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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Mord aus zweiter Hand


 

 
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Adlerjunges
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 28
Beiträge: 15
Wohnort: Dülmen


BeitragVerfasst am: 17.04.2013 15:38    Titel: Mord aus zweiter Hand eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

verdammt lange ist es her, dass ich hier das letzte mal etwas gepostet habe. Hauptsächlich war mangelnde Zeit der Grund dafür. Da ich mittlerweile wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben finde, wollte ich mich nun mit einer für mich endlich mal mit einer kleinen Kurzgeschichte zurückmelden.
Sowohl die Gatttung Prosa an sich als auch das Genre Thriller sind eher untypisch für mich, weshalb ich diese Geschichte erst einmal in der Werkstatt verewige. Irgendwie hatte mich die Idee gepackt und ich könnte sie mir auch durchaus als Einleitung für einen Roman vorstellen. Bevor ich soetwas jedoch auch nur in Erwägung ziehe, hätte ich jedoch gerne allgemeine Kritik und Verbesserungsvorschläge an Idee und Stil.

Daher nun die Geschichte:
____________________________________________________________________________________

Mord aus zweiter Hand

Ein dicker Schweißtropfen rann von Andrews Stirn an seiner Nase herunter. Er blieb an seiner Nasenspitze hängen, wo er durch seinen immer schneller werdenden Atem drohte, hinabzufallen. In seinen Ohren rauschte und pochte es und auch seine Brust schien mit jedem harten Schlag seines Herzens fast zu platzen. Er war auf der Flucht – und das obwohl ihn niemand verfolgte. Noch nicht.

Wieso hatte er das getan? Hatte er es überhaupt getan? Er konnte sich an absolut nichts erinnern. Er hatte sich mit diesem Mann, Mr. Ferguson, getroffen, der interessiert war an Andrews neuer Photovoltaik-Technologie, die fast zehnmal effizienter, als die herkömmlicher Solarzellen war. Ferguson hatte ihm versprochen, dass es ein Meilenstein in der Energieversorgung der Welt werden und sie beide reich machen würde. Das Schimmern der Geldmünzen, die auf sie herab prasseln würden, würde mit seinen Solarzellen ihren ganzen Stromverbrauch decken können, hatte er gescherzt.
Andrew war nervös gewesen, als er dort ankam. So nervös, dass Ferguson gelacht und ihm einen Drink eingeschenkt hatte. Einen guten Single Malt, den Andrew unter normalen Umständen vielleicht zu schätzen gewusst hätte, aber in diesem Moment einfach runter spülte, um sich zu beruhigen. Danach erinnerte er sich an nichts mehr.
Von einer Sekunde zur anderen stand er mit einem blutüberzogenen Brieföffner in der Hand vor Fergusons mit Einstichwunden übersäten Leichnam. Dessen Mund war weit aufgerissen und seine Augen vor Entsetzen geweitet.

Zitternd schaute Andrew an sich hinab. Seine ganze Kleidung war blutverschmiert, genau wie seine Hände. Es bestand kein Zweifel: Er musste Ferguson umgebracht haben. Aber warum konnte er sich an nichts erinnern? Er hatte noch nie jemandem geschadet – geschweige denn, ihn umgebracht.
Irgendwas musste in dem Drink gewesen sein, dachte er sich. Nur konnte er sich bei bestem Willen nicht erklären, warum Ferguson wissentlich auf diese Weise seinen eigenen Tod herbeiführen wollen sollte.
Es ergab alles keinen Sinn. Doch eines war klar: Andrew musste hier weg und zwar schnell. Doch so konnte er nicht auf die Straße. Über einem Kleiderständer hinter Fergusons Schreibtisch hing ein frisch gebügeltes Hemd. Er zog seines aus, wischte sich zitternd die Hände damit sauber und nahm das saubere Hemd. Das Whiskyglas und den Brieföffner wickelte er in sein Hemd ein. Er hatte einmal in einem Krimifilm gesehen, dass ein Täter Tatwaffe und Fingerabdrücke stets versteckte. Er hatte allerdings auch gesehen, dass der Täter trotzdem immer überführt wurde.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er verließ das Büro, war kurz davor den Fahrstuhl zu benutzen und entschied sich dann doch, die Fluchttreppe zu nehmen. Das war sicherer, dachte er sich. Während er die Treppe herunterrannte, dachte er darüber nach, ob ihm im Büro irgendetwas Komisches aufgefallen war, bevor seine Gedächtnislücke eingesetzt hatte. Plötzlich fiel ihm dieser Mann ein, der in dem Fenster gegenüber gestanden hatte. Er hatte ihn gesehen, als er seine Jacke an dem Kleiderständer links vom Fenster aufgehängt hatte. Er war aber zu nervös gewesen, um sich über ihn zu wundern. Hatte der Mann sie beobachtet? Wenn ja, warum? Vielleicht hatte er all das verursacht.
Andrew sprang die letzten drei Stufen der Treppe mit einem Satz hinunter, stieß die Notausgangstür auf und stand nun auf der Straße. Keuchend beugte er sich vornüber und stützte die Arme auf die Knie. Das war alles zu viel für ihn. Es konnte einfach nicht real sein. Gleich würde er zu Hause, schweißgebadet in seinem Bett aufwachen und merken, dass alles nur ein Traum war.
Zu Hause... Er musste dort hin. Seine Sachen packen und das Land verlassen -  weit weg nach Kanada oder vielleicht Europa. Da würde ihn wohl keiner suchen. Er fand sein Auto an der Straße, stieg ein, warf das Hemd auf den Rücksitz und startete den Motor. Seine Hände zitterten am Lenkrad. Auf einem paranoid anmutenden, ziemlich umständlichen Weg fuhr er zu seinem Apartment im Herzen Richmonds.
Dort angekommen, parkte er sein Auto einfach im Parkverbot. Sollte man ihm ruhig einen Strafzettel geben. Morgen würde niemand  mehr wissen, wo er die Mahnungen hinschicken sollte.

