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Unsere Zielgruppe sind doch die Leser oder?

 
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MartinD
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 15:29    Titel: Unsere Zielgruppe sind doch die Leser oder? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ihr da draußen und drinnen,

um wen buhlen wir eigentlich in Wirklichkeit? Um die Gunst von Verlagen oder die von Lesern? Sind nicht Verlag und vor allem dann der Buchhandel nur der Highway, der zum Leser führt, von dem wir uns wünschen, dass er begeistert nach unserem Buch greift?

Ich hab länger überlegt, ob der Beitrag hierher passt, aber Smalltalk ist es sicher keiner. Auch ist mir klar, dass wir hier in einem Schriftstellerforum sind und nicht in einem Zirkel von Psychologen. Aber über dem allen gilt das Interesse vieler hier postender der Frage, wie sie in letzter Konsequenz an den Leser kommen. Alle ›Details‹ wie ›wie finde ich einen Verlag?‹ oder ›Wie kann ich so schreiben, dass ich gerne gelesen werde?‹ dienen doch nur diesem Ziel: Wir wollen Leser - und im Traumfall vom Schreiben leben können. Natürlich ist auch der Weg das Ziel, aber ich möchte gern mal dieses Thema diskutieren: Wie gelangen wir direkt zum Leser?

Der Gedanke beschäftigt mich lange, so entstand ja auch Orange Cursor. Den Anstoß gab nun der gerade sehr aktuelle Beitrag von agu http://www.dsfo.de/fo/viewtopic.php?t=45089&start=0&postdays=0&postorder=asc&highlight=

Der bis heute übliche Weg geht über das Gesehenwerden in Charts, der Werbung, auf Auslegetischen, in Rezensionen usw. Das ist alles Top-Down-Werbung, die mit einer Menge an Kraft und Energie verbunden ist, sprich in unserer Zeit Kohle. So sagte der Chief der größten Buchhandlung in meiner Stadt zu mir »Wenn Sie ein paar Millionen übrigehaben, dann ist es eine gute Idee, neue Wege zu versuchen.« Sehr witzig! Hätte ich die, dann würde ich gemütlich schreiben, Orange Cursor in die Hände eines netten Teams legen und den Winter in Thailand verbringen. Andererseits ...

Ich finde es spannend, dieses Thema zu beleuchten, denn ich glaube bei all unseren Bemügungen übersehen wir völlig eines: Die Zeit ist in großer Wandlung. Wandlung bedeutet: Es wird anders. Und deshalb bin ich sicher, dass auch der Weg, wie man zum Leser kommen kann, anders werden kann. Merkbar ist die Veränderung ja heftig: Es gibt nur noch selten wirkliche Lektoren im klassischen Sinn, Verlage kaufen Plätze bei Thalias Auslegetischen, aber es gibt auch eBooks, es gibt soziale Netzwerke, es gibt lokale Globalisierung (Mitteleuropa rückt auch näher zusammen, nicht nur die Welt). Und was tun wir? Wir denken wie noch vor zwanzig Jahren, wie wir unsere Bücher an Frau und Mann bringen. Es gibt auch noch andere Indizien zum Wandel des Marktes: Werbung im klassischen Sinn funktioniert immer weniger (Fernsehen, Rundfunk, Postwurf, Plakat, Printmedien). Die Alternativen ist m.E. erst in den Kinderschuhen, auch wenn die Aussage auf den ersten Blick seltsam wirken mag und rudert noch recht hilflos umher, wenn ich an die ganzen Initiativen von Newsletters bis zum Spam denke. Ich habe so meine Ideen, wie diese mündigere Welt aussehen wird, aber nicht als Plot für einen SciFi, sondern als Plot für einen neuen Weg zum Leser.

Wenn jemand Lust hat, sich mit dem Thema »Wie komme ich direkt zum Leser« auseinanderzusetzen, wäre das wahrscheinlich zum Nutzen der meisten von uns. Andererseits muss man natürlich auch Lust (und Mut?) dazu haben, unüblich zu denken.

Viele Grüße!
Martin


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Bildersturm
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 17:06    Titel: Antworten mit Zitat

Das hätte jetzt aber auch noch in den Dilemma/Selfpublishing-Thread gepasst, oder? Wink  Im Grunde genommen bleibt es das selbe Thema - und das selbe Dilemma.
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MartinD
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 17:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Bildersturm hat Folgendes geschrieben:
Im Grunde genommen bleibt es das selbe Thema - und das selbe Dilemma.
Finde ich nicht - weder dass es dorthingehören würde (wenn dann eher marginal), noch dass es um ein Dilemma geht.

Hier geht es mir um die allgemeine Entwicklung, wie Bücher in Zukunft zu Lesern kommen werden, ganz unabhängig von der Art, wie sie verkauft werden, also digital, Print, SP oder Verlag.

Es ist kein Dilemma, weil es ja nicht darum geht, etwas zu entscheiden. Die Entwicklungen, über die wir hier lesen und in den Medien, zeigen ja, dass schwere Veränderungen am Laufen sind. Die heile Verlagswelt wird durch einen Amzon erschüttert, eBooks drängen sich in den Markt, die nette Buchhändlerin, die einem eine Urlaubslektüre empfiehlt, stirbt ebenso langsam aus wie die Lektorin, sie sich engagiert mit dem Autor gemeinsam eines Textes annimmt.

