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Helen


 
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Bildersturm
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 48
Beiträge: 67
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 09.11.2013 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Exi,

um es vorwegzunehmen: Für einen 13jährigen hast du bereits viele verdammt gute Ansätze. Die innere Stimme gefällt mir, sollte allerdings etwas sparsamer eingesetzt werden - viele der Dinge kannst du auch in der Handlung zeigen.

Existerman hat Folgendes geschrieben:

Kapitel 1
Sonntag. Herrliche Stille. Die in die Fenster der Carpenters geschliffenen Prismen fächerten das Licht farbig auf.

Die Carpenters würde ich nicht mit einbauen, das ist zuviel Information in einem Satz und wirkt reingezwungen, um den Namen unterzubringen.

Die Ruhe im Wohnzimmer wurde ab und zu durch das Rascheln einer Zeitung gestört. „Andrew!” Geistesabwesend blickte er zum Sessel. Du kannst ihn nicht sehen, Andrew.

Wen? Den Sessel? Warum sagt er das? Und nennt er sich selbst beim Namen oder jemand anderen?

„Ich hasse es, wenn du deine Finger beim Umblättern anleckst! Und sieh mich an, wenn ich mit dir rede!“ „Schatz, du bist im toten Winkel.“ „Hörst du jemals auf, im Arbeitsjargon zu“ – „Schatz! Ich sehe dich nicht!“ „Dann dreh dich doch einfach um!“ „Kann es nicht einen Tag ohne Streits geben?“, fragte Andrew verbittert. „Es ist doch allein deine Schuld!“ Naja, hätte mich auch gewundert.

Den ganzen Dialog verstehe ich nicht. Also den Inhalt schon, und es wird auch klar, dass da ein Paar miteinander redet, aber eben noch sah er nichts, dann redet er vom Umblättern, dann vom toten Winkel. Dann gibt es Streit, weil sich jemand nicht umdrehen will. Ich kann mir die Szene nicht vorstellen, weil aus dem Dialog nicht ersichtlich wird, wer wo sitzt und wie die Szene jetzt genau aussieht. Ich weiß nur, dass die Fenster leuchten, aber das hilft mir dabei nicht weiter.
Bei längeren Dialogfolgen würde ich die einzelnen Gesprächspartner jeweils in eine eigene Zeile packen und nicht hintereinander im Fließtext auftreten lassen; da ist es schwer zu erkennen, wer gerade spricht.


Er wandte sich zurück zum Schreibtisch. „Ist ja gut, ich lasse es.“ „Na also.“ Wieder kehrte Stille ein.

Das klingt nach reden, um zu reden. Füllsätze.


 Offenbar nichts Neues. Ich fahr mal den Laptop hoch und sehe unsere Pressemeldungen durch. Drei Tage waren vergangen, seit er Helen das letzte Mal gesehen hatte. Drei Balken. Vier Balken. Komm schon, Windows! Als der Computer gestartet war, öffnete er den Browser.

Innere Stimme ist hier gestelzt und komplett überflüssig. Das kannst du eleganter als Handlung beschreiben und musst dich dazu nicht verbiegen. Dann wird es auch überzeugender.
Ist dein Protagonist ein Polizist? Warum bezieht er seine Neuigkeiten aus Pressemeldungen?



Favoriten...Polizeipressemeldungen. Er scrollte. Wie Wortfetzen rasten die Meldungen den Bildschirm hinunter. Viele waren es nicht. Mal wieder nichts los. Moment. Was ist das? Er klickte auf die Meldung und überflog sie. Nein. Das kann nicht sein. „Ist was, Andrew?“ Zitternd wandte er sich um. „Morgen siehst du es in der Zeitung“, brachte er noch heraus, bevor er losschluchzte. Sie quälte sich aus dem Sessel und nahm den Laptop ins Visier.

Wieder zuviel innere Stimme. Und warum sieht sie es morgen in der Zeitung? Es steht doch heute schon auf seinem Laptop?

POLIZEIPRESSEMELDUNGEN – POLIZEI BRIDGEND
Heute um 17:20 Uhr fanden Zivilbürger der Stadt Bridgend an den Klippen bei Southerndown einen riesigen Container im Meer, unter dem die Leiche einer Frau von ungefähr zwanzig Jahren vergraben war. Man mutmaßt, dass es sich um Helen Carpenter handelt, eine Bürgerin unserer Stadt. Der Container war anscheinend mit Stahlseilen an der Klippe gesichert. Die Polizei fahndet im Moment nach eventuellen Tätern.

