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Gitterkunde - Kapitel10


 
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Autor Nachricht
Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 49
Beiträge: 1554



BeitragVerfasst am: 26.11.2013 09:00    Titel: Gitterkunde - Kapitel10 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Hallo, liebe Schriftsteller

Dieser Auszug stammt aus einem Episodenroman. Der Protagonist und die Grundsituation wurden vorher beschrieben, so dass ich mich hier hauptsächlich auf die Einführung der Nebenfigur konzentriere.
Der Protagonist, aufgewachsen in einer heilen bürgerlichen Familie, landet in jungen Jahren im Gefängnis. Im Laufe der Handlung erkennt er, dass seine Wertvorstellungen nicht mit der Realität vereinbar sind. Zugleich entdeckt er die dunkle Seite seines eigenen Wesens.

Da es sich um ca. 2000 Wörter handelt, werde ich das Kapitel in drei Teilen einstellen.
Ich hoffe auf Eure Kritiken. Wer genug Zeit hat, darf gerne ins Detail gehen. Aber auch ein kurzes Feedback („Voll doof“, „Nobelpreis!“) würde mir sehr helfen.

»Gitterkunde«  10. Kapitel – Teil 1

»Keine Action, keine Titten – scheiß Buch!«
Piet blätterte gereizt vor und zurück. Ich sah zu ihm herüber und lachte: »Alter, Du solltest mal Schuld und Sühne lesen.«
»Der Herr Student wieder …« Er verdrehte die Augen. Nach einem letzten abfälligen Blick auf den Titel warf er den Schmöker in Richtung Mülleimer und schwang sich aus seiner Koje. Grimmig schnappte er seinen Tabak und setzte sich zu mir an den Tisch. Die halb fertig gedrehte Zigarette zwischen den Fingern, sah er plötzlich auf und lauschte in Richtung Tür. Vom Gang her waren Schritte zu hören und wurden allmählich lauter bis sie vor unserer Tür abbrachen. Bevor wir uns in der Mitte der Zelle aufstellen konnten, wurde der Schlüssel im Schloss herumgedreht und die Tür aufgerissen.
»Zugang, ihr Penner.«
Natürlich. Henry, der Oberschließer. Kein anderer war so schnell mit dem Schlüssel. »Bleibt sitzen, Ladies, bin gleich wieder weg.« Henry hatte einen seiner seltenen guten Tage. Er trat zur Seite und ein magerer, älterer Kerl mit einem riesigen Bündel unterm Arm erschien. Er wurde unsanft in den Raum geschoben und bevor einer von uns noch etwas sagen konnte, warf Henry mit einem »Weitermachen!«, die Tür krachend hinter sich zu. Wir blieben am Tisch sitzen und betrachteten den Neuankömmling. Er wirkte unscheinbar und schwächlich, doch er zeigte keine Angst. Sein dünnes, graues Haar stand im Kontrast zu seinen jugendlichen Augen mit denen er sich suchend im Zimmer umblickte. Als er das einzige leere Bett entdeckte, ging er, ohne uns zu beachten, direkt darauf zu. Er ließ das Bündel daneben zu Boden fallen, wühlte darin bis er ein Bettlaken fand und begann sofort die Matratze zu beziehen.
»He, das ist meins.« Piet blickte ihn drohend an.
Der Neue unterbrach seine Tätigkeit, sah zu den anderen, offensichtlich belegten, Betten und fuhr dann mit seiner Arbeit fort. Piet erhob sich langsam und ging einen Schritt auf sein Opfer zu. Amüsiert lehnte ich mich zurück und betrachtete die Szene. Piets breiter Rücken versperrte mir die Sicht auf sein Opfer, aber ich kannte die Wirkung, die sein Anblick bei seinen Gegnern erzeugte. Dass in dem wütenden Grizzly ein harmloser Teddy steckte, wussten nur wenige.
»Hast Du irgendein Problem?«, knurrte er drohend und richtete sich zu seiner vollen Größe auf.
»Wenn ich kein Problem hätte, wäre ich wohl nicht hier. Oder?«
Die Antwort klang so desinteressiert, dass nur schwer eine Herausforderung zu erkennen war. Piet zog die Brauen zusammen und legte den Kopf leicht schräg. Der Neue hatte ihm den Rücken zugedreht und beschäftigte sich wieder mit seinem Bettzeug. Piet sah mich an, als hätte ihm jemand seinen Lolli weggenommen und ich konnte das Lachen nicht mehr unterdrücken. Kopfschüttelnd seufzte er: »Ich fass’ es nicht. Noch so'n Klugscheißer.« Resigniert schlurfte er zu seinem Bett und ließ sich krachend hineinfallen. Dann griff er sich eins seiner Bücher, um den Klugscheißer misstrauisch über die Seiten hinweg zu beobachten. Ich stand jetzt auf, ging zu dem Neuen und reichte ihm meine Hand.
»Tommy,« stellte ich mich vor. »Und der Gorilla heißt Piet.«
Als er meine Hand schüttelte, spürte ich seine Anspannung
»Dieter,« antwortete er und blickte dabei unsicher zu Piets Koje.
»Mach Dir keinen Kopf. Der will bloß spielen,« beruhigte ich ihn und mit einer Kopfbewegung zu seinem Bett: »Das kannste später machen. Komm wir ballern erst mal eine.«
Er winkte ab. »Ich hab' keine Kippen.«
»Du kriegst Tabak von uns,« sagte ich gönnerhaft. »Wenn hier einer nichts hat, wird geteilt.«
Piet schnaufte unwillig von seinem Bett herüber aber ich ignorierte ihn. Dieter zupfte noch schnell sein Laken zurecht und kam dann zum Tisch. Als ich ihm meinen Tabak reichte, meinte er kleinlaut:
»Drehen kann ich auch nicht. Das hab ich in der U-Haft schon versucht, aber meine Kippen sehen aus wie Gurken.«
»Kein Ding,« sagte ich. »Am Anfang dreh’ ich Dir welche.«
Diesmal stöhnte Piet laut auf, worauf ich hinzufügte: »Aber in ein paar Tagen musst Du’s selber drauf haben.«
Es kam mir unpassend vor, einen älteren Mann zu belehren. Aber so lief es nun einmal im Bau: Die alten Hasen zeigten den Neuen wo es langging.
***



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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 29
Beiträge: 1271

Ei 3


BeitragVerfasst am: 27.11.2013 00:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jack Burns,

Spannendes Setting für eine längere Geschichte. Warum hast du genau dieses Kapitel für die Werkstatt ausgewählt, hast du eine bestimmte Frage dazu?

Sprachlich habe ich gar nichts auszusetzen, ich lese es sehr gerne so. Ich finde, du erzählst die Szene auch sehr glaubhaft.  Über zwei, drei Sachen inhaltlicher Art bin ich irgendwie gestolpert:
 - "eine ballern". Ich kenn Ballern nur als "was spritzen", also intravenöser Drogenkonsum. Sagt man das echt auch zu "eine rauchen"? Noch nie gehört.
 - "Wenn hier einer nichts hat, wird geteilt." Ich kann mir gut vorstellen, dass man jemandem ne Kippe spendiert, der noch keine hat. Aber das gleich mal so kategorisch anzukünden, wo man im Knast meist ja selbst nicht grad so gut betucht ist, kam mir etwas komisch vor.
 - Ich als Dreherin weiß, dass man Drehen nur durchs Drehen lernt und würde darum keinem, der es lernen will sagen "Ich dreh dir welche" sondern ihn gerade darum selbst drehen lassen Wink

Aber im Ernst, gefällt mir wirklich gut. Bin gespannt auf die Fortsetzung.