Also ist hier nicht die Frage, was soll man tun, sondern zuerst einmal: Wo geht es hin? Auch wenn vielleicht manche meinen mögen, dass das ans Kaffeesatzlesen hinkommt, finde ich, dass man sehr wohl aus übergeordneten Indizien interessante Schlüsse ziehen kann.


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Bildersturm
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

MartinD hat Folgendes geschrieben:
Wo geht es hin? Auch wenn vielleicht manche meinen mögen, dass das ans Kaffeesatzlesen hinkommt, finde ich, dass man sehr wohl aus übergeordneten Indizien interessante Schlüsse ziehen kann.


Na, dann mal raus damit. Wo geht's hin?
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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 17:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Martin,

da ich Eingeborene des Internets bin und obendrein ein ziemlicher Eigenbrödler, wird der traditionelle Weg des Buches für mich zunehmend unattraktiver. Ich mache mir darüber Gedanken, wie ich meine Bücher unter die Leute bringen möchte, wenn das ein oder andere davon im nächsten Jahr zur Veröffentlichung bereit sein wird.

Für mich ist klar, dass ich mit meiner Leserschaft in Kontakt sein möchte, deshalb sind die sozialen Netzwerke für mich unumgänglich. Da ich recht wilde, schnodderschnäuzige Geschichten schreibe, sehe ich meine Leser in den Ecken des Netzes, in denen man zum kritischen Denken fähig ist und Freude an geekigen Ideen hat. Letzendlich schreib ich aber für mich - das klingt furchtbar naiv und schließt nicht aus, dass auch ich natürlich gefallen und gehört werden will, aber die ganze Arbeit rund ums Schreiben, mach ich mir in erster Linie deshalb, weil ich's gar nicht anders kann. Wenn ich nicht schreiben würde, würde mir vermutlich einfach irgendwann der Schädel explodieren.

Ich hab neulich ein hübsches Zitat gelesen: "Bücher sind lange Briefe an Freunde." Das trifft den Nagel für mich persönlich auf den Kopf. Ich schreibe für mich und meinesgleichen. Ich befürchte zwar, dass der Kreis meinesgleichen so klein ist, dass mich meine Bücher nicht ernähren werden, aber ich würde vermutlich nie ein Manuskript fertigstellen können, wenn ich nicht mit Leib und Seele dabeiwäre.

Ich hab mal darüber nachgedacht, Bücher im Blogformat zu posten - quasi episodenweise Szene für Szene. Da ich Grafikerin bin, würde es sich sogar anbieten, diese Episoden entsprechend zu bebildern. Vom Bloggen wird man zwar nicht reich, aber es wäre vielleicht ein guter Anfang um sich ein Publikum zu schaffen.

Aber auch das ist nur eine Idee, wenn man bedenkt, wieviele Blogs es jeden Tag mehr in Deutschland gibt, wird mir ein bisschen schwindlig bei der Idee, aber viel einfacher wird es vermutlich auch mit Verlagsvertrag nicht, sein Buch an den Leser zu bringen.


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"But in the end, stories are about one person saying to another: This is the way it feels to me. Can you understand what I'm saying? Does it also feel this way to you?"
-Sir Kazuo Ishiguro
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Gerling
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 18:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ich will es mal so formulieren: Ich buhle um die Gunst des Lesers und war bislang der Meinung, dass ich, um das zu erreichen, zunächst um die Gunst eines großen Verlages buhlen muss.
Das hat mehrere Gründe:
Zum einen wäre da die flächendeckende Präsens der großen Verlage in den Buchhandlungen.
Dann die Tatsache, dass die großen Verlage die Möglichjeit haben, "mal eben" eine Startauflage von 20.000 Stck in den Markt zu pfeffern (die verlegen ja schon keine Bücher mehr, von denen sie nicht glauben, dass sie 20.000 Stck verkaufen)
Und sie haben das Budget, ordentlich Werbung zu machen.

Tja, wäre schön, wenn ich jetzt aufhören könnte, zu schreiben.
Kann ich aber nicht, weil

es immer schwieriger wird, an einen der großen Verlage heranzukommen.
Die Großen scheuen das Risiko, einen neuen (deutschen) Autoren aufzunehmen. Sie verlassen sich lieber darauf, Auslandslizensen zu kaufen, und, wenn möglich, die TB Rechte eines deutschen Autoren, der in einem kleinen oder mittleren Verlag veröffentlicht hat. Aber diese Fälle kann man ohne Probleme an beiden Händen abzählen.

Was bleibt dem ambitionierten Autoren?

Ich z.B werde (wahrscheinlich) meine nächsten beiden Bücher als e-Book bei instant books rausbringen, hoffen, das sie gut laufen, um dann entweder
den nächsten (der gerade in Arbeit ist) bei einem der Verlage, die, weil meine e-Books gut liefen, nun anfragen, unterzubringen
oder
über meinen Agenten wieder die Löwenrunde zu drehen.

