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HerbertH
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 553
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 19.03.2014 20:20    Titel: Verkehrsspitzen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Verkehrsspitzen

Zitat:
... ein Geisterfahrer entgegen.  Bitte fahren Sie mit größter Vorsicht und äußerst rechts ...



"Mach' doch mal Musik an, den Quatsch können wir uns schenken." Vater beugt sich zum Radio. "Okay" Clara seufzt auf. Na endlich, wird auch Zeit. Ganz schön nervig, die Fahrt. "Aber was Fetziges, wenn's geht." Warum ist sie nur mitgefahren?

"Kind, das ist vielleicht das letzte Mal, dass wir zu Tante Lene fahren können, die überlebt den Winter nicht, hat Onkel Heinz gesagt. Und die würden sich so freuen, Dich mal wieder zu sehen." Da hatten sie am Frühstückstisch gesessen. Vater wie immer hinter seiner Zeitung, er hatte nur gebrummt. "Na schön, dann fahr ich eben mit." Mutter hatte richtig erleichtert ausgesehen. "Fein." Eigentlich hatte Clara sich ja mit Sven am Wochenende treffen wollen. Der würde bestimmt ganz schön feixen. Aber schließlich, was mußte er ja auch immer bei dieser blöden Feuerwehr antanzen. Nie ...

"Scheiße, was macht denn der Idiot?" Mutter schreit. "Pass auf." Vater in Panik. "Der rast genau auf uns zu." Er tritt auf die Bremse, voll. Alle fliegen nach vorne, in die Gurte. Er reißt den Wagen nach rechts. Das kann doch nicht gut gehen. Jetzt nach links. Die Räder rechts, rüber, über den Randstein. Da ist nichts, nur Luft.  

"... und wenn an einem Körper zwei verschiedene Kräfte angreifen, deren Angriffspunkte einen Abstand ..." Drehmoment, Drehimpuls, gerade vor einer Woche in Physik. "... ich diesen Quader hier werfe, was passiert ..." Lemkes Demo. Trägheitsmomente, glaub ich, wollt' er zumindest hören.  " ... dreht er sich um die Längsachse ..."

Wie in der Achterbahn, die Mageninhalte machen sich selbständig. Vor dem Fenster läuft der falsche Film, in Zeitlupe, die Bäume wachsen jetzt von rechts nach links, nein, schräg nach unten, ...

... wie letztes Jahr, als sie bei Onkel Rolf im Flugzeug mit durfte, das war echt cool gewesen, bevor er an ihr herumtätschelte, der geile Sack. Hatte wohl gedacht, dass der Looping und die Rolle und das bisschen Auf-dem-Kopf-Fliegen bei ihr die Hormone an- und den Verstand abgedreht hätten. Mann, hatte der den Mund aufgerissen, als sie ihm eine geklatscht hatte. Hihi, den Gesichtsausdruck würde sie nie vergessen. Und erst, als sie ihm gedroht hatte. "Wenn Du das noch mal versuchst, sag' ich das bestimmt meinen Eltern, darauf kannst Du Gift nehmen. Und Deine Frau wird sich bestimmt auch freuen. Ich stehe nicht auf Bierbäuche und Hängebacken, merk' Dir das." Im ersten Moment hatte sie gedacht, er würde sich auf sie stürzen. Angst hatte sie schon gehabt, aber diesem Arsch, dem hatte sie ihr trotzigstes Gesicht gezeigt, und da hatte er den Schwanz eingezogen. Na ja, irgendwo hatte das auch was, hatte sie sich nachher gedacht, wenn man die alten Knacker so richtig in Glut bringen kann.  Kein Kind mehr und so. Und wenn es nicht gerade Onkel Rolf gewesen wäre, wer weiß ...

... immer rund, "Mach ...", immer rund, "doch was", Mutter, laß das Schreien, es nützt ja doch nichts, ... Mutters Handtasche wirbelt auf das Vorderfenster zu, zerschlägt es.

"Jetzt schau Dir an, was Du wieder angestellt hast!" Entgeistert schaute Clara auf. Sie schluchzte. "Das habe ich nicht gewollt!" Fast kreischend klang die helle Kinderstimme. Der Küchenboden war übersät mit Gewürzgurken und Scherben. "Was ist hier wieder für ein Geschrei, ich muss doch mal in Ruhe arbeiten können". Wütend stürzte Vater herein. "Ernst, nicht!" Und schon hatte sie eine Ohrfeige bekommen, dass ihr Kopf nur so brummte. Erst links, dann rechts. "Schleudertrauma", hatte der Arzt nachher gesagt. Und "Eigentlich sollte ich Sie anzeigen, Ihr Kind so zuzurichten". Bleich war Vater da geworden. Jähzorn, wenn der ihn packt, ist er nicht wieder zuerkennen. Sonst ist er doch ... doch, lieb ist er, und irgendwo hat es ihm wohl auch leid getan. Und als er ihr Ben, den riesigen Kuschelbären geschenkt hat, da hat sie ihm gleich ...