Gruß
Itha
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Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 49
Beiträge: 1554



BeitragVerfasst am: 27.11.2013 00:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ithanea,

Danke für Dein schnelles Feedback.
Und Danke für Dein Lob.

Zu Deinen Fragen: Ich erhoffe mir Hinweise auf textliche Schwächen, da ich ja noch nicht viel Erfahrung habe und vieles nicht selbst erkenne.
Dieses Kapitel ist ziemlich selbstständig innerhalb des Romans. Es kommt einer abgeschlossenen Geschichte nahe, deshalb hoffte ich, dass es verständlicher zu lesen ist, als wenn ich etwas mitten aus der Handlung reiße.

Ja, das mit dem Jargon ist problematisch. Ich hab da schon kräftig gekürzt. Der ist lokal unterschiedlich und auch generationsabhängig. Ich überlege noch, einige Begriffe, wie "Ballern", durch allgemein gebräuchlichere zu ersetzen. Bin dankbar für Vorschläge. (Quarzen, Zünden, Dampfen ) Laughing
Das Teilen im Knast, sowie das Drehen für Anfänger, ist eine wichtige Komponente für den Erkenntnisgewinn des Protagonisten. Er lernt das erste mal in seinem Leben Solidarität kennen, an einem Ort wo es niemand - so wie Du - erwartet hatte. Das funktionierende soziale Gefüge im Knast wird der Entsolidarisierung der "freien" Gesellschaft gegenüer gestellt.

Ja ich erinnere mich auch an die Sprüche: "Drehen lernst nur, wenn Du es selbst musst" Deshalb ja der Zusatz: Später musste alleine wink
Kein echter Raucher könnte so herzlos sein und GAR NICHT helfen.

Grüße
Martin


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U-Banane
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 84



BeitragVerfasst am: 27.11.2013 11:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
las das "Gitterkunde"-Kapitel.
Ob es realistisch ist kann ich nicht sagen, schaffte es bisher noch in keinen Knast. Jedenfalls fand ich es gut lesbar und man kann sich die Szene recht gut im Kopf vorstellen. Den begriff "ballern" in Bezug auf Rauchen habe ich allerdings auch noch nie gehört Wink
Denke, dass man das vielleicht wirklich durch etwas gängigeres ersetzen sollte. Es muss ja nicht mal ein umgangssprachlicher Begriff sein, "rauchen" ist in doch auch diesem Kontext völlig adäquat?
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1911
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 27.11.2013 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Schließe mich an: Spannendes Setting, ungewöhnlich, macht neugierig. Die Ankunft eines Neuen und das anschließende Ausfechten der Hackordnung geben eine gute Gelegenheit für Konflikte jeder Art ab. Und genau davon fände ich etwas mehr gut.

Was Du gut einfängst: Die permanente Gereiztheit, das ständige Auf-der-Hut-Sein, das die Knastatmosphäre mit prägt. Und das mit ein paar knappen Beobachtungen - gefällt mir!
Aber dann wirkt es auf mich, als ob Du vor der eigenen Courage zurückzuckst: Der Grizzly stellt sich als Teddy heraus, den man mit einer einzigen Antwort kalt stellen kann. Man teilt brüderlich die Kippen ("Lunte" hat einer meiner Patienten immer gesagt - war Mitte 50 und aus Sachsen) und redet über eigene Schwächen. Das nehme ich der Story nicht ab. Sicher auch nur ein eigenes Klischee, aber wenn ich nicht mal eine Fluppe drehen kann, dürften mich die anderen sofort für ein ziemliches Mädchen halten. Für ein Opfer. Und mich genau dazu machen, aber fix. Eben: Die Alten zeigen den Neuen, wie der Hase läuft. Aber nicht über Bemuttern, sondern über Dissen.
Der Verlauf hier ist mir also zu schnell zu heimelig und stellt den Ich-Erzähler zu positiv dar. Der wirkt souverän, großzügig, gelassen, obwohl er nach deiner Vorab-Info in diese Welt eigentlich nicht reinpasst.
Der Neue interessiert mich. (Bis zu der Stelle mit dem Tabakdrehen.) Der könnte eine Geschichte mitbringen.
Ob die Wachteln/Schließer tatsächlich so salopp sind, weiß ich nicht; ein Verwandter, der im Jugendknast Hameln gearbeitet hat, war eher sehr förmlich, hielt sich peinlich genau an Regeln und sorgte durch ein betont zivilisiertes Auftreten für Distanz. Vor dem Hintergrund kann ich mich in eine Beschimpfung durch den Schließer nicht so recht hineindenken.

Perspektive: Ich-Erzähler. Das böte die Gelegenheit, viel über Gedanken, Bewertungen, Gefühle des Protag zu erfahren. Das könntest Du noch mehr ausreizen. Beispiel:
Zitat:
Piet blätterte gereizt vor und zurück. Ich sah zu ihm herüber und lachte: »Alter, Du solltest mal Schuld und Sühne lesen.«
Wie denkt der Protag über Piet? Hält er ihn für einen Teddy, für einen Loser, für einen interessanten Menschen? So wie Du den Satz gestaltest, könnte der Ich-Erzähler auch eine Nebenfigur sein, ich erfahre nichts über ihn.

Fazit: Das könnte richtig spannend werden. Interessiert mich. Auch wenn meine Mäkeleien vielleicht nicht so klingen.

Herzliche Grüße,
Michel
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Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 49
Beiträge: 1554



BeitragVerfasst am: 27.11.2013 17:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Banane und Michel!

Ok, das "Ballern" ersetze ich auf jeden Fall. ist wohl sehr "brandenburgisch" und 80er Laughing
Ich bin sehr froh, dass die Schreibweise ankommt. Ich brauchte dringend den Blick von Außen, da ich es eigentlich schrecklich fand ...
 Ich werde die Fortsetzung schnell wie möglich anfügen. (Nach einem gründlichen Lektorat)
Zum Inhalt, äußere ich mich später - muss jetzt arbeiten.
Nur soviel: es handelt sich um einen Knast für Langstrafer, da läuft es etwas anders als im Jugendvollzug.

Vielen Dank, für die Resonanz

Martin


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Ithanea
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Alter: 29
Beiträge: 1271

Ei 3


BeitragVerfasst am: 27.11.2013 21:00    Titel: Antworten mit Zitat

Qualmen, Quarzen, Zischen, Dampfen, Schmökern (wobei ich mir da echt nicht sicher bin, ob das mehr als zwei Leute, die ich kenne, sagen lol2)...

Zitat:
Das Teilen im Knast, sowie das Drehen für Anfänger, ist eine wichtige Komponente für den Erkenntnisgewinn des Protagonisten. Er lernt das erste mal in seinem Leben Solidarität kennen, an einem Ort wo es niemand - so wie Du - erwartet hatte.


