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Triebfeder des Schreckens 2


 

 
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Eve McFar
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Alter: 39
Beiträge: 10
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 20.10.2007 10:53    Titel: Triebfeder des Schreckens 2 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es war nicht unverhofft oder ungewöhnlich, aber in seiner Dimension unvorstellbar. Würde ich sagen können, es war Zorn, dann könnte es mir Leid tun, war es aber nicht, auch kein Affekt, viel eher Berechnung. Nur wessen?
Meine Finger sind verkrampft, meine Hände zittern noch und ich schaffe es nicht, mich zu beruhigen. Sie ist auf dem Weg in die Notaufnahme einer Zahnklinik und ich bin mir sicher, ich gönne es ihr den Zahn zu verlieren.
Ein erfrischender Sonntagmorgen.
Ich wachte an ihrer Seite auf und sog den Duft ihres Pyjamas ein, dann schmiegte ich mich an ihren Rücken und drückte mein Becken an ihren Po, damit hatte ich sie geweckt. Etwas mürrisch drehte sie sich um und erdrückte meine Berührungen, indem sie mich in ihre Arme schloss wie ein Kuscheltier, denn sie versuchte weiter zu schlafen. Penibel achtete ich darauf, mich wenig zu bewegen, ihr wohl gesonnen, da sie es liebt noch einmal einzuschlafen und dabei den Traum zu erinnern oder fortzusetzen. Erst nach einer halben Stunde drückte ich sie hungrig von mir. Ich wollte sie wach bekommen und es gelang mir halb. Leider ohne den erwünschten Effekt, denn sie schaute mich wütend an. Geschwind verzog ich mich lieber, verschwand aus ihrem Blickfeld, dem Bett und schlüpfte in leichte Kleidung, um Brötchen und Croissants zu besorgen. Kurz die Morgentoilette erledigt und mit wenig Lärm versenkte ich langsam die Wohnungstür im Schloss.
Schwüle Luft umgab mich, warme Luft beim Bäcker und eine freundliche Verkäuferin hatte alles, was ich wollte.
Zurück in die Wohnung kam ich mit polterndem Eintreten, stieß die Zimmertür auf und versuchte mit dem Öffnen des Fenster, frische Luft in die stickige Wohnung zu lassen und mit einem breiten Lächeln ihre bissigen Augen zu besänftigen. Ich ging erfolglos aus ihrem Zimmer.
Die Küche hat die Eigenheit ans Wohnzimmer anzuschließen und wenn ich den Fernseher zur Küche wende, brauche ich nur noch den Esstisch zur Tür zu ziehen und wir können vor der Glotze und neben dem Kühlschrank speisen. Wir machen das gern, damit gewinnt der Tag eine Leichtigkeit, die nicht im Bett verschlafen wird.
Ich rückte alles zurecht, zog den Fernseher näher zur Tür, bereitete den Esstisch vor, setzte Espresso auf, schäumte Milch auf, kochte Eier, schnitt Obst und stellte sämtlichen Aufstrich auf den Tisch, Besteck und Tassen, Servietten und Essbrettchen, eine Kerze angezündet und alles war bereit.
Nur sie kam nicht.
Als ich in ihr Zimmer trat, wo wir zusammen schlafen, lag sie noch im Bett. Ich wusste, dass sie weder ihre Tage hatte, noch schlecht geschlafen. Was also konnte sie also aufhalten?
Ich hielt ihr den Cappuccino ans Bett und blies den Kaffeeduft in ihr Gesicht, sie schlug die Augen auf und grinste. Geschafft.
Ihr Kimono lag neben dem Bett, sie glitt in ihn, suchte das Weite und kam dann barfuss mit flinken Schritten in die Küche getappt. Sie setzte sich, rieb sich mit frischem Lächeln ihre Augen, gab mir einen Kuss durch die Luft und atmete kräftig ein und aus. Ich war angetan.