Oben in seiner Wohnung, begann er wahllos Sachen aus den Schränken zu räumen und in den einzigen Koffer, den er besaß, zu werfen. Er hatte absolut keine Ahnung, was er brauchte. Als er auf das Chaos in seinem Koffer blickte, sank er auf dem Boden zusammen und vergrub die Hände im Gesicht. Er würde das nie durchziehen können. Er war nicht der Typ dafür. Er war all dem einfach nicht gewachsen. Aber stellen konnte er sich auch nicht. Bei der Brutalität, die er dem Mann gegenüber gezeigt haben musste, würde er bestimmt die Giftspritze bekommen.
Er blickte auf und sah die Flasche Scotch auf dem Wohnzimmertisch stehen. Ein Glas stand noch von gestern Abend daneben. Er stand auf, schenkte sich ein Glas ein und trat ans Fenster. Auf den Straßen war es ruhig. Kein Wunder, war es ja schon zwei Uhr nachts. Vereinzelt brannte noch Licht in den Fenstern der Hochhäuser, doch der Großteil der Stadt schlief. Nichts deutete darauf hin, dass ihn jemand verfolgte. Wie sollte es auch anders sein, dachte er sich. Den Mann hatte schließlich bestimmt noch niemand gefunden und vor Anbruch des Tages würde sich das wohl auch nicht ändern. Vermutlich würde niemand ihn auch nur mit der Tat in Verbindung bringen. Das Treffen mit Ferguson war schließlich geheim gewesen. Ein wenig erleichtert atmete er durch und nahm einen Schluck aus seinem Glas, während er auf eine der Straßenlaternen unten starrte. Daneben stand ein Mann, der offensichtlich zu ihm hochblickte. Einen Sekundenbruchteil später wurde ihm wieder schwarz vor Augen.

Als er aufwachte, hatte er Schmerzen am ganzen Körper und sein Atem ging sehr schwer. Der Mann von vorhin stand über ihn gebeugt und lächelte ihn an. Es war auch der Mann, der das Treffen beobachtet hatte, wurde ihm nun bewusst.
„Sie sind bei Bewusstsein, Mr. Johnson, wie schön! Ich hatte schon befürchtet, ich könnte mich nicht mehr gebührend von Ihnen verabschieden.“ Das Lächeln des Mannes wurde breiter und verabscheuungswürdiger. „Sie haben hervorragend mitgemacht, das muss man sagen. Ich würde Ihnen wirklich gerne die Hand schütteln, aber dann hätten wir uns unser kleines Unterfangen heute Abend wahrlich sparen können.“
Andrew versuchte sich aufzusetzen, aber seine Arme versagten ihm den Dienst. Überhaupt alle Gliedmaßen schienen das langsam zu tun.
„Nicht doch, Mr. Johnson. Sparen Sie ihre Kräfte. Es gibt keinen Grund mehr, aufzustehen. In ein paar Minuten ist alles vorbei.“
Vorbei? Was meinte der Mann? Unter Schmerzen blickte er an sich herunter. Sein ganzer Brustkorb war mit Einstichwunden übersäht und Blut sickerte unaufhörlich aus jeder einzelnen.
„Beachtlich, nicht wahr? Das waren Sie! Sie sind wirklich perfekt auf unser kleines Experiment angesprungen. Sie haben unsere Erwartungen sogar übertroffen. Wie Sie Mr. Ferguson für uns liquidiert haben – fabelhaft! Eine kleine Menge unseres Präparats reichte bei Ihnen schon aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Das war ein sehr hilfreiches Testergebnis.“
„Wer…sind…sie?“, keuchte er mit letzter Kraft. Blut sammelte sich in seinem Mund.
„Oh, wo sind nur meine Manieren? Nun, ich bin Mitarbeiter einer Firma, die experimentelle Präparate für das Militär herstellt. Weder mein Name, noch der Name meiner Firma wird ihnen wirklich helfen, wo sie gleich sterben werden, aber ich kann ihnen zumindest sagen, was der Grund für ihren Zustand ist. Ich denke, das ist nur fair.“ Er griff in seine Westentasche und holte eine kleine, unscheinbare Kapsel heraus. „Wir haben ihnen dieses Präparat gegeben. Es macht einen Menschen zu einem rasenden Mörder und lässt ihn den ersten Menschen umbringen, den er finden kann. Wie Sie sicherlich schon gemerkt haben dürften, wird es durch Alkohol aktiviert und sorgt dafür, dass sich der Proband später nicht mehr an seine Tat erinnern kann. Mr. Ferguson war ebenfalls nur ein Testobjekt. Wir brauchten ja ein Opfer. Er war bis zu einem gewissen Grad eingeweiht und dazu angehalten, ihnen Alkohol anzubieten. Natürlich wusste er nicht, welche Konsequenzen das für ihn haben würde.“ Er lachte. „So konnten wir sie, ohne uns die Hände schmutzig zu machen, zu einem Mord anstiften. Ist das nicht wunderbar? Und nun haben sie uns sogar den Rest der Arbeit abgenommen, indem sie erneut Alkohol zu sich nahmen, bevor das Präparat in ihrem Körper abgebaut wurde. Schließlich waren Sie der einzige Mensch im Raum. Einfach grandios. Wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet, Mr. Johnson. Ich wünsche ihnen eine angenehme Reise!“
Er hörte noch, wie der Mann den Raum verließ, dann wurde ihm abermals schwarz vor Augen – und es wurde nie wieder hell.



