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Die Nil Intervention


 

 
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Dash
Abc-Schütze


Beiträge: 2



BeitragVerfasst am: 05.12.2013 14:09    Titel: Die Nil Intervention eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die vor euch liegenden Zeilen sind schlicht die ersten 5 Seiten des ersten Kapitels eines von mir geschriebenen Agententhrillers, der, meinem bescheidenen Wesen entsprechend, den Anspruch erhebt auch auf literarischer Ebene zu überzeugen. Ich bin hier nicht auf Lob oder Komplimente aus (um der Wahrheit die Ehre zu geben, bin ich wohl mehr als ausreichend von meinem Talent überzeugt), nein vielmehr ist es die berühmte "konstruktive Kritik". Also scheut euch nicht mir eure ehrliche Meinung um die Ohren zu hauen.
Zur Geschichte: In einem kurzen,dem ersten Kapitel vorangestellten und in der dritten Person erzählten Prolog erfährt der Leser, dass ein hochtrainierter Attentäter des US Geheimdienstes aus seinem Refugium in Deutschland entführt wurde und - mit seiner Familie als Druckmittel - zu einem Attentat erpresst werden soll. Also dann,viel Spaß!


Ich kam zurück ins Sein, eingetaucht in jene glänzende
teerig schwarze Fläche aus Desorientierung und Verwirrung,
welche alles, was eine Seele besitzt, nach einem tiefen
Schlaf umfängt.
Der Kontakt zur Wirklichkeit. An einem gefrorenen Wasserfall
abzurutschen und dann irgendwann plötzlich doch noch einen
Halt zu finden. Dieser Moment vermag es scheinbar jeden
Zeitraum – von der Zehntel Sekunde bis zum Lebensende –
einzunehmen. Ich brauchte wesentlich länger als eine Zehntel
Sekunde, wozu auch Ägypten beitrug, der Nil, die Reling
sowie der livrierte Araber, der mich unverwandt und bar
jeder Servilität mit seinen Augen fixierte. Ich hatte ihn
schon lange gehört. Gehört und auch gesehen durch die
Scheibe, das Fenster, das zu öffnen mir nicht einmal in den
Sinn gekommen war, während er in allen möglichen Sprachen
versuchte mich auf seine Seite des Glases zu ziehen. Jetzt
war ich da, bei ihm und seinem Land, welches in meinem
letzten bewussten Moment mehrere tausend Kilometer und gut
20 Grad Celsius entfernt gewesen war.
Natürlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich,
dass ich mich in Ägypten befand, aber das sich eng ans
Wasser schmiegende pralle Grün kontrastiert durch das abrupt
anschließende und unendlich wirkende Beige der Wüste
zeichneten ein deutliches Bild.
Das Starren in den Augen des Livrierten verlor langsam an
Intensität, Erleichterung weichend. Schließlich musste er
keinen Arzt rufen, nicht mein Ableben feststellen lassen,
nicht permanent missgünstigen Polizisten erklären, dass er
keine Schuld am – wie auch immer gearteten – Schicksal
dieses jämmerlichen Ungläubigen hatte. Nicht dieses und auch
keines anderen. In einem ordnungspolitisch äußerst rigide
geführten Land wie Ägypten stellt man das besser klar, falls
man keinen gesteigerten Wert auf ein nicht allzu entspanntes
48 Stunden-Verhör legt. Jedenfalls interpretierte ich seine
Mimik – Tage später – so. In jenem doch arg verzerrten
speziellen Augenblick beließ ich es dabei grenzdebil meinen
Blick von ihm zum Nil und zurück zu schwenken.
Auch ohne zu denken, wusste ich, was passiert war, vom
kollektiven Unterbewusstsein des Verschwörers ins Bild
gesetzt. Moderne Psychopharmaka sind in der Tat wundervoll.
Irgendeiner, den irgendein anderer darüber informiert, dass
irgendjemand seine Wohnung verlässt, sprüht ein Kontaktgift
auf dessen Haustürklinke, der irgendjemand nimmt es beim
Türöffnen über die Handoberfläche auf, und schon ist im
Himmel Jahrmarkt. Ich konnte es mir lebhaft vorstellen.
Wahrscheinlich hatten sie mir noch versprochen, mich dem
Weihnachtsmann und dem Krümelmonster vorzustellen, während
ich fröhlich vor mich hinsabbernd und freudig erregt in ein
– zweifelsohne bereitstehendes – Auto gestiegen war.
