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zu Nahverkehr


 
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lady-in-black
Bitte nicht füttern


Beiträge: 1654
Wohnort: Killer Förde
Der goldene Käfig Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 24.09.2013 20:00    Titel: zu Nahverkehr eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

*


zu Nahverkehr



Der Zug seiner Erinnerungen sollte einfahren auf Gleis 2.

Den ersten Wagon setzte er daher auf alte Schienen, sorgfältig von ihm zusammengesteckt, wie sie gehörten: Ein größerer Kreis außen und ein etwas kleinerer Kreis innen, verbunden mit einer Weiche.  
Sein Leben fuhr wie die Eisenbahn ständig im kleineren Kreis herum … um den netten Ort, in dem er aufgewachsen war. Er hatte sich in vielen Jahren seine Heimat zurechtgebastelt und irgendwann, benebelt von ständigen Pattexdämpfen, an den menschenleeren Gebäudeattrappen selbst, ohne es zu bemerken, festgeklebt.
Sämtlicher Klebstoff konnte dem alten Kinderheim, gebaut am äußeren Rand noch bevor es die Bahnstrecke gab, nicht mehr helfen; der Abriss wegen Baufälligkeit war endlich beschlossen. Ein letzter Flohmarkt zum Abschied. Erlöse und Erlösung für einen guten Zweck. An vielen Tischen wurden zu kleinen Preisen Erinnerungen von Heimkindern angeboten, die sich nicht mehr erinnern wollten. Einige von ihnen hatten allerdings keine andere Wahl, die Plakate mit der Ankündigung hingen überall im Ort.   
  
Seine Hand griff den nächsten Wagon vom langen Güterzug. Sein Kind hätte bestimmt gerne damit gespielt.
„Lass uns damit noch warten.“, hatte er jedoch von Anfang an einseitig festgelegt. Ständig andere Ideen für das überzählige Zimmer in ihrer gemeinsamen Wohnung präsentiert.
„Sei ehrlich, du willst doch gar kein Kind!“, hatte sie daher immer öfter gesagt. Den veränderten Glanz in ihren Augen wollte er nicht für Tränen halten, entdeckte stattdessen bei seinen Antworten lieber die vertraute Wohnungseinrichtung neu:
 „Es ist die Wahrheit. Ich liebe Kinder. Wirklich! Ich brauche nur noch etwas mehr Zeit, um Vater sein zu lernen.“ Der erste Band: „Wie werde ich ein guter Ehemann und Vater“ mit den Lektionen 1 bis 5 war ihr Hochzeitsgeschenk an ihn. Im Laufe der gemeinsamen Jahre, mit den vielen sonstigen Anlässen für ein Geschenk von ihr, wurde das Bücherregal fast voll. Sie kannte ihn nur ohne Brille, hat von ihm nie erfahren, dass er zum Lesen eine benötigt hätte. Er wollte sein Geheimnis bewahren.   
„Bei uns im Bett ist es permanent kalt“, stellte sie irgendwann fest. Wenn sie anfing, in der Küche das Wasser für ihre Wärmflasche heiß zu machen, stellte er im Gegenzug fest, dass die veränderten Konturen ihrer Mundwinkel ein Lächeln sein mussten. Er übersah die Signale, überhörte die Durchsagen. Kam daher zu spät zum Gleis. Ihr Zug war bereits abgefahren. Sie hätte sein Winken selbst dann nicht mehr gesehen, wenn sie noch einmal zurückgeblickt hätte. Im Handgepäck hatte sie alles mitgenommen. Bis auf die Wärmflasche. Seit fast einem halben Jahr hielt er nun schon nachts diese Wärmflasche im Arm. An den intensiven Gummigeruch hatte er sich noch nicht gewöhnt. Und gegen die Kälte im Bett half sie genauso wenig, wie vorher seine Frau. Aber dafür konnten Beide nichts.    

