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Arabischer Frühling [Lyrik]

 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Lesezeichenpoesie 03/2014
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s.buetow
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 50
Beiträge: 25
Wohnort: Mecklenburg


BeitragVerfasst am: 30.03.2014 19:00    Titel: Arabischer Frühling [Lyrik] eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zwei Zypressen stark und starr
folgen Lerchen durch das Blau,
doch die Weite scheint entrückt.
Quälend Fernweh. Alltagsgrau.
Fühlen Flug im Höhenrausch
weltumfassend tolerant.
Aufgewühlte Sympathie
ballt die Fäuste, Flächenbrand.
Doch die Hoffnung weit entfernt.
Lerchenflug entfernt sich schon.
Wirksam ruft der Muezzin:
Rückbesinnung. Tradition.

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Lupo
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 365
Wohnort: Pegnesien


BeitragVerfasst am: 30.03.2014 23:53    Titel: Surrealismus Antworten mit Zitat

erscheint hier für mich in Wort und Bild vereint, wenn auch der Text einen starken Gegenwartsbezug liefert. Mit ausgeprägtem Rhythmusgefühl
marschiert hier ein Demonstrant zur Anrufung.
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Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 30
Beiträge: 4692
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 31.03.2014 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

hallo du schlingel,

von mir gibt's in der regel nur lesezeichenrezensionen. gern detaillierter auf anfrage per pn!

***

wow, mit so einem thema hatte ich gar nicht gerechnet - auch wenn ich sagen muss, dass du die anrufung mit dem muezzin gerade so noch reingequetscht bekommen hast. Wink
ballt die Fäuste, Flächenbrand ist ein richtig guter vers. generell schön wie du das hinkriegst, ein gereimtes gedicht so modern klingen zu lassen, also von der sprache.
ansonsten gibt's da aber nicht viel rauszuholen, finde ich. eher fern vom thema, den bildbezug finde ich gut. ein mittelmäßiger text.
5 federn.

***

einen gängigen chiasmus kann ich deinem gedicht leider nicht entnehmen. aber das ist schon in ordnung, wir sind da großherzig gewesen. Wink


lg dennis


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichPapiertiger


Beiträge: 4383
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 01.04.2014 10:01    Titel: Re: Arabischer Frühling [Lyrik] Antworten mit Zitat

-

Arabischer Frühling


Zwei Zypressen stark und starr
folgen Lerchen durch das Blau,
doch die Weite scheint entrückt.
Quälend Fernweh. Alltagsgrau.
Fühlen Flug im Höhenrausch <-- wer fühlt hier?
weltumfassend tolerant. <-- was ist weltumfassend tolerant ?
Aufgewühlte Sympathie
ballt die Fäuste, Flächenbrand.
Doch die Hoffnung weit entfernt.
Lerchenflug entfernt sich schon.
Wirksam ruft der Muezzin: <-- was ist das denn für Nuancierung: wirksam???
Rückbesinnung. Tradition.


---------------------------------------------


Hallo Inko,

für mich persönlich einzig ein unausgegorener Mischmasch. Da ist also irgendwie der Arabische Frühling (Aufstände) eingearbeitet derart, nun in solch eine Absurditäten-Menagerie zu korrelieren wie:

Quälend Fernweh. Alltagsgrau.
Fühlen Flug im Höhenrausch
weltumfassend tolerant.


Das ist doch echt inhaltlich ein achterbahnender Kauderwelsch, oder nicht!!! ... mMn einzig ein versatzstückendes Aneinanderreihen von Einzelgedanken ohne kontextale Bindung.

Dann: wieso ruft ein Muezzin nach Rückbesinnung und Tradition??

Wirksam ruft der Muezzin:
Rückbesinnung. Tradition.


Und zudem: wo ist hier im Text eine Anrufung verarbeitet ??? geschweige eine Übertragung des Vorgabe-Bildes umgesetzt ???



Gruß, Stimmgabel


-


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Aranka
Geschlecht:weiblichBücherwurm


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Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
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BeitragVerfasst am: 01.04.2014 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko!

„Arabischer Frühling!“ Ein vielversprechender Titel, ein gewaltiger politischer Realraum, den dieser hier für mich aufklappt.

