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Leseprobe ~ Die Logopädin...


 
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Senti1101
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 34
Beiträge: 11
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 07.06.2014 20:45    Titel: Leseprobe ~ Die Logopädin... eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo meine Lieben!

Ich bedanke mich schon im Voraus für die eine oder andere Kritik! Seid ehrlich und schreibt ruhig ganz offen eure Meinung. Ich möchte mich nicht unbedingt bei einem Verlag blamieren und bin hart im Nehmen. Very Happy  Viel Spaß beim Schmöckern des ersten Kapitels. Ich lasse euch einfach mal ohne eine langatmige Einführung lesen. Bitte verzeiht mir eventuelle Orthografie- und Zeitformfehler. Bin noch auf der Suche nach einem Lektor!

Alles Liebe

Senta


Kapitel 1

Ein neuer Lebensabschnitt

Der Wecker klingelt um 7 Uhr. Seit langer Zeit heißt es heute wieder früh aus den Federn hüpfen und ab unter die Dusche.

Ich saß mittlerweile ein gutes Jahr ohne eine richtige Lebensaufgabe in meinen vier Wänden herum und starrte Tag ein und Tag aus in ein unendlich wirkendes schwarzes Loch. Das zuvor begonnene Biologiestudium hatte mich nicht im geringsten Falle ausgefüllt und durch diverse Schwierigkeiten beim Lösen unsinniger Mathematikaufgaben wurde mir die Entscheidung zur Aufgabe dieses Vorhabens sehr leicht gemacht. Ich fiel durch die Mathematiknachprüfung und durfte nun meine Hoffnung auf einen eventuellen Abschluss vollkommen begraben.
Da war ich nun - eine 21 jährige junge Frau - ohne richtige Lebensperspektive. Ich bewarb mich bei zahlreichen Ausbildungsstellen und versuchte diese wenigstens im geringen Maße an mein zu voriges Berufsziel „Diplom-Biologin“ anzupassen. Bald musste ich aber gnadenlos feststellen, dass das Leben doch kein Wunschkonzert war und ich notgedrungen auch bei Versicherungsgesellschaften, Buchhandlungen und Hotels mein Glück versuchen musste. Wie es wahrscheinlich jeder bereits schon einmal erlebt hat, holte ich mehr Absagen aus meinem kleinen grauen Briefkasten als positive Rückmeldungen. Immer wieder las ich den selben ernüchternden Text auf billigem weißen Papier:„Wir freuen uns sehr über Ihr Interesse an unserem Unternehmen, leider...“. Die Hoffnung jemals aus dieser Misere entfliehen zu können, verschwand mit jedem Tag mehr und mehr. Eines Morgens klingelte nun mein Telefon und meine Mutter meldete sich am anderen Ende der Leitung. Wie immer erkundigte sie sich fürsorglich, wie es um einen Ausbildungsplatz bestellt sein würde. Die Antwort, die ich schon im Halbschlaf wie aus der Pistole geschossen in mir verinnerlicht hatte war: „Nein, leider waren wieder nur Absagen in der Post, aber ich bleib weiter dran!“ .
Positive Gedankengänge hatte ich nach über einem halben Jahr schon lange nicht mehr, dennoch wollte ich wenigstens meiner besorgten Mutter ein „gespieltes“ Gefühl von Sicherheit vermitteln. Es reichte doch, dass ich eine Empfindung der Nutzlosigkeit und Traurigkeit in mir verspürte und sie in diese trostlosen Emotionen mit hineinziehen... dieses hätte niemanden von uns Beiden nur im Geringsten weitergeholfen. Aber gerade an diesem so unscheinbaren Tag sollte sich mein Leben in eine neue Richtung bewegen. Als das allmorgendliche Geplänkel ausgesprochen war, kam von der anderen Seite der Telefonleitung der entscheidende Ratschlag. Ich solle es doch einfach mal mit der Logopädie versuchen. Logopädie?? Genau, das ist es! Sprechen konnte ich und warum sollte ich dieses nicht anderen Menschen beibringen können?! Ich könnte auch mit Kindern arbeiten, welches doch immer mein größter Wunsch gewesen war! Auf einmal  regte sich etwas in meinem so verbitterten Geist. Ja, ich schöpfte wirklich das erste Mal nach einer gefühlten Zeit von Jahren wieder eine Art von Zuversicht und Hoffnung.

Ich erkundigte mich im Internet sofort nach Ausbildungsmöglichkeiten in der Nähe von meinem momentanen Wohnort Nürnberg und stieß auf eine kleine, überschauliche Schule, die mir auf Anhieb zusagte. Es handelte sich um die „Marien-Schule“ in Neustadt. Idyllischer könnte man sich die Lage einer Ausbildungsstätte nicht vorstellen. Auf einem kleinen, dicht bewachsenen Berg gelegen, mit einem kleinen Schloss als Hingucker und einem herrlichen Blick auf die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt: die Burg Fichtenstein. Wer sich in diesen Ausblick nicht sofort verliebt der hat keinen Sinn für Ästhetik.
Nur leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dieser äußerlich sehr ansprechende Ort im Inneren ausgesprochen unansehnlich war. Ich forderte in meinem wiedergekehrten Tatendrang sogleich die notwendigen Bewerbungsunterlagen an und füllte alles gewissenhaft und sorgfältig aus. Bevor ich allerdings die Ausbildung antreten durfte, musste ich noch einen relativ simplen Eignungstest bestehen. Hier wurde die Stimme explizit begutachtet, grammatikalische und orthografische Fertigkeiten untersucht und in einer kurzen, persönlichen Unterredung mit dem Schulleiter die Entscheidung getroffen, ob dieser Beruf der Richtige für einen sein würde. Ich bestand ohne gravierende Probleme (auch wenn ich als meine abendliche Bettlektüre die Biografie von Marilyn Manson angab und einen massiv verwunderten Blick des konservativ gekleideten Mannes erntete) die von der Schule kreierten Prüfungen und bekam eine Zusage am Telefon. Mein Gefühl war in diesem Moment mit Worten nicht zu beschreiben. Es vermengte sich eine riesige Portion Erleichterung mit unbändiger Freude und der grandiosen Emotion doch in etwas gut zu sein zusammen und diese hochexplosive Mischung fand ihren Ausdruck in zahlreichen Tränen, die mir ohne Unterlass aus meinen kleinen Augen schossen.
Nun war es also soweit und ich sollte mich endlich wieder beweisen dürfen. In mir stieg von Tag zu Tag die Aufregung. Ich hatte tatsächlich eine neue Perspektive in meinem noch zuvor sehr tristen und eintönigen Leben gefunden, auf die ich mich so gut es ging vorbereitete. Ich studierte den Lehrplan in allen Details und wollte mir bereits vor Beginn der Ausbildung einen gewissen Überblick über die mir bevorstehenden Inhalte verschaffen. Nur leider tat ich dieses nicht ausführlich genug und konnte mich im entscheidenden Augenblick nicht daran erinnern.


Das Wasser prasselt auf meinen Kopf. Ich bin heute extra früh aus den Federn gekrochen damit ich unter allen Umständen pünktlich zur großen Begrüßungsfeier auf dem kleinen Berg erscheine. Es herrscht eine strenge Garderobenvorschrift an der Schule, welches mich an einen strikten und erfolgsorientierten Führungsstil dieser Einrichtung glauben lässt. In einem Begrüßungsschreiben stand: „In diesem Schuljahr wird eine Kleiderordnung an der Schule eingeführt, um den Patienten ein einheitliches Gesamtbild unserer Einrichtung vermitteln zu können. Bitte erscheinen Sie in einer schwarzen Hose und in einer weißen Bluse/ einem weißen Hemd.“
Ich habe mir extra drei schwarze Hosen und ein dutzend weiße Blusen besorgt. Es soll am heutigen Tag und in den kommenden alles stimmen. Nichts, absolut gar nichts darf meinen ersten Eindruck im negativen Sinne verfälschen. Ich stehe vor dem großen ovalen Spiegel, der in die Tür meines hölzernen Kleiderschrank verankert ist, mitten in meinem Schlafzimmer. Mein Herz schlägt mir währenddessen bis zum Hals. Ich spüre einen Hauch von Ängstlichkeit in mir aufsteigen und frage mich etwas besorgt, ob ein paar der Leute vom Eignungstest auch genommen worden seien. Würden mir meine neuen Kurskollegen auch sympathisch sein? Was wäre wenn ich die Willkommensfeier nicht finden würde? Tausende von Fragen, Befürchtungen und Hoffnungen durchfluten meine glühenden Synapsen. Ich trinke noch schnell eine Tasse mit starkem schwarzen Kaffee und mache mich auf den Weg zum Nürnberger Hauptbahnhof, der sich optimale 10 Minuten Fußweg von meiner Wohnung befindet. Als ich nach 60 Minuten Zugfahrt mit gefühlten 1000 pubertierenden Schulkindern den Bahnsteig in Neustadt erreiche, bemerke ich, dass meine innere Anspannung bis auf ein Maximum zu wachsen scheint. Dieses Gefühl ist mir wahrlich unbekannt. Sonst bringt mich so leicht nichts aus der Ruhe und ich gehe alles sehr gelassen an, aber aus  irgendeinem Grund meldet sich mein Unterbewusstsein und lässt ein strahlend rotes Warnblinklicht in meinem Schädel aufleuchten. Ich beruhige mich wieder mit allgemeinen, seit Kindheitstagen antrainierten Floskeln:„Wird schon alles gut werden! Heute passiert garantiert noch nicht so viel! Wirst sehen, das wird ein echt toller Tag werden an dem du viele nette, neue Leute kennenlernen wirst!“
Schon baut sich die steile ehrfurchteinflößende Treppe zum Schloss Fürstenburg - hier wurde die Schule vor guten 100 Jahren gegründet - eindrucksvoll vor mir auf. Nur noch  wenige Stufen (na ja, wenig ist was anderes) trennen mich von meiner neu gewählten Zukunft. Zweifel sind nun eindeutig fehl am Platze und ich betrete das Schulgelände mit einer Selbstsicherheit, die ich so das letzte Mal am ersten Tag in der Universität an mir bemerkt habe.

