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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Vergeude deine Zeit (Romananfang, Entwurf)


 

 
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Echoplex
Abc-Schütze


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 10.04.2013 22:43    Titel: Vergeude deine Zeit (Romananfang, Entwurf) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,

ich möchte euch nun auch mal meinen Romananfang zur Verfügung stellen. Ganz grob: Es geht um einen Studenten im 15. Semester, der sich über seine Zeitgenossen und die allgemeinen Entwicklungen des Lebens wundert. Es soll ein Roman mit satirischen Zügen werden, aber es handelt sich wie im Titel schon erwähnt bisher nur um einen Entwurf und ich würde sehr gerne eure ehrliche Meinung dazu hören smile

_________________________________________________________

Freitagmorgen um 9 Uhr – mein Wecker klingelt und ich schalte ihn aus. Das Bedürfnis, mich noch einmal umzudrehen und mich noch einige Minuten in die süße Welt des Schlafes hineindiffundieren zu lassen, übermannt mich. Der Schlaf ist der Bruder des Todes sagt man. Ich denke, es muss auf jeden Fall der Bevorzugte dieser beiden Brüder sein, derjenige, der von allen Menschen geliebt wird, den man sich eigentlich 24 Stunden am Tag herbeisehnt, ein gern gesehener Zeitgenosse, während die Ankunft seines ungeliebten Bruders von den meisten Mitmenschen nur mit Angst und Schrecken erwartet wird. Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir das sehr ungerecht vor und ich nehme mir vor, meine Haltung darüber noch einmal zu überdenken, denn schließlich sind Gleichberechtigung und Toleranz heutzutage ein hohes Gut in der pluralistischen Gesellschaft. Während ich so darüber sinniere, kommen mir im Halbschlaf, der sich aufgrund dieser recht trockenen Überlegungen einstellt, Bilder in den Kopf: Grelle, bunte, aufblitzende Lichter – tanzende Menschen - Frauen mit kurzen Kleidern – Männer mit tief dekolletierten, engen Shirts, die ihre Brustmuskeln spielen lassen– Männer mit Bier in der Hand – ein muskulöser Mann verschüttet Bier auf das kurze Kleid einer Frau – die Frau ist zunächst nicht erfreut darüber, reißt sich dann allerdings kurzerhand das Kleid vom Leib – die umstehenden Personen haben das Szenario beobachtet und tun es der Frau gleich – kurze Zeit später tanzen alle Partygäste unbekleidet und ungeniert einen heißen Samba. Ach ja richtig, ich erinnere mich, die Uniparty gestern. Eine richtig heiße Sache, Alkohol und feierwillige Menschen in rauen Mengen, vereint zum kollektiven Exzess. Eine Party, von der die Geschichtsschreiber noch in Jahrhunderten erzählen werden. Ich war nicht da. Aber das macht auch nichts, denn so, oder so ähnlich, wie es mir gerade vor meinem inneren Auge erschienen ist, wird es mir gleich sowieso von Pascal berichtet werden. Der Gedanke an Pascal reißt mich nun doch wieder aus dem schönen Traumland. Nicht, weil der reine Gedanke an ihn mir Schlaflosigkeit bereiten würde, sondern eher weil er mich an die Tatsache erinnert, dass er in einer halben Stunde mit seinem Nissan Almera vor meiner Haustür stehen wird, um mich für die Uni abzuholen. Ich schaue erneut auf den Wecker und sehe ein, dass nun die geeignete Stelle im Raum-Zeit-Gefüge gekommen ist, an der ich meinen Part des Weltgeschehens erfüllen muss und der bedeutet nun zunächst: aufstehen.