Sogleich machte ich den Film an und setzte mich zu ihr. Wir sahen eine Komödie und brunchten eine Zeit lang, bis ihr plötzlich einfiel, nach einer Mail von ihrer Freundin schauen zu müssen und bat mich um etwas Geduld. Schon verschwand sie in ihr Zimmer, woraufhin ich den Tisch abräumte. Allein den Schokoaufstrich ließ ich stehen und nahm die Cappuccinos mit ins Wohnzimmer, dort drehte ich den Fernseher zur Couch und setze mich vor ihn. Länger als ich vorher gedacht hatte, saß ich vor dem Standbild des männlichen Hauptdarstellers und überlegte mir, die Trailer auf der DVD anzusehen, ließ es aber bleiben. Ich nahm mir lieber die Titanic und las etwas, um mich heiter zu halten.
Und dann kam sie.
Was war geschehen? Anscheinend war ich aus ihrer Erwartung gefallen. Denn mit einem Mal erklang es wütend aus der Küche, dass ich ja alles abgeräumt hätte und sie doch noch weiter gemütlich sitzen wollte. Da flog schon das Schokoladenglas, der Deckel brach, Schokolade flog und floss, ich saß und vergaß?, doch es ging nicht. Sie keifte heiter weiter mit ihrer leichten und weichen Stimme, kam ins Wohnzimmer und versuchte mich wild zu kratzen, schlug derweil mit leichten Schellen auf mich ein und deutete mich als Entmündiger und Bevormunder, warf scharf mit Schimpfwörtern um sich, bezichtigte mich das Abbild ihres Vaters zu sein, ein Tyrann, wie er es war, dass ich mich hier als Pascha gebe und so die Macht habe, Gewohnheitsmacht. Die Macht eines Mannes.
Alles aus dem Fluss der Rede und ich wollte nicht weiter zuhören, also verließ ich unbekümmert die Wohnung. Vielleicht war das der Fehler, denn nun war niemand da, an dem sie ihre Wut loswerden konnte.
Die Luft vor der Tür hatte sich nunmehr verdichtet, die Sonne an Kraft gewonnen und der Park bot nicht einmal im Schatten der Bäume eine Erholung. Ich ging also zum Wasserfall am Kreuzberg und auf halber Höhe stellte ich mich in den Wasserlauf, zog vorher meine Schuhe aus und kühlte meine Füße und Fesseln, spritzte mir Wasser in mein Gesicht und wusch meine Unterarme. Nach einer Weile gedankenverlorenen Starrens auf das fließende Wasser, entschied ich mich, nach dem Rechte zu sehen und machte mich barfuß auf den Heimweg. So gelassenen Freiraum gibt dieser Park am Sonntagmorgen, mit seinen alten Bäumen und verschlungenen Wegen, die zum sich Verlieren einladen, aber nie in Gefahr bringen, denn entweder geht es den Berg hinauf oder hinunter. Ich stieg zuletzt vom Denkmal herab.
Eine ruhige Wohnung empfing mich, doch sie scheinbar im Aufbruch begriffen. In ihrer rechten Hand führte sie einen Pinsel und deckte ihren Teint, in der linken Hand hielt sie eine Flasche Bier. Mit einem kräftigen Tritt schloss sie die Badezimmertür. Noch nicht vorbei. Der Fernseher zeigte noch immer dasselbe Standbild, ich machte ihn aus. Dann ging ich zur Küche, öffnete die Tür, wollte mir kaltes Wasser aus dem Kühlschrank nehmen, doch konnte nicht hinein. Der Boden war voll eingesaut und ich verkniff mir den Durst. Ruhig schloss ich die Tür, lehnte mich kurz mit dem Rücken gegen sie und atmete tief durch, dann wendete ich mich der Couch zu.
Die Titanic amüsierte mich auf ein Neues, denn auch das übelste Trübsal bietet noch einen zynischen Blickwinkel: ich prägte mir den Fußboden en detail ein. Nudeln, Scherben, Eier, Marmelade, Salatblätter und Milch; am Regal klebte die Schokolade, die ich noch fliegen gehört hatte. Direkt vor dem Kühlschrank lag ein zerschlagenes Ei, dazu ein zerbrochenes Glas Erdbeermarmelade, die Milch davor hatte eine Pfütze gebildet und breitete sich in der Mitte der Küche aus, alles weiß. Rechts davon, vor dem Herd kamen weitere zwei Eier zu Bruch und wieder ein Glas Marmelade, diesmal Pflaume, garniert mit einem halben Kopfsalat. Links, beim Esstisch waren Nudel und zwei Tassen plus einem Glas zerborsten, mein liebstes Glas, mit meinem Alter, das ich damals zum 20. Geburtstag von meiner kurz darauf verstorbenen Tante bekommen hatte. Der Schmerz stach in meiner Brust, aber es bot sich mir ein recht versöhnlich buntes Bild auf dem braunen Dielenfußboden.