Tja ... was bleibt einem anderes übrig?


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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 18:56    Titel: Antworten mit Zitat

Mitlerweile ist es wohl aber auch so (hab ich von einem etablierten Autor gelesen), dass auch ein renommierter Verlag von seinen Autoren verlangt, dass sie für sich selbst die Werbetrommel rühren und sehr aktiv in den sozialen Medien unterwegs sind. Man kann sich also nicht unbedingt darauf verlassen, dass die für einen relativ unbekannten Autor, der nicht zu ihren Zugpferden zählt, sich den Buckel krummmachen. Klar wollen die auch an einem neuen Autor verdienen, aber die kalkulieren eben auch und vielleicht nicht immer in dessen Sinne.

Wenn ich also sowieso einen Großteil des Marketings im Netz machen muss, wird der traditionelle Deal mit einem Verlag noch ein bisschen unattraktiver, denn Werbung durch eine etablierte Instanz und das professionelle Lektorat, wären meine Hauptgründe die Verantwortung für mein Werk überhaupt abzugeben.

Das sind so meine Gedanken - also aus der Sicht von einer, die den traditionellen Weg über den Verlag noch gar nicht gegangen ist.


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kskreativ
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 19:00    Titel: Antworten mit Zitat

Natürlich ist die Zielgruppe der Leser. Allerdings verkaufe ich meine Werke ja nicht direkt an ihn, nicht einmal beim SP. Eine Station liegt immer dazwischen. Die Frage anders formuliert wäre: Schreibe ich für den Leser oder den Verlag? Aber diese Diskussion wurde schon x-mal in anderen Threads geführt.

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MartinD
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 19:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Poolshark,

Poolshark hat Folgendes geschrieben:
da ich Eingeborene des Internets bin und obendrein ein ziemlicher Eigenbrödler, wird der traditionelle Weg des Buches für mich zunehmend unattraktiver. Ich mache mir darüber Gedanken, wie ich meine Bücher unter die Leute bringen möchte, wenn das ein oder andere davon im nächsten Jahr zur Veröffentlichung bereit sein wird.
Das ist mal das Eine, dass das Netz für viele eine Art vergrößertes Wohnzimmer ist und zunehmend wird. Mal abgesehen von Nerds, die nur zuhause herumhocken (aber auch die lesen mitunter), ist das Netz einfach ein Lebensbestandteil geworden.
Die Entwicklung konnt eich in über 30 Jahren Softwareentwicklung gut mitverfolgen: Hier tut sich Enormes. Zwar gibt es, vor allem im Öko-Segment, nach wie vor Verweigerer, aber die werden wieder von anderen versorgt, die als Schnittstelle fungieren. Fazit: es geht darum, Wege zu finden, die das Internet möglich macht und die vor allem - un das ist der springende Punkt - den Bedürfnissen der Leser entgegenkommen. Ist zwar ein Literaturforum, hier geht es aber um die rein psychologische Komponente ›Bedürfnis‹. Das ist ein magisches Schlüsselwort!

Ich weiß nicht, wie du lebst, aber ich nehme dich wenigee als Eigenbrötlerin wahr, sondern als Individualistin, die weiß, was sie will. Während es immer eine Masse geben wird, beobachte ich aber sehr glücklich ein Zunehmen an Individualisten. Sicher ist diese Gruppe die kleinere, aber umso verständiger und mündiger. Da lässt sich schon was gemeinsam auf die Füße stellen. Wohlgemerkt: Ich möchte die Masse nicht abwerten, sondern das sind eben die Menschen, die weniger eigene Meinung haben und mehr der der anderen Folgen. Ist jedes Sache, wie er/sie sich entscheidet. Dafür haben wir mit der sog. Masse ein Zielpublikum, wo man weiß, was das Bedürfnis Vieler ist. Einigermaßen berechenbar. Ist ja auch nicht schlecht, finde ich. Bedürfnisse dort: Wegbeamen, kompensieren, träumen, Lesen als legale Droge.

Zitat:
Für mich ist klar, dass ich mit meiner Leserschaft in Kontakt sein möchte, deshalb sind die sozialen Netzwerke für mich unumgänglich. Da ich recht wilde, schnodderschnäuzige Geschichten schreibe, sehe ich meine Leser in den Ecken des Netzes, in denen man zum kritischen Denken fähig ist und Freude an geekigen Ideen hat.
Hier kann man z.B. überlegen, ob man nicht einen Verteiler für die verschiedenen Strömungen an Bedürfnissen installieren kann

Zitat:
Letzendlich schreib ich aber für mich - das klingt furchtbar naiv und schließt nicht aus, dass auch ich natürlich gefallen und gehört werden will, aber die ganze Arbeit rund ums Schreiben, mach ich mir in erster Linie deshalb, weil ich's gar nicht anders kann. Wenn ich nicht schreiben würde, würde mir vermutlich einfach irgendwann der Schädel explodieren.
Andreas Eschbach hat neulich in einem Forum geschrieben, dass er nur solche Bücher schreibt, wie er sie selbst lesen möchte. Ist ja so ähnlich. Alles andere finde ich Selbstverleugnung. Nix naiv, find ich toll, mach ich auch so!