Thema: Anrufung

Ich habe es ein wenig schwer, die Anrufung hier zu erkennen. Denke einmal, dass hier das Gebet des Muezzin dies abdecken soll. Er beschwört „hier“ die Tradition. So lese ich es mal. Dass ich das in Realität etwas anders sehe spielt keine Rolle. Der Autor baut den Textraum und ich lasse mich ein und sehe was ich finde.

Bildmotiv:
Auch da ist es eher vage auffindbar und nur mit viel gutem Willen meinerseits: sind es die beiden vermummten Gestalten, die Burka-Frauen, die für dich die gesamte politische Wirklichkeit des „arabischen Frühlings“ wachrufen. Ich werde es mal so annehmen.

Textwirkung:

Der Titel knüpft beim Leser bei seinem Wissen um den „arabischer Frühling“ an.
Der Text versucht nun die Stimmung dieses „politischen Aufruhr-Frühlings“ einzufangen.
Es bleibt ein für mich auf einer etwas wirr gereihten Wortebene hängen und liefert mir eher Begriffe statt Bilder: quälendes Fernweh / Alltagsgrau / geballte Fäuste / Flächenbrand. Ich muss diese gewaltigen Wortungen nun mit meinem Medienwissen füllen.
Der Text verlässt sich weiterhin, wie der Titel auf meine Wissensebene. Der Text bietet mir nur vage eigene Perspektiven, oder eine andere eigene Sicht zu der Thematik. Die hier düster gewortete Stimmung berührt mich daher nicht wirklich, nichts lässt mich aufhorchen.

Gestaltung der Textaussage:

Die Dinge werden hier benannt. Sie werden aufzählend nebeneinander gesetzt. Für mich manchmal ohne Zusammenhang. Sie bleiben Versatzstücke. Die Textaussage bleibt blass.

Zitiere mal den Mittelteil:

Zitat:
Quälend Fernweh. Alltagsgrau.
Fühlen Flug im Höhenrausch
weltumfassend tolerant.
Aufgewühlte Sympathie
ballt die Fäuste, Flächenbrand.


„Weltumfassend tolerant / aufgewühlte Sympathie“, große Worte: nicht wirklich gefüllt.

Es ist schwierig, politische Inhalte lyrisch zu bearbeiten. Man gerät halt leicht ins Begriffliche.

Form / Sprache:

Ich erkenne, nein besser ich spüre deutlich einen vierhebigen Trochäus.
Wenn ein Autor sich so eindeutig zu einer Metrik entschließt, frage ich immer, was soll dieser hier „ordnende Rhythmus“ bewirken, wo unterstützt er den Inhalt. Ist der „arabische Frühling“ nicht eher eine „aufgewühlte Stimmung“? Bräuchte er nicht einen ganz anderen Rhythmus?

Alliterationen werden wirksam umgesetzt.
 
Die Wortwiederholung von „entfernt“ in zwei Zeilen hintereinander halte ich für ungeschickt.

Dann gibt es so Worte wie „schein“ und „wirksam“, die ich im Gedicht immer kritisch beäuge, und hier glaube ich berechtig anzweifle.

Warum gehe ich hier so ans Detail? Ich suche nach Federn, da ich die Schwierigkeit der gewählten Thematik sehr wohl erkenne und mich nun gerne auf der Umsetzungsebene vom Text überzeugen ließe.  Gelingt nicht wirklich.

Liebe Grüße Aranka


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 01.04.2014 22:45    Titel: Antworten mit Zitat

Mir fällt vor allem Ägypten ein, wenn ich dein Gedicht lese. Ich glaube, ich sehe, wie dich das Bild angeregt hat.

Den von wem auch immer geprägten Ausdruck 'arabischer Frühling' fand ich von Anfang an suspekt, und tatsächlich weitete er sich wie ein Alltagsrausch und  Flächenbrand in unseren Medien aus.

Das Wort Zypresse erinnert an Unterdrückung. Wikipedia sagt:

"In der Antiken Mythologie ist die Zypresse ein Symbol und Attribut vieler Gottheiten, sie steht für die Unterwelt, symbolisiert Langlebigkeit und wird seit jeher mit Tod und Trauer verbunden."