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Ich bin ein Denker und ein Lenker,
ein Freigeist und ein Ignorant,
Behüter und Schutzbefohlener zugleich.
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i-Punkt
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 42
Beiträge: 515
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BeitragVerfasst am: 18.04.2013 10:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ich liebe Thriller und Krimis. Aber ich bin etwas eigen, was für mich glaubwürdig ist. Im ersten Moment bin ich geneigt zu sagen, diese Pille in der "Auflösung" hinterlässt mich enttäuscht und etwas verärgert.

Kann sein, dass ich da zu altmodisch bin, aber ich habe es gerade in diesem Genre gerne technisch und psychologisch nachvollziehbar - auch für mich mit meinem Hausfrauenwissen. Vielleicht hast du ja eine überzeugende Erklärung für die Wirkungsweise der Pille. Aber so erscheint sie mir wie ein Taschenspielertrick, um eine Auflösung herbeizuführen, ohne sie aus der Geschichte zu entwickeln. Hokus-Pokus - eine Pille führt eine bestimmte Verhaltensweise (gegen den Willen und Charakter des Handelnden) herbei.

Sonst kommt durchaus eine gewisse Spannung auf. Allerdings sind mir manche Details zu viel oder führen mich gedanklich auf Abwege zu weit jenseits der Geschichte.

Falls du Interesse an konkreten Beispielen hast, wie ich als durchschnittlich dämliche Leserin den Text lese ... (Selbstverständlich zerpflückt beim normalen Lesen kein Mensch so einzelne Formulierungen. Aber in der Werkstatt finde ich das legitim, ganz korinthenkackerisch im Zweifelsfall mal jede Formulierung auf die Goldwaage zu legen und das Gewicht von "abschlachten" gegenüber "Tod herbeiführen" aufzuwiegen.)

Zitat:
Ein dicker Schweißtropfen rann von Andrews Stirn an seiner Nase herunter. Er blieb an seiner Nasenspitze hängen, wo er durch seinen immer schneller werdenden Atem drohte, hinabzufallen. In seinen Ohren rauschte und pochte es und auch seine Brust schien mit jedem harten Schlag seines Herzens fast zu platzen. Er war auf der Flucht

Okay, der Schweißtropfen ... sich erweiternde Perspektive statt "da rennt einer" - so schön, so gut. Aber dann fange ich an, zu schnüffeln und auszuprobieren, wie stark sich dabei wohl meine Nase bewegt und ob das einen Tropfen abschütteln könnte und komme darüber zur Überzeugung, dass das Wackeln meiner Schnüffelnase bei einer solchen Flucht vermutlich die geringste Be"drohung" für einen Schweißtropfen ist, zumal ich (weil ich so untrainiert bin?) wohl eher durch den Mund atmen (keuchen?) würde. Viel zu viel gedankliche Ablenkung durch unnötige Details für mich von der Tatsache (Show hin, Tell her), dass da jemand rennt.

Zitat:
– und das obwohl ihn niemand verfolgte. Noch nicht.

Aber okay, das verspricht: es ist was Schlimmes passiert und es wird noch spannend. Also bleibe ich dabei. Wink

Zitat:
Er hatte sich mit diesem Mann, Mr. Ferguson, getroffen, der interessiert war an Andrews neuer Photovoltaik-Technologie, die fast zehnmal effizienter, als die herkömmlicher Solarzellen war. Ferguson hatte ihm versprochen, dass es ein Meilenstein in der Energieversorgung der Welt werden und sie beide reich machen würde. Das Schimmern der Geldmünzen, die auf sie herab prasseln würden, würde mit seinen Solarzellen ihren ganzen Stromverbrauch decken können, hatte er gescherzt.

Wenn er weiß, dass sein "Termin" Mr. Ferguson hieß, würde er wohl nicht von ihm als "dieser Mann" denken. Die Solartechnik hat mich trotz erwiesener Technik-Feindlichkeit und -Unfähigkeit wieder angefixt, da ein Energiewirtschafts-Thriller irgendwie nicht schlecht klingt für mich. Schade, dass das für die Geschichte, so wie sie jetzt da steht, am Ende gar keine Rolle spielt und der Protagonist ein rein zufällig ausgewähltes Versuchskaninchen zu scheint scheint.

Zitat:
Von einer Sekunde zur anderen stand er mit einem blutüberzogenen Brieföffner in der Hand vor Fergusons mit Einstichwunden übersäten Leichnam.

So ein dramatischer Moment und so ein statisches Bild. "Blutüberzogen" klingt seltsam sauber und präzise (eine Sachertorte mit gleichmäßiger Glasur ist schokoüberzogen) für eine Mordwaffe, an der Blut und Gewebefetzen hängen nach einer solchen Metzelei. Auch der "übersäte Leichnam" müsste (Vorsicht, Kalauer!) noch nicht so steif sein.