Es blieb nicht bei dem Bier. Sie kam krachend ins Wohnzimmer und knallte die leere Flasche Bier neben die Bar. Dann füllte sie sich ein Glas mit Weinbrand, kippte ihn hinter und schüttelte den Kopf: „Wo willst Du hin?“, fragte ich.
„Nirgendwohin, Du sollst nur meine Tränen sehen können, wie sie lange Striche über meine Wangen und den Hals machen!“, sie griff sich erneut den Weinbrand und warf ihn gen Couch. Er zerschellte einen Meter neben mir an der Wand, die Scherben prasselten zu Boden, der Weinbrand tropfte auf das Sofa und rann die Wand hinunter, es roch sofort nach Alkohol.
„Und was willst Du jetzt trinken?“, fragte ich sie patzig.
„Rum!“, gab sie zu verstehen und öffnete die Bar, nahm das Geschenk meines Vaters, einen 8 Jahre alten Rum heraus, knackte das Siegel und öffnete die Flasche, ohne irgendeinen Stil zu pflegen. Dann goss sie sich ein halbes Glas ein und trank den Rum wie Wasser.
„Was soll das?“, fragte ich sie ruhig.
„Ich will etwas loswerden.“
Nur was? Ich bin noch immer ratlos und wünsche mir, es zu verstehen. Vielleicht eine Hemmungen etwas Richtiges zu sagen, denn danach wurde sie immer ausfallender, wenn sie sprach. Jedes Glas, das sie leerte, schmiss sie in eine Ecke des Raums. Schrie nicht mehr, zeigte mir nur mit immer unsicherer werdenden Schritten, wie betrunken sie wurde. Schier unendlich ist unser Vorrat an Gläsern, denn wir sind beide sehr tollpatschig, weshalb ich viele Gläser gekauft hatte, doch nicht dafür. Ich wurde langsam missmutig und unruhig, es war schwitzig geworden auf dem Sofa. Ich stand auf und ging zu ihr hin, stoppte sie, indem ich ihren Arm packte und nicht mehr los lassen wollte: „Was willst Du beweisen?“, fragte ich sie mit fester Stimme, entschlossen sie zu beruhigen.
Wir waren auf Augenhöhe. Sie stach mich mit einem festen Blick, der längst nicht so betrunken war, wie ihr Gang. Dennoch lallte sie eine Melodie und schunkelte mit dem Kopf, stoppte und schaute mich mit halb geöffneten Augen an. Sie hatte den Kopf im Nacken und so sah es aus, als blicke sie auf mich herab. Wie ich diesen Blick verachte, sie glaubte wohl mich bezwingen zu müssen. So schaute sie immer, wenn sie denkt, ich hätte Unrecht. Dafür könnte ich sie …habe ich aber nicht, ich stieß sie weg.
„Du bist betrunken.“, sagte ich ihr.
„Gut erkannt und was willst Du nun tun? Gibst Du mir wieder Salzwasser, willst Du mich über dem Klo zum Kotzen bringen mit Deinem Finger in meinem Hals? Vielleicht schmeißt der Herr und Meister mich auch einfach raus, wer weiß, betrunken von der Polizei aufgegriffen.“, Herr und Meister, das hat sie gesagt, ich sei ihr Herr und Meister. Wie viel Gleichgültigkeit aus dieser Stimme und wie viel Verachtung. Ich riss mich zusammen, atmete durch und schob alles auf den Alkohol. „Du solltest jetzt aufhören zu trinken und schlafen.“
„Aber ich bin doch eben erst aufgestanden, ich soll wohl schlafen, damit ich keinen Blödsinn mache? Damit Du genau weißt, was ich mache. Da hast Du Dich aber geschnitten mein Liebster, ich bleib schön hier und sauf mir mit Deinen kostbaren Rum ein an.“ Sie hob die Flasche zum Mund und trank direkt daraus. Rum lief an ihrem Mund vorbei und den Hals runter. Der Rum befeuchtete ihren Pyjama und sie zog ihn daraufhin aus. So stand sie barbusig vor mir.
„Willst Du mich?“, ich schaute weg, „Meinst Du, nur weil ich getrunken habe, bin ich nicht geil?“, sofort zog sie auch die Pyjamahose aus und bot sich mir splitternackt dar.
„Willst Du mich denn nicht anschauen?“ und ich tat es.