Der große Pappkarton, aus dem er nun den ramponierten Kühlwagen zog, roch nach jahrelangem Vergessen unter einem undichten Dach. So, als hätten schon lange keine Kinder mehr mit dem Inhalt spielen müssen. „Hoffentlich!“ dachte er. Was die Zukunft betraf, konnte er in dieser Frage endlich sicher sein: Er selbst hatte den Karton mit der Eisenbahnanlage auf dem Flohmarkt gekauft. Als letzte Idee für das überzählige Zimmer. Spätestens jetzt hätte sie ihn sowieso verlassen.
Es war kein Güterzug, sondern ein Personenzug, der einen Tag vor seinem fünften Geburtstag, an dem unbeschrankten Bahnübergang durchfuhr. Seine Mutter wollte einen großen Kuchen backen,  Kerzen dafür besorgen. Vater fuhr mit Mutter los zum Einkaufen. Es waren ein Mann mit dunklem Hut und eine ältere Frau, die ihn statt seiner Eltern bei der weinenden Nachbarin abholten. Er kann sich noch recht gut an sie erinnern, im Gegensatz zu seinen Eltern, ihrem Auto oder den Zeitungsberichten. Im Heim gab es keine Zeitungen. Und keine Bilder von seinen Eltern. „Ich hätte mir zum Geburtstag statt einer Eisenbahn lieber ein Fahrrad wünschen sollen …“, dachte er zum unzähligen Male.

Das überflüssige Zimmer in seiner Wohnung sah nicht wirklich so aus, wie der kalte, ständig düstere Dachboden des Heimes, bei dem sich schon damals der Abriss als einzige Lösung abzeichnete: Vom Holzwurm wegen Perspektivlosigkeit verlassenes Gebälk, garniert mit besitzerlosen Schwalbennestern an Spinnweben als Hauptgang, dazu die elektrische Eisenbahn, serviert im Schein einer schwachen Glühbirne, als Belohnungsdessert für artige Kinder. Er wollte nie artig sein, auch nie belohnt werden. Doch Sonderwünsche von perspektiv- und elternlosen Kindern zählten nicht. Ablehnende Haltung zu elektrischen Eisenbahnen erst recht nicht. Jahrelang hatte er sich nach dem Abendessen dort oben immer wieder die gleiche Frage gestellt: „Wäre ich lieber ein Holzwurm oder eine Schwalbe?“  
Auch wenn die Rahmenbedingungen nicht vollständig stimmten, Holzbalken fehlten und ein vereinsamter Wellensittich nicht den gleichen Dreck machte wie Schwalben, so hatte er doch wenigstens den Tisch für die Eisenbahn ziemlich genau unter der einzelnen Glühbirne nachgebaut bekommen. Gleise, Tunnel, Bäume und Häuser aus alten Putzlumpen ausgewickelt, die früher mal hellblaue Kinderpyjamas waren. „Es ist mir ein Rätsel, wo du diese altmodischen Herrenschlafanzüge immer wieder auftreibst!“ hatte sie oft verzweifelt gestöhnt, mit dem Kopf geschüttelt … und irgendwann dann doch aufgehört, ihm ständig bunte, moderne Pyjamas als Alternative anzubieten.

Er hatte alle Teile richtig aufgebaut, angeordnet. Und doch ... verdammt! Wieso stimmte  sein Blickwinkel auf die Anlage nicht mehr?  Hatte er sich vor rund vierzig Jahren mit dem Oberkörper eines Kindes auf den Tisch gelegt, so befand sich sein Gesicht damals direkt vor dem Tunnel, was ihm nur einen stark eingeschränkten Blick auf die Gleise ermöglichte. Doch jetzt befand sich der Tunnel in Höhe seines Beckens, sein Kopf daher erstmals zwischen all den Gebäuden, mitten auf dem Marktplatz, sein Gesicht vor dem Rathaus. Er richtete sich wieder auf, ging zum Karton und griff hinein. Das einzige ihm unbekannte Teil hatte er sich für den Schluss aufgehoben. Vielleicht half es ihm bei der Frage, warum er jetzt etwas sah, was er früher nicht sehen konnte. Zog eine Zigarrenschachtel aus Holz heraus, öffnete sie. Der Duft guten Tabaks hatte mindestens zwei Jahrzehnten den äußeren Einflüssen getrotzt. Die vielen bunten Miniaturfiguren darin auch.
Die richtige Anordnung kannte er nicht. Die Menschen und Tiere waren erst später angeschafft worden, von einer anderen, besseren Heimleitung, wie er beiläufig mal gehört hatte. Er musste improvisieren, antesten … stellte sie daher zunächst alle zusammen vor dem Rathaus auf. Eine weibliche Figur sah aus wie seine Frau. Lange braune Haare und ein rotes Kleid, das Anna immer so gut gestanden hatte. Er stellte sie auf, bevorzugte sie in seiner neuen Blickposition, umrahmte sie anschließend im Halbkreis mit den ganzen anderen Figuren. Ein letzter, prüfender Blick. Der richtige Moment war gekommen ...
 