Zitat:
Irgendwas musste in dem Drink gewesen sein, dachte er sich. Nur konnte er sich bei bestem Willen nicht erklären, warum Ferguson wissentlich auf diese Weise seinen eigenen Tod herbeiführen wollen sollte.

Das "dachte er" finde ich bei dieser kompletten Innenansicht des Protagonisten überflüssig und hinderlich. Tod herbeiführen ist eine eigenartig trocken verwaltungsmäßige Formulierung für diese Situation und einen aufgelösten "Mörder".

Zitat:
Er zog seines aus, wischte sich zitternd die Hände damit sauber und nahm das saubere Hemd. Das Whiskyglas und den Brieföffner wickelte er in sein Hemd ein. Er hatte einmal in einem Krimifilm gesehen, dass ein Täter Tatwaffe und Fingerabdrücke stets versteckte. Er hatte allerdings auch gesehen, dass der Täter trotzdem immer überführt wurde.

Die Wortwiederholung lässt sich einfach vermeiden, wenn er die Hände nur abwischt - sauber werden sie so vermutlich eh nicht. Die folgenden Erklärungen finde ich einfach nur überflüssig. Das weiß nun wirklich jeder. Selbst bei einem, der "noch nie jemandem geschadet hat", musst du nicht erklären, dass er mal einen Krimi gesehen hat und daher Kenntnis von der verblüffenden neuen Technik namens Fingerabdruck-Analyse gehört hat.

Zitat:
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

Okay, stört mich nicht wirklich - jeder greift mal zu abgeschmackten Formulierungen wie "strahlender Sonnenschein" und "abgerechnet wird unter dem Strich" und das Phrasenschwein will auch leben. Aber falls dir was Neues für dieses Gefühl einfällt, noch schöner Wink

Zitat:
Das war sicherer, dachte er sich.

Cool

Zitat:
Er hatte ihn gesehen, als er seine Jacke an dem Kleiderständer links vom Fenster aufgehängt hatte.

Das "links vom Fanster" stört mich. Klar, du willst wahrscheinlich sagen, dass deshalb zufällig sein Blick aus dem Fenster fiel. Aber alte Who-Dunit-Leser wie ich fragen sich vielleicht, ob da ein versteckter Hinweis in dieser überflüssig genauen Erklärung ist und geraten wieder gedanklich auf Abwege. Ist das also ein zweiter Kleiderständer? Ein anderer als der mit dem sauberen Hemd? Hat das Hemd eine Bedeutung? War die Flucht des Protagonisten Teil der Verschwörung gegen ihn und hing deshalb das Hemd da und haben die/der Kleiderständer eine tiefere Bedeutung. (Klar, falsche Fährten gehören dazu. Aber keine Seifenblasen-Fährten aus ungeschickten Formulierungen, sondern reelle Alternativen.)

Zitat:
Hatte der Mann sie beobachtet? Wenn ja, warum? Vielleicht hatte er all das verursacht.

Ich glaube, da hat dein Protagonist jetzt zu viel Hintergrundwissen. Dass ein Mann einen Mord im Haus gegenüber aus der Entfernung "verursacht", ist ja (ohne Wunderpille) schwer vorstellbar. Aber "was damit zu tun" könnte er haben

Zitat:
Auf einem paranoid anmutenden, ziemlich umständlichen Weg fuhr er zu seinem Apartment im Herzen Richmonds.
Dort angekommen, parkte er sein Auto einfach im Parkverbot. Sollte man ihm ruhig einen Strafzettel geben. Morgen würde niemand mehr wissen, wo er die Mahnungen hinschicken sollte.

Auch dieser Absatz geht etwas weniger umständlich aber gleichbleibend paranoid, wenn der Fahrer immer wieder den Rückspiegel kontroliert und sich fast verfährt auf dem Heimweg oder sein Navi in den Neuberechnungs-Wahnsinn treibt. (Tatsächlich drücken wohl viele Menschen selbst auf dem kürzesten Heimweg dauernd automatisch "nach Hause" und fahren mit Navi  Confused ) Auch die Strafzettelüberlegung ist fast schon für die schriftliche Stellungnahme beim Ordnungsamt formuliert. In seinem Zustand stelle ich mir die Überlegung eher im Stil so vor: Scheiß auf den Strafzettel. Wenn die Mahnung eintrudelte, wäre er längst über alle Berge.

Zitat:
Ein Glas stand noch von gestern Abend daneben. Er stand auf, schenkte sich ein Glas ein und trat ans Fenster.

Ja, ich weiß, ich lese zuviel rein. Aber der hat sich tasächlich schon vor seinem Geschäftstermin Mut angetrunken. An der Stelle frage ich mich: Haben wir hier vielleicht einen Alkoholiker? Davon abgesehen, war er ja wohl schon vor dem Termin "medikamentiert" und man musste die Wirkung nur noch durch Alkohol auslösen. Der kleine "Mut-Antrinker" hätte dann ja schon am Vorabend tödlich ausgehen müssen.

Zitat:
Ich würde Ihnen wirklich gerne die Hand schütteln, aber dann hätten wir uns unser kleines Unterfangen heute Abend wahrlich sparen können.“

Warum kann er ihm nicht die Hand schütteln? Was würde das an dem "Versuch" verändern?