Nachdem dieser wichtige Punkt meiner heute langen To-Do-Liste erfüllt wurde, gehe ich zum nächsten Schritt der Tagesordnung über, und zwar Duschen. Als ich in der Duschkabine stehe und mir das warme Wasser den Rücken hinunter läuft, fällt mir siedend heiß ein, dass ich erst gestern Abend nach dem Schwimmen geduscht habe. Dass ich diese wichtige Tatsache vergessen habe, ärgert mich ungemein. Die unnötig aufoktroyierte Körperpflege raubt mir nun ganze zehn Minuten Lebenszeit und Zeit ist Geld in der heutigen Gesellschaft, das kann einem sogar ein Sechstklässler schon sagen. Sofort stelle ich die Dusche aus, um dem unnötigen Treiben ein Ende zu setzen. Als ich aus der Dusche steige und in den zum Glück noch nicht völlig beschlagenen Badezimmerspiegel schaue, wird mir bewusst, dass ich im Eifer des Gefechts vergessen habe, das Shampoo aus meinen Haaren zu waschen. Wieder ärgere ich mich wahnsinnig und verfluche innerlich mich, das Shampoo, den Duschkopf und den Druck der Wasserleitung, der nicht genügt hat, um den Ausspülungsprozess schnell genug voranzutreiben. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich erneut in die Kabine zu begebe und endlich einen Schlussstrich unter diese Farce zu setzen. Zumindest läuft der Rest meiner morgendlichen Körperpflege reibungslos ab und dafür danke ich Gott, mir selbst und dem Erfinder des Trockenrasierers, der mir eine schnittverletzungsfreie Rasur, selbst an einem so freudlosen Morgen ermöglicht. Ich gehe zu meinem Drehstuhl, den meine Eltern mir zu Beginn des Studiums geschenkt haben, damit ich beim Lernen eine bequeme Sitzgelegenheit habe. Der Anblick dieses Stuhls erfüllt mich immer ein wenig mit Scham, weil er seinem Dienst, zu dem er bestimmt war, nie wirklich nachkommen konnte. Stattdessen hat er allerdings von mir eine Art Aushilfsjob zugeteilt bekommen. Er darf sich nun als Kleiderständer versuchen und kam dieser Arbeit schon nach einer sehr kurzen Umschulungszeit sehr zufriedenstellend nach. Heute offeriert er mir eine recht große Auswahl an Kleidungsstücken, die sich im Laufe der Woche auf ihm angesammelt haben. Die oberen hatte ich gestern in der Pommesbude an, also sind diese für heute eher nicht mehr einsatzbereit, aber ich werde sie zunächst noch für den Notfall liegen lasse. Ich greife daher zu den Stücken, die sich auf der Sitzfläche des Stuhles angesammelt haben und bekomme einen dunkelblauen Pulli zu greifen. Könnte von Montag sein, eventuell aber auch noch von Sonntag, aber das steht ja nicht drauf. Eine kurze Geruchsprobe sollte Klarheit über seine Einsatzfähigkeit verschaffen: Im Chemieunterricht habe ich einmal gelernt, dass man niemals direkt an dem zu untersuchendem Gegenstand riechen darf, sondern sich die Dämpfe mit der Hand leicht zufächeln muss, um gesundheitliche Schäden durch ätzende Stoffe zu vermeiden. Vorsichtshalber wende ich also zunächst diese Methode an, komme aber zu keinem eindeutigen Ergebnis. Ich muss den Pullover also doch, alle Gefahren negierend, direkt an meine Nase halten. Behutsam atme ich ein und direkt wieder aus. Eher ein Fall, der im Grenzbereich liegt, aber ich habe jetzt keine Zeit für eine kritische Reflexion, sondern muss mit dem Vorlieb nehmen, was mir geboten wird, denn meine restliche Kleidung befindet sich gerade im Waschgang. Ich mache also kurzen Prozess und ziehe den Pullover an und merke schon nach kurzer Zeit, wie ich mich an den latenten Geruch von Dönerbude und stark frequentierter Straßenbahn nachmittags um 16 Uhr gewöhne. Da ich heute voraussichtlich sowieso so nur noch Pascal und Steffen sehen werde, habe ich die Hoffnung, dass auch diese sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase an die olfaktorische Neuerung gewöhnen werden. Da klingelt auch schon mein Handy und ich mache von meinen hellseherischen Fähigkeiten Gebrauch, wodurch ich, ohne darauf zu schauen, weiß, dass es Pascal sein muss. Diese Erkenntnis kommt mir quasi a priori. Ich muss ein verkanntes Genie sein, ein geborener Mentalist. Dass die Verknüpfung zwischen morgendlichen Anrufen und einem wartendem Freund im Auto vor der Tür auch durch jahrelange Gewöhnung entstanden sein könnte, verdränge ich für den Moment erst mal. Nun muss ich mich aber sputen, ich schütte den Inhalt meiner Schwimmtasche, die ich leider gestern vergessen habe auszuräumen, in die Badewanne und befülle sie mit dem Stapel aus Schnellheftern, Reclam-Heften „mit deutlichen Gebrauchsspuren“ und Krümeln, der auf meinem Schreibtisch liegt. Dies sind immer die Momente, in denen ich merke, dass ich mir eventuelle zwei separate Taschen für die Uni und Freizeitaktivitäten zulegen sollte. Andererseits hat es so auch seine Vorteile, wer weiß, wann mir sonst eingefallen wäre, dass sich noch feuchte Badebekleidung in meiner Tasche befindet. Nichtsdestotrotz muss ich die Überlegung über einen weiteren Taschenkauf nun leider auf einen anderen, noch nicht näher bestimmten Zeitpunkt verlegen, da mir nun auch ohne meine mentalen Fähigkeiten, und zwar durch lautes Hupen, eindringlich bewusst wird, dass Pascal immer noch vor meiner Haustür wartet. Also nichts wie los und auf in einen neuen Tag des spannenden und aufschlussreichen Studentenlebens!

