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Timeless
Vorschüler


Beiträge: 1
Wohnort: Trier


BeitragVerfasst am: 09.11.2013 15:48    Titel: Freiheit und Gleichheit eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Leute,
ich bin neu in dem Forum hier und würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr mir eine Rückmeldung und ein paar Verbesserungsvorschläge für meine Kurzgeschichte geben könntet smile. Es geht vor allem um unsere Gesellschaft und wie man sie wahrnehmen kann, wenn man die Fähigkeit hat "unter die Maske zu blicken".
Ich wünsch' euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass sie euch gefällt. MfG Timeless


Freiheit und Gleichheit

Das sollte also das Leben sein. Das Leben, von dem alle sprachen, das alle lebten und das niemand in Frage stellte. Er ging über das grobe Pflaster, zwischen dessen alten Steinen schmale, dunkle Abgründe lagen. Vor ihm blieb eine Frau in einer der Ritzen hängen und der dünne Absatz ihrer leuchtend roten Schuhe brach ab. Die Frau fluchte wild und begutachtete die kleine Katastrophe, während die Leute um sie herum sie abwertend musterten und abfällig über sie redeten. Merkten sie nicht, dass sie alle gleich waren?
Der Junge hatte die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, er spürte das kühle Metall seines Feuerzeuges an seinen Fingerspitzen. Die dunkelbraunen Haare waren unter einer hellgrünen Mütze versteckt. Seine Augen waren braun und mit vereinzelten grünen Punkten durchsetzt, die nur bei genauerem Betrachten zu sehen waren. Die Sonne warf ihr Licht auf die Passanten, doch sie hätten ebenso gut im Schatten gehen können. Ein Mädchen lief an ihm vorbei, dicke Tränen liefen über ihre Wangen, doch niemand beachtete sie, niemand schenkte ihr einen sorgenvollen Blick. Auf einer Bank saßen zwei Jugendliche stumm nebeneinander. Ihre Hände waren ineinander verschlungen, doch beide hatten nur Augen für das leuchtende Display ihrer Smartphones. Alle Frauen, die seinen Weg kreuzten, waren maskiert. Sie trugen eine dicke Schicht aus Make-up, figurbetonte Kleidung, gefärbte Haare und hohe Schuhe. Geschäftig eilten sie durch die Straßen auf der Suche nach der neusten Mode, der neusten Musik oder den neusten Filmen. Der Junge hingegen schlenderte gemütlich durch die Straßen, ohne ein Ziel vor Augen. Aber war es nicht besser, kein Ziel zu haben, als eins, das auch jeder andere hatte? Hin und wieder traf ihn ein Blick, der ihm bewusst machte, wie anders er war.
Er studierte die Maschinen, die sich ihren Weg durch die Menschenmenge suchten. Manche lachten, andere sprachen verärgert und wieder andere wirkten traurig. Der Junge hingegen wirkte gefühllos. Doch es war wie mit seinen Augen: Von Weitem wirkten sie vollkommen normal- braun, ohne jegliche Besonderheit, doch wenn man genauer hinschaute, so konnte man den Lebensinhalt des Jungen sehen. Aber wer machte sich schon die Mühe, genauer hinzuschauen?
Hollister, H&M, Pull&Bear, Esprit, S’Oliver- alle trugen sie das gleiche, ohne zu merken, dass es sie wie alle anderen machte. Freiheit und Gleichheit- auf dieser Erde wurde nur eines gelebt. Sie waren alle gefangen in ihrer Absicht, nicht aufzufallen, um bloß niemanden zu verärgern. Er konnte in einem Laden sehen, wie eine Frau sich bei einem Kunden nach dessen Wünschen erkundigte, welcher sie jedoch mit einem „Danke, ich schaue mich nur um“ abwies. Dabei war er doch wie jeder andere von dieser Aufdringlichkeit genervt, während die Verkäuferin ihre Aufmerksamkeit nur vorspielte.
Was war das für eine Gesellschaft, in der jeder gleich sein musste? Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Kleidungsfreiheit, Charakterfreiheit- und wer nutzte sie? Früher hatten Menschen für diese Rechte gekämpft, wurden getötet, weil sie diese ausgelebt hatten und heute? Heute waren alle bloß Gefangene der Gesellschaft, ohne es wirklich wahrzunehmen.