Wenn das zentrales Thema deiner Geschichte ist, verstehe ich, warum du das Teilen und Helfen besonders hervorheben willst. Auch wenn es in meinem Kommentar so rüberkommt, als hätte ich Solidarität in diesem Setting nicht erwartet oder mich daran gestört, ist dem nicht so. Habe arbeitsbedingt hin und wieder mit Menschen mit Knasterfahrung zu tun und denke, das Thema spielt eine wichtige Rolle. Deshalb finde ich deinen Text auch sehr spannend.

Allerdings muss ich Michel zustimmen: In diesem Abschnitt wirkt das zu kuschelig. Ich finde schon, dass Tommy den Neuen unterstützen wollen kann. Aber wie er es tut, finde ich unglaubwürdig, und das ist mir beim "für ihn drehen" aufgefallen. Dem Dieter ist nicht geholfen, wenn Tommy ihm fünf Kippen dreht. Ihm ist geholfen, wenn Tommy es vormacht und Dieter gleichzeitig mitdreht. Zum Beispiel.

Und dass im Knast oder bei dieser Gruppe von Menschen das Teilen beispielsweise ein besonderer Wert ist, kann so sein. Aber ich kann keinen Grund für diese schnelle Ankündigung dessen erkennen. Das wird Neuen doch eher nach und nach gezeigt werden / auffallen .. ? Warum sollte man das immer gleich dazu sagen und nicht erst den Menschen kennen lernen, mit dem man es zu tun hat? Damit will ich nicht sagen, dass die Protagonisten misstrauischer sein sollten, sondern dass ich nicht nachvollziehen kann, warum Tommy das gleich mal klar stellt. Wenn es einen guten Grund dafür gibt, solltest du mir ihn zeigen.

Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen, ich treffe - wie so oft - nicht ganz den Punkt dessen, was ich sagen will. Eigentlich hat Michel es schon deutlich gemacht, aber irgendwie wollte ich doch nochmal drauf eingehen.
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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 27.11.2013 21:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, alle

Gut, ist angekommen. Zu kuschelig smile
Da, ich das nicht wollte, muss ich an dieser Stelle noch arbeiten.
Zum Teil entsteht der Eindruck wahrscheinlich, weil die Entwicklung und die psychosozialen Wechselwirkungen, speziell zwischen den beiden "Alten", in vorherigen Kapiteln thematisiert werden. Tommy ist die intellektuelle Stütze für Piet, und dieser ist der Mann für s Grobe. Beide brauchen sich und erkennen das. Der Weg dahin war alles andere als kuschelig. Tja, und wie eine Begrüßung abläuft, hängt auch von den Einzelnen ab. Ich möchte Individuen darstellen, die sich nicht alle so verhalten, wie nach Drehbuch. Hier ist der (strahlende) Protagonist, derjenige, der den Menschen mit Vertrauen und Freundlichkeit entgegen kommt. Die offene Hand in Richtung des Neuen könnte auch Schläge verteilen, falls dieser sich als "unwürdig" entpuppt. Und mit dieser Offenheit fällt er später auch gewaltig auf die Schnauze! Mir war es hauptsächlich wichtig, von den bekannten Vorstellungen abzurücken. Ein Heile Welt Roman sollte es allerdings auch nicht sein.
Ich werde noch einmal überdenken, wie ich das technisch besser gestalte. Es ist so schwierig , die Balance zu finden. sad

Vielen Dank für die Mitarbeit

und: ich werde es wohl beim "Rauchen" belassen.

Martin


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liebling
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BeitragVerfasst am: 27.11.2013 22:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Martin,
zunächst mal finde ich, dass dieser Auszug auf jeden Fall Interesse weckt, ich würde weiter lesen. Sprachlich könnte er aber noch etwas Überarbeitung vertragen, finde ich.
Was mir als erstes auffällt, sind deine Absätze: Die solltest du ganz dringend nochmal durchschauen, weil sie den Text unübersichtlich machen, vor allem wenn es um die wörtliche Rede geht. Ich tue mich damit auch selbst oft schwer, aber ich würde dir definitiv raten, mehr Absätze zu machen.
Z.B. hier:
Zitat:
»Der Herr Student wieder …« Er verdrehte die Augen. Nach einem letzten abfälligen Blick auf den Titel warf er den Schmöker in Richtung Mülleimer und schwang sich aus seiner Koje. Grimmig schnappte er seinen Tabak und setzte sich zu mir an den Tisch. Die halb fertig gedrehte Zigarette zwischen den Fingern, sah er plötzlich auf und lauschte in Richtung Tür. Vom Gang her waren Schritte zu hören und wurden allmählich lauter bis sie vor unserer Tür abbrachen. Bevor wir uns in der Mitte der Zelle aufstellen konnten, wurde der Schlüssel im Schloss herumgedreht und die Tür aufgerissen.
»Zugang, ihr Penner.«
Natürlich. Henry, der Oberschließer. Kein anderer war so schnell mit dem Schlüssel. »Bleibt sitzen, Ladies, bin gleich wieder weg.« Henry hatte einen seiner seltenen guten Tage. Er trat zur Seite und ein magerer, älterer Kerl mit einem riesigen Bündel unterm Arm erschien. Er wurde unsanft in den Raum geschoben und bevor einer von uns noch etwas sagen konnte, warf Henry mit einem »Weitermachen!«, die Tür krachend hinter sich zu. Wir blieben am Tisch sitzen und betrachteten den Neuankömmling. Er wirkte unscheinbar und schwächlich, doch er zeigte keine Angst.


Ich würde es so schreiben:
»Der Herr Student wieder …« Er verdrehte die Augen.
Nach einem letzten abfälligen Blick auf den Titel warf er den Schmöker in Richtung Mülleimer und schwang sich aus seiner Koje. Grimmig schnappte er seinen Tabak und setzte sich zu mir an den Tisch. Die halb fertig gedrehte Zigarette zwischen den Fingern, sah er plötzlich auf und lauschte in Richtung Tür. Vom Gang her waren Schritte zu hören und wurden allmählich lauter bis sie vor unserer Tür abbrachen. Bevor wir uns in der Mitte der Zelle aufstellen konnten, wurde der Schlüssel im Schloss herumgedreht und die Tür aufgerissen.
»Zugang, ihr Penner.«
Natürlich. Henry, der Oberschließer. Kein anderer war so schnell mit dem Schlüssel.
»Bleibt sitzen, Ladies, bin gleich wieder weg.«
Henry hatte einen seiner seltenen guten Tage. Er trat zur Seite und ein magerer, älterer Kerl mit einem riesigen Bündel unterm Arm erschien. Er wurde unsanft in den Raum geschoben und bevor einer von uns noch etwas sagen konnte, warf Henry mit einem »Weitermachen!«, die Tür krachend hinter sich zu.
Wir blieben am Tisch sitzen und betrachteten den Neuankömmling. Er wirkte unscheinbar und schwächlich, doch er zeigte keine Angst.

Dadurch liest es sich für mich jedenfalls deutlich flüssiger.