Eventuelle Täter? Ich hoffe, sie fanden auch nach den richtigen Tätern. Das ist wieder ein Wortfüllsel. Und entweder ist es eine Frau von ungefähr 20 oder es ist Helen, von der man das Alter weiß. Und wer ist "Man" - das ist eine Polizeipressemeldung, kein Boulevardartikel.
Verständnisproblem: Sie fanden einen Container im Meer. Unter diesem war die Leiche vergraben. Im Meer?

  
„Nein“, flüsterte sie verzweifelt. Äderchen pulsierten an ihrer Schläfe. Andrew fuhr hoch, sein Tränenfluss war versiegt. Er sah, wie seine Frau anfing zu hyperventilieren. Alles schien unwirklich. Er fühlte seine Seele bersten. Gleich bricht sie zusammen. Gerade noch rechtzeitig fing er sie auf und legte sie behutsam aufs weinrote Ledersofa.

Innere Stimme macht wieder einen auf Captain Obvious. Warum "fährt er hoch", wenn sie flüstert? Das ist eine Schreckreaktion. Und der Satz mit der Seele ist schwer nachvollziehbar und stilistisch ziemlich übel. Vor allem passt er in seiner Schwülstigkeit irgendwie gar nicht in die Szenerie.

Verdammt noch mal, das ist unmöglich! Helen war so aufgeweckt!

Ah, Fokus zurück aufs Opfer. Warum ist das unmöglich? Oder ist das nur als Füllsatz dahingesagt? Und jetzt erst fällt mir auf, dass es vermutlich die Tochter sein soll. Das erfahren die Eltern aus einer Pressemeldung?

Wut fegte seine Trauer aus seinem Geist, seine Gedanken scharf und klar.

Beim zweiten Hauptsatz fehlt das Prädikat, dafür hast du immerhin dreimal "seine/seinem" drin. Wut macht die Gedanken in der Regel nicht scharf und klar.

Der Polizist in ihm kam hoch, doch der Zorn gewann Überhand. Er schlug mit der flachen Hand gegen den Bildschirm des Laptops. Und noch einmal. Und noch einmal. Niemand!

Innere Stimme wieder überflüssig kommentierend. Außerdem: Erst Trauer, dann Wut, dann kurz der Polizist, dann wieder Zorn? Ich verliere den Überblick im Wechselbad seiner Gefühle. Das Niemand bezieht sich auf danach, oder?

Er nahm ihn in beide Hände und schmetterte ihn auf den Boden. Zufrieden stellte er fest, dass dem winzigen Gehäuse wichtig aussehende Teile entsprangen. Das Bild flackerte und verschwand. „Niemand tötet Helen!“, brüllte er mit heiserer Stimme.

Jetzt schon heiser? Und wieso tötet niemand Helen? Ist sie unsterblich? Für einen Polizisten ist diese Reaktion komisch, für ein Elternteil zumindest seltsam.

Unwillkürlich musste er an Odysseus denken.

Wegen des Laptops? Wegen Helen? Wehen des letzten Griechenlandurlaubs? Ich bin verwirrt.

Als das Display noch einmal kurz auflebte, trat er mit voller Wucht dagegen. In hohem Bogen flog die Hälfte des Computers gegen die Wand. Jetzt ist Schluss.

Das sollte korrekt sein. Irgendwann stirbt eben auch ein Laptop. Aber kommentieren muss er das nicht.

Er knackste mit den Knöcheln. „Absolut niemand“, röchelte er und sank auf die Knie.

Doch. Siehe oben. Einer anscheinend schon.
Die ganze Reaktion ist etwas unglaubwürdig vom Verlauf her, auch seine körperlichen Ausdrücke dafür. Er knackst mit den Knöcheln, dann röchelt er. Das erstere ist eine eher triumphale Geste, das zweite ein Zeichen dafür, dass ihm jemand die Luft abdrückt. Seine Frau? Ich brauch sachlichen Input, bevor ich Emotionen verstehen kann.


Regenwolken schoben sich vor die Wonne und verwandelten die bunten Punkte in graue, bis sie verschwanden. Das Licht der halb ausgebrannten Lampe erstarb für einen Augenblick.