Das Ganze nahm einen Zeitraum irgendwo zwischen zwei Minuten
und einem Äon in Anspruch, und wer weiß, wenn er nicht noch
verächtlicher geschaut hätte, und wenn seine Erleichterung
nicht begonnen hätte, sich mit Ungeduld zu paaren, ich würde
vielleicht immer noch so da sitzen und vor mich hinstarren
in den gleißenden Platinflitter, den die untergehende Sonne
verschwenderisch in den Nil warf.
Natürlich! Jetzt, so ganz gewöhnlich am Leben, war ich nur
ein Gast, der seine Zeit stahl, sich aber möglicherweise
beschweren würde, falls man ihn einfach stehen bzw. sitzen
lassen würde. Es schien mir eine gute Idee, ihm etwas zu tun
und mir die Zeit zu geben, mal ein paar Gedanken aneinander
zu knoten, also krächzte ich mit staubigem Hals und
vertrockneten Stimmbändern den Wunsch nach Wasser und Kaffee
in die Welt. Selbstverständlich in Englisch, wie jeder gute
Deutsche, wenn er betrunken oder im Ausland ist. Das
verstand er, darin hatte er Routine und darum gefiel es ihm.
Zumindest lächelte er höflich dünn, verschwand und gab den
Blick auf den restlichen Teil des mit grobgewirkt
olivfarbenem Stoff überdachten Vorderdecks und meine –
spießigerweise freiwillig und bei Bewusstsein an Bord
gekommenen – Mitpassagiere frei. Zumindest einen kleinen
Teil davon. Eigentlich nur drei Pärchen und einen fetten
Junge am fiesen – pickelsignierten – Anfang der Pubertät.
Während die Erwachsenen ostentative Gleichgültigkeit
heuchelten, starrte er, noch nicht völlig von ihrer
verlogenen Welt indoktriniert, mich unverwandt und – ob
meines elenden Befindens – mit offener Häme und einem
Smartphone an, welches eine Dau mit prall geblähtem
Dreieckssegel, die uns überholte, abfilmte. Wie sich in den
folgenden Tagen noch herausstellen sollte, schien er Dinge
generell nur dann wertschätzen zu können, wenn er sie
digitalisiert auf einem Bildschirm sah.
Der Livrierte kehrte zurück, in der linken Hand eine große
Plastikflasche mit Wasser, auf den gespreizten Fingern der
rechten ein glänzend poliertes Tablett mit einer Tasse
Kaffee samt einem leeren Glas und in seinem Kielwasser ein
breites joviales Lächeln, in dem man – um im kulturellen
Kontext zu bleiben – bequem einen querliegenden Obelisken
unterbringen hätte können: zweifellos der Manager. Er hegte
keines der von seinem Untergebenen zart angedeuteten
Vorurteile gegenüber sich ins Koma saufenden Westmenschen
oder zumindest verbarg er sie besser. Für ihn war ein
zufriedener Gast ein guter Gast, und ob ich tanzend,
schlafend oder rollend an Bord kam, war schlussendlich meine
eigene Angelegenheit. Das alles und noch mehr in der Art
stand in seinen zum Himmel zielenden Mundwinkeln, aber er
war nicht der Typ, der es bei Mimik hätte bewenden lassen.
„Herr Helmann! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich
bin, dass es Ihnen wieder besser geht. Ich bin...“
Er nannte einen Namen, voll mit gutturalen Vokalen und einen
Titel voll mit langweiligen Funktionen. All das in einem
Deutsch, das einem Großteil der Angestellten in jedem
deutschen Supermarkt zu Ehre gereicht hätte. Ich sollte in
der kommenden Woche noch lernen, dass so ziemlich jeder
Angestellte an Bord – oberhalb von Koch oder Kellner – ein
Deutsch-, Tourismus- oder Ägyptologie-Studium abgeschlossen
hatte. Danach versicherte er Herrn Helmann – also mir –
nochmals, das mein Wohlergehen die essentielle Grundlage
seines Lebensglückes darstellte.
Helmann, der Name sagte mir nichts, aber ich war generell
nicht der Typ, der das argumentieren anfängt, wenn ein
falscher Name ihm ein freies Essen geschweige denn eine
Kreuzfahrt den Nil hinauf einbringt. Außerdem hatte ich den
dringenden Verdacht, dass das alles schon so seine
Richtigkeit hatte. So im großen Schema der Dinge, meine ich.
Ich murmelte irgendwas von wegen Unannehmlichkeiten, die mir
leid täten und Neugier, die ich hätte – wie ich denn hierher