Ich bin eine halbe Stunde zu früh dran. Überall laufen mir noch vollkommen unbekannte Gesichter umher, ob diese wie meine Wenigkeit „neu“ sind oder zu den „alten Hasen“ gehören, kann ich bislang noch nicht beurteilen. Von allen erdenklichen Seiten wird mir ein überfreundliches „Hallo!“ mit einem merkwürdigen Grinsen entgegengeworfen und ich fühle mich aus irgendeinem Grund leicht überfordert mit diesem Verhalten umzugehen. Die Empfindung möglicherweise in einer Sekte gelandet zu sein, schleicht unmerklich langsam in meine Gedankengänge. Ich schiebe dieses wieder bei Seite und suche ohne diese Vorurteile in mir zu verankern die Lokalität der Begrüßungsfeier auf. Mir wurde mitgeteilt, dass diese in einer großen Turnhalle stattfinden solle.
Gefunden. Also einen angsteinflößenden Aspekt kann ich hier ohne Probleme vergessen, meinen nicht vorhandenen Orientierungssinn! Winzig ist das Gelände im Vergleich zum zuvor besuchten Campus. Hier werde selbst ich ohne nachfragen zu müssen von einem zum anderen Ort gelangen.  Ich betrete einen kleinen Vorraum, der an eine Umkleide erinnert. Auf einer harten dunkelbraunen Holzbank sitzen ein junges Mädchen mit schulterlangem blonden Haar und ein schon etwas älter wirkender Mann mit einer braunen wuscheligen Frisur. Ich frage ganz offen und mutig ob sie auch neu hier seien und ja, ich habe Glück! Die Anfang 20 jährige junge Frau stellt sich mit dem Namen Susanne und der Mann - den ich zunächst für einen Lehrkörper gehalten hatte - mit Matthias vor. Mit großem Erstaunen stelle ich fest, dass sie wie ich zu Logopäden ausgebildet werden wollten. So klar war das hier eben nicht, da der größte Teil der Auszubildenden den Fachbereich der Physiotherapie einnehmen würden.  Sogleich entspinnt sich ein anregendes Gespräch und wir tauschen erste Informationen über die wichtigsten Daten unserer doch sehr verschiedenen Lebensläufe aus. Susanne kommt aus der Nähe von Erfurt und hatte es nach dem Abitur zunächst auch mit einem Studium in Mannheim versucht, aber ebenso schnell gemerkt, dass es anscheinend nicht die richtige Entscheidung gewesen sei.
Matthias, der lieber mit Matz angesprochen werden wollte, erzählt dass er direkt aus dem verschlafenen Neustadt kommen würde und wegen eines Bandscheibenvorfalls eine Umschulung vom Landschaftsgärtner machen müsse. Die Freude jemanden gefunden zu haben, sieht man mir sicher aus 100 m Entfernung an. Ich irre nicht mehr alleine umher und fühle mich merklich wohler in meiner Haut. Der Einlass in die Halle beginnt. In der rechten hinteren Ecke des riesigen Raumes steht ein großer schwarzer Flügel. Frontal blickt man in eine Vielzahl großflächig angebrachter Spiegel. Die linke Seite des Raumes verfügt über den gesamten Anteil der Hauswand verlaufende, lichtdurchlässige Fensterfronten, welche die warme Oktobersonne auf den buchenholzfarbenen Parkettboden schicken. Mit leicht offener, staunender Mundhaltung blicke ich mich um. Alle neuen Schüler müssen  sich nun mitten in dem Raum auf den Boden setzen. Keiner weiß (außer denen, die sich nicht im ersten Lehrjahr befinden) was nun passieren wird. In einem grauen Designer Anzug gekleidet stellt sich ein alter, grauhaariger Mann vor: Herr Professor Dr. von Marien. Aha! Deswegen also der Name dieser Fakultät. Etwas steif und sehr kontrolliert beginnt er mit einer Willkommensrede. Diese zieht sich gefühlt wie warmer klebriger Kaugummi zwischen zwei Holzstücke, die man versucht auseinanderzureißen, hin. Aber sie nimmt mir zugegebenermaßen durch Ihre doch sehr ermüdend prosodische Gestaltung einen Großteil meiner Nervosität. Nun ist es soweit, wir Frischlinge werden aufgefordert nacheinander aufzustehen und müssen uns vor allen anderen Kommilitonen vorstellen. Dieses erledige ich gefühlt mit einem gesunden Maß an Souveränität. „Hallo, ich bin die Anett und komme aus Nürnberg und werde hoffentlich Logopädin!“ Nachdem ich meinen Namen ausgesprochen hatte, bekam ich einen unbändigen Applaus von den auf dem Boden drapierten Mitschülern. (Erst später erfuhr ich, dass die Gründerin dieser Einrichtung ebenfalls Anett hieß und ich damit einen gewissen Starbonus hatte!) Daraufhin kommt ein Mädchen - die meine Patin für das erste Jahr sein sollte - mit einer überdimensionalen, blau-glitzernden Schultüte auf mich zu. Eine Patin mit 22 in einer winzigen Schule?! Ok, in der Grundschule sicherlich sinnvoll, aber wozu soll das jetzt noch nützlich sein? Der Gedanke der „Sekte“ dringt jetzt wieder deutlicher in mein Bewusstsein. Ich nehme die „kleine“ Gabe mit einem getäuscht freundlichen „Das ist aber sehr lieb!“ an und drücke eine mir noch komplett unbekannte Person, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Diese ganze Situation erscheint mir äußerst suspekt, da mir bislang nur die Erfahrungen aus der noch kürzlich besuchten Universität zur Verfügung stehen.
Es ist hier eine komplett andere Welt und mir wird sehr schnell klar, dass ich mich an diese erst noch gewöhnen muss. Die Vorstellungsorgie neigt sich dem Ende zu, aber ein Abschluss der Zeremonie ist keines Falls in Sichtweite. Eine Ehrung jagt die andere, ein Auftritt der Physiotherapeuten - für die die Marien-Schule absolut bekannt sein soll - folgt auf den anderen. Ich habe so langsam aber sicher das Gefühl irre zu werden. Zum Glück sitzt Susanne zufällig direkt neben mir und wir belustigen uns gegenseitig über dieses merkwürdige Ritual.
In diesem Augenblick dreht sich eine Frau, welche unmittelbar vor meinen Füßen sitzt, zu mir herum und schaut mich mit einem breiten verständnisvollen Grinsen an. In diesem Moment vergesse ich für einen kurzen Augenblick die Welt, die mich momentan umgibt. Es fühlt sich komisch an irgendwie ganz leicht und warm. „Hat die Erde gerade kurz stillgestanden?“ Der Gedanke „Wow, die Frau ist der absolute Hammer!“, schießt sogleich durch meinen Kopf. „Sie muss auch eine neue Schülerin sein, aber warum habe ich sie bei der Vorstellungsrunde nicht bemerkt? Egal, du musst sie unbedingt kennenlernen.“ Dieses BOOM-Gefühl durchflutet meinen gesamten Körper. Ich bekomme Gänsehaut und merke gleichzeitig eine wohlige Wärme in mir aufsteigen. Es weiß natürlich noch Niemand von meiner Leidenschaft für Frauen und ich will mich auch zunächst zurückhalten, weil man ja nie erahnen kann, wie dieses aufgenommen wird. Wem sollte  ich davon denn auch schon erzählt haben, nach einer Stunde in diesem neuen Areal. Die restliche Zeit der Veranstaltung hänge ich mit meinen Blicken auf dieser einen Frau fest, die es vermag so extreme Gefühle in mir auszulösen. Ich überlege angestrengt hin und her, wie ich sie eventuell ansprechen und ob sie vielleicht auch das weibliche Geschlecht bevorzugen könnte. Da ich jetzt eine Beschäftigung für meinen gelangweilten Kopf gefunden habe, bemerke ich die nun sehr schnell vergehende Zeit gar nicht mehr. Zum Schluss  wird mit einem eigenen Schullied (Sektenmerkmal?!) die Festlichkeit beendet. Hierbei laufe ich mit meiner Patin Hand in Hand in einem riesigen Kreis in der Turnhalle mit allen anderen Leuten herum. Nach der Beendigung des horrorartigen Händchenhaltens versuchen alle gleichzeitig fluchtartig (ich kanns keinem verübeln) so rasch wie nur möglich durch die enge, kleine hölzerne Schwingtür in die Freiheit zu verschwinden. Nach einigen nachfolgenden organisatorischen Dingen, wie der Bedienungsanleitung eines Feuerlöschers, Parkausweisausgabe und kurzer Führung über das überschaubare Schulgelände, dürfen wir eine kurze Pause bis zum Unterrichtsbeginn einlegen. In meinem Kurs sitzen einige bekannte Gesichter aus der Eignungsprüfung und mit großer Freude begrüßen wir uns gegenseitig. Drei Tischreihen mit je sechs Sitzplätzen, ein großer Fernseher, der sich hinter der Tafel in der Mauer befindet und ein riesiger, grauer Klotz mit abschließbaren Spindfächern. Mehr bietet dieses Zimmer bisher nicht. Etwas liebevoller hätte die Einrichtung für meinen Geschmack schon ausfallen können. Für 700€ im Monat kann man doch wenigstens ein Bild an der Wand erwarten, oder eine kleine Pflanze auf der Fensterbank.
Schockiert blicke ich nun auf das vor mir liegende Blatt Papier: ein Stundenplan komplett gefüllt von morgens um 8Uhr bis um 20Uhr am Abend. Da ich sehr gefüllte Pläne aus der zuvor besuchten Hochschule gewohnt gewesen bin, nehme ich es einfach so hin und überlege nur, ob um diese späte Uhrzeit noch ein Zug nach Nürnberg fahren würde. Wie sollte ich sonst nach Hause kommen?! Nach dieser Bekanntgabe der auf uns zukommenden Fächer erhalten wir noch eine Einführung in die Hausordnung der Schule. Meine Mimik verfinstert sich zunehmend. Es ist die Rede von Raucherliste, Schlossdienst und diversen anderen Dingen, die mich an meiner nun schon seit vier Jahren erreichten Volljährigkeit zweifeln lassen. Ich fühle mich in die Grundschulzeit zurückversetzt. Vielleicht haben wir deswegen diese komischen Schultüten erhalten?! Alles scheint komplett geregelt zu sein, eigene Entscheidungen und Handlungen werden hier wohl nicht für gut geheißen. Ich schlucke das Entsetzen mit einem hörbaren Glucks hinunter. Bin ich doch auch schon gleich in dieser ersten Stunde mit zwei meiner Kurskolleginnen – Susanne und Rebecca – 10 Minuten zu spät erschienen, weil wir noch kurz einen Kaffee trinken waren.

Wir kamen in den oben beschriebenen kargen Raum. Dieser war überfüllt mit einer unüberschaubaren Anzahl von Menschen. Normalerweise hätte mir da der Gedanke kommen müssen,„Was wollen denn die vielen Leute hier? Gibt es nicht genug Stühle und Tische für alle?“. Aber da wir ja eh schon über der Zeit waren – ich war immer noch das akademische Viertel gewöhnt – setzte ich mich still auf meinen Platz in der ersten Reihe an der blauen Eingangstür und starrte auf die Tafel. Ein Gefühl von gigantischer Peinlichkeit durchzog meinen gesamten Körper. An der Tafel war groß und breit geschrieben:„5 Minuten vor der Zeit, ist Medausen Pünktlichkeit!“. Da ich diese Art von Gefühlsregungen sehr gut überspielen kann, wirkte mein daraus resultierendes Auftreten eher arrogant als unterwürfig und schuldbewusst. In diesem  Augenblick riss ich nur meine kleinen Augen ganz weit auf, verdrehte die selbigen und grinste übermütig über beide Ohren. Wie weit ich hier gehen durfte, wusste ich bislang noch nicht.

Die Hausordnungsvorlesung endet. Puhh, endlich geschafft!
Aber halt, der vor mir befindliche Stundenplan sagt etwas anderes. Hab ich doch am Morgen noch gedacht, ich könne nach der Begrüßung wieder heimfahren und die neuen Impressionen verarbeiten dürfen, so ereilt mich nun die gnadenlose Realität. Bis 20Uhr sollte ich heute  bereits hier auf dem harten Holzstuhl in der ersten Reihe an der blauen Eingangstür sitzen und mir die Stundeninhalte anhören müssen.
Erfreulicherweise hab ich an einen Block und einen Kugelschreiber gedacht, sonst hätte ich meinen ersten negativen Eindruck vom Nachmittag erneut bestätigt. Meine Gedankengänge hängen nach wie vor, trotz der ganzen neuen Situation die mich momentan umgibt, bei der einen faszinierenden Frau fest. Ich überlege angestrengt hin und her, drehe mich um und mustere interessiert die neuen Gesichter, eventuell ist sie ja unter ihnen. Aber Fehlanzeige. Zwar sitzen unheimlich viele hübsche junge Frauen in diesem kleinen überfüllten Raum, nur SIE ist nicht unter ihnen. Mein Blick wendet sich wieder, doch etwas enttäuscht, nach vorne dem eigentlichen Geschehen zu und ich versuche meinen Kopf für die stattfindende Unterrichtsstunde frei zu bekommen. Merkwürdigerweise stehen nur die älteren Semester vor unserem Kurs und scheinen eine Art Lehrerposition einzunehmen. Komisch, aber ich denke mir, dass es ähnlich wie an der Uni laufen könnte, wo die höheren Semestergänge sogenannte Hilfskraftstellen gegen eine kleine Entlohnung antreten durften. Ich werde nachfolgend mit einer kleinen Gruppe aus dem Frischlingskurs in den im Erdgeschoss befindlichen Materialraum geführt. Das kleine Zimmer ist unglaublich eng. In der Mitte stehen zwei lange Tische, die denen aus unserem Kursraum sehr ähnlich sind. Auf diesen befindet sich ein dicker Ordner, in welchen jedes noch so klitzekleine ausgeliehene Teilchen dieses winzigen Raumes eingetragen werden muss. Weiterhin reihen sich ringsum die Tische ein dutzend harte Holzstühle. Für Klaustrophobiker ist dieser Ort eindeutig pures Gift. In vier Regalen türmen sich zahlreiche Spiele und andere Gegenstände, die anscheinend für die kreative und motivierende Therapiegestaltung sehr hilfreich sein könnten. Uns wird das komplette Inventar der 8m² näher gebracht, wiedereinmal von Schülern. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten, ich muss jetzt unbedingt nachfragen: „Sagt mal, wie viel verdient ihr denn eigentlich für diese Aushilfskraftstelle?“ Ungläubig schauen mich die beiden Aushilfsdozentinnen an und versichern mir glaubwürdig, dass sie rein gar nichts für ihre geleisteten Dienste erhalten würden. Das schon sehr ausgeprägte Gefühl der SEKTE ist nun nicht mehr zu verleugnen. Ich frage mich inständig, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe, diesen Beruf an genau dieser Einrichtung erlernen zu wollen.
Wir bewegen uns wieder Richtung Obergeschoss und bekommen nun tatsächlich - ich hätte es fast nicht mehr geglaubt - die erste Lehrkraft zu Gesicht. Uns wurde eingebläut zu jedem Unterrichtsbeginn aufzustehen und den betreffenden Lehrer namentlich laut und deutlich zu begrüßen. Zu den morgendlichen Stunden soll sogar ein Kaffee auf dem Tisch des Dozenten zu finden sein, welcher selbstverständlich den Trinkgewohnheiten des entsprechenden Lehrkörpers angepasst werden muss.
Die schon etwas ältere Frau, mit streng zurück gebundenen, blonden Haaren und einer versteinerten Mine, stellt sich mit einer einschüchternden Stimme vor:„Guten Tag! Mein Name ist Frau Liebknecht.“  
Ein eindrucksvolles „Guten Tag Frau Liebknecht!“ schallt dynamikstark durch den Raum. Augenscheinlich ist die vor uns stehende Frau ein wenig irritiert und gibt uns stockend zu verstehen, dass wir uns wieder setzen dürfen. Wir folgen wie aufs Wort. Ein Oberfeldwebel würde mit großem Stolz auf unsere disziplinierte Truppe herabschauen. Ich versuche einfach mitzumachen ohne negativ aufzufallen. Gewöhnlich würde ich mich bei solchen diktatorischen Spielchen nie im Leben beteiligen, aber ich bin neu hier und es ist viel zu früh für mein wahres Gesicht. Aller Voraussicht nach würden sie mich bei einer Verweigerung in einen kleinen abgedunkelten Raum führen und mir eine Gehirnwäsche verpassen. Ich schweige, will ich mir doch mein autonomes Denken erhalten und keine dieser Zombiegestalten werden. Die rigorose, autoritäre Dame will nacheinander von jedem einzelnen genau wissen aus welchem Grund er gerade den Beruf Logopäde gewählt hat. Ich muss beginnen und mir fällt keine wirklich sinntragende Begründung ein. Da ich vor ein paar Jahren bei einem Berufseignungstest von der Allianzversicherung teilgenommen hatte und der Beruf der Logopädin an einer der vordersten Stellen als Resultat auftauchte, berichte ich einfach von diesem und das ich sehr gerne mit Kindern arbeiten würde.
Eine schroffe Reaktion trifft mich sogleich: „Nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene sind ein großes Themengebiet in der Logopädie. Vergessen Sie das bloß nicht!“ Erschrocken sitze ich mit weit aufgerissenem Mund vor ihr und kann nicht fassen was da gerade geschehen ist. Den ersten Satz hatte ich vor einer realen Lehrkraft ausgesprochen und sofort eine schroffe Abwertung kassiert. Ich bin hier falsch. Zu solchen schrecklichen Charakteren passe ich absolut nicht. Innerlich zähle ich bis 10, um meine sich langsam aufbauende Aggression zu unterdrücken. Nicht nur ich werde ungerechter Weise sehr herablassend behandelt, jeder egal was er sagt bekommt von der sehr unzufrieden wirkenden älteren Frau einen kräftigen Seitenhieb ab. Ich verstehe die Welt nicht mehr und versuche es auf ein unerfülltes Sexualleben zu schieben. Diese von vielen kleinen Weisheiten hatte ich schon früh von meiner Mutter lernen dürfen:„Frauen, denen guter Sex verwehrt bleibt werden ohne es beeinflussen zu können unausstehlich und haben an jedem noch so kleinen Krümelchen etwas auszusetzen!“. Also nimm es einfach nicht mit dem Apellohr auf und betrachte es sachlich und kühl.
Diese Stunde neigt sich nach quälenden 45 Minuten einem erlösenden Ende zu und ich spüre eine extreme Erleichterung diese Frau erst wieder am kommenden Montag sehen zu müssen.

