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Autor Nachricht
kratosisy
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 30
Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 27.03.2013 18:46    Titel: Frei sein eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nachtfunken

Menschen rennend und ihre Köpfe schützend, der Erguss kalt und klar.
Der Regen fallend hart auf Blatt und Grund, Überschwemmen der Wege.  
In die Schuhe schlüpfend, sie füllen wie Gläser ohne Schaum.
Kriechende Bewegung auf dem Gesicht, wie zäher Schleim, ein Tasten.
Gepaart mit Erde und Dreck schmutzte es mich, Unsichtbarkeit, ein Teil der Natur sozusagen.
Ein nasser Sack, sitzend auf einer morschen Bank mit Moos überwuchert und Staub gedeckt, ein Festmahl des Waldes.
 Der frische Duft, den der Regen gebar, die Nase durchzogen, ein selten Fließen der Sinne.
Kälte fröstelt, wärmelos und ungeschützt den Gewalten entgegen.
Ein gellendes Licht, erpicht auf Erhellung  der Vornacht.
Zu früh kam sie, späte letzte Augenblicke, Aufbäumung des Tages.
Überspielend die Tränen in tränkenden Sank.
Sie riefen, es ginge um Eile, Blick zu Boden, Ameisenfluss.
Trampeln, Tsunami der Insekten und Däumlinge.
Die Kälte erdrosselnd, der Regen peitschend in Wut und Scham.
Schüttelnder Sack mit Spaghettihaar, erdbebenartige Vibration bis zum Scheitel.
Uhrenschlag von weiter Ferne, scheinende Haut des Entenvogels und reißerisches Sehen.
Unruhe, gepaart mit Angst, Panik ergreifend den unruhigen Leib.
Bewegung hektischen Charakters, mimosengleiches Zurückschrecken.
Stehend auf Glitschegrund, Beine puddinggleich erschütternd.
Der Weg verschwommen, richtungslos, Irren im Kopfe, hoffnungslos.
Blicke schweifend hin und her, den richtigen Pfad zu finden.
Den Schritt nach rechts gewandt, ein Baum dem Baume, Doppelgänger im Fadenschein.
Tristesse  der hohlen Stümpfe, blühend am Leben liegend.
Steig verschwommen und jenes törichte Gehen.
Orientierung bodengleich, Irrgang lichtersuchend, Dunkelpfad.
Geräusch des Vehikels leise spürbar, Vertrautheit des Asphalts.
Hoffnungschöpfend, Schnelligkeit des zugelegten Zahnes.
Ein Fallen, Visage im Morast versunken, Reibend Blut mit Schlamm.
Erstes Flackern, das Herz besonnen, dem Asphalte zugerannt.
Lärm erfüllt Ohr und Herz, Hupen, Quietschen, der Städte Chor.
Augengewitter, blendendes Heimweh, Erkennung richtigen Ortes.
Uhrenschlag in mittlerer Ferne, halbwegs zielstrebig fortbewegend.
Ein ungewollter Ort, vor den Toren wartend.
Türe springt auf, Gezeter, Brüllen, Ohrenzuhalten.
Das Schloss verschlossen, die Augen verquollen, Ehrelosigkeit.
Erregung in hohem Ausmaß, unzüchtiger Gedankengang geboren.
Ein Spiel mit kurzem Ende.

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seppman
Weltfriedenstreiber

Alter: 38
Beiträge: 943
Wohnort: Yaren


BeitragVerfasst am: 27.03.2013 19:02    Titel: Antworten mit Zitat

Moin

so an sich ganz interessant und spannend allerdings sind die Verformungen "Überschwemmen der Wege" und "Aufbäumung des Tages" unpassend

Der Weg verschwommen, richtungslos, Irren im Kopfe, hoffnungslos.

Schönende Grüße
seppman


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Ich bin Flexitarier, ich esse dann, wenn ich Hunger, das worauf ich Hunger habe und verlass mich da völlig auf mein Bauchgefühl. Nebenbei bin ich Anhänger der Multitoleranzbewegung.
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lilli.vostry
Wortschmiedin


Beiträge: 1180
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 27.03.2013 23:24    Titel: aw:Frei sein Antworten mit Zitat

Hallo Kratosisy,

der Titel "Frei sein" machte mich neugierig, weil ich unter genau dem Namen ein Gedicht vor kurzem schrieb, das wegen des Zeitlimits im Forum ich noch nicht einstellen kann...
Aber dann bald.

Doch dann steht über Deinem Text noch zusätzlich: Nachtfunken.