Jetzt zum sprachlichen Teil. Du setzt natürlich ganz gezielt Jargon ein und das macht deine Szene lebendig und authentisch, das gefällt mir. Was allerdings die Stücke dazwischen angeht, würde ich noch ein bisschen daran feilen.
Hier ein paar Vorschläge:

Zitat:
»Keine Action, keine Titten – scheiß Buch!«


Ein guter Einstieg, finde ich. Mir gefällt nur der Gedankenstrich nicht so gut. Würde mal einen Punkt an der Stelle ausprobieren. Aber das ist vielleihct auch eine persönliche Einstellung. Dieser Piet erscheint mir nur nicht wie eine Person, zu der Gedankenstriche passen Wink

Zitat:
Grimmig schnappte er seinen Tabak


Fehlt da nicht etwas? Schnappte sich, schnappte nach seinem Tabak... Außerdem würde ich das Grimmig vielleicht eher durch "Mit grimmiger Miene" oder "knurrend" etwas Vergleichbares ersetzen, ich bin vielleicht gerade etwas paranoid und denke viel zu viel, aber grimmig erscheint mir nicht das richtige Wort um diesen Vorgang zu beschreiben (das passt eher auf eine Person, etc).

Generell ist mir die Passage etwas zu lang und deskriptiv, du könntest vielleicht aussagekräftigere Verben wählen:
Nach einem letzten abfälligen Blick auf den Titel schleuderte er den Schmöker in Richtung Mülleimer und schwang sich aus seiner Koje.

setzte sich zu mir an den Tisch --> hockte, ließ sich neben mir auf den rostigen Stuhl plumpsen,... etwas spannendere Verben...


Zitat:
Die halb fertig gedrehte Zigarette zwischen den Fingern, sah er plötzlich auf und lauschte in Richtung Tür

Was mir gefällt ist die halb fertig gedrehte Zigarette, die verbildlicht die Situation. Ich würde "sah er plötzlich auf" eventuell durch "hielt er inne" oder "horchte er plötzlich auf" ersetzen und das "lauschen in Richtung Tür" streichen. Das kann ich mir nicht vorstellen, ich sehe ihn da direkt mit dem Ohr an der Tür und das passt überhaupt nicht.

Zitat:
wurde der Schlüssel im Schloss herumgedreht und die Tür aufgerissen

Auch das kann mehr Pepp bekommen: "Kreischte/Quietschte/Knarzte der Schlüssel im Schloss", die Tür kann auffliegen... So kommst du auch von den Beschreibungen im Passiv weg.

Zitat:
Henry hatte einen seiner seltenen guten Tage.

Hm, der Rhythmus in diesem Satz gefällt mir nicht so gut. Vielleicht: Henry hatte einen seiner guten Tage. Die waren normalerweise eher selten. --> Okay, das ist auch hässlich, aber vielleicht fällt dir ja eine bessere Lösung ein, um "einen seiner seltenen guten" irgendwie aufzubrechen.

Zitat:
Wir blieben am Tisch sitzen und betrachteten den Neuankömmling.

Dass sie am Tisch sitzen bleiben, ist eigentlich eine überflüssige Information. Man kann ja davon ausgehen, dass sie das tun, solange du nichts anderes sagst.
"Betrachteten den Neuankömmling" ist auch eine relativ flache Formulierung. Vielleicht "beäugten" "mustern", etwas, das die Neugier der anderen besser widerspiegelt. Auch könnte ich mir vorstellen, dass deine Figur Piet schon in diesem Moment irgendeine Form von Geräusch/Geste von sich gibt, die den anderen einschüchtern soll. Sei es ein geringschätziges Mustern, ein Arm verschränken, ein leiser Pfiff... So wie er sich kurz darauf aufführt, lässt er sich das bestimmt an dieser Stelle nicht entgehen!

Zitat:
Er wirkte unscheinbar und schwächlich, doch er zeigte keine Angst.

Vielleicht findest du einen Weg, deine Figur durch ihre Aktionen zu beschreiben, anstatt durch Adjektive und Beschreibungen.
Eventuell etwas in Richtung: Etwas verloren schaute er sich im Raum um, das Bündel unter die dünnen Arme geklemmt. ... Unseren Blicken wich er nicht aus... Vielleicht macht er ein paar Schritte durch den Raum etc.
Das ist der Auftritt deiner neuen Figur, da solltest du dir etwas mehr Mühe geben und das auch etwas mehr genießen, den ersten Eindruck macht man nur einmal Wink

Zitat:
Sein dünnes, graues Haar stand im Kontrast zu seinen jugendlichen Augen mit denen er sich suchend im Zimmer umblickte.


Der Anfang der Beschreibung gefällt mir auf jeden Fall, aber ich würde zumindest "in scharfem Kontrast" sagen, außerdem fehlt da ein Komma (Augen, mit denen...). Die "jugendlichen Augen" finde ich aber nicht so gut gewählt, ich würde eher etwas wie ein "wacher Blick" oder so etwas wählen. Jugendliche Augen wecken - zumindest bei mir - kein richtiges Bild. Vielleicht gibst du ihnen auch eine Farbe wie "mit seinen klaren, blauen Augen analysierte er in wenigen Sekunden den Raum"... Dass er im Kopf nicht so alt ist, wie seine Haare aussehen, lässt sich auch in Handlung verpacken.

Zitat:
Piet blickte ihn drohend an.

Hm, damit tue ich mich schwer. Also die Handlung an sich finde ich gut, aber in meinem Kopf sieht es so aus, dass der Neue sich über sein Bündel oder sein Bett beugt und eher mit dem Rücken zu Piet steht. Oder zumindest keinen Blickkontakt mit ihm hält, weswegen der drohende Blick eigentlich ziemlich verpuffen dürfte. Vielleicht fällt dir eine Geste oder etwas anderes ein. Er könnte auch einfach seine - muskelbepackten - Arme vor der Brust verschränken und sich räuspern, oder auf seiner Stuhlkante nach vorne Rücken. Oder du lässt ihn schon einmal vom Stuhl aufstehen (richtete sich zu seiner vollen Größe auf...) und ihn danach langsam einen Schritt machen, dass er sich langsam dem anderen nähert, gefällt mir, das zeigt, wie überlegen er sich fühlt und es auch etwas genießt, einschüchternd zu wirken.

Zitat:
Piet erhob sich langsam und ging einen Schritt auf sein Opfer zu. Amüsiert lehnte ich mich zurück und betrachtete die Szene. Piets breiter Rücken versperrte mir die Sicht auf sein Opfer


"sein Opfer" würde ich nicht so dicht hintereinander wiederholen. Obwohl es gut ist, dass du nicht "ihn" sagst, bei zwei männlichen Figuren bricht sonst schnell das Chaos aus. Ich finde die Beschreibung als "sein Opfer" passt auch in beiden Fällen gut, aber es klingt trotzdem sehr wiederholt Rolling Eyes

Zitat:
Amüsiert lehnte ich mich zurück und betrachtete die Szene.

Das gefällt mir, man kann sich gut vorstellen, wie sich dein Prota mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht in seinem Stuhl entspannt. Ich würde nur das "betrachtete" vielleicht durch ein anderes, treffenderes Verb ersetzen, eventuell "beobachten". Naja, vielleicht fällt dir etwas Besseres ein!

Der Absatz darauf gefällt mir gut, wie der Neue den scheinbar gefährlichen Macker einfach aushebelt und wie schnell er einknickt, der Vergleich mit dem Teddy ist zwar nicht neu, aber passt meiner Meinung nach gut an die Stelle.

Zitat:
ließ sich krachend hineinfallen

Ich störe mich ein bisschen am "krachend", das erscheint mir nicht das richtige Wort. Vielleicht eher "ächzend" oder diesmal "plumpsen lassen"...

Zitat:
Ich stand jetzt auf, ging zu dem Neuen und reichte ihm meine Hand.