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Versuchskaninchen
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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

Das liest sich offen gestanden wie ein (langatmiger)
Aufsatz.
Ich lese und lese und lese, erfahre jedoch nichts über den Kerl.
Als Anfang taugt es nicht, weil es mich Null neugierig macht.

Worum soll es denn gehen, in der Geschichte?
Schafft er es in Kapitel 15 dann in die Uni? Oder schläft er unterwegs im Almera ein und träumt von einer Kaffeefahrt am Niederrhein?


_________________
Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.
(Antoine de Saint-Exupéry in Der kleine Prinz)
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Echoplex
Abc-Schütze


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke schon mal für deine Rückmeldung und dass du die Mühe gemacht hast, den Text zu lesen.

Ich fände es konstuktiver, wenn du evtl. noch genauer begründen könntest, warum du das Gefühl hast, dass es sich um einen Aufsatz handelt. Außerdem weiß ich nicht, ob es unbedingt notwendig ist, dass man auf den ersten 2 Seiten schon die ganze Lebensgeschichte des Protagonisten beschrieben haben muss. Ich hatte eigentlich vor, die Figuren eher sukzessive einführen.

Eine Kaffeefahrt zum Niederrhein war bisher in der Geschichte noch nicht vorgesehen, aber vielleicht werde ich auf deine Idee noch zurückkommen wink
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Lele123
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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Echoplex!

An und für sich lässt sich sicher etwas aus dem Text machen smile
Wichtig ist: ______(Figur) möchte _______(Ziel), weil er _________(Motivation), aber ___________(Konflikt) kommt dazwischen.
Das muss schon auf der ersten Seite alles irgendwie klar werden. Bis auf den Konflikt, der kommt erst etwas später, aber nicht zu spät. Gut, es gibt noch Twists, die müssen auch nicht angedeutet werden.

Dann fehlen noch die Sinne, was riecht dein Prota, was fühlt er, was hört er? Man muss sich hineinfühlen können. Die Gedanken sind ja relativ klar, jedoch sollte man sie dem Leser nur mitteilen, wenn sie die Geschichte in irgendeiner Weise voranbringen.

Bsp.: Statt
Zitat:
Freitagmorgen um 9 Uhr – mein Wecker klingelt und ich schalte ihn aus.
kannst du schreiben. Das Klingeln des Weckers schrillte in meinen Ohren. Schlaftrunken taste ich nach ihm und schalte ihn aus. Ich reibe mir die Augen, Freitagmorgen neun Uhr. Mit einem Seufzer sinke ich wieder in das Kissen zurück.
Natürlich ist das verbesserungsmöglich, aber du verstehst, was ich meine?

Lg Lele


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>wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weisst,
aus diesen besteht nämlich das Leben.
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vergiss nicht den jetzigen.<

Jorge Luis Borges
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Harald
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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

Halli Echoplex,


ich möchte Dir ganz kurz meine Kurzrezension vorstellen.

