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Anfang des Romans "Love is all around"


 

 
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 46
Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 06.06.2013 20:36    Titel: Anfang des Romans "Love is all around" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Es handelt sich um den Anfang eines noch nicht fertiggestellten Romans.
Ich habe versucht, den Charakter "Azzi" am Anfang einzuführen, bin mir aber nicht sicher, ob das in der Form gelungen ist und zum Weiterlesen animiert.


Love is all around

Vorwort
Ich war mir zuerst nicht sicher ob ich mich wirklich daran setzen sollte, eine Geschichte zu schreiben.
Wozu? Es gibt schon so viele.
Mir fiel dann aber doch nichts Besseres ein.

Tut mir echt Leid.

Der Anfang
Hi,
mein Schöpfungsname ist Azimethurapheanodral, aber derzeit weile ich unter dem Pseudonym Kai Nabel unter euch.
Ich wurde am zweiten Tag der Schöpfung vor 6349 Jahren ins Leben gerufen, wobei die Dauer der Tage sich seitdem stark verändert hat.
Die Veränderung der Dauer der Tage entwickelt sich nach einer logarithmisch inversen 23 hoch 136 dimensionalen Funktion der…, aber das spielt jetzt keine Rolle.

Meine ursprüngliche Bestimmung war es euch Menschen bei der Erlangung von Wissen zu helfen.
Eine wirklich frustrierende Berufung.
Am Anfang wart ihr kaum mehr als ein paar promiskuitive Affen und ich glaube, ihr seid jetzt noch nicht mehr.

Während ich mich bemühte, euch die Höhen und Tiefen der Physik näher zu bringen, habt ihr die ersten Werkzeuge entdeckt und angefangen euch gegenseitig damit auf die Köpfe zu schlagen.
Und das ganze ohne die wichtigen zugrundeliegenden Zusammenhänge von Hebelkräften, Impulserhaltung, Energie und so weiter zu kennen.
Das halte ich bis heute für absolut verantwortungslos.

Ja, ich war ein Engel im echten Sinn. Ein Überbringer von Nachrichten.
Im Grunde geschlechtslos und ohne das, was euch auszeichnet.
Den echten eigenen Willen!

Ich habe mich bemüht, wirklich echt bemüht, echt, echt, echt, … aber Ihr seid unbelehrbar, stur und ohne Verständnis für die Schönheit des reinen Wissens.

Im Mittelalter, ich konnte machen was ich wollte, wenn mal ausnahmsweise jemand etwas verstanden hat, habt ihr denjenigen sofort umgebracht, besonders die Frauen.
Was sollte der Mist? Könnt Ihr mir das mal erklären?
 
1573 bis 1999
Im 16ten Jahrhundert, genauer am 8ten Oktober 1573 war es dann soweit.
Ich saß in einer Taverne und versuchte meinen Frust zu ertränken.
Ihr hattet gerade meine zu diesem Zeitpunkt beste Schülerin Martha verbrannt, nachdem ihr sie vorher einer sehr fantasievollen Behandlung unterzogen habt.

Das Wissen über die Mechaniken, die ihr benutzt habt, hattet ihr von mir.

Ich konnte den verstehenden Blick, den sie mir zuwarf, als sie gebrochen auf dem Scheiterhaufen stand und die Flammen höher loderten, nicht vergessen.
Sie hatte verstanden.

Als Engel war es schwierig sich zu betrinken.
"Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg" (Hosea 4:11).

Ich wollte mir den Verstand aber wegsaufen.
Das Problem war mein Metabolismus, bei dem Alkohol nicht wirkte.
Kurz und gut, ich war an diesem Abend ein gern gesehener Gast, konsumierte und konsumierte ohne dass sich die gewünscht Wirkung, die ich so häufig bei euch beobachten konnte, eingestellt hätte.

Ich sinnierte darüber, ob das, was ich euch geben sollte, Wissen in seiner reinsten und unschuldigsten Form, ob dieses Wissen nicht mehr Schaden anrichtete, als es nützte.
Entweder ihr nahmt das Wissen nicht an und wenn doch, dann benutztet ihr es nur für die widerlichsten Dinge.
Trotzdem bewunderte ich eure Fantasie, auch wenn ich mich bei dem Gedanken, was ihr mit eurer Fantasie anstelltet, übergeben musste.

Ja. so ist das als Engel: Kotzen ja, Saufen nein.

Ausschnitt Ende

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svea79
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 39
Beiträge: 26
Wohnort: Brandenburg


BeitragVerfasst am: 06.06.2013 21:05    Titel: Antworten mit Zitat

So dann wollen wir mal Razz

Hab mir sagen lassen, dass man erst mal mit etwas positiven anfängt.
Ich finde die Idee gut und ich würde wissen wollen, wo es hingehen soll.
Was mich etwas irritiert, ist die Sprache deines Engels. Dafür, dass er so allwissend ist, spricht er oft sehr gewöhnlich.

Zitat:
Ich habe mich bemüht, wirklich echt bemüht, echt, echt, echt,

Das klingt für mich nach einem trotzigen Kind,

Zitat:
Im Mittelalter, ich konnte machen was ich wollte, wenn mal ausnahmsweise jemand etwas verstanden hat, habt ihr denjenigen sofort umgebracht, besonders die Frauen.

Auch das klingt nicht. Es nimmt mir den Lesefluss.
Ich glaube, dass du hier einen ironischen Unterton einbauen willst. Den, soll der Engel auch haben aber mach ihn wortgewandter und etwas niveauvoller.

Zitat:
 wobei die Dauer der Tage sich seitdem stark verändert hat.
Die Veränderung der Dauer der Tage entwickelt

Du wiederholst dich auch gern, am besten an dieser Textstelle zu sehen.

Dann schreibst du, dass Mahrta auf fantasievolle Weise gefoltert wurde.
Warum erzählst du uns hier nicht wie? Das könntest du ein wenig mehr ausbauen.

Insgesamt finde ich aber, dass es sich lohnen würde weiter zu machen.

Ich hoffe du kannst etwas damit anfangen. Wink
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 46
Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 06.06.2013 21:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich gebe Dir in allen Punkten Recht und werde mich an eine Überarbeitung machen.

Es gibt ein zwei Stellen an denen er  weiter "primitiv" reden wird, da er durch Wut / Enttäuschung / Verzweiflung etc. stark beeinflusst wird. Das kommt tatsächlich nicht rüber.

Danke.

Die Folterszenen habe ich entfernt, da diese nicht tauglich für Grundschulkinder sind und das der Maßstab des Forums lt. den Regeln ist...

Die werde ich im Altersgeschützten Bereich gesondert diskutieren.

Strickchen

PS: War gar nicht so schlimm  Cool
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Nayeli Irkalla
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 36
Beiträge: 1139
Wohnort: Ruhrgebiet
Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 07.06.2013 07:02    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht gibt es von mir bald noch mal etwas mehr, denn mir gefällt die Idee auch, vor allem aber eine Sache:

Die bloße Erwähnung von zwei, drei Nebensätzen, dass oder wie jemand gefoltert wurde, ist (so traurig das auch ist) meines Erachtens nichts, was man vor Grundschulkindern per se immer und überall verstecken müsste. Die genussvolle Zelebrierung von Morden über mehrere Seiten schon eher ...