Sie ist bildhübsch. Sie strahlt eine feine weiße Aura aus. Ich liebe sie dafür. Ihre Brüste sind klein und rund, ihr Bauch gewölbt, ihre Schenkel dünn und ihre Scham, oh wie ich darin versinken möchte. Ich wurde tatsächlich scharf auf sie. Diese Frau stand da, mit ausgebreiteten Armen und spottete über mich und ich wollte mit ihr schlafen. Sie nannte mich einen Feigling, einen Möchtegernmann und Schlappschwanz. Ich schob alles auf den Alkohol und konnte nicht wegschauen. Sie schwankte, trat auf mich zu und ich wich ihr aus. Dann ging sie zur Couch und ließ sich in sie fallen. Auf dem Bauch liegend kam sie zur Ruhe. Ich glaubte es endlich überstanden zu haben und zum Glück hätte es so ein schönes Ende genommen, nackt auf dem Sofa. Ich erfreute mich an ihrem weichen blassen Po, wie er sich langsam hob und senkte und so fing sie wieder an. Die sanfte Blässe wandelte sich in ein liebliches Rosa. Finger blitzten zwischen ihren Beinen auf und dann wendete sie ihr Gesicht zu mir. Mit einem langen theatralischen Stöhnen sah sie mir fest in die Augen und setzte sich dann lachend auf. „Du kannst es nicht!“ Meine Augen hafteten an ihrem Handgelenk, wie es auf und ab glitt. Nun konnte ich noch weniger weg sehen, sie öffnete ihren Schritt und der rot schimmernde Schoss glänzte in einer feuchten Verlockung, die mich die Fäuste ballen ließ. Was zu viel ist, ist zu viel.
„Reiß Dich zusammen.“
„Vor wem denn? Vor Dir, wer bist Du schon, immer glaubst Du zu wissen, was die anderen wollen und vor allem ich. Nimmst an, ich würde schlafen und weckst mich mit zudecken, glaubst ich wolle essen und kochst, fragst aber nicht, was ich essen will. Bestimmst, dass ich hier sauber machen soll und ich war so dumm und hab es gemacht. Schleppst mich zu Deinen Eltern, auch wenn ich Dir sage, ich will nicht, raubst mir meine Zeit. Läßt mich nicht ausgehen, wenn ich mich mit meinen Freundinnen in Bars treffen will, nur zu ihnen nach Hause darf ich gehen. Wie bescheuert war ich überhaupt. Du wachst über mein Geld, mein selbst verdientes Geld. Schreibst mir vor, was ich nicht kaufen darf, dann kannst Du ja gleich für mich einkaufen. Und ich wette …“, sie lehnt sich mit verkniffenen Augen vor, zeigt mit drohendem und feucht schimmerndem Zeigefinger auf mich und sagt: „ich wette, wenn ich Dich ließe, würdest Du auch das noch tun.“
Sie stand auf: „Jetzt hör mir mal zu, ich will ficken und nicht nur Dich, saufen, wann ich will, essen was ich will, anziehen was ich will.“
„Ja und?“, sagte ich kurzatmig. Und sie flippte völlig aus, stürmte auf mich zu und schlug mit festen Hieben auf meine Brust und Schultern, dann ins Gesicht, woraufhin ich sie packte. Was sollte ich denn machen? Gibt mir die Schuld für Dinge, die sie allein nicht ertragen kann. Mit einem ernsten und festen Blick suchte ich sie zu beruhigen und es schien zu funktionieren. Also ließ ich sie los und machte einen Schritt zurück. Sie rieb sich ihre Handgelenke, die ich sehr fest umklammert hatte, doch dann urplötzlich spuckte sie mich an. Sie spuckte … mich an … versteht ihr, ins Gesicht. Ich weiß nicht wann, es geschah einfach, ich bekam es mit, erst war es nur die flache Hand, doch kurz vor ihrem Gesicht klappten die Finger ein und ich schlug sie mit den festen Fingergelenken genau auf die Wange.
Keine Reflexe schien sie gehabt zu haben, ihr Gesicht war weich und ohne Spannung, ungesehen. Der Kopf wurde sofort rumgerissen und durch die Wucht auch ihr Oberkörper. Sie fiel hart auf den Boden und blieb liegen. Kurz darauf hustete sie und spuckte röchelnd Blut und letztlich fiel in ihre weiße Hand ein Zahn. Abrupt schreckte sie herum, starrte mich verstört an: „Mein Zahn, Du hast mir einen Zahn raus geschlagen.“, ich bat sofort um Verzeihung und kniete mich nieder. Doch gab sie mir gleich einen Tritt an den Hals. Ich fiel rücklings um und sah sie zwischen Sternen aufspringen und verschwinden.