Ich finde, du hast auf so kleinem Raum einiges recht gut zusammengebracht und vermittelt..
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Rübenach
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Beiträge: 2899



BeitragVerfasst am: 02.04.2014 21:47    Titel: Re: Arabischer Frühling [Lyrik] Antworten mit Zitat

formal o.k.

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"Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hin müssen."

Erich Maria Remarque.
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Oliver.Twist
Leseratte

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Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 02.04.2014 23:56    Titel: Antworten mit Zitat

Das augenscheinliche "Aufsteigen" der beiden Figuren im Vordergrund hast Du also als Bild für eine traditionalistische Restauration interpretiert? Interessant, ich nämlich in gewissem Sinne auch.

Wenn die Zypressen Lerchen "durch das Blau" folgen, dann sind sie entweder belebt und folgen ihnen mit ihren alten, erfahrenen Augen, oder sie reißen sich tatsächlich aus ihrer angestammten Verankerung los. Letzteres würde man ja kaum für möglich halten - aber gerade solche Bilder, die das Unmögliche ausmalen, spielen in revolutionärer Folklore ja immer wieder eine Rolle (man denke nur als Beispiel an die ganzen Sponti-Sprüche der Siebziger, "Nieder mit dem Packeis, Freiheit für den Nordpol" etc.). Das hat etwas die gewohnte Wirklichkeit transzendierendes. Nur scheint hier das Sprengen aller Schwerkraft-Grenzen nicht zu fruchten: wie Weite "scheint entrückt", und die Zypressen verharren in Fernweh. Weltumfassende Toleranz bleibt denen vorbehalten, die ihren Höhenrausch ausleben. Und man jubelt ihnen zu. Doch die symbolischen Hoffnungsträger geraten bald aus dem Blickfeld. Und das nicht zuletzt, weil sich allerorten ehrfurchtsvoll und schuldbewusst die Blicke senken.

Ich frage mich, warum Du nicht drei Vierzeiler-Strophen draus gemacht hast. Zu abgedroschen? Würd ich nicht so generell nicht sagen. Und es ist ja auch sonst anständig bodenständig gehalten: Reime, vierhebige Trochäen... Da würd ich dann sagen, Du solltest dazu stehen.
Mit Blick auf die Form denke ich aber: "Rückbesinnung. Tradition" ist in der Form ja wunderbar gespiegelt. Aber könnte man nicht auch das Revolutionäre irgendwie einfließen lassen? Das Lob der Revolution funktionierte in so wacker unbedarft geradeaushüpfender Manier bei Erich Mühsam zwar auch. Aber er war ja irgendwie auch ein wenig lebensreformerisch grundiert. Ist man das heute noch? Ich glaube, wenn man sich positiv auf pro-westlich-demokratische Revolten bezieht, nicht unbedingt, oder? Da will man eher Aufklärung ohne romantische Mystifikationen. (Außerdem sind, von Perlen abgesehen, die meisten politischen Mühsam-Gedicht auch nicht so ganzganz überzeugend, oder?)
Aber letztlich ist es ja auch keine engagierte Lyrik im eigentlichen Sinne. Dazu fehlt dann doch die geballte Faust, das "Vorwärts und nicht vergessen!"
Was hat es eigentlich mit den Lerchen auf sich? Ich weiß gar nichts über diese Vögel. Erzähl, wie kommst Du auf die Lerchen?

So, genug geschrieben fürs erste. Ich hinterlasse Dir mein Kompliment und empfehle mich:
Oliver Twist
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Rosanna
Richter und Henker

Alter: 28
Beiträge: 1196

Pokapro V & Lezepo III Silberne Harfe


BeitragVerfasst am: 03.04.2014 14:23    Titel: Re: Arabischer Frühling [Lyrik] Antworten mit Zitat