Vorab, ich wollte eigentlich gar nicht erst einen Blick auf den Text werfen, da mich - und wie ich annehme auch einige andere - diese beiden absatzlosen Blöcke abschreckten. Dann begann ich doch zu lesen und war fasziniert!

Fasziniert war ich von der Tatsache, dass es da tatsächlich jemand gibt, der glaubt, sein "ein-Gag-nach-dem-anderen-jagendes" Gesülze sei Satire!

Richtige Satire bringt kühl und mit wenigen Worten den Leser dazu, mit einem nachdenklichen Lächeln die getroffenen Aussagen zu überdenken, zu selektieren, zu analysieren.

Bei deinem Text hat man ständig das Gefühl, es stände jemand hinter einem und flüstere: „Hast Du`s gelesen, ist das nicht super, so richtig zum Ablachen, toll, diese Wortwahl, geil, ich könnte mich wegschmeißen vor Lachen, ja, und schon wieder ein Gag, nun wieder ein Wort, das so niemand anderem einfallen würde ..."

Und durch die fehlenden Absätze wird dies noch verstärkt, man kann ja praktisch nicht innehalten, wird durch die Metapher- und Synonymsammlung weitergehetzt ...

 Wink


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Liebe Grüße vom Dichter, Denker, Taxi- Lenker

Harald

Um ein Ziel zu erreichen ist nicht der letzte Schritt ausschlaggebend, sondern der erste!
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Echoplex
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine etwas konstruktivere Kritik wink

Ich werde das auf jeden Fall bei der Überarbeitung und dem weiteren Schreiben berücksichtigen smile

Aber eine Frage habe ich noch: Muss ein Roman denn immer den Verlauf:
" ______(Figur) möchte _______(Ziel), weil er _________(Motivation), aber ___________(Konflikt) kommt dazwischen" haben?
Ich habe eigentlich auch schon Romane mit ganz anderen Verläufen gelesen und für gut befunden Confused
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Lele123
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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:26    Titel: Antworten mit Zitat

Es kann auch mehrere Konflikte geben, aber Ziel, Motivation und mindestens ein Konflikt sind meiner Meinung nach Pflicht.

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>wenn ich noch einmal anfangen könnte,
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Echoplex
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Harald hat Folgendes geschrieben:
Halli Echoplex,

Fasziniert war ich von der Tatsache, dass es da tatsächlich jemand gibt, der glaubt, sein "ein-Gag-nach-dem-anderen-jagendes" Gesülze sei Satire!

Wink


Es wäre ganz nett gewesen, wenn Sie ein wenig sachlicher Ihre Kritik geäußert hätten, aber ich nehme es dann mal so zur Kenntnis und mag momentan nicht auf einem solchen Niveau weiter diskutieren  Surprised
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Lele123
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BeitragVerfasst am: 10.04.2013 23:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Halli Echoplex,

Fasziniert war ich von der Tatsache, dass es da tatsächlich jemand gibt, der glaubt, sein "ein-Gag-nach-dem-anderen-jagendes" Gesülze sei Satire!


Ach das ist typisch Harald Laughing


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>wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weisst,
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Echoplex
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 11.04.2013 00:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Okay, ist ja jedem selbst überlassen, wie er sich ausdrücken möchte  Cool
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Harald
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BeitragVerfasst am: 11.04.2013 00:02    Titel: Antworten mit Zitat

Stimmt …

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Harald

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Pokapro 2015


BeitragVerfasst am: 11.04.2013 00:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Echoplex,

als erstes streiche bitte alles, was deinen Text unnötig aufbläht.
Nimm nur das, was die Geschichte vorantreibt. Satire lebt z.T. davon, dass der Leser gedanklich ergänzt. Geistreiches Schwafeln gelingt nur wenigen Autoren.    