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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 27.10.2007 15:51    Titel: Re: Triebfeder des Schreckens 2 Antworten mit Zitat

Hallöchen!

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Es war nicht unverhofft oder ungewöhnlich, aber in seiner Dimension unvorstellbar. Würde ich sagen können, es war Zorn, dann könnte es mir Leid tun, war es aber nicht, auch kein Affekt, viel eher Berechnung. Nur wessen?

An sich ein vielversprechender Anfang. Er wirft Fragen auf und lässt eine Tat erahnen, der auf den Grund zu gehen man sich motiviert fühlt. Eine schriftliche Einladung zum Weiterlesen, zumal man hier noch nicht weiß, ob es sich um die Tat eines Psychopathen handelt, oder ob dieser Anfang womöglich sogar ironisch gemeint ist und eine Satire andeutet. Möglich ist alles.

So weit, so gut eigentlich. Dann mal los.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Meine Finger sind verkrampft, meine Hände zittern noch und ich schaffe es nicht, mich zu beruhigen. Sie ist auf dem Weg in die Notaufnahme einer Zahnklinik und ich bin mir sicher, ich gönne es ihr den Zahn zu verlieren.
Ein erfrischender Sonntagmorgen.

Mit dem letzten Satz findet ein beabsichtigter Zeitsprung statt, der so nicht zu Geltung kommt. Eben noch war „sie“ auf dem Weg in die Notaufnahme einer Zahnklinik, und im nächsten Moment schmiegst du dich an sie im Bett. Der Sprung in die Vergangenheit, der hier stattfinden soll, würde deutlicher zutage treten, wenn du z. B. schreibst: „Alles begann an einem erfrischenden Sonntagmorgen.“ – Dadurch weiß der Leser unmissverständlich, dass jetzt eine Rückblende kommt. Um auf Nummer sicher zu gehen, könnte man hier auch eine Leerzeile einfügen.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Ich wachte an ihrer Seite auf und sog den Duft ihres Pyjamas ein, dann schmiegte ich mich an ihren Rücken und drückte mein Becken an ihren Po, damit hatte ich sie geweckt. Etwas mürrisch drehte sie sich um und erdrückte meine Berührungen, indem sie mich in ihre Arme schloss wie ein Kuscheltier, denn sie versuchte weiter zu schlafen.

1. Hier fällt zweimal innerhalb kürzester Zeit das Wort „drücken“. Diese Wiederholung würde ich vermeiden, weil sie störend auffällt. Vorschlag: Ersetze das erste „drücken“ durch „schmiegen“.
2. Dass sie weiterzuschlafen versuchte, klingt in dieser Satzkonstellation wie ein hässliches Anhängsel. Schuld daran ist die Konjunktion „denn“, die das Anhängsel einleitet. Ich würde einen eigenständigen Satz daraus machen.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Penibel achtete ich darauf, mich wenig zu bewegen, ihr wohl gesonnen, da sie es liebt noch einmal einzuschlafen und dabei den Traum zu erinnern oder fortzusetzen.