Nun betritt eine junge Frau das Zimmer. Ich denke mir: „Oh nein, nicht schon wieder eine Schülerin, welche die Lehrerposition einnehmen muss! Wofür bezahlen wir eigentlich soviel Geld, wenn nicht einmal die Dienste der arbeitenden Schüler honoriert werden?“ Wobei in Sekten das ja so üblich ist.
Da stellt sich die kleine zierliche Frau auch schon vor. „Guten Tag! Mein Name ist Frau Mohn. Ich bin ihre Lehrerin im Fach Stimm- und Sprecherziehung.“ Die zweite wahrhaftige  Dozentin, erleichtert mustere ich sie. Mir fällt es schwer diese kleine, blonde Frau mit dem lustig hin und her schwingenden Pferdeschwanz Ernst zu nehmen. Ich lächle sie freundlich an. Sie wirft mir einen eiskalten Blick zurück. Dieser scheint aus irgendeinem Grund nicht kongruent mit ihrem eigentlichen Wesen zu sein. Ich beginne langsam aber sicher an meiner Menschenkenntnis zu zweifeln. Werde ich unbewusst schon manipuliert und ich merke es nur nicht?
Die 1,65m bauen sich einschüchternd vor uns auf und verlangen jetzt tatsächlich, dass wir unsere Stimme malen sollen. Einen kurzen, lauten Lacher kann ich mir nicht verkneifen. Das muss einfach ein Scherz sein. Die versteckte Kamera wurde nicht einmal versteckt, sondern ganz offen den gesamten Tag auf uns gerichtet. Für diesen Umstand fanden sich immer neue haarsträubende Erklärungsversuche, die mir aber irgendwann so egal waren wie ein umfallender Reissack in China.  Mit einem sehr bösen Blick wendet sich die kleine Teufelin, die in einer Silhouette eines Engels steckt, sich mir geradewegs entgegen mit dem gutgemeinten Ratschlag dieser Sache mit einer gehörigen Portion Achtung entgegenzutreten. Ich kaufe ihr dieses nicht ab und beginne trotzdem zu malen. Wenn wir hier schon einen auf Kindergarten machen, dann aber richtig! Im Nu male ich ein wirklich kindgerechtes Bild.
Auf diesem ist ein Bett (für meine so außerordentlich beruhigende Stimmfarbe) und ein Zimmer mit einem Fenster zu sehen, durch das der Mond sacht scheint. Die Vorstellung meiner so grandios gelungenen Zeichnung ist in kurzen 10 Sekunden überstanden und ich setze mich mit einem zufriedenen Grinsen wieder auf meinen Stuhl. Es folgen die anderen Darstellungen. Anscheinend habe ich die Sache als einzige nicht für voll genommen. Es erscheinen immer mehr und mehr wirklich gut durchdachte Kunstwerke an der Tafel und ich beginne zu zweifeln. Mein zu voriges Grienen verwandelt sich in einen vollkommen entgeisterten Gesichtsausdruck. Ich muss mir die Augen reiben und mich leicht in den Arm kneifen, um sicherzustellen nicht im Traumland zu sein. Auch von dieser abstrusen Stunde werden wir irgendwann erlöst.
Jetzt findet sich wahrhaftig Flötenunterricht auf dem Plan. Da wir in dem bereits erwähnten Begrüßungsschreiben informiert worden sind, dass wir einen selbigen Kurs besuchen müssten, kaufte ich mir extra für diesen Anlass ein hochwertiges Blasinstrument und freute mich in meinem doch schon etwas fortgeschrittenen Alter noch die Kunst des Flötespielens erlernen zu dürfen. Als wir den kleinen Raum in einem angrenzenden, sehr marode wirkenden Gebäude betreten, zeigt wie so oft an diesem Tag die Linse einer Kamera auf uns. An diesem Ort scheint eh alles anders als im normalen Leben zu sein und ich denke nicht weiter darüber nach, will ich doch auch nur ganz einfach diesen an einen Albtraum erinnernden Tag überleben.
Die kompakte, zierliche, blonde Frau betritt erneut den Raum. Meine Mundwinkel klappen zeitgleich mit ihrem Erscheinen weit nach unten. „Nein, nicht schon wieder DIE!  Egal, da musst du jetzt durch!“ Bevor wir mit dem eigentlichen Unterricht beginnen können, müssen nach Angaben der Dozentin noch zwei Schülerinnen aus dem mittleren Kurs Referate halten. Ich muss mich so zusammenreißen, meine Lachmuskeln drängen unnachgiebig nach oben. Die Qualität der absolvierten Darbietungen ist wohl nicht einmal von Grundschülern zu unterbieten. Stotternd stehen die zwei Mädchen vor uns, lesen ihren vorzutragenden Stoff über die Flöte als Musikinstrument komplett ab und machen nicht mal den kleinen Versuch sich etwas Mühe zu geben. Gut, überstanden, es ist vorbei! Zu früh gefreut! Jetzt will die merkwürdigste Lehrerin - der ich je begegnet bin - doch tatsächlich von uns Neulingen eine Bewertung der gehaltenen Referate bekommen.
Es geht rundum. Ich bin an der Reihe. Scheiß drauf, ich versuch ehrlich zu sein und finde zu Beginn trotz des grausamen Schauspiels noch aufbauende Worte in meinem Inneren, gebe aber dann sehr bestimmt Ratschläge für bessere Vorbereitungen. Mir gelingt dieses subjektiv betrachtet auf eine außerordentlich nette Art und Weise.
Der Flötenkurs beginnt. Frau Mohn, die gerade einmal Anfang 30 zu sein scheint, fragt jeden einzelnen wie er an seine Flöte gekommen ist. Ich habe von allen Anwesenden alleinig eine käuflich erworben. Wollte ich doch nicht in eine blasen müssen, die schon durch eine halbe Familie gewandert ist. Einen erstaunten und leicht panischen Gesichtsausdruck denke ich zu vernehmen, aber ich beachte diese undefinierbaren Reaktionen schon seit einer gewissen Zeit nicht mehr. Hier sind alle etwas strange gepolt und wer weiß, vielleicht laufe ich in ein paar Wochen genauso irre durch dieses Gebäude wie die mich umgebenden Personen. Oh man, dafür dass ich verrückt gemacht werde, bezahlen meine Eltern auch noch super viel Geld. Das hätte ich auch günstiger haben können. Wahrscheinlich hat die Schule noch einen Kooperationsvertrag mit einer ansässigen Nervenklinik.
Wir beginnen mit dem „Stimmen“ der Flöte kommen aber nicht wirklich weit.(Kann man eine Flöte stimmen?? Ich hab keine Ahnung!) Ich freue mich zum zweiten Mal an diesem Tag, als ein gerader Ton aus dem kurzen Holzrohr erklingt. Das erste Mal musste ich der Begegnung mit meiner Traumfrau zusprechen.
Ja, genau! Da war doch noch was! Ob ich die Frau jemals wiedersehen würde? Wer war sie? Wo kommt sie her? Die Dimensionen aus der Uni waren noch präsenter in mir verankert, als die kleine überschauliche Marien-Schule in der man täglich allen Personen mindestens einmal über den Weg laufen musste (auch wenn man nicht wollte).
Mittlerweile ist es stockdunkel geworden. Die Uhr zeigt nun beinahe 19 Uhr an und der Schulleiter schaut leicht verdutzt in unseren Kursraum und will das Gebäude verschließen. Stutzig werden wäre nun angebracht! Leider kann ich nicht mehr klar denken und halte einfach nur noch durch. Die Gewissheit nun in einer gehirnmanipulierenden Einrichtung gelandet zu sein, ist jetzt so klar in mir ausgeprägt, wie die Gewissheit am Abend ins Land der Träume zu gleiten. Ich merke zwar, dass an dieser Lokalität etwas gewaltig nicht stimmt, aber mir fehlt die Kraft zur Kombination der einzelnen Eindrücke und ich versuche nur noch meine Augen offen zu halten.
Ein Glück, für heute ist es der Horror dann doch überstanden. Aber Stopp! Ich muss ja noch über eine Stunde heimfahren und ob zu dieser Zeit noch ein Zug fährt? Die Befürchtungen vom Nachmittag erlangen wieder den Weg in die  reale Welt. Ich gehe auf gut Glück zum Bahnhof. Von der anfänglichen Aufregung und vom Enthusiasmus ist nichts mehr übrig geblieben. Dieser eine Tag zerrte bereits so sehr an meinen Nerven, wie ein ganzes Semester Vorlesungen an der Universität. Bereits an diesem ersten Tag wurde uns auch noch in einem Fach: Fachterminologie (Wäre ich sorgfältiger in meiner Vorbereitungsphase gewesen, hätte ich das nicht existieren dieses Unterrichts sicher bemerkt.) sogar schon die Ankündigung eines Testes bekannt gegeben. Jetzt muss ich auch noch die Zeit zum Lernen finden. Ein Aufatmen durchfließt jede meiner so angespannten Körperzellen. Es fährt noch ein Zug in die erlösende Heimat. Ich warte am Bahnhof und skizziere bereits eine Zusammenfassung, um den zu lernenden Stoff schnell in meinen Schädel bekommen zu können. 20.30Uhr trifft die Bahn ein. Ich steige total kaputt in diese und suche mir einen ruhigen Platz an einem Fenster. Langsam setzen wir uns in Bewegung nur kurze Lichtblitze von Straßenlaternen lassen erahnen, dass in der finsteren Landschaft Leben zu finden ist. Es wirkt hypnotisierend. Am liebsten würde ich jetzt weinen, aber ich verkneife es mir streng. Es kann doch nicht wirklich möglich sein, dass ein Tag in einer bekloppten Schule mich mehr fertig machen kann, als ein komplexes dreijähriges Studium!
Mein Handy klingelt. Ich gehe mit einem genervten „Ja“ ran und höre am anderen Ende meine Mutter. Sie wirkt total schockiert als sie hört, dass ich immer noch nicht zu hause sei. Mir fällt es schwer noch in korrekten grammatikalischen Sätzen zu sprechen und ich stammele mehr, als alles andere. Die Frage, wann ich morgen aufstehen müsse, versetzt mich in Angst. Wie soll ich nur wieder um 4.30Uhr aufstehen, wenn ich heute wahrscheinlich erst um 23.00Uhr ins Bett komme? Egal, Pobacken zusammenkneifen und durch. Wenn ich eines gelernt habe von meiner Mutter dann das:
„Das Leben ist hart, aber ich bin härter!“
Ich erreiche Nürnberg und wie in Trance bewege ich mich in Richtung meiner Wohnung.
Die Tür schließe ich erschöpft auf und schmeiße meiner kleinen Zwerghäsin „Lolle“ noch schnell ein Knäckebrot in den Käfig. Hose und Bluse aus, ich schaffe es kaum noch an irgendetwas zu denken und schlafe ein.