Zitat:
Sein ganzer Brustkorb war mit Einstichwunden übersäht und Blut sickerte unaufhörlich aus jeder einzelnen.

Ich möchte behaupten, dass der Bauchraum bei Selbstmord durch Erstechen das "natürlichere" Ziel wäre, da man da besser ausholen kann. Probier's mal.

Zitat:
Es macht einen Menschen zu einem rasenden Mörder und lässt ihn den ersten Menschen umbringen, den er finden kann.

Warum nur den ersten? Raserei müsste ihn doch dazu bringen, wahllos alle umzubringen, die sich in seiner Nähe aufhalten. Da wird die Pille sonst noch viel unglaubwürdiger, wenn sie auf der einen Seite zur mörderischen Raserei enthemmt und auf der anderen Seite genau und sehr rational ein Opfer auswählen lässt. Die Frage ist ja ohnehin, wie die Pille wirkt, damit es annähernd glaubwürdig wird. Enthemmt sie nur? Das würde ja voraussetzen, dass der Mensch (sogar so ein Lieberle wie dein Protagonist) ohne Hemmungen sofort wahllos mordete. Oder haben die Forscher einen ominösen Botenstoff entdeckt der Mordlust auslöst und künstlich produziert werden kann? Oder eine bestimmte Hirnregion, die man irgendwie stimulieren kann? Wenn es schon eine Wunderpille gibt, dann will ich wenigstens eine pseudo-wissenschaftliche Erklärung.

Zitat:
Schließlich waren Sie der einzige Mensch im Raum. Einfach grandios. Wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet, Mr. Johnson. Ich wünsche ihnen eine angenehme Reise!“

Hier wieder da Problem mit exakt einem Opfer. Denn wenn die Pille dazu führt, dass der "Probant" alles Leben auslöschen will, hätte er sich ja schon beim ersten "Anfall" mit ermorden müssen. Oder war das beim zweiten Mal ein Sonderfall, weil kein anderer da war um den chemisch ausgelösten Blutrausch zu stillen? Überrascht diese Wirklungsweise vielleicht sogar den Hersteller? Wie gesagt, die Festlegung auf genau ein Opfer finde ich absolut nicht ohne Zauberei erklärbar.

LG,
I.


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Adlerjunges
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BeitragVerfasst am: 18.04.2013 10:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo I-Punkt,

vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast! smile
Das sind wirklich einige hilfreiche Verbesserungsvorschläge, die du mir da gegeben hast. Besonders die Wirkweise des Präparats hat mich auch ein wenig gestört. Ich werde mir da noch etwas glaubwürdigeres einfallen lassen müssen. Besonders dann, wenn ich daraus wirklich ein Buch oder zumindest eine Geschichtensammlung machen möchte.
Bei manchen deiner Hinweise merke ich dann wieder, dass das Genre "Thriller" noch völliges Neuland für mich ist. Über solche Dinge wie den Schweißtropfen oder die Lage der selbstzugefügten Wunden hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht. Umso mehr freue ich mich über die Denkanstöße  Wink

Ich hoffe, im Laufe des Wochenendes eine Überarbeitung zu schaffen.

Viele Grüße und Dank
Adlerjunges


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Gamone
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BeitragVerfasst am: 18.04.2013 11:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Adlerjunges!

Also für mich (mit mittlerer Konzentrationsfähigkeit) liest sich Dein Text etwas schwierig durch die vielen Schachtelsätze.
Auch die Auflösung finde ich sehr phantastisch. Aber ich mag Dinge, die gar nicht so sein können, deshalb mag ich auch die Idee.
Nur, wenn Du es „ernsthaft“ haben möchtest, musst Du das ein wenig umformulieren und die Pille realistischer machen.
Denkanstöße hast Du ja schon bekommen, da warte ich gerne auf die überarbeitete Fassung!

Liebe Grüße


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... du solltest öfters vom Dach springen ...
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Gamone
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BeitragVerfasst am: 18.04.2013 11:50    Titel: Antworten mit Zitat

Doppelt geklickt - sorry  Crying or Very sad

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Loewe
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BeitragVerfasst am: 19.04.2013 08:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Adlerjunges,

tolle Atmosphäre hast du da erschaffen und wortgewandt bist du auch. Die Pille, die durch Alkohol aktiviert wird, ist ein guter Einfall. Habe nur ein paar kleine Anmerkungen:

Zitat:
Andrew war nervös gewesen, als er dort ankam.

Diese doppelte Vergangenheit (plusquamperfekt?) finde ich furchtbar. Reicht nicht: Andrew ist nervös gewesen/war nervös. ?

Zitat:
Er blieb an seiner Nasenspitze hängen, wo er durch seinen immer schneller werdenden Atem drohte, hinabzufallen.

Hinter "wo er" fehlt noch ein Komma, falls du den Satz so stehen lässt. Ich würde ihn jedoch anders formulieren, er wirkt wie Kaugummi. So?: Er blieb an seiner Nasenspitze hängen, doch drohte durch seinen unruhigen Atem hinab zu fallen.

Zitat:
Er konnte sich an absolut nichts erinnern.

Ist das absolutnicht zu viel? Wenn man sich an nichts erinnern kann, gibt doch keine negative Steigerung mehr.