Eine Frau stand, ihrem Kind gegenüber an der Straßenecke und redete ärgerlich auf ihre aufmüpfige Tochter ein.
„Ich werde diesem Bettler ganz bestimmt kein Geld geben“, sagte die Mutter mit erhitzter Stimme und schaute mit glühenden Augen auf das Mädchen hinab.
„Aber warum nicht? Wir haben doch genug und dieser Mann braucht es wahrscheinlich dringender als wir!“, erwiderte das Mädchen trotzig und mit Tränen in den Augen.
„Das ist Abschaum! Er ist selbst für sein Schicksal verantwortlich. Hätte er früher in der Schule mehr gearbeitet und sich um seine Zukunft gesorgt, so würde er heute nicht hier sitzen. Es ist sein eigener Verdienst.“
„Aber...“, wollte das Mädchen einwenden, doch ihre Mutter unterbrach sie: „Nichts aber. Ich erziehe dich und nicht du mich! Keine Diskussion!“ Die Frau zog ihre Tochter in einen teuren Schmuckladen, ohne weiter auf ihre Einwände einzugehen. Der Junge lächelte bitter und ging seinerseits zu dem Bettler hin und warf einen Euro in dessen vergilbten Kaffeebecher. Es war sein letztes Geld. Woher sollte die Frau wissen, was diesem Mann widerfahren war? Auch der Bettler trug eine Maske, wenn auch unfreiwillig, doch niemand machte sich die Mühe, sie ihm abzunehmen und sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Er bemitleidete das Kind. Es war so unschuldig und ohne jeglichen Groll oder Vorurteile. Doch das war nur die Unbeschwertheit der Kinder, die ihnen schon bald von den Eltern geklaut werden würde, um sie dann in einer dunklen Gasse zu entsorgen. Wenn man sich gegen die Gesellschaft auflehnte, lehnte man sich zugleich gegen seine Familie auf und wer nahm das schon in Kauf?
Kopfschüttelnd ging der Junge weiter und zündete sich eine Zigarette an. Eine alte Frau beschwerte sich über den Gestank des Rauchs und ihre dunklen Augen durchbohrten ihn wütend. Hatte sie nicht selbst mal gelebt? War sie selbst so perfekt? Ihr größter Fehler war wahrscheinlich, dass selbst sie, trotz ihrer großen Erfahrung nicht dazu fähig war, die Maske zu heben. Entweder man hatte diese Fähigkeit oder man hatte sie nicht. Der Junge war zwischen Wut und Mitleid gefangen, doch er schlenderte scheinbar unbeeindruckt weiter.
Männer mit Sonnenbrillen gingen an ihm vorbei, ihre Augen dahinter waren nicht zu erkennen. Glaubten sie wirklich, dass sie allem entgehen konnten, wenn sie es von außen abschirmten? War ihnen nicht bewusst, dass sie damit auch das größte Glück und die größte Liebe aussperrten? Dem Jungen kamen all die Menschen, die an ihm vorbei gingen, wie abgestumpfte Messer vor: nicht dazu fähig, andere ernsthaft zu verletzen, aber auch nicht dazu gemacht, in ihrem vollen Glanz zu erscheinen. Aber blickten nicht die meisten Menschen mit größter Skepsis auf diese Schneidwerkzeuge? Befürchteten sie nicht alle, sich daran zu verletzen? Nur wenige wussten ihren Vorteil zu schätzen, doch auch dann waren sie etwas, was man in eine Schublade legte, um es nur hin und wieder herauszunehmen.
Plötzlich sah er ein rothaariges Mädchen auf sich zulaufen und seine Lippen verzogen sich zu einem seligen Lächeln. Stürmisch umarmte sie ihn und lachte befreit, während alle Passanten um sie herum die beiden aufmerksam musterten. Einige abwertend, andere bewundernd. Sie waren es nicht gewohnt, solch eine ehrliche Freundschaft zu sehen. Eine Freundschaft, bei denen sich keine von beiden Gedanken machte, wie sie auf ihre Mitmenschen wirken könnten. Denn sie waren unterschiedlicher, wie sie nicht hätten sein können- zumindest von außen. Doch von innen liebten sie beide das gleiche: die Musik und das Schreiben. Beide verachteten sie die Gesellschaft und die Masken, hinter denen die anderen lebten.
Das ist also das Leben.