Erbarmungslos reißt mich der Wecker um 4.30 Uhr aus dem Schlaf. Der Erholungsfaktor  hat sich in den letzten fünf Stunden nicht wirklich einstellen können. Mein gesamter Körper schreit nach mehr Schlaf und dem warmen geborgenen Bett. Die Vorfreude auf die große angsteinflößende Sekte auf dem kleinen Hügel in Neustadt hält sich, wie man sich sicher denken kann, in Grenzen. Am allerliebsten würde ich alles hinschmeißen und nie wieder nur einen Fuß in dieses nervenkranke Territorium setzen. Aber ja, da war doch etwas Positives! Ich musste doch diese Frau wiedersehen. Die Möglichkeit eines zufälligen Aufeinandertreffens bringt mich letztendlich zum Aufstehen. Finster ist es draußen. Kein normaler Mensch steht um diese Zeit auf nur Bäcker, Köche und Hotelfachlaute werden wohl schon längst bei der Arbeit sein. Aber ich? Die seit einem Jahr jeden Tag ausschlafen konnte und die sich jetzt zu dieser unmöglichen Zeit aus dem Bett schälen sollte?  
Jammern hilft nicht, ich springe unter die Dusche und merke wie ein gewisser Lebenshauch in meine Knochen fährt. Mir ist immer noch nach weinen zu mute, wenn ich an den stressigen und trotzdem sinnlosen Unterricht denke. Da muss ich jetzt durch. Ein heißer Kaffee lässt meinen müden Geist wieder munter werden und ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof.
Die Augen drohen während der Fahrt zuzufallen. Ich krame meinen iPod aus der Tasche und dröhne mich mit Marilyn Manson in der maximal möglichen Lautstärke zu. Dieses kleine Wunderwerk der Technik schafft es mich irgendwie wach zu halten und ich komme tatsächlich wieder in Neustadt an.
Der Tag beginnt ruhig. Ich sitze alleine in dem Raum, der nun für drei Jahre mein Leben bestimmen sollte. Eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn füllt sich langsam das noch sehr karge Zimmer. Niemand scheint erholt zu sein, selbst diejenigen, die auf dem Berg wohnen. Kein Wunder, gibt es doch geregelte Duschzeiten, Zubettgehzeiten und sogar Weckzeiten. Ja, sogar das Licht darf ab 22.00Uhr nicht mehr brennen. Es ist wohl doch ein Privileg nicht in diesem Wohnheim leben zu müssen, obwohl es mit dem hin und her Gefahre doch sinnvoller gewesen wäre. Ich bin eine Externe und werde auch immer eine bleiben. Außerdem muss man die Möglichkeit wahrnehmen wenigstens für ein paar erlösende Stunden aus diesem Gefängnis entfliehen zu dürfen.
Kurz vor 8.00Uhr sitzt jeder auf seinem Platz. Der Schulleiter, Herr Pro. Dr. Kreuz kommt herein und bemerkt, dass sich nun gerne alle Lehrlogopäden vorstellen  möchten. Ich seufze innerlich und denke mir:„Toll, dann sehe ich ja schon wieder die komischen Frauen von gestern!“ Der um die 40 Jahre junge Mann trägt einen seriös wirkenden schwarzen Anzug. Weiterhin fällt seine Frisur ins Auge. Ich ziehe unwillkürlich Vergleiche zu Elvis Presley. Er spricht sehr langsam und bedacht. Diese Art von Stimmfarbe wirkt wie eine hohe Dosis Baldrian auf mich. Ich schließe kurz die Augen und atme tief durch und lasse die entspannende Atmosphäre auf mich wirken. Bloß nichts anmerken lassen und freundlich lächeln wenn sie alle hereinkommen.
Die Lehrkörper positionieren sich an der Tafel, ich hebe langsam und bedacht meinen Kopf und ich schaue interessiert in die Runde. Oh nein!! Das darf nicht wahr sein!! Das kann einfach nicht sein!! So ein großer Mist!!
Mein Blick bleibt auf einer Frau hängen, die mir außerordentlich bekannt vorkommt. Mir ist der Schock wahrscheinlich deutlich ins Gesicht geschrieben, nur würde keiner den Grund dafür erfahren. Sie ist meine Lehrerin?! Wie unfair kann das Leben eigentlich sein? Was soll es, noch ist es nicht zu spät Abstand zu gewinnen. Immerhin weiß ich jetzt gleich wer sie eigentlich ist.  Die Neugier in was für eine unbekannte Frau ich schon so viele Gedanken investiert habe, steigt in undefinierbare Höhen auf. Nach den Vorstellungen diverser anderer Lehrlogopäden ist sie nun endlich an der Reihe. Ich lausche konzentriert ihrer Stimme und sie gefällt mir leider viel zu gut als das ich diese Eigenschaft zum Missfallen ihr gegenüber ausnutzen könnte.
„Hallo, ich bin Frau Müller. Ich betreue hier vorwiegend die Lese-Rechtschreib-Störungen und kindlichen Sprachentwicklungsstörungen und freue mich bald mit euch zusammenarbeiten zu dürfen!“
Die erste Frau die mir auf Anhieb sympathisch ist, ganz so schlimm wird es hier wohl doch nicht werden, wie noch vor wenigen Minuten erwartet. Ich strahle mit dem ganzen Gesicht (ich muss an eine gemalte Sonne auf einem Kinderbild denken) und kann meine Freude über ihr Dasein kaum verbergen.
Die Vorstellungsrunde ist schneller beendet als gedacht und auf dem Programm steht Eurhythmie. Ich schaue auf den verantwortlichen Lehrer und tatsächlich „Frau Müller“ lese ich erfreut in der schmalen Spalte auf dem überfüllten Stundenplan.
Vor dem praktischen Unterricht werden wie am Tag zuvor zwei Referate gehalten. Nur dieses Mal ganz ohne Dozentin. Lediglich die uns schon sehr vertraute Kameralinse ist auf die Referentinnen gerichtet und uns als „Neuen“ wurden Bewertungsbögen ausgeteilt. Meine Kinnlade bewegt sich wieder Richtung Fußboden und die Fassungslosigkeit steigt kontinuierlich in mir auf. Kann es wirklich wahr sein? So etwas kann es doch gar nicht geben! Oh mein Gott, wo bin ich hier  bloß gelandet?
Die Referate waren gelungener als die am Vortag und die Bewertungen fielen dementsprechend positiver aus. Wir begeben uns auf die Gymnastikwiese von der man einen wunderbaren freien Blick auf die Innenstadt hat und sollen nun tatsächlich unseren Namen tanzen lernen. Uns wird noch nahegelegt dieser Unterrichtseinheit mit einem gebührenden Respekt zu begegnen, da Frau Müller sehr viel Wert auf dieses Fachgebiet legt. Die Referentinnen zeigen uns die zu erlernenden Laute und vermitteln uns einen geschmeidigen Übergang zwischen diesen. Frau Müller taucht auf. Sie sieht unglaublich toll aus. Ein blauer Jeansrock, schwarze hohe Stiefel, eine enganliegende Bluse und ein niedlicher weißer Haarreifen zieren diese wirklich atemberaubende junge Frau. Es wirkt zwar etwas streng, aber ich mag dieses Outfit ungemein. Ich merke wie sie mich unkontrollierbar immer mehr in ihren Bann zieht.  
Wir sollen augenblicklich unsere geübten Darbietungen präsentieren und wie soll es anders sein, ich muss wie so oft den Anfang machen. Ich konzentriere mich, ich denke nur noch an meinen Namen und die Übergänge. (Warum nur bin ich hierbei nicht skeptisch geworden?) Geschafft! Ich schaue sie erwartungsvoll mit einem breiten Lächeln an. Aber was ist das? Sie blickt mich unvorhergesehen ausgesprochen herablassend an und äußert mit hochgezogenen Augenbrauen: „Das machst du jetzt noch einmal und dann viel langsamer mit mehr Gefühl“. Ok, also versuche ich es erneut. Ich probiere meine Ausführungen zu perfektionieren, schließe nun die Augen, um ein besseres Gefühl zu erlangen und mache alle Bewegungen um 100 Prozent geschmeidiger. Der Stolz ist mir anzumerken und von meinen im Kreis aufgestellten Kurskollegen erhalte ich anerkennendes Kopfnicken und Applaus. Nur eine ist zum wiederholten Male nicht mit meiner dargebotenen Leistung zufrieden und lässt es mich ein drittes Mal ausführen. Meine Sympathie ihr gegenüber verschwindet in einem rasanten Tempo, genauso schnell wie sie auch aufgetaucht war. Sollte ich mich so arg in einem Menschen getäuscht haben? Anscheinend ja! Oh man, was für eine blöde Kuh ist die denn bitteschön? Die letzte Version kommentiert sie mit den Worten: „Na ja, lassen wir das einfach mal so stehen!“. Dabei spitzt sie ihre Lippen und notiert sich irgendetwas auf ihrem Schreibbrett.
Meine Mitleidenden werden ebenfalls besonders unangemessen beurteilt. Einige arme Geschöpfe werden sogar noch zur Teilnahme am „Nachhilfeunterricht im auf einem Bein stehen“ aufgefordert. In mir steigt grenzenloser Hass auf und ich kann mich nicht mehr zügeln. „Wenn wir das alle so extrem schlecht machen, dann bitte ich sie jetzt inständig uns das einmal korrekt vorzuführen. Wir haben das genauso gemacht wie es uns gezeigt wurde und wenn das nicht richtig ist, dann können wir doch nichts dafür!“, verteidige ich mich kampflustig. Darauf antwortet sie:„Das ist nicht meine Aufgabe. Das ist die Aufgabe  der Referentinnen!“ Ich lache gehässig und schüttele ungläubig mit dem Kopf. Mit diesen Schuhen hätte ich auch nicht erwartet, dass sie nur eine Bewegung hätte ausführen können. Wir gehen anschließend geschlossen wieder in das unscheinbare Schulgebäude. Ich registriere genau, dass Frau Müller direkt hinter mir läuft und erläutere resonanzreich meine Sichtweise der gerade durchlebten Situation: „Also ich fand uns alle ganz toll! Mensch, wir haben das zum ersten Mal gemacht! Was erwartet die denn da von uns?“ Die Gesichter hellen sich nun allmählich wieder auf und das Selbstvertrauen kommt zurück. Insgeheim denke ich wieder an die Sekte. Was um Himmels Willen hab ich mit Eurhythmie als Logopädin zu tun? Wieso muss ich meinen Namen tanzen können? Der Verein hier ist echt komplett durchgeknallt!
Wir sitzen wieder alle auf unseren Plätzen. Frau Müller - die ich inzwischen nur noch grausam finde - betritt die unwirkliche Szene. Nun ist es völlig aus mit mir.


Sie teilt doch wahrhaftig den beiden geschundenen Seelen folgendes mit:„Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie die Übungen nicht korrekt gezeigt haben und dieses werde ich selbstverständlich in ihre Benotung mit einbeziehen!“. Dabei schaut sie mich hinterhältig mit einem schäbigen Grinsen an. Ich spüre nur noch Abscheu gegenüber dieser Person! Ich schaffe nichts zu sagen oder zu tun. Sprachlos ringe ich nach Luft. Sie verlässt den Raum und ich kann noch so zeitnah reagieren, dass ich mich in aller Form bei den beiden vermeintlich unfair behandelten Mädels entschuldige. Die Zwei meinen nur, dass es nicht so schlimm sei und die Müller immer so seltsam drauf ist. Das schlechte Gewissen kann ich trotz dessen nicht abstellen und versuche dieses ganze verwirrende Geflecht einfach zu verstehen. Es vergehen weitere langgezogene Stunden, die mir sinnloser als eine Vorlesung in chemischer Mathematik vorkommen. Egal, ich hab es ja so gewollt und das ziehe ich jetzt auch durch. Pobacken zusammenkneifen und durch. Wäre doch gelacht, wenn mich diese kleine naive Schule kaputter machen würde, als die unglaublich diffizilen Inhalte des Biologiestudiums. Nein, das kann ich nicht akzeptieren. Ich werde verdammt nochmal durchhalten und  was sind schon drei kurze Jahre. Drei Jahre in einer Irrenanstalt. Ich hoffe nur inständig, dass die anscheinend sehr effektiv wirksame Gehirnwäsche bei mir keinen Erfolg zeigen wird.

Wieder werden der größte Teil der Unterrichtseinheiten von älteren Semestern durchgeführt. Ich finde mich damit ab und versuche nur noch zu funktionieren. Die Manipulation scheint bereits mein Hirn zu erreichen und ich lasse es mit mir geschehen. Es ist mir gegen 20.00Uhr alles egal und der abschließende „psychologische Gesprächskreis“ - wiedermal mit Gesichtern aus den oberen Kursen - nehme ich nur noch in Fassetten wahr. Ich bemerke hier müde und ausgelaugt, dass es mir noch sehr schwer fallen würde mich an diese neue Situation und dieses Schulleben zu gewöhnen und das es ein ganz anderes Leben als an einer Universität ist. Verständnisvoll erreichen mich zahlreiche Blicke.
Vollbracht, ich darf endlich nach Hause. Ich schleppe mich müde und entkräftet zum Bahnsteig. Sollte ich heute doch noch Glück haben? Der Zug befindet sich bereits im Bahnhof und ich begebe mich ohne Umwege in das warme und hell beleuchtete Abteil. Schön! Alles leer.(WARUM NUR?) Ich kuschel mich in einen Sitz und versuche abzuschalten. Mir gehen tausende Gedanken im Kopf umher. Warum nur hab ich mich so sehr in dieser Frau getäuscht? Es kann doch nicht sein, dass ich mich dermaßen irre. Aber ich hab doch gesehen, was ich gesehen habe, eine überkorrekte, demotivierende und unnachgiebige Frau. Schlechter Sex? Hat an dieser Schule überhaupt irgendeiner ein erfülltes Intimleben? Wahrscheinlich muss man dieses ablegen, um charakteristisch in diese künstliche Welt passen zu können. Oh man, ich suche mir auch wirklich jedes Mal die Richtigen aus! Es kann einfach nicht wahr sein. Na ja, ich denke mir: Lieber jetzt schon das wahre Gesicht erkannt, als wenn ich noch irgendwelche Gefühle in diese komische weibliche Person gesteckt hätte. Ich denke nach und stelle meinen iPod laut. Meine Augen schaffen es nur mühsam auf zubleiben und ich falle alle paar Sekunden in den Schlaf. „Wach bleiben! Du musst heute noch lernen!“, mein Unterbewusstsein meldet sich nun in raschen Abständen. Ein Bahnhof taucht aus dem Dunkel der Nacht auf. Hä? Wo bin ich denn hier gelandet? Was ist das für ein Ort? Das darf nicht wahr sein! Nicht das jetzt auch noch! Mein Herz beginnt wild zu schlagen. Ich habe für solche Fehler keine Zeit! Aufgeregt suche ich nach einer Hilfe für meine Misere. Eine ältere Frau bemerkt meine Unsicherheit und spricht mich beruhigend an. Sie meint, dass der Zug ab einem bestimmten Bahnhof geteilt wird und dann nur die eine Hälfte nach Nürnberg weitergeleitet wird. In mir brodelt es. Was soll ich jetzt machen? Ohne nachzudenken steige ich an der nächst besten Haltestelle aus und ignoriere die Anmerkungen der alten Dame. Da stehe ich jetzt, einsam und verlassen in einem kleinen Kaff in der Nähe von Lichtenfels. Ich strenge mich an problemorientiert zu denken, auch wenn mir das merklich schwer fällt nach diesen zwei extremen Tagen. Ich darf jetzt keine Schwäche zeigen, ich muss erst mal Heim kommen. Glücklicherweise sehe ich ein junges Mädel auf dem Bahnsteig und laufe sofort zu ihr. Ich erkundige mich nach eventuellen Taxiständen. Ein ungläubiger Blick erreicht mich und ich bekomme nur die Auskunft, dass eventuell vor dem Bahnhofsgebäude eines zu finden ist. Sie macht mir aber keine großen Hoffnungen. Mist! Alles scheint wie ausgestorben. Wie soll ich denn jetzt nach Nürnberg kommen und lernen muss ich auch noch. Das erste Mal wünsche ich mir doch auf dem Psychoberg wohnen zu dürfen, aber alles Wünschen hilft nichts. Ich stehe nun hier und muss irgendwie eine Lösung für mein Problem finden. Eine kleine, dunkle Kneipe taucht vor mir auf. Soll ich da jetzt wirklich reingehen? Ich schreite tatsächlich durch die dunkele Eingangstür in diese fragwürdige, seltsam riechende Lokalität und schaue mich vorsichtig um. Ein alter, großer Mann sitzt mit einem Glas Bier an einem Tisch und mustert mich interessiert. An der Wand sehe ich einen Spielautomaten, der nervige Piepsgeräusche produziert und unaufhörlich blinkt. Ich habe wahnsinnige Angst. Der Wirt schlendert auf mich zu. Er trägt eine Schürze und hat ein Geschirrhandtuch locker über die Schulter gelegt. Gute 2 Meter stehen vor mir und blicken auf mich herab. Ich frage mich nun sehr explizit, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Im Gedanken male ich mir bereits grausame Szenerien für mögliche Straftaten aus, die nun im ungünstigsten Fall auf mich warten könnten. Schon wieder schlägt mein Herz - wie so oft in den letzten 48 Stunden - bis zum Hals. Ich erkläre todesmutig mein Missgeschick und frage vorsichtig nach einem Taxi. Die Möglichkeit heute doch noch in meinem Bett schlafen zu können, erscheint mir so weit entfernt wie eine Erlösung aus dieser bekloppten Schule, ohne die ich jetzt nicht hier stehen würde. Ein hörbares Aufatmen entweicht meinen Stimmlippen. Der auf den ersten Blick doch etwas barsch wirkende Mann, erweist sich auf den zweiten als eine sehr freundliche und zuvorkommende Gestalt. Ich kann gar nicht so schnell schauen, da hat er bereits sein Handy gezückt und telefoniert mit einem guten Freund, der ein Taxi zu haben scheint. Ich bekomme, weil ich mich als Studentin vorgestellt hatte, einen Sonderpreis. 50€ für den ganzen Weg bis in die schöne Christkindlmarktstadt. Nach fünf Minuten erscheint ein kleiner, mit einem dicken Bierbauch hereinwackelnder Mann in dem düsteren Lokal. Immerhin sollte jetzt der Weg in mein Bett gesichert sein, aber lernen werde ich bestimmt nicht mehr können. Im Taxi unterhalte ich mich angestrengt mit dem Fahrer und  bedanke mich gefühlte tausend Mal bei ihm. Er erzählt mir von seiner Tochter, die eine Ausbildung zur Ergotherapeutin begonnen hat. Eigentlich habe ich keine Lust auf Konversation, ich bin zu ausgelaugt um dem Gesprächsinhalt noch folgen zu können. Trotzdem versuche ich mein Bestes, um nicht als undankbar zu erscheinen. Es entweichen mir nur sehr reduzierte Phrasen. Gegen 23Uhr erreiche ich meine Haustür. Mir ist alles egal, ich will nur noch raus aus den Klamotten und unter die Dusche. Ich fühle mich so dreckig und ausgenutzt durch diese Einrichtung. Den unsichtbaren Schmutz, der hartnäckig an mir haftet, trägt der warme Wasserstrom von meinem Körper und spült ihn in die unerreichbaren Abgründe der Kanalisation. Ich fühle nichts mehr. Ich spüre nichts mehr. Es ist alles bedeutungslos. Lolle bekommt noch einen kleinen Mitternachtssnack und ich begebe mich in mein Schlafzimmer. Ausgelaugt und mit den Nerven am Ende lasse ich mich auf meinen Schreibtischstuhl fallen. Im Augenwinkel sehe ich die kleine, grüne Lampe meines Anrufbeantworters leuchten. „Oh nein, wer will denn jetzt noch was von mir?“, denke ich mir. Ich drücke die kleine graue Taste und befürchte schon das Schlimmste. Welches Horroszenarium sollte nun noch auf mich warten?
Ich kneife die Augen zusammen und schicke kurze Stoßgebete Richtung Himmel. Die Stimme meiner Mutter bohrt sich in meinen Schädel. Aufgeregt erzählt sie in einem extrem hohen Tempo Neuigkeiten, die ich nicht glauben kann. Um es wirklich verstehen zu können, höre ich mir die Nachricht drei Mal hintereinander an. Ich breche sogleich zusammen und brauche eine halbe Stunde bis ich wieder einigermaßen Fassung bewahren kann. Auf dem Gerät befand sich Folgendes: „Anett, mach dir keine Sorgen mehr. Die verarschen euch nur! In echt ist die Schule nicht so lange und der Unterricht ändert sich auch noch! Den richtigen Stundenplan bekommt ihr dann am Montag!“ Ungläubig greife ich zum Telefonhörer und rufe bei meinen Eltern zu einer wirklich unchristlichen Zeit an. Da wir aber nicht zu den gläubigen Familien gehören, mache ich mir darüber keine Gedanken. Ein übermüdetes „Ja, hallo?“ dringt in meinen Gehörgang. Ich melde mich mit einer noch sehr verheulten Stimmfarbe und möchte die Ansage auf dem AB bestätigt bekommen. Als genau dieses passiert, mischt sich Fassungslosigkeit, Erleichterung vermengt mit reiner Wut zu einem undefinierbaren Gefühlschaos zusammen. Es fällt alles ab und ich breche nun noch einmal richtig zusammen. Ich verabschiede mich und lege mich entkräftet in mein geborgenheitsbringendes Bett. Mit leichten schluchzenden Geräuschen falle ich in den Schlaf.

