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lilli.vostry
Wortschmiedin


Beiträge: 1166
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 29.01.2014 14:54    Titel: Abschied eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Abschied

Du bist mir nah
doch bist nicht mehr
mitten im Winter
gingst Du fort
gefror das Blut
in Deinen Adern
während meines
flutete

kein Halten mehr
die Zeiger blieben stehen
ich taumle durch den Tag
mutterseelenallein
hab Dein Herz verloren
Dein Lachen Deine Tränen
Angst und Übermut
Deine Leinwände nun ohne Farben

Die vielen für immer ungesagten Worte
bleiben in mir



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Gast







BeitragVerfasst am: 29.01.2014 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ganz, ganz spontane Rückmeldung:

Hier kann ich leider nichts mitnehmen, mir kommt das vor wie ein Zusammenschnitt aus vielen schon gelesenen Gedichten zum Thema.
Dass "mutterseelenallein" so ziemlich das verbrauchteste Wort ist, das man an dieser Stelle setzen kann, brauche ich vielleicht gar nicht zu erwähnen.

Für dich ist das ein fertiges Gedicht, dir ist es besonders wichtig (!) ... ich werde bestimmt noch mal in den Faden schauen, mich interessiert dann schon, ob ich mit meinem Missfallen allein da stehe.

Sorry, das wars schon
einen Gruss,
Lorraine
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3371
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 30.01.2014 01:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lilli,

ein LI schaut auf sein Jetzt und das ist voll von Abschied.
Ich schaue nun einmal auf den Text als Text und hoffe, dass du es bei dieser Thematik überhaupt so sehen kannst.
Ich habe eine Weile überlegt, warum mich der text nicht wirklich erreicht mit dem, was er mir sagt.  Es ist einmal der Ton, der in den Zeilen weht, der ein wenig nach Klage und auch Anklage (vielleicht an das Schicksal?) klingt. Das LI zählt die Dinge auf, vergewissert sich. Vielleicht will es einen einen Abschluss schaffen? Ich spüre nicht die Nähe und den Schmerz, den es hier wortgewaltig beschwort. Und das ist der zweite Aspekt: die Wahl der Worte.

Zitat:
Abschied

Du bist mir nah
doch bist nicht mehr
mitten im Winter
gingst Du fort
gefror das Blut
in Deinen Adern
während meines
flutete


„das Blut gefror in deinen Adern“: das sind gewaltige Worte, sie berühren weniger, lassen mich eher an ein Shakespeare Drama denken. Auch das „flutet“ greift in ein ähnliches Register. Ich will nicht leugnen, dass solche Wortungen in mir Alarm auslösen und mein Empfinden da sicher etwas übersensibel ist.

Zitat:
kein Halten mehr  
die Zeiger blieben stehen
ich taumle durch den Tag
mutterseelenallein
hab Dein Herz verloren
Dein Lachen Deine Tränen
Angst und Übermut
Deine Leinwände nun ohne Farben


In der zweiten Strophe greifst du auf allzu gebräuchliche Bilder und Worte zurück: „Zeiger bleiben stehen / durch de Tag taumeln / Herz verloren“.
„mutterseelenallein“ birgt für mich soviel „Jammer-Überschuss“, das ich diesem Wort von Kind an nicht getraut habe.

Eine wirklich gute Zeile, die mich aufhorchen lässt, ist die letzte. Hier spüre ich zum ersten Mal das LI und LD im Text anwesend. Hier nennt das LI etwas, was sie beide geteilt haben, was sie verbunden hat und was es vermisst und das klingt so einfach, so real, so glaubwürdig.

Ich hätte das Gedicht da beendet.

Zitat:
Die vielen für immer ungesagten Worte
bleiben in mir


Ungesagte Worte: ja, die gibt es in den meisten Abschieden und allzu oft verirren sie sich in ein Gedicht.

Lilli, es ist nicht leicht, eine solche Thematik umzusetzen und hier den Ton auszubalancieren. Vielleicht findest du hier und da ein individuelleres Bild für das, was das LI vermisst.

Liebe Grüße Aranka


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

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KleineLady
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 37
Beiträge: 37
NaNoWriMo: 13815
Wohnort: Rhein-Sieg-Kreis


BeitragVerfasst am: 30.01.2014 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lilli,
die anderen Rezis hab ich nicht gelesen, also verzeih, wenn ich Dinge wiederhole.

Dein Text hat Verlust als Thema und will die Gefühle des Zurückgebliebenen darstellen, wenn ich es so richtig verstanden habe.