Welche Wonne? Was für Wolken? Vor seinem geistigen Auge oder springst du gerade wieder aus der Figur raus ins Freie? Welche halb ausgebrannte Lampe (tagsüber)? Warum halb ausgebrannt?
Du spielst durchaus schön mit deinen Sätzen, nur opferst du dabei die kausalen Zusammenhänge von Story und Emotion und desorientierst den Leser dabei völlig. Du musst im Text dringend mal ein bisschen aufräumen, damit auch klar wird, was du wirklich erzählen willst. Dazu brauchst du sicherlich ein bisschen Abstand, also lass den Text auch mal ein, zwei Tage liegen - dann setz dich wieder ran und mach's hübsch. Die Ansätze sind vorhanden. Very Happy

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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 09.11.2013 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

Existerman hat Folgendes geschrieben:
Wie von selbst öffnete sich ihm der zerfledderte Einband und er betrat Helens Welt.


Hallo,

dieser Satz gefällt mir sehr gut. Mit diesem Satz weckst Du meine Neugier auf Helens Welt.

Die Idee der Geschichte zieht mich durchaus in den Text. Leider gibt es einige Passagen, die für mich unstimmig sind.


Sprachlich:
Ein Container ist ein Container. 20 Fuß oder 40 Fuß aber kaum riesig. Ich denke Container reicht. Der gesamte Text passt sprachlich nicht zu einer Polizeipressemeldung. (z,B. Bürgerin unser Stad; eventuelle Täter, man mutmaßt)

Inhaltlich:
Eine Leiche unter einem "riesigen" Container im Meer? Ist es vorstellbar, dass diese leicht identifiziert wird. Worauf beruht dann die Vermutung, dass es sich um Helen Carter handelt.

Ist es realistisch, dass der Vater, der scheinbar Polizist ist, vom Tod seiner Tochter erst aus dem Polizeibericht erfährt?

Nun genug der Einwände:
Der Plot interessiert mich. Du hast es geschafft, dass ich wissen möchte, was passiert ist. Unglaublich, dass Du erst dreizehn Jahre alt bist.

Fazit: Prüfe Deinen Text einmal als Leser, der nicht das Hintergrundwissen eines Autors hat.


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
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si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

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Existerman
Geschlecht:männlichPrototyp

Alter: 19
Beiträge: 197
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 10.11.2013 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Kritiker,
danke für die Antworten!
Bildersturm
Zitat:
Zitat:
Die Ruhe im Wohnzimmer wurde ab und zu durch das Rascheln einer Zeitung gestört. „Andrew!” Geistesabwesend blickte er zum Sessel. Du kannst ihn nicht sehen, Andrew.


Wen? Den Sessel? Warum sagt er das? Und nennt er sich selbst beim Namen oder jemand anderen?

Ich habe die innere Stimme hier benutzt, um den umständlichen Nebensatz "obwohl er wusste, dass er ihn nicht sehen konnte" zu vermeiden. Sie sitzt hinter ihm im Sessel, er versucht sozusagen sie anzusehen, ohne sich umzudrehen.

Zitat:
Zitat:
„Ich hasse es, wenn du deine Finger beim Umblättern anleckst! Und sieh mich an, wenn ich mit dir rede!“ „Schatz, du bist im toten Winkel.“ „Hörst du jemals auf, im Arbeitsjargon zu“ – „Schatz! Ich sehe dich nicht!“ „Dann dreh dich doch einfach um!“ „Kann es nicht einen Tag ohne Streits geben?“, fragte Andrew verbittert. „Es ist doch allein deine Schuld!“ Naja, hätte mich auch gewundert.


Den ganzen Dialog verstehe ich nicht. Also den Inhalt schon, und es wird auch klar, dass da ein Paar miteinander redet, aber eben noch sah er nichts, dann redet er vom Umblättern, dann vom toten Winkel. Dann gibt es Streit, weil sich jemand nicht umdrehen will. Ich kann mir die Szene nicht vorstellen, weil aus dem Dialog nicht ersichtlich wird, wer wo sitzt und wie die Szene jetzt genau aussieht. Ich weiß nur, dass die Fenster leuchten, aber das hilft mir dabei nicht weiter.
Bei längeren Dialogfolgen würde ich die einzelnen Gesprächspartner jeweils in eine eigene Zeile packen und nicht hintereinander im Fließtext auftreten lassen; da ist es schwer zu erkennen, wer gerade spricht.