Das wirkt für mich ein bisschen zu "informativ". Du beschreibst einfach nur was passiert, dabei könntest du diese Chance nutzen, um deinen Prota ein bisschen mehr zu präsentieren. Es ist klar, dass du damit zeigen willst, dass er einen Schritt auf ihn zu geht und ihn nach dem Aufstand von Piet jetzt willkommen heißt, aber vielleicht könntest du das - entweder durch ein paar Gedankeneinschübe - oder irgendetwas Anderes ein bisschen mehr zum Ausdruck bringen.
Z.B.: Ich fand, dass es an der Zeit war, den Neuen willkommen zu heißen und reichte ihm die Hand.
Okay, das ist jetzt auch schäbig, aber ich meine so etwas in der Art!

Zitat:
Komm wir ballern erst mal eine

Okay, zum "Ballern" gab es genug Kommentare. Wenn mich nicht alles täuscht, muss hinter das "Komm" ein Komma und "Eine" schreibt man soweit ich weiß an dieser Stelle groß.
Ansonsten, das "Komm" würde ich gegebenenfalls streichen, es wirkt ein bisschen sehr fürsorglich, fast als würde er mit einem Kind oder einem völlig aufgelösten, weinenden Mädchen reden. "Wir ballern erst mal Eine" würde es doch auch tun, oder?

Zitat:
»Du kriegst Tabak von uns,« sagte ich gönnerhaft. »Wenn hier einer nichts hat, wird geteilt.«

Okay. Das wurde schon vorher kritsiert, aber das passt mir wirklich auch nicht, das wirkt irgendwie künstlich und ein bisschen übertrieben. Klar, du willst zeigen, dass dort Zusammenhalt herrscht und so weiter, aber wenn du gleichzeitig alle Figuren so einen rauen Ton anschlagen lässt, dann geht das hier so nicht. Das "gönnerhaft" rettet es ein bisschen, weil man es so interpretieren könnte, dass dein Prota sich ein bisschen daran ergötzt, dass der andere ihm unterlegen ist und er ihm ein bisschen von oben herab aushilft, aber naja. Irgendwie alles nicht so ganz.
Mein Vorschlag: "Du kriegst erstmal Tabak von uns. Kannst dich bei Gelegenheit revanchieren."
Das nimmt dem ganzen ein bisschen die Kuscheligkeit, denke ich.

Zitat:
Dieter zupfte noch schnell sein Laken zurecht und kam dann zum Tisch.

Irgendwie auch ein etwas leerer Satz. Man merkt, dass du ihn vom Bett zum Tisch bekommen willst, aber vielleicht könntest du statt nur zu "überbrücken" noch irgendeine Art der Charakterisierung für Dieter einbringen - vielleicht hinkt er, vielleicht huscht er, vielleicht nestelt er noch ein bisschen an seinem Bett rum, weil er unsicher ist... Irgendetwas, das aus diesem Satz mehr als Füllung und von A nach B  macht.

Zitat:
aber meine Kippen sehen aus wie Gurken

Der Vergleich gefällt mir, es passt zu seinem kleinlauten Tonfall. Ich würde nur ein "immer" oder "irgendwie" ergänzen: "aber meine sehen irgendwie immer aus wie Gurken."
Vor allem, weil du vorher auch nicht mit Umgangssprache in deiner wörtlichen Rede sparst.

Zitat:
»Kein Ding,« sagte ich. »Am Anfang dreh’ ich Dir welche.«

Das hatten wir auch schon, aber das ist mir wirklich zu Mama-Kind-mäßig. Vielleicht wäre etwas wie "Ich zeig es dir nochmal." oder so angebrachter oder "Das lernst du hier in ein paar Tagen" oder "Übung macht den Meister" oder was auch immer. Es gibt genug Sätze, die seine Unterstützung signalisieren und nicht wirken, als würde er ihm das Händchen halten und die Schuhe zubinden. Und für das "sagen" findest du vielleicht auch noch eine Alternative.

Zitat:
Aber so lief es nun einmal im Bau: Die alten Hasen zeigten den Neuen wo es langging.

Würde ich eventuell ins Präsens setzen. Nun einmal passt mir auch vom Rhythmus her nicht so gut, würde ich vielleicht durch "eben" ersetzen, das "aber" könnte man eigentlich auch weglassen.
So läuft das eben im Bau: Die alten Hasen zeigen den Neuen, wo es langgeht."
(Bei dem Komma bin ich mir nicht sicher)!

Puh, so, tut mir Leid, dass ich deinen Text so komplett auseinander genommen habe, ich hoffe das nimmst du nicht persönlich. Ich gebe nur lieber eine detaillierte Kritik und mache viele Vorschläge, damit du Anregungen bekommst. Was du davon umsetzt oder total blöd findest, ist natürlich deine Sache. Meine Vorschläge sind jetzt auch nicht das gelbe vom Ei, damit will ich nur die Richtung zeigen, die ich meine Embarassed

Generell finde ich deinen Text gut, aber noch ein bisschen lasch. In der wörtlichen Rede ist alles total lebendig und dagegen fallen die restlichen Sätze leider etwas ab. Ich kann dir nur empfehlen, nochmal nach spezielleren, aktiveren Verben zu suchen, eventuell noch ein paar originellere Formulierungen einzubauen und die "von A nach B"-Sätze mit kleinen, speziellen Details aufzupeppen, dann bist du auf dem besten Weg!

Schönen Abend noch und viel Spaß am Basteln mit deinem Text Rolling Eyes


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liebling
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BeitragVerfasst am: 27.11.2013 23:01    Titel: Antworten mit Zitat

P.S.:

Jetzt war ich kurz abgelenkt und habe die Hälfte vergessen. Naja, nicht die Hälfte.

Zitat:
»Ich hab' keine Kippen.«

Zitat:
»Am Anfang dreh’ ich Dir welche.«


Kein Apostroph an diesen Stellen, wenn das e am Ende entfällt, ist das eine als unmissverständlich geltende Abkürzung, sodass man dort keins setzen muss. Meine Deutschlehrerin war da immer sehr eindeutig Wink

Zitat:
»Kein Ding,« sagte ich.

Da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher, weil ich die Gänsefüßchen als Anführungszeichen benutze, aber kommt das Komma nicht hinter das Anführungszeichen? Das hast du jetzt durchgängig gemacht, aber mich irritiert es irgendwie. Falls ich falsch liege - einfach ignorieren und mich bitte informieren!

Was mir ansonsten noch aufgefallen ist, ist deine Kombination aus Namen: Henry, Tommy, Dieter - das passt irgendwie nicht so ganz gut zusammen. Deswegen meine Frage: Wo spielt dein Roman? Und passen die Namen dahin? Wenn ja, gut, wenn nein, würde ich etwas ändern!