Freitagmorgen um 9 Uhr – mein Wecker klingelt und ich schalte ihn aus. Das Bedürfnis, mich noch einmal umzudrehen und mich noch einige Minuten in die süße Welt des Schlafes hineindiffundieren zu lassen, übermannt mich. Der Schlaf ist der Bruder des Todes sagt man. Ich denke, es muss auf jeden Fall der Bevorzugte dieser beiden Brüder sein, derjenige, der von allen Menschen geliebt wird, den man sich eigentlich 24 Stunden am Tag herbeisehnt, ein gern gesehener Zeitgenosse, während die Ankunft seines ungeliebten Bruders von den meisten Mitmenschen nur mit Angst und Schrecken erwartet wird. Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir das sehr ungerecht vor und ich nehme mir vor, meine Haltung darüber noch einmal zu überdenken, denn schließlich sind Gleichberechtigung und Toleranz heutzutage ein hohes Gut in der pluralistischen Gesellschaft. Während ich so darüber sinniere, kommen mir im Halbschlaf, der sich aufgrund dieser recht trockenen Überlegungen einstellt, Bilder in den Kopf: Grelle, bunte, aufblitzende Lichter – tanzende Menschen - Frauen mit kurzen Kleidern – Männer mit tief dekolletierten, engen Shirts, die ihre Brustmuskeln spielen lassen– Männer mit Bier in der Handein muskulöser Mann verschüttet Bier auf das kurze Kleid einer Frau – die Frau ist zunächst nicht erfreut darüber, reißt sich dann allerdings kurzerhand das Kleid vom Leib – die umstehenden Personen haben das Szenario beobachtet und tun es der Frau gleich – kurze Zeit später tanzen alle Partygäste unbekleidet und ungeniert einen heißen Samba. Ach ja richtig, ich erinnere mich, die Uniparty gestern. Eine richtig heiße Sache, Alkohol und feierwillige Menschen in rauen Mengen, vereint zum kollektiven Exzess. Eine Party, von der die Geschichtsschreiber noch in Jahrhunderten erzählen werden. Ich war nicht da.


Gruß,
Carsten
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Versuchskaninchen
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Wohnort: Santhiya Koh Yao Yai


BeitragVerfasst am: 11.04.2013 07:59    Titel: Antworten mit Zitat

Guten morgen

Hilfe, du bist gestern definitiv meiner schlechten Laune zum Opfer gefallen.
Dafür möchte ich mich entschuldigen.
Motzen ist natürlich kein bisschen hilfreich.
Ich melde mich heute Abend nochmal mit einer konstruktiven Kritik.
Ich hoffe du nimmst meine Entschuldigung an.
Das ging mir echt noch nach, deshalb hab ich mich jetzt extra eingeloggt.
Gruß
Bibi
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Paradigma
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Beiträge: 1087
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Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 11.04.2013 08:25    Titel: Antworten mit Zitat

Servus Echoplex,

oh je, jetzt hast du die volle Breitseite abbekommen. Sieh es als Kompliment: Es haben sich eine Menge Leute mit dem Text auseinandergesetzt und konnten auch was damit anfangen.

Ich hab es ja schon auf dem roten Teppich geschrieben: Ich hab es durchaus amüsiert gelesen. Wäre das ganze eine Kurzgeschichte, könnte ich mich mit dem Laberton durchaus anfreunden. Aber es soll ja ein Roman werden, und da wird der Leser spätestens auf Seite drei das Buch wegen Overkills an Geblubber beiseite legen.

Seitenlinies "Überarbeitung" finde ich da schon sehr zielführend. Streiche alles, was den Text unnötig aufbläht.

Auch Leles Hinweise finde ich gut: ein paar sinnliche Erfahungen des Protas wären Hilfreich. Da ich mich selber grad damit auseinandersetze, hier mal ein Ausschnitt aus einem Schreibratgeber zu diesem Thema:

Zitat:
Aus: "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" (James N. Frey)  

Das Gebot dynamischer Prosa (Seite 167 ff.)

Es gibt deren drei. Sie lauten:

1. Sei spezifisch.
2. Sprich alle Sinne an.
3. Sei ein Dichter.

Was nun folgt, ist eine unspezifische Beschreibung, wie wir alle  sie als ersten Entwurf zu Papier bringen.

Als Mrs. Applegate am Bahnhof eintraf, war der Zug schon weg. Sie ging den Bahnsteig auf und ab und überlegte, was sie machen sollte. Es gab andere Bahnhöfe auf der Strecke; vielleicht konnte sie es zu einem von ihnen noch rechtzeitig schaffen, um ihren Zug einzuholen. Sie fragte einen Taxifahrer. Der schüttelte den Kopf: "Keine Chance" sagte er. "das ist nicht zu schaffen." ....