gekommen war, zum Beispiel.„Unterstützt“ sagte und getragen meinte er. Erst Tage später
fand ich die Muße, das diplomatische Geschick seiner
Wortwahl zu schätzen. Getragen von meinen guten Freunden,
eigentlich Hotelbekanntschaften, wenn ich ihn richtig
verstand, die überglücklich gewesen waren, mich noch
rechtzeitig vor Ablegen des Schiffes hierher an Bord
gebracht zu haben. So überglücklich wie sie zutiefst
betroffen waren, dass ich beim Trinken anscheinend so gar
kein Maß kannte und mich deswegen bei unserer kleinen
Landsmannfeier direkt ins Delirium getrunken hatte.
Untröstlich wären sie auch gewesen, mich so ganz ohne
Verabschiedung ziehen zu lassen, aber sie hofften mich –
spätestens in Deutschland – wiederzusehen.
„Ja, ich auch“ sagte ich und meinte es genau so.
Nachdem ich nahezu die ganze Flasche Wasser auf einen Zug
leer getrunken hatte – zum Teufel mit dem Glas – fühlte ich
mich langsam stark genug für den Kaffee, stark genug auch,
um ihm gegenüber durchblicken zu lassen, dass ich noch ein
bisschen Ruhe vertragen konnte. „Ruhe und noch eine Flasche
Wasser“ fügte ich mit einem Blick auf den Livrierten hinzu,
dessen Namen ich ebenso wie den Rest der Bediensteten-
Bordgeister nie erfahren respektive mir nie merken sollte.
„Ohne Kohlensäure.“
Mittlerweile hatte ich mich auch dazu durchgerungen deutsch
zu reden.
Ein Gedanke streifte mein Sprachzentrum:
„Hatte ich eigentlich Gepäck?“
„Oh ja, Herr Helmann! Ihre Freunde haben es sogar persönlich
in ihre Kabine gebracht. Nummer und Schlüssel erhalten Sie
am Empfang.“
Sein Tonfall deutete nur leise Zweifel daran an, dass ich
dazu in der Lage war. Er zollte mir per würdevoller
Verbeugung Respekt und wandte sich noch auf einen kleinen
Wortschwall an den Kellner. Mein – gar nicht so schlechtes –
Hocharabisch perlte zwar zu großen Teilen an dem hiesigen
und schnell gesprochenen Dialekt ab, vermittelte mir aber
dennoch klar den Grundtenor von Autorität und den Willen sie
auch einzusetzen. Nichts schlägt wirklich den chinesischen
Vorgesetzten in seiner Verachtung gegenüber dem
Untergegebenen und der Gleichgültigkeit bezüglich dessen
Nöte, aber der arabische ist ihm eng auf den Fersen, und
dieser spezielle verlangte nicht mehr und nicht weniger –
unter gerechter Aufteilung von Beleidigungen zwischen mir
und dem Kellner – als von meiner Existenz in den kommenden
Tagen nicht mehr belästigt zu werden. Wobei er auch
dezidiert seiner Meinung Ausdruck verlieh, dass wir beide es
verdient hätten, ausführlichst mit der Chicotte, der
Nilpferdpeitsche, Bekanntschaft zu machen.
Mein Gesichtsausdruck blieb teilnahmslos, wie es eben so
ist, wenn man scheinbar kein Wort versteht. Was immer ihn zu
derartigen Vermutungen veranlasste, meine Schädelform oder
allgemein die Art, wie ich mich optisch darstellte, ich
konnte es ihm schwerlich verübeln. Das grell blau rot
gestreifte Freizeithemd, in unregelmäßigen Abständen mit
getrockneten Rändern von Bier überdeckt, wäre sogar einem
Teilnehmer der Bukowski-Gedächtnistour peinlich gewesen und
war dennoch – im Moment noch – das Beste an mir. Meine
Bartstoppeln, von meinem Handrücken als gut drei Tage alt
klassifiziert, harmonierten unangestrengt mit dem fettigen
zerwühlten Haar. Wieder einmal ging mir der Gedanke durch
den Kopf, wie leicht es meiner genetischen Disposition fiel
– sogar in der weichzeichnend schönenden Reflektion einer
circa vier Meter entfernten Glastür, die ins zweifellos
gekühlte Innere des Schiffes führte – wie ein Landstreicher
auszusehen. Wie ein Landstreicher oder eben ein Prolet mit
mächtig Kater in der Fresse. Ein Prolet, den nur sein auf
Grund gelaufener Kreislauf, gepaart mit dem starken Drang
sich bis in die nächste Zeitzone hinein zu übergeben, davon
abhielten nachzusehen, was seine „Kumpels“ so an Gepäck in
„seiner“ Kabine abgeladen hatten.
                                                   ***