Gut, das werd ich mir noch mal ansehen. Der Dialog sollte die ohnehin existierenden Spannungen in der Luft deutlich machen, und da schien es mir perfekt, wenn jemand aus völlig nichtigem Grund einen Streit anfängt.
Ich sehe allerdings ein, dass der Dialog ohne Beschreibung der Szene nicht funktioniert. Der Fließtext bleibt dann aber, wenn ich noch Bilder bzw. Handlungen dazwischenschiebe.


Zitat:
Zitat:
Er wandte sich zurück zum Schreibtisch. „Ist ja gut, ich lasse es.“ „Na also.“ Wieder kehrte Stille ein.


Das klingt nach reden, um zu reden. Füllsätze.

So ist es. Füllsätze, aber doch nicht für den Autor. Sondern für die handelnden Personen!

Zitat:
Zitat:
Offenbar nichts Neues. Ich fahr mal den Laptop hoch und sehe unsere Pressemeldungen durch. Drei Tage waren vergangen, seit er Helen das letzte Mal gesehen hatte. Drei Balken. Vier Balken. Komm schon, Windows! Als der Computer gestartet war, öffnete er den Browser.


Innere Stimme ist hier gestelzt und komplett überflüssig. Das kannst du eleganter als Handlung beschreiben und musst dich dazu nicht verbiegen. Dann wird es auch überzeugender.
Ist dein Protagonist ein Polizist? Warum bezieht er seine Neuigkeiten aus Pressemeldungen?


Gestelzt? Weiß grad echt nicht, warum...ich verwende sie sozusagen als Leim. Aber vielleicht ist es das ja. Ich versuchs anders. Ja, er ist ein Polizist, das wird dann im folgenden teil noch deutlicher. Du bist übrigens eingeladen, den folgenden auch zu lesen smile

Zitat:
Zitat:
Favoriten...Polizeipressemeldungen. Er scrollte. Wie Wortfetzen rasten die Meldungen den Bildschirm hinunter. Viele waren es nicht. Mal wieder nichts los. Moment. Was ist das? Er klickte auf die Meldung und überflog sie. Nein. Das kann nicht sein. „Ist was, Andrew?“ Zitternd wandte er sich um. „Morgen siehst du es in der Zeitung“, brachte er noch heraus, bevor er losschluchzte. Sie quälte sich aus dem Sessel und nahm den Laptop ins Visier.


Wieder zuviel innere Stimme. Und warum sieht sie es morgen in der Zeitung? Es steht doch heute schon auf seinem Laptop?


Innere Stimme wird gekürzt. Polizeipressemeldungen kommen allerdings immer zeitversetzt in die Zeitung. Redakteure können auch nicht alles. Oft sogar mehrere Tage zeitversetzt. Glaub mir. Vor allem, wenn man von einem so großen Polizeigebiet ausgeht wie bei meinem Schauplatz.

Zitat:
Zitat:
POLIZEIPRESSEMELDUNGEN – POLIZEI BRIDGEND
Heute um 17:20 Uhr fanden Zivilbürger der Stadt Bridgend an den Klippen bei Southerndown einen riesigen Container im Meer, unter dem die Leiche einer Frau von ungefähr zwanzig Jahren vergraben war. Man mutmaßt, dass es sich um Helen Carpenter handelt, eine Bürgerin unserer Stadt. Der Container war anscheinend mit Stahlseilen an der Klippe gesichert. Die Polizei fahndet im Moment nach eventuellen Tätern.

Eventuelle Täter? Ich hoffe, sie fanden auch nach den richtigen Tätern. Das ist wieder ein Wortfüllsel. Und entweder ist es eine Frau von ungefähr 20 oder es ist Helen, von der man das Alter weiß. Und wer ist "Man" - das ist eine Polizeipressemeldung, kein Boulevardartikel.
Verständnisproblem: Sie fanden einen Container im Meer. Unter diesem war die Leiche vergraben. Im Meer?

Eventuell kommt weg. Gut, ja, es ist Helen, von der man das Alter weiß, damit entfällt automatisch auch das "man". Vergraben ist vielleicht das falsche Wort, ich klär das noch genauer.
Ich möchte hier aber noch anmerken, dass Polizeipressemeldungen keine literarischen Kunstwerke sind.

Zitat:
Zitat:
„Nein“, flüsterte sie verzweifelt. Äderchen pulsierten an ihrer Schläfe. Andrew fuhr hoch, sein Tränenfluss war versiegt. Er sah, wie seine Frau anfing zu hyperventilieren. Alles schien unwirklich. Er fühlte seine Seele bersten. Gleich bricht sie zusammen. Gerade noch rechtzeitig fing er sie auf und legte sie behutsam aufs weinrote Ledersofa.


