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Leseprobe "Grauzone" science-fiction


 

 
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Magpie
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 43
Beiträge: 1086
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 08.04.2014 17:54    Titel: Leseprobe "Grauzone" science-fiction eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Okay, dann werde ich mich auch einmal dem Messer ausliefern...

Es war schon dunkel, als wir uns auf den Weg machten. Die Neonreklamen in der Straße fuhren bereits auf Hochtouren und versuchten, ziellose Passanten in Geschäfte zu locken und sie mit Dingen zu überhäufen, von denen sie noch gar nicht wussten, dass sie sie kaufen wollten. Ich betrachtete die Menschen in der Straße. Mir fiel auf, wie leer der Blick vieler und wie monoton ihre Bewegungen waren, aufgeschnappte Unterhaltungen klangen hohl und gezwungen. Ich überlegte ob mir das früher nur nicht so aufgefallen war, ob sie sich verändert hatten oder ich mich.
Professor Kyle Brenner ging neben mir, seine Frau Beatrix umschlang seinen Arm. Für Fremde würden wir wohl wie eine Familie wirken: die Eltern gingen mit ihrem erwachsenen Sohn einkaufen. Brenner ging langsam, aber zielstrebig, er wirkte mit seiner gedrungenen Gestalt und dem kurzen Hals immer etwas schlurfend und geduckt. Beatrix schritt aufrecht und selbstbewusst nebenher und wirkte so bedeutend jünger, obgleich beide im selben Alter waren. Auch wiesen ihre fülligen kupferroten Haare im Gegensatz zu den dunklen Locken ihres Mannes noch kein Weiß auf. Oder sie waren gefärbt, was ich bei dieser Farbe jedoch bezweifelte.
Mir war noch immer nicht richtig bewusst, warum ich das eigentlich tat, warum ich an diesem Abend meinem Chemieprofessor und dessen Frau alleine durch die Straßen folgte. Es war zu viel geschehen in den letzten Tagen, so dass ich mit Nachdenken nicht mehr hinterher kam.
„Wir sind bald da, Cedric“, meinte der Professor jetzt. „Es ist hier in der Nebenstraße.“
„Wohnen Sie hier?“, fragte ich irritiert, diese Gegend war nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt, geschweige denn geeigneter Lebensraum für einen Pädagogen.
„Nein“, meinte Brenner. „Hier unten ist ein Lagerraum, den ein Bekannter für uns gemietet hat.“
Das klang seltsam, aber ich erwiderte nichts.
Er führte uns eine alte Steintreppe hinab, die von der Straße aus in eine Art ausrangierte Tiefgarage endete und schloss die Metalltür auf. Es stank muffig nach modrigem Regenwasser und Urin, doch hinter der Tür lies der Gestank nach. Wir gingen einen Gang entlang, der schwach mit alten Neonröhren beleuchtet war, von denen einige nur lustlos flackerten.
„Wir kommen ab und zu hierher, um einfach mal alleine zu sein“, sagte Beatrix jetzt lächelnd. „Hier unten gibt es keine Kameras.“
„Keine Kameras?“, fragte ich verdutzt. „Ist das denn nicht gefährlich?“
„Wieso gefährlich?“, lachte Beatrix.
„Nun ja, wenn ein Verbrechen geschehen sollte, könnte man es nur schwer aufklären ohne Kameras.“
„Dann hoffen wir mal, dass kein Verbrechen geschieht“, meinte Kyle nur und seine Stimme klang fast zynisch.
Wir gingen an etlichen Kellertüren vorbei, die mit Nummern versehen waren. Vor der Tür mit der Nummer dreiundzwanzig hielt er an und schloss diese auf.
„Hereinspaziert“, sagte er freundlich. Ich zögerte, mir wurde jetzt doch etwas mulmig, so lange kannte ich die beiden schließlich noch nicht.
„Keine Angst“, lachte Beatrix. „Wir wollen Ihnen wirklich nur die Unterlagen zeigen.“