„… und sich dabei an den Traum zu erinnern oder ihn fortzusetzen.“ Grund: Man erinnert sich nicht den Traum, sondern an den Traum.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Erst nach einer halben Stunde drückte ich sie hungrig von mir.

Hierbei hätte es sich dann um das dritte „drückte“ gehandelt – das dritte „drückte“ im vierten Satz.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Ich wollte sie wach bekommen und es gelang mir halb. Leider ohne den erwünschten Effekt, denn sie schaute mich wütend an. Geschwind verzog ich mich lieber, verschwand aus ihrem Blickfeld, dem Bett und schlüpfte in leichte Kleidung, um Brötchen und Croissants zu besorgen.

Alles, was hier fett markiert ist, kann eigentlich getrost gestrichen werden. Warum? Dass du mit deinem Versuch sie zu wecken nicht den gewünschten Effekt erzieltest, geht aus dem vorangegangenen Satz hervor: Es gelang dir nur halb. Dass du aus ihrem Blickfeld und dem Bett verschwindest, geht knackiger, indem du dich entweder für das Bett oder das Blickfeld entscheidest – sofern es überhaupt von Belang ist. Aber dazu später mehr.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Schwüle Luft umgab mich, warme Luft beim Bäcker und eine freundliche Verkäuferin hatte alles, was ich wollte.
Zurück in die Wohnung kam ich mit polterndem Eintreten, stieß die Zimmertür auf und versuchte mit dem Öffnen des Fenster, frische Luft in die stickige Wohnung zu lassen und mit einem breiten Lächeln ihre bissigen Augen zu besänftigen. Ich ging erfolglos aus ihrem Zimmer.

1. Dass im hier zitierten ersten Satz zweimal das Wort „Luft“ fällt, ist stilistisch nicht verkehrt (obwohl ich mich frage, wo ihn denn die schwüle Luft umgab – draußen oder auch schon beim Bäcker?). Dass im darauffolgenden Satz aber nochmal das Wort „Luft“ fällt, ist zu viel des Guten.

2. „Zurück in die Wohnung kam ich mit polterndem Eintreten“ – das Satzgefüge ist kompliziert, weil es, wie ich finde, rhythmisch und klanglich nicht mit dem Rest dieses doch ziemlichen langen Satzes harmoniert. Für sich allein genommen hätte ich wohl nichts dagegen einzuwenden. Dieses ganze Szenario plätschert irgendwie vor sich hin und ist für mich in dieser Ausführlichkeit völlig übertrieben, weil irrelevant. Mach´s kürzer, knapper, knackiger!

3. „Mit dem Öffnen des Fensters“ und „mit einem breiten Lächeln“ hört sich ebenfalls nicht schön an. Ein Verb oder Adjektiv wirkt hier Wunder.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Die Küche hat die Eigenheit ans Wohnzimmer anzuschließen und wenn ich den Fernseher zur Küche wende, brauche ich nur noch den Esstisch zur Tür zu ziehen und wir können vor der Glotze und neben dem Kühlschrank speisen.

Grenzt die Küche nun ans Wohnzimmer an, ohne dass sich dazwischen ein Flur befindet? Was hat dann dir Tür da verloren? – Jaja, lies genau, wirst du vielleicht sagen. Aber darum geht es ja gerade: Ich musste diesen Satz drei-, viermal lesen, ehe ich mir über die Lage der Zimmer im Klaren war. Da stecken zu viele Infos drin. Wen interessiert der Kühlschrank? Und dass die Küche ans Wohnzimmer angrenzt, ist keine Eigenheit. Denn was genau ist eine Eigenheit? Das sagt mein Wörterbuch:

Eigenheit: Sonderbarkeit, Merkwürdigkeit, Auffälligkeit, die etwas oder jemand aufweist.