Hast du z.B. mal von Terry Pratchett gelesen, wie da jemand gefoltert wird? "Man konnte furchtbare Dinge anstellen mit einer Flasche Ingwerbier und einem Korken."

Mehr wird nicht gesagt. Mehr wird wirklich nicht gesagt. Aber es wird deutlich, dass die Figuren wissen, was damit gemeint ist.

So wird nicht gesagt, dass derjenige "grausam" oder "fantasievoll" o.ä. gefoltert wird, was alles etikettierende Adjektive sind, sondern es wird mit einem Satz, der zwei konkrete Dinge (Flasche Ingwerbier und Korken) enthält die Fantasie des Lesers angeregt - wobei meine ehrlich gesagt nicht ausgereicht hat wink. Aber gerade durch das Grübeln darüber ist diese Foltersequenz ohne jede Beschreibung von Grausamkeit in meinem Kopf hängen geblieben - mit einem Schuss Ironie versehen, die vermutlich von Pratchett auch genau so beabsichtigt war.
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 07.06.2013 08:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich gehe den Folterteil auch noch mal durch. Die Ausführlichkeit mit der ich die Szene im ersten Wurf beschrieben habe ist nicht zielführend für die Geschichte.
Ich glaube die Idee von Dir, da mehr Freiraum für die Fantasie des Lesers zu lassen ist gut.

Und das ohne das Du die originale Szene gelesen hast  Surprised
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 46
Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 07.06.2013 09:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

habe ich eure Kritiken richtig verstanden?

Grüße
   strickchen

Der Anfang
Hi,
mein Schöpfungsname ist Azimethurapheanodral, aber derzeit weile ich unter dem Pseudonym Kai Nabel unter euch.
Ich wurde am zweiten Tag der Schöpfung vor 6349 Jahren ins Leben gerufen, wobei die Dauer der Tage sich seitdem stark verändert hat.
Diese Veränderung entwickelt sich nach einer logarithmisch inversen 23 hoch 136 dimensionalen Funktion der…, aber das spielt jetzt keine Rolle.

Meine ursprüngliche Bestimmung war es euch Menschen bei der Erlangung von Wissen zu helfen.
Eine wirklich frustrierende Berufung.
Am Anfang wart ihr kaum mehr als ein paar promiskuitive Affen und ich glaube, ihr seid jetzt noch nicht mehr.

Während ich mich bemühte, euch die Höhen und Tiefen der Physik näher zu bringen, habt ihr die ersten Werkzeuge entdeckt und angefangen euch gegenseitig damit auf die Köpfe zu schlagen.
Und das ganze ohne die wichtigen zugrundeliegenden Zusammenhänge von Hebelkräften, Impulserhaltung, Energie und so weiter zu kennen.
Das halte ich bis heute für absolut verantwortungslos.

Ja, ich war ein Engel im echten Sinn. Ein Überbringer von Nachrichten.
Im Grunde geschlechtslos und ohne das, was euch auszeichnet.
Den echten eigenen Willen!

Eure Ignoranz und Sturheit macht mich manchmal so wütend. Alle 200 bis 300 Jahre muss ich mir ein neues Gebiss wachsen lassen, weil ich es mir durch Zähneknirschen ruiniert habe. Aber scheinbar seid ihr einfach blind für die Schönheit des reinen Wissens.

Im Mittelalter habt ihr euch empörend benommen.  Ich war chancenlos.  Wenn mal ausnahmsweise jemand etwas verstanden hat, habt ihr denjenigen sofort umgebracht, besonders die Frauen.
Warum nur diese Grausamkeit?
  
1573 bis 1999
Im 16ten Jahrhundert, genauer am 8ten Oktober 1573 war es dann soweit.
Ich saß in einer Taverne und versuchte meinen Frust zu ertränken.
Ihr hattet gerade meine zu diesem Zeitpunkt beste Schülerin Martha verbrannt, nachdem ihr sie vorher einer sehr fantasievollen Behandlung unterzogen habt.

Für Ihre Nägel hattet ihr für diesen Zweck extra konstruierten Zangen. Ihr hattet sogar unterschiedliche Zangen für die verschiedenen Nägel. Ausgefeilte mechanische Apparate, mit denen ihr genau einstellbare Kräfte auf Ihre Füße ... Aber der Einsatz der drei mechanisch überaus schön gefertigten Spreizbirnen. während sie auf einer heißen Bronzetafel lag, ich glaube, das hat sie schlussendlich gebrochen.  

Das Wissen über die Mechaniken, die ihr benutzt habt, hattet ihr von mir.

Ich konnte den verstehenden Blick, den sie mir zuwarf, als sie auf dem Scheiterhaufen stand und die Flammen höher loderten, nicht vergessen.
Sie hatte verstanden.

Als Engel war es schwierig sich zu betrinken.
"Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg" (Hosea 4:11).

Ich wollte mir den Verstand aber weg saufen.
Das Problem war mein Metabolismus, bei dem Alkohol nicht wirkte.
Kurz und gut, ich war an diesem Abend ein gern gesehener Gast, konsumierte und konsumierte ohne dass sich die gewünscht Wirkung, die ich so häufig bei euch beobachten konnte, eingestellt hätte.

Ich sinnierte darüber, ob das, was ich euch geben sollte, Wissen in seiner reinsten und unschuldigsten Form, ob dieses Wissen nicht mehr Schaden anrichtete, als es nützte.
Entweder ihr nahmt das Wissen nicht an und wenn doch, dann benutztet ihr es nur für die widerlichsten Dinge.
Trotzdem bewunderte ich eure Fantasie, auch wenn ich mich bei dem Gedanken, was ihr mit eurer Fantasie anstelltet, übergeben musste.

So ist das eben als Engel: Kotzen ja, Saufen nein.
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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 09:27    Titel: Antworten mit Zitat

Interessante Ausgangsituation. Wobei ich das Vorwort emntweder komplett streichen, oder plastischer, konkreter schreiben würde. Z. B.

Zitat:
Donnerstag nachmittag hatte ich endlich die ganze Hausarbeit erledigt, das Parkett glänzte, der alte Eichenschrank troffen von Poliboy-Mobelpolitur und in den Glasscheiben der großen Eingangstür konnte man sich spiegeln. Es gab nichts, absolut garn nichts mehr zu tun. Unruhig wandere ich durchs Haus und überlegte, womit ich meine leeren Stunden füllen könnte: Ach, eine Geschichte ...   


Entweder du zeichnest uns ein konkretes Bild, warum jetzt diese Geschichte erzählt wird (im Beispiel: Akute Langeweile der perfekten Hausfrau) oder du lässt es ganz weg ...

---------

Das gleiche würde ich empfehlen für die gesamte Geschichte: Füll sie mit Details. Es wirkt seltsam, wenn du den Engele über Jahrhunderte hinwegerzählen lässt, in denen er sicher viele Dinge erlebt, gesehen gefühlt hat, und sehr viele MENSCHEN kennengelernt haben, die klug und freundlich waren, und dem Engel wichtig. Nur bei Martha zoomst du sozusagen auf die Einzelperson und seinen persönlichen Frust über die Menschheit - und das wirkt seltsam unmotiviert.

