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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Zwei Stunden zu Besuch im Himmel


 

 
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ces
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BeitragVerfasst am: 13.10.2013 12:45    Titel: Zwei Stunden zu Besuch im Himmel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr lieben Mitleser und Mitschreiber!

Ich möchte euch zu eurer Meinung bezüglich eines von mir verfassten Textes fragen. Es handelt sich um die Wiedergabe einer Partynacht, die ich versucht habe, mit meinen Eindrücken und Gedanken wiederzugeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich schreibe, allerdings ist es sehr lange her. Deswegen bitte ich um ehrliches feedback, ob diese Art von Schreiben überhaupt jemanden interessieren könnte und was ihr bezüglich des Stils zu sagen habt.

P.S. Ab nächstem Jahr möchte ich gerne Kommunikationswissenschaft studieren und Journalismus interesiert mich sehr, deswegen will ich versuchen, bereits dieses Jahr einige kritische Texte zu verfassen. Dies ist der erste Versuch und noch ein Misch Masch aus diversen Elementen.

Vielen Dank fürs Lesen im vorraus!

Zwei Stunden zu Besuch im Himmel

Kennt nicht jeder diese Abende? Einige Kommilitonen fragen einen, ob man Lust hat auszugehen. Es ist Freitagabend, da denkt man sich natürlich: Wieso nicht? Alleine zu Hause rumhängen, Filme gucken und die Couch einsitzen ist zu langweilig für einen Wochenendstart. Also sagt man zu. Später, wenn dann die große Stunde schlägt, rappelt man sich etwas widerwillig auf, um sich fertig zu machen. Draußen ist es kalt, nass, grau, laut, und man könnte jetzt so schön auf dem Sofa seinen Ruhepuls trainieren. Aber man will mal nicht so sein.

Ausgehfertig -zumindest äußerlich- stürzt man sich hinaus ins Nachtleben. Und stellt sehr bald fest, dass dieser Abend einfach nicht zu retten ist. Sei es wegen der fragwürdigen Gesellschaft oder des mangelnden Alkoholpegels. Doch hat man dann wirklich noch Lust, Geld zu investieren, um diesen steigen zu lassen? Möchte man wirklich den Eintritt für den Club blechen, auch auf die Gefahr hin, dass es total öde und unlustig wird, und man sich dann später noch wegen des ausgegebenen, oder besser, rausgeworfenen Geldes ärgert?

Mein Tipp: Geh nach Hause, solange du noch nicht pleite und miesgelaunt bist. Oder: Geh mit, besieh dir alles ganz genau und versuch, irgendetwas Nützliches daraus zu ziehen.

Münster, 11.10.2013, 21:30 Uhr

Ich erhebe mich von der wirklich kuschligen Couch, da ich in einer halben Stunde mit meinen Kommilitoninnen verabredet bin. Sie haben mich gefragt, es ist „O-Woche“, Kennenlern-Woche. Man möchte natürlich kein Spielverderber sein und schließt sich an, auch wenn die Motivation noch schwächelt. Die Nacht ist ja noch jung, und vielleicht landet man ja plötzlich auf der ultimativen Party, und der Abend ist unvergesslich, und wenn man nicht mitgeht, muss man sich später das beliebte „Du hast was verpasst!“ oder das noch schönere, umgangssprachliche „Es war so geil!“ anhören, und man ärgert sich, nicht Teil dieser Geilheit gewesen zu sein.

Schnell ist beschlossen, wo es hingehen soll. „Heaven“ nennt sich dieser Ort, ein verlockender Name, verheißungsvoll, kann assoziiert werden mit all den schönen Redewendungen, wie „im siebten Himmel sein“, dann denkt man an Wölkchen und die berühmte Wolke 7,von der eigentlich kein Mensch genau weiß, wo sie sich befindet. Dieser Name weckt Erwartungen, nicht wahr? Falsch. Zumindest nicht, wenn man vorher von diversen Mitmenschen folgende Reaktionen erhalten hat:

„Ich war einmal 30 Sekunden drin und bin sofort wieder rausgegangen.“

„…“ Ein entgeisterter Blick mit langem Schweigen.

Und nach meinem Besuch:

„O Nein, wieso gehst du denn dahin? Da geht man einfach nicht hin. Geh da nie wieder hin!“

22:30 Uhr

Bei der Disko angekommen stellen wir fest, dass noch 30 Minuten bis zum Einlass fehlen. Eine meiner Kommilitoninnen hat bereits eine Karte im Vorverkauf für fünf Euro ergattert. Ich befürchte bereits, dass die Abendkasse teurer ausfallen wird.