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Bildersturm
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 47
Beiträge: 51
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 09.11.2013 16:00    Titel: Antworten mit Zitat

Fehlerfreier Text in annehmbar pragmatischem Stil. Inhaltlich natürlich klischeelastig und formelhaft. Kann man als Schreibübung sicherlich mal machen.
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Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 49
Beiträge: 1554



BeitragVerfasst am: 09.11.2013 16:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Timeless,

Herzlich Willkommen im Forum!

Ich komme ohne Umschweife zu Deiner Geschichte.
Und da stellt sich mir gleich die erste Frage: "Geschichte"?
Für  mich handelt es sich eher um ein Essay. Und selbst dafür ist es mir viel zu belehrend. Erwachsene Leser reagieren in der Regel allergisch auf diesen Ansatz. Das beste Beispiel: "Veggy day"!

Als Geschichte funktioniert es für mich aus mehreren Gründen überhaupt nicht. Du gibst Thesen, Argumente und Schlussfolgerungen vor. Das wirkt wie ein belehrender Vortrag. Ich, als Leser, möchte einerseits unterhalten werden, durch Sprache, Dramaturgie, Konflikte und Höhepunkte, und andererseits mitfühlen und mitdenken können.
Es fängt schon mit der Perspektive an: Du springst aus der ER Perspektive zur auktorialen Sichtweise und nebenbei merkt man, dass Du über Deine (Ich Erzähler) Gedanken redest
Wenn Du eine moralische Sicht vermitteln willst, solltest Du anhand einer Story den Leser überzeugen. Ihn dazu bringen, seine Sichtweise zu hinterfragen. Wenn man diesen Text liest, gibt es zwei mögliche Effekte: Entweder ich sehe alles genauso wie der Erzähler, dann erfahre ich nichts Neues. Oder ich habe die entgegengesetzte Meinung, dann wird mich die langweilige Belehrung nicht überzeugen.

Um meine Meinung zu verdeutlichen, möchte ich einmal beschreiben, wie ich dieses Thema anpacken würde:
Zuerst schildere ich einen unbedarften Protagonisten, der zwar sympathisch ist, aber eben auch ein bisschen oberflächlich. Er trifft auf den Bettler und steht vor dem Konflikt diesem Geld zu geben oder nicht. Mit dem Argument, dass er selber schuld wäre, behält er sein Geld und kauft sich lieber irgendeinen Dreck. Zu Hause erzählt er von dem Bettler und seine Mutter erzählt ihm dessen Geschichte. Zum Beispiel, könnte er eine Krankheit haben oder durch den Verlust seiner Frau zum Alkoholiker geworden sein ...
Zum Schluss zeigt der Protagonist, dass bei ihm ein Umdenken einsetzt.

Das ist jetzt auch kein toller Plot Laughing
Aber der Leser erhielte die Gelegenheit sich in die Perspektive zu versetzen und den Impuls nachzudenken, sich selbst zu hinterfragen.



Viele Grüße
Martin


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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spaNNi
Geschlecht:männlichVorschüler


Beiträge: 1



BeitragVerfasst am: 09.11.2013 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Timeless,


ich bin auch neu hier und habe daher nicht so viel Erfahrungen mit Texten.
Jedoch denke ich, dass es unnötig ist sich hierbei um die Bezeichnung eines Textes zu kümmern smile Geschichte oder nicht ich finde den Text gut geschrieben ^^

Durch texte kann man viel ausdrücken, dafür muss man nicht zwanghaft Dramaturgie verwenden. Hier sieht man die Welt einfach nur durch die Augen eines kritischen Jungen. Dabei keinen Höhepunkt zu verwenden kann auch darauf hinweisen, dass für ihn das Leben sehr langweilig ist.

Für jeden der die Aussage dieses Textes teilt, sollte sich mal dieses Browserspiel anschauen: Every day the same dream

es könnte gut sein, dass ein desinteressierter Leser schnell vom text abkommt, da steht man immer vor der Frage, ob man seinen Stil behalten oder doch an die Konsumgesellschaft anpassen soll.

Vielleicht einen Mittelweg finden?


mfg

spanni
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