Ein sich für lustig haltender Radiomoderator holt mich unvorsichtig aus meiner Traumwelt. Kurzzeitig vergesse ich die sich jetzt neu gestaltete Situation. Ich brauche nicht lange, da läuft mir der Film von Gestern in Sekundenbruchteilen wieder vor meinem inneren Auge ab. Eine unbändige Wut entwickelt sich und heute beschließe ich mit dem Auto auf den Sektenberg zu fahren. Die Erfahrung vom vergangenen Tag flößte mir eine ungeheure Ehrfurcht vor diesem blöden Zug ein, dass ich Heute nicht noch einmal einen solchen Umstand erleben wollte. Ich steige mit einer mich fast auffressenden Rage in mein Auto ein. Hier fühle ich mich wohl und ich habe so die Gewissheit nicht auf die Bahn angewiesen zu sein. Die Musik dröhnt laut aus den Radioboxen. So schnell wie nur möglich will ich dieses perverse Spiel aufdecken und meinen Klassenkameraden die Augen öffnen. Das Navigationssystem führt mich sicher und schnell auf den so verhassten Berg. Ich erblicke auf dem gut gefüllten Parkplatz eine Schülerin aus dem Mittelkurs. Jetzt ganz ruhig und gelassen wirken und mir nichts anmerken lassen wie unglaublich sauer ich bin.
Die etwas ältere Frau folgt mir und redet ohne Ende auf mich ein. „Das ist alles nur am Anfang so schlimm und dann gewöhnt man sich an die ganze Sache, wirst sehen!“ Mir stockt der Atem. Das kann die Frau doch wohl nicht Ernst meinen! Man würde ihr nichts anmerken, aber ich weiß nun was diese Leute im Schilde führen. Das Gerede nimmt kein Ende und  kurz vor der Tür kann ich mich nicht mehr bändigen und sage unbedacht: „Ja, ich denke auch, dass das ALLES schneller vorbei sein wird als wir denken!“. Die Treppe zu unserem Kursraum laufe ich im fixen Tempo nach oben und möchte die brandneuen Informationen meinen Mitleidenden weitergeben. Ich befinde mich nicht ganz fünf Minuten in dem Raum, da stürmt die zuvor beschriebene Schülerin in unser Zimmer und möchte mich unter vier Augen sprechen. Auch das noch! Kindergartenfeeling pur! Ich seufze und willige kurzer Hand zu einer Unterredung mit ihr ein. Mir wird nahegelegt nichts Preis zu geben und das ich sonst die „Überraschung“ verderben würde. Ein riesiges Kotzgefühl baut sich nun allmählich stärker in mir auf. Wie können diese Menschen von mir erwarten, dass ich bei einer so perfiden Sache mitmachen sollte? Ich drehe mich ohne ein Wort zu sagen um und gehe mit schüttelndem Kopf zurück. Die seltsame Frau lasse ich ohne sie noch eines Blickes zu würdigen im Flur stehen. Zurückhalten mit einer so erlösenden Nachricht? Das glauben die doch selber nicht! Immerhin versuche ich hier einen sozialen Beruf zu erlernen und so ein extrem asoziales Verhalten kann ich mit meinem Selbstkonzept einfach nicht vereinbaren! Sofort berichte ich meinen Kurskollegen von der Verarsche, aber was ist das jetzt? Keiner glaubt mir!
Entgeistert wandern meine Blicke von einem Gesicht zum anderen. Niemand zieht diese Möglichkeit nur in Betracht. Aber ist dies verwunderlich? Die gesamte Schule macht bei diesem heimtückischen Akt mit. Angefangen von den Schülern bis hin zu den Lehrkräften, einfach alle! Ich weiß in diesem Moment nicht, ob ich dieses jemandem abkaufen würde, zu sehr befinden wir uns schon in der Verarschungsmaschinerie. Der Tag vergeht schleichend langsam. Eine sinnlose Aktion folgt auf die Andere und ich würde super gerne einfach laut schreien und diesem ganzen Schauspielscheiß ein Ende setzen. Aber ich halte mich zurück. Bald höre selbst ich wieder auf an die Veräppelung zu glauben. Mein Hirn fühlt sich leer an,  dümmer werden kann man eventuell nur noch, wenn man sich das nachmittägliche Programm im Fernsehen antut. Das Schauspielern wird hier wohl mit gelehrt, anders kann ich mir dieses perfekte Theaterstück nicht erklären. Auch ich werde  noch auf diese Kunst zurückgreifen müssen, wovon ich bislang aber noch nichts wissen kann.
Am Ende des Tages gibt es ein gemeinsames Abendessen mit dem uns verarschenden Mittelkurs in der Schlosshalle. Ich frage gefühlte 100 Mal, ob ich nicht heimfahren dürfe und bemerke, dass es mir wirklich nicht gut gehen würde. Die entgegnete Antwort fiel wie erwartet aus: „Nein, leider ist das nicht möglich. Der anschließende Termin beim Oberbürgermeister ist Pflicht!“. Was wollen die denn noch? Haben wir nicht schon genug gelitten? Warum verschwinde ich nicht ganz einfach? Die sollen mal versuchen mich aufzuhalten! Tapfer bleibe ich dennoch sitzen und nage nur vereinzelt an meiner Pizza. Es schmeckt nicht. In mir steigt ein Gefühl der Resignation auf. Ich versuche die ersten hochsteigenden Tränen noch zu verdrängen, vergebens. Zu viel für meinen Kopf. Es schießt plötzlich eine Träne nach der anderen aus meinen müden traurigen Augen. Die Kraft schwindet sekündlich aus meinen Knochen. Der direkte Anspruch einer Mitschülerin – Verena heißt sie – bringt mich wieder ins Hier und Jetzt. Sie macht den Vorschlag eine Zigarette rauchen zu gehen, um wieder auf bessere Gedanken zu kommen. Verena hat lange blonde Haare, ein außerordentlich hübsches Gesicht mit wunderschönen Augen und vollen Lippen. Mir kommt währenddessen die Raucherliste in den Sinn, aber da ich bis jetzt so gut es ging auf die kleinen Glimmstängel verzichtet habe, muss ich mir keine Sorgen machen zum „Anti-Raucher-Coaching“ angemeldet zu werden. Die frische Luft tut so gut. Ich atme tief ein und aus und wieder ein und aus. Energie, die gerade noch verloren geglaubt war, kehrt wieder zurück. Ich stecke mir die Zigarette an und fühle Erleichterung. Die Tränen sind getrocknet und ich versuche so gut wie nur möglich die momentane Gegebenheit hinter mich zu bringen. Zusammen mit Rebbi, Susanne und Verena finde ich sogar mein Lachen wieder. Wir kehren zurück und es versammeln sich alle vor dem kleinen, alten Schloss. Anscheinend geht es jetzt gleich los, ein Ende ist in Sichtweite. Meine Patin von der Begrüßungsfeier kommt auf mich zu. Was will die denn jetzt? Genervt schaue ich das mich um gute zwei Köpfe überragende, braungelockte Mädchen an. Ohne mit den Wimpern zu zucken verbindet sie meine Augen und verdeutlicht mir, dass sie mich nun „führen“ wolle. Entsetzt füge ich mich erneut meinem Schicksal. Ich werde gefragt, ob ich etwas sehen könne. Meine Antwort lautet „Nein“, aber ich lüge. Ich sehe sehr gut. Die Binde sitzt nicht fest genug und ich schiele verspannt auf den vor mir erscheinenden Boden. Ich traue hier niemanden mehr. Was soll das überhaupt? Wieso verbinden die uns die Augen? Wiedermal durchfluten unzählige Gedanken meinen Geist. Ruhig bleiben und abwarten. Morgen um die Zeit ist alles überstanden, oder auch nicht, wenn sich der Samstagsunterricht für wahr heraus stellen würde, müsste ich morgen wieder diesen unendlich langen Weg auf mich nehmen müssen. Immer positiv denken, auch wenn dieses momentan sehr schwer fällt. Ich setze einen Fuß vor den anderen. Langsam und bedacht. Ist mir egal, ob ich die Letzte bin. Können sie alle schön auf mich warten! Überall sind Stimmen zu hören und mich macht es zornig, dass nun diese Leute für meinen sicheren Gang zuständig sind. Eine Männerstimme redet mit mir, aber ich kann dem Gesprächsstoff nicht folgen. Durch das Loch im gebundenen Schal erhalte ich einen kleinen Ausblick auf die Unebenheiten der Straße. Ich nehme vereinzelt immerhin kleine Lichtblitze wahr. Es gibt mir ein geringes Gefühl der Sicherheit. Die Frage warum wir auf diese Weise zum Oberbürgermeister geführt werden verschwindet so langsam aber sicher. Ich hoffe nur auf eine baldige Erlösung und versuche an andere, schönere Dinge zu denken. Aber da ist nichts mehr. Ich überlege angestrengt beim Laufen nach. Außer diesem unbezwingbaren Ärger fühle ich rein gar nichts mehr. Der Weg führt uns durch den Bahnhof und jetzt stoppen abrupt alle. „Sind wir schon da?“, frage ich ungläubig das neben mir gehende Mädchen. Ich bekomme keine Antwort. Wir werden in ein Gebäude geführt. Ach du lieber Gott! Wie das hier riecht! Ich muss meine Übelkeit hinunter schlucken. Abgestandener, kalter Zigarettenqualm gemischt mit einem Duft von altem Essen. Übergib dich jetzt bloß nicht, diese Blöße gibst du dir jetzt nicht auch noch! Stille. Die Augen sind nach wie vor von der Umwelt abgeschlossen. In meiner bekannt sarkastischen Art versuche ich mit jemanden zu reden, aber ich bekomme nur ein „Pssst“ zu hören. Scheiße, was soll denn jetzt noch kommen? Würden die uns über Scherben laufen, ekelhafte Mixturen trinken oder sadistische Spiele zur „Taufe“ durchführen lassen? Ich male mir die schlimmsten Dinge aus, aber es passiert nichts. Es ist bis auf ein wenig Getuschel rein gar nichts wahrzunehmen. Die unangenehmen Dämpfe dieser Lokalität steigen weiterhin gnadenlos in meinen olfaktorischen Trakt. Es ertönt eine Gitarre. Kurze Zeit später wird etwas hörbar, das an ein Lied erinnert. Ich versuche auf den Inhalt des Textes zu hören und frage mich wieder was das alles soll!? Das darf nicht wahr sein! Die haben uns doch tatsächlich so lange in dieser bekloppten Psychoschule gelassen nur damit sie uns sagen können, dass sie uns die ganzen drei Tage reingelegt haben.Schön und gut , wenn man in dem Wohnheim lebt, aber andere haben vielleicht noch einen langen Weg nach Hause vor sich. Unverantwortlich! Wut nur noch Wut. Das Lied neigt sich dem Ende zu. Ich habe nur die Hälfte verstanden, aber ich brauch auch nichts mehr verstehen. Was für Menschen tun so etwas anderen an?  Wieso  gewährt man einem Neuankömmling keinen schönen Start? Der Schal verdeckt immer noch meine Augen. Er wird mir von dem Mädel mit der blau-glitzernden Schultüte abgenommen und ich erhalte als Entschädigung eine kleine Sektflasche. Die Tränen schießen mir in regelrechten Bächen heraus. Ich will hier nur noch weg, aber jetzt kommen mir vollkommen unbekannte Menschen auf mich zu und umarmen mich. Ich will das nicht, kann mich aber nicht bewegen und lasse es mit mir geschehen. Darunter ist sogar ein Lehrlogopäde, ein gewisser Herr Schmidt. Ich bemerke nur am Rande seine äußere Gestalt. Nicht sonderlich groß, eine dicke Hornbrille und eine in die Höhe ragende Nasenspitze sind wohl seine markantesten Merkmale. Trotz der Auflösung finde ich alles noch viel suspekter als zuvor. Nun soll also eine Party stattfinden, ich fasse es nicht! Die wollen unsere Veräppelung feiern? Die wollen tatsächlich unsere halben Nervenzusammenbrüche mit einem Sektchen begießen? Leben kehrt in meinen Geist zurück. Nach fünf Minuten verlasse ich diese verlogene Veranstaltung, obwohl eine Hand voll Leute versuchen mich aufzuhalten. Mein erster Griff in meine Tasche lässt mein Handy erscheinen. Ich wähle sofort die Nummer meiner besten Freundin. Ich muss jetzt den ganzen Ärger los werden und Tinchen ist hier die richtige Ansprechpartnerin. Ich habe sie damals am ersten Tag in der Uni kennengelernt. Sie ist etwas größer als ich, hat braune schulterlange, glatte Haare und sie trägt eine hübsche Brille auf der Nasenspitze. Ein leichter pfälzischer Akzent  verlässt in unregelmäßigen Abständen ihren Mund. Ich bin ihr besonders verbunden, da wir beide als Einzelkinder groß geworden sind und trotzdem keine dieser Egoschweine geworden sind. Sie findet immer die richtigen Worte und holte mich bislang aus jedem noch so finsteren Loch heraus. Den gesamten Weg bis zu meinem mich in die Heimat bringenden Auto rede ich ununterbrochen auf sie ein und betone immer und immer wieder wie ungeheuerlich durchgeknallt diese Lehranstalt doch sei. Mir kommt in den Sinn, dass ich auch noch für dieses Laienschauspiel Geld bezahlen musste. Da wurde das Schulgeld aber mal wirklich gut investiert. Die Wut wächst und wächst wie ein inoperables Geschwür.
Am Auto angekommen verabschiede ich mich von ihr, bedanke mich für den seelischen Beistand und wähle sogleich die Nummer meiner Mutter. Sie ist bestürzt, versucht mich aber trotz dessen zu beruhigen. Ich wusste zwar, dass es sich um eine riesengroße Verarsche gehandelt hat, aber mein Hirn funktioniert gerade einfach nicht mehr. Es ist wie tot! Mir wird klar, dass ich nun noch nach Hause fahren muss und ich nehme mir vor so achtsam wie nur möglich dieses Vorhaben anzugehen. Meine Gedanken drehen sich, während ich von dem Berg auf die Bundesstraße abbiege, nur um diese absurd durchlebten Tage. Ich fühle wie alles von mir abfällt und ich werde unkonzentriert. Oh nein, was mach ich denn da gerade?! Zum Glück bemerke ich durch einen wildhupenden hinter mir befindlichen Autofa

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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 07.06.2014 21:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Autofahrer noch rechtzeitig meinen Fehler. Durch meine ungenügende Konzentration bin ich fast zum Geisterfahrer geworden. (Wie die das wohl gerechtfertigt hätten, wenn ich mich nach diesem ganzen Stress totgefahren hätte?) Ich beginne extrem zu zittern und bekomme erneut einen heftigen Heulkrampf. Es ist gerade alles zu viel für mich, ich will nur noch Heim und ins Bett. Nichts mehr hören und sehen!