Es war Abend, musste auch Abend sein. Die schwache Glühbirne würde wie üblich die Anlage beleuchten. Und Achim trug natürlich den hellblauen Baumwoll-Pyjama. Er ging zum Tisch, legte sich, wie der Heimbetreuer Herr Melcher es immer von ihm verlangt hatte, mit dem Oberkörper quer über die Gleise, dabei die Pyjamahose bis auf die Knöchel heruntergezogen. Eine fahrende Lok sah auch heute noch für ihn aus, als würde sie kondensierten Atem keuchen. Genau wie Herr Melcher, wenn er auf dem kalten Dachboden hinter ihm stand, während Achim weinend in den Tunnel schauen musste.  Doch statt wie früher in den Tunnel, blickte er nun auf all die Menschen vor dem Rathaus, auf Anna, die ihn schon immer fragend anzublicken schien.
Und er begann ihr, aber auch allen anderen eine Geschichte zu erzählen … und sich selbst die Wahrheit.





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lady-in-black
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Beiträge: 1654
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Der goldene Käfig Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 25.09.2013 10:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

dummdidummdidumm ... Verstecken

_________________
- Ich würde mich gerne geistig mit Dir duellieren ... aber ich sehe Du bist leider unbewaffnet.
- Nein, Stil ist nicht das Ende vom Besen.
- Ich spreche fließend ironisch, auch im sarkastischen Dialekt.
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Kateli
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Alter: 43
Beiträge: 258
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Das goldene Gleis


BeitragVerfasst am: 26.09.2013 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

Heftiges Thema hast du dir da ausgesucht, schwierig, das hinzubekommen, aber ich finde, es ist dir ganz gut gelungen.
Anfangs hatte ich noch keinen Überblick, fand einfach, es waren überdimensional viele Züge, alles ein bisschen durcheinander, die Modelleisenbahn von heute/von damals/die realen Züge, und immer noch mehr Züge, fast zwanghaft ... bis ich dann endlich geschnallt habe, dass all das Absicht ist, das Vermischen der Realitäten, die Verwirrung, das Gestern und das Heute, der Spielzeugzug und der todbringende wirkliche Zug.
Dann am Schluss die knallharte, leider nur allzu realistische Wahrheit, die er über Jahrzehnte weder sich selbst noch seiner Frau noch sonstwem eingestehen konnte.
Noch einmal: Krasses Thema, es erfordert Können und Einfühlungsvermögen, sowas umzusetzen. Hier ist es gelungen, und zwar ohne Mitleids- oder Tränendrückertour, irgendwie unsentimental und doch unausweichlich, mittenrein, knallhart. Die Emotionslosigkeit wirkt sehr authentisch, erzeugt umso mehr Emotion beim Leser.
Manchmal verrutschst du in den Zeiten und es sind einige Fehlerchen hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik drin, aber das wäre eine Frage der Überarbeitung (die sich sehr lohnen würde), ebenso wie bei manchen Stellen, an denen es im Lesefluss noch ein wenig holpert.
Hier finde ich allerdings die Umsetzung des Themas so gelungen, interessant und vor allem so unprätentiös und anders, dass ich glatt bereit bin, da alle Augen zuzudrücken.

LG
Nina


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Zombies just want hugs
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Gast







BeitragVerfasst am: 27.09.2013 06:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo smile

Du hast dir ein - zugegeben heikles - Thema ausgesucht, das man immer mal antrifft, hier also die Ausführung "Quer über die Gleise".
Ein Mann, der ein schweres Trauma (eigentlich zwei) seiner Kindheit nie aufarbeiten konnte, es wohl auch nicht wirklich wollte. Dass er seine Geschichte wie am Ende beschrieben erzählt, also wieder nicht, zeigt, dass sein Leben davon beherrscht bleiben wird.
Ich denke, es sollte ankommen, beim Leser deines Textes, dass der Abriss des Waisenhauses Anlass ist für Achim, seiner Vergangenheit zu begegnen. Wie er das tut, nämlich mit sich allein, sagt mir, dass sein Zug abgefahren ist. Deine Geschichte lässt keinen anderen Schluss zu.
Er ist in seiner Kindheit steckengeblieben. Er erzählt seine Geschichte nicht, wie du versuchst zu suggerieren, er lebt sie noch einmal, und du willst mich glauben lassen, dass er aus einer anderen Perspektive an die Sache herangeht. Das kommt bei mir so nicht an. Das Ende ist (für mich) schwer zu lesen, ich komme mir vor, als müsste ich zuschauen, wie ein erwachsener Mann sich einer seltsamen Therapie-Inszenierung aussetzt, die Figuren, die er aufstellt, denen er seine Geschichte erzählt, sind nur Dekoration, Spielzeug.
Es kommt nicht wirklich heraus, dass er erst an diesem Tag die "Wahrheit" sieht, sich eingesteht. Falls das die Intention war, so hat das bei mir nicht funktioniert.
Von der Sprache her hat mich das nicht gefesselt.
Zitat:
Vom Holzwurm wegen Perspektivlosigkeit verlassenes Gebälk, garniert mit besitzerlosen Schwalbennestern an Spinnweben als Hauptgang, dazu die elektrische Eisenbahn, serviert im Schein einer schwachen Glühbirne, als Belohnungsdessert für artige Kinder.