Zitat:
Ich befürchte zwar, dass der Kreis meinesgleichen so klein ist, dass mich meine Bücher nicht ernähren werden,
Okay, Millionen werden es nicht werden. Aber vielleicht unterschätzen wir unsere Mitmenschen auch ...?

Zitat:
Ich hab mal darüber nachgedacht, Bücher im Blogformat zu posten - quasi episodenweise Szene für Szene. Da ich Grafikerin bin, würde es sich sogar anbieten, diese Episoden entsprechend zu bebildern. Vom Bloggen wird man zwar nicht reich, aber es wäre vielleicht ein guter Anfang um sich ein Publikum zu schaffen.
Genau solche Ideen sind gefragt! Dabei geht es m.E. aber darum, sich einen Ruf als Portal schaffen zu können. Die Überlegung ist lediglich, wie man am besten unterschiedliche Bedürfnisse bündeln kann. Beispiel: Jemand sucht was zum Lesen. Amazon? Nee, da such ich fünf Tage. Dafür habe ich bei Orange Cursor das Couleur-System entwickelt, was aber noch auszubauen wäre. Sinn dahinter ist, die liebe Buchhändlerin zu spielen, die den persönlichen Bedürfnissen nachkommt und passend empfiehlt.

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BirgitJ
Klammeraffe


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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

ich schreibe mal was Ketzscherisches: Das Ziel ist doch nicht der Leser, das Ziel ist der Käufer. Als Autor bekomme ich Geld für jedes verkaufte Buch und nicht für jedes gelesene.

Gruß BirgitJ
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Sabine A.
Eselsohr


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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Einst hatte ich für die Leser geschrieben, dann habe ich wohl in irgendeiner Form versucht, für Verlage zu schreiben und aktuell schreibe ich gar nicht mehr.
Kein Jammern, sondern lediglich eine Tatsache. Vielleicht geht anderen Schreibern die Luft nicht so schnell aus. Und vielleicht ändert sich meine Einstellung auch wieder, immerhin möchte ich noch meine fertiggestellten Manuskripte unterbringen. Für den Fall, dass mir dies gelingen und es Leser geben sollte, die diese Bücher auch kaufen würden, werde ich gerne wieder schreiben. Und ich würde mich darüber sehr, sehr freuen.
Zur Ausgangsfrage: Ich würde gerne den Lesern meine Geschichten schmackhaft machen, weiß aber auch, dass ich um Verlagswünsche nicht herumkommen würde.
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MartinD
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 19:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gerling hat Folgendes geschrieben:
Ich will es mal so formulieren: Ich buhle um die Gunst des Lesers und war bislang der Meinung, dass ich, um das zu erreichen, zunächst um die Gunst eines großen Verlages buhlen muss.
Das hat mehrere Gründe:
Zum einen wäre da die flächendeckende Präsens der großen Verlage in den Buchhandlungen.
Dann die Tatsache, dass die großen Verlage die Möglichjeit haben, "mal eben" eine Startauflage von 20.000 Stck in den Markt zu pfeffern (die verlegen ja schon keine Bücher mehr, von denen sie nicht glauben, dass sie 20.000 Stck verkaufen)
Und sie haben das Budget, ordentlich Werbung zu machen.
Das ist m.E. eine wilde Illusion. In Wirklichkeit geht es so, dass der Titel eines Newcomers auch dort üblicherweise mitläuft. Beworben werden nur die Renner. Von den Buchhandlungen werden meist nicht einzelne Titel oder Autoren geordert, sondern eine Charge meinetwegen Krimi oder Romance oder Erotik. Dem Verlag obliegt es dann, was er da hineintut. Und das sind immer wieder dieselben.

Und dann kommt noch ein Aspekt dazu: Je teurer ein Verlag etwas einkauft - und das sind nun mal die Lizenzen - desto mehr ist er bemüht, die gut zu verkaufen. Also sollten wir aufhören, uns zu große Hoffnungen zu machen, selbst wenn uns ein großer nimmt!

Zitat:
Was bleibt dem ambitionierten Autoren? ... instant books ... hoffen, das sie gut laufen ... über meinen Agenten wieder die Löwenrunde zu drehen ... Tja ... was bleibt einem anderes übrig?
Mit Ideen aktiv werden! Das kommt mir ja so vor wie das Beispiel von dem Elefanten an der Schnur, die er locker zerreißen könnte. Nur hat er das leider nie gelernt.

kskreativ hat Folgendes geschrieben:
Natürlich ist die Zielgruppe der Leser. Allerdings verkaufe ich meine Werke ja nicht direkt an ihn, nicht einmal beim SP. Eine Station liegt immer dazwischen. Die Frage anders formuliert wäre: Schreibe ich für den Leser oder den Verlag? Aber diese Diskussion wurde schon x-mal in anderen Threads geführt.
Na ja, dann offenbar wenig erfolgreich! Genau darum geht es ja: Warum muss denn da unbedingt - außer dem Shop - dazwischen sein?! Wir reden imm von ›dem Leser‹. Dabei sitzt ›der Leser‹ im Nachbarhaus, ist ein Facebookfreund, spielt auch Tennis, steht in der Lieblingskneipe hinter der Bar ... es ist ein Fehler, ›den Leser‹ als entfernte Instanz zu betrachten. Das ist ja genau das, was SPler machen, dass sie zu ›dem Leser‹ persönlich gehen. ›Der Leser‹ sind du und ich. Umdenken!