Ist es so merkwürdig, sonderbar oder auffällig, dass die Küche ans Wohnzimmer grenzt? Nein, ist es nicht. Ich glaube, hier hast du im Rausch einer Schreibwut einfach das falsche Wort verwendet. Ist es nicht vielmehr ein Vorteil oder Vorzug? Und überhaupt: Reicht es nicht voll und ganz aus, wenn du einfach schreibst, dass ihr von der Küche aus bequem fernsehen könnt, wenn ihr die Glotze aus dem Wohnzimmer einfach vor die Tür schiebt?

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Ihr Kimono lag neben dem Bett, sie glitt in ihn, suchte das Weite und kam dann barfuss mit flinken Schritten in die Küche getappt.

Trotz Pyjama noch Kimono? Kleiner Frostködel, hm? Laughing

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Sie setzte sich, rieb sich mit frischem Lächeln ihre Augen, gab mir einen Kuss durch die Luft und atmete kräftig ein und aus. Ich war angetan.

Leicht erregbar? Laughing




Ich breche die Einzelkritik an dieser Stelle ab.

Ich muss gestehen, dass ich die letzte Hälfte der Geschichte nur noch flüchtig überflogen habe. Der Grund: Ich finde diese ganze Vorgeschichte, das Erwachen, das Zubereiten des Frühstücks und dieses ganze „Ich liebe dich und du liebst mich und wir lieben uns“-Gehabe so gähnend langweilig und überbordend belanglos erzählt, dass mich einfach nichts dazu bewogen hat, weiterzulesen. Dabei hat alles so vielversprechend begonnen!

Ich habe den Eindruck, dass deine Konzentration nach dem ersten Viertel der Geschichte nachgelassen hat – oder dass du beim Schreiben plötzlich eine so überschwengliche Freude daran empfunden hast, alles haarklein erklären zu müssen, dass du den Blick für das Wesentliche verloren hast. Nimms mir bitte nicht übel, aber vom „erfrischenden Sonntagmorgen“ an bis hin zum Frühstück trieft der Schmalz praktisch aus jeder Zeile hervor. Was hier sicherlich dazu beitragen soll, dem Leser die heile Welt der Zweisamkeit deiner beiden Protagonisten näherzubringen, die dann so plötzlich aus den Fugen gerät, streckt sich zäh wie Kaugummi. Es ist zu lapidar geschrieben, um unterhaltsam zu sein, zu humorlos, um trotz der vielen Details zu motivieren. Ein Gähnen macht sich breit. Ein Gefühl von "Kommt da jetzt noch was?" hält Einzug.

Darüber hinaus würde ich an deiner Stelle mehr Feinarbeit investieren – viele Sätze klingen holprig und zu flüchtig formuliert (ein Zeichen dafür sind zum Beispiel die Wortwiederholungen, ein anderes Zeichen wären unnötige Füllwörter). Mehr Selbstkritik schadet nicht. Mut zur Selbstverstümmelung! Mut zur Amputation rudimentärer oder überflüssiger Körperteile – was interessiert den Leser wirklich, und in welchem Ausmaß verträgt er es? In welchem Ausmaß interessiert es ihn? Welches Ausmaß, welchen Detailreichtum und wieviel Kleinlichkeit bei der Beschreibung von Nebensächlichem kann ich dem Leser zumuten, ohne dass er die Lust am Lesen verliert?

Hier muss der Rotstift herhalten. Auch wenn´s weh tut, würde ich streichen und komprimieren, was das Zeug hält.

Grüße,

Martin


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Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
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Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
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Eve McFar
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BeitragVerfasst am: 27.10.2007 17:43    Titel: Rotstift pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar, jedoch meine ich zu vernehmen, dass die Geduld, die Dir fehlte, um den Text zu Ende zu lesen, Dir den drastischen Bruch der beiden Welten nicht aufgezeigt zu haben scheint. Denn die Schnulze des Anfangs ist nur das Pendant zum Suff der Frau, die sie Küche verwüstet und wie sie sich auszieht, den Protagonisten immer weiter provoziert...
Der Schmalz, die beschriebene Liebe zwischen den beiden bekommt zwei Gesichter und es ist die Frau, die völlig austickt und die stoische Ruhe des Mannes aus der Vorgeschichte überbordend deutlich gemacht.
Meine Erfahrung bei öffentlichen Lesungen zeigte, dass der Anfang zäh ist, sie glauben allesamt, es würde schnulzig sein, doch dann sind sie wie gebannt und gefesselt von den dramatischen Ereignissen, je weiter ich voranschreite im Vorlesen. Bis sie kurz vor Ende benommen durchatmen.
Vielleicht ist der Anfang reichlich überbordend und ich schaue ihn mir an, doch es ist stark darauf zu verweisen, dass so die Proportionen gehalten werden, denn er macht ca. ein Drittel des Textes aus.