Wenn sich die Geschichte um Martha drehen wird, dann ist das ja noch verständlich. Trotzdem wpürde ich für jede Epoche mindestens eine bedeutende Episode wählen, anhand denen der Engel sein Steben und Scheitern zeigt:

Zitat:
Während ich mich bemühte, euch die Höhen und Tiefen der Physik näher zu bringen, habt ihr die ersten Werkzeuge entdeckt und angefangen euch gegenseitig damit auf die Köpfe zu schlagen.


Warum bringst du hier nicht eine Szene mit Ungg, dem gutaussehenden jungen Jäger in der Savanne, der mit des Engels Hilfe Endeckt, das man mit einem Stein eine Gazelle töten kann - und dann mit dem selben Stein den Nebenbuhler um die anmutige Iggs, Traum seiner schlaflosen Nächte erschlägt?

Oder/und die Geschichte vom Haledras, dem Lehrling des berühmten Pyramidenbauers Photemos, der den Flaschenzug entwickelt - und dessen Meister ihm die Erfindung "klaut" und als seine eigene ausgibt. Als Haledras das nicht auf sich sitzen lassen will, und den Meister zur rede stellt, beahuptet der Meister, Haledros hätte ihn bestohlen und wirft hn mit Schimpf und Schande raus. Nur ein paar Tage später findet man Photemos erhängt an einem Flaschenzug ...

Und jedesmal kann der Engel mehr verzweifelen an der Menschheit ... und sich wieder aufrappeln und den nächsten Versuch starten ...

---

Was du geschrieben hast, dient als erster Entwurf, als Ideenskizze. Jetzt musst du es zum Leben bringen ... viel Spaß dabei.


_________________
Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner
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strickchen
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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 10:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hm, ... so habe ich das noch gar nicht gelesen. Du hast einen ganz anderen Kontext entdeckt, als ich beabsichtigt habe.

Du hast recht, das was da steht gibt Stoff für einen eigenen Roman.
-> Ist in die Ideensammlung aufgenommen.
Trotzdem kann einiges von dem, was in dem Textfragment beschrieben ist, wirklich vertragen, dass ich es im Detail behandele.

Ich würde mich freuen das mit dir zu diskutieren, wenn ich die Fortsetztung reingestellt habe. Dann wird das, was ich erreichen will, klarer. Deine Art die Geschichte zu lesen ist mir nicht in den Sinn gekommen, sonst hätte ich einen größeren Ausschnitt ausgearbeitet um Mißverständnisse zu vermeiden.
Sorry.

Bevor ich Teil 2 reinstelle, überarbeite ich ihn aber Aufgrund dessen was ich hier lerne (und das ist nicht wenig).

Wow, das Forum (d.h. ihr) übertrefft meine Erwartungen um Lichtjahre.

Ich habe eine Frage an Dich:
- Wie stellt sich der Charakter von Azzi für Dich dar? Was ist das für ein "Mensch"?
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Paradigma
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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 10:49    Titel: Antworten mit Zitat

Erst mal Entschuldigung für die vielen Tippfehler - ich habe draußen in der Sonne gesessen und konnte deswegen den Text auf dem Bildschirm nur schwer erkennen.

Weißt du, wie ausführlich du die Vorgeschichte des Engels beschreibst, ist natürlich davon abhängig wie du die Geschichte weiterentwickeln willst. So ein "ewiges Wesen" hat ja so viel erlebt, das nicht nur eine Geschichte, sondern Myriaden Geschichten in ihm stecken. Da kann man sich leicht verzetteln.

Wenn es dir darum geht, dem Leser den Engel und seine aktuelle Seelenlage zu verdeutlichen, dann halte ich es für sinnvoll, ein paar ausgewählte Situationen des Engels herauszugreifen und zu zeigen wie sich durch die immer wiederholten "Fehler" der Menschen sein Frust aufbaut. Wie er hoffnungsfroh und voller Elan startet, um wider und wieder enttäuscht zu werden, und jedes Mal versinkt er tiefer in die Verzweiflung.

Allein davon kannst du locker eine Trilogie füllen, die Kunst ist, es plastisch aber doch reduziert rüberzubringen.

Oder du setzt erst ein zu dem Zeitpunkt wo die Handlung stattfindet, und der Leser weiß nicht, weshalb der Engel so frustriert ist - und erfährt es dann nach und nach in der Geschichte. Falls der Frust des Engels überhaupt das ist, worum es in der Geschichte gehen soll, vielleicht ist sein Seelenzustand ja nur nötig, damit er in deiner Geschichte auf eine bestimmte Art handelt und entscheidet. Dann muss du den auch nicht so ausführlich herleiten. Dann ist er halt so, seien Gründe schimmern nur vage durch.

------
Der Engel scheint einerseits seltsam roboterhaft und fremdgesteuert - er ist drauf programmiert, seinen Auftrag, das Lehren der Menschen zu erfüllen. Egal, ob er selber das für sinnvoll hält und erstrebenswert, er tut es, weil er nicht anders kann. Dahinter liegt seine eigene Persönlichkeit, die mir geradezu eingesperrt in seine Rolle erscheint. Würde er seinen eigenen Willen folgen, würde er "aussteigen", sich an den nächsten Strand setzen, die Menschheit Menschheit sein lassen und die Füße ins Wasser halten und ein gutes Glas Wein trinken.

Er MAG Menschen (Einzele), aber er verzweifelt an der Menschheit (das geht nicht nur ihm so Wink ).

Das wäre mein Eindruck ...


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Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner
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strickchen
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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 12:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Eindruck, den Du von Azzi hast, ist so von mir beabsichtigt.

Deine anderen Kommentare zeigen mir, wo die Geschichte noch nicht rund rüberkommt.

Das schreit nach einer Überarbeitung.

Aber erstmal der Teil 2.
Um nicht den selben Fehler zu machen (zu kurzer Ausschnitt) mache ich jetzt wahrscheinlich einen anderen Fehler: (zu langer Ausschnitt).

Ich sehe aber keine andere Möglichkeit. Das mag an meiner Erfahrung liegen.
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strickchen
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BeitragVerfasst am: 07.06.2013 16:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

An diesem Abend war ich sicher anfällig für Abwerbungsangebote.
Ich hatte von früher noch Kontakte zu ehemaligen Engeln, die die Seite gewechselt hatten.
Kein Grund, wegen politischer Differenzen alle Brücken abzureißen, schließlich hat man ja viel miteinander in den letzten 6349 Jahren erlebt.
 
An jenem besagen Abend also, schneite Burzuglematheriaos einer derjenigen, die die Seiten gewechselt hatten, in die Taverne rein.
Burzel, so nannten wir ihn damals, kam also in die Taverne und sah mich in meinem Elend sitzen.
 
Er hatte schon immer ein gutes Händchen dafür, mich aus meinen Depressionen herauszuholen.
Diesmal wollte ihm das aber nicht gelingen.