BirgitJ hat Folgendes geschrieben:
ich schreibe mal was Ketzscherisches: Das Ziel ist doch nicht der Leser, das Ziel ist der Käufer. Als Autor bekomme ich Geld für jedes verkaufte Buch und nicht für jedes gelesene.
Äh ... ist das ein Aufruf zu Attentaten auf Leihbüchereien ...? Oder wie meinst du das?

Sabine A hat Folgendes geschrieben:
Ich würde gerne den Lesern meine Geschichten schmackhaft machen, weiß aber auch, dass ich um Verlagswünsche nicht herumkommen würde.
Vielleicht ist der Spatz in der Hand manchmal besser? Ich meine damit, dass du über große Verlage nur mainstreamen kannst. Es gibt aber auch ein Publikum außerhalb!

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BirgitJ
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

MartinD hat Folgendes geschrieben:
BirgitJ hat Folgendes geschrieben:
ich schreibe mal was Ketzscherisches: Das Ziel ist doch nicht der Leser, das Ziel ist der Käufer. Als Autor bekomme ich Geld für jedes verkaufte Buch und nicht für jedes gelesene.
Äh ... ist das ein Aufruf zu Attentaten auf Leihbüchereien ...? Oder wie meinst du das?


Leihbüchereien können nicht die besten Freunde der Autoren sein Wink  Und natürlich möchte ich als Autorin gelesen werden, ich möchte aber auch Geld mit dem Schreiben verdienen und möchte deshalb, dass meine Bücher gekauft werden. Andere Künstler (Maler, Bildhauer, Musiker) wollen auch ihre Kunst verkaufen und nicht nur für ihre Hörer, Bildbeschauer usw. da sein. Ich denke, offene Worte tun der Diskussion gut, und es geht doch darum, wie man an Käufer rankommt. Die sollen das Buch auch lesen und am besten auch noch gut finden und mehr wollen. Willst du nur an Leser rankommen, ist es doch nicht schwer - verteile das Buch umsonst im Internet und du wirst ganz viele finden, die es dir begeistert abnehmen. Darum geht es dir doch aber nicht?

Gruß BirgitJ
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kskreativ
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 20:31    Titel: Antworten mit Zitat

Noch schnell ein Edit zu meinem Post weiter oben: Die Frage ist eigentlich nicht, für wen ich schreibe. Bei Bewerbungen gebe ich ja schon an, für welche Zielgruppe ich schreibe. Die Frage ist, wie vermarkte ich das, was ich schreibe, damit ich die Leser erreiche, die mir vorschweben. Und schon beißt sich die Katze wieder in den Schwanz.

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MartinD
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 20:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

BirgitJ hat Folgendes geschrieben:
Leihbüchereien können nicht die besten Freunde der Autoren sein
Bin ich mir gar nicht so sicher. Ich glaube sogar, dass Piraterie positive Seiteneffekte hat: Public Relation! Microsoft haben z.B. bewusst viele Jahre lang ihr Office-Paket via CD so vertrieben, dass du es auf einem anderen PC neu installieren konntest und zwar als Update. Dabei musstest du nur angeben, auf welchem Laufwerk das Original ist. Und das war die CD ... Ich bin mir sicher, dass sie damit ein gutes Stück zu ihrer Bekanntheit beigetragen haben. Als es lief, wurde das ganze dann restriktiver. Heute allerdings auf eine Art, die ich ablehne.

Zitat:
ich möchte aber auch Geld mit dem Schreiben verdienen.
Ja was denn sonst? Ich habe mich noch nie besonders für Lichtnahrung begeistern können.

Zitat:
Ich denke, offene Worte tun der Diskussion gut, und es geht doch darum, wie man an Käufer rankommt.
Ja freilich und ich bin auch froh, dass du das ansprichst. Ich verstehe ohnehin nicht, wie viele Sachen im Netz mit der Gratiswelle funktionieren. Da scheint es eine Menge Profilneurotiker zu geben. Und Hobbyisten. Dazu zähle ich mich nicht und auch das Projekt nicht. Natürlich ist am Anfang Einsatz nötig, der sich nicht rechnet und ich und ein langsam entstehendes Team machen das sehr gerne, aber das Ziel soll sehr wohl sein, dass faires Geld verdient wird von allen Beteiligten!

Schön, dass du das ansprichst, damit eine etwaige Schieflage korrigiert werden kann!


