällt mir eine Frage ein: Der Korporal (wenn er es noch ist, sind ja schon ein paar Tage seitdem vergangen) sollte sich in solchen Situationen doch auch um seine Mannen sorgen, oder? Vor ihm waren die hintersten Linien einer anderen Bataille, hinter ihm die des eigenen Regiments. Links und rechts standen die Männer von Pappenheims Regiment, und noch zwei weitere Bataillen zur Rechten. Also konnte er nur stehen und warten. Und hoffen, dass keine der großen Kugeln auf seinem Kopf landete. => Hier würde ich eventuell nicht an stärkeren Verben arbeiten. Denn das Stehenbleiben kommt in seiner Statik ganz gut heraus. Wenn es ein Stilmittel werden soll, dann musst du aber noch ein wenig am Text feilen, damit das Statische in diesen Sätzen heraussticht.

Vor ihm wurden die Schreie der Männer lauter. Jedes Mal, wenn eine der schwedischen Kanonenkugeln einschlug, traf sie nicht nur ein paar Männer. Die Kugeln kamen horizontal an wie tödliche Kegelkugeln. Wieder und wieder konnte er durch den Staub eine ganze Reihe von Männern sehen, wie sie von einem dieser Geschoße getroffen und umgerissen wurden.

Tief in seinem Verstand wurde Peter von seinem taktischen Sinn gequält. Klar und deutlich stand die Situation vor seinem inneren Auge. Dies musste eine Falle gewesen sein. Die Sachsen waren der Köder, grell bunt gefärbt, damit sie ja nicht übersehen wurden. Sie hatten sicher den Befehl gehabt, sich sofort zurückzuziehen und die Kavallerie wegzulocken.

O Scheiße! Alle Bataillen auf der rechten Seite waren neutralisiert. Sie standen hinter anderen eigenen Truppen ohne eine Chance, zum Einsatz zu kommen. Das war mehr als frustrierend.

Und du hast noch Glück, sagte ihm sein Verstand. Die Bataillen vorne werden von den schwedischen Musketen und Kanonen zerpflückt. Du kannst nur von einer der eroberten Kanonen getroffen werden. In der halbwegs klaren Luft über ihm konnte er sehen, wie die meisten der Kugeln über das Regiment hinweg flogen. Wenn dich keine von denen zufällig trifft, hast du eine gute Chance, den Tag zu überleben.

Ein schwacher Trost. Er wollte kämpfen, aber er konnte nicht. Er stand eingeschlossen von fünftausend Männern, ohne eine Chance vorwärts, rückwärts oder zur Seite auszuweichen.

Was für eine grandiose Scheiße ist da wieder passiert. Wieder mal ein nicht wirklich großartiger Tag in meinem Leben.
Ich würde mit dem vorletzten Absatz enden und dann das Zitat, es klingt irgendwie so nach doppelter Zusammenfassung


VG Karl
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 20:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

danke für die vielen Tipps. Ich werde mich da langsam durcharbeiten. Ich sehe auf jeden Fall, dass mein Stil noch sehr verbesserbar ist. Ich werde auch die unvertrauten Begriffe entweder erklären oder wenn möglich durch etwas vertrauteres ersetzen. Manchmal geht letzteres nicht.

Zu den fachlichen Fragen:

Der spanische Begriff tercio wird im Originalbuch sehr häufig verwendet, gehört also zum Standardwortschatz der Zielgruppe, nicht jedoch der eigentlich richtige und in Deutschland verwendete "spanische Ordinanz". Es handelt sich dabei um ein Quadrat, wo außen die Musketiere und in der Mitte die Pikeniere aufgestellt sind. Wird diese Einheit angegriffen, können die Pikeniere Ihre Piken senken und damit über die Köpfe und zwischen den Musketieren hindurch verteidigen. Auf der Illustration von Breitenfeld sind die schön zu sehen.

Pappenheim: Sein Infanterieregiment, wo Peter dient, steht als viertes von rechts in der langen Reihe. Pappenheim selbst und seine berühmten schweren Kürassiere (die "Pappenheimer") ganz links. Die sind es auch, die durch einen mehrfachen vergeblichen Angriff gegen die rechte Flanke der Schweden die Schlacht gegen sich gewendet haben und den Schweden die Möglichkeit gegeben, die kaiserlichen Kanonen zu kapern, die sie eigentlich beschützen sollten.

Korporal: Das ist in dem Fall ein disziplinarischer Rang für die lange, lange Zeit zwischen den Schlachten. In der Formation gibt es keine Unterschiede zwischen den Rängen, sondern nur einen zentralen Befehl.

Der Begriff Batallie (frz. eigentlich "Schlacht", übertragen "für die Schlacht zusammengestellte Einheit") war durchaus gängig. Echte Battailone im heutigen Sinn als feste Einheit und Teil des Regiments unter einem Major gab es noch nicht, Bataillen (auch "Schlachten" genannt) wurden immer von Fall zu Fall aus den vorhandenen Kompanien (z. B. 1 mal Pikeniere und 4 mal Musketiere) ad hoc gebilden.