Das Ganze liest sich auch wie eine Fülle nächtlicher (Alb)Traumbilder und Nachtgedanken, die quälen, nicht loslassen, sich verselbständigen und herausdrängen. Das ergäbe - grob geschätzt - Stoff für mindestens ein Dutzend Gedichte....

So lang und dichtgedrängt, ohne Zeilenabsätze liest sich das leider sehr mühsam, schwer zu überblicken und erfassen. Und eher tagebuchartig hingewofen als sortiert und bewusst ausgewählt. Auch spachlich geht es wild durcheinander mit etlichen Verschreibseln.

Schade. Denn dadurch geht vieles unter und kommt anders gar nicht zur Wirkung und es ist auch eine Frage der Achtung gegenüber dem Leser, ihm so etwas Unausgegorenes vorzusetzen.

Dennoch schimmerten mir aus dem dichten dunkeln Wortgewusel ein paar schöne SinnBilder entgegen: "Augengewitter", "Doppelgänger im
Fadenschein", "blühend am Leben liegend" oder "Vertrautheit des Asphalts".

Während ich u.a. mit dieser Zeile nichts anfangen kann: "Überspielend die Tränen in sänkenden Sank" (evt. ein Tippfehler und Du meinst Sack ?)  Wie überhaupt oft Säcke, Schlammmassen, friedvolle und unheimliche Naturdinge auftauchen.

Die Schlusszeile: "Ein Spiel mit kurzem Ende" wirkt angesichts des langen Vorspanns schon fast komisch.

Bin gespannt, wie Du selbst Deinen Text siehst, der eher Prosazügeträgt mit einigen lyrischen Elementen.

Viele Grüße,
Lilli


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finis
Autor


Beiträge: 634
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Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 28.03.2013 15:07    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe kratosisy,

Ich finde die Bildervielfalt Deines Gedichtes beeindruckend und auch die Direktheit und Klarheit, mit der sie Deinen Leser anspringen. Ich finde ihn auch sehr klar und gut verständlich, trotzdem eindringlich.
Ein paar kleine Sachen sind mir aufgefallen, die mich ein bisschen stören:
Du verwendest ja relativ viele Elipsen (bzw. Dein Gedicht setzt sich mehr oder weniger daraus zusammen) und ich persönlich mag Partizipien in solchen verkürzten Satzkonstruktionen nicht. Im ersten Satz geht das noch gut, da finde ich hat es auch Wirkung, aber "Regen fallend" finde ich nicht so geglückt, genausowenig wie "Kälte erdrosselnd". Das geht auch mit ganz normalen Verbformen im Indikativ Präsens Aktiv (um noch ein bisschen mit grammatikalischen Begriffen um sich zu schmeißen): Regen fällt, Kälte erdrosselt. Ich finde immer, das Präsens den Leser mehr reinzieht (und Deine Partizipien sind ja auch im Präsens), aber ich finde, dass durch diese eine gewisse Distanz entsteht, weil die ausdrücken: Ich sehe den Regen fallend (z.B.). Regen fällt finde ich einfacher und als Bild klarer (und jetzt habe ich verdammt viele Worte gebraucht um zu der Erkenntnis zu kommen... und jetzt, da ich Deinen Text nochmals durchgeguckt habe, habe ich festgestellt, dass es mit Partizipien an vielen Stellen besser passt, an anderen finde ich es aber ohne schöner, also an den ganzen Wetterbeschreibungen und "Beinen puddinggleich erschütternd" - so würden die Beine mich erschüttern, aber ich glaube sie werden erschüttert...)
Desweiteren (um mich von den Partizipien zu lösen) finde ich manche Deiner Substantivierungen  etwas unglücklich. "Erkennung richtigen Ortes" z.B.... Da würde ich einfach Erkennen draus machen, statt "Aufbäumung" Aufbäumen.
Dann schreibst Du:
Zitat:
Steig verschwommen und jenes törichte Gehen

Bezieht sich das "Steig" schon auf das Fahrradfahren im nächsten Vers?
Den ungewollten Ort finde ich ganz toll und auch die nächsten Verse, sehr eindrucksvoll.
(Ich stelle gerade fest, dass ich mir vorher überlegen sollte, was ich schreiben will bevor ich hier irgendwelche Antworten schreibe. Vergiss die Partizipiengeschichte.)

Bin begeistert
finis

P.S.: Ich finde Dein Gedicht im übrigen nicht prosaisch. Nicht alles, was vollständige Sätze hat und Punkte und Kommata und nicht nur sich aus Wortfetzen, nach Verständnis gierend, zusammensetzt, ist Prosa.
Liebe Grüße
finis


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