Moin,

Argh, bei dem Gedicht bin ich mir so unschlüssig wie bei keinem anderen, wie ich bewertungstechnisch verfahren soll.
Formal ist dein Beitrag einwandfrei geraten. Man kann sich jetzt darüber streiten, inwieweit es elegant ist, mal eben drei Ellipsen aneinanderzuklatschen, aber das ist bei 50 Wörtern, in denen ein weltpolitisches Thema abgehandelt wird, schon ok. Denke ich. Die Abhandlung der Schleiergestalten bzw. dem umgebenden Wald als Zypressen ( Verweis auf libysche Flagge?) finde ich geradezu großartig. Die Lerchen kann ich jetzt leider nicht zuordnen, aber ich bin mir recht sicher, dass sie keine Füllworte sind, sondern ihren symbolischen Sinn haben ( Zugvögel-Flüchtlinge, die sich danach sehnen, in ihre Heimat zurückzukehren?).

Und trotzdem puckert beim Lesen deiner letzten zwei Verse meine Halsschlagader.
Weil anscheinend auch dieses Gedicht nicht ohne Burkas auskommt, wenn auch indirekt wink. Weil hier mal wieder unzulässig verienfachend mit Feindbildern hantiert wird. Weil hier nicht etwa Al-Quaida oder Osama aus seinem Grab zur Attacke rufen, sondern "der Muezzin" als Sinnbild für das Scheitern des arabischen Frühlings installiert wird ( ein Muezzin ist nichts weiter als der, der die Muslime zu Gebet ruft. Die, die demokratische Strukturen gefährden, sind Islamisten - die rufen zu den Waffen ). Dass einige der Schlüsselfiguren im arabischen Frühling von vornherein, ich sags jetzt bewusst neutral, "geistliche Würdenträger" waren, wird hier anscheinend ebenso vergessen wie die Tatsache, dass - nicht unbedingt in Libyen, das gebe ich zu, aber, da du deinen Beitrag mit "Arabischer Frühling" überschrieben hast, musst du dir auch diesen Kritikpunkt gefallen lassen- es nicht immer an Muslimen oder Islamisten ( und auch der gewaltige Unterschied zwischen beiden fehlt mir hier EINDEUTIG) liegt, wenn ein Land aus dem arabischen Frühling geschwächt oder unverändert hervorgeht ( Ägypten...hust).

Damit will ich in keinster Weise die Gefahr, die von islamistischen Ultrafundis ausgeht, verharmlosen. Mir gehen nur diese im Westen vorherrschende unreflektierte Pauschalisierung und Engstirnigkeit auf den Sack, die dazu führen, dass man sich zB in den Medien unverhohlen freut, wenn eine demokratisch gewählte Regierung (aus Muslimbrüdern) abgesetzt wird und gerade mal ein Stirnrunzeln zeigt, wenn von der Folgeregierung 500 Todesurteile ( gegen die Muslimbrüder) an einem Tag gesprochen werden ( sorry, ich hänge gerade immer noch in Ägypten fest)...und dass man Diktaturen unterstützt, solange sie schön die bösen Islamisten unter Kontrolle halten ( und das gilt auch für Libyen). Aber dann zum arabischen Frühling gratulieren!

Als ich dein Gedicht das erste Mal gelesen habe, hätte ich dir am liebsten eine Feder vor den Latz geknallt, weil ich gerade an politische Gedichte den Anspruch stelle, mehr zu sein als verdichteter Hofklatsch. Wenn Kunst politisch wird, hat sie sich gefälligst kritisch mit aktuellen Diskursen auseinanderzusetzen, sonst wird sie Propaganda Evil or Very Mad.
Aber das wäre nicht ganz fair gewesen, zum Einen, weil du dich trotz des Titels vorwiegend mit Libyen beschäftigst, wo die Islamisten tatsächlich ein gewaltiges Problem darstellen und deine immer noch derbe Vereinfachung zumindest teilweise nachvollziehbarer wird, zum anderen, weil dein Gedicht formal mit zu den besten Beiträgen gehört. Außerdem bin ich bezüglich dieses Themas dauergereizt und vermutlich nicht völlig objektiv bei der Beantwortung der Frage, inwieweit meine Kritik aufgrund dieser Dauerreizung überzogen ist. Deshalb entscheide ich mich an dieser Stelle für neutrale 5 Federn, die dir aufgrund vorauszusehender sehr positiver Bewertungen von anderer Seite vermutlich nicht schaden werden.

