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Dieses Werk wurde für den kleinen Literaten nominiert Am Strom


 

 
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


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Wohnort: zwischen Hügeln und Aue...
Das Silberne Pfand Der silberne Durchblick
Lezepo 2015 Lezepo 2017


BeitragVerfasst am: 10.12.2013 18:11    Titel: Am Strom eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

.

Am Strom


Fährmann, hol über!

Ich warte nicht gern!
Die krumme Weide wiegt den Schopf,
ihr Käuzchen nickt dazu:
In seinem Spiegel glänzt nur er.
Die Taschen schwer,
so leicht wird er ersaufen…

Mein Stein trifft nur den Stamm.

Ein Ruder teilt den Strom, die Wellen …



Ein Ruder teilt den Strom, die Wellen …

Es ist soweit.
Der alte Kauz, hat er nicht Recht?
Mein Mantel musste Kaschmir sein,
der diese Schauer mir nicht nimmt.
Ich schenke ihn dem Baum, behalte
einen Groschen in der Hand,
im Mund die Bitte:

Fährmann, hol über!

.



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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 10.12.2013 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

Da hast du sehr viel in dies kurzen Zeilen gesteckt, das man sich vom Inhalt her auch als eine ganze Geschichte vorstellen kann (modern, aber auch als Märchen oder Fabel.)

Als Klischee könnte man einfach nur die Geschichte eines Reichen, dessen Reichtum verschwunden ist, lesen. Aber man kann auch eine Parabel darin sehen, die sagt: Was nutzt dir dein Geld, dein  Aussehen, der weltliche Erfolg, das Glück, das du im Spiegel suchst: Am Ende kratzt auch du ab. Bist also gar nicht anders als alle. Infragestellen, Hinterfragen, was wirklich wichtig ist.

In der ersten Strophe tut LI das noch nicht, schmeißt mit Steinen nach dem weisen Käuzchen, dem Baum, um sie still zu machen. In der zweiten Strophe, am Ende, muss er dem alten Kauz recht geben.

Sehr schön gemacht, wunderbar formuliert.
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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 10.12.2013 23:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zinna

Es erzeugt ein Bild und ein Gefühl in mir. Viele Gefühle.
Die Überfahrt macht mich nicht traurig.
Ein meisterlicher Umgang mit den Worten.

Der Groschen in der Hand,
im Mund ...

Ein Bezug zur Tradition, dem Verstorbenem eine Münze in den Mund zu geben?

Wirklich sehr schön

Martin


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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 10.12.2013 23:41    Titel: Antworten mit Zitat

Was ist das fuer eine komische Tradition, (von der ich bisher noch nicht wusste)?
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Jack Burns
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 52
Beiträge: 1547



BeitragVerfasst am: 10.12.2013 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

An Fistoffertio

Wiki erklärt es besser als ich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Charon

Ich habe es durch einen Thriller erfahren, wo den Opfern eine Münze in den Hals gestopft wurde.

Liebe Grüße
Martin


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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 10.12.2013 23:53    Titel: Antworten mit Zitat

Danke. Meine klassische Bildung ist schon arg in Vergessenheit geraten.

Dann gibt es womöglich die Weide und das Käuzchen auch in einer dieser alten Legenden?
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Zinna
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Das Silberne Pfand Der silberne Durchblick
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BeitragVerfasst am: 11.12.2013 23:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio, hallo Martin,

es freut mich sehr, dass ihr euch so positiv über mein Gedicht äußert. Das Lob, wie der Text wirkt, schmeckt unheimlich gut. smile extra

Die Münze... ja nun, sie ist das Zahlungsmittel für den Fährmann. In der Mythologie.
In der Hand, im Mund...beides lässt sich (er)lesen.

Die Weide und das Käuzchen... Es gibt sie, bestimmt. In Legenden und überall. Vielleicht nicht immer als Kauz und Baum. Wer weiß...

Viele Grüße und Dankeschön smile
Zinna


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Kissa
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 650
Wohnort: Saxonia
Der silberne Spiegel - Lyrik Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 13.12.2013 23:59    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Zinna,
in der kurzen, heftigen Aufregung um meinen eigenen Wettbewerbsbeitrag und wegen ewiger Zeitnot habe ich so garnichts mitbekommen. Es tut mir sehr leid, dass dieses tolle Gedicht, das genau meine Kragenweite ist, nicht mit dabei war.
Ja, ich habe nun alles gelesen und es ist derweilen viel darüber diskutiert worden und auch eine erkleckliche Menge Wasser die Elbe heruntergeflossen; deshalb, denke ich, ist es nicht vonnöten, noch mehr Worte zu verlieren.

Sagen möchte ich dir, dass ich dein Gedicht wunderbar finde. Der Tod bzw. die unirdische Parallelwelt/-ebene bietet sich geradezu an für derlei Spiegeleien.