Hier hast du etwas versucht, was mE nicht funktioniert. Ich bin gnadenlos über den perspektivlosen Holzwurm gestolpert und durch den Rest des Satzes ...

Eine traurige Geschichte, die mich aber nicht wirklich berühren konnte.

Lorraine
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KeTam
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Beiträge: 6762

Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8


BeitragVerfasst am: 28.09.2013 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Leider hat sich das schlimme Ende, die schlimmer Wahrheit schon nach kurzer Zeit in deinem Text abgezeichnet. Auch finde ich das Thema sehr gewollt umgesetzt wieder.
Nichts für mich, sorry.
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3325

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 28.09.2013 21:40    Titel: Antworten mit Zitat

Was für ein Wahnsinnstitel. Von dem bin ich schon ganz ohne zugehörige Geschichte begeistert bzw. der lädt ja geradezu dazu ein, ins Sinnieren zu verfallen.
Und dann die Geschichte dazu und am Ende hat er (der Titel) gleich noch mal eine andere Bedeutung.
Ja, doch. Der gefällt mir.

Der Text gefällt mir auch. Beim zweiten Lesen mehr als beim ersten. Nur mit dem Schluss kann ich mich immer noch nicht anfreunden. Ist dir da die Luft ausgegangen? Oder die Zeichen?
Leider kann ich nicht so genau benennen, was mir nicht gefällt. Vielleicht, weil es zu deutlich ist.
Hm, vielleicht finde ich das beim dritten Lesen noch heraus.

Und wer ist eigentlich Anna? Seine Mutter?
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 29.09.2013 00:18    Titel: Antworten mit Zitat

Mir betrachtet/erfindet dieser Text ein zu spezifisches Schicksal, im Hinblick auf die Vorgaben gesehen. Und dieses erscheint mir dazu zu fiktional. Ich weiß, dass dies vielleicht eine zu persönliche Einschätzung ist. Nichtsdestotrotz fehlt mir, außer dem Gleisthema, ein allgemeinerer  Bezug zu den anderen Vorgaben.
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adelbo
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BeitragVerfasst am: 30.09.2013 09:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko

Ich vermute, dass sich die Geschichte erst im Laufe des Schreibens so wie sie jetzt dasteht entwickelt hat.
Sie ist in sich nicht stimmig und der Vergleich des abgelaufenen Lebens mit der aufgebauten Spielzeugeisenbahn hinkt für mich.
Dann die eingebaute Perspektive. Die Unterschiede des Blickwinkels als Erwachsener und als Kind, sind für mich eher naiv, als ausgewogen bildlich dargestellt.
Und das überraschende Ende mit dem Heimleiter Melcher stoßt mich regelrecht ab. Das ist für mich Effekthascherei und lässt mich den Text ablehnen.

LG
adelbo


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Kara
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BeitragVerfasst am: 30.09.2013 12:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Inko!
Der erste Satz- großartig. Ganz meins. Sprachlich ebenso. Die Story- uahhh- ergreifend. Habe nichts zu bemängeln, suche auch nicht danach.
Oberstes Drittel, genaueres nach dem direkten Vergleich mit meinem anderen Favoriten. LG, Kara


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BeitragVerfasst am: 30.09.2013 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Fängt als Ehegeschichte an, spiegelt Kindheit und endet in Grausamkeit. Gruselig, auch wenn ich die Umsetzung des Zitats ... hm. Gleise gibt es genug.

Der Gesamteindruck besticht jedoch.