Leider hat mich dein Text nicht berührt. Ihm fehlt die persönliche Note. Es gibt viele Gedichte über Verlust und Tod, und jeder, der jemanden verloren hat, empfindet es anders. Dementsprechend sollten auch deine Worte sein. Dadurch, dass du abgeschmackte Phrasen verwendest, wirkt es aber wie ein Massenprodukt.

"mutterseelenallein"; "gefror das Blut in deinen Adern"; "Kein Halten mehr"; "taumle durch den Tag"; "Dein Herz verloren"; "Die Zeiger bleiben stehen" und die "ungesagten Worte". All das waren mal starke Bilder, doch durch den ständigen Gebrauch sind sie zu Alltäglichkeiten geworden, genauso wie Begriffe wie "Motorhaube" und "Sie strahlte wie die Sonne". Es wird nicht mehr als Bild wahrgenommen, erzeugt keinerlei Emotion mehr und beschreibt nicht mal ansatzweise die Wirklichkeit.

Was mir gefällt, ist der Satz:
"Deine Leinwände nun ohne Farben."
Das ist ein schönes und aussagekräftiges Bild, dass sich auf verschiedene Weise interpretieren lässt.

Wenn es dein Verlust war, ein tatsächlicher Verlust, dann setz dich doch mal hin, geh in dich und schreib spontan die Worte auf, die in dir erscheinen. Ich bin sicher, du findest treffendere.
Meine Meinung.

Federgruß
Nina
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lilli.vostry
Wortschmiedin


Beiträge: 1166
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 03.02.2014 00:22    Titel: aw:Abschied pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Lorraine,

danke für Deine Meinung zu diesem Abschieds-Gedicht.
Mir geht es hier um einen Gesamteindruck und die Wirkung, nicht vorrangig um sprachliche Vollkommenheit, daher steht es unter Feedback.

Es ist ein erstes Herantasten an das noch Unfassbare, mit Worten kaum Greifbare, den Verlust eines geliebten Menschen, wobei das "mutterseelenallein" hier ganz wörtlich gemeint ist und LI sich genau so fühlt im Moment.
In solch einer schmerzlichen Situation sucht man auch nicht nach besonders originellen Worten, sondern greift wie nach einem Strohhalm nach Formulierungen, die einem gerade einfallen um die Trauer heraus zu lassen und das sind in dieser völlig neuen ungewohnten Situation wohl nicht zufällig zuerst Bilder, die naheliegen und am meisten trösten.

Sicher lässt sich da mit etwas Abstand und neuen Erfahrungen mit dieser Situation - Abschied für immer und was bleibt - noch tiefer und prägnanter einsteigen textlich.

Ich sehe als einen Anfang.

Ich bedanke mich auch für die anderen Kommentare, auf die ich demnächst antworte.

Einen guten Wochenstart wünscht,
Lilli


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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3371
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 03.02.2014 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lilli,

ich hatte es leise geahnt und deine Antwort an Lorraine bestätigt meine vage Vermutung. Du schreibst:

Zitat:
Es ist ein erstes Herantasten an das noch Unfassbare, mit Worten kaum Greifbare, den Verlust eines geliebten Menschen, wobei das "mutterseelenallein" hier ganz wörtlich gemeint ist und LI sich genau so fühlt im Moment.


Wer kennt sie nicht, die Situationen von großem Leid und auch von großer Freude, und die Gefühle, die überwältigen, die den Boden unter den Füßen wegreißen und auch die Sprache. Stumm steht man da und will dem Geschehenen doch sprechend nahekommen.
Wie weit solche Versuche überhaupt gelingen oder ob sie scheitern, liegt daran, was man mit dem Sprechen möchte. Möchte man nur für sich, seine Gefühle und das unfassbare des Augenblick festhalten, um es auch ein wenig ablegen zu können, um in dem Geschriebenen ein Gegenüber zu haben, auch für ein Später, dann kann es sicherlich gelingen. Es wird ein Text für mich alleine geschrieben entstehen. Ein Text, der zeigt, was ich fühle, der nicht über eine Wirkung beim Leser nachdenkt, nicht nachdenkt über das, was der Leser ggf. spüren kann.
Für mich wäre es dann ein Text für mein Tagebuch, für eine spätere Bearbeitung unter dem Aspekt: „Was möchte ich, dass der Leser spürt! Wie kann ich diesen Text bauen, das sich das „Eigentliche“ dieses Abschiednehmens, dem Sprechen nicht entzieht.