Ich nickte und trat zögernd ein. Immerhin war ich einen guten Kopf größer als der Professor und beherrschte Karate, die beiden würden mich selbst zu zweit nicht so einfach überwältigen können.
Kyle führte uns in einen recht großen Lagerraum, schaltete das Licht ein, was hier drinnen aus hellen und, wie ich fand, weitaus freundlicheren LED Lampen bestand und schloss die Tür hinter uns.
Der Raum war vollgestopft mit Regalen und Kartons, aber auch ein Schreibtisch und eine Couchecke befanden sich darin. Es war eigentlich ganz gemütlich.
„Setzen Sie sich“, sagte Beatrix dann und wies auf das alte Sofa. „Ich hole die Mappe, ich weiß in etwa wo sie ist, kann aber ein paar Minuten dauern“, zwinkerte sie. „Ich muss erst ein paar Kartons umschichten.“
Als sie hinter den Regalen verschwunden war holte Kyle eine Flasche aus dem Schreibtisch und drei Gläser, die wirklich winzig waren. Dann setzte er sich zu mir auf die Couch und stellte die Sachen auf den kleinen Tisch. Er füllte zwei der drei Gläser mit einer dunkelroten Flüssigkeit.
„Auch einen Schluck?“, fragte er und wies auf das dritte Glas.
„Was ist das?“
„Alkohol.“
„Aber... aber das ist doch illegal!“
„Na und?“
„Alkohol ist ein Zellgift, macht einen aggressiv und tötet!“ Kaum hatte ich das ausgesprochen fiel mir selbst auf, dass es wie auswendig gelernt klang.
„Nur, wenn man es übertreibt“, winkte der Professor unbeirrt ab. „Ein wenig ab und zu ist völlig ungefährlich. Um wirklich süchtig zu werden, bräuchten wir mehr, als wir uns je leisten könnten.“
„Trotzdem ist es verboten.“
„Junge, ich halte nichts von Gesetzen des Staates. Ich sehe ein, dass Verbrechen, die anderen Menschen Leid zufügen, verfolgt werden müssen, aber dann hört es auch schon auf. Wenn ich mit meinen Handlungen keinem anderen schade, werde ich tun und lassen, was ich will.“
Ich schwieg nur betreten.
„Wollen Sie es jetzt mal versuchen oder nicht?“, fragte er schmunzelnd. „Keine Sorge, es ist nur Wein, kein hoher Alkoholgehalt und jeder bekommt eh nur einen Schluck.“
Ich nickte vorsichtig. „Einen ganz kleinen Schluck vielleicht...“
Der Professor lachte und goss mir etwas von der roten Flüssigkeit in das winzige Glas. Ich roch daran, es roch fruchtig, aber auch etwas, wie Desinfektionsmittel.
Ich probierte einen Schluck und zog die Nase kraus. Es war ungewohnt herb, fast scharf, aber doch aromatisch.
„Und?“, fragte er grinsend. „Der erste Schluck ist immer etwas gewöhnungsbedürftig.“
Ich trank das Glas aus. Eine wohltuende Wärme erfüllte mich.
„Es geht eigentlich“, meinte ich langsam. „Aber den Reiz daran verstehe ich dennoch nicht.“
Ich wunderte mich, dass ich gar kein Rauschgefühl hatte. Nicht, wie immer gewarnt wurde, dass man nach Alkohol die Kontrolle verlieren würde oder gewalttätig wurde. Ich fühlte nur diese leichte Wärme im Hals, ansonsten war alles klar und deutlich.
„Wein brauen war eine Kunst“, meinte Brenner ernst. „Eine Kunst, die Menschen über Jahrtausende vervollkommnt haben. Man schmeckt die Rebe, die Arbeit und die Kreativität des Winzers. Jeder Wein ist anders. Es ist purer Genuss, der uns hier entsagt wird und eine Schande, dass diese Kunst in Vergessenheit zu geraten droht.“
„Es ist doch nur zu unserem Besten, jegliches aufputschende Suchtmittel schadet der Gesellschaft.“
„Wein ist ein Genussmittel, kein aufputschendes Suchtmittel und komischerweise ist es uns nicht untersagt, tonnenweise Tranquilizer und Chemiefrass zu uns zu nehmen, was dem Körper viel mehr schadet. Nein, Junge, hier läuft etwas falsch. Ganz falsch.“