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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 00:22    Titel: Kurze Frage! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich weiß, ich weiß! Der Text ist zu lang! Very Happy
Jetzt zu meiner Frage, würde es was bringen, wenn ich den Text nochmal in 4 Abschnitte online stellen würde? Hat denn irgendwer schon eine Meinung zum Gelesenen?

Grüßchen

Senta
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 02:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Senta,

bei diesem Riesenbaby brauchst du ein wenig Geduld. Very Happy

Kleinere Einheiten sind mit Sicherheit hilfreich.

Eine Frage vorweg. Könnten sich in deinem Text reale Personen oder Institutionen erkennen?

Und noch eine Frage. Bist du bereit, da noch sehr viel Arbeit zu investieren? Und ich meine wirklich viel Arbeit und nicht eine leichte Überarbeitung.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
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Senti1101
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

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Beiträge: 11
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 04:32    Titel: Vielen Dank! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Geniales Wort! Riesenbaby! Laughing
Besser hätte ich es nicht beschreiben können. Wobei das nur der Anfang ist, insgesamt sinds mittlerweile 400 Normseiten. Es beruht schon auf einer wahren Begebenheit, aber ich habe Orte und Personen natürlich geändert.

Oh ja, ich bin für jede Anregung dankbar und würde auf alle Fälle noch viel Arbeit reinstecken, wenn es dem Erfolg dient. Immer her damit, ich kann mit Kritik gut umgehen. Nur so kann man sich  weiterentwickeln, ne! Smile
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Lapidar
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 07:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Senti,

ich hab mal angelesen. smile irgendwie fand ich es schon interessant, aber wie du schon selber bemerkt hast, das ist "elendslang" ich hab dann so gegen der Hälfte des Textes angefangen "Zeilen zu hüpfen", weil mich das Ganze schon interessierte aber irgendwie ging mir das handlungstechnisch dann zu langsam. Ich hab sozusagen nach den Brotkrumen gesucht, die schmackhaft waren, bis ich dann im unteren Drittel erst mal aufgegeben habe.
Fazit: Ich will erfahren, was die jungen Frau in der Schule erlebt, aber wenn möglich etwas prägnanter und für mich verständlicher.
Da ich absolut keinen blassen Schimmer habe, was ein Logopäde tut (die junge Frau damals wohl auch nicht wirklich) und auch nicht so genau was die andre Gruppe die Physios... ist es etwas mühsam, mit den hingeworfenen Hinweisen, die ersteinmal ins Nichts führen und mehr oder weniger auf später vertrösten. SOVIEL Geduld hab ich nicht wirklich..wink


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Stefanie
Dichter und Denker


Beiträge: 1077



BeitragVerfasst am: 08.06.2014 09:03    Titel: Antworten mit Zitat

Die Erkenntnis, dass der Text zu lang ist, ist ja zum Glück schon da. Es wäre am Bildschirm auch leichter lesbar, wenn du mehr Absätze und am Absatzanfang Einzüge machen würdest.

Zum Inhalt:
Ich habe nur den ersten, fett gedruckten Abschnitt gelesen.

Die Hauptfigur wird als unmotivierte Versagerin vorgestellt. Da ist nichts, was sie sympathisch erscheinen lässt. Oder soll das aufs Mitleid des Lesers wirken? Funktioniert bei mir zumindest nicht. Warum sollte ich mehr über eine so trübe Tasse erfahren wollen?

Dann kommt ein unerklärlicher Sprung. Logopädie!! Es wird weder erklärt, was das ist, noch wieso eine Beinahe-Biologin auf einmal zu der Erkenntnis kommt, dass sie immer schon mit Kindern arbeiten wollte.
Aber wenigstens hat sie endlich ein Ziel, es beginnt, interessant zu werden.
Man kann mitfühlen, wie sie sich für die Schule in malerischer Umgebung begeistert.
Der Satz "Nur leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt ..." sagt mir, dass die Probleme auch nicht weit sind. Allerdings ist er mir zu plakativ, die Andeutung sollte subtiler erfolgen, um Spannung zu erzeugen.

Was die Erwähnung  der Marilyn Manson Biografie soll, weiß ich nicht. Soll gezeigt werden, dass sie aufrichtig, aber naiv ist, weil sie etwas so unpassendes angibt oder soll es ihren Charakter nur vielschichtiger machen?

Am Ende ist ein Widerspruch, erst heißt es, sie studiert die Infos in allen Details, im nächsten Satz tat sie es nicht ausführlich genug. Was denn nun? Soll das vermitteln, dass ihr Selbstbild von der Realität abweicht?
Die Figur wird dadurch widersprüchlich und für den Leser nicht greifbar.
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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 11:43    Titel: Herzlichen Dank! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich freu mich über das mir entgegengebrachte Feedback! Very Happy Ist mir auch schon vollkommen klar gewesen, dass es Diskrepanzen gibt, aber welche bekommt man im Frischling in diesem Bereich ja nicht so wirklich mit.

Das der Anfang so nach trüber Tasse klingt... Nun gut, es sind die Emotionen, die dieser Frau zu Beginn durch den Schädel geschossen sind und dies wolllte ich dann auch so anschaulich wie möglich darstellen. Das Leben ist halt manchmal blöd, aber es gibt einen Weg auch aus diesem Loch. Very Happy
Die Fachrichtung werde ich in ein bis zwei Sätzen noch erklären und einbauen, super Hinweis!

Subtiler, aber wie? Muss ich mir mal Gedanken machen.

Nochmal Danke, hilft mir sehr weiter! Überarbeitete Versionen stelle ich dann in kleineren Abschnitten zur Verfügung, versprochen! Trotzdem toll, dass es einige geschafft und ein paar Zeilen gelesen haben!

Schönen Sonntag noch!
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Senta,

ja, die Leseprobe übersteigt mit fast 10.000 Wörtern das empfohlene Maximum um das 5-fache.
Allerdings finde ich das nicht so schlimm, weil detailierte Textarbeit mir sowieso nicht das Gebot der Stunde zu sein scheint.

Ich denke, du hast das erstmal nur für dich geschrieben und dich noch nicht mit der Lesererwartung auseinandergesetzt. Wenn du damit ernst machst, kann das bedeuten: Noch mal ganz von vorne anfangen.

Es handelt sich offensichtlich um eine Autobiographie. Ich nehme an, du bist kein Promi, auch keine andere Person von öffentlichen Interesse. Da solltest du dich fragen, warum sich ein Leser so für dein Leben interessieren sollte, dass er dafür Kohle rausrückt. Oder auch nur seine Freizeit dafür opfert.

Bei einem Nobody muss da schon der Klappentext und der Beginn der Geschichte dem Leser klarmachen: Ich habe etwas Außergewöhnliches erlebt und möchte darüber aufklären - und wenn du davon nicht erfährst, entgeht dir etwas!
Was aber vermittelt mir der Anfang deines Buches? Eine völlig alltägliche Situation: Studium abgebrochen, nun orientierungslos. Tragisch für die Schreiberin, wenn sie es gerade erlebt. Völlig belanglos für den Leser, der es gerade nicht erlebt.

Dazu kommt, dass du überhaupt nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen unterscheidest. Mir wird zwar irgendwann rübergebracht, dass in dieser Schule etwas Unerhörtes vor sich geht. Aber bevor ich davon überhaupt etwas gezeigt bekomme, muss ich mich durch einen Haufen irrelevanter Infos quälen.

Wichtig wäre auch die Reihenfolge der Informationen. Diese junge Frau besteht den Eingnungstest an einer Schule - da denke ich, sie ist wegen ihrer besonderen Eignung aufgenommen worden. Dass es sich um eine Privatschule handelt und sie monatlich 700 Euro dafür berappt (wo das Geld herkommt, steht nicht drin, wahrscheinlich von der Mutti?) - das erfahre ich viel zu spät und muss nun das Verhalten der Prota neu bewerten. Sie ist offensichtlich nicht an der Schule, weil sie ernsthaft etwas lernen möchte (kommt auch gleich erst mal zehn Minuten zu spät zur ersten Stunde), sondern weil sie (bzw. Mutti) dafür bezahlt und nun erwartet, etwas geboten zu bekommen.

Damit wäre ich beim nächsten Punkt: Deine Prota ist (mir jedenfalls) in ihrem Denken und Handeln nicht nachvollziehbar und auch einigermaßen unsympathisch. Ich verstehe nicht, warum jemand, der schon immer mit Kindern arbeiten wollte, Biologie studiert und nicht etwa Soziale Arbeit. Oder warum so eine überhaupt studiert, statt eine Ausbildung zur Erzieherin oder Kinderkrankenschwester zu absolvieren. Fragen, auf die es bestimmt eine Antwort gibt, die mir der Text aber vorenthält.
Und eine Person, die eine Schule gleich am ersten Tag dauernd mit einer Sekte vergleicht (weil ihr ein paar Rituale nicht passen), die ihre Mitschüler als Zombies betrachtet und nur darauf wartet, ihr "wahres Gesicht" zu zeigen - warum sollte der Leser mit einer solchen Figur sympathisieren?

Auf dem Roten Teppich hast du geschrieben, das Manuskript sei zweieinhalb Jahre alt. Bestimmt hast du mittlerweile eine kritische Distanz zu dem, was du damals spontan und vielleicht aus einer Wut heraus, geschrieben hast. Das sollte in die Überarbeitung einfließen, willst du nicht einfach ein fadenscheiniges Wohlfühlbuch für frustrierte, aber selbstgefällige Studienabbrecher schreiben.

LG


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Rainer Zufall
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Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 08.06.2014 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Nachträgliches Edit:
Ui, aus nebenfluss Post erfahr ich gerad, das der Text zweieinhalb Jahre alt ist. Ich hab ja schon innerhalb meiner Antwort geschrieben, dass mir jegliche Überarbeitungsschritte  fehlen, damals schon. Nach zweieinhalb Jahren Liegenlassen einen Text einzustellen, der nicht viel, viel stärker überarbeitet ist, halt ich für kurzsichtig gedacht. In den zwei Jahren ändert sich doch viel, nicht nur, was die Wahrnehmung von Zeitfehlern betrifft, die sind ehrlich gesagt das geringste Problem.


Hallo Senti,

ganz ehrlich, auf die Gefahr hin dich zu verletzen, das ist echt noch nicht gut. Mich stört weniger die Länge überhaupt als die Langatmigkeit des Erzählten. Da würde es auch nichts nützen, wenn du den Text anders aufteilst.

Ein bisschen nach dem fetten Absatz habe auch ich aufgehört zu lesen.

Ich will das mal zusammenfassend sagen, woran es aus meiner Sicht hängt.
1. Du berichtest nur, du zeigst nicht. Und du trennst nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem. Dein erster Absatz, der soll doch deine Leser mit dieser jungen Frau vertraut machen, ich soll sie sehen vor mir, mich mit ihr identifizieren. Aber du schreibst da eine Art Zusammenfassung ihres vorherigen Lebens mit großer Genauigkeit und Ausführlichkeit. Diesen Absatz könntest/soltest du auf höchstens die Häfte (das ist nur eine Schätzung) einstampfen. Weil sie so ausführlich zusammengefasst wird, aber eben von außen, bleibt sie fremd, sie kam mir jetzt zwar nicht direkt unsympathisch vor wie Stefanie, aber sie bleibt eben fremd. Ich hab mir sogar ernsthaft überlegt, ob du den ganzen Abschnitt nicht rausschmeißt, er ist nichts als Rückblende Rückblende Rückblende. Und ich finde es problematisch, sofort, ohne dass man dem Leser die Protagonistin nahe gebracht hat, überhaupt mit einer Rückblende anzufangen. Und dann auch noch mit so einer ausführlichen und ausufernden.
Diesen Abschnitt würde ich sehr genau überprüfen, mich bei jeder Info fragen, ob es die wirklich wirklich braucht.

2. Du wiederholst dich sehr stark und neigst zu überbordenden und überausführlichen Beschreibungen mit vielen und häufig redundanten Adjektiven. Das muss alles raus, weil es deine Erzählung sehr aufbläht.
Du solltest stilistisch gesehen deinen Text, wenn du ihn überarbeitest, was dringend nötig ist, nach Füllwörtern absuchen, nach Asjektiven und nach Wiederholungen. Wenn man da ein Auge draufhat, hat man für seinen Text schon viel getan.
Ich mach das mal ganz grob in dem Abschnitt hinter dem Fetten. Das Fette könnte man aus meiner Sicht völlig rausschmeißen. Man muss nicht, um in das Leben einer Frau einzusteigen, alles, was vorher geschah, exakt auflisten, man kann auch zwischendrin Rückblenden oder kurze Bemerkungen einbauen. Im Vordergrund soll ja das Leben der jungen Frau an der Schule stehen. Und nicht ihr altes Leben. Aber das musst du für dich entscheiden.

Ich streife mal durch diese Zeilen ganz grob nur, aber vielleicht machen dir die Beispiele doch ein bisschen anschaulicher, was ich meine.


Zitat:
Der Wecker klingelt um 7 Uhr. Seit langer Zeit heißt es heute wieder früh aus den Federn hüpfen und ab unter die Dusche. ...
Das Wasser prasselt auf meinen Kopf. Ich bin heute extra früh aus den Federn gekrochen KOMMA damit ich unter allen Umständen pünktlich zur großen Begrüßungsfeier auf dem kleinen Berg erscheine.