Jetzt ist aber Schluss Rolling Eyes


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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 27.11.2013 23:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Liebling


Du hast ja meinen Text neu geschrieben!
 Shocked   Laughing

Nee, im Ernst: Vielen Dank für die ausführliche Kritik. Aus Zeitmangel kann ich nicht so viel dazu sagen.
Ich versuch es mal allgemein:
Deine Hinweise auf Kommas sind sehr willkommen. Und die "Opfer" Wiederholung ist ja peinlich. Embarassed
Wegen des Präsens bei Allgemeinplätzen habe ich mich auf der Seite Belles Lettres kundig gemacht. Dort wird strikte Einhaltung des Präteritums angeraten, da sonst die Erzählebene verlassen wird: Vom Ich Erzähler hin zum auktorialen. Ich halte mich daran, weil es mir logisch erscheint.
Du liebst ja die farbigen Verben. Einige Deiner Vorschläge gefallen mir auch besser. "horchte er plötzlich auf" "wacher Blick" u.a. Vor allem: "Du kriegst erstmal Tabak von uns. Kannst dich bei Gelegenheit revanchieren." liegt mir selber mehr als meine (mütterliche) Formulierung.
Über Tantiemen reden wir wenn ich einen Vertrag habe. Very Happy
Manche Verben hatte ich mehrmals umgetauscht und war nie zufrieden. (betrachtete - beobachtete) Mir fehlt da noch etwas Praxis. Auf der anderen Seite ist es auch mein persönlicher Stil, dass ich lieber nüchterne Worte verwende. Ich will auf jeden Fall den reißerischen Stil von Action-Romanen vermeiden. (Auch hier muss ich noch den Mittelweg finden: Den Text aufpeppen ohne einen "Schätzing" draus zu machen.

Warum sollte ich das persönlich nehmen? Ich stell doch meine Texte hier rein, weil ich dazu lernen will.
Also vielen Dank für die fleißige Hilfe.

Grüße
Martin


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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 27.11.2013 23:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

P.S.
Meine Deutschlehrerin hätte mir mit dem Lineal auf die Finger gehauen, wenn ich "Ich hab" geschrieben hätte.
Egal ob mit oder ohne Apostroph!

Very Happy

Und richtig: Die Kommas gehören nach den Anführungszeichen hin. Das ist mir beim Ändern auf Guillemets verrutscht sad


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liebling
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BeitragVerfasst am: 28.11.2013 22:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,
ja, wenn ich einmal anfange, etwas auseinander zu nehmen, dann auch richtig. Aber es freut mich, wenn du ein paar Anregungen gefunden hast und ich etwas helfen konnte. Natürlich sollte man mit den Verben auf keinen Fall übertreiben, sonst wird es ja doch nur Trash Wink
Ich bin gespannt, was du daraus machst und wie es weiter geht!
Liebe Grüßchen!


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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 08.12.2013 05:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Teil 2 von 3

Uns wurde schnell klar, dass Dieter kein typischer Häftling war.
Lange vor dem Wecken hatte er bereits sein Bett gemacht und sich gewaschen und rasiert. Piet und ich klebten gewöhnlich so lange im Bett, bis der Wärter sein Schlüsselbund gegen die Tür schlug. Jeden Abend putzte Dieter seine Schuhe, stellte sie nebeneinander vor sein Bett und  begutachtete zufrieden sein Werk. Als ich das erste Mal sah, wie er seine Hosen zusammenfaltete und über den Stuhl hängte, verspottete ich ihn:
»Wer Ordnung hält, ist zu faul zum Suchen.«
»Ich bin das so gewohnt«, entgegnete er unwillig.
In diesem Moment erinnerte er mich an meinen Alten. Auch die korrekte Einhaltung von Regeln hatte Dieter mit ihm gemeinsam. Niemals rauchte er auf dem Klo und als Piet an seinem Geburtstag eine Flasche Selbstgebrannten hervorzauberte, konnte ihn nichts dazu bewegen, einen Becher mit uns zu trinken.
„Das gibt bloß Ärger“, meinte er.
Außer mit mir und Piet, sprach er kaum mit Jemandem. Meist blieb er für sich und las oder er schrieb irgendwelche Notizen in ein kleines Büchlein.
Piet konnte mit ihm nichts anfangen.
»Der is ’n Spitzel. Wett ich drauf«, stellte er mehr als einmal fest.
Er lächelte zwar, wenn er das sagte, doch das Misstrauen in seinen Augen wirkte echt.
Ich konnte mir nur schwer vorstellen, aus welchem Grund unser seltsamer Neuzugang überhaupt im Bau gelandet war. In den ersten Wochen fragte ich ihn manchmal danach. An Stelle einer Antwort kniff er jedes Mal die Lippen zusammen und konzentrierte sich auf das Zigarettendrehen. Da es ihn noch viel Zeit kostete, seine Gurken fertig zu stellen, bastelte er bei jeder Gelegenheit einen kleinen Vorrat. Vermutlich hatte er gute Gründe für sein Schweigen. Früher oder später würden wir schon erfahren, was er gedreht hatte. Vielen war es unangenehm, wenn sich herausstellte, dass sie statt eines Bankraubs nur ein paar Rentner über den Tisch gezogen hatten - ganz zu schweigen von denen, die wegen Sitte saßen. Piet tippte auf Unterschlagung. Er meinte, das passte zu dem kleinen Spießer.
Bei einem anderen Thema wurde Dieter ungewöhnlich redselig.
Seine Emily.
Ihr halbes Leben waren sie verheiratet und während dieser Zeit selten länger als einen Tag getrennt. Sie hatte ihn umsorgt, wie ein Engel und war immer für ihn da gewesen. Wenn er über sie sprach, begannen seine Augen zu glänzen und seine Stimme bekam einen liebevollen Klang.
Piet brummte dann abfällig: »Schwuchtel!«, und zog ein angewidertes Gesicht.
Romantik war nicht sein Ding.
Zweimal wöchentlich wurde Post verteilt und Dieter fragte den Schließer jedes Mal, ob er auch sicher wäre, wenn wieder nichts für ihn dabei war. Ich hatte nie einen Brief bekommen, was mich nicht sonderlich juckte, und Piet wäre auch mit etwas weniger Post zufrieden gewesen. Schließlich erwartete seine Mutter von ihm, dass er regelmäßig antwortete, was ihn angesichts des eintönigen Alltags vor eine große Herausforderung stellte.
»Vielleicht hat sie Deine Adresse nicht«, vermutete ich eines Abends beim Essen, nachdem Dieter wieder einmal umsonst gewartet hatte.
»Oder sie lässt sich grade von ihrem Neuen durchknallen«, fügte Piet mit einer Unschuldsmiene hinzu.
Es war das einzige Mal, dass ich Dieter richtig wütend erlebte:
»Halt's Maul, Du Idiot«, zischte er und wollte an Piet vorbei zum Tisch gehen.
Der drehte sich blitzschnell zu Dieter und packte ihn an der Kehle. Seine Pranke umschloss den dürren Hals und ich sah in Dieters Augen, dass ihm klar wurde, dass er zu weit gegangen war.
»Wer ist ein Idiot?«, fragte Piet, ohne loszulassen.
»Niemand«, keuchte Dieter. »Niemand.«
Piet nickte zufrieden und lockerte seinen Griff. Allerdings hielt er ihn weiter am Kragen fest  und zog ihn zu sich heran, bis ihre Gesichter sich fast berührten und Dieter auf Zehenspitzen stehen musste.
»Wenn Du weiter so große Schnauze hast, dann steck ich Dir die Klobürste rein. Kapiert?«
Dieter nickte heftig und Piet stieß ihn von sich, so dass er einige Schritte rückwärts taumelte. Dann setzte er sich zu mir an den Tisch, und schlang sein Abendbrot herunter.
                                 