Alles Liebe und eine schöne Weihnachtszeit
wünscht dir
Kissa


_________________
"Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige."

Voltaire (1694 - 1778)
eigentlich François-Marie Arouet,
französischer Philosoph der Aufklärung, Historiker und Geschichts-Schriftsteller

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Zinna
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BeitragVerfasst am: 14.12.2013 00:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Kissa,

dein Lob freut mich, mächtig sogar. smile Dankeschön für dein Rückmelden.

Ich wünsche dir auch eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Liebe Grüße von der Elbe
Zinna


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Aranka
Geschlecht:weiblichBücherwurm


Beiträge: 3366
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Lezepo 2017 Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 03.01.2014 18:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zinna,

ich hatte den Text zwar schon einmal in dem nun geschlossenen Faden kommentiert, möchte ihn jedoch auch hier mir einem feedback versehen und gleichzeitig nominieren.

Zitat:
Am Strom

Fährmann, hol über!

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einen Groschen in der Hand,
im Mund die Bitte:

Fährmann, hol über!



Die Charon-Geschichte einmal anders erzählt, heutig, und mit vielen kleinen Feinheiten: inhaltlich und stilistisch.

Gleich beim ersten Lesen beeindruckt der Textton: erzählend und fest, keine Spur von Wehmut oder gar Hader. Erwähne das, da der Textton bei der Thematik Tod immer ein schwieriger und gut zu bedenkender ist. Hier ist er gelungen und durchgehalten.

Gleich die erste Zeile schlägt diesen unverkennbaren Textton an und legt das Thema offen:

Zitat:
Fährmann, hol über!


Ein Li steht dem Tod (Fährmann) gegenüber, es ruft den Fährmann, es ist bereit?  Und nun folgt ein kurzer Rückblick/Spiegelung und einher geht eine Erkenntnis.

Neben anderen Bildern ist für mich das „Mantelbild“ ein sehr fein gelungenes und gut in den gesamten Text eingearbeitetes:

Im Spiegel des Stroms/Kauzes/Fährmanns glänzt der Mantel, doch ist er schwer, so wird er den Strom nicht überqueren, und der in ihm wird mit ihm ersaufen. Je erdenschwerer er ist, je leichter wird das Ersaufen sein.
Die Taschen zu leeren und die „Steine“ über den Fluss zu werfen reicht nicht.
[sie treffen nur den Stamm] auch ein vieldeutiges poetisches Bild.
 
Der Mantel an sich ist schwer. Mit nichts als die Haut und einem „Groschen und einer Bitte“ wird das LI den Strom überqueren. Dieses Leichtsein des LI (hier im Gegensatz zu den schweren Taschen in Strophe 1) ist so schön in den Text inhaltlich eingearbeitet,( also nicht nur mit der Umkehrung der Worte wird der Chiasmus auf syntaktischer Ebene hergestellt), dass es für mich ein gut gemachter Chiasmus auf der Bedeutungsebene ist.
 
Der Text arbeitet noch mal nach: Das Li hat keine Taschen mehr, nur die Hand für den Groschen und der Mund in dem die Bitte aufbewahrt wird. Hier gelingt dem Text etwas recht Schwieriges, das „Nicht-Vorhandensein“ von Ballast aufzuzeigen, durch die Darstellung der Spärlichkeit dessen, was noch da ist. Genau diese Feinheiten überzeugen mich am Text.

Das gleichzeitig hier mit dem alten Groschenmotiv unter der Zunge gespielt wird und wie dieses hier etwas anders eingearbeitet wird, gefällt mir auch gut.

Formal gefällt mir hier die leicht veränderte Kauzzeile. Hier wird die leichte Veränderung während des „Spiegelns im Lebensstrom“ unauffällig eingebaut.

Im Aufbau empfinde ich den Text als sehr stimmig und durchdacht: weder die wiederholenden Zeilen, noch der Chiasmus fallen künstlich als reine „Wortfigur“ aus dem Text heraus.

Zinna, ein bemerkenswerter und gelungener Text. Auch ich werde ihn nominieren.

Liebe Grüße Aranka


Nachtrag: Ich habe nun vergebens das Feld für die Nominierung gesucht. Habe dann ein wenig rumprobiert und auch bei anderen Texten gesehen, dass es verschwunden ist. Nur noch bei Texten von 2014 kann man nominieren. Meine Stimme hast du dennoch und wie gut, dass da einer schneller war.


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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Zinna
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BeitragVerfasst am: 05.01.2014 20:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aranka,

bitte entschuldige, dass ich jetzt erst antworte, aber ich hatte/habe Schwierigkeiten mit der Technik.

Deshalb heute eine kurze Antwort von mir, ich hoffe, sie schafft es durchs Netz.

Vielen Dank, dass du zum Jahresbeginn noch einmal auf mein Gedicht so ausfühlich eingegangen bist, deine Gedanken und Eindrücke festgehalten hast.
Wie ein zusammenfassender Blick von oben darauf. Es ist schön, zu sehen, dass und wie das Gedicht auf den Leser wirkt.

Das N ist wie ein Pokal für mich, freue mich sehr darüber.

Aranka, dankeschön für deine Worte. Möge das Jahr gut weiter gehen.

Liebe Grüße
Zinna


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(c) Zinna
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