Zitat:
der interessiert war an Andrews neuer Photovoltaik-Technologie

Hier gefällt mir die Satzstellung nicht. Lieber so: .. der an Andrews neuer Photovoltaik-Technoligie interessiert war.

Zitat:
Er musste Ferguson umgebracht haben.

Da haper ich wieder mit der Zeit. Er .muss
Ferguson umgebracht haben.

Das wär's. Ich würde eventuell früher erwähnen, dass er in Fergusons Büro steht. Das war mir nicht bewusst. So eine dunkle Büro Atmosphäre kann spannend sein.

gruß
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Yve
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BeitragVerfasst am: 19.04.2013 09:11    Titel: Antworten mit Zitat

Wow. Ich habe den Thriller gelesen und Gänsehaut bekommen. Ich war so auf das Lesen fixiert, dass mich nichts ablenken konnte.

Ich fand den Text sehr gut und ich habe überhaupt nicht gemerkt, dass du eine längere Zeit gar nichts geschrieben hast.

Naja auf meine Kritik sollte man nicht so viel geben, da ich auch nicht lange schreibe. Aber nochmals, dein TExt hat mich echt in den Bann gezogen. Gibt es noch mehr?

LG


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Loewe
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BeitragVerfasst am: 19.04.2013 09:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Naja auf meine Kritik sollte man nicht so viel geben, da ich auch nicht lange schreibe.


Sag sowas doch nicht. Er/Sie will doch den Leser erreichen. Da zählt jede Meinung.  Wink
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Yve
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BeitragVerfasst am: 19.04.2013 11:16    Titel: Antworten mit Zitat

Das war auch gar nicht negativ gemeint.. Der Text ist ja trotzdem Super..
Ich habe mich ein wenig falsch ausgedrückt. Als Anfänger habe ich nicht so viel Ahnung trotzdem gefällt es mir smile


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Piratin
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BeitragVerfasst am: 19.04.2013 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Adlerjunges,

vieles wurde schon gesagt und den meisten Punkten schließe ich mich an.
Eines sehe ich aber anders:
Zitat:
Er blieb an seiner Nasenspitze hängen, wo er durch seinen immer schneller werdenden Atem drohte, hinabzufallen.
Ich hatte hier das Bild eines schnaufenden Protas vor mir und der Tropfen droht zu fallen, weil sein Brustkorb und die Schultern sich beim Atmen heftig heben und senken und deshalb der Kopf sich mit bewegt.

Ich fnde die Idee der Pille klasse und wenn Du ein wenig im Internet stöberst, kannst Du sicherlich eine Hirnregion ausmachen, auf die ein bestimmter Botenstoff, der mittels Alkohol aktiviert wird, eine nicht mehr kontrollierbare Reaktion auslöst. Einmal den Mord begangen lösen die Stoffe die Belohnungszentrums die Aufhebung der Mordlust aus. Ich denke, dass kriegt man glaubhaft hin.
Und wenn sich dann später noch herausstellt, dass einer der "Verursacher" sein ganzes privates Geld in eine andere Solarforschungsfirma gesteckt hat und deshalb der Prota und Ferguson heimlich von ihm als "zufälliges" Opfer ausgewählt wurde, dann bekommt der Thriller eine zweite Erzählebene.
Liebe Grüße
Piratin


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Adlerjunges
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BeitragVerfasst am: 19.04.2013 12:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank euch dreien für die Anstöße und das Lob!
Das motiviert mich auf jeden Fall, diese Fassung zu überarbeiten.

@Yve:
Leider gibt es noch keine weiteren Geschichten dieser Art. Ich habe noch ein paar andere Geschichten geschrieben und schreibe parallel auch noch an zwei Romanen (viel zu viel, ich weiß  Rolling Eyes ), die jedoch beide in den Bereich Fantasy einzuordnen sind. Wenn ich diese hier überarbeitet habe, folgt aber vielleicht mehr  Wink

P.S.: Stimme Loewe zu. Mir ist jede Meinung wichtig Wink

@Piratin:
Ja, was die Wirkweise anbelangt, wird es wohl etwas in der Art werden. Ich werde mir heute oder morgen mal den Kopf darüber zerbrechen und dann auch den Rest der Geschichte überarbeiten. Was die Technologie angeht, habe ich durchaus vor, das aufzugreifen.Das wird allerdings vermutlich erst in späteren Geschichten, bzw. im späteren Fortschritt des Romans geschehen. Wie bereits gesagt, bin ich mir ja noch nicht sicher, ob ich daraus nur eine zusammenhängende Geschichtensammlung oder einen ganzen Roman machen soll.

Liebe Grüße
Adlerjunges


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NathanButler
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BeitragVerfasst am: 16.12.2013 18:13    Titel: Re: Mord aus zweiter Hand Antworten mit Zitat

Adlerjunges hat Folgendes geschrieben:
Hallo zusammen,

verdammt lange ist es her, dass ich hier das letzte mal etwas gepostet habe. Hauptsächlich war mangelnde Zeit der Grund dafür. Da ich mittlerweile wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben finde, wollte ich mich nun mit einer für mich endlich mal mit einer kleinen Kurzgeschichte zurückmelden.
Sowohl die Gatttung Prosa an sich als auch das Genre Thriller sind eher untypisch für mich, weshalb ich diese Geschichte erst einmal in der Werkstatt verewige. Irgendwie hatte mich die Idee gepackt und ich könnte sie mir auch durchaus als Einleitung für einen Roman vorstellen. Bevor ich soetwas jedoch auch nur in Erwägung ziehe, hätte ich jedoch gerne allgemeine Kritik und Verbesserungsvorschläge an Idee und Stil.