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Teutoni62
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 247
Wohnort: Cottbus


BeitragVerfasst am: 05.12.2013 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Dash,

aufgrund Deines interessanten Titels / Genres hab ich Deinen Prolog angelesen und gebe Dir mal meine persönliche Meinung in Form einer kurzen literarischen konstruktiven Manöverkritik wieder:

Zunächt ist Deine Formatierung  ungewöhnlich und erschwert das Lesen.

Dein Einstieg wirkt wie ein lyrischer Prosaversuch, aber nicht wie ein Agententhriller – warum?

Viel zu viele und gehäufte Adjektive und Pleonasmen (Wortdopplungen) wie z.B.: glänzende teerig schwarze Fläche … . Teer ist schwarz und glänzend.

(Pleonastische Wortschöpfungen ohne erkennbar beabsichtigten rhetorischen Hintergrund gelten als schlechter Sprachstil oder Stilblüten - laut Wikipedia)

Dann endlose Metaphern und Anspielungen, wie z.B.: aus Desorientierung und Verwirrung,
 welche alles, was eine Seele besitzt, nach einem tiefen Schlaf umfängt.

Dieser Text wirkt auf mich aufgesetzt und von der Wortwahl hochgeschraubt, und dürfte kaum einen Thriller-Liebhaber zum Weiterlesen und schon gar nicht zum Kauf reizen.

Wenn Du dieses Genre verfolgen möchtest, würde ich Dir empfehlen adäquate Titel anzulesen und dann solltest Du Dich vor allem mit der Problematik des 1. Satzes (Absatzes) beschäftigen, der in der Regel Kaufentscheidend ist. Desweiteren würde ich Dir empfehlen Deinen Schreibstil zu entschlacken (weniger Metaphern, Andeutungen, Adjektive Pleonasmen usw.).



Ich hoffe, Du kannst mit meinen ehrlich gemeinten Ratschlägen etwas anfangen.

Mit freundlichen Grüßen
Frank


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"Die Fantasie ist eine gewaltige Kraft. Manchmal hilft sie sogar zu überleben."

Henning Mankell
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Lapidar
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Beiträge: 2959
Wohnort: Wangen im Allgäu


BeitragVerfasst am: 05.12.2013 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Dash,
ich bin leider auch nicht wirklich ein sehr konstruktiver Kritiker. Ich lese Dinge und kann dann einfach sagen, ob es mir gefällt oder nicht.
Ich habe dein Oevre angelesen. Leider haben mich die langen langen Worte und Sätze dann doch nach dem dritten Absatz geistig so ermüdet, dass ich keine Lust mehr verspürte, weiter zu lesen.
Vielleicht sind ja lange Schachtelsätze und komplizierte Konstruktionen ein Zeichen von hoher Literatur.  
Sie machen es aber nicht leicht, etwas zu lesen, und ein Agententhriller will doch eher Spannung aufbauen. Oder?