Er war schon vor 3265 Jahren übergelaufen und dafür zuständig, die Menschen in den Suff zu führen.
Eine Aufgabe, der er sich mit ganzem Herzen widmete.
Er sah auch nichts Schlechtes in seiner Aufgabe, er sagte immer:
„Lass die Leute sich betrinken, ihr kurzes Leben ist in den meisten Fällen so beschissen, dass sie sich wenigstens das verdient haben.“

Als wir uns das letzte Mal vor 132 Jahren getroffen hatten, habe ich noch mit der göttlichen Weisheit dagegen argumentiert.
Heute wollte ich selbst im Rausch versinken.

Das Leben mit euch hatte mich geprägt und ich glaube wer über 6000 Jahre unter euch und eurer Willkür lebt, kann nicht anders als ein paar Dinge über den freien Willen zu lernen.

Mit Verwunderung bemerkte ich: Ich wollte …

In diesem Moment zwar nur, mich hemmungslos betrinken, aber ich wollte. Ein Wille, und der ganz gegen die fundamentalen Grundsätze, die ein Engel gar nicht in Frage stellen konnte.
 
Ich sagte also zu Burzel: „Ich will trinken“.
Mit einem Blick erfasste er die vielen leeren Krüge, die auf dem Tisch standen und sagte: „Sieht so aus als würdest du das schon tun,… ich glaube, du willst einen ausgewachsenen Rausch.“

Hm, er hatte da ja nicht Unrecht, aber die Klugscheißerei war und bleibt nun mal mein Gebiet.
Verärgert entgegnete ich ihm, dass er sich seine blöden Bemerkungen sparen könne.
 Ja, ich will mich so betrinken, dass ich die letzten 6349 Jahre vergessen kann.
Ich wolle den Menschen nicht mehr das Wissen geben, das sie nur für gräuliche Taten, im Namen der Macht, für die ich arbeitete, gegeneinander einsetzten.

Besorgt musterte mich Burzel und sagte das wären ungewöhnliche Töne für mich. „Was ist denn los?“ fragte er mich.
Ich klagte ihm mein Leid und fing an darüber zu lamentieren, wie Kain den Hebel, den ich ihm gezeigt hatte, gegen Abel einsetzte, wie ich als Prometheus auftrat und die Menschen im Umgang mit Feuer schulte, nur damit sie dieses dazu einsetzten sich ihre Hütten und gelegentlich sich gegenseitig auf Scheiterhaufen in Brand zu setzten.

Ich schauderte bei dem Gedanken den Menschen in Zukunft die Dinge zu zeigen, die die tiefen Dimensionen öffnen würden.
Ganz zu schweigen von dem Wissen über die breiten Dimensionen.

Fußnote:
Dass ihr später tatsächlich sogar so etwas harmloses und unschuldiges wie Kernspaltung zu einer Waffe machen konntet, dafür fehlte mir damals die Fantasie und ich frage mich heute, wie mein Nachfolger damit zurecht kommt.

Burzel sagte also „Kündige einfach und such‘ dir einen anderen Job.“
Ich war entsetzt. Ich konnte doch als Engel nicht einfach, ... konnte ich? Ich konnte doch nicht… doch, ich konnte!

Ich sagte also nach einer Weile des Schweigens „Einfach so?“ Er entgegnete: „Einfach so.“

Betreten schwieg ich, während ich in meinem Kopf fundamentale Fragen wie „?“ und „?!??“ wälzte.
Ich hatte einen eigenen Willen.
Bei dem Gedanken hörte ich meine Kollegen schallend in meiner Fantasie lachen.
Ich, der Klugscheißer, der Besserwisser und ein eigener freier Wille.

Fußnote:
Im Übrigen sind die Begriffe Klugscheißer und Besserwisser für mich keine Beleidigungen. Meine Exkremente sind wirklich um ein vielfaches klüger als die besten 100 Genies von euch zusammen. Wenn ich mich mal wirklich über höhere Mathematik unterhalten will, … Und ich weiß es ja wirklich besser.

Ich stand also auf und beschloss mit meinem gerade entdeckten neuen freien Willen, dass der Alkohol wirken sollte.
Und wie er das tat.
Der Alkohol von 14 Krügen schwerem Wein sowie die drei Flaschen Gebrannter und die unzähligen Biere des Abends wirkten sofort und heftig.

Ich bin wahrhaftig froh, dass ich unsterblich bin, obwohl ich mir am nächsten Tag den Tod wünschte.

Aber schön der Reihe nach.

Der Alkohol wirkte also, und ich wunderte mich, warum die Geometrie des Raumes sich änderte. Wie war es möglich, dass zwei Räume mit identischem Inhalt leicht verschoben an ein und demselben Ort sein können und ich fiel steif wie ein Brett nach hinten.

Wie ein 100 kg Stein der aus großer Höhe fallen gelassen wird (näherungsweise gilt: E= m*g*h; h geschätzt bei 25m) schlug ich ein und zwar auf den Tisch der hinter mir stand.

Der hielt der ihm zugeführten Energie verständlicherweise nicht stand.
Der Tisch respektierte also den Impuls und brach ziemlich deterministisch auseinander.
Krüge rollten, ihren Inhalt verteilend, mehr oder minder intakt auf dem Boden.
Ich erinnere mich noch daran, dass ich dies aus einer sehr seltsamen Perspektive beobachten durfte. Dann erinnere ich mich eine Zeitlang an nichts mehr.

Am nächsten Tag wachte ich in meinem eigenen Erbrochenem auf. Ich lag quer in meinem Bett. Burzel hatte mich tatsächlich nach Hause gebracht.
Es saß grinsend am Tisch in meinem Zimmer und fragte mich wie es mir geht.
Seine Stimme war wie glühende Drähte, die durch die Ohren in mein Gehirn geschossen wurden.
Ich stammelte nur: „Bitte nicht so laut.“.
Den Klang meiner eigenen Stimme konnte ich kaum wieder erkennen.
Es war, als wären meine Stimmbänder durch raue Bleche ersetzt worden. Und zwar mit Methoden, die eurer Fantasie entsprechen dürften.

Alles tat weh. Meine Gelenke waren Gelee, feuriges entzündetes Gelee. Meine Muskeln, mir fehlen die Worte.
Trotz meines umfangreichen Wissens fehlen mir, Azimethurapheanodral, die Worte.
Wenn mir jemand angeboten hätte, meinen Kopf abzusägen, ich hätte ohne weiteres sofort zugestimmt.
Ich war viel zu schwach um mit Burzel ein ernsthaftes Wort darüber zu reden, was er den Menschen mit dem Suff antat.

Engel fühlen keinen Schmerz. Wir können keinen Schmerz fühlen.
Mir drängte sich die Frage auf, ob ich noch ein Engel war.
Burzel antwortete: „Hm, nicht mehr so ganz.“
Ich hatte offensichtlich laut gedacht.
„Ich denke Du bestimmst jetzt selbst, was Du bist“.