Prinzipiell habe ich kein Problem mit Eintrittsgeldern. Man zahlt sie natürlich, denn man weiß, dass einem für dieses Geld etwas geboten wird. Egal ob Kino, Schwimmbad, Konzerte oder eben auch Diskotheken.

Wenn man allerdings vor der Pforte des Heaven steht und langsam aber sicher Schwärme von der Sorte Mensch eintrudelen, mit der man für gewöhnlich nicht seine Abendstunden verbringt, dann überlegt man sich doch nochmal gründlich, ob man das Geld in diesen Abend oder nicht doch lieber in das morgige Mittagessen investiert.

Was sollte man tun in so einer Situation? Alles in einem sträubt sich regelrecht, über die Türschwelle dieses Ladens zu treten, doch dann stehen da deine Begleiterinnen, und du hast zwei Optionen:

1)Das Erfinden einer Ausrede. Leider bin ich in so etwas eine totale Niete. Ich lüge schlecht, und es wäre mir peinlich, mich beim Lügen erwischen zu lassen. Ich möchte auch nicht irgendeinen Unfall herbeilügen, denn später führt dies zu weiteren Lügen. Und ich sah den ganzen Abend zu gesund  aus und habe zu viel gescherzt, um jetzt zu behaupten, mir ginge es nicht gut. (P.S. Wenn man eine super glaubwürdige Ausrede hat, dann unbedingt Option 1 wählen. Wenn nicht, passiert nämlich folgendes.)

2)Ehrlich sein. Als Kind wird einem doch immer gesagt „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“, oder „Lügen haben kurze Beine.“, ja sogar die Bibel lehrt „Du sollst nicht lügen.“ Hätte ich es doch getan.

Nach einigen unbeholfenen Versuchen meinerseits, mit der Wahrheit rauszurücken, dass ich denke, dass dieser Club nichts für mich ist, sehe ich mich harten Fragen konfrontiert. Wieso nicht, was stört dich denn, würdest du denn, hättest du denn, magst du denn nicht?

Nein, ich mag nicht. Ich mag wieder auf meine Couch. Und das ist auch gar nichts gegen euch, ich mag euch, und wir können gerne mal ausgehen, aber heute ist vielleicht nicht der beste Abend und die beste location.

Ich finde, dass klingt logisch, wenn mir jemand das sagt, würde ich ihn gehen lassen.

Doch wie so oft wurde mit der Wahrheit etwas ausgelöst. Die Gruppe wird unsicher, kann sich nicht entscheiden, fragende Blicke in die Kälte, der Einlass beginnt, man wird nervös. Was tun? Was tun?

Bis ein fremdes Mädchen uns drei billigere Karten verkauft und in mir die „Sei-kein-Spielverderber-Stimme“ mit der „Du-willst-doch-gar-nicht-hier-sein-Stimme“ ringt.

Wir sind im Club. Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe.

Rosa und violett leuchtet das Scheinwerferlicht. In der verhältnismäßig kleinen Halle stehen ungefähr vier Himmelbetten, passend zum Konzept. An Tischen, die den Raum blockieren, sitzen gut gekleidete junge Prollos und glitzernde Weiber. Alles ist da, um so „richtig ab zu feiern“. Die Tanzfläche finden wir im Zwergenformat vor, es ist wie in einer Sardinenbüchse.

Ich denke mir, vielleicht lässt sich die Sache ja noch mit Alkohol retten. Die Moral von der Geschichte gleich zu Beginn: Nein, sie ließ sich nicht retten. Unter anderem, da ich bereits die Hälfte meines Feierbudget in den Eintritt investiert hatte und schon von vorneherein wusste, dass mein Geld nicht reichen würde, um mich zu betrinken, und dass die eventuelle Gefahr im Raum stand, überhaupt nicht die gewünschte Wirkung zu erzielen, sondern nur Müdigkeit und Lustlosigkeit hervorzurufen. Egal, ich kaufe mir ein Bier für 2,90 Euro. Super. Jetzt habe ich bereits mehr als gewollt ausgegeben, und Spaß hatte ich immer noch nicht.

Ich möchte nicht wie ein Geizkragen wirken, aber man sollte bedenken, dass Geld nicht vom Himmel fällt (Das Gegenteil ist der Fall, dort gibt man es aus).