Wiederholungen: wieder früh, bin heute extra früh. Das weiß man schon aus dem ersten Satz, dass sie ganz früh aufstehen will.
Wenn du den ersten Absatz streichen würdest, müsstest du natürlich einfügen, wovon das die Begrüßungsfeier ist.
Und dann: Adjektive: große Begrüßungsfeier /kleiner Berg. Braucht es das alles wirklich? Brauchst du den Berg für deine Handlung? Wenn ja, dann speise iihn nicht mit einem nichtssagenden Wort wie kleinen ab. ich denbke aber, den Berg brauchts nicht, dann überleg, das wegzulassen.
Das sind alles Überarbeitungsschritte, die man nach dem Shreiben macht. Und die sind mindestens genauso wichtig wie die Urversion.  

Zitat:
Es herrscht eine strenge Garderobenvorschrift an der Schule, welches mich an einen strikten und erfolgsorientierten Führungsstil dieser Einrichtung glauben lässt.

Iiiks, in welchen Worten denkt die denn. Das ist eine junge Frau und du lässt sie wie einen Krawattenotto reden. Erfolgsorientiert kann/soll sie ja sein, aber so denkt man das doch nicht unter der Dusche am frühen Morgen.

Zitat:
In einem Begrüßungsschreiben stand: „In diesem Schuljahr wird eine Kleiderordnung an der Schule eingeführt, um den Patienten ein einheitliches Gesamtbild unserer Einrichtung vermitteln zu können. Bitte erscheinen Sie in einer schwarzen Hose und in einer weißen Bluse/ einem weißen Hemd.“

Ich weiß dch schon, dass es eine Garderobenvorschrift gibt. Einen Absatz drüber erzählst du davon. Das sind die Dinge, bei denen man kürzen und streichen und auf das reduzieren muss, was einem wichtig ist.

Zitat:
Ich habe mir extra drei schwarze Hosen und ein dutzend weiße Blusen besorgt. Es soll am heutigen Tag und in den kommenden alles stimmen. Nichts, absolut gar nichts darf meinen ersten Eindruck im negativen Sinne verfälschen.

Ich bin sofort darüber gestolpert, dass die 12 weiße Blusen da liegen hat. (Übrigens: ein Dutzend) Woher hat die das Geld dafür. Das war eine abgebrochene Studentin, finde ich widersprücjlich. Und warum probiert die, wenn sie so übergenau alles plant, die Klamotten nicht vorher an? Hat die die Kohle von der Mutter gekriegt? Also du löst bei mir zumindest hier Gedanken aus, wolltest du die? Du kriegst den Eindruck großer Vorbereitung von Seiten des Mädchens, wenn sie die Klamotten schon ewig hindrapiert und vorm Spiegel ausprobiert hat, was weiß ich.
Der letzte Satz ist missverständlich formuliert. Er benennt nämlich nicht, wessen erster Eindruck es ist. Das würde ich deutlicher machen:
Ganz grob nur: Ich muss einen guten Eindruck machen. Da ist die Sache klar. Sie ist in der Pflicht.

Zitat:
Ich stehe vor dem großen ovalen Spiegel, der in die Tür meines hölzernen Kleiderschrank verankert ist, mitten in meinem Schlafzimmer.

Okay, warum muss man so genau beschreiben, wie der ovale Spiegel angebracht ist? Brauchst du das denn wirklich?

Zitat:
Mein Herz schlägt mir währenddessen bis zum Hals. Ich spüre einen Hauch von Ängstlichkeit in mir aufsteigen und frage mich etwas besorgt, ob ein paar der Leute vom Eignungstest auch genommen worden seien.

Das widerspricht sich. Wenn das Herz schlägt bis zum Hals, ohne dass man sich körperlich anstrengt, das ist schon eine sehr hohe Aufregung und Angst. Im nächsten Satz schreibst du, sie spürt einen Hauch von Ängstlichkeit in sich aufsteigen. Das ist so, wie wenn du schreiben würdest, sie verdaut die Currywurst, bevor sie sie isst. Also wenn ich sowas lese, frage ich mich ernsthaft, warum man das beim Überarbeiten nicht bemerkt. Also mir hilft da auch viel, anderen Leuten laut vorzulesen oder auch nur mir selbst und ich mache wriklich viele Überarbeitungsschritte. Natürlich gibt es irgendwann auch Betriebsblindheit, aber in deinem Fall denke ich einfach, dass du einfach noch nicht weißt, wieviele Überarbeitungsschritte es braucht, bevor man etwas zum Lesen für andere postet.
Noch ein Hinweis zu diesem Abschnitt, warum löst das in ihr solche Grfühle aus, wenn sie an die Leute von dem Eingangtest denkt? Leider folgt an der Stelle nichts. Da hätte ich einen Tipp gegeben, aber auch nur wenn es das für die Erzählung oder für die Charakterisierung der Protagonistin braucht. Sonst lass dir was anderes einfallen, woran sie debkt.

Zitat:
Würden mir meine neuen Kurskollegen auch sympathisch sein? Was wäre wenn ich die Willkommensfeier nicht finden würde? Tausende von Fragen, Befürchtungen und Hoffnungen durchfluten meine glühenden Synapsen.

Himmel! glühende Synapsen. Sorry, das ist für die Situation so überhöht und überdramatisch. Es passt aus meiner Sicht überhaupt nicht nicht zu der Frau und auch nicht zu ihrem persönlichen Sprach- und Gedankenstil.
Das ist leider unfreiwillig komisch: glühende Synapsen.
Du kriegst in ihren Gefühlen auch keine Steigerung hin. Sie ist eigentlich sofort auf hundertachtzig, da klopft ihr nämlich das Herz bis zum Hals, dann gibt es einen Hauch von Ängstlichkeit, dann glühen die Synapsen. Also das ist auf und ab, aber keine Steigerung.

Zitat:
Ich trinke noch schnell eine Tasse mit starkem schwarzen Kaffee und mache mich auf den Weg zum Nürnberger Hauptbahnhof, der sich optimale 10 Minuten Fußweg von meiner Wohnung befindet. Als ich nach 60 Minuten Zugfahrt mit gefühlten 1000 pubertierenden Schulkindern den Bahnsteig in Neustadt erreiche, bemerke ich, dass meine innere Anspannung bis auf ein Maximum zu wachsen scheint.

-der sich ... von meiner Wohnung befindet: Wer braucht diese Info an der Stelle? Keiner.
-mit gefühlten 1000 pubertierenden Schulkindern: 1. das müsste eigentlich gefühlt 1000 ... heißen. Du fühlst ja nicht die Schulkinder, sondern die Zahl fühlt sich höher an. Und dann: Das ist so ein grässliches Neudeutsch, das auch nichts von der Situation zeigt. Es ist eine Behauptung, dass es halt sehr eng und laut ist, mit dieser flapsigen Neudeutschart ausgedrückt, aber für deine Geschichte und deine Frau  wäre es besser, du würdest mal zeigen, wie die Kaugummiblasenden Schulmoster sie nerven und wie sie ihre weiße Bluse schützen muss. Oder du bleibst sachlicher und schreibst einfach nur, dass viele Schulkinder drin sind. Und es heiß und stickig und fruchtbar laut ist.
-Und dann wächst ihre Anspannung auf ein Maximum. Hier zum einen noch mal die Frage, wo die Anspannung denn vorher war mit dem heftigen Herzklopfen oder den glühenden Synapsen. Du beschreibst nicht ein langsames Anwachsen ihrer Anspannung bis zu dem Punkt, dass der Grad ihrer Aufregung sie selbst beunruhigt, sondern springst hin und her bzw. bleibst länger auf ein und derselben Stufe, behauptst die Steigerung nur. Und: Warum zeigst du hier nicht die körperliche Auswirkung, wenn man so hochaufgeregt ist, dann klopft das Herz, dann bricht einem der Schweiß aus, dann wird einem schlecht, muss aufs Klo. Da gibt es so viel.
Und aufpassen auf diese Kontruktionen: auf ein Maximum zu wachsen scheint. Dass etwas scheint, das ist eine sehr typische umgangssprachliche Formulierung, mit der man relativiert. Man will nicht sagen, dass etwas wirklich so ist, wie es ist, man sagt, es scheint so und drückt sich ein bisschen, kann zurückrudern, wenn ein anderer sagt, ich seh das aber anders.
Autoren sollten aber nicht ständig relativieren, das ist nicht ihr Job, sie sollen sagen was ist und auf die Zwölf hauen. Also warum nicht: die Anspannung wächst ... das ist viel klarer und deutlicher als die Anspannung scheint zu wachsen.  
Aber nicht vergessen, du müsstest scheuen, dass du die Steigerung ihrer Aufregung logischer und körperlich sinnlich nachvollziehbarer machst.

Zitat:
Dieses Gefühl ist mir wahrlich unbekannt.

Sorry, dass ich das so direkt age, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass du einfach Wörter verwendet hast, weil sie gut klingen oder wiel man sie sonst nicht mehr unbedingt benutzt, aber frag dich, würde denn die Protagonistein auch "wahrlich" sagen oder denken?

Zitat:
Sonst bringt mich so leicht nichts aus der Ruhe und ich gehe alles sehr gelassen an, aber aus irgendeinem Grund meldet sich mein Unterbewusstsein und lässt ein strahlend rotes Warnblinklicht in meinem Schädel aufleuchten.

Naja, so hast du sie eigentlich vorher nicht beschreiben, dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.  

Zitat:
Ich beruhige mich wieder mit allgemeinen, seit Kindheitstagen antrainierten Floskeln:„Wird schon alles gut werden! Heute passiert garantiert noch nicht so viel! Wirst sehen, das wird ein echt toller Tag werden an dem du viele nette, neue Leute kennenlernen wirst!“

Finde ich ja gut, dass sie hier mal ein bisschen denkt bzw mit sich selbst spricht, diese innere Rede oder innerren Monologe, das ist etwas, das hat das Buch dem Film voraus. Also warum nicht es benutzen.
Aber bitte nicht wieder verdoppeln, indem du sie die Floskeln denken lässt und vorher schreibst, dass es seit Kindertagen antrainierte Floskeln sind.

Zitat:
Schon baut sich die steile KOMMA  ehrfurchteinflößende Treppe zum Schloss Fürstenburg - hier wurde die Schule vor guten 100 Jahren gegründet - eindrucksvoll vor mir auf.

Die ehrfuchteinflößende Treppe baut sich eindrucksvoll vor mir auf. Merkst du selbst. Oder?

Zitat:
Nur noch wenige Stufen (na ja, wenig ist was anderes) trennen mich von meiner neu gewählten Zukunft. Zweifel sind nun eindeutig fehl am Platze und ich betrete das Schulgelände mit einer Selbstsicherheit, die ich so das letzte Mal am ersten Tag in der Universität an mir bemerkt habe.

Was soll der Einschub in der Klammer? Der ist hier so kurz. Vorher baust du nur auf, dass die Schule für sie total wichtig ist, jetzt relativierst du das durch diesen knappen Einschub? Klar, man kann ja widerstreitende Dinge im Kopf haben, aber das kann man nicht so knapp lösen.
Und der letzte Satz: mit einer Selbstsicherheit .... , naja, die hat sie doch gerade nicht, dann musst du das schon deultich machen.

So und jetzt hab ich keine Zeit mehr.
Tschüs und liebe Grüße und nicht durcheinanderbringen lassen von meiner Kritik, sie ist nicht als Verriss gedaacht, sondern als Hilfe. Dann hast du wenigstens ein paar Punkte, an denen du ansetzen kannst.
Zufall
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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 12:26    Titel: Nochmal Danke! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für das sehr ausführliche Feedback! Ist mir echt wichtig! Nochmal ganz von vorne beginnen?! Wow, so schlimm also... Na gut, dass heißt dann arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Scheint ja ne Lebensaufgabe zu werden! *g*

Die ersten Tage sind eine Veräppelungsaktion und aus diesem Grund wirkt alles sektenmäßig, das ändert sich bereits im zweiten Kapitel.

Gute Anmerkung mit der Studienwahl und der spontane Umschwung auf einen sozialen Berufszweig. Wird eingebaut.

@Rainer Zufall: WOW, DANKE!!! Deswegen hab ich den Text ja online gestellt, damit ich ehrliche Kritik bekomme.  Heißt also kürzen. Das wird mir sehr helfen! Ja und wenn es ein Zerriss ist, dann ists auch OK. Ein "toll gemacht" lässt einen nicht wachsen, ne!

Liebe Grüße an euch zurück und genießt den Sonntag!
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Stefanie
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 12:39    Titel: Re: Herzlichen Dank! Antworten mit Zitat

Senti1101 hat Folgendes geschrieben:
Das der Anfang so nach trüber Tasse klingt... Nun gut, es sind die Emotionen, die dieser Frau zu Beginn durch den Schädel geschossen sind und dies wolllte ich dann auch so anschaulich wie möglich darstellen. Das Leben ist halt manchmal blöd, aber es gibt einen Weg auch aus diesem Loch.

Willst du einen Bericht/eine Autobiografie schreiben oder einen Roman, der auf Tatsachen beruht? Bei letzterem ist ein wenig künstlerische Freiheit nämlich durchaus gestattet. Wink

Versuche, Informationen möglichst in der Handlung zu vermitteln. Angenommen, die Protagonistin bekommt einen Brief, den sie voller Hoffnung aufreisst (wenn sie noch Bewerbungen schreibt, hat sie ja nicht alle Hoffnung aufgegeben), um dann lesen zu müssen, dass es doch nur wieder eine Absage ist. Enttäuscht heftet sie den Brief in einen Ordner zu den anderen Absagen, die sich seit einem Jahr dort sammeln und stellt den Ordner wieder ins Regal neben den, in dem die Unterlagen des abgebrochenen Biologiestudiums sind.

Jetzt kann man mitfühlen und hat alle wichtigen Informationen bekommen.

Die Mutter ruft an und schlägt den Beruf des Logopäden vor. Während sie sich informiert, was das eigentlich ist, stellt sie fest, dass ihr das gefallen würde; je mehr sie darüber erfährt, desto mehr begeistert sie sich dafür.

So wird wieder Information in der Handlung gegeben und man fühlt mit.
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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 12:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Stefanie,

deine letzte Anmerkung hab ich gerade in diesem Moment so in den Text eingebaut, ohne es vorher von dir gelesen zu haben! War wohl Gedankenübertragung! Very Happy  

Nein, ist kein Roman.

Bin jetzt am Überlegen, ob ich den Rückblick rauswerfen, oder zum besseren Verständnis doch drinlassen soll. Ich persönlich finde es wichtig, aber ich werds nochmal sehr selbstkritisch begutachten.

Also mehr Beschreibungen, die mitfühlend beim Leser ankommen. Gut.
Ich glaub ich muss mir langsam nen Zettel schreiben! Very Happy

Toll, dass ihr euch alle solche Mühe gebt und nicht einfach nur schreibt, dass es doof ist!
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Stefanie
Dichter und Denker


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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 13:04    Titel: Antworten mit Zitat

Senti1101 hat Folgendes geschrieben:
Bin jetzt am Überlegen, ob ich den Rückblick rauswerfen, oder zum besseren Verständnis doch drinlassen soll. Ich persönlich finde es wichtig, aber ich werds nochmal sehr selbstkritisch begutachten.