Du schreibst:

Zitat:
In solch einer schmerzlichen Situation sucht man auch nicht nach besonders originellen Worten, sondern greift wie nach einem Strohhalm nach Formulierungen, die einem gerade einfallen um die Trauer heraus zu lassen und das sind in dieser völlig neuen ungewohnten Situation wohl nicht zufällig zuerst Bilder, die naheliegen und am meisten trösten.


Das kann ich nachvollziehen und ich sehe darin bestätigt, was ich oben über den Text gesagt habe: ein sehr privater Text.

Du hast dich dennoch entschlossen den Text einzustellen: ins Feedback, was zwar heißt: „Ich will keine Textarbeit, für mich ist er so fertig, aber ich will eure Meinung hören, will wissen, wie der Text auf euch wirkt, was ihr dabei spürt.“ (Obwohl du ihn nicht als solchen bearbeitet hast.)

Und hier ist die Gefahr, in die sich Autor und Kommentator hineinbegeben, unvermeidbar: der Kommentator benennt die Wirkung des Textes, der Bilder und Wortwahl und eigentlich ist es nicht das, was den Autor zu diesem Zeitpunkt wirklich interessiert. Er will vielleicht die Leser hier nur „Anteil nehmen lassen“. Das kann ich als Kommentator aber nicht wissen, wenn etwas ins Feedback den Leserblicken „ausgesetzt“ wird. Ich fände es dann hilfreich, einen kleinen Hinweis vom Autor zu erhalten. Denn jeder kritische Kommentar kann hier nur ein falscher sein.

Du schreibst zwar (und ich sehe in diesem Wunsch ein nicht zu Erfüllendes):

Zitat:
Mir geht es hier um einen Gesamteindruck und die Wirkung, nicht vorrangig um sprachliche Vollkommenheit, daher steht es unter Feedback.


Ich denke, die Kommentare beschreiben die Wirkung des Textes und einen Gesamteindruck, aber der Text wollte doch in ersten Linie gar nicht „wirken“, sondern einfach „etwas festhalten“, ein ganz persönliches Befinden.
Sobald ich nämlich die Wirkung eines Textes betrachte, betrachte ich immer auch seine sprachliche Seite, denn womit sollte er wirken, wenn nicht mit seiner Sprache.

Zitat:
Sicher lässt sich da mit etwas Abstand und neuen Erfahrungen mit dieser Situation - Abschied für immer und was bleibt - noch tiefer und prägnanter einsteigen textlich.


Das sehe ich auch so und hier finde ich auch einen guten Hinweis an die Kommentatoren, den ich mir so formuliert vorstellen könnte:

Ich sehe diesen Text als einen Anfang. Für ein tieferes Einsteigen in den Text brauche ich noch Abstand.

Zitat:
Ich bedanke mich auch für die anderen Kommentare, auf die ich demnächst antworte.


Liebe Lilli, in deiner Antwort an Lorraine lese ich alles, was auch meinen Kommentar beantworten würde, und ich fühle mich mit deiser Antwort gut bedacht. Lass diesen Text (und ruhig auch die Antwort an mich) einfach ruhen, gönne dir den Abstand, den du brauchst.

Liebe Grüße Aranka


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lilli.vostry
Wortschmiedin


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BeitragVerfasst am: 03.02.2014 15:02    Titel: aw:Abschied pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Aranka,

ich danke Dir sehr für Deine zwei Kommentare, Dein  ausführliches Eignehen und Hineinspüren in dieses Abschieds-Gedicht - das tatsächlich ein sehr persönliches ist und meiner Mutter gewidmet.
Mir geht es um beides, den Gesamteindruck und die Wirkung zu erfahren, das schließt freilich auch die sprachliche Aussage und Kraft mit ein, die mir auch wichtig ist zu erfahren im Nachhinein. Es gibt mir auch Trost und Kraft, wenn ich meine Gefühle ausdrücken kann und andere Anteil nehmen.

Wenn die Worte Dir recht groß und dramatisch erscheinen, dann spiegelt das eben auch die Situation des LI in dem Moment, als es die schmerzliche Nachricht erfuhr.
Die Bilder im Mittelteil sind sicher noch mal überdenkenswert, das braucht aber noch Zeit.
Es freut mich, dass die Schlusszeile Dich anspricht, die mir auch sehr wichtig ist und auch mehrdeutig zu verstehen, einerseits das Endliche, die vielen ungesagt bleibenden Worte, aber darüberhinaus bleiben sie mir auch - indem ich mir Stimme und Worte des nicht mehr lebenden Menschen in mir wach halte und weiter Zwiespache halte mit dem Menschen, der mir so nahe war und ist wie kein zweiter.

Liebe Grüße,
Lilli


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