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Der Anfang vom Ende


 

 
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hamza
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 12



BeitragVerfasst am: 27.05.2013 22:11    Titel: Der Anfang vom Ende eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Den Kopf auf beide Hände gestützt und tief in Gedanken versunken sass Julia auf der weissen Ledercouch im Wohnzimmer. Im Fernsehen lief still das Nachmittagsprogramm. Sie hatte ihn eingeschaltet und auf die Stummtaste gedrückt, so wie sie es immer machte, wenn sie allein sein, sich aber nicht einsam fühlen wollte.

Sie starrte am großen Flachbildschirm vorbei die weisse Wand an, als würde dort der Film laufen, den sie in ihren Gedanken betrachtete. Sie sah Michael, wie er in der belebten Fußgängerzone vor ihr kniete. Zwischen seinen Fingern glitzerte ein Diamantring. Dann folgte ein Szenenwechsel und sie sah, wie sie einsam am festlich gedeckten Esstisch saß, auf die immer kleiner werdende Flamme der Kerze starrend, von der nur noch ein kleiner Stummel übrig geblieben war. Es war ihr sechster Hochzeitstag. Sie hatte den ganzen Tag mit Kochen und Backen verbracht und obwohl ihr Magen knurrte stand sie auf, schüttete den Inhalt ihres Tellers in den Mülleimer, ging ins Schlafzimmer und legte sich schlafen.

Dann standen sie an der Eingangstür des Hauses von Michaels Eltern, er, vom Regen durchnässt, seine Jacke über ihren Kopf haltend, damit sie nicht nass wurde. Seine Eltern hatten sie sehr gemocht, besonders Klaus, Michaels Vater, schien in Julia die Tochter gefunden zu haben, die er sich jahrelang sehnlichst gewünscht hatte.

Ihr Handy vibrierte auf dem gläsernen Couchtisch und riss sie aus den Gedanken. Auf dem blinkenden Display leuchtete Michaels Foto auf. Julia starrte es an und machte kein Umstände, dran zu gehen. Im selben Moment klingelte es an der Tür. Nach einer kurzen Verwirrung stand Julia auf und öffnete sie. Lisa, ihre beste Freundin, stand ihr gegenüber und strahlte sie förmlich an. Trotz ihres Gemütszustands zwang sich Julia ein leichtes Lächeln heraus, wohl wissend, dass ihre schlechte Laune in Lisas Gesellschaft nicht lange halten konnte.

"Anziehen, Mitkommen", befahl Lisa. Julia machte ein langes Gesicht, doch sie wusste, dass es nichts bringen würde, Lisa zu widersprechen. Wenn es sein musste, würde Lisa sie anleinen und aus dem Haus zerren und Julia wusste das nur zu gut. Also nahm sie ohne Widerstand ihre Jacke von der Garderobe und ihre Schlüssel vom Anhänger und zog dir Tür hinter sich zu.
Auf dem Couchtisch leuchtete das Display ihres inzwischen verstummten Handys erneut auf: Sie haben eine neue Nachricht auf Ihrer Mailbox.

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Paradigma
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 50
Beiträge: 1087
Wohnort: Östlich von Westfalen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 27.05.2013 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich liebe Beziehungsgeschichten.

Ich will wissen, wie es weitergeht. Was verflixt ist in der Mailbox? Und wieso kommt Julia am Hochzeitstag ihrer Freundin einfach so vorbei geschneit?


_________________
Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner
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Nightflyer
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 37
Beiträge: 132



BeitragVerfasst am: 27.05.2013 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Sie sah Michael, wie er in der belebten Fußgängerzone vor ihr kniete. Zwischen seinen Fingern glitzerte ein Diamantring. Dann folgte ein Szenenwechsel und sie sah, wie sie einsam am festlich gedeckten Esstisch saß, auf die immer kleiner werdende Flamme der Kerze starrend, von der nur noch ein kleiner Stummel übrig geblieben war. Es war ihr sechster Hochzeitstag. Sie hatte den ganzen Tag mit Kochen und Backen verbracht und obwohl ihr Magen knurrte stand sie auf, schüttete den Inhalt ihres Tellers in den Mülleimer, ging ins Schlafzimmer und legte sich schlafen.