Im ganzen Raum zu sehen sind blondgefärbte Stöckelschuhträgerinnen. Ich bin mit Turnschuhen da, weil ich meine frisch erworbenen Winterschuhe noch nicht tragen kann, weil es regnet und ich sie noch nicht imprägniert habe, weil ich mir nicht das teuer Imprägnier spray leisten konnte, dass die Frau mit der Quietschestimme mir im Roland an der Kasse andrehen wollte. Und ich bin naturblond, aber das scheint egal zu sein, denn um mich herum wird wunderschönes, pissgelbes blondes Haar durch die Luft gewirbelt.

Aber ich will mal nicht so oberflächlich sein. Ich wette, die meisten Mädels dort haben sich sehr bequem fortbewegt. Außerdem mussten sie auch nicht regelmäßig auf Toilette, um zu prüfen, ob ihr Make-up nicht vom harten Ausdruckstanz in der Sardinenbüchse verwischt ist. Sie mussten auch nicht den halben Hintern zeigen oder ein Dekolleté bis zum Bauchnabel tragen, um von der wirklich bewundernswerten Männerwelt in Lederhosen (pünktlich zum Oktoberfest) beachtet zu werden (Ganze zweimal läuft mir die höchstangesagte und intellektuelle Spezies geschmückt mit einer „Atzen“ Käppi über den Weg).

All diese Menschen erinnern mich in gewisser Weise an eine Werbung, die ich zuvor tagsüber gesehen hatte, wo eine Frau dümmlich grinsend einen Receiver für digitales HD Fernsehen in der Hand hält und sagt: „Ich bin so glücklich.“
Ich sehe die Freude in ihren Augen, die vom Handy Display angestrahlt werden, ich sehe die Freude, wenn sie aus Scham aus sich rauszugehen unbeholfen mit der Hüfte hin und her wackeln. Wenn die Hand in die Luft gestreckt und ein kräftiges „WOOOH!“ ausgestoßen wird, und sie am Ende doch alleine nach Hause gehen.

Die Stimmung auf der Miniaturtanzfläche brodelt. Die Musik fordert zum „hands in the air putting“ auf, sodass ab und zu 10 bis 20 Arme in die Luft wedeln und dann wieder runterklatschen, als wären sie noch lebende Fische an Land, die in ihren letzten Minuten langsam werdender rumflappen. Es wird über „Sexy Shit“ gesungen, obwohl das ziemlich sonderbar ist, denn ich habe noch nie in die Kloschüssel geblickt, und meine Scheiße als sexuell anziehend empfunden, ebenso wenig wie ich eine weibliche Person als sexuell anziehendes Stück Scheiße betiteln würde. Aber vielleicht bin ich einfach zu altmodisch.

Weil ich mich einfach zu altmodisch fühle, gehe ich.

Auf den ersten Metern draußen bin ich erleichtert, jedoch verfolgt mich immer noch die Philosophie dieses Abends, als ich einen Betrunkenen sehe, wie er kaum gerade stehend torkelnd eine SMS schreibt (hoffentlich nicht eine dieser Sorte, die man am nächsten Tag übel bereut), oder ein Mädchen in einer Garageneinfahrt ins Handy schreit: „Jetzt beleidige mich doch mal nicht so!“

1:00 Uhr.

Die wunderschönsten Minuten des ganzen Abends erlebe ich im Kiosk auf dem Weg nach Hause, wo ich mir in der Hoffnung, dass meine Mitbewohner – die mich so weise gewarnt haben- noch wach sind, ein Bier kaufe. Den liebenswerten und aufmerksamen Betreibern des Kiosk berichte ich von meinem frustrierenden Ausflug. Alle bemitleiden mich sehr, ermutigen mich, dass ich durch die gewonnene Erkenntnis ja nun in Zukunft nie wieder diesen Fehler begehen muss.
Und zu guter Letzt die wichtigsten Worte des ganzen Abends:

„O Nein, wieso gehst du denn dahin? Da geht man einfach nicht hin. Geh da nie wieder hin!“

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JE-BHW
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 31
Beiträge: 78
Wohnort: Versunken im KuGe-lern-Land


BeitragVerfasst am: 21.10.2013 14:44    Titel: Ich mags... Antworten mit Zitat

Huhu, erst einmal ein Lob an dich.
Ich habe schon öfters "Kurzgeschichten" gelesen, in denen nur ein Tag oder eben ein Abend beschrieben wurde.

Ich mag deine kleine Geschichte.
Man erkennt sich selbst darin wieder!
Wer liegt nicht gerne am Freitagabend auf der Couch, schaut fern oder liest ein schönes Buch?
ich gehe auch eher ungerne weg und wenn, dann nur um nicht der "Außenseiter" zu sein oder nicht hinterher gesagt zu bekommen: Du kommst ja nie mit!

Also von mir: Daumen Hoch!
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