Ich hatte meine Zweifel, stand vom Bett auf und schlug der Länge nach hin, nachdem mir die Beine und der Gleichgewichtssinn den Dienst versagten.

Burzel schaute überheblich von oben auf mich herab, wie ich da so auf dem Boden meines Zimmers lag und konnte sich nicht verkneifen anzumerken: „In gewissen Maßen zumindest …  werd‘ erstmal nüchtern.“.

Was ich auch tat. Ich konzentrierte mich kurz.
Das Gefühl, das sich einstellte, während der Alkohol und seine Abbauprodukte, in der Hauptsache Acetaldehyd, meinen Körper verließ, war alles andere als angenehm.
Erst als ich die Dehydration beseitigte und die ausgeschwemmten Stoffe ersetzte, ging es mir etwas besser.

Ernüchtert wusch ich mir erst mal den gröbsten Dreck vom Leib, während Burzel mich interessiert beobachtete. Während ich mich abtrocknete, fragte Burzel: „ Und, weißt du schon, was du jetzt machen willst?“

Ich hielt inne, kam zum Tisch und setzte mich zu ihm. "Einen Kaffee" ignorierte ich die eigentliche Intention seiner Frage.
Der war natürlich  nicht so einfach in einem kleinen Dorf, im Europa des 16ten Jahrhunderts, zu bekommen.
Aber es hat auch seine Vorteile ein Engel zu sein. Hm, war ich ja nicht mehr, aber Kaffee konnte ich mit meinem Wissen doch noch enstabilisieren

Fußnote:
Eine Wortschöpfung, da euch die Begriffe und das Verständnis für die Vorgänge dahinter natürlich fehlen.

Wir saßen also schweigsam an meinem Tisch und tranken den Kaffee. Schwarz natürlich, wie man es bei einem guten Kaffee tun sollte.
Milch und Zucker sind nur etwas für Kaffeeerzeugnisse minderer Qualität, also für fast alle.

„Keine Ahnung“ gab ich dann schließlich zu. „ Ich weiß nicht, was ich jetzt machen werde“.
Ich konnte nur uneingeschränkt meine Unwissenheit kundtun, eine neue Erfahrung für mich, nach der Sicherheit, die ich als Engel immer verspürt hatte.
Aber als analytisches Geschöpf war mir klar, dass ich in kürzester Zeit zu einer fundierten Entscheidung kommen würde.

Ich selbst hatte natürlich schon ein paar Vorstellungen parat, wie mein Leben als Dämon aussehen könnte. Dabei dachte ich an einen ausgewachsenen Laplaceschen Dämon oder auch an eine Art Maxwellscher Dämon.
Burzel lachte herzhaft, als ich ihm davon erzählte.

Etwas verschnupft fragte ich ihn, was denn so komisch sei.
Er erwiderte: „Da hast du dir die gesamte Welt erschlossen und was dir einfällt, ist nicht anderes zu tun, als das, was du vorher schon getan hast.“

Er sagte, ich könne natürlich die Seiten komplett wechseln. Da ich jedoch schon Probleme hätte, im Namen des Guten, Wissen zu spenden, weil die Menschen mit Ihrem freien Willen daraus manchmal etwas Schlechtes machen würden, würde er mir eher zu einer Karriere als Freelancer raten.

Ich erwiderte, es gäbe nur zwei Seiten. Er zuckte mit den Schultern, sah mir in die Augen und fragte: „Wirklich?“ Ich wurde nachdenklich. „Wenn ich nicht auf der Seite des Guten bin…“ aber es hatte schon was.

Auf der Seite des Guten habe ich viel Schaden angerichtet. Oder besser, die Menschen haben viel Schaden mit dem, was ich Ihnen gab, angerichtet, aber das war doch das gleiche, oder?

Zweifel, Unklarheit, alles neue Dinge, die ich erfuhr.
„Mal ehrlich, wann hast du das letzte Mal mit dem Schöpfer gesprochen und hast du verstanden was er sagte?“ fragte Burzel und schaute dabei missmutig in seine Tasse. „Du machst immer noch einen ganz passablen Kaffee.“

Das war natürlich eine Untertreibung, die seinesgleichen suchte. Mein Kaffee war einfach unübertroffene Spitze.
Schließlich wusste ich alles über die optimalen Temperaturkurven beim Rösten, die optimale Körnung des Mahlgutes und die komplexen physikalischen und chemischen Zusammenhänge beim Brühvorgang.

„Du meinst, als Freelancer kann ich selbst steuern, dass das, was ich tue, nur Gutes bringt?“ fragte ich.
„Stell dir das nicht zu leicht vor“ antwortete Burzel mit einem verkniffenen Gesicht „Die Menschen und ihr freier Wille ... am Schluss machen sie doch was sie wollen. Aber du kannst es versuchen.“

Für Burzel waren das sehr tiefsinnige Gedanken, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte.
Verwundert blickte ich ihn an.
„An was haben die Menschen am meisten Freude?“ fragte ich ihn.
„Macht, Geld, und Sex oder nenn es meinetwegen Liebe.“ antwortete er ohne Zögern.
„Dann werde ich ihnen helfen, das zu erlangen“, antwortete ich genauso ohne Zögern.
Wenn diese Dinge Menschen glücklich machen, dann würden sie sich gegenseitig nicht mehr abschlachten wie Vieh, nein nicht wie Vieh, wie Menschen.

Mein Entschluss stand fest.
„Bei Geld und Macht kenne ich mich wenig aus, das sind seltsame Konzepte der Menschen, die ich mit meinem Wissen nicht verstehe, aber Sex und Liebe sind nur einfache biologische Funktionen zur Reproduktion und zum Erhalt des Nachwuchses. Ich werde den Menschen als Succubus und Incubus und in jeglicher anderen Form zu ihrem Glück in der Liebe körperlich und geistig sowie bei der Reproduktion beistehen.“

Burzel blickte mich an als wäre ich von einem anderen Stern und öffnete den Mund, um ihn nach einigen Minuten, ohne etwas gesagt zu haben, zu schließen.

Er stand etwas unsicher auf, blickte sich wie in einem Traum um und sagte langsam:
„Ich glaube, ich lasse dich jetzt allein. Ich sehe, du kommst mit deinem Wissen gut selbst zurecht. Der Kaffee könnte im Übrigen etwas Milch und Zucker vertragen.“.
Dann immaterialisierte er und ich war allein. Ob er den Kaffee nicht vertragen hatte?

Ich ging ohne zu zögern ans Werk und studierte in meinem Geist die biologischen Funktionen der Menschen, die im Zusammenhang mit Sex, Liebe und Reproduktion standen.
Dazu zog ich mich in die Tredantschen Dimensionen zurück, in der ich Zugriff auf das gesamte mögliche Wissen der Schöpfung hatte und ungestört arbeiten konnte.

Da ich gut vorbereitet auf meine neue Aufgabe sein wollte, widmete ich mich eine nicht unerhebliche Zeit diesem Studium und studierte auch die biologischen Funktionen aller anderen Arten, die auf diesem Planeten zuhause waren.

Eine umfangreiche Aufgabe, die ich nach bestem Wissen und Gewissen am 13. August im Jahre 1999 abschloss.