Daher nun die Geschichte:
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[u]Mord aus zweiter Hand


Ein dicker Schweißtropfen rann von Andrews Stirn an seiner Nase herunter. Er blieb an seiner Nasenspitze hängen, wo er durch seinen immer schneller werdenden Atem drohte, hinabzufallen. In seinen Ohren rauschte und pochte es und auch seine Brust schien mit jedem harten Schlag seines Herzens fast zu platzen. Er war auf der Flucht – und das obwohl ihn niemand verfolgte. Noch nicht.

Wieso hatte er das getan? Hatte er es überhaupt getan? Er konnte sich an absolut nichts erinnern. Er hatte sich mit diesem Mann, Mr. Ferguson, getroffen, der interessiert war an Andrews neuer
Solarmodule-Technologie, die fast zehnmal effizienter, als die herkömmlicher Solarzellen war. Ferguson hatte ihm versprochen, dass es ein Meilenstein in der Energieversorgung der Welt werden und sie beide reich machen würde. Das Schimmern der Geldmünzen, die auf sie herab prasseln würden, würde mit seinen Solarzellen ihren ganzen Stromverbrauch decken können, hatte er gescherzt.
Andrew war nervös gewesen, als er dort ankam. So nervös, dass Ferguson gelacht und ihm einen Drink eingeschenkt hatte. Einen guten Single Malt, den Andrew unter normalen Umständen vielleicht zu schätzen gewusst hätte, aber in diesem Moment einfach runter spülte, um sich zu beruhigen. Danach erinnerte er sich an nichts mehr.
Von einer Sekunde zur anderen stand er mit einem blutüberzogenen Brieföffner in der Hand vor Fergusons mit Einstichwunden übersäten Leichnam. Dessen Mund war weit aufgerissen und seine Augen vor Entsetzen geweitet.

Zitternd schaute Andrew an sich hinab. Seine ganze Kleidung war blutverschmiert, genau wie seine Hände. Es bestand kein Zweifel: Er musste Ferguson umgebracht haben. Aber warum konnte er sich an nichts erinnern? Er hatte noch nie jemandem geschadet – geschweige denn, ihn umgebracht.
Irgendwas musste in dem Drink gewesen sein, dachte er sich. Nur konnte er sich bei bestem Willen nicht erklären, warum Ferguson wissentlich auf diese Weise seinen eigenen Tod herbeiführen wollen sollte.
Es ergab alles keinen Sinn. Doch eines war klar: Andrew musste hier weg und zwar schnell. Doch so konnte er nicht auf die Straße. Über einem Kleiderständer hinter Fergusons Schreibtisch hing ein frisch gebügeltes Hemd. Er zog seines aus, wischte sich zitternd die Hände damit sauber und nahm das saubere Hemd. Das Whiskyglas und den Brieföffner wickelte er in sein Hemd ein. Er hatte einmal in einem Krimifilm gesehen, dass ein Täter Tatwaffe und Fingerabdrücke stets versteckte. Er hatte allerdings auch gesehen, dass der Täter trotzdem immer überführt wurde.
Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er verließ das Büro, war kurz davor den Fahrstuhl zu benutzen und entschied sich dann doch, die Fluchttreppe zu nehmen. Das war sicherer, dachte er sich. Während er die Treppe herunterrannte, dachte er darüber nach, ob ihm im Büro irgendetwas Komisches aufgefallen war, bevor seine Gedächtnislücke eingesetzt hatte. Plötzlich fiel ihm dieser Mann ein, der in dem Fenster gegenüber gestanden hatte. Er hatte ihn gesehen, als er seine Jacke an dem Kleiderständer links vom Fenster aufgehängt hatte. Er war aber zu nervös gewesen, um sich über ihn zu wundern. Hatte der Mann sie beobachtet? Wenn ja, warum? Vielleicht hatte er all das verursacht.
Andrew sprang die letzten drei Stufen der Treppe mit einem Satz hinunter, stieß die Notausgangstür auf und stand nun auf der Straße. Keuchend beugte er sich vornüber und stützte die Arme auf die Knie. Das war alles zu viel für ihn. Es konnte einfach nicht real sein. Gleich würde er zu Hause, schweißgebadet in seinem Bett aufwachen und merken, dass alles nur ein Traum war.
Zu Hause... Er musste dort hin. Seine Sachen packen und das Land verlassen -  weit weg nach Kanada oder vielleicht Europa. Da würde ihn wohl keiner suchen. Er fand sein Auto an der Straße, stieg ein, warf das Hemd auf den Rücksitz und startete den Motor. Seine Hände zitterten am Lenkrad. Auf einem paranoid anmutenden, ziemlich umständlichen Weg fuhr er zu seinem Apartment im Herzen Richmonds.
Dort angekommen, parkte er sein Auto einfach im Parkverbot. Sollte man ihm ruhig einen Strafzettel geben. Morgen würde niemand  mehr wissen, wo er die Mahnungen hinschicken sollte.