Ich schwieg verunsichert. Ich wollte hier nicht den Streber spielen, doch ich hatte ein flaues Gefühl im Magen bei dieser Sache. Ich hatte immer gelernt, mich stoisch an die Regeln zu halten, so etwas Illegales zu tun wäre mir nicht im Traum eingefallen.
Jetzt kam Beatrix mit einer dicken Mappe zurück, sie erblickte die Flasche und sah ihren Mann streng an.
„Hey“, rechtfertigte dieser sich. „Ich habe die Flasche nicht besorgt, um sie verstauben zu lassen!“
„Du könntest dafür in den Knast kommen, Kyle“, sagte sie streng. „Du solltest nicht immer so gedankenlos sein.“
„Der Junge ist in Ordnung, der verpetzt uns schon nicht.“
Beatrix seufzte, sie sah mich ernst an. „Bitte denken Sie nicht schlecht über ihn, Cedric“, sagte sie leise. „Er hat so seine Macken. Sie müssen es nicht trinken, wenn Sie nicht wollen!“
„Keine Sorge“, meinte ich lächelnd. „Ich finde, der Wein schmeckt ganz okay.“
Beatrix lächelte erleichtert und reichte mir die Mappe. „Hier ist es“, sagte sie. „Ich hoffe, es hilft Ihnen weiter.“
„Ich möchte noch etwas sagen, bevor wir die Mappe durchgehen“, sagte Brenner jetzt. Er füllte die beiden leeren Gläser erneut und hob dann seines feierlich. „Ich möchte, dass wir uns duzen, Cedric, dein Vater war immerhin fast wie ein Bruder für mich. Ich bin Kyle.“
Beatrix hob ihr Glas ebenfalls. „Ich bin Beatrix.“
Ich nickte und nahm mein Glas ebenfalls. „Beatrix, Kyle“, sagte ich tonlos, stieß mit ihnen an und leerte das Glas in einem Zug.
„Hey, jetzt aber langsam“, lachte Kyle. „Weißt du Banause denn was das Zeug kostet? Du trinkst pures Gold, genieße das gefälligst!“
Ich sagte nichts darauf und ertappte mich dabei, dass ich nur die Mappe vor mir anstarrte, als würde sie ein tödliches Gift beinhalten. Mein gesamtes Leben schien sich plötzlich zu verzerren. Langsam und zögernd nahm ich sie auf und wagte es kaum, sie zu öffnen. Beatrix und Kyle hielten sich die Hand und betrachteten mich schweigend.
Ich holte tief Luft und öffnete sie. Es war eine Sammlung aus Fotos, handgeschriebenen Briefen und Zeitungsausdrucken. Ich betrachtete das erste Foto, es zeigte zwei junge Männer, etwa in meinem Alter, einen etwas kleineren, stämmigen mit Brille und dunklen Locken und einen großen, athletischen mit langen, hellbraunen Haaren, blauen Augen und breitem Lachen, der ohne Zweifel mein Vater war.
„Das sind dein Vater Marc und ich“, lächelte Kyle und seufzte dann. „Ich weiß nicht, warum ich das Bild behalten habe, wohl aus Nostalgie, es kann mich den Kopf kosten!“
„Sie... du sagtest, mein Vater war gar kein Volksverhetzer gewesen?“, fragte ich mit rauer Stimme.
„Sicher nicht“, meinte Kyle sanft. „Und ich glaube nicht einmal, dass er tot ist.“
Ich zuckte zusammen. „Was?“
Beatrix ergriff seinen Arm. „Jetzt lass den Jungen doch erst einmal alles verarbeiten, Kyle, du verschreckst ihn nur. Eins nach dem anderen.“
„Dein Vater wurde nicht verhaftet, er ist vorher geflohen.“
Ich schwieg kurz. „Mutter und Sam sagten mir er wäre abgeholt worden, weil er Hetzreden gegen die Freunde gehalten hatte“, erzählte ich dann monoton. „Später hatte er im Gefängnis alles gestanden und bereut. Er wäre wegen guter Führung frei gekommen, sogar ohne Meds, doch es geschah ein Unfall und er wurde tödlich verletzt...“
Kyle seufzte und legte sanft die Hand auf meine Schulter. „Dir ist da eine Menge Stuss erzählt worden, bereite dich darauf vor, dein Weltbild zu zerschmettern.“
„Wenn diese Mappe seine Unschuld beweist, warum seid ihr dann nicht zu einem Anwalt gegangen damit?“, fragte ich skeptisch.