LG.
Lapidar


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"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 05.12.2013 20:47    Titel: Re: Die Nil Intervention Antworten mit Zitat

Hallo dash,

ich persönlich mag lange Sätze. Die bieten allerdings ein erhöhtes Risiko (Beispiele):

Kommafehler
Dash hat Folgendes geschrieben:
Dieser Moment vermag es scheinbar jeden
Zeitraum – von der Zehntel Sekunde bis zum Lebensende –
einzunehmen.


Grammatikfehler
Dash hat Folgendes geschrieben:
Jetzt war ich da, bei ihm und seinem Land, welches in meinem letzten bewussten Moment mehrere tausend Kilometer und gut
20 Grad Celsius entfernt gewesen war.


Kommafehler
Dash hat Folgendes geschrieben:
Natürlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich,
dass ich mich in Ägypten befand, aber das sich eng ans
Wasser schmiegende pralle Grün kontrastiert durch das abrupt
anschließende und unendlich wirkende Beige der Wüste
zeichneten ein deutliches Bild.


Andererseits erinnert dies sogar entfernt an Raymond Chandler. Wobei Weihnachtsmann und Krümelmonster der (über)bemühten Sprache zu Beginn des Textes nicht gerecht werden.
Dash hat Folgendes geschrieben:
Wahrscheinlich hatten sie mir noch versprochen, mich dem
Weihnachtsmann und dem Krümelmonster vorzustellen, während
ich fröhlich vor mich hinsabbernd und freudig erregt in ein
– zweifelsohne bereitstehendes – Auto gestiegen war.


Noch deutlicher wird es hier.
Dash hat Folgendes geschrieben:
Wie ein Landstreicher oder eben ein Prolet mit
mächtig Kater in der Fresse.


Fein-geistig oder cool/schnodderig? Da solltest du dich für eine Sprache entscheiden.

Nach meinem Empfinden passt cool/schnodderig besser zum Text und ist von dir auch besser umgesetzt.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

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Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
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Klemens_Fitte
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Alter: 36
Beiträge: 1975
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 05.12.2013 21:06    Titel: Re: Die Nil Intervention Antworten mit Zitat

Hallo Dash,

ich beschränke mich mal auf die ersten drei Absätze (die Formatierung hat mich übrigens ein paar Nerven gekostet):

Dash hat Folgendes geschrieben:
Ich kam zurück ins Sein, eingetaucht in jene glänzende teerig schwarze teerschwarze? Fläche aus Desorientierung und Verwirrung, welche alles, was eine Seele besitzt, ausmacht? nach einem tiefen Schlaf umfängt. Ich assoziiere Verwirrung und Desorientierung nicht grade mit Teer, und was die Seele in diesem Bild sucht, ist mir auch nicht so ganz klar.
Der Kontakt zur Wirklichkeit. An einem gefrorenen Wasserfall abzurutschen und dann irgendwann plötzlich doch noch einen Halt zu finden. Einen gefrorenen Wasserfall kann ich mir abstrakt vorstellen, und wenn ich an diesem abrutsche, finde ich Halt - wo? Und was hat dieses wo mit der Wirklichkeit zu tun? Dieser Moment Welcher Moment? Der des Abrutschens? Des Halt findens? Der Desorientierung? vermag es scheinbar jeden Zeitraum – von der Zehntel Sekunde bis zum Lebensende – einzunehmen. Ich brauchte wesentlich länger als eine Zehntel Sekunde, wozu auch Ägypten beitrug, der Nil, die Reling sowie der livrierte Araber, der mich unverwandt und bar jeder Servilität mit seinen Augen fixierte. Jemand erwacht aus der Bewusstlosigkeit und ihm kommen Begriffe wie 'livriert' und 'Servilität' in den Sinn? Oder sind das nachgeschobene Beobachtungen? Reißt mich jedenfalls komplett aus der Szene. Ich hatte ihn schon lange gehört. Gehört und auch gesehen durch die Scheibe, das Fenster, das zu öffnen mir nicht einmal in den Sinn gekommen war, während er in allen möglichen Sprachen versuchte mich auf seine Seite des Glases zu ziehen. Also ist das Fenster bildlich zu verstehen, als Fenster zur Wirklichkeit, oder ist da wirklich ein Fenster? Oder ist da Glas? Jetzt war ich da, bei ihm und seinem Land, welches in meinem letzten bewussten Moment mehrere tausend Kilometer und gut 20 Grad Celsius entfernt gewesen war. 'Entfernt' funktioniert in Bezug auf die Kilometer, nicht auf die Temperatur - ich weiß zwar, was du sagen willst, aber sprachlich geht das meiner Meinung nach so nicht.
Natürlich wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich, dass ich mich in Ägypten befand, aber das sich eng ans Wasser schmiegende pralle Grün kontrastiert durch das abrupt anschließende und unendlich wirkende Beige der Wüste zeichneten ein deutliches Bild. Das finde ich auch seltsam formuliert - entweder weiß er, dass er sich in Ägypten befindet, weil das Bild deutlich gezeichnet ist, oder er weiß es zunächst nicht wirklich, sieht dann aber das deutlich gezeichnete Bild, oder Nichtwirklichwissen und deutliches Bild stehen einfach so nebeneinander ... hm


