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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Der Schweizer - Ein Regelwerk und Kompendium zur helvetischen Kommunikation


 

 
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michel.arduin
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 34
Beiträge: 33
Wohnort: Bern


BeitragVerfasst am: 09.03.2014 01:39    Titel: Der Schweizer - Ein Regelwerk und Kompendium zur helvetischen Kommunikation eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen, nach langer Abstinenz poste ich mal wieder was ins DSFO. Wie der Titel schon zeigt, bin ich nicht aus Deutschland, aber ich werte das Attribut "Deutsches" nunmal als: "Deutschsprachiges". Bitte korrigiert mich, falls ich hier falsch liege. Im weiteren werdet Ihr hier einen Text vorfinden, der an alle gedacht ist, die mit dem Gedanken spielen, in die Schweiz zu kommen. Sicher wart ihr schon einmal hier oder kennt jemanden, der mal zu Besuch hier war. Und falls Ihr oder, euer Bekannter hier in der Schweiz vieles nicht verstanden habt, dann bietet dieser Text (Buch eigentlich / noch in der Entstehung) einige Erklärungsansätze für unser Verhalten. Das ganze wird in lose miteinander verknüpften Kapiteln erzählt, die so aufgegliedert sind, dass sie beispielsweise auch als Blogbeitrag gepostet werden können. Das ganze ist mit einem Augenzwinkern zu geniessen wink. Viel Spass:

Prolog

Willkommen in der Schweiz. Dem besten Land der Welt. Und wenn Sie’s noch nicht wissen, in der Schweiz läuft alles etwas anders. Diese gesammelten Textstücke sind nur für Sie, damit Sie uns  verstehen können. So können Sie, falls Sie uns unbedingt besuchen müssen, mit uns Eingeborenen reden und auch verstanden werden. Diese Textsammlung soll das helvetische Denken reflektieren, so dass Sie ihre niedere Wesensart unserem überlegenen Naturell anpassen können. Es soll Ihnen helfen sich so einzublenden, dass Sie, wenn Sie gezwungen sind, mit uns Schweizern zu interagieren, nicht auffallen, nicht aus der Reihe tanzen, zu laut sind, falsche Sachen sagen, denn das alles ist, Sie werden es erraten haben, äusserst wichtig in der Schweiz.
 
Wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt

Das erste und zugleich wichtigste Kapitel widmet sich dem helvetischen Öffentlichkeitsgebaren. Es ist die häufigste und zugleich anonymste Form in der Kontakt mit uns Schweizern zustande kommt. Wir Schweizer machen nicht gern neue Freunde und müssen Sie zuerst eine Weile aus dem Schutze der Anonymität beobachten, damit wir in aller Ruhe -und mit der nötigen Distanz- ein Urteil über Sie fällen können. Erst dann laden wir Sie in unser Allerheiligstes ein. Aber alles der Reihe nach. So weit sind Sie noch lange nicht. Zuerst müssen Sie lernen wie das Ignorieren à la Suisse geht.

Ignorieren à la Suisse:

Die Szene: Ein typischer, grauer, neblig kalter Montagmorgen an einer Tramhaltestelle. Sie werden neu in der Schweiz sein und aufgeregt um sich blicken, ein neues Land, viele neue Gesichter, viele Geschichten und neue Freundschaften. Also werden Sie es vielleicht für eine gute Idee halten, sich mit den Menschen an der Tramhaltestelle zu unterhalten, um neue Freundschaften zu schliessen, oder schlicht um sich vorzustellen. Schliesslich sind Sie ja neu hier und werden vielleicht täglich um dieselbe Zeit an dieser Tramhaltestelle stehen. Dann könnte man sich ja zumindest etwas kennenlernen.

Falsch.

Sie sprechen also jemanden an. Wundern Sie sich nicht, wenn die Person zuallererst Erstaunen, zumindest ein Raufziehen der Augenbrauen zeigt und Sie zuerst von oben bis unten mustert, bevor sie antwortet. Manchmal wirft sie auch noch einen gehetzten Blick um sich, nur um sicherzustellen, dass sie nicht plötzlich umzingelt sei. Ist diese Musterung abgeschlossen wird die Person, je nachdem welches Urteil über Sie gebildet wurde, in unterschiedlichen Tonlagen eines „Hä“ antworten.