Kyle lächelte schwach. „Lies die Briefe und du weißt warum.“
Ich blätterte stumm die Mappe durch. Ich las die Briefe und mein Herz klopfte bis zum Hals als ich erkannte, dass es nicht wie erwartet Briefe an Kyle waren, sondern Schreiben an mich gerichtet, die ich irgendwann später erhalten sollte, wenn ich alt genug sein würde. Meine Finger zitterten leicht als ich mir vorstellte, wie mein Vater diese heimlich per Hand und mit einem Stift geschrieben haben musste, während ich wohl noch als Baby in der Krippe geschlafen hatte.
Sie beschrieben seine Meinung über die Freunde, die fast ketzerisch war. Er kritisierte die Art, wie sie Einfluss auf unser Leben und unsere Kultur genommen und wie sie uns von ihrer Technologie abhängig gemacht hatten, er unterstellte die Absicht, die Menschheit zu unterwandern und zu kontrollieren. Jegliches rebellierende Verhalten und freies Denken wurde weggesperrt oder kurzerhand mit Medikamenten ruhig gestellt, zum angeblichem Schutz der Gesellschaft. Scheinheilige Freunde, so schrieb er, seien gefährlicher, als ehrliche Feinde. Die Menschheit hatte eine solche Angst, wieder als fremdenfeindlich hingestellt zu werden, dass sie unnötige und gefährliche Kompromisse einging und den Freunden Macht und Freiheiten eingestand, die uns unterdrückten und uns unsere Würde nahmen.
Ich las diese Briefe mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend. Uns wurde immer die Gefahr von Krieg und Fremdenhass eingetrichtert und unsere Vergangenheit war wirklich alles andere als rosig. Die Freunde, so die allgemeine Meinung, die jeder zu haben hatte, müssen geachtet und geehrt werden. Obwohl wir ihnen damals misstrauisch und feindlich begegnet waren, haben sie uns aus der Klemme geholfen, haben verhindert, dass wir unseren Planeten völlig verpesten und hatten jegliche Ungerechtigkeit, allen Hunger und Armut der Welt abgeschafft. Wir hatten ihnen so viel zu verdanken, obwohl wir die ersten von ihnen, die als Besucher diesen Planeten erreicht hatten, anfangs fast vernichtet hatten. Wir waren in ihrer Schuld.
Doch diese Wiedergutmachung lag nun schon über drei Generationen zurück und ich musste zugeben, dass die Freunde große Macht über unseren Planeten erlangt hatten. Sie bestimmten die Gesetze, sie saßen zwar nicht in der Regierung, doch sie hatten Vetorecht bei jeder Entscheidung, sei es, das Bildungssystem oder die Rentenfrage. Ja selbst das bloße Aufstellen eines neuen Verkehrsschildes müssten sie streng genommen absegnen.
Sie saßen im Hintergrund und ließen uns wie Puppen an Fäden tanzen und wir hatten zu große Schuldgefühle, um etwas dagegen zu tun oder zu sagen. Selbst das Lesen dieser Briefe lies diese anerzogenen Schuldgefühle in mir aufflammen, auch ich war konditioniert. Jegliche Kritik oder auch nur Zweifel grenzten an Ketzerei. Man konnte sogar verhaftet werden deswegen. Ja, im Grunde waren diese Briefe bloße Meinungsfreiheit, die schließlich legal war nach unserer Verfassung, dennoch konnte selbst diese rationale Kritik an den Freunden als Hetzgerede gesehen werden und das war strafbar. Sehr sogar.
Ich las die aus dem Internet ausgedruckten freundekritischen Zeitungsartikel, sah die Notizen darunter, dass viele von ihnen schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz genommen und gelöscht worden waren und den Journalisten gekündigt worden sei. Eine Zeitung ist sogar komplett geschlossen worden.
Als ich durch war, schloss ich langsam die Mappe wieder und lehnte mich schweigend zurück.
Kyle blickte mich eine lange Zeit an.

