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TheBlackParade
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen

Alter: 26
Beiträge: 25
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 09.03.2013 14:29    Titel: Wie lange noch? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo smile Ich stell hier jetzt auch etwas ein.
Ich hoffe es gefällt, Kritik und Feedback ist immer erwünscht lol2

Liebe Grüße
TheBlackParade

„Carly!“  Die wütende Stimme dröhnte durch meine Zimmertür.
Einfach nicht reagieren, einfach nicht reagieren.
Stöhnend zog ich mir meine Decke über den Kopf.
Ich hörte seine schweren Schritte auf der Treppe poltern, seine leisen Flüche, sein angestrengtes Atmen. Dann krachte es einmal und er stand in meinem Zimmer.
„Carly! Schwing jetzt deinen fetten Arsch aus dem Bett und geh in die Schule! Jeden Morgen dasselbe. Langsam reicht es mir. Los!“
Seine Schritte kamen näher. Kalte Hände streiften meinen Kopf und zogen mir die Decke vom Körper.
„Lass mich in Ruhe! Ich will nicht in die Schule!“, brüllte ich und versuchte verzweifelt, ihm die Decke aus seinen dicken Händen zu reißen.
„Das kannst du vergessen, du kleine Schlampe. Du gehst in die Schule! Basta. Ich hab keine Lust mehr auf deine ewigen Zickereien.“ Sein Gesicht färbte sich rot. Adern an Hals und Schläfe traten bedrohlich hervor. John riss etwas stärker an den löchrigen Laken, die nur noch meine Beine bedeckten.
Ich klammerte mich an ihm fest, stemmte mich mit meinem gesamten Gewicht dagegen, doch alles half nichts. Verzweifelt trat ich um mich, schaffte es schließlich, ihn mit einem Tritt in den Magen wegzustoßen  
Fluchend stolperte er zurück und fiel dabei über eines meiner Bücher, die überall in der kleinen Kammer auf dem Boden verteilt waren.
„Du kleines Miststück!“ brüllte er, hievte sich zurück auf seine speckigen Beine und stürzte sich auf mich. Fäuste trafen mich überall. Keuchend krümmte ich mich auf meiner Matratze, biss die Zähne zusammen, kniff fest die Augen zu.
Als mich ein besonders fester Schlag in die Rippen traf, schrie ich schmerzerfüllt auf. Tränen liefen mir die Wangen hinunter.
Aushalten. Einfach aushalten.
„Lass meine Schwester in Ruhe du mieses Stück Dreck!“
Endlich! John wurde von mir runtergerissen, als sich Matt auf ihn stürzte.
Ich rappelte mich unter höllischen Schmerzen auf und sah gerade noch, wie die Beiden gegen meinen Schrank krachten. Sie gingen in den Trümmern zu Boden. Matt stürzte sich erneut auf John, saß nun auf ihm.
„Matt!“ schrie ich panisch, doch er reagierte nicht, schlug immer weiter auf John ein.
Seine Knöchel waren blutig, sein Gesicht zu einer Grimasse verzogen.
Ein schriller Schrei ließ mich meinen Kopf herumreißen.
Meine Mutter stürmte in den Raum, warf sich auf Matt, packte ihm am Kragen und versuchte, ihn von John herunterzuziehen.
„Matt! Matt hör auf, du bringst in um! Lass ihn in Ruhe!“ Heulend grub sie ihre langen Fingernägel in seinen Nacken.
„Matt! Du gottloses Stück Scheiße. Lass John in Ruhe!“ Sie schrie und kratze, schlug mit ihren kleinen Fäusten auf den riesigen, muskulösen Körper meines Bruders ein.
Als er nicht reagierte, sprang ich schließlich aus meinem Bett, ignorierte die Schmerzen und ließ mich neben ihm auf den Boden sinken.
„Matt“, flüstere ich leise und legte eine Hand auf seine kräftigen Schultern.
„Bitte. Du machst alles nur noch schlimmer. Es reicht.“ Ich strich ihm mit der Hand über den Rücken, versuchte, in zu beruhigen, während mir immer mehr Tränen über meine Wangen liefen.
Langsam hob er den Kopf an, drehte sich zu mir um und sah mich an.
„Es reicht.“ Meine Stimme war nur noch ein Flüstern, doch er hatte mich verstanden.
Endlich löste er seine Hände von Johns Kehle. Er richtete sich auf, ließ dabei den Mann unter sich keine Sekunde aus den Augen.
„Zieh dich an. Ich bring dich in die Schule.“ Seine Stimme war ruhig, doch ich konnte die Anstrengung aus ihr heraushören. Er ließ John am Boden liegen, schnappte sich eine Hose, ein T-Shirt und einen Pulli aus meinem zertrümmerten Schrank, drückte sie mir in die Hand, zog mich sanft aus dem Raum und knallte die Tür hinter sich zu. Er umarmte mich vorsichtig, öffnete mir die Badezimmertür und lächelte mich kurz an.
„Alles wird besser. Ich finde einen Weg. Versprochen.“
Ich nickte und betrat das kleine Badezimmer.
Als ich in den Spiegel sah, erschrak ich nicht einmal mehr. Ich war meinen Anblick gewohnt. Meine rechte Wange war knallrot. Blut klebte mir in meinem Mundwinkel, meine Lippen waren geschwollen und aufgesprungen. Mein ganzer Körper war übersäht mit blauen Flecken. Sie zeichneten sich deutlich auf der hellen Haut ab.
Ich versuchte, das Schlimmste in meinem Gesicht zu beseitigen, legte etwas Make Up auf, deckte die dunklen Ringe unter meinen Augen ab. Dann zog ich mir Hose und T-Shirt an, versuchte dabei zu ignorieren, dass ich sie immer weniger ausfüllte. Auch den Pulli zog ich mir über den Kopf, obwohl es Hochsommer war und hohe Temperaturen erwartet wurden. Ich würde alles versuchen, um die Flecken zu kaschieren.
Ich warf meinem Spiegelbild einen letzten traurigen Blick zu. Ich konnte das glückliche Mädchen von damals einfach nicht mehr finden, so sehr ich auch danach suchte. Niedergeschlagen schlich ich mich in mein Zimmer zurück, schnappte mir meine Schultasche und zog mir meine Stiefel an. Ich wollte es gerade wieder verlassen, als etwas unter meine Schuhen knirschte.
Ich hob meinen Fuß an und hätte am liebsten sofort wieder losgeweint. Ich ließ mich auf die Knie fallen und hob den zerbrochenen Bilderrahmen auf.
Vier glückliche Gesichter strahlten mir entgegen.
Damals war alles viel besser. Als mein Vater noch lebte, meine Mutter noch nicht trank, wir noch eine richtige Familie waren.
War es wirklich erst drei Jahre her? So viel hatte sich verändert, so viel war kaputt gegangen.
Mit tränenverschleierten Augen strich ich über das zerbrochene Glas.
„Dad. Ich wünschte du wärst hier. Wir brauchen dich. Ich brauche dich. Matt versucht sich zwar um mich zu kümmern, aber er kann nicht immer da sein. Bitte komm zurück. Du musst zurück kommen. Ich halte das Alles einfach nicht mehr aus.“
Schluchzend entfernte ich das Bild aus seiner zerbrochenen Hülle, knickte es einmal in der Mitte und ließ es in meiner Hosentasche verschwinden. Ich stand auf, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und schlich leise über den Flur.
Bevor ich die Haustür öffnete, warf ich einen kurzen Blick in die Küche.
Meine Mutter versorgte gerade Johns Verletzungen. Das war typisch. Es würde sich niemals ändern.
Traurig trat ich in den kalten Flur und schloss die Türe wie jeden Tag hinter mir.
Bald. Bald ist es das letzte Mal.