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BirgitJ
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 21:16    Titel: Antworten mit Zitat

MartinD hat Folgendes geschrieben:
BirgitJ hat Folgendes geschrieben:
Leihbüchereien können nicht die besten Freunde der Autoren sein
Bin ich mir gar nicht so sicher. Ich glaube sogar, dass Piraterie positive Seiteneffekte hat: Public Relation! Microsoft haben z.B. bewusst viele Jahre lang ihr Office-Paket via CD so vertrieben, dass du es auf einem anderen PC neu installieren konntest und zwar als Update. Dabei musstest du nur angeben, auf welchem Laufwerk das Original ist. Und das war die CD ... Ich bin mir sicher, dass sie damit ein gutes Stück zu ihrer Bekanntheit beigetragen haben. Als es lief, wurde das ganze dann restriktiver. Heute allerdings auf eine Art, die ich ablehne.

Zitat:
ich möchte aber auch Geld mit dem Schreiben verdienen.
Ja was denn sonst? Ich habe mich noch nie besonders für Lichtnahrung begeistern können.

Zitat:
Ich denke, offene Worte tun der Diskussion gut, und es geht doch darum, wie man an Käufer rankommt.
Ja freilich und ich bin auch froh, dass du das ansprichst. Ich verstehe ohnehin nicht, wie viele Sachen im Netz mit der Gratiswelle funktionieren. Da scheint es eine Menge Profilneurotiker zu geben. Und Hobbyisten. Dazu zähle ich mich nicht und auch das Projekt nicht. Natürlich ist am Anfang Einsatz nötig, der sich nicht rechnet und ich und ein langsam entstehendes Team machen das sehr gerne, aber das Ziel soll sehr wohl sein, dass faires Geld verdient wird von allen Beteiligten!

Schön, dass du das ansprichst, damit eine etwaige Schieflage korrigiert werden kann!


Schön dass wir so auf einer Linie liegen. Häufig gleiten solche Diskussionen nämlich ins Hehre ab. Und ich will auch Leihbüchereien gar nicht verbieten, dazu nutze ich sie selbst viel zu gerne Smile

Gruß BirgitJ
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Nayeli Irkalla
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Beiträge: 1139
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Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 09.11.2013 22:30    Titel: Antworten mit Zitat

Da die Verlage inzwischen eine Filterfunktion haben, die mich als Leserin von schlechten Büchern bewahrt, denke ich, dass der beste Weg zum Leser immer noch darin liegt, sich darum zu bemühen, so gut wie nur möglich mein Handwerk zu erlernen. Vielleicht findet nicht das erste oder dritte oder siebte Buch seinen Weg zu vielen Lesern - aber früher oder später wird es klappen.
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MartinD
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BeitragVerfasst am: 09.11.2013 22:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nayeli Irkalla hat Folgendes geschrieben:
Da die Verlage inzwischen eine Filterfunktion haben, die mich als Leserin von schlechten Büchern bewahrt, ...
http://www.amazon.de/Klaras-lange-Reise-den-Scilly-Inseln-ebook/dp/B00FOI2Z1K/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1384029754&sr=8-1&keywords=klaras+lange+reise So viel dazu. Viel Spaß beim Lesen! Du kannst auch mehr Beispiele haben.

Zitat:
dass der beste Weg zum Leser immer noch darin liegt, sich darum zu bemühen, so gut wie nur möglich mein Handwerk zu erlernen.
Das ist ein edler Gedanke (übrigens mag ich das Handwerk auch, es macht einfach Spaß!), aber in erster Linie geht es um das Bedürfnis des Lesers. Es zählt nicht, wie perfekt du dein Handwerk beherrschst, sondern wie gut du den Bedürfnissen der Leser entgegenkommst. Beispiel siehe oben.

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agu
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BeitragVerfasst am: 10.11.2013 04:43    Titel: Antworten mit Zitat

Ich persönlich schreibe selbstverständlich für die Leser, doch sind Verlage für mich Mittel zum Zweck. Ich spekuliere, dass ich über einen Verlag eine viel größere Anzahl an Lesern erreichen kann, als mir das über andere Kanäle jemals gelingt.

Das Ideal des direkten Drahts zwischen Lesern und Autoren ist ein wunderbares, aber im Einzelfall bleibt dennoch wieder das Problem des Gesehenwerdens. Wie macht der einzelne Autor sein Werk für ein Publikum sichtbar, um das er mit Millionen anderer Schreiberlinge tagtäglich kämpfen muss? Der Buchmarkt leidet unter einem massiven, gigantischen Überangebot (und die Qualitätsfrage will ich jetzt gar nicht stellen). Die Globalität durch Internet verstärkt dieses Problem. Selbst auf lokaler Ebene konkurriert man global. Allein in Deutschland fühlen sich hunderttausende Menschen zum Schreiben berufen und kämpfen für ihre Werke um Leser - manchmal habe ich den Eindruck, dieser Markt ist inzestuös. Vor allem auf der Kleinverlags- und SP-Ebene. Da scheint jeder zweite Leser selbst ein Autor zu sein.
Wer soll das alles lesen??
Will man also bemerkt werden, braucht man Verstärker. Verlage sind Verstärker. Platzierung in Buchhandlungen und den Amazon-Toplisten sind Verstärker. Eine sich selbst multiplizierende rasend begeisterte Fanmenge (die man aber noch schwerer kriegt, als einen guten Verlagsvertrag) ist ein Verstärker.
Hat man all das nicht ... tja, dann bleibt das Ideal auch weiterhin nur ein Ideal. Oder die Menge der Leser sehr klein.