1999 Tag1/1
Ich verließ die Dimensionen des Wissens wieder und gut gerüstet für meine Arbeit, war ich bereit, mein Werk zu beginnen.

Zuerst erwartete mich ein Kulturschock.  Da beschließt ihr, das gesamte Mittelalter hindurch, alle meine Bemühungen, euch was beizubringen, zu ignorieren, ja zu pervertieren und durch Aberglaube zu ersetzen, um alles innerhalb von 200 bis 250 Jahren aufzuholen.

Aber immer noch setzt ihr alles ein, ohne zu verstehen.
Wer ist denn auf die Idee mit dem Individualverkehr als Massentransportmittel gekommen?

Entschuldigt, in meiner Hitzköpfigkeit greife ich der Erzählung immer wieder vor.

Ich materialisierte also in euren Dimensionen.
Wie üblich tat ich dies bei Nacht, um keine ungewollte Aufmerksamkeit zu erregen.
Dieser Vorgang verursacht in den ersten Sekunden eine leichte Orientierungslosigkeit, die sich steigerte, als sich ein Geschöpf mit einer unerhört hohen Geschwindigkeit und zwei leuchtenden Augen näherte.
Ich erfuhr später, dass es sich um eines der von euch so hoch geschätzten Automobile handelte. Einen 5er BMW.

Fußnote:
Die Konzepte der Zählweise für eure Automobile erschließt sich mir noch nicht, aber ich bin sicher, ich komme schon bald dahinter.   

Es kam, wie es kommen musste. Ich wurde von der neumodischen Kutsche erfasst und durch die Luft geschleudert.
Ein Baum bremste meinen Flug und leitete mich sanft zu Boden.

Es brauchte doch einige Sekunden, bis ich alle Verletzungen identifiziert und einer Heilung unterzogen hatte.
Äußerlich ließ ich mich am besten als verbranntes Ganzkörperhämatom ohne Gliedmaßen beschreiben.
Innerlich, … die Milz war geplatzt, der Magen vom Darm abgerissen, das Gehirn am Vorderschädel plattgedrückt, vom Schädel selbst ganz zu schweigen, die Leber war in zwei Teile zerfetzt und die Nieren hatten ihre Plätze getauscht, um nur einige der Wirkungen zu nennen.

Ich war besorgt, was dem Geschöpf zugestoßen sein mochte.

Schnell stieß ich zu der Kreatur, die nun einfach da stand und ihre Augen gelb blinken lies.
Dies war sicher ein untrügliches Zeichen dafür, dass es ihr nicht gut ging.
Als ich nahe genug bei ihr war, dachte ich zuerst, dass sie einen Menschen verspeist hatte, da ich meinte, einen solchen in ihrem Inneren zu sehen.
Dann sah ich, dass es sich wohl um eine Maschine handeln musste, denn nach allem, was ich wusste und das war nicht wenig, war es nicht möglich, dass ein Lebewesen aus Metall sich auf diese Weise von organischen Komponenten ernährte.

Der Mann im Inneren schien wohlauf, etwas erschrocken, aber wohl auf.
Die einzigen Verletzungen waren von geringer Natur und durch einen Ballon, den er im inneren der Maschine aufgeblasen hatte, hervorgerufen.
Wer eine solche Maschine bedient, sollte sich wirklich zusammennehmen, und nicht mit Ballons rumspielen.

Braucht sich nicht wundern, wenn er sich dann einen Zahn abbricht.

Ich klopfte an eine der wirklich kunstvoll gearbeitete Scheiben, die sofern noch intakt, von einer Ebenmäßigkeit waren, wie sie nur die besten Glasbläser fertigen konnten.

Die Scheibe verschwand, wie durch magische Hand bewegt, nach unten.
Ich malte mir eine komplexe Maschinerie aus, die das vollbringen konnte und war begeistert über die Finesse.
Der Mann sah mich mit großen Augen an und fragte:
„Was zum Teufel hat ein Fußgänger auf der Autobahn verloren? Woher verdammt nochmal kam der? Wo zur Hölle ist der hin?"

Ich versuchte ihn zu beruhigen „Sorge dich nicht, er ist bestimmt gesund und fröhlich",sagte ich etwas über die häufige Nennung meiner politischen Gegner brüskiert.

Der Mann flippte total aus und beschimpfte mich als hirnlosen Idioten und bediente sich aus seinem offensichtlich breiten Repertoire der Fäkalsprache, die ich hier nur in gemäßigter Form wieder geben möchte.
„Wenn man einen Fußgänger mit gut 220 km/h überfährt, kann es ihm nicht gut gehen. Der muss tot sein, hinüber. Scheiße, wo ist er?“

Ich hatte genug und schnippte mit den Fingern.
Er schlief sofort ein.
Ich heilte noch schnell seinen bei dem Zusammenstoß abgebrochenen Zahn, bemerkte, dass er an zwei Zähnen Karies hatte, die ich auch schnell flickte.
Dann richtete ich ihm die verkrümmte Nasenscheidewand, die sicher für Schnarchen und Unruhe im ehelichen Schlafzimmer sorgte.
Da ich schon mal dabei war, entfernte ich seine Hämorriden und ein beginnendes Magengeschwür.
Schlussendlich reinigte ich seine Herzkranzgefäße, die ihm sicher im Laufe des Jahres schwer zugesetzt hätten und nahm ihm einiges von dem Gewicht, das er zu viel auf seinen Hüften hatte.

Dann bemerkte ich erschrocken, dass dem Mann durch einen stümperhaften pseudomedizinischen Eingriff an seinen Hoden, dessen Sinn ich mir nicht erklären konnte, die Fortpflanzungsfähigkeit genommen worden war.

Die Leiter für die Spermien waren verknotet! Einfach verknotet!

Froh gleich am ersten Tag meines Wirkens einen Menschen zu seinem Glück bei der Reproduktion verhelfen zu können, behob ich die Folgen des Eingriffs und erhöhte seine Fruchtbarkeit um ein vielfaches.
Seine Spermien würden Wochen überleben!

Da ich mir nicht nachsagen lassen wollte, irgendetwas unversucht zu lassen, erhöhte ich seinen Testosteronspiegel um Faktor 3.
Das sollte dafür genügen, dass er schnurstracks seine Frau aufsuchen sollte, um mit ihr den Akt des Beischlafens zu vollziehen.

Ich hoffte, dass er es nicht allzu weit hatte.

„Gehet hin und vermehret euch.“
Mir wurde klar, wie viel Gutes ich mit meinen Fähigkeiten, meinem Wissen, meinem analytischen Verständnis und meinem feinen Gespür für schwierige Situationen, als Freelancer noch erreichen konnte.

Im Ganzen war der Mann für seine 32 Jahre noch sehr gut in Schuss. Erstaunlich gut für ein so gesetztes Alter.

Danach heilte ich seine Maschine und beschränkte ihre Geschwindigkeit auf vernünftige 30 km/h, was immer noch sehr schnell, aber viel angemessener für sein weises Alter war.
Vielleicht immer noch etwas schnell, aber ich will nicht urteilen.