Innere Stimme macht wieder einen auf Captain Obvious. Warum "fährt er hoch", wenn sie flüstert? Das ist eine Schreckreaktion. Und der Satz mit der Seele ist schwer nachvollziehbar und stilistisch ziemlich übel. Vor allem passt er in seiner Schwülstigkeit irgendwie gar nicht in die Szenerie.

Szene wird komplett neu geschrieben, danke.

Zitat:
Zitat:
Verdammt noch mal, das ist unmöglich! Helen war so aufgeweckt!


Ah, Fokus zurück aufs Opfer. Warum ist das unmöglich? Oder ist das nur als Füllsatz dahingesagt? Und jetzt erst fällt mir auf, dass es vermutlich die Tochter sein soll. Das erfahren die Eltern aus einer Pressemeldung?

Die Eltern warten seit drei Tagen auf eine Nachricht von ihrer Tochter. Da können siWe es ja wohl durch eine Pressemeldung erfahren. Natürlich ist es die Tochter, oder denkst du, der gleiche Nachname wäre ein Zufall?

Zitat:
Zitat:
Wut fegte seine Trauer aus seinem Geist, seine Gedanken scharf und klar.


Beim zweiten Hauptsatz fehlt das Prädikat, dafür hast du immerhin dreimal "seine/seinem" drin. Wut macht die Gedanken in der Regel nicht scharf und klar.

Jupp, der Satz kommt weg. Oder neu. Hauptsache anders.


Zitat:
Zitat:
Der Polizist in ihm kam hoch, doch der Zorn gewann Überhand. Er schlug mit der flachen Hand gegen den Bildschirm des Laptops. Und noch einmal. Und noch einmal. Niemand!


Innere Stimme wieder überflüssig kommentierend. Außerdem: Erst Trauer, dann Wut, dann kurz der Polizist, dann wieder Zorn? Ich verliere den Überblick im Wechselbad seiner Gefühle. Das Niemand bezieht sich auf danach, oder?

Ich sag dazu jetzt mal nix und überleg mir was besseres.

Zitat:
Zitat:
Er nahm ihn in beide Hände und schmetterte ihn auf den Boden. Zufrieden stellte er fest, dass dem winzigen Gehäuse wichtig aussehende Teile entsprangen. Das Bild flackerte und verschwand. „Niemand tötet Helen!“, brüllte er mit heiserer Stimme.


Jetzt schon heiser? Und wieso tötet niemand Helen? Ist sie unsterblich? Für einen Polizisten ist diese Reaktion komisch, für ein Elternteil zumindest seltsam.


Er ist vollkommen außer Sinnen vor Zorn, das "Niemand tötet Helen" gleicht einem Rachschwur. Und kennst du das nicht, wenn man weint, wird man blitzschnell heiser. Ist zumindest bei mir so.

Zitat:
Zitat:
Unwillkürlich musste er an Odysseus denken.


Wegen des Laptops? Wegen Helen? Wehen des letzten Griechenlandurlaubs? Ich bin verwirrt.

Wegen der Formulierung "Niemand tötet Helen". In der Sage nennt Odysseus sich Niemand, bevor er dem potenziell dämlichen Zyklope den Speer ins Auge rammt. Ist aber wohl ein Insider und muss weg.

Zitat:
Zitat:
Als das Display noch einmal kurz auflebte, trat er mit voller Wucht dagegen. In hohem Bogen flog die Hälfte des Computers gegen die Wand. Jetzt ist Schluss.


Das sollte korrekt sein. Irgendwann stirbt eben auch ein Laptop. Aber kommentieren muss er das nicht.

Was soll mir das jetzt sagen? War das ironisch, sarkastisch, zynisch? Oder ernst gemeint? Die innere Stimme da kann weg, allerdings ist sie doch auch zum kommentieren da, Sache ist, das hättest du mir auch sagen können, ohne meine Verwirrung auszulösen.

Zitat:
Zitat:
Er knackste mit den Knöcheln. „Absolut niemand“, röchelte er und sank auf die Knie.