Grundsätzlich habe ich ein großes Problem mit dieser gewollt eloquenten Geschwätzigkeit des Protagonisten (die nicht zu meinem Bild eines 'hochtrainierten Attentäters passt). Ich habe das Gefühl, neunzig Prozent des Textes hätte man in Klammern setzen können, und an Substanz bleibt dann wenig übrig. Vielleicht soll das ja der literarische Anspruch sein, ob das aber in einem Agententhriller funktioniert...

Klemens
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Dash
Abc-Schütze


Beiträge: 2



BeitragVerfasst am: 07.12.2013 14:20    Titel: Zuerst mal ... pdf-Datei Antworten mit Zitat

... Dank an euch alle,für eure Mühe und Hinweise (speziell für das "teerig schwarze" Ich bin ganz baff,dass mir das selber nicht ins Auge gestochen ist).Sorry auch wegen der Formatierung (im Ipad direkt aus der PDF rauskopiert), kommt nicht wieder vor. Die meiste Kritik scheine ich ja für die ersten Sätze geerntet zu haben. Mir ist völlig bewusst, dass sie eher prätentiös/geschwollen klingen (deswegen habe ich auch den Prolog vorgeschaltet um eben dem Leser ein flüssigeres Hineinlesen zu ermöglichen),aber ich wollte wirklich das Surreale eines solchen Moments einfangen. Generell überwiegt aber in der Geschichte das humorvoll beschreibende Element meines Protagonisten (denke ich zumindest). Noch etwas. Mir fällt auf,das viele eurer Kritikpunkte im Konnex mit "Agententhriller" respektive "Leser von Agententhrillern" angeführt werden. Meint Ihr nicht,dass das sowohl dem Genre als auch seinen Lesern gegenüber ein wenig unfair ist? Speziell die Bücher von Trevanian und LeCarré haben doch bewiesen, das Thriller auch auf einem höheren Niveau als dem üblichen Ludlum/Vince Flynn Level funktionieren können.
Also nochmals meinen Dank und die Hoffnung auf noch ein paar weitere kritische Meinungen.
Dash

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Angeladragon
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Alter: 39
Beiträge: 9
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Wohnort: Steiermark


BeitragVerfasst am: 07.12.2013 18:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ich gehe weder auf Grammatik oder andere Details ein, damit kann ich leider nicht helfen. Aber ich sage offen was mir auffällt.

Bis zur Hälfte bin ich gekommen und hab mich dann gefragt, was hab ich da gelesen? Ich konnte mir gerade mal die Hälfte der Handlung merken die da passiert ist und diese schien mir einfach zu schnell abzulaufen.
Die Methapern sind interessant aber einfach zuviele, dass man all zu schnell den Sinn verliert.
Bisher dachte ich, dass Hemingway schwerer Stoff ist, aber das hier kommt noch extremer. Alles was ich gemerkt hab, dass der Prota alles sehr sarkastisch kommentiert. Ein interessanter Stil der durchaus das ganze interessant macht. Aber es sind viel zu viele Bilder aneinander gereiht, wie ein Diavortrag, der jedes Bild eine Sekunde zeigt. Gerade Zeit um es zu erfassen aber nicht richtig zu erkennen. Auch wenn es höhere Literatur sein soll, solltest du dem Leser mehr Zeit geben, in die Materie eintauchen zu lassen. Vor allem bei einem Thriller.

LG Angeladragon
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