LG
Rose


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HerbertH
Geschlecht:männlichKlammeraffe


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BeitragVerfasst am: 03.04.2014 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Dieses gedicht verfolgt eine eigene idee, die aber für mich nicht zum bild und nur bedingt zum thema passt. Das einzige wort, das zur 'anrufung' passt, ist der muezzin. Zu einem muezzin assoziiere ich aber ein minarett, keine schwankende brücke, über die einige menschlein laufen und unter der zwei drohende gestalten stehen, für mich sicher keine zypressen.

Als für sich stehendes gedicht hat es für mich durchaus meriten, zypressen mit lerchen zu kontrastieren, die ferne/weite mit entrückung/höhenrausch/flug zu kommentieren, den muezzin als gegensatz dazu - ein wenig klischeehaft - mit tradition zu assoziieren, darin  sind einige interessante ideen versteckt. Etwas aus dieser meiner interpretation fällt die sympathie/fäuste/flächenbrand thematik in Z7f ...

Formal fallen die reime in den geraden zeilen auf, die vierhebige metrik ist streng durchgehalten. Allerdings ist die interpunktion nicht immer ganz logisch aus meiner sicht, zum beispiel fehlt ein komma nach höhenrausch. Auch entsteht durch ein art telegrammstil - zum beispiel Z4 und Z12 - insgesamt ein abgehackter eindruck, der - wenn gewollt - ein legitimes stilmittel für eine anrufung darstellen kann.

Als wettbewerbsbeitrag gewertet könnte man hart urteilen: Thema verfehlt.
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Jocelyn
Bernsteinzimmer

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Das Silberne Fahrrad Ei 1



BeitragVerfasst am: 04.04.2014 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

Dieses Gedicht wirkt künstlich, konstruiert auf mich. Zypressen, ok, dann Lerchen. Sie folgen ihnen. Ich bekomme die Bilder nicht vereint, wahrscheinlich möchtest du das Fernweh ausdrücken.
 
Zitat:
Fühlen Flug im Höhenrausch

Mit diesem Vers komme ich auch nicht zurecht. Umgedreht wäre er für mich  i.O, also wenn der Höhenrausch im Flug gefühlt werden würde.
Ich erahne, dass der traditionelle muslimische Glaube sich hier nach einer Freiheit und Toleranz sehnt, den er nicht leben darf, den aber die Lerchen leben. Aber das Gedicht bleibt zu unklar, ich muss meine Interpretation von weit herholen.

Eine untere Wertung hier.


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If you dig it, do it. If you really dig it, do it twice.
(Jim Croce)

Die beständigen Dinge vergeuden sich nicht, sie brauchen nichts als eine einzige, ewig gleiche Beziehung zur Welt.
(Aus: Atemschaukel von Herta Müller, Carl Hanser Verlag, München 2009, Seite 198)

"Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer."
(Voltaire)
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Dienstwerk
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DSFo-Sponsor Goldene Harfe


BeitragVerfasst am: 06.04.2014 18:29    Titel: Antworten mit Zitat

Befederungskommentar.
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 06.04.2014 20:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lyrik,

nur ein ganz kurzer Besuch der Prosa.

Einer der wenigen Texte, die das Thema Anrufung in die Nähe der originären religiösen Bedeutung des Begriffes bringen. Anrufung als flehende Bitte an Heilige. Hier grenzt sie sich vom Gebet ab.

In diesem Text natürlich nur der Ausruf des Muezzin. Als Übersetzung des Begriffs in eine andere Kultur scheint mir das zulässig. Wäre im Islam eine Anrufung nach originärer Definition denkbar? Die Diskussion kann hier nicht geführt werden.

Der Aufstieg der Lerchen als Momentaufnahme. Doch die Hoffnung hat keinen Bestand im Höhenrausch.

6 Federn


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hypnobader
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BeitragVerfasst am: 07.04.2014 14:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Also erst Zypressen. Und dann ruft ein Muezzin zur Rückbesinnung. Sollen die Lerchen in ihrem Höhenflug den sympathisch-toleranten Aufbruch darstellen, denen dann von den traditionsbewußten Moslems gewaltsam Einhalt geboten wird? Überzeugt mich aber nicht. Der Zusammenhang zu bemüht und sprachlich zu pathetisch.