Sehr abrupte Szenenwechsel. Und selbst nach mehrmaligem Lesen ist mir nicht klar ob die Szene mit dem Diamantring ( Hochzeitsantrag mitten in der Fußgängerzone?) und dem einsam gedeckten Tisch am selben Tag statt fanden oder im Hier und Jetzt oder irgendwann dazwischen. Und es erschließt sich auch nicht warum er sie sitzen gelassen hatte.

Zitat:

Seine Eltern hatten sie sehr gemocht, besonders Klaus, Michaels Vater, schien in Julia die Tochter gefunden zu haben, die er sich jahrelang sehnlichst gewünscht hatte.

Hier hast du einem Perspektiv-wechsel zu seinem Vater hin drin, wenn du den Namen Julia drin lässt. Sie selbst weiß ja dass sie Julia heißt.

Seine Eltern hatten sie sehr gemocht. Besonders Klaus, Michaels Vater, schien in ihr die Tochter gefunden zu haben, die er sich jahrelang sehnlichst gewünscht hatte.

Den letzten Abschnitt finde ich wieder flüssig zum Lesen.

Freundliche Grüsse
Nighty


_________________
Jeder Tag verwelkt dahin wie die Blüte einer ausgedörrten Blume - doch der Wandel der Zeit ist der Sinn des Lebens.
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hamza
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 12



BeitragVerfasst am: 28.05.2013 22:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hmm, der Übergang scheint mir nicht gelungen zu sein.

Es sind Rückblicke. Julia ist in Gedanken versunken und denkt an die Zeiten zurück, die sie mit ihrem Mann verbrachte - mal gute, mal schlechte Erinnerungen. Und wie Gedanken so sind, gibt es abrupte Szenenwechsel. Es ist nicht ihr Hochzeitstag, an dem war sie ja spät ins Bett gegangen und eingeschlafen. Nun sitzt sie nur im Wohnzimmer und denkt zurück.
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hamza
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 12



BeitragVerfasst am: 12.06.2013 22:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das schöne Wetter hatte auch seinen Anteil daran, dass Julia sich schon etwas besser fühlte. Aber es war Lisa zu verdanken, dass ihre beste Freundin wieder ein Lächeln auf dem Gesicht hatte. Sie hatte Julia in die Stadt gefahren und beide saßen nun im Hintergarten des Cafe Del Piero und schlürften Cappucino aus ihren riesigen Tassen. Für einen Apriltag war es schon angenehm warm und Julia dachte sich, dass sie ihre Jacke gar nicht hätte mitnehmen müssen.

So typisch wie es für Lisa eben war, hatte sie die ganze Zeit über keine einzige Frage gestellt. Sie hatte auch nicht darauf gewartet, dass Julia von selbst etwas erzählte. Viel mehr hatte sie die Aufmerksamkeit Julias auf die vielen kleinen Dinge gelenkt, die um sie herum passierten. Ein Eichhörnchen, das unbeachtet der Menschenmenge auf einem Ast saß und an einer Nuss knabberte, oder das kleine Mädchen am Nebentisch, das ganz bewusst ihre Rassel auf den Boden fallen ließ und Gefallen an den paar Sekunden Aufmerksamkeit fand, die seine Mutter ihm schenkte. All dies, was man nur bemerkte, wenn man sich sonst mit nichts beschäftigte reichte ihr aus, um Julia von Gedanken abzulenken und ihr ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

Lisa brauchte auch gar nicht zu erfahren, was in letzter Zeit passiert war. Sie war schon mit Julia befreundet, als sie noch gar nicht mit Michael zusammen gewesen war, hatte diesem bei der Vorbereitung seines Heiratsantrags geholfen und war bei der Hochzeit auch ihre Trauzeugin. Und wieder war es Lisa, die ihre Blumen gegossen hatte, als sie in den Flitterwochen waren.