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Soraja
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 218

DSFx


BeitragVerfasst am: 08.04.2014 19:14    Titel: Re: Leseprobe "Grauzone" science-fiction Antworten mit Zitat

    Hallo Magpie,

    ich habe deine Geschichte gelesen und der Stoff ist spannend. Allerdings gibt es für mich zu viele Fragen. Ich weiß nicht wann das spielt, nicht wo, auch  das Land kann ich an Hand deiner Beschreibung nicht erraten. Ich habe mal in den ersten Absätzen die Dinge rot markiert oder etwas in rot dazu geschrieben, wo ich es für wichtig hielt.

    Zitat:
    Es war schon dunkel, als wir uns auf den Weg machten. Die Neonreklamen in der Straße fuhren(liefen) bereits auf Hochtouren und versuchten, ziellose ( waren die Passanten wirklich Ziellos und woher weißt du das?) PPassanten in Geschäfte zu locken und sie mit Dingen zu überhäufen, von denen sie noch gar nicht wussten, dass sie sie kaufen wollten. Ich betrachtete die Menschen in der Straße. Mir fiel auf, wie leer der Blick vieler und wie monoton ihre Bewegungen waren, aufgeschnappte Unterhaltungen klangen hohl und gezwungen. Ich überlegte ob mir das früher nur nicht so aufgefallen war, ob sie sich verändert hatten oder ich mich.
    Professor Kyle Brenner ging neben mir, seine Frau Beatrix umschlang seinen Arm. ( Das klingt komisch, wie umschlingt man einen Arm, man hakt sich unter oder ein.)

     Für Fremde würden wir wohl wie eine Familie wirken: die Eltern gingen mit ihrem erwachsenen Sohn einkaufen. Brenner ging langsam, aber zielstrebig, er wirkte mit seiner gedrungenen Gestalt und dem kurzen Hals immer etwas schlurfend und geduckt. Beatrix schritt aufrecht und selbstbewusst nebenher und wirkte so bedeutend jünger, obgleich beide im selben Alter waren. Auch wiesen ihre fülligen kupferroten Haare im Gegensatz zu den dunklen Locken ihres Mannes noch kein Weiß auf. Oder sie waren gefärbt, was ich bei dieser Farbe jedoch bezweifelte.
    Mir war noch immer nicht richtig bewusst, warum ich das eigentlich tat, warum ich an diesem Abend meinem Chemieprofessor und dessen Frau alleine durch die Straßen folgte. Es war zu viel geschehen in den letzten Tagen, so dass ich mit Nachdenken nicht mehr hinterher kam.
    „Wir sind bald da, Cedric“, meinte der Professor jetzt. „Es ist hier in der Nebenstraße.“
    „Wohnen Sie hier?“, fragte ich irritiert, diese Gegend war nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt, geschweige denn geeigneter Lebensraum für einen Pädagogen. ( Dieser Satz klingt wie aus einem Buch für Tierhaltung)

[/list]

LG Soraja


_________________
Soraja wünscht Dir einen wundervollen Tag
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Viktoriaschreibt
Schreiberassi


Beiträge: 37



BeitragVerfasst am: 08.04.2014 19:18    Titel: Antworten mit Zitat

....sehr spannend. Die Handlung beginnt langsam, mit einem Spaziergang. Man erwartet nicht viel. Dann wird man sich dem Unbehagen bewusst, die der Junge wohl empfinden muss. Man fragt sich, was da vor sich geht. Wird er entführt? Ist er in Gefahr? Ein Lagerraum, keine Kameras. Schlagworte, die vieles aufwerfen. Alkohol, verboten? Ein Winzer, ein Künstler? Schnell wird klar, dass es sich hier um eine ferne oder weniger ferne Zukunft handeln muss. Da ist nun nicht mehr nur Spannung, sondern echtes Interesse. Die Geschichte fesselt durch gut durchdachten Inhalt. Hätte ich das Buch hier bei mir im Regal, ich würde es lesen. Ich würde es wahrscheinlich die ganze Nacht nicht weglegen. Vielen Dank. Ich finde nichts auszusetzen. Ich habe ehrlich gesucht, weil ich dir ja konstruktive Kritik anbieten will. Aber ehrlich, ich wüsste nicht, was du noch verbessern könntest. Spannung pur! Liebe Grüße
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Magpie
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1086
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 08.04.2014 19:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Kritik,
Soraja: Danke für die Tips, so Dinge fallen einem selbst gar nicht emhr auf! Du hast auch recht mit dem Lebensraum, da hat sich mein Beruf (Tierärztin) wohl eingeschlichen Embarassed
Das Land ist sicher ein Problem, es wird später noch deutlich, dass die Erde in dieser Zukunft keine deutlichen Ländergrenzen mehr hat, aber es sich um den europäischen Kontinent handelt. Ich gebe zu, hier muss ich wohl noch spezifischer werden. Ich bin mir nur nicht sicher, in wie weit man hier reale Städte nennen könnte.
Im Grunde soll das Ganze zwar in der Zukunft spielen, aber doch auf heutige Probleme hindeuten: Xenophobie, Nationalismus, Spielen mit Schuldgefühlen (Sippenhaft). Der Erzähler selbst wird immer mehr zwischen die Reihen gedrängt.
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Klemens_Fitte
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Beiträge: 1906
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BeitragVerfasst am: 10.04.2014 09:13    Titel: Re: Leseprobe "Grauzone" science-fiction Antworten mit Zitat