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Zinna
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BeitragVerfasst am: 07.04.2014 22:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

beim Blick auf jeden einzelnen Wettbewerbsbeitrag finde ich es spannend zu sehen, wie sich so jeder Autor eingerichtet hat in den Vorgaben, wie er das Bild, die Anrufung auslegt und umsetzt, wie die 50 Wörter und 12 Verse anordnet, ob diszipliniert, effektiv gestapelt oder eher freier auseinander gestreutlegt.
Ich taste nun deinen Text nach den Vorgaben ab, ob die Anrufung zu erkennen ist, ob ich das Bild umgesetzt finde. Edit: Und ich zähle nun auch die Verslein, checke die Wortanzahl…
 Außerdem schaue ich, ob und wie das Gedicht mich erreicht, wie ich seine Gestalt, Gestaltung, Wortwahl und Inhalt empfinde, ob es schlüssig ist. Einen weiteren Blick werfe ich auf den Titel.

Wortzahllimit: eingehalten
Verse: 12
Anrufung: vorhanden
Bild umgesetzt/erahnbar: ja

Titel: Arabischer Frühling. Ich erlese da eine gedankliche Verbindung zum Prager Frühling. Eine praktische Strategie, so schaffst du mit zwei Worten (effektiv bei der 50-Vorgabe) die Möglichkeit, den Leser in eine bestimmte Richtung zu schicken. Aufbruch, Veränderung, ein sich Befreien wollen … Die Berichte und Bilder der Nachrichten dazu sind noch immer präsent.
Sagt mir sehr zu.
Vers 1 und 2 nehmen mich jedoch nicht mit dem gleichen Schwung, den der Titel bietet, mit.
Ein Bewegen nach oben, die Lage von oben betrachten (der typische Lerchenflug) wird sichtbar, jedoch mir irgendwie zu starr, ohne dass ich gleich festmachen kann, weshalb.
Ich glaube, es liegt an der Form, dem durchgängigen Vierheber. Er zwingt zu Verknappung und Verdichtung, scheint mir hier eher ein Korsett zu sein und funktioniert völlig gegenteilig zum Titel, mit dem du eine Weite eröffnet hattest.
Die Versform sehe ich durchweg eingehalten, das führt jedoch dazu, dass er beginnt zu klappern. (wie es ferdi manchmal ausdrückt)
Die stärkste Stelle ist für mich inhaltlich:
ballt die Fäuste, Flächenbrand.

Ich könnte mir vorstellen, dass du am Gedicht außerhalb des Wettbewerbs noch Hand anlegst und ihm die Enge nimmst. Lohnt sich in meinen Augen.

LG
Zinna


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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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crim
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Pokapro und Lezepo 2014 Pokapro VII & Lezepo V



BeitragVerfasst am: 09.04.2014 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hi.
Lyrische Verpackung des arabischen Frühlings. Die Übertragung funktioniert. Die ersten sieben Verse halte ich für schwächer, als die letzten fünf. Fühlen Flug im Höhenrausch weltumfassend tolerant. Das wird ja hier als Sinneinheit durch die Interpunktion verbunden. Dieses Satzgebilde macht mir Probleme. Auch aufgewühlte Sympathie. Da frage ich mich, von wem, für was und was soll aufgewühlte Sympathie denn nun sein? Scheint mir nicht treffend und zu abstrakt. Umso treffender die letzten Verse. Das Motiv der Weite, Ferne, Entrücktheit zieht sich auch gut und stringent durch den Text. Ge- und Missfallen halten sich bei mir die Waage. 5 Federn
LG Crim
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MrPink
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Wohnort: Oberbayern
Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 10.04.2014 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

es liest recht gefällig, aber die Anordnung der Bilder wirkt auf mich willkürlich und die Aussage ans Ende gepappt ohne konkreten Bezug zum Text.


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„Das Schreiben wird nicht von Schmerzen besorgt, sondern von einem Autor.“
(Buk)
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