(Ich versuche, alle Texte zu lesen und zu bewerten, die Kommentare werden aus Zeitgründen eher kürzer ausfallen, sorry.)


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Lapidar
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BeitragVerfasst am: 30.09.2013 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

eine Geschichte über Missbrauch, düster und grau. Ich empfinde die Atmosphäre als sehr dicht und bedrückend. Es ist schade, dass der Mann erst beginnnen kann seine Wahrheit zu erzählen, als die Frau ihn schon verlassen hatte.
Das einzige Haar in der Suppe : ich fand es ein bisschen zuviel, dass die Eltern auch bei einem Zugunglück umkamen. Aber das ist wohl auch Auslegungssache.
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holg
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BeitragVerfasst am: 30.09.2013 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Oh Mann. Die schöne Eisenbahn-Nostalgie-Idylle. Wie kannst Du die so zerstören. Das ist echt gemein.
Ok. Die Geschichte mit der Eisenbahn als Belohnung auf dem Dachboden des Heims mal hingenommen und der fiese Kevin Bacon aus Sleepers akzeptiert (wenn auch beides mit langem Zahn), so baust du die Geschichte sehr geschickt und ganz allmählich zusammen, sodass ich betroffen bin, bevor ich mich ärgere, Dir auf den Leim gegangen zu sein.

Sprachlich, bildlich super.
Schweres Schicksal? Naja, gut, sonst gäbe es nix zu schreiben.
Changierende, mäandernde Wahrheiten: top!

holg


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Lupo
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BeitragVerfasst am: 30.09.2013 21:53    Titel: Tunnelblick Antworten mit Zitat

Das Diorama eignet sich hervorragend, Szenen zu kreieren, nachzustellen oder spielerisch zu ändern. Symbolträchtige Gleise weisen in die Richtungen von Wünschen, Träumen, Zielen und Erinnerungen. Gut kombiniert finde ich hier alle Elemente der Rekonstruktion eines Einzelschicksals, in ansprechender Darstellung, mit  deutlichen Bildern unter sachter Steuerung durch den Autor. Scheinbar Vordergründiges entpuppt sich als mehrschichtiges Empfinden. Die Zeiten gleiten ineinander bis zum unausweichlichen Ende.
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shao
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Alter: 37
Beiträge: 109
Wohnort: Norddeutschland


BeitragVerfasst am: 01.10.2013 00:16    Titel: Antworten mit Zitat

Auch wenn die Geschichte vermutlich berühren sollte, und immerhin betroffen macht, sind die positiven Punkte vor allem Titel und Schlusssatz.
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finis
Autor


Beiträge: 634
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Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 01.10.2013 17:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

das gefällt mir.

Eine (fast klassische) Zu-Spät-Geschichte. Stilistisch sicher, mit Liebe zum Detail.

Habe ich sehr gern gelesen.

Lieben Gruß
finis


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gold
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Beiträge: 6265
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BeitragVerfasst am: 01.10.2013 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

hallo Inko,

Vorgabe erfüllt, stilistisch gut. Muss aber trotzdem etwas monieren: es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass der Prota in späteren Jahren mit einer  Modellbahn spielt, nachdem er auf dieser ein so tief greifendes Trauma erlebt hat. Daher ist diese Geschichte für mich nicht glaubwürdig.

Lg gold


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Bawali
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Beiträge: 569
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BeitragVerfasst am: 01.10.2013 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

Nachdem ich alle Beiträge aufmerksam durchgelesen habe, gibt es nun zu jedem eine kurze Anmerkung und eine erste vorläufige Einstufung. Aus meiner natürlich subjektiven Sicht stützt sich meine Einschätzung auf Aussage, Verständlichkeit, Schreibstil und das Handwerkliche des Textes sowie natürlich darauf, ob und wie gut Thema und Zitat umgesetzt wurden.

In dieser Geschichte geht es um schwere, unverarbeitete Geschehnisse des Protagonisten. Erlebnisse, die sein Denken und Handeln stark beeinflussen. Im Vordergrund steht die verletzte Seele, welche mit der realen Welt nicht zurecht kommt. Das Verschweigen und später das Offenlegen seiner schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit haben für mich nicht sehr viel mit Wahrheit oder Lüge zu tun, sondern mit Verschweigen und Unterdrücken. Die Umsetzung ist deshalb für meinen Geschmack nicht vollständig gelungen.