Doch. Siehe oben. Einer anscheinend schon.
Die ganze Reaktion ist etwas unglaubwürdig vom Verlauf her, auch seine körperlichen Ausdrücke dafür. Er knackst mit den Knöcheln, dann röchelt er. Das erstere ist eine eher triumphale Geste, das zweite ein Zeichen dafür, dass ihm jemand die Luft abdrückt. Seine Frau? Ich brauch sachlichen Input, bevor ich Emotionen verstehen kann.


Siehe oben.  Die Reaktionen überarbeite ich noch und versuche, stärker herauszukristallisieren, dass er sich rächen will.

Zitat:
Zitat:
Regenwolken schoben sich vor die Wonne und verwandelten die bunten Punkte in graue, bis sie verschwanden. Das Licht der halb ausgebrannten Lampe erstarb für einen Augenblick.


Welche Wonne? Was für Wolken? Vor seinem geistigen Auge oder springst du gerade wieder aus der Figur raus ins Freie? Welche halb ausgebrannte Lampe (tagsüber)? Warum halb ausgebrannt?
Du spielst durchaus schön mit deinen Sätzen, nur opferst du dabei die kausalen Zusammenhänge von Story und Emotion und desorientierst den Leser dabei völlig. Du musst im Text dringend mal ein bisschen aufräumen, damit auch klar wird, was du wirklich erzählen willst. Dazu brauchst du sicherlich ein bisschen Abstand, also lass den Text auch mal ein, zwei Tage liegen - dann setz dich wieder ran und mach's hübsch. Die Ansätze sind vorhanden.


Sonne war gemeint, ist ein Tippfehler. Die Stelle ist objektiv gesehen aber unnötig, deswegen kommt sie wahrscheinlich weg. Ich räume gerne auf.
Wenn´s denn nicht mein Zimmer ist...Sich kaputt lachen

Danke für Lob und Kritik!


Einar Inperson

Zitat:
Sprachlich:
Ein Container ist ein Container. 20 Fuß oder 40 Fuß aber kaum riesig. Ich denke Container reicht. Der gesamte Text passt sprachlich nicht zu einer Polizeipressemeldung. (z,B. Bürgerin unser Stad; eventuelle Täter, man mutmaßt)

Siehe Bildersturm, ich änder das.

Zitat:
Inhaltlich:
Eine Leiche unter einem "riesigen" Container im Meer? Ist es vorstellbar, dass diese leicht identifiziert wird. Worauf beruht dann die Vermutung, dass es sich um Helen Carter handelt.

Ist es realistisch, dass der Vater, der scheinbar Polizist ist, vom Tod seiner Tochter erst aus dem Polizeibericht erfährt?


Das mit der Identifikation erkläre ich ebenfalls in der überarbeiteten Fassung. Carpenter, nicht Carter, aber das nur am Rande.
Ja, das ist realistisch. Es ist früh morgens und er muss bald zum Dienst, als er eine Meldung entdeckt, die von jemandem geschrieben wurde, offenbar am Tag zuvor, als er grad nicht im Revier war. Ich merke, da fehlt noch viel Info im Text. Ich bin halt ein absoluter Infodump-Hasser und übertreibe es gerne auch mit offenen Fragen.

Zitat:
Nun genug der Einwände:
Der Plot interessiert mich. Du hast es geschafft, dass ich wissen möchte, was passiert ist. Unglaublich, dass Du erst dreizehn Jahre alt bist.

Fazit: Prüfe Deinen Text einmal als Leser, der nicht das Hintergrundwissen eines Autors hat.


Auch dir vielen Dank für Lob und Kritik! Ich werd dann bei der Überarbeitung eure Vorschläge eindenken.

LG Exi.
[/i]
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 11.11.2013 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Exi,

wollte nur gerade mal melden, dass ich die beiden neuen Teile auch gelesen habe und den Thread im Auge behalte. Ich habe meinen Vorrednern nicht viel hinzuzufügen. Gute Ansätze, zum Teil eine etwas gekünstelte oder abgedroschene Wort/Formulierungswahl, die aber in deinem Alter völlig in Ordnung geht. Die innere Stimme würde ich nur dort einsetzen, wo es wirklich um Helen geht, nicht z. B. beim Zustand des Vorgartens. Das würde den Eindruck verstärken, dass das Ereignis völlig seine Gedanken beherrscht. Den Odysseus raus, falls damit der griechische Klassiker gemeint ist, Andrew ist Polizist, nicht Literaturwissenschaftler. Finde ich auch inhaltlich unpassend an dieser Stelle.

LG


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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