Zumindest hatte ich ihn von den Folgen des barbarischen Eingriffs befreit. Waren das die neuen Foltermethoden der Menschen?
Anderen die Freuden der Reproduktion zu verwehren?
Mit entsetzten stellte ich fest: Ich traue euch alles zu.

Zufrieden mit meinem Werk am ersten Tag suchte ich ein Gasthaus auf um zu nächtigen.

Ende Teil 2

1Wie es weitergeht »

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meerenblau
Dichter und Denker


Beiträge: 1078



BeitragVerfasst am: 11.06.2013 11:09    Titel: Antworten mit Zitat

Nach dem Desaster von Bianka hab ich gedacht, au weia, was wird das denn hier sein, aber dies hier finde ich gar nicht übel. Idee und Sprache finde ich durchaus ansprechend.
Ich würd sagen, lass den Pornoquark und konzentriere Dich auf dies hier, denn das taugt was Smile
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 46
Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 11.06.2013 19:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo meerenblau,

danke für das Lob und danke, dass Du dem Text eine Chance gegeben hast.

Darf ich Dir ein paar gezielte Fragen zum Text und den Charakteren (Azzi, Burzel und Frank) stellen?

Bzgl. Low Quality Porno: der weckt offensichtlich auch Emotionen Wink
Der Effekt, dass ich mit dem Text gleich gesetzt werde, d.h. Rückschlüsse auf meine Persönlichkeit gezogen werden, ist überaus interessant.

Ich habe durchaus zu beiden Texten und den Protagonisten eine gehörige Distanz.

.. nochmal Danke

Grüße
   strickchen
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 46
Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 11.06.2013 19:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Entschuldige, Frank gibt es in dem Teil noch nicht... der liegt noch au meinem Rechner...
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KatharinaKahira
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 25
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BeitragVerfasst am: 12.06.2013 09:11    Titel: Re: Anfang des Romans "Love is all around" Antworten mit Zitat

Die Idee die hier zu Grunde liegt gefällt mir richtig gut,  nur  gibst du teilweise zu viel stichpunktartige Information. Das kann man alles  gar nicht richtig verarbeiten und es gibt zu viel nicht miteinander verknüpfte Punkte.

Was mich auch irritiert ist sein Psedonym: Kain und Abel.  
Aber das muss wohl so sein und hat bestimmt einen Sinn. Diese Sinn erschließt sich mir allerdings noch nicht,kommt aber bestimmt noch, oder?

Gelungen finde ich die Begegnung mit dem Auto. Sehr lustig geschrieben. Was nur nicht verstehe: wenn er den Menschen das Wissen über Physik etc gegeben hat: weshalb kennt er dann das Auto (des Menschen liebsten Freund) nicht? War er ne Zeitlang weg vom Fenster? (Evtl. hab ich auch etwas überlesen, es war sehr viel Text- dann tut mir das Leid)

Aber weiter machen, die Idee ist gut!
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strickchen
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 46
Beiträge: 33
Wohnort: Franken


BeitragVerfasst am: 12.06.2013 16:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen herzlichen Dank für die Hinweise.

Ja, einige der Punkte lösen sich auch erst im nächsten Kapitel (steht noch nicht hier im Forum) auf.

Die Abstände zwischen Einführung von Informationen und dem Punkt an dem diese relevant werden, liegt zum Teil weit auseinander.
Ich gehe da ganz sicher an die Grenzen was beim ersten Lesen aufgenommen werden kann.

Ziel ist es, dass der Text auch beim 2ten Lesen interessant bleibt, weil man neue Zusammenhänge entdeckt. Das soll aber auch nicht den Lesefluss zu stark beieinträchtigen. Da das Gleichgewicht zu bewahren ist nicht einfach, da manches was bei der Konstruktion der Geschichte einleuchtend klingt, dann schwierig nachzuverfolgen ist, wenn man die "Konstruktionszeichnung" nicht vorliegen hat.

Das Pseudonym stammt von einer Idee, die noch nicht umgesetzt ist.
-> Ist bisher nicht relevant gewesen.

Hm, das Auto lernt er dann erst kennen, da er sich ja vom 16ten Jahrhundert bis 1999 zum lernen zurückgezogen hatte.
-> Evt. muss ich das klarer rausarbeiten. Danke.
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Robert Arnold Müller
Geschlecht:männlichSchreiberassi

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Wohnort: Würzburg


BeitragVerfasst am: 08.10.2016 07:37    Titel: Antworten mit Zitat

ich find strickchens Beiträge eigentlich ganz witzig! Der Typ scheint echt Humor zu haben

_________________
Kapitalismus, Koitus und Betäubungsmittel:
R.A. Müllers Storyblog "Prinz von Grombühl" jetzt auf facebook.com/robertarnoldmueller
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Drakenheim
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BeitragVerfasst am: 23.10.2016 08:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Strickchen,

ich habe jetzt nicht die übrigen Kommentare gelesen, sondern mich direkt über die zweite Version des ersten Teils hergemacht. Dein Text spricht mich an, weil ich mich schon immer gefragt habe, wie wir Menschen auf Außenstehende (Außerirdische, Unsterbliche, Engel etc.) wohl wirken, wenn sie die Gelegenheit hatten, die Menschheit seit ihrer Entstehung zu beobachten. Ich liebe solche Geschichten! Von daher: Gern gelesen, wenn auch sehr kritisch.
 Du-Du-Du!
Ich bin von deinem Engel enttäuscht. Das wirst du aber wahrscheinlich auch an meinen Kommentaren sehen. Insgesamt wirkt er einfach nicht wie ein Übertausendjähriges Wesen. Oder er lernt wirklich sehr, sehr langsam. Dann wundert es mich aber, wie er so schnell die modernen Elemente der Sprache übernehmen konnte.
Es wundert mich nicht, dass er frustriert ist, aber es wundert mich, mit was für naiven Erwartungen er an die Menschheit heran tritt. Und das über Jahrtausende.
Und du fährst du das Klischee vom finsteren Mittelalter und der bösen Kirche auf, die mit Absicht Wissen unterdrückt. Das ist so... Kopf an die Wand .

strickchen hat Folgendes geschrieben:

Der Anfang
Hi,
mein Schöpfungsname ist Azimethurapheanodral, aber derzeit weile ich unter dem Pseudonym Kai Nabel unter euch.
Ich wurde am zweiten Tag der Schöpfung vor 6349 Jahren ins Leben gerufen, wobei die Dauer der Tage sich seitdem stark verändert hat.
Diese Veränderung entwickelt sich nach einer logarithmisch inversen 23 hoch 136 dimensionalen Funktion der…, aber das spielt jetzt keine Rolle.

Meine ursprüngliche Bestimmung war(Komma) es euch Menschen bei der Erlangung von Wissen zu helfen. (Weswegen wurde er dann am 2. Tag der Schöpfung erschaffen? Menschen gab es doch erst ab dem 6. Tag, oder irre ich mich?)
Eine wirklich frustrierende Berufung.
Am Anfang wart ward ihr kaum mehr als ein paar promiskuitive Affen und ich glaube, ihr seid jetzt noch nicht mehr. (Und wir werden wohl nie viel mehr werden. Naja doch, vielleicht einmal ein paar promiskuitive Affen auf Raumstationen.)