                                          * * *

Dieter setzte seine ganze Hoffnung auf den Besuchstag. Mit tiefster Überzeugung erklärte er uns, dass er seine Frau endlich wiedersehen würde, und im Übrigen würde sie Zigaretten und andere Kleinigkeiten mitbringen, so dass er sich endlich für unsere Unterstützung revanchieren könnte.
Je näher der Sonntag rückte, desto aufgeregter wurde er. Ich befürchtete, dass dieser Tag ihm eine Enttäuschung bringen würde – zu oft hatte ich erlebt, wie die Zeit die Gefühle der Wartenden abkühlte. Die einzigen Besucher, die auch nach Jahren noch regelmäßig erschienen, waren die Mütter.  
In meinem Fall, nicht einmal die.
Als es so weit war, holte der Schließer Piet zum Besuchsraum und ließ mich mit Dieter zurück. Während der nächsten Stunde lief er in der Zelle auf und ab und rauchte dabei eine nach der anderen. Ich versuchte, wie üblich an diesem Tag, Kreuzworträtsel zu lösen. Nach einer Weile gab ich genervt auf und fragte Dieter:
»Na, ob die noch kommt?«
Er blieb stehen, starrte mich an, als versuchte er meine Worte zu verstehen, hob unsicher die Schultern und kreiste weiter durch den Raum. Am späten Nachmittag kam Piet zurück und stürmte mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem Paket unterm Arm in die Zelle.
»Tabak und Fresszeug,« verkündete er triumphierend.
Dieter blickte zum Schließer aber der schüttelte den Kopf.
»Das waren alle für heute.«  
Bevor er die Tür hinter sich zuzog, fügte er noch hinzu:
 »Vielleicht nächsten Monat.«
Der jämmerliche Anblick des Wartenden hatte ihn weich werden lassen.
Dieter sank in sich zusammen, erhob sich langsam vom Tisch, ging zum Fenster und starrte auf den Hof.
Ich kochte Tee, während Piet sein Paket schlachtete. Dann betrachteten wir ehrfürchtig unsere Beute.
»Deine Mutter ist ein Engel,« schwärmte ich, und Piet riss die erste Schokoladenpackung auf.


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Simona
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BeitragVerfasst am: 08.12.2013 21:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jack,

auch von mir ein kurzes Feedback.
Deine Texte lesen sich gut, flüssig und gut verständlich. Man kann sich das Geschehen problemlos vorstellen. Auch sind die Figuren gut charakterisiert. Der sonderbare Neuling, der nur auftaut, wenn es um seine Emily geht. Der brummige etwas cholerischen Bär, der "bellt" aber nicht beißt. Und den Prota hätte ich mal als den netten Kumpel eingeordnet, aber da bin ich mir etwas unsicher, weil es dafür nun doch zu wenig Text ist.

Im ersten Teil ist mir aufgefallen, dass du etwas zu inflationär die Verben "sehen" und "blicken" verwendest (einmal schreibst du sogar von "umblicken"). Da wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn du da nochmal drüberschaust.

Im zweiten Teil:

Zitat:
Als ich das erste Mal sah, wie er seine Hosen zusammenfaltete und über den Stuhl hängte, verspottete ich ihn:
»Wer Ordnung hält, ist zu faul zum Suchen.«


Zum einen würde ich wenn, den Zeilenumbruch nicht vor der direkten Rede setzen, sondern ganz an den Satzanfang, schließlich gehört das Gesagt zum Vorhergehenden, zum anderen hast du hier mal wieder ein unnötiges "sehen" drinnen. Wenn du nur schreibst: Als er seine Hosen das erste Mal zusammenfaltete und über den Stuhl hängte, verspottete ich ihn. - hättest du null Informationsverlust, aber der Satz wäre gestrafft und ballastfreier. So oder so ist klar, dass das der Prota sieht, schließlich schreibst du aus seiner Sicht.

Zitat:
An Stelle einer Antwort kniff er jedes Mal die Lippen zusammen und konzentrierte sich auf das Zigarettendrehen. Da es ihn noch viel Zeit kostete, seine Gurken fertig zu stellen, bastelte er bei jeder Gelegenheit einen kleinen Vorrat. Vermutlich hatte er gute Gründe für sein Schweigen. Früher oder später würden wir schon erfahren, was er gedreht hatte.


Über diese Wortwiederholung bin ich gestolpert.

Zitat:
und zog ein angewidertes Gesicht.


Kann man ein angewidertes Gesicht ziehen?
Man kann ein Gesicht verziehen und ein angewidertes Gesicht machen - zumindest mWn.

Zitat:
»Oder sie lässt sich grade von ihrem Neuen durchknallen«, fügte Piet mit einer Unschuldsmiene hinzu.
Es war das einzige Mal, dass ich Dieter richtig wütend erlebte:
»Halt's Maul, Du Idiot«, zischte er und wollte an Piet vorbei zum Tisch gehen.


Hier hat mich etwas gestört, dass du Dieters Wut vorwegnimmst. Ich hätte die Anmerkung deines Protas nachgestellt, also:
"Oder sie lässt sich grade von ihrem Neuen durchknallen", fügte Piet mit einer Unschuldsmiene hinzu.
"Halt's Maul, du Idiot", zischte Dieter. Es war das einzige Mal, dass ich ihn richtig wütend erlebte.
Als er an Piet vorbei zum Tisch ging, ...

Ist aber vielleicht reine Geschmackssache.

Zitat:
»Halt's Maul, Du Idiot«, zischte er und wollte an Piet vorbei zum Tisch gehen.
Der drehte sich blitzschnell zu Dieter und packte ihn an der Kehle. Seine Pranke umschloss den dürren Hals und ich sah in Dieters Augen, dass ihm klar wurde, dass er zu weit gegangen war.
»Wer ist ein Idiot?«, fragte Piet, ohne loszulassen.
»Niemand«, keuchte Dieter. »Niemand.«


Diese Passage musste ich zweimal lesen, um sicher zu gehen, dass ich sie richtig verstanden hatte, weil für mich Piets Reaktion völlig überzogen war.
Piet zuckt so aus, nur weil Dieter ihn "Idiot" nennt, nachdem er dessen geheiligte Emily beleidigt hat? Ist doch klar, dass Dieter das womöglich nicht einfach so hinnehmen würde. Das Handgreifliche passt für mich auch nicht so recht zu Piets bisherigen Charakterisierung.

Außerdem hast du hier wieder ein unnötiges "sehen" drin.
 ... umschloss den dürren Hals und Dieter wurde klar, dass er weit gegangen war. ... Ginge doch auch problemlos, oder?

Zitat:
Mit tiefster Überzeugung erklärte er uns, dass er seine Frau endlich wiedersehen würde, und im Übrigen würde sie Zigaretten und andere Kleinigkeiten mitbringen, so dass er sich endlich für unsere Unterstützung revanchieren könnte.
Je näher der Sonntag rückte, desto aufgeregter wurde er. Ich befürchtete, dass dieser Tag ihm eine Enttäuschung bringen würde


Über diese WWH bin ich gestolpert.

Zitat:
Die einzigen Besucher, die auch nach Jahren noch regelmäßig erschienen, waren die Mütter.


Den Satz find ich toll.

Zitat:
Bevor er die Tür hinter sich zuzog, fügte er noch hinzu:
»Vielleicht nächsten Monat.«
Der jämmerliche Anblick des Wartenden hatte ihn weich werden lassen.