Dieses Hä ist ein Wunderwerk Schweizerischer Kommunikationstechnologie und setzt auf bewährte Schweizer Werte: Stabilität, Effizienz und Anpassungsfähigkeit. So können wir mit „Hä“ unglaublich viel ausdrücken, je nachdem, in welcher Tonlage es ausgedrückt wird. Beispielsweise gibt es das „abschätzige Hä“. Um das korrekt zu betonen, müssen Sie gleichzeitig mit der Ausstossung des Lauts, den Gesichtsausdruck etwas verzerren, als hätten Sie etwas Schlechtes gerochen. Erstens, um das „Hä“ tief aus der Kehle zu betonen und zweitens, damit Sie auch die zweite Ebene der Kommunikation nutzen können und über Ihren Gesichtsausdruck ihre wertenden Gefühle mitteilen können. Es gibt auch das „freundliche Hä“, mit Betonung auf den Vokal „ä“ wo Sie leicht die Tonlage steigern können, um Freundschaftlichkeit zu signalisieren.

Jetzt werden Sie also ein „Hä“ wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben wahrnehmen. Lassen Sie sich gesagt sein, es wird immer ein erstes Mal geben, in dem Sie die lieblichen Klänge des „Hä“ vernehmen werden. Manche sagen, dass erste „Hä“ beeinflusst, wie ihr weiterer Verlauf in der Schweiz sein wird. Wie eine linguistisches Ohmen, das sich an Sie heftet und Ihr Schicksal beeinflusst.  Aber das ist Aberglaube. Es geht hier nur um Kommunikation und um zu verstehen, was diese Person, die Sie völlig ungerechtfertigt angesprochen haben, Ihnen mitteilen will. Die Chancen stehen gut, dass  Sie ein abschätziges „Hä“ gehört haben und hier bietet sich eine einmalige Gelegenheit, Ihnen auszubreiten, was diese Schweizer Person Ihnen nun mitteilen will:

Erstens: Es war zu schnell, zu abrupt, zu fremd. Wir Schweizer haben unsere Denkprozesse und wollen aus denen nicht rausgestört werden. Wenn uns also ein audiovisueller Input erreicht, den wir nicht verarbeiten können, dann refüsieren wir diesen mit einem gezielten „Hä“ und erwarten, dass das Gegenüber nun seine Aussprache und Auftreten anpassen wird. Wenn nicht, wird das „Hä“ in variierenden Tonfällen wiederholt, um das arme Gegenüber, das partout nicht begreifen will, zu signalisieren, es solle entweder so reden, dass man es versteht, oder mit jemanden anderem reden. Das ganze Spektrum des „Hä“s finden Sie weiter hinten aufgeführt im Buch im Kapitel „Hä- 100 verschiedene Deutungen“. Manche sagen, dass wenn Sie das „Hä“ ausreichend beherrschen, bereits über die Hälfte der Schweizerischen Sprache beherrschen. Soll noch einer sagen, Schweizerisch sei schwierig.

Zweitens: Wir wollen nicht gestört werden. Wir brauchen niemanden, im Gegenteil, die Welt braucht uns. Jedes Mal, wenn wir etwas Aussergewöhnliches erfinden, findet die Welt, das sei eine gute Idee. Die Genfer Konventionen wurden in der Schweiz unterzeichnet, Albert Einstein lebte für eine Weile in der Schweiz und Albert Hoffman, ein Schweizer Chemiker, läutete mit seinem LSD die Generation der Hippies ein. Denken Sie mal darüber nach.

Drittens: Wir wollen keine neuen Freunde. Wir sind klein, wir sind nicht die Stärksten. Doch wir haben es trotzdem geschafft, der Welt einen Teil des Kuchens abzuknöpfen. Es geht uns gut. Die Lebensqualität in der Schweiz ist überragend hoch und kann sich mit der ganzen Welt messen.  Aber diese Lebensqualität muss verteidigt werden und darf nicht leichtmütig geteilt werden. Das zieht sich in alle Lebensbereiche hin. Und mit wem teilt man am ehesten? Genau, mit Freunden. Deshalb brauchen wir auch nicht neue Freunde.  