Die Befederung setze ich im mittleren Drittel an. Die endgültige Federnzahl werde ich erst nach einem weiteren Durchgang, quer über alle Texte vergleichend, setzen.


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Mardii
Stiefmütterle

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Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 02.10.2013 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Eine fast perfekt durchkomponierte Geschichte, die ohne experimentelles Geschnörkel auskommt. Die Themenführung, um den Missbrauch des Protagonisten in der Geschichte unterzubringen, wirkt etwas umständlich.

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Ridickully
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Amaryllis
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Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 03.10.2013 20:15    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Inko,

vorab noch ein paar Worte: Ich persönlich sehe mich nicht als E-Literatur-Expertin, weder in schreibender noch in lesender Form, also nimm es mir bitte nicht übel, sollte ich nicht alles so verstanden haben, wie es vielleicht gemeint war. Zudem habe ich unter einem relativ hohen Zeitdruck gelesen und kommentiert, meine Obergrenze, einen Text zu lesen, lag also bei zwei Lektüredurchgängen.

So, jetzt aber zum Text:
Schwierig, schwierig. Also vom Thema her, nicht zu lesen. Ich finde schön, das ich am Anfang überhaupt nicht gewusst habe, wo du mit diesem Text hin willst, das Thema der Gleise find ich auch sehr gut umgesetzt. Das Zitat war für mich eher mittelmäßig gut umgesetzt, du streifst das Mitteilen der Wahrheit, die sich verzerrt, nicht ganz die Wahrheit, aber auch keine Lüge ist, eher, als dass es wirklich DAS Theme der Geschichte wäre.
Gut hat mir auch gefallen, dass er seine Geschichte erzählt, ich hatte ja Angst, dass auch du für deinen Protagonisten den Freitod wählst, aber so ergibt das ein schönes, rundes Bild.
Auch schaffst du es, das Missbrauch-Thema, die daran zerbrechende Beziehung ohne großen Pathos darzustellen, mit sanften Tönen. Sprachlich hast du ein, zwei Schnitzer drin, für mein Empfinden, aber das ist nicht weiter tragisch.
Sehr schön fand ich diese Passage:
Zitat:
Vom Holzwurm wegen Perspektivlosigkeit verlassenes Gebälk, garniert mit besitzerlosen Schwalbennestern an Spinnweben als Hauptgang, dazu die elektrische Eisenbahn, serviert im Schein einer schwachen Glühbirne, als Belohnungsdessert für artige Kinder.


Ich hoffe, du kannst mit meinen Anmerkungen etwas anfangen, deine Geschichte hab ich gern gelesen.

Meine Bewertung erfolgt, sobald ich alle Texte kommentiert habe.
Alles Liebe,
Ama


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anuphti
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Alter: 54
Beiträge: 3704
Wohnort: Isarstrand
DSFo-Sponsor Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 03.10.2013 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ohne genau sagen zu können, warum, finde ich diese Geschichte herausragend.

Gerne noch mehr Details nach dem Wettbewerb, falls gewünscht. Diese Geschichte ist eine der wenigen, an die ich mich nach einer Woche noch deutlich und im Detail erinnern kann.

Umsetzung ist für mich perfekt.

Mein absoluter Favorit!

9 Federn. Leider geht nicht mehr.

Hochachtungsvolle Grüße
Nuff


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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3942

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 03.10.2013 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Die Eltern des Protagonisten wurden vom Zug überfahren, deshalb wuchs er im Heim auf und wurde dort immer quer über die Schienen der Modelleisenbahn gelegt und verprügelt? Shocked Wie grausam. Deshalb bekommt er sein Leben nicht in den Griff, kein Wunder. Er versucht sich seinen Erinnerungen zu stellen, indem er die Modelleisenbahn aus dem Heim aufbaut und sich selbst seine Geschichte erzählt.

Ja nun, irgendwie schon eine Runde Geschichte. Aber auch ein bisschen zu rund vielleicht.
Sprachlich nichts, was mir negativ oder positiv aufgefallen wäre.

Wirklich angesprochen fühle ich mich nicht, es löst nichts weiter in mir aus, führt mich nirgendwo hin.
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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 425
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 04.10.2013 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Gut konstruierte Geschichte mit leichten Logikfehlern und Gedankenbrüchen, die aus dem Lesefluss reißen. Sprachlich ordentlich mit teils seltsamen Bildern. Der am Ende aufgeklärte Missbrauch hätte schon vorher angedeutet werden können, um mehr Resonanz oder Dichte zu schaffen.
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