Dann stell es doch einfach um! Fang mit dem Gespräch mit der Mutter an, dann ihre wachsende Begeisterung und Hoffung, die du damit untermauerst, dass du beschreibst, wie es ihr vorher ging. Dann hast du keine Informationen verloren, aber ziehst den Leser gleich in die Handlung rein.
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 13:32    Titel: Antworten mit Zitat

Senti1101 hat Folgendes geschrieben:
Also mehr Beschreibungen, die mitfühlend beim Leser ankommen.


Hallo Selma,

eben keine Beschreibungen. Auch wenn es kein Roman ist, sollte es doch unterhaltsam zu lesen sein. Beschreibe nicht die Ereignisse, sondern erzähle sie.

Zitat:
In diesem Augenblick dreht sich eine Frau, welche unmittelbar vor meinen Füßen sitzt, zu mir herum und schaut mich mit einem breiten verständnisvollen Grinsen an. In diesem Moment vergesse ich für einen kurzen Augenblick die Welt, die mich momentan umgibt. Es fühlt sich komisch an irgendwie ganz leicht und warm. „Hat die Erde gerade kurz stillgestanden?“ Der Gedanke „Wow, die Frau ist der absolute Hammer“, schießt sogleich durch meinen Kopf. „Sie muss auch eine neue Schülerin sein, aber warum habe ich sie bei der Vorstellungsrunde nicht bemerkt? Egal, du musst sie unbedingt kennenlernen.“ Dieses BOOM-Gefühl durchflutet meinen gesamten Körper. Ich bekomme Gänsehaut und merke gleichzeitig eine wohlige Wärme in mir aufsteigen. Es weiß natürlich noch Niemand von meiner Leidenschaft für Frauen und ich will mich auch zunächst zurückhalten, weil man ja nie erahnen kann, wie dieses aufgenommen wird. Wem sollte ich davon denn auch schon erzählt haben, nach einer Stunde in diesem neuen Areal. Die restliche Zeit der Veranstaltung hänge ich mit meinen Blicken auf dieser einen Frau fest, die es vermag so extreme Gefühle in mir auszulösen. Ich überlege angestrengt hin und her, wie ich sie eventuell ansprechen und ob sie vielleicht auch das weibliche Geschlecht bevorzugen könnte. Da ich jetzt eine Beschäftigung für meinen gelangweilten Kopf gefunden habe, bemerke ich die nun sehr schnell vergehende Zeit gar nicht mehr. Zum Schluss wird mit einem eigenen Schullied (Sektenmerkmal?!) die Festlichkeit beendet.


Hier ein Beispiel, was ich meine. Versteckt in allerlei uninteressanten Begebenheiten eine (vermutlich) zentrale Stelle.

Ich habe einmal versucht, ein wenig zu lüften und doch nah an deinem Text zu bleiben. Nach meiner Meinung, müsstest du so Passage um Passage bearbeiten., wobei mein Vorschlag natürlich nur ein Beispiel sein soll und keine ultimative Änderung.

Beispiel:
In diesem Augenblick dreht sich die Frau, die unmittelbar vor meinen Füßen sitzt, zu mir um und schaut mich mit einem breiten Grinsen an. Ich vergesse für einen kurzen Moment die Welt, die mich gerade umgibt. Es fühlt sich komisch an, irgendwie ganz leicht und warm.
„Hat die Erde eben kurz stillgestanden?“ „Wow, die Frau ist der absolute Hammer“, schießt sogleich durch meinen Kopf.
Dieses BOOM-Gefühl durchflutet meinen gesamten Körper. Ich bekomme Gänsehaut und merke gleichzeitig eine wohlige Wärme in mir aufsteigen. Ich kann meine Blicke nicht von dieser Frau lösen. Die Zeit fliegt dahin.

Lauter Gesang reißt mich aus meinen Überlegungen, wie ich sie ansprechen kann. Das Fest endet mit einem eigenen Schullied.

EDITH wundert sich:
Obwohl ich ein Mann bin, habe ich bereits gestern den ganzen Text gelesen. Ich denke da ist Potential. Nur leider nicht so, wie er im Moment daherkommt.


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Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 14:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Na ja, es steckt irgendwo Potential in der Geschichte. Ist doch schonmal was! Very Happy Klar, ich bin keine gelernte Schriftstellerin und es ist der erste Versuch (Wer ist da schon perfekt? Nichtmal Stephen King!). Ich bin der Meinung, man sollte in seinem Leben mal ein Buch geschrieben haben. Genau wie einen Baum pflanzen, usw.  Das mit dem Verlag ist ja auch nur so eine Idee gewesen, weil bisher nichts gravierend Negatives von den Testlesern kam. Gut, die wollten mich sicher schonen, obwohl ich auf Ehrlichkeit plädiert habe! Hier erhalte ich zum ersten Mal konstruktive Veränderungsvorschläge und dafür bin ich wahnsinnig dankbar. Smile  

@Stefanie: Super Idee mit dem Telefonat anzufangen! Was würde ich nur ohne euch machen!

Auch wenn es professionell nicht klappen sollte, dieser Wunschtraum ist schon sehr verblasst, werde ich es mit vollem Elan überarbeiten, sodass ich mir sagen kann: "Ich hab das rausgeholt, was rauszuholen ging!" Very Happy
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Senti1101 hat Folgendes geschrieben:
"Ich hab das rausgeholt, was rauszuholen ging!" Very Happy


Kleiner Tipp

Unsere Machwerke in der Luft zu zerreißen, wie wir es mit deinem Text getan haben, tut nicht nur gut Twisted Evil, es schult auch sehr für die Arbeit am eigenen Text. Smile
Und es hilft, unsere unqualifizierten Kommentare besser einzuordnen.

Außerdem ist es nur fair und fair ist Cool


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Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 14:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kam das jetzt so rüber, dass ich eure Kommentare zerreißen würde? Nie im Leben!!  Ich will mich verbessern, sonst würde ich nicht hier sein und mich den Profimeinungen aussetzen! Very Happy
Ihr seid echt alle so spitze! Nehmt euch die Zeit differenziert auf den Text zu blicken und lange Kritiken zu schreiben!

Zerpflückt die Geschichte, den Schreibstil oder was auch immer! Eine Entwicklung in eine positivere Richtung ist nur so möglich! Das wichtigste für mich ist der Spaß an der Angelegenheit. Geld verdienen muss ich zum Glück nicht damit! Very Happy Also lass ich mir die Zeit die ich brauche.
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 15:03    Titel: Antworten mit Zitat

Senti1101 hat Folgendes geschrieben:
Kam das jetzt so rüber, dass ich eure Kommentare zerreißen würde? Nie im Leben!


Ne, nicht unsere Kommentare zerreißen. Andere Texte kommentieren, das meinte ich.


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Senti1101
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BeitragVerfasst am: 08.06.2014 15:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Achso! Ok, stand ich gerade aufm Schlauch! *g* Laughing Ja, es ist sehr inspirierend, die anderen Werke zu studieren. Bevor ich mir aber eine Kritik zu traue, lese ich vorerst lieber noch ein wenig hier in den einen oder anderen Beiträgen.
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saher
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BeitragVerfasst am: 11.06.2014 13:39    Titel: Schmeiss den Anfang bitte nicht raus... Antworten mit Zitat

...ich meine: Schmeiss ihn raus, aber nicht inhaltlich! Finde ich jedenfalls.

Statt einer langen Beschreibung in Form deiner Dauerrückblende könntest du hier und da einen Flashback integrieren.
 Zum Bleistift:
Endlich, nach so langer Zeit des Suchens, wusste ich, was aus mir werden sollte: Eine Logopädin. Da mir meine bisherige persönliche Entwicklung nicht immer die Möglichkeiten gelassen hatte, die ich brauchte, war dies nun die Chance, mich selbst zu verwirklichen. Ich war wieder im Spiel, mit mir konnte man rechnen. Tod dem Selbstmitleid, hier komme ich!

Oder so ähnlich.
Zum Rest. Ich bin kein besonders geduldiger Leser...kurz. Ich hab es nicht geschafft! Hier und da ein paar Sätze, aber es war halb verstörend (was sucht Manson da?), halb schizo.
Ich weiss, dass du das nicht bist, aber es kommt in dem Kapitel echt so rüber. Da ist das scheue, verschreckte Rehlein (ängstlich bis zur Unglaubwürdigkeit) und dann plötzlich ist es ein ziemlich egozentrisches Lottermädel...keks dich bitte aus. Entscheide dich für eine Version! Ich weiss, dass man sich selbst immer anders wahrnimmt, als man tatsächlich rüberkommt: Um es dir einfacher zu machen, nimm einfach die Version, die du sein WILLST, dann passt es. Dann kannst du dich nämlich am Besten mit Anett identifizieren und änderst den Charakter nicht mehr alle sätzelang.  

Die Idee zu der Geschichte finde ich schön. Es hat was von einer Mutmach-Lach-und-Sachgeschichte. Da ist die ein oder andere fiktive Beigabe durchaus erlaubt wink
Ansonsten kann ich mich meinen Vorpostern nur anschliessen: Kürzen und Überarbeiten!
Da dies dein Erstling ist, lass dir gesagt sein: Das geht jedem so! Am Anfang sprudelt es nur so aus dem Kopf, da ist was Tolles dabei, aber da kommt auch ziemlich viel Unsinn mit. Daher hat die Urversion es wohl noch von keinem Schriftsteller und mag er noch so erfahren sein, in den lesbaren Zustand geschafft. Das ist wie beim Kochen: Du hast eine Idee, du kochst, du probierst...da fehlt was - und musste da wirklich Paprika dran...bis zum Sternekoch ist es da noch ein weiter Weg.
Manchmal hilft es wirklich, sich das eigene Werk mal vom anderen Ende der Kette aus reinzuziehen: Wenn ich ein Verleger wäre, würde es mich 20000€ kosten, dein Buch zu verlegen. Auch in kleiner Auflage.
=> IST MEINE GESCHICHTE DAS WIRKLICH WERT? Eine Frage von entscheidender Bedeutung.
Klar ist dir deine Story unbezahlbar...nur: Wie würde das der Verleger sehen?
Also: Das bleibt deine Autobiografie, auch wenn du hier und da was dazuflunkerst oder weglässt. Mach dein Leben ruhig noch interessanter, lustiger...Warum nicht, dient doch dem guten Zweck. Promis haben das bei ihren Autobios nicht nötig, die haben ja schon ihre Fans, die auch das langweiligste Geschichtchen noch kaufen würden, wenn bloss der Prominame draufsteht. Du musst dich eben interessant machen (und das ist nichts Negatives!!!).

Ich glaube übrigens, dass ich verstanden habe, woher der "schwankende" Charakter kommt: Du versuchst deine Charakterentwicklung mit einzubauen! Glückwunsch, das ist sehr löblich, manche Bücher versuchen völlig ohne auszukommen und da komm ich für gewöhnlich nicht mal über die Hälfte der Seiten...
Versuch es mit einem Notizblatt "Charakterentwicklung" und schreibe in den Kapiteletappen, die dir vorschweben, Adjektive für Anett auf. Kapitel 1 Teil 1: Unsicher, ängstlich, verkrampft aber neugierg. In Kapitel 1 Teil 2 ist sie dann nicht mehr nur neugierig - ihr Ehrgeiz ist erwacht, sie will es wirklich wissen!
Durch diese Entwicklung kann sie dann nach und nach die anfängliche Ängstlichkeit etc. abschütteln. So kommt es zu einer glaubhaften Entwicklung, bei der am Ende: Taaataaaaa, Anett, der schöne Schmetterling heraus kommt... ahso, die selbstsichere, kompetente... Logopädin
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bookerialand
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BeitragVerfasst am: 11.06.2014 14:26    Titel: Re: Leseprobe ~ Die Logopädin... Antworten mit Zitat

Hallo Senta,

ich war so frei etwas in einem Teil Deines Textes herum zu korrigieren... ich fand das einfacher und hoffe, dass Dir so leichter klar wird, wie es gehen könnte. Ich hoffe das ist in Ordnung für Dich.

Dein Text ist tatsächlich sehr weitschweifig. Aber gut, dass Du nicht alles mit der Maschine neu tippen musst Smile.
Hier mein Vorschlag (natürlich meinem Stil angepasst):  


Das Wasser prasselt auf meinen Kopf. Ich kann kaum meine Augen aufhalten. So frühes Aufstehen bin ich einfach nicht mehr gewöhnt. Aber heute muss alles perfekt sein und ich pünktlich.
Auf der heutigen Begrüßungsfeier will ich den besten Eindruck hinterlassen.
Die schwarze Stoffhose und die weiße Bluse sind mir fremd. Ich werde mich wohl an sie gewöhnen müssen. Schließlich ist das die Kleiderordnung an der Schule (welche / Name) und ich habe sie ja wegen dem erfolgsorientierten Führungsstil ausgewählt.

Erfolg kann mein Selbstvertrauen wirklich gut gebrauchen, nachdem ich, nach abgebrochenem Biologiestudium, ein Jahr arbeitslos herumsaß.

Schon auf dem Weg (zur Bahn/ zum Auto), bin ich dermaßen aufgedreht, dass mir das Herz bis zum Hals schlägt und mir lauter Fragen durch den Kopf schießen. Ob ich mit den Kollegen gut klar komme? Was wenn ich die Feier nicht finde?

Dass in der Bahn gefühlt eintausend (Zahlen ausschreiben) pubertierende Schüler mitfahren, steigert meine Unruhe nur.
In Neustadt angekommen bin ich ein nervliches Wrack und das obwohl ich normalerweise die Gelassenheit in Person bin. Nichtmal die (Abi?)Prüfungen konnten mich derart aus der Fassung bringen.
Beinahe hätte ich meine Haltestelle verpasst: 'Neustadt'. Schnell raus hier.

Auf dem letzten Stück Fußweg rede ich Schritt für Schritt gegen meine Unruhe an:„Wird schon alles gut werden! Heute passiert garantiert noch nicht so viel! Wirst sehen, das wird ein echt toller Tag werden an dem du viele nette, neue Leute kennenlernen wirst!“



Ein paar Anmerkungen:

Ich finde es hilfreich, wenn Dialoge die Handlung vorantreiben, versuche mehr davon einzubauen. Mir erspart das viel "Erklärerei", wie und warum und was... und soziale Beziehungen sind für Menschen spannend Smile

Es ist auch ganz hilfreich etwas aufregendes/ ungewöhnliches geschehen zu lassen und darüber die Personen vorzustellen.

Das Buch: Feuer und Stein von Diana Gabaldon ist spannungstechnisch einfach genial und absolut lesenswert... vielleicht kannst Du es Dir irgendwo ausleihen... ich denke, man kann unglaublich viel von solchen Büchern lernen Smile


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