Viertens: Man ignoriert sich. Wenn Sie aufmerksam beobachten, sehen Sie, dass jeder einen Minimalabstand zu seinem Nachbarn hält. Er beträgt in etwa eine doppelte Armlänge und wird auch eingehalten, solange der Platz für alle reicht. Ansonsten wird der öffentliche Raum gerecht aufgeteilt. Steigen beispielsweise 4 Schweizer in einen Zugwaggon, der 4 freie Abteile hat, dann hat sich jeder an sein eigenes Abteil zu setzen. Zuwiderhandlungen werden mit der „Frown of Disapproval“ bestraft.
Es wird Ihnen ins Fleisch und Blut übergehen.

Ignorieren à la Suisse: Das ist in einer Menschengruppe zu stehen und in die Leere zu starren. Das ist in einem Raum voller Menschen zu sein und doch alleine zu sein. Das ist die hohe Kunst, seine Mitmenschen zu ignorieren, ohne unhöflich zu sein. Allzeit mit einem „Hä“ gewappnet, jeder sozialen Herausforderung aus dem Weg zu gehen. Mit etwas Übung werden auch Sie es beherrschen, bis es Teil Ihres Lebens wird.

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Lupo
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 365
Wohnort: Pegnesien


BeitragVerfasst am: 30.04.2014 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

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Alpen-Yeti
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 48
Beiträge: 131
Wohnort: irgendwo in den Bergen


BeitragVerfasst am: 23.07.2014 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Michel,

auch wenn Dein Beitrag schon etwas älter ist, wollte ich Dir kurz meine Meinung mitteilen: Dein Text hat mich amüsiert und es hat mir Spaß gemacht, ihn zu lesen.

Hier ein paar Bemerkungen auf die Schnelle:

 "Es soll Ihnen helfen sich so einzublenden ..." da würde mir "einzufügen" besser gefallen.

"Das erste und zugleich wichtigste Kapitel widmet sich dem helvetischen Öffentlichkeitsgebaren. Es ist die häufigste und zugleich anonymste Form in der Kontakt mit uns Schweizern zustande kommt. "
Hier verstehe ich den Zusammenhang nicht ganz.Durch das Öffentlchkeitsgebaren kommt am häufigsten Kontakt mit den Schweizern zustande? Oder möchtest Du vielleicht nur sagen, dass man in der Öffentlichkeit am häufigsten mit Schweizern zusammentrifft? Oder habe ich das komplett falsch verstanden?

"Ist diese Musterung abgeschlossen wird die Person, je nachdem welches Urteil über Sie gebildet wurde, in unterschiedlichen Tonlagen eines „Hä“ antworten. " Liest sich holperig. Mein Vorschlag:
Ist diese Musterung abgeschlossen, wird die Person, je nachdem welches Urteil sie gefällt hat, mit einem "Hä" antworten.
Das mit den verschiedenen Tonlagen, kommt ja im nächsten Absatz und kann meiner Meinung nach hier weggelassen werden.

Das Thema finde ich witzig und interessant. Bin schon neugierig auf das fertige Buch, vielleicht, weil ich ja zur (potentiellen) Zielgruppe gehöre.

Liebe Grüße
Bianca
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simplify
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze


Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 06.07.2015 19:38    Titel: hä Antworten mit Zitat

Hoi Michel

Als Schweizer musste ich bei einige Stellen richtig schmunzeln. Du sprichst einige typisch schweizerische Verhaltensmuster an, und das finde ich sehr erheitern. Für mich persönlich ist der Text aber noch zu wenig pointiert; manchmal sprichst du zwar ein spannendes Verhalten an, aber die Beschreibung ist zu allgemein, als dass sie wirklich lustig wäre. An diesen Stellen kommt der Text noch etwas flach heraus.

Mein Eindruck: Du hast eine super Idee, und hier steckt viel Potenzial drin. Der Diamant ist aber noch nicht ganz aus dem Geröll gelöst, wenn du weisst, was ich meine.

Schweizerischer Gruss
Sify
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