Auch die nächsten sechseinhalb Jahre war sie immer da, wenn Julia sie mal brauchte. Deshalb wusste sie, dass es mit Michael nicht mehr so gut lief und die beiden sich im letzten Dreivierteljahr auseinander gelebt hatten. Michaels Selbstständigkeit hatte einen Riss in ihre Ehe gebracht. Er arbeitete vierzehn Stunden am Tag und das an sechs Tagen in der Woche. Und der Erfolg, der der harten Arbeit folgte, schien ihm in letzter Zeit über den Kopf gewachsen zu sein. Dass er ihren sechsten Hochzeitstag vergessen hatte, hatte Julia ihm schon längst verziehen, ebenso dass er zwei Monate später an ihrem Geburtstag erst nachts um zwei ohne ein Geschenk nach Hause gekommen war. Aber auf Dauer wollte sie ein solches Zusammensein nicht mehr, wenn man es denn als Zusammensein bezeichnen konnte. Sie konnte einfach nicht mehr.

Und so tranken sie ihre Cappucinos aus und saßen noch eine Weile da. Lisa blödelte ein wenig herum und Julia schien alles vergessen zu wollen und sprach kein Wort über Michael oder ihre sonstigen Probleme. Nach etwa zwei Stunden standen sie auf und machten sich wieder auf den Weg.

Lisa hatte ihr noch angeboten, ins Kino zu gehen, zum Shoppen blieb nämlich keine Zeit mehr, weil die Läden schon um sechs schlossen, aber Julia hatte dankend abgelehnt. Sie wollte wieder nach Hause fahren. Michael hatte ihr versprochen, sie am Abend zum Essen auszuführen. Auch wenn sie nicht im geringsten glaubte, dass er sein Versprechen einlösen würde, wollte sie zu Hause sein und auf ihn warten.

"Ich weiss gar nicht, wie ich dir danken soll."
Lisa brachte ihren Wagen vor Julias und Michaels Haus zum Stehen. Ein silberner BMW fuhr hupend an ihnen vorbei und der Fahrer fuchtelte mit den Armen herum und schimpfte sie an. Lisa hatte wieder einmal vergessen zu blinken und hatte einfach angehalten, worauf der Hintere ihr fast aufgefahren wäre. Sie beachtete ihn gar nicht, sondern sah Julia an.
"Schätzchen, irgendwann lege ich mir auch mal einen Mann zu und sorge dafür, dass er nicht nach Hause kommt. Dann heule ich mich bei dir aus und wir sind quitt."
"Nein, das werde ich nicht zulassen", sagte Julia und öffnete die Beifahrertür, "ich werde dafür sorgen, dass nicht einmal eine männliche Fliege auf dir landet."
"Ach, da brauchst du dich gar nicht mal groß anzustrengen, das kann ich schon von Natur aus."
Julia lachte. Sie verabschiedeten sich und Julia ging nach Hause ohne darauf zu warten, dass Lisa losfuhr.

Sie schloss die Tür auf und ging ins Haus. Sie hängte ihre Jacke wieder in die Garderobe und wollte gerade ins Wohnzimmer gehen, da läutete die Türklingel.

"Schon gut schon gut, ich werde mich nicht in deine..." Julia brachte den Satz nicht zu Ende. Sie hatte Lisa erwartet, die ihr nachgekommen war, aber an der Tür standen zwei Polizisten.

"Frau Beckmann?" Der Beamte, der sie angesprochen hatte, wartete nicht darauf, dass Julia antwortete. "Sind Sie die Ehefrau von Michael Beckmann?"

Julia spürte, wie das Adrenalin in ihr hoch schoss. In dem Monent sah sie, wie Lisa im Hintergrund über den Vorgarten eilte und hinter den beiden Polizeibeamten stehen blieb. Mit ihren großen, braunen Augen sah sie voller Schreck zu Julia hinüber.

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