Stücke: Zeitgenössischer Ausdruck für Kanonen. Auf Schiffen gibt es heute noch Stückpforten, der Begriff "Bestückung" kommt genau daher (eigentlich: Auflistung der Kanonen eines Kriegsschiffes).

"Die Regimenter schwenken recht oft bei dir in diesem kurzen Abschnitt." Genau damit haben die Kaiserlichen die Schlacht endgültig verloren. Durch die mehrfachen Schwenks (extrem schwer bei so vielen so dicht gedrängten Männern) sind die einzelnen Battaillen hintereinander geraten, statt eine einzige Schlachtlinie zu bilden, und ihre Überzahl kam nicht zum Tragen.

Puh. Und das, wo ich eigentlich Pazifist bin Smile

Grüße
Rainer
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schreibmalwieder
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nochmal,

Zitat:
Korporal: Das ist in dem Fall ein disziplinarischer Rang für die lange, lange Zeit zwischen den Schlachten. In der Formation gibt es keine Unterschiede zwischen den Rängen, sondern nur einen zentralen Befehl.


Ich meinte es auch mehr menschlich - ich würde mir vorstellen, dass er eventuell Beziehungen zu Kameraden hat (positiv wie negativ), die als Folie für eine Emotionalisierung des Geschehens funktionieren würde. Vielleicht ist aber auch der Typ lonely wolf, das weißt bisher vor allem Du.

VG,
Karl
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Rainer Prem
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Beiträge: 1088
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BeitragVerfasst am: 19.06.2014 20:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

aus Peters Tagebuch ist zu sehen, dass er entweder Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen hatte, oder bewusst distanziert geschrieben hat. Auf jeden Fall hat er seine wechselnden Positionen oft ausgenutzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Die Männer, mit denen er da in der Formation steht und marschiert, sind eine Zweckgemeinschaft, vielleicht kann er noch nicht einmal ihre Sprache. Außerdem ist er ja ein Protestant in einer Einheit der katholischen Armee.

Ich will mich (wegen dem, was später noch kommt) sehr stark auf Peter und seine Gefühle konzentrieren.

Grüße
Rainer

schreibmalwieder hat Folgendes geschrieben:
Hallo nochmal,

Zitat:
Korporal: Das ist in dem Fall ein disziplinarischer Rang für die lange, lange Zeit zwischen den Schlachten. In der Formation gibt es keine Unterschiede zwischen den Rängen, sondern nur einen zentralen Befehl.


Ich meinte es auch mehr menschlich - ich würde mir vorstellen, dass er eventuell Beziehungen zu Kameraden hat (positiv wie negativ), die als Folie für eine Emotionalisierung des Geschehens funktionieren würde. Vielleicht ist aber auch der Typ lonely wolf, das weißt bisher vor allem Du.

VG,
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 20.06.2014 17:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rainer,

mit dem dritten Teil deiner Geschichte verlierst du mich leider. Ich finde das Gespräch zwischen Peter Hagendorf und Thomas von Scharfenberg bisher den schwächsten Part in deiner Geschichte. Vorallem stören mich zu viele Details, die eher uninspiriert eingeworfen werden, wie z.B. die Einwohnerzahl von Grantville, die Erwähnung Amerikaner (ich glaube, 1630 gab es noch keine offiziellen Amerikaner, sondern Kolonisten als Briten, Franzosen, Spanier auf dem Amerikanischen Kontinent und der Unabhängigkeitskrieg lässt noch über 140 Jahre auf sich warten), die fast wie nebenbei erwähnten Bewaffnungen wie Shotgun usw. um dem Leser zu zeigen, dass es sich hier um eine moderne amerikanische Stadt handelt, die im Territorium des 30jährigen Krieges aufgetaucht ist.
Da hättest du das ein oder andere Gerücht bereits im ersten oder zweiten Teil deiner Geschichte einbauen können, dass ein Teil wie die Gallier gegen die Römer nicht einnehmbar ist oder in deren Bereich auf beiden Seiten große Verluste auftreten.
Dein Sci-Fi-Element in diese Geschichte finde ich misslungen integriert. Thomas von Schaffenberg spricht englisch, ansonsten wird er mit den Amerikanern nicht kommuniziert haben können.
Du schreibst, es gab ein Feuergefecht zwischen den Kompanien und den Amerikanern, dabei wurde von Schaffenberg verletzt und er wurde dann von den Amerikanern verarztet. Warum wurde er dann freigelassen? Oder ist er geflohen? Wurde er nicht von den Amerikanern verhört? Nicht einmal Peter ist überrascht, wie von Schaffenberg aus der Stadt gelangt ist, um ihm das Wissen zu übermitteln? Haben die Amis Panzer oder gepanzerte Fahrzeuge? Automobile vermisse ich in deiner Erwähnung, die Stadt scheint keine motorisierten Gefährte zu haben.
Das passt für mich vorne und hinten nicht und für mich bedarf es hier einer enormen Überarbeitung, damit dieser Part einigermaßen funktioniert.

Es handelt sich hierbei nur um meine persönliche Meinung. Vielleicht ergibt deine Geschichte für andere Leser in der gegenwärtigen Form eher einen Sinn.

LG,
Constantine
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