Die Szene enthält keine einzige spezifische Angabe. Hier nun dieselbe Szene mit spezifischen Details. Passen Sie auf, wie lebendig sie wird:

Als Beatrice Applegate am Reno Amtrk Terminal eintraf, musste sie feststelle, dass der 5:15-Zug nach San Francisco gerade am westlichen Horizont verschwand. Sie ging auf den grauen Bohlen des alten Bahnsteiges auf und ab und überlegte, was sie machen sollte. Ihr fiel ein, das Verdi nur 10 Minuten entfernt war und der 5:15-Zug dort immer hielt, um die Post mitzunehmen. Sie fand einen bleistiftdünnen Taxifahrer, der an seinem verbeulten alten Plymoth gelehnt ein Rennprogramm las. "Hundert Dollar, wenn sie mich in 15 Minuten nach Verdi bringen" sagte sie und wedelte mit dem Geldschein vor seinem Gesicht herum.
Der alte Taxifahrer dachte nach, spuckte braunen Tabaksaft aus und widmete sich wieder seinem Rennprogramm. ...


... Aber der Text ist nur insofern sinnlich, als das er das Auge anspricht. Gute Prosa wendet sich nicht nur an den Geruschssinn, sondern auch an alle anderen Sinne: Geschmack, Geruch, Gehör und den Tastsinn. Sinnliche Prosa sollte sich ebenfalls auf die übrigen Empfindungen beziehen. Druck, Hitze, Kälte usw. und auf psychische Wahrnehmungen ...

Als Beatrice Applegate an dem mit hellgrauen Dachschindeln bedeckten Reno Amtrak Terminal eintraf, musste sie feststellen, das der 5:15-Zug nach San Francisco gerade im Westen verschwand, während sein schrilles Pfeifen in der Entfernung allmählich verklang. Seine Rauchfahne schwebte noch einen Moment in der Luft, bevor sie von einer Bö des Wüstenwindes zerrissen wurde, der heiß über ihre Wangen strich un ihr in der Nase brannte ...


Fand ich durchaus beeindruckend.


Zitat:
Wichtig ist: ______(Figur) möchte _______(Ziel), weil er _________(Motivation), aber ___________(Konflikt) kommt dazwischen.


Hm, zu mindestens wenn du Unterhaltungsliteratur schreiben willst, wäre das schon wichtig. Daraus entsteh nämlich die Handlung. Er Prota will was, aber es geht nicht. Also muss er sich was überlegen, das ihn trotzdem zum Ziel bringt. Natürlich kannst du über 500 Seiten minutiös und im obigen Stil seinen Tagesablauf schildern. Aber wenn du in dann nicht wirklich tiefgründigste philosophische Einsichten in der literarisch hochwertigsten Sprache verpackst, will das kein Mensch lesen. Ehrlich.


_________________
Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner
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Anna Berg
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Alter: 56
Beiträge: 35
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 13.04.2013 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Echoplex,
mal abgesehen davon, dass sich Dein Text wegen fehlender Abschnitte nicht leicht lesen lässt, weist er außerdem eine Menge Fehler auf, die ich jetzt im Einzelnen nicht notieren möchte. Falls Du Wert darauf legst, kann ich das gerne nachholen.
Nur aus Interesse habe ich außerdem den Beitrag durch mein Schreibprogramm kontrollieren lassen und festgestellt, dass ca. 80 % Deiner Sätze mehr als 25 Wörter haben. So etwas ist ungemein ermüdend und macht wenig Sinn. Im Gegenteil - gerade der Wechsel zwischen kurzen und langen Sätzen ist ein Werkzeug, das sich ganz bewusst einsetzen lässt, um Spannung in die Angelegenheit zu bringen.
Die drei Seiten sind auf meinem Bildschirm voller Markierungen wegen häufiger Wortwiederholungen und Füllwörter. Auch hier kann ich nur empfehlen, Abwechslung zu bringen.

Ich hoffe, Du verlierst nun nicht den Spaß an dem Text und schaffst es, ihn lesenswert zu machen.

Beste Grüße

Anna
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