Weich müßte es doch sein, das Kissen, das ihr in den Nacken fliegt, aber nichts da, als wäre es ein Sandsack. Und diese kratzende, heulende Musik, die paßt gar nicht zum Drehrhythmus, als ob dem Wagen nie einer das Tanzen ...

... Wiener Walzer, endlich, ihr Lieblingstanz. Wenn nur der Michael nicht so ein Tölpel wäre. Linksherum, mit dem? Nie im Leben.  Jedenfalls nicht bis zum Abschlußball, soviel war klar.  Und eigentlich bräuchte sie Schuhe mit Stahlkappen, so oft, wie der ihr drauflatscht. Gabi allerdings war vor Neid geplatzt, als der Michael ...  "Clara, magst Du mit mir zur Tanzstunde gehen?" Knallrot angelaufen war er da, der Michael, wie ein zu groß geratener Teddibär hatte er ausgeschaut, richtig süß ... Aber vielleicht hätte sie doch warten sollen, bis Sven sie gefragt hätte. Eigentlich wollte sie ihm ja nur eins auswischen, weil der sich bei der letzten Fete so wenig um sie gekümmert hatte. Als ob er eine andere hätte. Aber als Sven erfuhr, dass sie mit Michael den Kurs machen würde, da hatte er ganz verschleierte Augen gekriegt. Na ja, es gab ja auch noch den F-Kurs. ... Schwitzen tat der Michael, furchtbar, und wie er immer glotzte ...

Vaters Augen, im Rückspiegel, er hat sie riesig weit aufgerissen, fast so sehr wie seinen Mund, er brüllt ein langgezogenes "Nein", drückt sich mit beiden Händen vom Lenkrad weg. Mir ist so schlecht ...

... wie damals, als sie so lange auf ihre Regel warten musste, richtig nervös war sie schon gewesen, vier Tage über der Zeit.  Das war, nachdem sie und Sven das erste Mal miteinander geschlafen hatten, im Bootshaus, wo es ein wenig muffig roch. Aber Sven hatte sie so lange geküsst und gestreichelt, bis sie einfach die Kontrolle verlor.  Er ja auch. Und die Pille hatte sie sich erst hinterher verschreiben lassen. Es war so schön gewesen, Sven war so lieb, so zärtlich gewesen, und auch am Anfang hatte es nur ein bisschen weh getan, als er in sie eindrang ...

Warum tut es nur so furchtbar weh, diesmal. "Aaahhh"

Zitat:
... wegen eines schweren Verkehrsunfalles musste die Bundesstraße ...



"Was hat er denn nur, ist doch nicht das erste Mal, eigentlich müsste er das besser abkönnen. Zugegeben, ist ja kein schöner Anblick, so wie die zugerichtet sind." Der Einsatzleiter sieht sich um. Die Rettungsarbeiten sind so gut wie abgeschlossen. Als er den Wagen da auf der abgebrochenen Kiefernspitze liegen sah, wie ein Stück Schaschlik auf dem Spieß, da hatte er gleich gewusst, die sind hin. Aber trotzdem mußte man versuchen, mit dem Rettungsspreizer die Opfer aus dem Wrack zu bergen. Ein Wunder, dass kein Feuer ausgebrochen ist, bei all dem Treibstoff, der ausgeflossen ist. Der Feuerwehrmann schüttelt den Kopf. "Er wird sich schon wieder fangen, der Junge."

... "Versuchs mal mit dem Spreizer. Hey, ruhig, was ist denn los?" Das Kennzeichen kannte er doch. Nein, bitte nicht.  Lass sie noch leben, bitte. Hastig setzte er das schwere Werkzeug an.  Verflucht, jetzt rutschte es ab. Nochmal. Geschafft. "Oh nein!" ... Den Anblick der blutverschmierten Astspitze, die durch Claras Schlund gedrungen war und zwischen ihren zerfetzten Kiefern herausragte, wurde Sven auch nicht los, als er so lange gekotzt hatte, bis er meinte, seine Magenwände würden mit hochkommen.


Zitat:
... An diesem Wochenende starben leider wieder zwölf Menschen auf bundesdeutschen Straßen. Das Wetter ...

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Gast







BeitragVerfasst am: 19.03.2014 21:02    Titel: Antworten mit Zitat

hi herbert,

du hier, das ist schön. jetzt lese ich auch mal den prosaisten in dir. mir gefällt's!

lg w.
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HerbertH
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 553
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 19.03.2014 21:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Walther,

hätte man mehr Zeit, was könnte man dann nicht alles machen ...

Aber wenig Zeit zwingt dazu, sich kurz zu fassen.
Und dann verdichtet man - automatisch wink

Liebe Grüße

Herbert
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