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Anni6p
Geschlecht:weiblichSchmierfink

Alter: 33
Beiträge: 70
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 09.03.2013 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo TheBlackParade,

eine super spannende Geschichte hast du da verfasst. Da will ich gleich wissen, wie es weiter geht. Oder wie die Vergangenheit von dem Mädchen genau aussah. Warum ihr Vater gestorben ist. Kommt noch mehr? Deine Geschichte ließt sich auch sehr flüssig. Ich mag deinen Schreibstil.
Eine Frage ist mir beim Lesen durch den Kopf gegangen: Warum steht das Mädchen nicht rechtzeitig auf, um der Prügel aus den Weg zu gehen? Offensichtlich weiß sie ja, dass der John so gewalttätig reagiert.

Viele Grüße
Anni
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Ivy Ashby
Geschlecht:weiblichSchmierfink


Beiträge: 67
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 11.03.2013 15:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

also mir gefällt die Geschichte auch sehr gut, liest sich verständlich und hält die Spannung aufrecht. Hoffentlich stellst du mal eine Fortsetzung rein. Die Idee der Story finde ich auch klasse, vor allem schwierig zu beschreiben ohne abgedroschen zu klingen, aber ich finde das hast du super hinbekommen. Hoffe du schaffst es, den Text weiter auf diesem Niveau zu halten. Hast du denn vor, weiter zuschreiben oder war das nur ein kleines Projekt?


_________________
Deep into that darkness peering, long I stood there wondering, fearing,
Doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before;
But the silence was unbroken, and the darkness gave no token,
And the only word there spoken was the whispered word, `Lenore!'
This I whispered, and an echo murmured back the word, `Lenore!'
Merely this and nothing more.
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Gamone
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 42
Beiträge: 1135
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 11.03.2013 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Yui! Gefällt mir gut, die Story! Da stört mich auch der Ich-Erzähler nicht so sehr. Aber das ist eben Geschmackssache.

Ich finde den Vorfall sehr gut beschrieben. Hatte gleich ein flaues Gefühl im Magen.

Hoffentlich machst Du eine Fortsetzung daraus, sonst muss ich mich immer fragen, ob Matt wirklich etwas ändert  Wink


_________________
Gut ist besser als schlecht!
*H.S.*

***

... du solltest öfters vom Dach springen ...
*Lapidar*
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madrilena
Klammeraffe

Alter: 84
Beiträge: 676



BeitragVerfasst am: 11.03.2013 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo TheBlackParade
Auch ich finde die Geschichte sehr gut - unsagbar deprimierend und hoffnungslos, deshalb hoffe ich, dass da eine Fortsetzung kommt. Diese ist eigentlich im letzten Satz angelegt. Weiter so - bin sehr gespannt.
LG madrilena


_________________
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