Last but not least:
Ja, ich halte es wie Eschbach, ich schreibe nur, was ich selbst guten Gewissens würde lesen wollen. Doch das wirft ein weiteres Problem auf: Es scheint, als würde nur eine kleine Lesermenge da draußen das gleiche gern lesen wie ich. Oder umgekehrt, das was Verkaufsmasse generiert, finde ich als Leser oft bestenfalls durchschnittlich. Das will ich nicht schreiben.
Und da ist vielleicht das größte aller Dilemmas.
Aber das wird einem erst so richtig klar, wenn man die Verlagshürde genommen hat ... und sich dann fragt, wieso nur man selbst, der Verlagslektor und noch viereinhalb Rezensenten das Buch gut fanden. Die schweigende Masse aber es nicht mal interessant genug fand, um es zu kaufen - geschweige denn, zu lesen.



Liebe Grüße,
Andrea


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Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
Sonnenfänger (2013, Weltbild)
Kill Order (2013 Sieben)
Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
Wie man ein Löwenmäulchen zähmt / als Eva Lindbergh (2016, Droemer Knaur)
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Gerling
Geschlecht:männlichExposéadler

Alter: 57
Beiträge: 2267
Wohnort: Braunschweig


BeitragVerfasst am: 10.11.2013 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

MartinD hat Folgendes geschrieben:
Gerling hat Folgendes geschrieben:
Ich will es mal so formulieren: Ich buhle um die Gunst des Lesers und war bislang der Meinung, dass ich, um das zu erreichen, zunächst um die Gunst eines großen Verlages buhlen muss.
Das hat mehrere Gründe:
Zum einen wäre da die flächendeckende Präsens der großen Verlage in den Buchhandlungen.
Dann die Tatsache, dass die großen Verlage die Möglichjeit haben, "mal eben" eine Startauflage von 20.000 Stck in den Markt zu pfeffern (die verlegen ja schon keine Bücher mehr, von denen sie nicht glauben, dass sie 20.000 Stck verkaufen)
Und sie haben das Budget, ordentlich Werbung zu machen.
Das ist m.E. eine wilde Illusion. In Wirklichkeit geht es so, dass der Titel eines Newcomers auch dort üblicherweise mitläuft. Beworben werden nur die Renner. Von den Buchhandlungen werden meist nicht einzelne Titel oder Autoren geordert, sondern eine Charge meinetwegen Krimi oder Romance oder Erotik. Dem Verlag obliegt es dann, was er da hineintut. Und das sind immer wieder dieselben.

Martin, ich verstehe ja, dass Du total hinter deiner Idee stehst, aber jetzt reißt Du das, was ich geschrieben habe, ein klein wenig aus dem Zusammenhang: Ich ging und gehe nicht davon aus, dass genau mein Buch mit einem hohen finanziellen Aufwand seitens des Verlages beworben wird. Ich schrieb lediglich, dass ein großer Verlag über ein hohes Budget verfügt. Also keine Illusion.

Und dann kommt noch ein Aspekt dazu: Je teurer ein Verlag etwas einkauft - und das sind nun mal die Lizenzen - desto mehr ist er bemüht, die gut zu verkaufen. Also sollten wir aufhören, uns zu große Hoffnungen zu machen, selbst wenn uns ein großer nimmt!

Und das sehe ich vollkommen anders. Ich weiß, dass das, was ich schreibe, Leser finden wird. Ich weiß aber auch, das kleine Verlage einen ganz großen Nachteil haben - sie verfügen nicht über ein flächendeckendes Händlernetz und haben keinen Außendienst. Wenn auch die großen Verlage dem Autoren sagen, er solle ebenfalls aktiv werden, so ist damit nicht gemeint, dass er Buchhändler abklappert. Vielmehr ist gemeint, dass er sich selbst auch mal um Lesungen kümmert. Wenn ein Autor an das, was er schreibt, glaubt, dann sollte es sein Ziel sein, bei einem großen Verlag zu publizieren. Das ist aber nur meine Meinung. Da gibt es kein richtig oder falsch.

Zitat:
Was bleibt dem ambitionierten Autoren? ... instant books ... hoffen, das sie gut laufen ... über meinen Agenten wieder die Löwenrunde zu drehen ... Tja ... was bleibt einem anderes übrig?
Mit Ideen aktiv werden! Das kommt mir ja so vor wie das Beispiel von dem Elefanten an der Schnur, die er locker zerreißen könnte. Nur hat er das leider nie gelernt.