Warum hier die Zeilenumbrüche, gehört doch alles zusammen?


Insgesamt weckst du Interesse, denn man fragt, was es denn nun mit dieser Emily auf sich hat. Ich würde weiterlesen.

Das war's von meiner Seite.

liebe Grüße,
Simona
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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 08.12.2013 23:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Simona,

Vielen Dank für Deine Kritik.
Warum nur SEHE ich die Mängel erst nachdem Du mich darauf hinweist? sad
Hoffentlich bleibt das Gelernte bei mir hängen.

Die Absatzgestaltung muss ich noch lernen. Ich dachte:
Wörtliche Rede = neuer Absatz. Aber das sieht wirklich doof aus.

sehen...blicken...ich habe so viel darüber nachgedacht, wie ich die Verben ersetzen könnte, dass ich gar nicht darauf kam, sie weg zu lassen. Laughing

Die Wiederholung des "Drehens" ist mir wegen der unterschiedlichen Bedeutung durch gerutscht. Wird geändert, Boss!

Nun zu einem Problemfall: Ja, Piets Reaktion ist unerwartet heftig. Aber das wollte ich auch so gestalten. Ich will verdeutlichen, dass die lockere Atmosphäre schnell umschlagen kann. Das direkte Beschimpfen durch den Neuling, stellt eine Grenzüberschreitung dar. Und Dieter müsste die Provokation wegstecken; erstens hat er noch keinen Status im Knast und zweitens ist Piet einfach mal stärker.  Ich befürchte ich habe Piet am Anfang zu "lieb" dargestellt. In dem gesamten Roman, gibt es häufig Szenen wo die Gewalt aus dem Nichts eskaliert. Vielleicht wird es dadurch glaubwürdiger ...

Den Abschluss des Kapitels stell ich in wenigen Tagen ein. Ich befürchte, für Dich als Romantikerin wird es enttäuschend. sad

Alle Eure Anmerkungen werden im Gesamttext verarbeitet und dann gibt es eine neue Version.

Vielen Dank und Gute Nacht

Martin


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Simona
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BeitragVerfasst am: 09.12.2013 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Martin,

Zitat:
... Wird geändert, Boss!


Boss - wenn das nur alle so schnell kapieren würden ...


Zitat:
Die Absatzgestaltung muss ich noch lernen. Ich dachte:
Wörtliche Rede = neuer Absatz. Aber das sieht wirklich doof aus.


Die Grundregel lautet eher: neuer Sprecher, neuer Absatz.


Zitat:
... Ich befürchte ich habe Piet am Anfang zu "lieb" dargestellt. ...


Was mich betrifft ja. Denn dadurch, dass er es mehr oder weniger kommentarlos hingenommen hat, dass Dieter zu Beginn sein Bett beschlagnahmt hat, hat es mich nun verwundert, dass er wegen "Idiot" nach einer offensichtlichen Provokation so ausflippt.


Zitat:
... Ich befürchte, für Dich als Romantikerin wird es enttäuschend.


Da hat ja jemand meine spärlichen Posts gelesen ... Smile


liebe Grüße,
Simona
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Soraja
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DSFx


BeitragVerfasst am: 10.12.2013 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jack Burns,

Das ist spannend geschrieben und ich habe es mit Freuden gelesen. Bestimmt wird es ein gutes Buch.

Als Fachfrau für Gefängnisse und deren Abläufe, habe ich mich gefragt wo das Gefängnis ist, in dem Deine Geschichte spielt. Die Knäste, die mir vertraut sind, haben keine Dreierbelegung mehr. Eine Doppelbelegung gibt es in Deutschland noch. Die Regel per Gesetzt ist Einzelunterbringung.

Das Einbringen von Lebensmitteln durch Besucher gibt es so auch nicht. Nur die Möglichkeit des Automatenzuges nach einer Sprechstunde. Aber wie gesagt, ich kenne viele Knäste, aber auch nicht alle. Falls Du für Dein Buch noch fundiertes Wissen über Knast brauchst, würde ich Dir gerne behilflich sein.


LG Soraja


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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 10.12.2013 23:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für's Feedback.

Hallo Simona
Da gibt es ein Missverständnis: Dieter hatte nicht Piets Bett beschlagnahmt, sondern das einzig freie Bett belegt. Piet wollte ihn in dem Moment schikanieren und Dieter ließ es sich nicht gefallen - das sind so alberne Rituale unter Jungs (nicht nur im Knast). Dieter hätte nicht "richtig" reagieren können. Seine Reaktion zeigte aber, dass er nicht kriecht. Hätte er gefragt "Wo soll ich denn sonst schlafen" (schluchz!) hätte er sich als Weichling gezeigt.
Ich frage mich jetzt, ob Du zu schnell gelesen hast oder ob ich die Situation schlecht beschrieben habe  ...

Hallo Soraja

Das ist hier nur für Männer! Razz
(Späßchen)

Das habe ich befürchtet: Jetzt kommt die Fachkritik.
Um ehrlich zu sein, habe ich im Roman Situationen aus verschiedenen Einrichtungen zusammengewürfelt. Das habe ich mir als literarische Freiheit erlaubt.
Eigentlich sind Langstrafer in Deutschland in Einzelzellen untergebracht. Die beschriebene Konstellation entspricht eher der U-Haft. Generell beschreibt mein Buch die Realität in den 80ern in Ostdeutschland. Mein Problem war, dass ich bestimmte Inhalte nicht transportieren könnte, wenn ich mich 100% an aktuelle Gegebenheiten halten würde. Falls das Wunder eintritt und ein Verlag an meine Tür klopft, würde ich das Setting, wegen der Authentizität deutlich in die Vergangenheit verlegen.
Vielen Dank für die Hinweise und Dein Angebot. Vielleicht komme ich darauf zurück.

Grüße
Martin


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Simona
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BeitragVerfasst am: 11.12.2013 10:15    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, der Fehler liegt bei mir. Da ich nie vorhatte den ersten Teil zu kommentieren, habe ich den wohl nicht mit gebührender Aufmerksamkeit gelesen. Was doppelt dumm ist, da ich so im zweiten Teil eine Charakterentwicklung kritisiert habe, die vielleicht gar nicht zu kritisieren gewesen wäre.
Entschuldigung. Das nächste Mal halte ich wieder meine Klappe.
lg Simona
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Jack Burns
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BeitragVerfasst am: 11.12.2013 16:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Simona
Nicht die Klappe halten! Wink
Es ist gut, dass ich mich kritisch mit meinem Text auseinandersetzen muss. Erst dann erkenne ich , ob es funktioniert.

ich finde meinen bearbeiteten 3. Teil nicht mehr sad
Muss ich noch mal neu schreiben.

Bis dann

Martin


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BeitragVerfasst am: 11.12.2013 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

Martin, ich lese auch mit Interesse, ein bisschen kenne ich mich mit Gefängnissen auch aus - daher hatte ich tatsächlich auf U-Haft getippt.
Was mir auffiel: der Besuchstag. Soweit ich das kenne, darf zwar jeder Gefangene nur ein (oder zwei?) Mal im Monat Besuch haben, aber nicht alle am gleichen Tag, das wäre organisatorisch völlig unmöglich.

Ansonsten gefiel es mir schon sehr gut.


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