Gut fand ich Deinen Hinweis mit der Eigenheit, vorgelesen klingt es immer gut, jedoch nehme ich mit Vorliebe das Wort: Vorteil. Ansonsten, drücken und Luft zu wiederholen ist wirklich nicht schlimm... jedoch, da hast Du auch recht, der Satz vom "Eintreten" ist zu gestelzt, er muss getrennt werden.

Dafür vielen Dank,
mit dieser Kritik kann ich etwas anfangen,
aber ich empfehle Dir, den Hauptteil und das Ende zu lesen, am besten laut und anderen vor, es steckt eine geballte Energie in den Worten, wenn sie verlautbart werden!

Liebe Grüße
Eve Mcfar


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BeitragVerfasst am: 27.10.2007 20:39    Titel: Re: Rotstift Antworten mit Zitat

Moin!

Danke für die Antwort. Schön zu hören, dass dir die Kritik weitergeholfen hat.

Eve McFar hat Folgendes geschrieben:
Dafür vielen Dank,
mit dieser Kritik kann ich etwas anfangen,
aber ich empfehle Dir, den Hauptteil und das Ende zu lesen, am besten laut und anderen vor, es steckt eine geballte Energie in den Worten, wenn sie verlautbart werden!

Bei einer Vorlesung kann ich mir gut vorstellen, dass der Anfang trotz seiner Langatmigkeit und Schnulzigkeit unterhaltsam rüberkommt, wenn (und das ist der entscheidende Punkt) der Vorleser stimmlich und theatralisch zu fesseln weiß. Doch selbst das gelingt nur in Maßen. Die Absicht, die Ruhe der Frau und die Eintracht der beiden zu betonen, ist ja offensichtlich. Dennoch würde ich dieses Drittel komprimieren, wenn es selbst bei einer Vorlesung zäh wirkt. Wie gesagt, man muss sich fragen, wieviel den Leser oder Zuhörer interessiert, beziehungsweise welche Ausmaße ihm zumutbar sind. Geduld und Spannung sind Masochisten: Sie wollen strapaziert werden. Aber sie wollen nicht überstrapaziert werden. Werden sie überstrapaziert, geht der Reiz verloren. Mich reizt es einfach nicht, wenn fröhlich aufgestreut aber wenig unterhaltsam über gescheiterte Weckversuche, Brötchenholen und Frühstücksvorbereitung schwadroniert wird; zu viel Larifari zu langweilig verpackt.

Ein gekürzter Anfang hat nicht zur Folge, dass die traute Zweisamkeit weniger wirksam rüberkommt. Macht man es gut, ist das Gegenteil der Fall. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass traute Zweisamkeit in aller Ausfrührlichkeit nicht zwangsläufig wirksam ist. Hier kommt es ganz besonders auf den Schreibstil an. Weiß der Schreiber trotz aller Ausführlichkeit zu fesseln, zum Beispiel durch Humor oder Spannung oder Identifikation der Worte mit dem Leser, kann man stundenlang über Nonsens faseln, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Mancher Stand-Up-Comedian wäre arbeitslos ohne diese Formel.

Wird der Anfang also dahingehend überarbeitet (und zwar von dort an, wo die Rückblende beginnt, denn der eigentliche Anfang ist, wie gesagt, durchaus mitreißend), zündet der Rest umso furioser.

Das ist wie beim Strippen: Es ist geil, einer Frau dabei zuzusehen, doch so richtig geil wird es erst, wenn die Hüllen gefallen sind. Fummelt sie zu lange an ihren Socken rum, senkt das den Testosteronspiegel immens. Metaphorisch gesprochen. Fußfetischisten schließe ich hierbei natürlich aus. Laughing

Reinhauen!

Martin


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