Während ich mich bemühte, euch die Höhen und Tiefen der Physik näher zu bringen, habt ihr die ersten Werkzeuge entdeckt und angefangen euch gegenseitig damit auf die Köpfe zu schlagen.
Und das ganze Ganze ohne die wichtigen zugrundeliegenden Zusammenhänge von Hebelkräften, Impulserhaltung, Energie und so weiter zu kennen. (Braucht man nicht zu kennen. Schon Kinder lernen durch Try and Error, die gesamte Menschheit erst recht. Mich überrascht, dass es einen Engel überrascht. Ich wundere mich auch, dass ihn diese uns innewohnende Aggression überrascht. Aggression ist überlebenswichtig für Lebewesen, sonst könnten sie weder sich noch ihren Nachkommen Platz verschaffen. Ah, aber das ist Teil der Evolutionstheorie, sorry. In deiner Geschichte brauchst du die biblische Schöpfung, nicht die Schöpfung durch Evolution.)
Das halte ich bis heute für absolut verantwortungslos. (Was hält er für verantwortungslos? Dass er es den Menschen selber beigebracht hat, oder dass die Menschen die Praxis ohne die Theorie beherrschten?)

Ja, ich war ein Engel im echten Sinn. Ein Überbringer von Nachrichten.
Im Grunde geschlechtslos und ohne das, was euch auszeichnet.
Den echten eigenen Willen! (Dieser Engel will, dass die Menschheit endlich gut ist und das reine Wissen liebt, ohne es zum Töten zu missbrauchen. Ist das kein eigener Wille?

Eure Ignoranz und Sturheit macht mich manchmal so wütend. Alle 200 bis 300 Jahre muss ich mir ein neues Gebiss wachsen lassen, weil ich es mir durch Zähneknirschen ruiniert habe. Aber scheinbar seid ihr einfach blind für die Schönheit des reinen Wissens. (Das mit dem Gebiss ist ein schönes Bild. ^^ Frage mich nur, wer sturer ist, die Menschheit oder der Engel, der es einfach nicht schafft, diese Wesen so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind.)

Im Mittelalter habt ihr euch empörend benommen.  Ich war chancenlos.  Wenn mal ausnahmsweise jemand etwas verstanden hat, habt ihr denjenigen sofort umgebracht, besonders die Frauen. (Darf ich an dieser Stelle anmerken, dass Hexenverfolgung und -tötung ihren Höhepunkt in der frühen Neuzeit fand, nicht nur in Europa, sondern auch in den amerikansichen Kolonien, also definitiv nach dem Mittelalter? Begonnen haben damit schon die uralten Völker vor der Christianisierung, wobei sie niemals eine Hexe verbrannt hätten. Denn die wäre mit dem Rauch als böser Geist in die Luft gefahren und hätte Rache genommen. Während des Mittelalters war das Verfolgen von Hexen auf Prio 2 der Kirche, Häresie war ihnen wichtiger. Schlimm wurde es erst nach dem Mittelalter.)
Warum nur diese Grausamkeit? (Ich tippe auf Furcht. Furcht ist eine sehr starke Emotion, die den Verstand ausschaltet und die Menschlichkeit untergräbt. Überbevölkerung, Missernten, 30jähriger Krieg, Kirchenspaltung liefern die Energie für Aggressionen, moderne Techniken, vernetzte Universitäten, kirchliche Netzwerke sorgen für Ausformung und Verbreitung. Wird sich in der Geschichte noch ein paar Mal wiederholen.)
  
1573 bis 1999
Im 16ten Jahrhundert, genauer am 8ten Oktober 1573 war es dann soweit.
Ich saß in einer Taverne und versuchte meinen Frust zu ertränken.
Ihr hattet gerade meine zu diesem Zeitpunkt beste Schülerin Martha verbrannt, nachdem ihr sie vorher einer sehr fantasievollen Behandlung unterzogen habt.

Für Ihre Nägel hattet ihr für diesen Zweck extra konstruierten Zangen. Ihr hattet sogar unterschiedliche Zangen für die verschiedenen Nägel. Ausgefeilte mechanische Apparate, mit denen ihr genau einstellbare Kräfte auf Ihre Füße ... Aber der Einsatz der drei mechanisch überaus schön gefertigten Spreizbirnen.(Komma statt Punkt) während sie auf einer heißen Bronzetafel lag, ich glaube, das hat sie schlussendlich gebrochen.  

Das Wissen über die Mechaniken, die ihr benutzt habt, hattet ihr von mir. (Jap. Hexenverfolgung wurde an den Universitäten akademisch betrieben und wissenschaftlich unterfüttert. Der Buchdruck half, die neuen Foltertechniken in Europa populär zu machen.)

Ich konnte den verstehenden Blick, den sie mir zuwarf, als sie auf dem Scheiterhaufen stand und die Flammen höher loderten, nicht vergessen.
Sie hatte verstanden.

Als Engel war es schwierig sich zu betrinken.
"Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg" (Hosea 4:11).

Ich wollte mir den Verstand aber weg saufen.
Das Problem war mein Metabolismus, bei dem Alkohol nicht wirkte.
Kurz und gut, ich war an diesem Abend ein gern gesehener Gast, konsumierte und konsumierte ohne dass sich die gewünscht Wirkung, die ich so häufig bei euch beobachten konnte, eingestellt hätte.

Ich sinnierte darüber, ob das, was ich euch geben sollte, Wissen in seiner reinsten und unschuldigsten Form, ob dieses Wissen nicht mehr Schaden anrichtete, als es nützte. (Reichlich späte Erkenntnis.)
Entweder ihr nahmt das Wissen nicht an und wenn doch, dann benutztet benutzt ihr es nur für die widerlichsten Dinge.
Trotzdem bewunderte ich eure Fantasie, auch wenn ich mich bei dem Gedanken, was ihr mit eurer Fantasie anstelltet, übergeben musste.

So ist das eben als Engel: Kotzen ja, Saufen nein.


OMG. In dieser Art könnte ich auch durch den zweiten Teil gehen, aber das wird wirklich viel blau. Modernes Businessdeutsch ("Freelancer", "Job wechseln") im 16. Jahrhundert. Überhaupt sehr viele moderne Wendungen und Ausdrücke.
Der Engel kann also sein und erschaffen, was er will. Und er treibt sich nur in Europa herum, nicht auf anderen Kontinenten und in anderen Kulturen. Außerdem bleibt er hoffnungslos naiv. Ein Engel der glaubt, den Menschen Macht, Futter und Sex zu besorgen reicht, damit sie sich nicht mehr die Köppe einschlagen...
Die Beschreibung des Vollsuffs und seiner physikalischen Folgen auf den Tisch war hat mir gefallen. lol
Und deine Schilderung seiner guten Werke an Tag ein (1999) war einfach köstlich. Ich musste es einfach meinem Schatz vorlesen. Sich kaputt lachen
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