Hallo Magpie,

liest sich sehr gut, finde ich. Ist zwar nicht unbedingt mein Genre, aber für Leser von Dystopien und Science-Fiction sicher interessant; das Setting ist spannend (früher hätte ich sicher Ähnliches geschrieben, wenn ich so hätte schreiben können), die Sprache sitzt größtenteils, die Szene macht neugierig auf mehr.
Der Ausschnitt ist mir etwas zu lang, um ihn en detail zu zerpflücken, aber ein paar Stellen greife ich mal auf:

Magpie hat Folgendes geschrieben:
Für Fremde würden wir wohl wie eine Familie wirken

Auf Fremde
Zitat:
die Eltern gingen mit ihrem erwachsenen Sohn einkaufen. Brenner ging langsam

Zitat:
„Dann hoffen wir mal, dass kein Verbrechen geschieht“, meinte Kyle nur und seine Stimme klang fast zynisch.

Würde ich zwei Sätze draus machen. Das 'fast' durch ein beinahe o.ä. ersetzen.
Zitat:
Vor der Tür mit der Nummer dreiundzwanzig 23 hielt er an und schloss diese auf.

Das gefällt mir nicht. Insbesondere das 'diese'.
Zitat:
Ich nickte und trat zögernd ein. Immerhin war ich einen guten Kopf größer als der Professor und beherrschte Karate, die beiden würden mich selbst zu zweit nicht so einfach überwältigen können.
Kyle führte uns in einen recht großen Lagerraum, schaltete das Licht ein, was hier drinnen aus hellen und, wie ich fand, weitaus freundlicheren LED Lampen bestand und schloss die Tür hinter uns.

Vor dem letzten 'und' hätte ich gerne ein Komma. Außerdem ist mir das jetzt ein bisschen viel Türöffnen und -schließen und -aufschließen.
Zitat:
Dann setzte er sich zu mir auf die Couch und stellte die Sachen auf den kleinen Tisch. Er füllte zwei der drei Gläser mit einer dunkelroten Flüssigkeit.

Zitat:
Der Professor lachte und goss mir etwas von der roten Flüssigkeit in das winzige Glas. Ich roch daran, es roch fruchtig, aber auch etwas, wie Desinfektionsmittel.

'ein wenig nach'
Zitat:
Ich hatte immer gelernt, mich stoisch an die Regeln zu halten, so etwas Illegales zu tun wäre mir nicht im Traum eingefallen.

Das passt mir hier nicht so ganz. 'Stoisch' bezeichnet einen Zustand der Affektkontrolle, Gelassenheit, Gemütsruhe etc. Vielleicht 'stur'?
Zitat:
Beatrix und Kyle hielten sich die Hand und betrachteten mich schweigend.

Die eigene oder die des Anderen? Sorry, ich weiß, wie's gemeint ist, aber etwas unsauber formuliert.
Den folgenden Abschnitt mit der Mappe, den Briefen und den ganzen Hintergrundinfos finde ich etwas langatmig und 'erklärend', Stichwort: Infodump. Da könnte man sicherlich ein wenig kürzen.

So, das war jetzt doch pingeliger als ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Nimm dir einfach aus meinen Anmerkungen raus, was du gebrauchen kannst.

Gruß,
Klemens


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100% Fitte

»Es ist illusionär, Schreiben als etwas anderes zu sehen als den Versuch zur extremen Individualisierung.« (Karl Heinz Bohrer)
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Magpie
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1086
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BeitragVerfasst am: 10.04.2014 14:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Super, vielen, vielen Dank, Klemens, wenn es okay ist, nehme ich alles wink
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