An Ideen mangelt es mir nicht, Martin. Ich habe meine ersten beiden Bücher zu Hörspielen umgeschrieben und diese dann zusammen mit einer Theatergruppe auf die Bühne gebracht. Wir haben sogar Soundeffekte und Videosequenzen eingespielt. Ich habe dann auf meine Kosten ein Theater gemietet, Getränke gekauft und los gings. Pro Abend waren rund 100 Leute da, die auch noch Eintritt bezahlt haben. Nach dem Hörspiel habe ich im Schnitt 50 bis 60 Bücher signiert und verkauft. Das war ein Riesenerfolg - aber nur in einem Umkreis von 100 Kilometern von meinem Wohnort. Wir hätten es gerne auch in München, Köln oder Berlin gemacht - ging aber nicht, weil das Risiko zu hoch war.  





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Die Ewigen (Juni 2018)
Architekt des Bösen - Edition M (Aug 2019)
Tag X - Bookspot Verlag (2020)
Caldera - Bookspot Verlag (März 2021)
Brandmale - Rowohlt Verlag (Okt 2021)
Argusaugen - Rowohlt Verlag (Okt 2021)
Kopfgeld - Rowohlt Verlag (April 2022)
Der Perfektionist - Rowohlt Verlag (Dez 2022)
Die Schuldigen - Rowohlt Verlag (Dez 2022)
Der Seelsorger - Rowohlt Verlag (2023)
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Nayeli Irkalla
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 39
Beiträge: 1139
Wohnort: Ruhrgebiet
Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 10.11.2013 12:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz ehrlich, ich bin keine Marketingfachfrau und will auch keine werden. Da mache ich mir keine Illusionen. Ich kann Geschichten erzählen und Lesungen halten und dabei ein Publikum so fesseln, dass es sich gut unterhalten fühlt. Ich kenne mein Handwerk gut genug, dass ich es andere lehren kann.

Aber von Marketing verstehe ich einfach nicht viel. Daher lagere ich das gerne an andere aus, die etwas davon verstehen - und konzentriere mich auf das, was ich kann. Geschichten erzählen. Und wenn mir jemand sagt, dass sich Liebesgeschichten mit Erotikanteil gut verkaufen, dann erzähle ich eben solche Geschichten.

Dann packe ich da vielleicht noch ein bisschen mehr Geschichte rein, ein bisschen Familiendrama, Emanzipation davon, ein bisschen Selbstfindung und persönliche Entwicklung oder auch mal Gesellschaftskritik, vielleicht auch mal ein bisschen Thrill, aber erst mal sage ich mir: Ich bin Geschichtenerzählerin. Wenn ich vor 500 Jahren von Dorf zu Dort gewandert wäre, um mir damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen, hätte ich die Geschichten auch so wählen müssen, dass sie die Bedürfnisse meiner Zuhörer erfüllen - sonst hätte mir nämlich niemand Kupfer in meinen Hut geschmissen.

Und wenn ich Verlage dafür interessieren kann, dann sehe ich keinen Grund, in Richtung Vermarktung über die oben genannten Dinge hinaus selbst aktiv zu werden. Das raubt mir bloß Zeit, in der ich weitere Geschichten erzählen könnte. Die nutze ich dann eher, um ehrenamtlich in Kindergärten zu gehen und dort Geschichten zu erzählen. Denn das ist es, was ich will. Geschichten erzählen. Und damit genug Geld verdienen, um auch weiterhin Geschichten erzählen zu können.
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suntime
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 439



BeitragVerfasst am: 10.11.2013 13:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Martin,

Der Weg: „Wie komme ich direkt zum Leser?“ ist für den klassischen Autor wohl der Weg über die Auslageflächen im Buchhandel. Nur sind diese Flächen leider arg begrenzt.

Neue Wege, wenn man mal die zurzeit greifbaren Alternativen betrachtet, ich verweise nur einmal auf das iPad, sind vergleichbar mit den paar Quadratmetern Auslagefläche des Buchhandels. Wer im iBookstore von Apple nicht unter den wenigen Büchern im Spotlight gepriesen wird, oder es auf die ersten 10 Plätze der Top-Charts geschafft hat, der wird vom Leser nicht gefunden.

Ich meine damit, dass mir deine Frage zu einseitig formuliert zu sein scheint. Die Kehrseite der Medaille ist nämlich die Frage: „Wie kommt der Leser zu seinem Buch?“ ==> über den immer knapper werdenden Platz der Auslageflächen des Buchhandels oder über Spotlight/Top-Charts, oder wie immer man die greifbaren Listen der elektronischen Medien auch nennen mag.

Neue Wege wie Buchtrailer, tolle Internetseite, Lesungen, Facebook & Co., stoßen schnell an ihre Grenzen und fordern den Leser deutlich mehr, als beim Shoppen gehen den Blick mal über die Auslageflächen des Buchhandels streifen zu lassen.

Ein langsames Internet beispielsweise hält jeden potenziellen Leser wegen der langwierigen Suche nach Büchern von der Nutzung der neunen Medien eher ab.

Deine Frage, „Wie komme ich direkt zum Leser?“ ist berechtigt, aber sie ist für mich nicht anders zu werten als die klassische Frage: „Wie kommt das Produkt zum Kunden?“ Die Antworten darauf sind interessant, aber gleichzeitig so hoffnungslos Vielfältig wie das Internet selbst.

suntime
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