Oben in seiner Wohnung, begann er wahllos Sachen aus den Schränken zu räumen und in den einzigen Koffer, den er besaß, zu werfen. Er hatte absolut keine Ahnung, was er brauchte. Als er auf das Chaos in seinem Koffer blickte, sank er auf dem Boden zusammen und vergrub die Hände im Gesicht. Er würde das nie durchziehen können. Er war nicht der Typ dafür. Er war all dem einfach nicht gewachsen. Aber stellen konnte er sich auch nicht. Bei der Brutalität, die er dem Mann gegenüber gezeigt haben musste, würde er bestimmt die Giftspritze bekommen.
Er blickte auf und sah die Flasche Scotch auf dem Wohnzimmertisch stehen. Ein Glas stand noch von gestern Abend daneben. Er stand auf, schenkte sich ein Glas ein und trat ans Fenster. Auf den Straßen war es ruhig. Kein Wunder, war es ja schon zwei Uhr nachts. Vereinzelt brannte noch Licht in den Fenstern der Hochhäuser, doch der Großteil der Stadt schlief. Nichts deutete darauf hin, dass ihn jemand verfolgte. Wie sollte es auch anders sein, dachte er sich. Den Mann hatte schließlich bestimmt noch niemand gefunden und vor Anbruch des Tages würde sich das wohl auch nicht ändern. Vermutlich würde niemand ihn auch nur mit der Tat in Verbindung bringen. Das Treffen mit Ferguson war schließlich geheim gewesen. Ein wenig erleichtert atmete er durch und nahm einen Schluck aus seinem Glas, während er auf eine der Straßenlaternen unten starrte. Daneben stand ein Mann, der offensichtlich zu ihm hochblickte. Einen Sekundenbruchteil später wurde ihm wieder schwarz vor Augen.

Als er aufwachte, hatte er Schmerzen am ganzen Körper und sein Atem ging sehr schwer. Der Mann von vorhin stand über ihn gebeugt und lächelte ihn an. Es war auch der Mann, der das Treffen beobachtet hatte, wurde ihm nun bewusst.
„Sie sind bei Bewusstsein, Mr. Johnson, wie schön! Ich hatte schon befürchtet, ich könnte mich nicht mehr gebührend von Ihnen verabschieden.“ Das Lächeln des Mannes wurde breiter und verabscheuungswürdiger. „Sie haben hervorragend mitgemacht, das muss man sagen. Ich würde Ihnen wirklich gerne die Hand schütteln, aber dann hätten wir uns unser kleines Unterfangen heute Abend wahrlich sparen können.“
Andrew versuchte sich aufzusetzen, aber seine Arme versagten ihm den Dienst. Überhaupt alle Gliedmaßen schienen das langsam zu tun.
„Nicht doch, Mr. Johnson. Sparen Sie ihre Kräfte. Es gibt keinen Grund mehr, aufzustehen. In ein paar Minuten ist alles vorbei.“
Vorbei? Was meinte der Mann? Unter Schmerzen blickte er an sich herunter. Sein ganzer Brustkorb war mit Einstichwunden übersäht und Blut sickerte unaufhörlich aus jeder einzelnen.
„Beachtlich, nicht wahr? Das waren Sie! Sie sind wirklich perfekt auf unser kleines Experiment angesprungen. Sie haben unsere Erwartungen sogar übertroffen. Wie Sie Mr. Ferguson für uns liquidiert haben – fabelhaft! Eine kleine Menge unseres Präparats reichte bei Ihnen schon aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Das war ein sehr hilfreiches Testergebnis.“
„Wer…sind…sie?“, keuchte er mit letzter Kraft. Blut sammelte sich in seinem Mund.
„Oh, wo sind nur meine Manieren? Nun, ich bin Mitarbeiter einer Firma, die experimentelle Präparate für das Militär herstellt. Weder mein Name, noch der Name meiner Firma wird ihnen wirklich helfen, wo sie gleich sterben werden, aber ich kann ihnen zumindest sagen, was der Grund für ihren Zustand ist. Ich denke, das ist nur fair.“ Er griff in seine Westentasche und holte eine kleine, unscheinbare Kapsel heraus. „Wir haben ihnen dieses Präparat gegeben. Es macht einen Menschen zu einem rasenden Mörder und lässt ihn den ersten Menschen umbringen, den er finden kann. Wie Sie sicherlich schon gemerkt haben dürften, wird es durch Alkohol aktiviert und sorgt dafür, dass sich der Proband später nicht mehr an seine Tat erinnern kann. Mr. Ferguson war ebenfalls nur ein Testobjekt. Wir brauchten ja ein Opfer. Er war bis zu einem gewissen Grad eingeweiht und dazu angehalten, ihnen Alkohol anzubieten. Natürlich wusste er nicht, welche Konsequenzen das für ihn haben würde.“ Er lachte. „So konnten wir sie, ohne uns die Hände schmutzig zu machen, zu einem Mord anstiften. Ist das nicht wunderbar? Und nun haben sie uns sogar den Rest der Arbeit abgenommen, indem sie erneut Alkohol zu sich nahmen, bevor das Präparat in ihrem Körper abgebaut wurde. Schließlich waren Sie der einzige Mensch im Raum. Einfach grandios. Wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet, Mr. Johnson. Ich wünsche ihnen eine angenehme Reise!“
Er hörte noch, wie der Mann den Raum verließ, dann wurde ihm abermals schwarz vor Augen – und es wurde nie wieder hell
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Fantastische Geschichte liebte es .. Auch fragte ich meine Frau, es zu genießen .. Hoffe, Sie teilen weiterhin so schöne Geschichten.
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